Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Tunesien nach dem Generalstreik vom 26. Januar 1978

· Inprekorr Nr. 103, 10. Mai 1979 · S. 24-31 · 3.327 Wörter

Maghreb Gewerkschaften und Streiks Arabische Welt und Golf Jugend und Studenten

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Tunesien nach dem Generalstreik vom 26. Januar 1978 von NABIL SAID

Am 26. Januar 1978 ertränkte me durch Unterdrückung allein nicht die Regierung Bourguiba im halten und daß man nicht ohne Risiko Blute einen Generalstreik, der gegen ein ganzes Volk regieren kann. Sie am Vortag ausgebrochen war. hat der Bewegung der „Muselmanischen Die Opfer unter den tunesi- Brüder". die in der tiefen gesellschaftlichen schen Arbeitern waren sehr Krise wurzelt neue Kraft gegeben; diese groß: 4000 Tote, mehr als Bewegung will wie die mächtige schiititausend Verletzte, 1500 Fest. sche Bewegung im Iran wie eine Lösung genommene (siehe Inprekorr der Krise und wie eine glaubhafte Alter- Vr. 90 vom 15. März 1978). native erscheinen. Und sie scheint auch Nabil Said zeigr in dem fol. immer mehr zu einer Kraft zu werden, genden Artikel die Lage auf. welche das Regime bedrohen kann. Von die in Tunesien ein Jahr nach daher sind auch die Appelle verständlich diesem Massaker herrscht. gegen die Krafte. die unter dem Mantel des Islam das Regime zu bedrohen versuchen "(Sayah. Führer der Einheitspartei). Es ist heute jedem klar, daß der 26. Januar ein Komplott war, das die Regie- Was dabei die Lage im Maghreb (Westrung gegen die Arbeiter und gegen die teil der arabischen islamischen Welt: Tu- UGTT mit der aktiven Unterstützung des nesien, Algerien und Marokko) betrifft, Imperialismus vorbereitet und ausgeführt so hat in Algerien das Ableben Boumehat. Die Arbeiterklasse wurde massiv diennes eine politische Krise eröffnet, die unterdrückt und die Führung der UGTT durch die Ernennung des Oberst Chadli (= Union Generale des Travailleurs Tuni- zum Staatspräsidenten nicht beseitigt siens. tunesische Einheitsgewerkschaft) wurde. beseitigt, um den sozialen Frieden zu verwirklichen, einen Sparplan umzusetzen Schließlich gibt die Orientierung des und die Zeit nach Bourguiba vorzuberei- libyschen Regimes im Laufe der letzten ten. Das alles im Gesamtrahmen regionaler Monate sowohl im innenpolitischem als Instabilität und andauernder Wirtschafts- auch im zwischenarabischem Bereich dem krise. Welche Maßnahmen ergriff die tunesichen Regime allen Grund zur Be- Bourgeoisie nun, um diese Ziele zu errei- unruhigung. Das libysche Regime ist trotz chen, und wo ist es ihr gelungen? Wie sah des Scheitems des Vertrage von Djerba die Antwort der Arbeiter aus, und wel- nie von seinem Fusionsplan Tunesienches sind die vorrangigen Aufgaben der Libyen abgekominen und versucht ihn Kevoluttonäre in der gegenwärtigen Lage? mit allen Mitteln durchzusetzen (wirtschaftlicher Druck. Unterstützung natio- EINE INSTABILE REGIONALE LAGE nalistischer. arabischer Oppositionsgruppen in Tunesien. Flugzeugentführungen, Erstens hat das tunesische Regime usw.). Die Beziehungen zwischen den unter den Auswirkungen der iranischen beiden Regimen sind jetzt. wenige Mona- Kevolution gelitten. trotz der geographi- le nach dem Besuch des tunesischen Mischen Entfernung vom Iran. Dadurch nisterpräsidenten Nouria in Libyen im wurde drastisch gezeigt. dab sich em Regi- Juni 1978, schon wieder gespannt, besonders als Folge der Verträge von Camp David, die von der tunesischen Regierung unterstützt und von Libyen als Gipfel des Verrats an der arabischen Sache betrachtet werden. Weiter ist die tunesiche Bourgeoisie beunruhigt über die Entwicklung des libyschen Regimes selbst, die sich zeigt in der Zunahme von Volkskomitees und den Maßnahmen, die am 1. September letzten Jahres von Oberst Ghaddafi verkündet wurden (.,Das Land dem, der es bebaut, das Haus dem, der es bewohnt, die Fabrik jenen, die dort arbeiten"). Diese Maßnahmen könnten trotz ihres demagogtschen Charakters Einfluß auf das tunesische Volk haben.

