Die Stunde der Entmaoisierung von S. S. Wu
In der chinesischen Führungsspitze toben Fraktionskämpfe.
Der gestern noch gebrandmarkte "Revisionismus" scheint an Boden zu gewinnen.. zum Nachteil der Mao Tse-tung - Ideen.
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Wir veröffentlichen nachstehend einen Artikel, den wir aus Schließlich wurde in Peking plötzlich eine Wandzeitungs- Hong Kong erhielten, zUr Entwicklung der Fraktions- kampagne entfesselt, die sich diesmal namentlich mit Mao kämpfe innerhalb der chinesischen Bürokratie und insbesonde- Tse-tung befaßt. Am 19. November wurde ihm in einer Wandre zur Haltung der pro-Teng Hsiao-ping - Presse in der bri- zeitung vorgeworfen, er habe sich durch die 'Viererbande' mißtischen Kolonie in dieser Frage. brauchen lassen und sei gegen Ende seines Lebens „metaphysischem Denken" verfallen. Auf einer anderen Wandzeitung, Seit S. S. Wu diesen Artikel schrieb, ereignete sich eine die am 20. November angebracht wurde, wird direkt der Vorganze Reihe neuer Vorfälle, die bestätigen, daß wir in eine sitzende der Kommunistischen Partei Chinas, Hua Kuo-feng, neue Phase fraktioneller Kämpfe in China eingetreten sind. angegriffen. Auf neuen Anschlägen wir am 21. November auf den Mauem der Hauptstadt die Achtung der „Menschenrech- Das "Rote Büchlein' des Vorsitzenden Mao wurde in der te" gefordert. Auf anderen wieder wird die „reaktionäre Rechinesischen Presse als eine verdummende Sammlung von aus gierung" von 1976 in China mit der .faschistischen und reakihrem Zusammenhang gerissenen Zitaten charakterisiert. Die tionären Diktatur des Zaren Nikolaus II" verglichen. Schulen des 7. Mai' zur Erziehung der Kader und der Intel.
lektuellen durch Handarbeit wurden geschlossen. Nach der Ab- Am 22. November wurde der Ton der Wandzeitung noch setzung Wu Tehs von seinem Posten als Chef der Stadtverwal- schärfer. Das chinesische Volk wurde aufgefordert, sich zu tung von Peking (er bleibt Mitglied des Politbüros) wurde eine erheben und sich zu befreien von allen ideologischen Fesseln". stillschweigende, aber deutliche Verbeugung vor Peng Cheng Der Verfasser einer Serie von Wandzeitungen fragt offen hegemacht, dem Bürgermeister der Hauptstadt zwischen 1951 raus: „Hat der Vorsitzende Mao Irrtümer begangen, ja oder und 1966, einem in der Kulturrevolution zusammen mit nein?" und beantwortet dies selbst durch die anschließende Liu Shiao-chi abgesetzten hohen Funktionär. Die Stadtver- Frage positiv: „Aber wozu ist es nötig, daß, sobald die Menwaltung hat darüber hinaus die Einschätzung der Kundgebung schen über die Fehler Maos zu sprechen beginnen, ihnen auf dem Tien An Men - Platz, die sich am 5. April 1976 zu konterrevolutionäre Kappen (politische Etiketten) über den Ehren des verstorbenen Ministerpräsidenten Tschou En-lai Kopf gestülpt werden?" Er betont bei dieser Gelegenheit ausereignete, vollständig umgekehrt. Das Pekinger Komitee er- drücklich, welch freundschaftliche Beziehungen Mao mit der klärte nämlich, daß die Aktion der Massen (...) vollständig re- "Viererbande' unterhalten hätte. „Der Vorsitzende Mao ist ein volutionär war. Alle Genossen, die verfolgt wurden, weil sie Mensch, kein Gott (...). Der Augenblick ist gekommen, ihm das Andenken Tschou En-lais ehrten und sich gegen die seinen richtigen Platz zuzuweisen. Nur auf diese Weise können 'Viererbande' wendeten, müssen rehabilitiert werden." der Marxismus-Leninismus und die Mao Tse-tung - Ideen verteidigt werden.
Die Presse, besonders die Volkszeitung und die Klarheit, Es ist noch zu früh, um die Absicht derer erkennen zu fordert die Massen auf, diejenigen „Fehlurteile" zu revidieren, können, die diese neue Offensive der Wandzeitungskritik gedie chemals durch „einen gewissen höchsten Führer" (ge- gen die alten Parteigänger der maoistischen Fraktion angestifmeint ist Mao) gefällt wurden. Die Kulturrevolution wurde tet haben oder decken. Indes meint die japanische Presseagenverurteilt und teilweise sogar als ideologische faschistische tur Kyodo zu wissen, daß die chinesischen Führer sich am 10. Diktatur" charakterisiert. Mehrere ehemalige Führer der Ro- November zu einer radikalen Wende der politischen Linie und ten Garden, die Anhänger Mao Tse—tungs waren, wurden zu einer „„Neubewertung" der Lehren Mao Tse—tungs versammelt schweren „Züchtigungen" verurteilt, unter anderem weil sie hätten.
„die Partei bekämpft" hätten.
Zwei Jahre nach dem Sturz der 'Viererbande wird immer offensichtlicher, daß sich in der Führung der KP Chinas die Meinungsverschiedenheiten verschärfen. Um was der Fraktionskampf geht, das tritt in einer Reihe von Auseinandersetzungen und öffentlichen Zwischenfällen ans Licht.
