Die Massenbewegung in der Defensive von FRED MURPHY
HUGO BLANCO IN PERU VERHAFTET
Am 8. Juni wurde Hugo Blanco auf Komitees, Enrique Chirinos Soto, wurde geben hatte, mit der der achtzigtägige dem Flughafen von Arequipa festgenom. in der Limaer Tageszeitung El Comercio Lehrerstreik im letzten Juli zu Ende men, als er sich gerade zu einem Bauern- am 14. Juni zitiert mit der Bemerkung, ging. kongreß nach Puno im Süden begeben die Anklage gegen Blanco würde „viel wollte. Der Chef der politischen Polizei später oder überhaupt nicht" behandelt Zehntausend Beschäftigte der Unibrachte ihn zum Exekutivkomitee der werden. versitäten traten am 7. Juni in Streik, Verfassungsgebenden Versammlung: und 25.000 Angestellte der Krankendieses ordnete jedoch seine bedingte Blanco und seine Unterstützer hoffen häuser der peruanischen Sozialversi . Freilassung an. jedoch, die Unterschriften einer genügend rung streiken schon seit Mitte Mai. großen Zahl von Abgeordneten zusammen- In den folgenden Tagen war er zwar zubringen (34 von 100), um eine außer- Mit diesen Arbeitsniederlegungen frei, wurde aber von Bullen streng über- ordentliche Sitzung anberaumen gingen täglich Straßendemonstrationen wacht. Bis zum 11. Juni hatten die können, auf die Anklage befaßt wird. von Lehrern und Studenten in Lima und Behörden noch nicht bekanntgegeben, anderen Städten einher. Die Bullen verwessen man ihn beschuldigen will. suchten, diese mit Tränengas aufzulösen, Als Abgeordneter der Konstituierenden - - --- und verhafteten etwa 1000 Aktivisten im Versammlung ist Blanco angeblich gegen ganzen Land. Praktisch die gesamte Füh- Verfolgung immun, solange nicht die Ver- rung der SUTEP - etwa 300 Gewerkschafsammlung selbst diese Immunität aufhebt ter - wurden in den Tagen vor Ausbruch (ein Sieg wurde in einem ähnlichen Fall des Lehrerstreiks verhaftet. erzielt, als die Versammlung der Ver- Blanco wurde zu einem Zeitpunkt folgung des trotzkistischen Abgeordneten verhaftet, wo eine neue Welle von Arbei- Der Streik der SUTEP von 1978 war und Bergarbeiterführers Hernan Cuentas terkämpfe über Peru hinwegfegte. Am 4. zum Katalysator der Unzufriedenheit und Juni begannen die 140.000 Lehrer der Opposition der Massen gegenüber der nicht zustimmte). SUTEP (Lehrergewerkschaft) einen natio. Diktatur geworden. Derzeit versucht das Die Diktatur wartete bis zum 14. Juni, nalen Streik für die Anerkennung ihrer Regime, eine Neuauflage zu verhindern, bevor sie offiziell Klage gegen Blanco Gewerkschaft, eine Gehaltserhöhung um indem es massenweise verhaftet und beim Exekutivkomitee erhob. Sie hofft, 100% sowie die Erfüllung anderer Ver- bekannte Führer der Arbeiterklasse wie daß sie• damit die Versammlung daran sprechungen, welche die Regierung abge- Hugo Blanco beständig stört. hindern kann, ein Hearing über die Anklage durchzuführen, bevor ihre Amtszeit am 15. Juli abläuft. Danach wird kein Abgeordneter mehr Immunität genießen, und das Militär könnte den trotzkistischen Führer verfolgen.
Bei dieser Hinhaltetaktik zählt das Regime auf die Zusammenarbeit mit der APRA (Revolutionäre Allianz des Amerikanischen Volkes) und den anderen bürgerlichen Parteien, die zusammen in der Konstituierenden Versammlung eine Mehrheit haben. Der APRA-Abgeordnete und Vorsitzende des Geschäftsordnungs-
Mit dem Fehlschlag des dreitägigen Generalstreiks vom Januar dieses Jahres (vergl. INPREKORR Nr. 97 vom 15. Febr. 1979) ging die vorrevolutionare Situation in Peru, die im Juli 1977 begann. zu Ende. Die Wende dieser Situation kam im September 1978. als der nationale Streik der Bergarbeiter zerschlagen wurde.