All diese Faktoren, die wachsende Instabilität im Mittleren Orient nach dem Sieg der iranischen Revolution, die fortdauernde Instabilität im Maghreb und die klare antiamerikanische Haltung des libyschen Regimes verleihen dem tunesischen Regime, das bis jetzt sehr stabil ist, ein verhältnismäßig großes Gewicht. Der Imperialismus braucht ein stabiles Regime in Tunesien, um das libysche Regime zu isolieren, um den Maghreb durch die Klärung der Saharafrage und die enge Eingliederung Algeriens in seinen Einflußbereich zu stabilisieren und um die Auswirkungen, welche die iranische Revolution auf die Massen dieser Region haben können, aufzufangen. Er gibt dem tunesischen Regime kräftige wirtschaftliche, politische und militärische Unterstützung und sucht es im großen und ganzen in der gegenwärtigen Form zu erhalten.

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ANDAUERNDE WIRTSCHAFTLICHE

KRISE

Tunesien, ein kapitalistisches Land der Dritten Welt, leidet unter den Auswirkungen der weltweiten Krise des kapitalistischen Systems, die 1973 begann und deren Ende noch nicht abzusehen ist. Wir werden versuchen, eine knappe Bilanz der wirtschaftlichen Lage zu ziehen und sie mit den Zielvorstellungen des V. Planes zu vergleichen, der 1977 begann. Für 1978 werden statistische Angaben erst in einigen Monaten verfügbar Der V. Plan gibt drei Ziele an: ein Wirtschaftswachstum von 7,5% pro Jahr, ie Selbstversorgung mit Nahrungsmittel ind die Vollbeschäftiguns

Das tunesische Wirtschaftswachstum im Jahr 1977 wurde in einem im August 1978 erschienenen Bericht der „Banque Centrale de Tunisie* (BCT) auf 4,1% geschätzt. Der Premierminister nannte in seiner Rede vor der Nationalversammlung bei der Vorlage des Haushalts im November 1978 eine viel geringere Zahl: 1,1%. Für das Jahr 1978 verkündete Nouria, die Wachstumsrate habe 8,9% erreicht, obwohl das Jahr zum Zeitpunkt seiner Rede noch nicht zu Ende war und er nicht über die statistischen Angaben des letzten Vierteljahres verfügte. Die Ziele des V. Plans sind also für 1977 bei weitem nicht erreicht worden und es scheint, daß die Zahlen für 1978 - im voraus genannt als Gegengewicht zu den katastrophalen Zahlen von 1977 - auch nach unten korrigiert werden müssen, wenn alle Statistiken vorliegen werden.

