Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Italien

In einer entscheidenden Phase

Inprekorr Nr. 10, 15. Dezember 1971 · S. 13-14 · 1.202 Wörter

Italien Jugend und Studenten Weltwirtschaft und Krise

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T TAI IEN IN EINER ENTSCHETDENDEN PHASE ++ + +++ ****+**+++****+++*+**++++++++***+++-*****++*++*****++ Die ökoromi le Krise. die sich schon seit Jahresanfang am Horizont abzeichnete, ha wirrend de. Sommers und des Herbstes eine deutliche Gestalt angenomen. Es hardei sich um die schlechteste Konjunkturlage, die Italien sei: Kriegsende erlebt hat. Eine Wiederbelebung scheint zur Zeit sehr zwei- Telhaft, wenn man die lage der anderen kapitalistischen Länder - in erster Linie der USA - . die sich gleinermaßen ir eirer Rezession befinden, ansicht.

DaS die Unernehmer versuchen werden, diese Entwicklung auszunutzen, um Warmer auf ihle Mihlen zu bekommen, ist klar. Aber es ware absurd, anzunchmen, dal die Krise von den "Arbeitgebern" künstlich geschaffen worden wäre. Diese Zustände sind heute - genauso wie immer - das unmittelbare Ergebr in dea kapitalistischen Mechanismus. Nochmal: diese Rezession ist die tiefste seit 25 Jahren. Diese Tatsache ist von eminenter Wichtigkeit, um lang- und mittelfristige Entwicklungstencenzen zu erkennen. Ir. solnen Situationen wird stets versucht. die Linie der herrschenden Klasce durchzusetzen. Einerseits greift man die Arbeitsplätze an - nicht nur bei den klein- und Mittelbetrieben, sonderr auch bei den großen monopolistischen cruppen - , indem man Entlassungen vornimmt und Kurzarbeit einführt. Andererseits verwässert man durch die schleichende Inflation, durch die steigenden Preise, die erkämpften Lohnerhöhurgen wieder. Man wird wieder eine reve Bationalisierungswelle ankurbeln, d.h. man wird alles tun, am die Augbeutung zu verschärfen (was die Wiederherstellung der alten Autori:a: in den Fabriken, die durch die letzten Arbeiterkämpfe angeschlagen worden war. nach sich ziehen wird).

UNGÜNSS ICH OBJEKTIVE BEDINGUNGEN

Seit einiren Wechen wird der Angriff der Unternehmer immer heftiger, und die Arbeiterklasse seht in einen Defensivkampf, zum ersten Mal seit 1968. Der Spieleinsatz ist groß. Es geht carum, ob die Bourgeoisie wieder in der Lage sein wird, die Krise auf die Arbeiterklasse abzuwälzen, und ob es ihr eel ngen wird. langfrist g eine industrielle Reservearmee aufzubauen, das hell aua dem, was heute wie eine konjunkturbedingte Krise aussicht, einen nischen Zustand zu machen. Anders geragt: wird die Arbeiterklasse fähig sein in nächoler Zeit wieder die Initiative zu ergreifen und in die Offensive gehen, oder wird sie resignieren und einer Niederlage entgegensteuern? Eten weil der Einsatz so groß ist, muß man auf allen Ebenen kämpfen. Wahrend die konservativen Kräfte eine starke Wendung nach rechts einzuleiten suchen, versucht der extrem rechte, faschistische Flügel, auf breiter Basis sowohl regen die Arbeiterklasse (Einsatz vor. Schlägerbanden gegen Arbeiter bei Arbeiterdemonstrationen) als auch gegen die Studenten (Agitation fachictischer Gruppen an den Universitäten) vorzugehen. Daneben versucht man durch demagogische Verführungskünste Teile der Arbeiterschaft und der Studentenschaft un sich zu scharen. Man muß sich der Tatsache bewußt werden. daß, obwohl die bürgerliche Front ihre Krise noch nicht überwunden hat und die Regierung nach wie vos aufgrund der ökonomischen und der katastrophalen Beschäftigungssituation sehr schwach ist. die heutigen objektiven Bedingungen für die Arbeiterklasse schlechter sind, als sie es vor einem halben oder einem Jahr waren.

WELCHE POLITISCHE: ZIELE SIND JETZT AUFZUSTELLEN ?

Die erste Erkenntnis. die sich aufgrund der vorhergehenden Aralyse ergibt, ist die, dal en zollkommen illusorisch jet, wenn man glaubt, man könne den Kampf gewinnen, wenn man die Auseinandersetzungen auf der Ebene einzelner Fabriken oder Sektoren austrägt. Der Angriff der Unternehmer findet auf breitester Ebene statt, auch wenn sie sich einige Schwerpunkte ausgesucht haben. Dieser Angriff wird nur abgewehrt werden können, wenn die Gegeno!fensive der Arbeiterklasse ebenso auf breitester Basis durchgeführt wird, d.h. wenn große Massenmobilisierungen innerhalb der Arbeiterklasse stattfincen, die in der Zeit und in der Zielsetzung miteinander kombiniert sind. Tut man das nicht, dann wird man sich im günstigsten Fall mit parziellen Erfolgen zufriedengeben müssen, und die Arbeiterkämpfe • rde. af breite- 1*PREKORR 15.12.7: s. 15

