Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Peru

Hugo Blancos Rede von Tacna

Inprekorr Nr. 93, 15. November 1978 · S. 3-14 · 8.239 Wörter

Bolivien, Peru und Anden Chile Gewerkschaften und Streiks

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WIR RUFEN DIE ARBEITER ZUR MACHTERGREIFUNG

AUF!

Dies ist die Rede, die Hugo Blanco am 25.August vor einer Versammlung von 15 000 Personen im peruanischen Tacna hielt.

Tacna, eine Stadt an der peruanisch-chilenischen Grenze, die Stadt, in der er 1966 nach den Auseinandersetzungen im Tal von Convencion verurteilt worden war. Seither hatte er diese Stadt nicht mehr besucht. In dieser Stadt, die knapp über 100 000 Einwohner zählt, erreichte die FOCEP in den Juniwahlen mit 35 % der Stimmen in der Stadt und ihrer Umgebung das höchste Ergebnis. Der Lokalpresse gemäß hat es hier noch nie eine so massive Versammlung gegeben. (Siehe auch WAS TUN Nr. 230 vom 5.Oktober 1978).

hatten sie gearbeitet, nur um anderen Profit einzubringen. In Convencion gaben sie den Bauern ein Stückchen Land für den Beifall, Rufe: „Hugo Blanco al poder" - „Hugo Blanco Eigenbedarf, und sie mußten dafür 2 Wochen lang für den an die Macht". Großgrundbesitzer schuften, ohne auch nur einen Centimo Lohn zu bekommen.

Genossen, seit 1966 sehen wir uns zum ersten Mal wieder. Damals lernte ich Tacna kennen. Dies heute ist mein zweiter Falls je eines dieser kleinen Stückchen Land etwas Kaffee, Besuch. Bei meinem ersten waren meine Hände gefesselt (Ru- Tee oder Früchte hervorbrachte, jagte der Großgrundbesitzer fe: „Nein!"), und ich war von den Repressionskräften umge- den Bauern davon und behielt die Kaffee-, Kakao- und ben. Ich konnte damals nicht auf den Straßen umhergehen, Fruchtbäume. So war das Leben in der Provinz von Convendenn ich saß in einem Gefängnis, das ich heute die Ehre hatte, cion. besuchen zu können (Beifall und Gelächter).

Wer hatte eigentlich den Großgrundbesitzern das Land Auch dieses Mal wurde ich von Tacna voller Sympathie gegeben? Einige waren Ausländer; wie die Bauern von Convenempfangen. cion sagten, so hatten jene die Erde sicherlich nicht in ihren Rucksäcken hierhergebracht. Sie hatten also kein Recht, das Warum sind wir damals hierher geschleppt und verurteilt Land zu besitzen. worden? Warum hat uns die Presse vom Dienst - damals noch weniger kontrolliert als heute - als Mörder bezeichnet? Das Land existierte, bevor die Großgrundbesitzer überhaupt geboren waren. Es war von den Bauern, ihren Eltern Wie alle Bauern unseres Landes waren die Bauern von oder Großeltern, die es bebauten, fruchtbar gemacht worden. Convencion jahrhundertelang unter dem Joch der Ausbeutung, Es gab keinen einzigen Grund für die Inbesitznahme des Lanim Dienste der Großgrundbesitzer, erdrückt worden. Jahrelang des durch die Großgrundbesitzer. Das wäre ja, wie wenn sie

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sich die Luft, die wir einatmen, die Straßen oder das Meer Im Tal von Convencion haben sich alle Bauern zusammenaneigneten. Sie hatten diese Erde nicht geschaffen und hatten getan. Zuerst waren es nur wenige Bauern. Zuerst waren es nur also auch nicht das Recht, sie zu besitzen. Bauern aus 8 oder 9 Haziendas. Sie begannen, sich zu organisieren, Gewerkschaften aufzubauen, Forderungen zu stellen.