Was die Beschäftigung angeht, so hat sich 1977 die Zahl der Arbeitsuchenden um 55.700 erhöht, davon 20% Frauen. Der Premierminister selbst hat in seiner Rede vor der Nationalversammlung erklärt, daß 1979 die Schaffung von Arbeitsplätzen unter der zusätzlichen Nachfrage liegt, so daß sich voraussichtlich ein Defizit von 12.000 Arbeitsplätzen ergibt... aber sein Abbau durch Beschäftigung im Ausland dürfte keine Probleme stellen. " Es wird also von offizieller Seite ganz zynisch eine Erhöhung der bestehenden Arbeitslosigkeit (die jetzt schon erheblich ist) angekündigt um so zynischer, als die Beschäftigung im Ausland ebenfalls auf Schwierigkeiten stößt. Im Laufe von 1977 sind 27.000 Arbeiter nach Libyen und etwa 1500 in andere Länder gegangen (Bericht der BCT); der Gastarbeiterstrom nach Libyen hat sich inzwischen verlangsamt und droht sogar ganz aufzuhören. Im Bericht der BCT wird schon für 1977 die Anzahl der Nichtbeschäftigten auf 106.000 geschätzt und angemerkt: die Zunahme ist nicht allein darauf zurückzuführen, daß Personen, die erstmals Arbeit suchen. neu auf den Arbeitsmarkt kommen. Sie erklärt sich auch daraus, daß zahlreiche Leute ihren Arbeitsplatz in Bereichen mit abnehmender wirtschaftlicher Bedeutung - wie Landwirtschaft und Textil - verloren haben und eine neue Beschäftigung suchen." (Seite 87 des Berichtes) Und weiter: Berücksichtigt man die jüngeren Personen, besonders die Schulentlassenen, deren Zahl stark zunehmen wird, so wird sich die Gesamtzahl der Arbeitsuchenden noch mehr erhöhen." (Seite 88 des Berichtes)

Die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln, das dritte Ziel des V. Plans, ist offensichtlich auch nicht erreicht worden. Im Jahr 1977 betrug die Produktion von Getreide (dem Grundnahrungsmittel in Tunesien) nur 7.500.000 Doppelzentner, was einen Rückgang um 35% in bezug auf 1976 ausmacht. Die Regierung war gezwungen, die entsprechende Menge für fast 40 Millionen Dinar einzuführen. Die Produktion betrug 1978 9 Millionen Tonnen, aber der Voranschlag für die Einfuhr ist von derselben Größenordnung wie der von 1977.

Als Folge der Verschlechterung der „terms of trade" haben beispielsweise die Phosphatexporte von 1977, die insgesamt 2.1 Millionen Tonnen betrugen - in bezug auf 1976 eine Mengensteigerung um 6,1% - um 19,9% an Wert verloren. Im ersten Vierteljahr 1978 sind die entsprechenden Erträge aus dem Erdölexport trotz gleichbleibender Menge in bezug auf dieselbe Periode 1977 um 4,5% gesunken. Das Defizit in der Handelsbilanz erhöht sich weiter. Während die Deckung der Einfuhren durch die Ausfuhren 1974 80% betrug. waren es 1977 nur noch 51,7% und 48,1% für das erste Halbjahr 1978 (BCT-Bericht und Bulletin Con joncture").

In offiziellen Statistiken wird davon ausgegangen, daß der Anteil ausländischer Finanzierung von Investitionen von 33% im Jahr 1978 auf 35.8° im Jahr 1979 ansteigen wird, was im V. Plan nicht vorltergeschen war (von 852 Millionen Dinaren Gesamtinvestition sind 355 Millionen Dinare ausländische Mittel). Der Schuldendienst (Zins und Tilgung von Krediten) wird 1979 12,7% der Exporterträge ausmachen gegenüber 11,4% im Jahr 1978 (Rede Nourias vor der Nationaiversammlung).

Außerdem sind eine Anzahl großer Projekte aus dem V. Plan inzwischen einfach aufgegeben worden: die Erweiterung der Raffinerie von Biserta, das Industriewerk El Fouledh, eine zweite Zuckerfabrik, das Projekt SEPA Il zur Herstellung stickstoffhaltiger Düngemittel, die Erschließung der Erdgasfelder von Miskar und der Erdölfelder von Isis. DIE POLITIK DER BOURGEOISIE

Nach dem Schlag vom 26. Januar 1978 war die Politik des Regimes von dem Willen bestimmt, die Lage wieder zu stabilisieren. Nach der massiven Unterdrükkung im Januar-Februar 1978, welche dem Regime die Zerschlagung der UGTT ermöglichte, verfolgt es nun eine weniger starke, dafür aber gezielte Repression, die nur ganz bestimmte Bereiche trifft und dem Mobilisierungsgrad der Arbeiter und Volksmassen angepaßt ist.

