Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Brasilien

Die nächste Rezession 1979?

· Inprekorr Nr. 96, 1. Februar 1979 · S. 14-15 · 638 Wörter

Weltwirtschaft und Krise Brasilien

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Das brasilianische Regime hatte gehofft, derheitlichen) Beteiligungen des Privat- Um ein andauerndes Defizit der Handelsdie Inflationsrate, die 1977 bei 39% lag, sektors und des ausländischen Kapitals. bilanz zu vermeiden, ging die Militärim Jahre 1978 verringern zu können. diktatur daran, den Export relativ junger Jedoch war diese jährliche Inflationsrate Die Auslandsverschuldung hat sich pa-Sektoren der brasilianischen Industrie zu bereits im November auf 42% geklettert. rallel zu dieser Investitionsanstrengung subventionieren, vor allem den de Alles legte die Annahme nahe, daß sie und den öffentlichen Subventionen ent. Automobilindustrie und der Investitions noch weiter ansteigen würde. Dies ist der wickelt. Im Laufe der letzten Jahre hat güter. Die brasilianischen Niederlassungen Grund, weswegen der Minister Simonsen die Auslandsverschuldung eine wahre von VW und FIAT schöpfen in zunehmenschließlich beschlossen hat, harte Maß- „Explosion" erlebt. Ende 1973 belief sie dem Maße die von der Militärdiktatur nahmen zur Einschränkung der Kredite sich auf 12,5 Milliarden Dollar; Ende angebotenen Steuer- und Lohnvorteile zu ergreifen. 1977 war sie auf 32 Millarden Dollar aus, um sich nicht nur aus Ländern wie angesprungen und mittlerweile hat sie Algerien und Ägypten, sonder auch aus Das Ziel dieser Malnahmen, die vor 40 Milliarden erreicht, das sind 25% des europäischen Ländern zurückzuziehen. allem die ausländischen Kredite oder die brasilianischen Brutto-Sozialprodukts. Kredite in ausländischen Devisen betref. Auch in dieser Hinsicht mußte die Bremse Brasilien hat auch mit der VR China fen, ist eine drakonische Verringerung gezogen werden, um die Kreditwürdigkeit einen wichtigen Vertrag über die Liefeder Kreditmasse von 10 Milliarden Dollar des brasilianischen Kapitalismus nicht zu rung von Eisenerz und Stahl geschlossen 1978 auf 4 Milliarden 1979. Einige grote erschuttern. - aber dies ist ein weiteres Geschäft, das staatliche Investitionsvorhaben werden mit Krediten finanziert werden muß zunickgestellt oder in ihrem Umfang In den letzten Jahren haben sich die reduziert. Die Steigerung der Zinsraten immer üppigeren Subventionen zur An- Betrachtet man die Höhe des Zahlungsstellt für zahlreiche kleine und mittlere regung der Exporte zu einer zusätzlichen bilanzdefizits des Jahres 1978 (wahr- Unternehmen einen harten Schlag dar. Quelle des Inflationsprozesses entwickelt. scheinlich mehr als 5 Milliarden Dollar), Es ist sehr gut möglich, daß diese Maß- Die Exporte, die zum Teil das brasi- dann wird deutlich, daß der Kampf gegen nahmen zum ersten Mal seit langer Zeit lianische „Wirtschaftswunder" gestützt die Inflation für die der Diktatur einen absoluten Rückgang des Butto. hatten, waren die traditionellen Produkte dienenden Technokraten zu einer absosozialprodukts 1979 nach sich ziehen (Kaffee, Soja, Eisenerz) sowie Textil- luten Priorität werden mußte. Aber die bzw. sogar beschleunigen. erzeugnisse. Nun wurde aber diese Indus- Versuchung, den Export indirekt über triebranche, die 20% des Beschäftigungs- eine starke Abwertung des „Cruzeiro" zu subventionieren, wird immer unwidersächlich in den enormen staatlichen Erzeugung stellte, von den Folgen der stehlicher werden. Eine solche Abwer- Subventionen für die öffentlichen oder 1974/75er Rezession hart getroffen. tung wird die Inflation von neuem gemischten Unternehmungen und für die Ihre Exporte gingen um ein Viertel anheizen und zusätzliche restriktive Maß- Exporteure. zurück. Um das Maß voll zu machen, nahmen auf den Plan rufen. Dies begründet verringerten sich 1978 aufgrund schlech die Wahrscheinlichkeit einer Rezession. Das beschleunigte Wachstum, das Brasi- ter Ernten die Agrarexporte um 1,5 lien seit der Errichtung der Militärdikta- Milliarden Dollar. 29.12.1978 tur und der brutalen Senkung der Reallöhne gekannt hat, stützte sich zum großen Teil auf einen Aufschwung der öffentlichen Investitionen, die durch die Inflation oder durch ausländische Kredite finanziert wurden.

In der Peridoe 1967 bis 1974 kamen 60% aller Investitionen in Brasilien vom Staat. Nach Angaben der brasilianischen Zeitschrift Visao" kontrollierte der Staat 1976 48.5% der Netto-Aktiva aller Unternehmen mit Mindestaktiva von wenigstens einer Million Dollar gegenüber 37,2% der Privatunternehmen, die als „staatlich" eingestuft sind, in Wirklichkeit gemischte Unternehmen mit (min-

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Spanien: JESUS ALBARRACIN PEDRO MONTES