Trotzdem mutzten sie das Land, um die Bauern zu Skla- Diesselben alten Geschichten, die wir alle nur allzu gut kenven zu erniedrigen. Aber das war noch lange nicht alles. Die nen: Formular Nr. S, Formular Nr. 6, der Gewerbeaufsichtsbe- Bauern litten noch unter ganz anderen Formen der Ausbeu- amte, der Richter, der Gerichtsschreiber, der Notar, das Berufungsgericht, der Oberste Gerichtshof usw. usw. (Gelächter).

Immer diesselben alten Geschichten ... (noch mehr Geläch- Die Frauen und Kinder zum Beispiel mußten auch unent- ter).

geltlich für die Großgrundbesitzer arbeiten. Diese duldeten keine Schulen auf ihren Haziendas. Einige verboten den Bau- Und das Ergebnis? Immer das gleiche (Gelächter). Der er sogar, Schuhe zu tragen: dies sei ausschließlich für die Her- Großgrundbesitzer mißhandelte die Bauern, und wenn die ren. Ein Großgrundbesitzer nahm einmal einem Bauern die Bauern sich ans Gericht wandten, steckte dieses sie ins Gefäng- Schuhe weg: dieser hatte die Frechheit gehabt, eine Lehrerin nis. Die Großgrundbesitzer eigneten sich das Land der Bauern zu bezahlen, die seinen Kindern das Lesen beibrachte. und die Früchte ihrer Arbeit an. Immer das gleiche, genauso wie eure Geschichte über euren lokalen Polizisten. Oder was man über das Gericht hier arbeitete, befahl einmal einem Bauern, ein Pferd zu suchen, erzählt. So war es immer in Cuzco. Die Justiz, die Gewerbeum 6 arrobas (150 Pfund) Kaffee zu transportieren. Da der aufsicht, die PIP (Politische Polizei Perus), die Zivilgarde, alle Bauer kein Pferd finden konnte, kam er zurück: „Papa, ich führten sie die Dreckarbeit der Herren aus. Alle traten sie das konnte kein Pferd finden". Sie mußten den Großgrundbesitzer Gesetz mit Füßen, nicht nur das Gesetz, sondern auch die Bau- „Papa" nennen. (Rufe: „Nieder mit ihnen!", „Nieder mit den ern, die eigentlichen Sklaven der Großgrundbesitzer. Großgrundbesitzem!")

Und natürlich die Presse, sie verleumdete Agitatoren, da sie angeblich die Produktion störten; sie lobten die Großgrundbesitzer, die ja angeblich für den guten Ruf von Cuzco und die und damit befahl er dem Vorarbeiter, ihm Packsattel und Kan- Produktivitätserhöhung arbeiteten. dare anzulegen und 6 arrobas Kaffee aufzuladen; damit mußte sich der Bauer auf allen Vieren durch den Hof schleppen. Den Bauern aber hing der ganze Papierkrieg zum Halse heraus Sie waren es überdrüssig, sich bei unzähligen Richtern

So behandelten die Großgrundbesitzer die Bauern. Diese und Gerichten zu beklagen und dafür im Gefängnis zu enden. ehrenwerten Herren, diese edelsten Familien des ganzen Landes, diese Herren, die auf der Gesellschaftsseite der Zeitungen So begannen sie, Versammlungen - wie diese hier - abanzutreffen sind: da habt ihr deren wahres Gesicht. zuhalten. Sie begannen, sich der Lautsprecher zu bedienen, ihr Leben, ihre Besitzer, die Verbrechen, deren Opfer sie waren, Und was taten die Kollegen des so schändlich mißhandel- herauszuschreiben.