Nach den Massakern, den Verhaftungen, den Folterungen und den Entlassungen bleibt die Unterdrückung der Arbeiter auch weiter ein Faktor in der Politik des Regimes. Ein umfassendes Überwachungsund Unterdrückungssystem der Arbeiterklasse ist sorgfältig ausgearbeitet worden und wird systematisch in den Betrieben angewendet. Die Einrichtung der , gardes d'usines" (Werkschutz), der Aufbau von Zellen der Staatspartei und von Marionetten-Gewerkschaftsgruppen, deren Ziel es ist. die Arbeiter zu überwachen und jede Mobilisierung zu verhindern, zeigen, daß die tägliche Unterdrückung immer noch vorhanden ist, auch wenn sie weniger spektakulär geschieht als kurz nach dem 26. Januar.

Die Repression zielt auf die Arbeiter aber praktisch auch auf die Jugendlichen. Das Zivildienst-Gesetz ist auch keine Sache, die schnell beschlossen und dann schnell wieder vergessen wurde. Im Gegenteil, Tausende arbeitsloser Jugendlicher verkommen in Zwangsarbeitslagem. Razzien und Brutalität der Polizei gegen Jugendliche sind alltäglich. Die Unterdrückung der Studentenbewegung halt an: die Spitzel sind immer noch an der Universität, und die BOP (Brigades d'Ordre Public) greifen ein, wenn sie es für notwendig halten wie das zuletzt der Fall nach dem Sieg der Revolution im Iran war.

Ab März 1978 duldete die Regierung eine gewisse Opposition der Bourgeoisie und sogar der Gewerkschaften, um das durch die Massaker vom 26. Januar 1978

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Strafmaße heraufgesetzt und neue Delikte erfunden werden. Artikel 9 modifiziert das Strafverfahren und überträgt der Militärjustiz Delikte, die bislang der ordentlichen Gerichtsbarkeit vorbehalten waren. Artikel 7 bis 10 modifizieren den Polizeikodex, während Artikel 11 das Verteidigungsrecht aufhebt, ein Bruch internationaler Verträge über die Menschenrechte. Die Verteidiger werden in die Prozesse der Gefangenen mit hineingezogen und können dadurch wegen Unterstützung der „Subversion" verhaftet und verurteilt werden.

Die Regierung bringt von nun an den Artikel 28 der Verfassung in Anwendung, der für den „Kriegsfall" vorgesehen ist. Jeder Bürger kann nun verhaftet werden aus dem einfachen Grund, daß er „verdächtig" ist. Wenn er einmal gefangen ist, kann er verurteilt werden ohne ordentliche Verteidigung noch die Möglichkeit, in Berufung zu gehen, da insbesondere die Verteidiger in der Praxis bedroht sind und ihnen die Arbeit unmöglich gemacht wird. erurteilt wurden, werden auf der Gerine Die Leut nisinsel Gorgona interniert; ihre Verwandten und Freunde - wenn z.B. deren Namen in ihren Papieren gefunden wurden - werden festgenommen, verhört, gefoltert und wieder freigelassen, wenn sie vorher eine Erklärung unterzeichnet haben, in der sie versichern, gut behandelt worden zu sein.

Ganz allgemein werden die Gefangenen regelmäßig in andere Gefängnisse verlegt. um so zu vermeiden, daß der ,,Habeas Corpus" in Anwendung kommt. Zahlreiche Bürger sind verschwunden, nachdem sie nach morgenlichen Hausdurchsuchungen durch Militärs verhaftet wurden - aufgrund von Hausdurchsuchungsbefehlen, die von einem Militärrichter ausgestellt wurden, ohne daß überhaupt ein Namen eingetragen war.