DER ZWISCHENFALL DER "CHINESISCHEN JUGEND"
ie Zeitschritt Don xiang (De trom). eine halboffizielle maoistisch Monatszeitung aus Hong Kong, veröffentlichte in ihrer ersten Ausgabe (20. Oktober) einen Artikel ihres Pekinger Korrespondenten, in dem ein bezeichnender Vorfall bei der Auslieferung der „Chinesichen Jugend", ; dem kürzlich wiedererschienenen Organ des Bundes der Jungen Kommunisten', aufgedeckt wird. aufgrund des ZerfaCh esche dues de. Jungen Kommunisten', , die vom Sturm der Roten Garden während der Kulturrevolution fortgespült worden war, zwölf Jahre lang nicht erschien, sollte sie ab dem 11. September emeut herausgegeben werden. Aber als an diesem Tag 70 000 Exemplare in Umlauf gebracht waren, wurde ihre Auslieferung vorübergehend eingestellt.
voller Porieso natte der es schub derart empfindlich reagiert, daß sie als Antwort in den Stadtteilen Wang-fucheng und Xi-dang „Dazibaos' (große Wandzeitungen) anschlugen. Zu dem Zeit- Der Korrespondent des Dong Xiang arbeitet in seiner Reportage offen drei Gründe des Zwischenfalls heraus. Erstens: Obwohl das Titelblatt der „Chinesischen Jugend" ein Photo Jua Kuo-fengs inmitten einer Gruppe junger Menschen zeigt, befinden sich auf der Rückseite des Umschlags zwei Photos von Tschou En-lai gegen Ende seines Lebens.
Zweitens enthält die Zeitschrift eine Artikelserie mit dem Ziel, dem durch Lin Piao und die "Viererbande' ausgearbeiteten „modemen Aberglauben" ein Ende zu setzen. Darüberhinaus wird in einem Artikel des Sonderkommentators der Zeitschrift, der gewöhnlich einem Editorial gleichkommt, dieses Thema in gleicher Weise aufgegriffen. Nach dem Korrespondenten des Dong Xiang beschäftigt er sich damit, dem Personenkult um Mao Tse-tung entgegenzutreten.
Drittens veröffentlicht die Zeitschrift eine Reihe von Artikeln und Gedichten, in denen die Kundgebung auf dem Tien An Men vom April 1976 unterstützt und als „Kampf für ein revolutionäres Ideal" gekennzeichnet wird.
Der Korrespondent des Dong Xiang läßt klar erkennen, daß Hua Kuo-feng zu denen zähle, die den Personenkult um Mao Tse-tung aufrechterhalten wollen. Er sucht also eine gewisse Zahl heutiger chinesischer Führer dazu zu bringen, diese „Tradition" hochzuhalten. Ebenfalls gehöre er zu jenen, die sich weigerten, den revolutionären Charakter der Kundgebung auf dem Tien An Men anzuerkennen (1976 war diese Protestbewegung offiziell als „konterrevolutionärer Zwischenfall" bezeichnet worden). Offensichtlich verteidigt Teng Hsiao-ping in diesen Fragen entschieden Positionen, die denen Huas gegenüberstehen. Das ist das erste Mal, daß eine chinesische Zeitschrift (die nicht von offiziellen Stellen herausgegeben wird) offen Hua Kuo-feng angreift. Es ist undenkbar, daß diese Zeitschrift einen solchen Artikel veröffentlicht hätte, ohne daß ihre „chinesischen Verbindungen" zu verstehen gegeben hätte, daß die Widersprüche innerhalb der chinesischen Führung halböffentlichen Charakter annehmen werden, selbst wenn man die Tatsache in Betracht zieht, daß nach dem Wiederauftauchen Teng Hsiao-pings im vergangenen Jahr die in Hong Kong erscheinenden maoistischen Blätter generell dazu übergingen, in der Berichterstattung über die in China ablaufenden Ereingisse einen „„liberaleren" Ton anzuschlagen.
Wenn das der Fall ist, dann hat der Konflikt zwischen Teng Hsiao-ping und Hua Kuo-feng eine neue Dimension angenommen, und plötzlich könnten offene Fraktionskämpfe aufbrechen. In der Tat gab es vor diesem Zwischenfall eine Reihe von Ereignissen, die auf die Existenz von Fraktionskämpfen sowie auf die Schwächung der Positionen Hua Kuo-fengs deuten.
DIE PHILOSOPHISCHE DEBATTE punkt, als der Korrespondent auf den Platz geeilt war, seien die Dazibaos bereits abgerissen gewesen. Zeugen hätten gesehen, daß ein Dazibao unter Verwendung eines Artikels aus der „Chinesischen Jugend" hergestellt war und den Titel trug: „Was ist daran gegen die Verfassung?"
Nach mehr als zehn Tagen Unterbrechung wurde die Zeitung wieder ausgeliefert. Die erneut erschienene Nummer entspricht bis auf einige Seiten Beilage genau dem Original. Diese Beilage ist in zwei Abschnitte geteilt: der eine enthält eine Kalligraphie (Handschrift) Hua Kuofengs, in der dieser das Wiedererscheinen der „Chinesischen Jugend" begrüßt, so wie drei Gedichte Mao Tse-tungs; der andere Teil besteht aus einem im Jahre 1957 aufgenommenen Photo Mao Tse-tungs und einem weiteren Photo, das ihn während einer Rede vor den Delegierten des 3. Nationalen Kongresses des ,Bundes der Jungen Kommunisten' zeigt.
von einiger Bedenzeng hit seil en 1938