DER SANDINISMUS, DAS POLITISCHE LAGER DER MASSEN Trotz alledem schaffte die Offensive der vereinigten Sandinistischen Front zusammen mit der Brutalität der vom Regime entfesselten Repression, dem Zustand der Zerrütung des Regimes, der massiven Popularität der Aktionen der Sandinistischen Front und das übriggebliebene Chaos, schafften all diese Faktoren eine qualitative Veränderung in der politischen Landschaft Nikaraguas.
Die Sandinistische Bewegung wird zum Lager aller, zum Lager, das die Massen im Kampf gegen das Somoza-Regime als das ihrige betrachten.
Die Sandinistische Front ist noch keine Massenorganisation, genausowenig wie es die Bewegung des 26.Juli" in Kuba wirklich je gewesen war.
Sie ist keine Massenorganisation, weil die Massen sich ihr nicht anschließen, um sich in ihr politisch zu organisieren. Die Struktur der Sandinistischen Front auf der einen Seite und der unorganisierte Sandinismus der Massen auf der anderen Seite drückt den Widerspruch aus zwischen der Krise der revolutionären Führung und der grundlegenden Zerrüttung der bürgerlichen Macht; Krise der Fährung, die einhergeht mit der organischen Schwäche der Massenbewegung selbst und den historischen Verzicht der Führungen der nikaraguanischen Klassenorganisatio. nen, eine klassenpolitische Linie einzuschlagen.
Der Aufschwung der Massen hat noch nicht seine organisierte Ausdrucksform gefunden, zu einem großen Teil deshalb, weil die bisherigen Führungen und der Sandinismus diese Aufgabe nicht angegangen sind. Wenn es dennoch unter den gegebenen politischen Bedingungen zu einer solchen Organisierung kommen sollte, wird der Weg dorthin, so komplex er auch sein mag, nur in Verbindung zum und innerhalb des sandinistischen Lagers verlaufen.
mus bringt die allgemeine Einstellung der Massen zum Ausdruck, und die Sandinistische Front ist die Organsisation, die politisch diese Grundhaltung kapitalisiert. Insofern kristallisiert sich die Sandinistische Front unabhängig von ihrem Programm, von ihren Bündnissen und ihren Regierungslosungen immer mehr als das allgemeine Lager, für das sich die Massen entscheiden, um in ihm für die Vertiefung der Revolution zu kämpfen. Seit den jüngsten Ereignissen gibt es nur noch zwei kämpfende Lager in Nikaragua: dasjenige Somozas und des Imperialismus, und das der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront.
Dies bedeutet nicht, daß es nur revolutionäre Kräfte im sandinistischen Lager gibt, Ganz im Gegenteil: das sandinistische Programm, die Bundnisse und Regierungslosungen sind gefährliche, vielleicht sogar tödliche Gefahren fur die Revolution. Die Konterrevolution wird ihr Haupt erhehen, und sie wird innerhalb des sandinistischen Lagers bekämpft werden müssen.
Aber es wird durch die jüngste Ent- DIE KRISE DER REVOLUTIONÄREN FÜHRUNG Die gegenwärtige Situation entstand aus der Krise der revolutionären Führung in Nikaragua, der raschen Zerrüttung des Somoza-Regimes und des Aufstandes der Massen, die indes bislang nicht in der Lage waren, ihre eigene Klassenorganisation zu bilden. In diesem ganzen Prozeß war die Sandinistische Front präsent und hat im politischen Lager der Arbeiterbewegung praktisch die gesamte Opposition gegen das Regime monopolisiert.