Dagegen entwickelte sich eine Protestbewegung, die getragen wird von Arbeiterorganisationen, Gewerkschaften, von den Verbänden der Juristen, Freiberuflichen und Künstlern, von bekannten bürgerlichen Politikern, der Kirche und internationalen Menschenrechts-Organisationen wie „Amnesty International"

Der „Sicherheitsstatus" ermöglicht es, Streik führer, Gewerkschaftsführer oder einfach jeden Arbeiter zu entlassen, der um bessere Lebensbedingungen kämpft. Schon jetzt sind Dutzende von Arbeitern im Namen des „Sicherheitsstatus" entlassen worden, damit man nicht auf ihre Lohnforderungen eingehen muß.

„Drei A" auftauchen, aus anderen lateinamerikanischen Ländern nur zu gut be- 8 kannte tragische Zeichen, darüber hängt man den Manteil des Schweigens. WELCHE ANTWORT NOTWENDIG IST

In der derzeitigen Situation muß ein konsequenter, permanenter Kampf um die demokratischen Freiheiten geführt werden. Die ganze Eskalation der Repression und Militarisierung muß denunziert, eine allgemeine Verweigerung und eine massive Mobilisierung gegen die reaktionäre Staatsreform müssen organisiert Man entläßt und unterdrückt diejeni- werden. gen, die zu beweisen versuchen, daß gefoltert wird, die die Wahrheit aussprechen. Deshalb bekämpfte die PSR (Partido Das wird als Unterstützung der Subversion Socialista Revolucionario, Organisation angesehen und einem „Komplott gegen der IV. Internationale) zuerst die von die Regierung" gleichgesetzt. So ist der Lopez Michelsen einberufene „Kleine Direktor des Gerichtsmedizinischen Insti- Konstituante" und dann den „Sicherheitstuts verhaftet worden, weil er eingewilligt status*, indem sie Komitees organisierte, hatte, daß eine Untersuchung über die in denen die breitestmöglichen Kräfte Folterungen, welche gefangene Studenten mitarbeiten, um sie für die Niederlage erlitten hatten, eingeleitet wird. dieser reaktionären Politik zu organisieren und zu mobilisieren. Es ist klar, daß diese Der Oberste Gerichtshof erklärte, um wichtige demokratische Schlacht nur geseine bedingungslose Hörigkeit dem Präsi- wonnen werden kann durch eine Politik denten gegenüber zu beweisen, daß der der Einheitsfront mit der Arbeiterklasse, „Sicherheitsstatus" verfassungskonform ihrer gewerkschaftlichen und politischen sei. Und den drei Richtern am Gerichts- Organisationen, den Massenorganisationen hof, die sich der Stimme enthielten, und der Opposition. In fast allen Regiowurde vom Präsidenten selbst mit einem nen des Landes sind Komitees entstanden Disziplinarverfahren gedroht, weil ihre aus Familienangehörigen von Gefangenen, Haltung ,,Richter-Meuterei" sei... Teilen der Arbeiterbewegung usw. Indes stoßen diese Initiativen auf zahlreiche Die Guerillas verfolgt man, aber daß es Hindernisse: einen „Todesschwadron" gibt, daß die FORUM FÜR MENSCHENRECHTE

Das „Nationale Forum zur Verteidi- Zahlreiche Zeugenaussagen und Begung der Menschenrechte" fand vom richte über die Repressionskampagne 30. März bis zum 1. April in Bogota des Präsidenten Turbay gegen die statt; es endete mit einer Abschluß- Linke und die Arbeiterbewegung kundgebung von mehr als 3.500 wurden gehört. Aber man diskutierte, Teilnehmern. 1.500 Delegierte hatten wie dagegen vorzugehen ist. Nicht zwei Tage lang in den Arbeitsgruppen ohne Ergebnis: das Echo, das dieses diskutiert: 472 gewerkschaftliche „Forum" in der Öffentlichkeit fand, Vertreter (einschließlich der Führer drängte Turbay in die Defensive. Und der vier Gewerkschaftsverbände), auf der Schlußkundgebung rief Tulio 107 Vertreter von Bauernverbänden, Cuevas Romero, Führer des Nationa- Vertreter der Studenten, politische len Gewerkschaftsrates (aus den 4 Parteien, Kirchen, feministischen Gewerkschaften), zu einer einheit- Gruppen... und 200 bekannte Einzel- lichen Mobilisierung der Arbeiterpersonen. bewegung am 1. Mai auf. 598m