ten Bauern? Zitternd und furchtsam schauten sie zu; sie wagten kein einziges Wort, sie wagten nicht zu protestieren. Ein Großgrundbesitzer wurde öffentlich angeklagt: er hatte Bäuerinnen mißbraucht, hatte sie vergewaltigt, seine Ein Bauer wurde einmal für einen geringen Verstoß nackt illegitimen Kinder im Fluß ertränkt. Sein Name war Marquez. ausgezogen und an einen Mangobaum gehängt, um vom Vor. Heute so wie damals spreche ich diesen Namen laut aus Er arbeiter ausgepeitscht zu werden. Da aber der Vorarbeiter wagte es nicht, mich der Verleumdung anzuklagen. Wäre es nicht richtig in Fahrt kam und diese Arbeit mit etwas flauer eine falsche Anklage gewesen, so hätte er sicherlich nicht ge- Begeisterung ausführte, nahm ihm der Großgrundbesitzer die Peitsche aus der Hand: Du bist ein Idiot, nicht einmal eine solche Arbeit kann man dir anvertrauen. Schau mir zu, ich Dieser Art waren die Barbareien der Großgrundbesitzer werde dir zeigen, wie man so was macht." von Convencion. Wir prangerten sie in solchen Versammlungen an. Diesselben Bauer, die in den letzten Wahlen nicht Und damit begann er den Bauern, der mit Händen und abstimmen druften, da sie angeblich kein Bürgerbewußtsein Füßen am Baum hing, auszupeitschen, den ganzen Tag lang. besäßen, diesselben Bauern begannen, sich stark zu fühlen. Nur von Zeit zu Zeit, da machte er eine Pause, zog sein Taschentuch hervor, wischte seine schweißtriefende Stirn ab, Denn sie haben genug Bürgerbewußtsein, um dieser Ausum danach seine Arbeit fortzusetzen. Alle Kollegen des Bau- beutung ein Ende zu bereiten. Dazu brauchen diese Bauern ern waren anwesend; kein einziger Schrei der Auflehnung ent- weder spanisch zu sprechen noch Lesen und Schr wich ihrem Mund, zitternd vor lauter Angst und Entsetzen weder spanisch zu sprechen noch lesen und schreiben zu blieben sie stumm. können. Sie begannen, solche Verbrechen in unserer Sprache, dem Quechua, der Sprache der Bauern von Cuzco, anzupran- Aber alles hat sein Ende auf dieser Erde. Auch die Angst der Bauern. Eines Tages versammelten sie sich, um lautstark ihre Wut zu schreien. Auch die Bauern eben dieser Hazienda; Diese Bauern bekamen ein Gefühl ihrer Stärke, denn die Bauern der Gewerkschaft von Chaupimayo erhoben ihre sie sahen, sie waren unzählig viele. Sie lernten, nicht länger Stimmen am stärksten. Heute ist Chaupimayo in der ganzen in die Knie zu gehen. Sie lernten, die Köpfe stolz zu erheben. Welt berühmt, berühmt für seinen Mut: vergessen ist unsere Sie lernten die Wahrheit in Quechua zu sagen. Sie lernten, frühere Feigheit. (Beifall und Bravorufe) daß sie kein Formular Nr. 5 oder Nr. 6 brauchten, um ihren

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Ausbeutern die Wahrheit zu sagen. Das Problem aussprechen ist noch keine Lösung, aber damit kam die Sache ins Rollen, auf eine Lösung zu, denn die Bauern lernten so ihre Macht kennen.

Dies werden wir noch oft zu sehen bekommen, Genossen.

a es hier weitere Anklagen gegeben hat, werden w och viele solcher Versammlungen äbhalten. Von dieser Ty büne aus, von Tribünen in den Slums werdet ihr, die Arbeiter, alle Unterdrückten, öffentlich die Ungerechtigkeiten, die Mißbräuche anklagen, unter denen ihr zu leiden habt. Wir hören nicht auf, all diese Ungerechtigkeiten herauszuschreien, wir werden uns alle darüber bewußt werden. So, wie alles dort (in Chaupimayo) begonnen hat.

Was geschah danach im Tal von Convencion? Streiks flackerten auf, die gesamte Provinz war stillgelegt. Die Bauern fühlten ihre Stärke, sie hielten Versammlungen ab. Als die Bauern durch die Straßen marschierten, mußte alles geschlossen werden. Niemand war auf der Straße. Niemand überquerte die Brücken. In der ganzen Provinz hatten die Bauern Streikposten aufgestellt. Sie stellten sicher, daß alles geschlossen wurde. Unter dem schweren Regen am Rande des Dschungels lösten sich Frauen und Männer als Streikposten ab.