Dieser Streik im Kernsektor des peruanischen Proletariats • bei der +8.000 Arbeitern der peruanischen Kupler, Eisenerz- und anderen Bergwerken • fand auf dem Höhepunkt einer Welle von Kampfen statt. mit denen die Massen der Austeritätspolitik der Militärregierung widerstanden. Über ein Jahr lang hatte es immer wieder Generalstreiks ganzer Orte oder ganzer Provinzen gegeven. dann drei nationale Generalstreiks. Fabrikbesetzungen. Landbesetzungen durch die Bauern, Studentenmobilisierungen: und Aufstände in den riesigen Slumvierteln rund um die Städte Perus. Im Verlauf dieses Aufschwungs • der mit dem 24-stündigen Generalstreik im ganzen Lande am 19. Juli 1977 begann rangen die Massen bedeutende politische Kunzessionen dem Regime ab. Das Kriegsrecht, seit Juli 1976 in Kraft. wurde aufgehoben. Eine Verfassungsebende Versammlung wurde einberufen Lad die Rückkehr zu einer zivilen Regierung versprochen. Politische Gefangene und Exilierte wurden amnestiert. Ein gewisses Mab an Pressefreiheit wurde wieder eingeräumt. und den Gruppen der Linken wurde erlaubt. wieder mehr oder weniger offen zu arbeiten. Im Kontrast zu diesen Siegen auf der politischen Ebene steht jedoch, daß die Arbeiter und ihre Verbündeten unfähig waren, irgendwelche nennenswerten ökonomischen Konzessionen von den krisengeschüttelten peruanischen Kapitalisten abzuringen. Genau das Gegenteil geschah namlich. Allein im Jahre 1978 - dem Jahr. wo der Massenkampf die höchsten Wogen schlug - fielen die Reallöhne um volle 37%, und die Zahl der Leute ohne volle Beschäftigung stieg um mehr als 100.000 an. Über die Hälfte der Arbeitskrafte bleiben „unterbeschäftigt". Ende 1978 schätzte man den Anteil der Bevolkerung, dessen Einkommen nicht enügend Kalorien in der Nahrung sichern ku rinte. auf 60%.
In der Zeit. wo der Bergarbeiterstreik begann im August 1978, wurde die Kampibereitschaft der Massen bereits durch die zunehmende Verelendung in Mitleidenschaft gezogen. Der Hauptgrund tur die Niederlage im Streik liegt indes woanders. Der von der Kommunistischen Partei kontrollierte peruanische Gewerkschaftsbund CGTP (Confederacion General de Trabajadores Peruanos) versagte darin, der Bergarbeitergewerkschaft rechtzeitig Solidarität zu bieten. Sobald klar war, daß die CGTP-Bürokraten nicht die Absicht hatten, zu einem Generalstreik zur Unterstützung der Bergarbeiter-Forderungen aufzurufen, setzten die Militärs ihre Truppen und Panzer ein. Die Bergwerksdistrikte wurden unter Kriegsrecht gestellt, und ein von 3.000 Bergleuten und ihren Angehörigen errichtetes Protestlager in Lima wurde brutal auseinandergetrieben.
Die Bergleute wurden gezwungen. wieder an die Arbeit zurückzugehen, ohne daß auch nur eine ihrer Forderungen erfüllt worden wäre. Im Oktober, November und Dezember brachen erneut Kämpfe aus bei den Studenten, Bauern. Angestellten des offentlichen Dienstes. Metallarbeitern, Bankangestellten und den Einwohner verschiedener Städte des Amazonasgebietes. Aber diese Auseinandersetzungen blieben isoliert. und weil es keinerlei zentralisierte Mobilisierungen gab. waren die Massen zum Rückzug gezwungen.
Im Dezember riefen die stalinistischen Führer der CGTP zu einem Generalstreik am ")., 10. und I1. Januar auf. Aber das wurde sehr von oben her gemacht, mit wenig organisatorischen Vorbereitungen. Die Bürokraten blockten samtliche Versuche ab, vereinigte Streikkomitees mit verschiedenen Gewerkschaften außerhalb der CGTP zu bilden. Das Datum für den Streik war willkürlich festgelegt worden: es liegt unmittelbar nach den Ferien zum Jahresende und nicht auf dem Gipfel einer Welle von Kämpfen.