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Trotzkisten verhaftet - und freige- 1. Die Stalinisten haben eine selbstmörderische Spaltung betrieben mit ihren Auseinandersetzungen wegen ihrer jeweiligen Hörigkeit von den Bürokratien Pekings oder Moskaus. Die Maoisten haben parallele, unabhängige Komitees auf die Beine gestellt, und die KP reagiert darauf, indem sie • diese Komitees isoliert. Das führte zur Verwirrung und Passivität in weiten Teilen der Arbeiterbewegung. 2. Die KP strebt vor allem Bündnisse mit konservativen oder liberalen bürgerlichen Persönlichkeiten an; für sie ist die notwendige Binheit aller Kräfte, die gegen das „Sicherheitsstatus" sind, von untergeordneter Bedeutung. Derzeit erleben wir eine demagogische Offensive, die Entstehung von neuen „fortschrittlichen" Fraktionen, seien sie nun liberal oder konservativ, die neue Bündnisse suchen und ihre Partei Aktivitäten wieder beleben möchten. Aber wenn in diesem Kampf die Prorität nicht eindeutig der Organisierung und Mobilisierung der Massen gegeben wird, dann läuft diese Taktik gegen die Klassenunabhängigkeit der Arbeiter. Sicher sind die Widersprüche innerhalb der herrschenden Klassen sehr wichtig; sie eröffnen Aktionsmöglichkeiten und tun ihrem Ansehen Abbruch. Aber sie müssen als das verstanden werden, was sie wirklich sind, und man darf in keiner Weise dazu beitragen, daß die Massen irgendwelche Illusionen darin bekämen, daß durch diese bürgerlichen „Caudillos" des demokratischen Kampfes die reaktionären Vorhaben der herrschenden Klasse zu Fall gebracht werden könnten. Es gibt Sektoren, die ihre Position innerhalb der Bourgeoisie durch radikale Proklamationen aufbessern wollen. Der Kampf um die demokratischen Freiheiten droht zurückgeworfen in Gefahr gebracht zu werden aufgrund der Haltung gewisser Arbeiterparteien, welche den Liberal-Demokraten eine führende Rolle in diesem Kampf zuschanzen. Sowas kann nur demobilisieren und enttäuschen.

3. Ein weiteres Hindernis kommt daher, daß manche die Tendenz haben, den demokratischen Kampf als gelegentliche, sporadische Aktivität zu sehen, die aufgrund dieser Haltung manövrieren und schließlich angeblich progressive Maßnahmen der Regierung unterstützen. 4. Durch die abenteuerliche und unverantwortliche Politik des individuellen Terrorismus erhielt die Regierung Vorwände für die Eskalation der Repression und gerieten zahlreiche Sektoren der Arbeiterbewegung in Verwirrung. Nach der Plünderung eines Waffenlagers im Nordteil Bogotas durch die M-19, die Ermordung eines ehemaligen Ministers Die Regierung Turbay konzentrierte ihre Repression auf die Organisatoren des Forums in den letzten Märztagen. Führer der KP, aber auch der trotzkistischen Organisationen sind festgenommen worden; insgesamt gab es in der Woche vor dem Forum über 100 Verhaftungen bei Wohnungsdurchsuchungen.