Sagte jemand: „Arme Bauern, eure Führer zwingen euch, im Regen zu stehen", so wurde geantwortet: „Wir haben jahrelang im Regen für die Großgrundbesitzer geschuftet. Wir sind immer noch im Regen, aber dieses Mal, um ihnen Respekt für unsere Rechte beizubringen. So könnten wir das ganze Jahr über im Regen stehen". (Beifall und Bravo-Rufe)

Auf tausenderlei verschiedene Arten machen die Ausbeuter den Arbeitern das Leben zur unerträglichen Hölle. Heute aber lassen sich die Arbeiter nicht mehr einschüchtern, im Gegenteil, es treibt sie in den Aufstand. So stirbt heute das peruanische Volk vor Hunger; aber es zieht es vor, im Kampf zu sterben, nicht vor Hunger. (Beifall und Bravo- Rufe und: „Hugo Blanco an die Macht!").

Damit ging der Kampf weiter. Je mehr wir kämpften, desto mehr Zugeständisse erzwangen wir; je mehr Siege wir erkämpften, desto größer wurde die Bauerngewerkschft. Heute sind die Handvoll Gewerkschaften von damals zu einer Föderation von 150 Gewerkschaften aus 150 Haziendas und unzähligen Arbeitern aus Cuzco und anderen Bezirken zusammengewachsen.

Was geschah dann weiter? Jahr für Jahr verlangten wir unser Recht, verlangten wir von den Behörden ein Gesetz, damit die Bauern weniger Tage für die Großgrundbesitzer arbeiten müssen. Da, eines Tages, da begann die Gewerkschaft, die die Unterdrücktesten aller Unterdrückten vertrat, diese Bauern, die ich zittern sah, als der Großgrundbesitzer einen der ihren einen ganzen Tag lang auspeitschte, diese Bauern, die zusahen, wie einer der ihren einem Lasttier gleich auf allen Vieren daherkroch, mit der Agrarreform in Convencion. Dies war iedoch keine Agrarreform nach dem Muster eines Belaunde, Velasco, Beltran und wie sie alle heißen mögen. Oh nein!

Diese Agrarreform wurde von den Bauern selbst durchgeführt. Sie beschlossen, nicht mehr für den Großgrundbesitzer arbeiten zu gehen. Sie beschlossen, jeder besitze das Land, das er bearbeitet, und daß sie dem Großgrundbesitzer keinen einzigen Arbeitstag, keinen einzigen Centimo mehr gäben, da es nicht er war, der das Land gebracht hatte. Weiterhin beschlossen sie, das brachliegende Land zu bestellen. Dieses Mal aber bestellten sie die Kaffeebäume und die vielen Kulturen nicht mehr für den Großgrundbesitzer, sondern um eine Schule und eine Klärgrube zu bauen und um den Familien der eingekerkerten Führer zu helfen. Und nicht zuletzt, um Gewehre kaufen zu können, um sich gegen die Repression zu wehren. Darum gingen sie aufs Land zurück. (Beifallsschreie: „Bravo!", „Es lebe die Arbeiterklasse!", „Es leben die Arbeiter!", Nieder mit dem Yankee-Imperialismus!", „Nieder!", „Nieder mit seinen Lakaien!"') Die Bauern beschlossen, alles brachliegende Land, das niemand bestellte, aufzuteilen. Warum bestellte niemand das Land? Weil es einem Großgrundbesitzer gehörte, dieser natürlich nicht arbeitete, da diese Herren nie arbeiten. So also beschlossen die Bauern, das Land unter denjenigen aufzuteilen, die es bestellen wollten.

So sah die Agrarreform aus, die die Bauern von Convencion und Lares durchführten. Es war meine Gewerkschaft, ie von Chaupimavo, die begonnen hatte, aber sie erstreckt ch bald auf das ganze Tal von Convencion und Lare Natürlich unterstützten weder die Großgrundbesitzer noch die Regierung diese Agrarreform. Ebenso natürlich unterstützten weder die einheimischen Kapitalisten noch die Imperialisten diese Agrarreform.