Das Regime und die bürgerlichen Parteien entfachten eine Propagandakampagne gegen den Streik, malten plötzlich „die Gefahr eines Krieges mit Chile** an die Wand und drohten, daß die Arbeitsniederlegung die versprochene Rückkehr zu einem zivilen Regime gefährde (in vorhergehenden Streiks hatten einige bürgerliche Parteien - insbesondere die APRA (Alinaza Popular Revolucionaria Americana. Perus größte bürgerliche Partei) - verbale Unterstützung gegeben, und ihre Anhanger hatten teilgenommen).
der Arbeitsgesetzgebung der Diktatur Grund für Entlassung ist, hatte bei einer dreitagigen Arbeitsniederlegung den Teilnehmem Massenentlassungen gedroht. Die Arbeiter beschlossen in ihrer Mehrheit, dieses Risiko nicht auf sich zu nehmen.
Die meisten Arbeiter gingen. Ja ilire Führer offensichtlich uneinig waren und dem Streik praktisch jegliche Leitung fehlte, da sie härtere Repressionsmatsnahmen als bei vorhergehenden Gelegen heiten befürchteten (das Regime stellte in den Tagen vor dem 9. Januar seme militärische Krafte massiv zur Schau) and da die früheren Arbeitsniederlegungen kaum ökonomische Resultate gebracht hatten, am 9. Januar zur Arbeit, und die übrigen nahmen am 10. Januar die Arbeit auf. Die CGTP-Führung setzte den Streik zu Mittag des zweiten Tages aus. DIE GEGENOFFENSIVE
DER DIKTATUR verlängert. Solange der in Kraft war, waren Gewerkschafts- und politische Versammlungen verboten, und Leute konnten ohne Anklage verhaftet und gefangengehalten werden (letztere Verfügung blieb auch nach Aufhebung des Notstands in Kraft).
Sieben unabhängige Zeitschriften mußten kurz vor dem Streik ihr Erscheinen einstellen, drei weitere wurden kurz nach dem Streik verboten. Erst im April durften einige von ihnen wieder erscheinen (solche Zeitschriften bilden die Hauptquelle für Informationen in Peru, da die regierungseigenen Tageszeitungen strikt kontrolliert werden).
Die Repression gegen Kämpfe der Arbeiter und Bauem verschärfte sich. Am 4. Februar machte die Polizei einen brutalen Überfall auf die Textilfabrik Cromotex, die von ihren Arbeitern seit dem 28. Dezember besetzt war. Drei Arbeiter wurden getötet, zehn verletzt, vier verschwanden und siebenundfünfzig wurden verhaftet.
Eine regelrechte Herrschaft des Terrors wurde über die Bauern des Alto Piura zwischen dem 6. und dem 12. Februar errichtet. Um den Besetzungen brachliegenden Landes ein Ende zu setzen. griffen Zivilgarden Siedlungen von Bauern an, töteten einen und verwundeten zweiunddreißig, zerstörten Hütten und raubten Arbeitsgeräte und Lebensmittelvorräte. Siebzehn Bauem wurden verhaftet und wegen „Sabotage der Agrarreform" angeklagt!
Am 28. Februar überfiel die politische Polizei eine Versammlung im Hauptquartier der SUTEP, der peruanischen Lehrergewerkschaft. in Lima. Der I.ehrergewerkschaftsführer Abel Callirgos wurde von den Bullen ermordet und aus dem Fenster im vierten Stock geworfen. Mehrere Dutzend SUTEP-Führer kamen Getängnis. Das Regime will cinem nationalen Lehrerstreik, wie eram 27. Juli 1978 zu Ende gegangen war, als die Regierung versprochen hatte. die Gewerkschaft anzuerkennen und ihre Forderungen zu ertüllen, zuvorkommen. Dieses Versprechen ist bis heute nicht eingelost worden. Die Bullen überfielen sogar die Kathedrale von Lima am 20. Marz. um daraus die Herausgeber mehrerer verhotener Zeitschriften zu vertreiben. Die Journalisten hatten sich selbst in der Krypta der Kathedrale festgekettet und hatten einen Hungerstreik aus Protest Bbeconnen. Verbot ihrer Publikationen Mitte März schickte das Militärregime wieder schwerbewaffnete Truppen in die Bergwerksdistrikte, um einen wieder ausgebrochenen Streik gegen die Southern Peru Copper Company zu zerschlagen. Hunderte von Bergarbeitern wurden ver. haftet, und etwa fünfzig kamen vor ein Militärgericht.