Libardo Gonzalez Flores, Mitglied des Zentralkomitees der PSR, wurde von der BIM am 30. Marz festgenommen, übel behandelt und von der regierungsfreundlichen Zeitung El Tiempo" des Mordes an einen Ex- Minister beschuldigt. Gloria Stella Gallego von der nationalen Leitung der PSR ist zusammen mit 3 Geschwistern am 29. Mürz festgenommen worden bei einer Hausdurchsuchung suchte man angeblich nach Waffen, fand aber keine. Trotzdem wurde Gloria erst am 11. April zudurch die ,Movimiento de Autodefensa Obrera* (= Bewegung der Arbeiter-Selbstverteidigung) und die Aktionen des Kommandos „Pedro Leon Arboleda" der EPL brach die Regierung einen regelrechten Krieg gegen diese Organisationen vom Zaun. Heute kann sie sich übrigens bedeutender Erfolge rühmen wie der Zerstörung des städtischen Apparats der M-19.

DIE SCHWERPUNKTE IN DER ARBEIT DER REVOLUTIONÄREN MARXISTEN

Das sind die Hauptaufgaben, von denen die PSR bei ihren Aktionsvorschlägen ausgeht:

1. Einheit in einer einzigen Kampffront, Kampf um die Gewerkschaftseinheit. um die Zusammenfassung und den Aufbau einer einzigen Gewerkschaftszentrale und Aktionseinheit gegen den Sicherheitsstatus". Auf der Grundlage einer Einheitsfrontpolitik müssen Anstrengungen unternommen werden, damit alle infrage kommenden Sektoren einschließlich von Persönlichkeiten des Bürgertums am Kampf gegen den Status und für die demokratischen Rechte teilnehmen. Aber in diesem Rahmen muß der Akzent vor allem auf die Mobilisierung der Massen gelegt werden, denn nur über diesen Weg kann gesichert werden, daß es tatsächlich die Arbeitenden selbst sind, die diesen Kampf führen. Gleichzeitig müssen alle legalen Moglichkeiten ausgenutzt werden die noch übrig bleiben, um unser Aktionssammen mit ihren Geschwistern wieder freigelassen. Libardo Gonzales kam am 17. April frei. Zu diesen Freilassungen hat der Druck internationaler Protesttelegramme sicher beigetragen.

feld auszuweiten. Und auf ideologischer Ebene muß der Kampf gegen alle Formen der Kapitulation geführt werden. Bedeutende Arbeiterkämpfe sind wieder ausgebrochen nach mehreren Monaten der Isolation und der Einschüchterung im Gefolge des Versuchs, den Nationalen Gewerkschaftsrat zu liquidieren. Die Erdölarbeiter hiciten in Barrancabermęja einen Solidaritätskongreß ab, um ihre Mobilisierung vorzubereiten; die Angestellten des öffentlichen Dienstes mobilisierten gegen die Beschränkung der Gehaltsaufbesserungen auf 18%, wie die Regierung sie vorhatte, und bei den Stahlwerken Paz del Rio wird derzeit ein Streik vorbereitet, der zu einer der wichtigsten Auseinandersetzung der kommenden Periode werden kann. Die Arbeiter von Ericson, von Corona, die der Straßenbaubehörden, die Bergleute von Antioquia, die Hafenarbeiter, die Angestellten beim Telefon und beim Fernsehen, die Belegschaft von Indupalma, die Dozenten der Universität del Valle in Cali, die Kollegen der FECODE (Nationale Lehrergewerkschaft), sie alle haben in letzter Zeit in unterschiedlicher Intensität mobilisiert und damit die Möglichkeit angedeutet, daß eine neue Welle von zentralisierten Kämpfen hereinbricht, durch die die Regierung geschwächt und zum Nachgeben gezwungen werden kann.

Die Solidarität mit diesen Konflikten ist sehr wichtig, und ihre Zentralisierung ist entscheidend. Alle verstehen immer besser, daß man nicht für Lohnerhöhungen und gewerkschaftliche Rechte mobilisie-.