Die Kapitalisten und die Regierung kümmerten sich nicht um die Handvoll Großgrundbesitzer - ihr Verschwinden drückte sie nicht im geringsten. Das Problem lag anderswo: liessen sie die Bauern von Convencion in allem Frieden ihre Agrarreform zu Ende führen, das von ihnen bearbeitete Land nehmen, so würden bald alle peruanischen Bauern dasselbe tun. Die Fabrikarbeiter würden es zu hören bekommen, sie nähmen die Fabriken, würfen die Unternehmer heraus. Sie hatten schon erfahren, daß sie ihn gar nicht nötig hatten, daß wir uns sehr gut ohne Bosse zu helfen wissen (Beifall und Bravo-Rufe).

Aus diesem Grund haben die Repressionskräfte eing fiffen. Die Großgrundbesitzer benahmen sich wie toll Hunde. Sie liefen bewaffnet herum und bedrohten die Bauern. Die bedrohten Bauern wandten sich an die Föderation und sagten: „Genossen, man bedroht uns". Die Föderation riet ihnen: „Genossen, wendet euch an die Zivilgarde, um eure Klage vorzubringen".

Die Bauern gingen zur Zivilgarde, wo sie folgendes zu hören bekamen: „Verfluchte Bauerntölpel, die Bosse haben alles Recht der Erde, euch wie tolle Hunde totzuschlagen, ihr habt die Länder genommen und weigert Euch, für sie zu arbeiten."

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Damit sind die Bauern zur Föderation zurück. Sie kamen, um die ganze Affäre zu denunzieren. Die Delegiertenversammlung der Bauernföderation von Convencion beschloß: da die Großgrundbesitzer drohten, die Bauern zu töten, obschon diese die Agrarreform auf friedlichem Weg, ohne Blutvergießen durchgeführt hatten, da die Zivilgarde, die eigentlich im Dienste der öffentlichen Ruhe stehen soll, nicht gewillt ist, einzugreifen, um den Frieden zu wahren, bleibt den Bauern nur ein einziger Ausweg: ihre Verteidigung selbst in die Hand zu nehmen.

Die Voltversammlung der Bauern von Convencion und Lares beschloß, ein bewaffnetes Selbstverteidigungskomitee zu bilden, um die Angriffe d zu bilden, um die Angriffe der Repressionskräfte abzuwehren. Man gab mir die Aufgabe, dieses Verteidigungskomitee zu organisieren. (Beifall und Viva-Rufe)

Ich tat dies also nicht aus Mangel an Respekt für die Demokratie, wie diese Herren belieben zu sagen. Ich tat • nichts anderes als einen Auftrag annehmen, der mir von den arbeitenden Massen gegeben worden war. Demokratie heißt, den Willen der Mehrheit zu akzeptieren und nicht denjenigen eines Militärs, der, ohne daß wir wüßten wie, sich die Macht Dies ist noch nicht alles. Dort baute man eine Straße, ein Vorarbeiter sympathisierte mit uns. Unsere Genossen baten ihn um Dynamit, er gab es uns. Da wir nicht wußten, So sind es nicht wir, die totalitär sind. Wo liegt das Pro- wie man damit umgeht, zeigte er es uns. blem: die Militärs geben sich nicht damit zufrieden, unsere Wirtschaftsform, wie wir sie aufbauen, zu zerschlagen und Die Bauern sahen auch noch nach dem Vieh der Großuns selbst tätlich anzugreifen; sie müssen auch noch das Wör- grundbesitzer. Wer hatte dieses Vieh großgezüchtet? Es waren terbuch erschlagen. Sie kennen die Bedeutung der Wörter die Bauer, dieselben, die auch nie nur versucht hatten, von nicht mehr. diesem Fleisch zu essen.