Die Bergleute wurden gezwungen. Anfang April die Arbeit wieder aufzunehmen. Regierung und Company arbei. teten zusammen, Dutzende von Gewerkschaftsführern zu entlassen. sie zusammen mit ihren Familien aus den bergwerks. eigenen Wohnungen zu jagen und sie in entlegene Gebiete des Landes zu deportieren.
Auch Führer von Angestellten der Krankenhäuser. der Banken und der Universitäten wurden im April und Mai ins Gefängnis geworten.
DER GEWERKSCHAFTEN BEDROHT
Andere Gewerkschaften wurden auf weniger direkte Art angegriffen. Die bürgerliche APRA-Partei versuchte in enger Zusammenarbeit mit dem Arbeitsminister, in den Gewerkschaften, die sie einst kontrollierte, wieder einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Schlägertrupps der APRA besetzten die Fischergewerkschaft von Callao am 19. März und am darauffolgenden Tag auch das Hauptburo des Peruanischen Fischer-Gewerkschaftsbundes feine alınliche Operation war schon 1971 vom Fischerei-Ministerium durchgeführt worden: die Gewerkschaft blieb dann unter Kontrolle der Regierung bis 1974, wo die Fischer sie wieder zurückeroberten).
Die Stalinisten an der Spitze der CGTP haben auch zur Schwächung der Gewerkschaften beigetragen mit ihrem Kurs. Gewerkschaften. die von linken Kräften geführt werden. zu spalten oder wieder unter Kontrolle zu bringen. Im April hielten sie einen Rumpfkongrets der mächtigen Metallergewerkschaft FETIMP und gewannen die offizielle Anerkennung durch die Regierung. Die Mehrheit der FETIMP-Sektionen einschließlich derer von den größten Fabriken hielten einen getrennten Kongreß vom 27. April zum 1. Mai ab. Den Trotzkisten gelang es zusammen mit unabhängigen Delegierten, die Absicht der Maoisten und Dissidenten der moskau-orientierten Stalinisten, die FETIMP von der CGTP abzutrennen. abzublocken.
RECHTZEITIGE HILFE VON
IMPERIALISTISCHEN BANKEN
Das Militärregime hat bewiesen, daß es in der Lage ist, die Massen in Schach zu halten und den Austeritätskurs zu verscharfen: damit erhölite es seine Glaubwürdigkeit bei den imperialistischen Glaubiger. In einer Verhandlungsrunde mit dem Internationalen Wahrungsfonds und den großen Banken und Regierungen, die den Grosteil von Penis 8.8 Milliarden Dollar Schulden kreditieren, erreichte das Regime, dal 90% der Schuldenlasten einen Aufschub (.,Rollover") hekamen. die eigentlich 1979 und 1980 fällig gewesen waren. Das bedeutet, dats nur 30% der peruanischen Exporteinahmen in diesen Jahren zur Schuldentilgung ausgegeben werden mussen. walırend man ursprünglich mit fast 70% gerechnet hatte. Gleichzeitig wurden Perus Devisenreserven durch das enorme Ansteigen des Kupferpreises auf dem Weltmarkt, der im Februar begann, aufgebläht. Indes wird das nicht lange halten. da es keine Zunahme bei der Nachfrage widerspiegelt. sondem nur spekulativen Charakter hat • und zum Teil auf den Schrecken zurückzuführen ist. den die Bergarbeiterstreiks in Peru den Käufem eingejagt haben. finanziele Simation verses da sich gliche seine Austeritatsmaßnahmen geschickter durchzusetzen. Preiserhöhungen und Währungsentwertungen wurden abgestufter vorgenommen, so daß der kontinuierliche Angriff auf den Lebenstandard verdeckt wurde und die Explosionen der Massen in ihrer Wut. die friher die Austeritätsdekrete begleiteten, ausblieben. Die Regi ung war auch in der Lage, selektive okonomische Konzessionen gewissen Arbeitergruppen wie den Beschäftigten der Zucker-. Textil und Stahlindustrie sowie der Telefongesellschaft zuzugestehen. Das geschal in mit dem Bestreben der APRA, sich wieder in den Gewerkschaften festzusetzen. indem den "Aprisias" e die Moglichkeit gegeben wurde, sich den Arbeitern als diejenigen zu prisentieren, die dem Regime Konzessionen abringen können.