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ster Ebenezurückgehen. Um zu präzisieren: Die Notwendig.. -, einheitlich mit denselien Zielsetzungen zu kämpfen, ist so groß, daß ihr in der heutigen Situation Teilkämpfe um partikuläre Ziele untergeordnet werden müssen, auc! wenn diese, cbjektiv gesehen, noch so legitim erscheinen mögen. Die Parolen. unter denen die Massen mobilsiert werden müssen, sind jene, die die Revolutionären Marxister schon seit Jahresbeginn ausgegeben haben, inshesondere die der Gleitenden Lohnskala und der Gleitenden Arbeitszeitskala: Den irflationistischen Tendenzen und den steigenden Lebenshaltungskosten muß man die Eirführung eines neuen Systems der gleitenden Lohnskala en gegensetzen. die effektiv verhindert, daß Lehnerhöhungen durch die steigenden Preise wieder aufgehoben werden. Und auf die Angriffe der Unternehmer auf unsere Arbeitsplätze, d.h. auf unser Recht auf Arbeit, muß man mit der Forderung nach gleitender Arbeitszeit antworten. Diese soll im wesentlichen die Verteilung der vorhandenen Arbeit auf alle Arbeiter, lassungen und Lohnkürzung, garantieren. Die Arbeiter sollen keinen einzigen Pfennig ihres Lohnes wegen des Produktionsrückganges verlieren, noch sollen sie ihren Konsum aufgrund der steigenden Preise einschränken! •_ese Zielsetzungen müssen weiterhin mit der Forderung nach Arbeiterkontrolle verbunden werden. Es müssen alle Arbeiter, alle Werktätigen sein, die eine direkte Kontrolle über die Preiserhöhungen ausüben, wenn man eine gleitende Lohnskala haben will, die ihren Zweck auch erfüllt. Die Arbeiter selbst müssen die Kontrolle über die Produktionskosten ausüben! Das Geschwätz der Unternehmer, nur die Direktoren oder Verwaltungsräte seien für eine solche Kontrolle qualifiziert, ist nichts anderes als der Versuch der herrschenden Klasse, die Ausgebeuteten für immer als unmündig zu erklären! Nur auf der Basis der Arbeiterkontrolle wird eine gleiterde Arbeitszeitskala durchgeführt werden können, und nur die Kontrolle der Werktätigen über di: Arbeitstempo, über die Arbeitseinteilung usw. wird erhöhte Ausbeutung. Einführung von "Rationalisierungsmaßnahmen", die wiederum Verschärfung des Arbeitstempos und Arbeitslosigkeit mit sich bringen würden, verhindern werden können.

Im Studentensektor ist der Gegener ebenfalls im der Offensive; die konserativen Kräfte führen ihr in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres begonnenes Werk fort. Sie versuchen, die fortgeschrittensten Universitäten und Institute zu "normalisieren", während die Faschisten nach dem Wahlerfolg vom 12. Juni ihrer Einsatz verstärken. Auch die Studenten müssen sich also auf die galtmöglichen Massenmobilisierungen vorbereiten. In erster Linie müssen sie ihre Beteiligung am Kampf der Arbeiterklasse verstärken, denn eine Niederlage der Arheiterbewegung würde zu einem verschärften Angriff der Reaktionäre auf Universitäten und Schulen führen. Jede Enthaltung oder Passivität diesbezüglich bedeutet Verantwortungslosigkeit und letzten Endes Selbstmord. Gleichzeitig muß jede intellektualistische Tendenz verworfen werden, die darauf akzielt, den Kampf um die elementarsten studentischer Irteressen (von der Raumnot bis zu den Lehrinhalter) abzulehnen. Und dies nicht nur, weil die breitesten Studentenmassen für solche Ziele zu gewinnen sind - insbesondere die Erstsemester - , sondern auch, weil die Feschieten bereits begonnen haben, in diese Richtung ihre demagogische Agitation zu entfalten, und sie dann ohne große Schwierigkeiten die Plätze besetzen könnten, die von den Linken und Revolutionären freigelassen wornetientind. Schließlich dürfen die Studenten die interrationalen Mobilitatio- die internationalen Vietnamdemonstrationen vom 6. November können einer guten Auftakt bilden.

Aber vor allem muß den Arbeitern und Studenten eires klar sein: Diese gegenwärtige Bewegung muß einheitlich geführt werden: Einheit zwischen den Sektoren der Arbeiterklasse, zwischen Arbeitern und anderen Schichten von Werktätigen, zwischen den Gruppen und Organisatioje der revolutionären Avantgarde, zwischen der Avantgarde und den Gewerkschaften, die in den Arbeiterkämpfen eine erstrangige Bedeutung haben werden, und schließlich Einheit zwischen der Arbeiterklasse und der studentischen Bewegung. Kämpfen wir für die jetzt notwendigen Ziele, auf der Linie der proletarischen Einheitsfront! (Livie MAITAN, BANDIERA POSSA Nov. 1971)

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