WERDEN DIE VORGESEHENEN
WAHLEN IN FRAGE GESTELLT ?
Als die Konstituierende Versammlung im letzten Juli einberufen wurde, erhofflen sich breite Teile der Massen Lösungen für ihre Probleme von ihr. Aber nichts dergleichen geschah. Aufgrund der Zweidrittelmehrheit der APRA zusammen mit anderen bürgerlichen Parteien blockierten diese die Bemühungen der Arbeiter-Abgeordneten, die Forderungen der Massen innerhalb der Versammlung aufzuwerfen. Die APRA und ihre Verbündeten weigerten sich, jedwede Maßnahme anzugehen. die die Diktatur reizen konnte. Die Illusionen in die Versammlung verflüchtigten sich so schnell. aber da die außerparlamentarischen Kampfe auf einen toten Punkt gelangten und in der Arbeiterbewegung die Fuhrungsk rise nicht überwunden wurde, warten die Massen jetzt auf die fur dieses Jahr oder 1980 versprochenen Wahlen als ein weiteres Vehikel, von dem sie• sich die Erfüllung ihrer Forderungen erhoffen. Die Plane der Militärs zur Wiederherstellung einer Zivilregierung basieren alle daraut, dab die APRA sowohl als Sicher-
heitsventil für die Unzufriedenheit der Massen als auch als Wächter der kapitalisuschen Stabilität dient. Aher mit der Verschlechterung desGesundheitszustands -› APRA Grunders und Obersten Chets" Haya de la Torre ist eine neue Schwierigkei entstanden.
Der vierundachtzigjährige Haya brach m: Marz un APRA-Hauptquartier zusammen und wurde eiligst in ein Krankenhaus nach Houston (Texas) gebracht. Das Gerucht geht herum, er hätte Krebs in beiden Lungen sowie Nieren- und Kreislaufbeschwerden. Es gibt keinen anderen APRA-Führer von der Statur Hayas, so daß die Militärs befürchten, sein Ableben werden das Ende der APRA-Hegemonie im politischen Leben Perus bedeuten. Die APRA kann sich dann in zwei oder mehr teindliche Fraktionen spalten, von denen dann keine den Widerhall bei den peruanischen Wählern findet, den die APRA seit den 30er Jahren unter Haya de la Torre genoß. Trotz seiner vielen Verratereien symbolisiert Haya immer noch für viele Peruaner den frühen Anti- Imperialismus der APRA, die unnachgiebige Opposition gegenüber Militärdiktaturen und die Verpflichtung gegenuber der sozialen Gerechtigkeit. Wenn Haya von der Bildfläche verschwunden ist. dann erspähen andere burgerliche Politiker mehr Möglichkeiten fur ihre eigenen Ambitionen. Ex-Präsident Femando Belaunde Terry, der von den Militärs 1968 abgesetzt worden ist, führt die Bande an. Er fährt oft im Lande umher und versucht. seine Partei der Volksaktion wieder aufzubauen. Ein weiterer Prätendant ist Luis Beduya Reyes von der Christlichen Volkspartei (PPC). Da Bedoya sowieso kaum Chancen hat, schlug er im Januar vor. da angesichts des drohenden Krieges mit Chile die Wahlen möglicherweise aufgeschoben werden müßten. Das wurde als verschleierter Aufruf zu einem Putsch angesehen. bei dem er selbst als ziviles Feigenblatt für ein weiteres Militärregime an die Regierung sollte. Bedoyas Schritt brachte die Apristen zur Weißglut, und es kam zu einer Schießerei zwischen seinen Anhängern und APRA-Schlägern außerhalb der Verfassungsgebenden Versammlung.
APRA und PPC legten indes schnell ihren Streit wieder bei. In den letzten Wochen arbeiteten sie eng bei der Schlußformulierung der neuen Verfassung zusammen. Nach wie vor werden die Arbeiterabgeordneten abgeblockt, wenn sie versuchen. irgendeine Rolle bei den Debatten zu spielen.
Es gibt widersprüchliche Berichte gerufen. Wir haben unsere letzte größere darüber, für wann nur die Präsidentschafts- Investition in Peru vor sechs Jahren geund Kongretswahlen einberufen werden. tätigt, und wir sehen keine Anzeichen Die Legislaturperiode der Verfassungs- dafür, daß neue opportun seien", sagte im gebenden Versammlung geht am 28. Juli Februar der Manager einer großen Gesellzu Ende. Danach ist es völlig den Militärs schaft zu Business Latin America. Solche überlassen, wann sie die Wahlen abhalten Erklärungen zeigen doch, wie illusorisch lassen, und sie können natürlich auch die Hoffnungen der Militärs auf eine beschließen, daß überhaupt keine statt- Erholung der Wirtschaft aufgrund von finden, wenn deren Ausgang ihnen zu ausländischem Kapital und gesteigertem ungewiß erscheint. Export sind. In Wirklichkeit ist mit einer Periode weiterer Stagnation zu rechnen Die düsteren politischen Aussichten und mit neuen Kalamitäten, wenn die haben bei den Imperialisten wenig Enthu- aufgeschobenen Schuldenzahlungen 1981 siasmus, in Peru zu investieren, hervor- fällig werden. DIE HERRSCHENDEN FÜRCHTEN
DAS TROTZKISTISCHE PROGRAMM
Der einzige Weg. daß Peru aus der ver- Die Herrschenden Perus haben Angst schärften Krise herauskommt, ist die davor, daß revolutionär-sozialistische sozialistische Lösung, wie sie von den Ideen zunehmend Unterstützung bekom- Trotzkisten (I) propagiert wird: Nicht- men. Sie wissen, daß die bescheidenen anerkennung der ausländischen Schulden, trotzkistischen Kräfte bei einer neuen Enteignung der großen Unternehmen der Erhebung, die trotz der jüngsten Rück- Imperialisten und der einheimischen schläge zu jeder Zeit erfolgen kann, rasch Kapitalisten. Errichtung des staatlichen anwachsen können. So haben die Militärs Monopols auf den Außenhandel sowie schon etliche Versuche unternommen, Planung der Wirtschaft. Die Trotzkisten um den Fortschritt der Trotzkisten abzuerklären. daß nur eine Arbeiter- und blocken. Bauernregierung derartige Maßnahmen Im letzten September versuchten durchführen kann. rechtsstehende Terroristen, von denen allgemein angenommen wird, daß sie mit Diese Vorschlage sind in Peru auf dem militärischen Geheimdienst in Verbreite Aufnahme gestoßen, vor allem bindung stehen, Blanco zu entführen. Es aufgrund der ungeheuren Popularität des gelang ihnen, zwei PST-Mitglieder und trotzkistischen Führers Hugo Blanco von einen besuchenden Journalisten festzuder PRT. nehmen.
Im März suchten das Regime, die rechtsgerichtete Presse und die bürgerlichen Parteien, den Bergarbeiterstreik der POMR anzulasten, die Mitglieder in der Führung des Bergwerks von Cuajone hat. Im April überfiel die Polizei das Zentralbüro der PST von Lima und brachte 21 Mitglieder, darunter drei nationale Führer, ins Gefängnis (alle sind später ohne Anklagen wieder freigelassen worden).
Auf ähnliche derartige Initiativen kann man sich jetzt schon gefaßt machen. Wenn die Verfassungsgebende Versamm. lung zu Ende ist, wird die parlamentarische Immunität von Blanco und anderen trotzkistischen Abgeordneten aufgehoben. Dann besteht die Gefahr. daß das Regime die Trotzkisten mit konstruierten Beschuldigungen verfolgen will. WOHIN GEHT DIE FOCEP?
Die Kampagne der Herrschenden gegen die Trotzkisten hat auch die Form angenommen, daß auf die FOCEP (Front der Arbeiter, Bauern, Studenten und des Volkes) Druck ausgeübt wird, auf das Wahlbündnis, das im Dezember 1977 gebildet wurde aus drei trotzkistischen Gruppen so wie einer Anzahl von unabhängigen Persönlichkeiten der Arbeiter. bewegung.
Nachdem die FOCEP 12% der Stimmen für die Verfassungsgebende Versammlung erreicht und damit alle anderen Listen der Arbeiterklasse überholt hatte, setzten die Kapitalisten ihre ganze Macht in der bürgerlichen Presse ein - besonders stach dabei die sozialdemokratische Wochenzeitung Equis hervor um den Präsidenten der FOCEP, Genaro Ledesma, dazu zu bringen, daß er mit der FOCEP-Plattform der Unabhängigkeit der Arbeiterklasse • bricht und eine Haltung der Klassen-Zusammenarbeit einnimmt. Gleichzeitig startete die rechte Presse eine Verleumdungskampagne gegen Hugo Blanco und die Trotzkisten. Die ganze Operation zielte darauf ab, die FOCEP zu zähmen und ihre trotzkistischen Mit. glieder zu isolieren.
Die Pressionen auf Ledesma, einen Rechtsanwalt, der sehr bekannt war als Verteidiger von Opfern der Repression, blieb nicht ohne Auswirkungen. Ledesma kündigte die Bildung von FOCEP-Independiente (Unabhängige FOCEP) an, einer Formation, die von ihm selbst, vom linksgerichteten Romancier Manuel Scorza und vom ehemaligen Guerillaführer Ricardo Gadea geleitet wird. Sie begannen, eine Zeitung herauszugeben, FOCEP (die dann alsbald von der Regierung verboten wurde).
In der ersten Ausgabe von FOCEP konnte man eine politische Erklärung lesen, in der zur Einheit der anti-imperialistischen, revolutionären und demokratischen Kräfte in einer breiten vereinten Front" aufgerufen wird. Weiter heißt es darin:
Unser Endziel ist die Machtübernahme durch eine breite Allianz von Volksklassen unter der Führung des Proletariats und in Koordination mit allen politischen Parteien und Bewegungen der Linken. Machtübernahme und sozialistische Revolution werden das unausweichliche Ergebnis des sich entwickelnden Klassenkampfes sein. "
In der Praxis stellte sich bald heraus, daß Ledesma und seine Bündnispartner de facto die FOCEP in eine volksfrontartige Allianz mit der Kommunistischen Partei und der kleinbürgerlichen Revolutionär-Sozialistischen Partei bringen. Und Ledesma soll der Präsidentschaftskandidat dieser Front werden.
Ledesma antwortete auch positiv auf Angebote, die der APRA-Führer Armando Villanueva an die Linke machte, die er „verantwortlich" nennt. Nach einem in El Comercio, einer Tageszeitung von Lima, vom 14. Mai wiedergegeben Zitat sagte Ledesma: „Es ist wahrscheinlicher, daß die um die FOCEP gruppierten linken Kräfte sich der APRA annähern werden als der Christlichen Volkspartei..." Die Trotzkisten setzen innerhalb der FOCEP alles dran, damit sie• ihren ursprünglichen Charakter als Block für die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse behält. Die FOCEP entstand als Kampffront gegen die Diktatur und die rechten Parteien", erklärte Hugo Blanco in einer Antwort auf Ledesmas Kommentare über die APRA. ..Eine ihrer essentiellen Prinzipien ist ihre politische Klassenunabhängigkeit."
.Dr. Genaro Ledesma kann verhandeln, mit wem er will", sagte FOCEP-Abgeordneter und PST-Führer Enrique Femandez. ,Aber er darf dabei nicht die FOCEP mit hineinziehen, denn wir alle, die wir Teil der FOCEP sind, halten die politische Klassenunabhängigkeit über alles auf recht. "
Der Kampf zur Bewahrung der urspringlichen Klassenkampf-Plattform der FOCEP wird die Hauptfrage sein, die zum jetzt fi Ende Juni geplanten FOCEP Kongreß austeht. Die Trotzkisten und ihre Verbündeten werden versuchen, den kapitalistisch inspirierten Kurs. FOCEP. in eine Front der Klassenkollaboration zu verwandeln. zu besiegen. ANMERKUNG:
'') E Perbi drei Reitsche Arbeiter partei (PRT: Partido Revolucionaro de los Trabajadores), die Sozialistische Arbeiterpartei (PST: Partido Socialista de los Trahajadores) und die Revohitionäre Marxistische Arbeiterpartei (POMR: Partido Obrero Marxista Revolucionario). PRT und PST sind sympathisierende Organisationen der Vierten Internationale und stehen derzeit im Vereinigungsprozeß. Die POMR gehört dem Organisationskomitee für den Wiederaufbau der Vierten Internationale an; es sind Diskussionen im Gange, auch sie mit der PRT und der PST zu vereinigen.