Sie nannten uns totalitär, obschon ihnen niemand die Da aber beschlossen die Bauern, das Fleisch, die Frucht Erlaubnis gegeben hat, sich an die Macht zu setzen. Zu jener ihrer Arbeit, zu versuchen. Sie organisierten die Konfiszie- Zeit war schon ein Militär an der Macht, ein Militär, dem rung des Viehbestandes und verkauften das Fleisch zu niedwiederum niemand erlaubt hatte, sich dort einzunisten. rigen Preisen an ihre Kollegen. Mit dem Geld kauften sie sich Waffen, um sich gegen die Angriffe der Repressionskräfte Die demokratischste Sache der Welt war demnach der verteidigen zu können. (Beifalls- und Bravo-Rufe). Auftrag, den ich von den Bauern erhalten hatte: die Vertei- Im Süden von Peru aber gab es keine Waffen zu kaufen. digungskomitees zu organisieren, um sie gegen die gewalttä- Regierung und Presse, alle Zeitungen und Zeitschriften der tigen und undemokratischen Angriffe einer Militärdiktatur, Oligarchie hatten vorsorglich und frühzeitig geschrieben: die niemand gewählt hatte, zu schützen. So haben wir uns für „Guerilas in Convencion, Guerillas in Convencion", obwohl die Demokratie ausgesprochen, für die Rechte des Volkes, es nichts dergleichen gab. Doch damit verboten sie den Wafgegen eine Militärdiktatur. Dies haben wir getan, dies war un- fenverkauf im ganzen Süden. Aber die Kapitalisten denken ser Schwerverbrechen. nur an Profit und selten an Klassensolidarität. Sie sind anders ais wir. Auch wenn sie in gewissen Situationen eine Klassen- Dieses Schwerverbrechen bestand darin, uns nicht auf solidarität ausüben, so dauert diese nie lange: „Geschäft ist den Knien abschlachten zu lassen (Gelächter). Sie eröffneten Geschäft", belieben sie zu sagen. das Feuer, die Überlebenden des Massakers wurden ins Gefängnis geworfen - wegen Angriff auf die bewaffneten Streit- Wie nun die Waffenhändler der Presse entnahmen, "daß kräfte. So war es und nicht anders. es in Convencion Guerillas gibt und darum jeglicher Waffenverkauf im Süden Perus verboten ist", da rieben sie sich die Mehrere Genossen sind heute noch im Gefängnis Wieso? Hände: „Ausgezeichnetes Geschäft! Die Guerillas sind in Weil sie nicht tot sind. Dies ist ihr Verbrechen (Gelächter). Convencion, der Waffenverkauf ist verboten, also gibt dies einen blühenden Schwarzhandel" (Gelächter).

Mit welchen Waffen haben wir uns verteidigt? Sie sagen, wir hätten Gewehre aus Rußland, Kuba, vom Mars und Sa- Die Bauern hatten das konfiszierte Vieh verkauft, dieses tum und was weiter noch erhalten (Gelächter). Nein, so war Vieh, das die Frucht ihrer Arbeit war; mit dem Geld kauften es nicht. sie nun die Gewehre. Einige hatten Techniker als Verwandte, die Feuerwerk fabrizierten und den Bauern auch Schießpul- Die Bauern, die am Rande des Dschungels leben, hatten ver gaben. Pistolen und Karabiner der Marke 22 Long Rifle, um sich gegen die wilden Tiere wehren zu können. Als noch viel wil- Selbst von den Großgrundbesitzern erhielten wir Waffen. dere Tiere ankamen, verteidigten sie sich natürlich (Gelächter Diese hatten Gewehre getragen, um auf die Bauer zu und Beifall, Bravorufe und „Arbeiter und Bauern an die schießen. Als sich die letzteren organisierten und einen ge- Macht!"). waltigen Massenkampf begannen, bekamen es die Groß-

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grundbesitzer mit der Angst zu tun, liefen davon und ließen die Waffen in ihren Häusern zurück. Die Bauern mußten nur noch in die Häuser gehen unddie Gewehre an sich nehmen. So bewaffneten sich die Bauern.

Warum erzähle ich euch dies des langen und breiten? Damit ihr nicht den Lügen glaubt, die vorgeben, wir hätten Waffen aus Rußland, Kuba, China und dergleichen mehr erhalten.

Nichts erhielten wir vom Ausland. Das Volk verstand, daß es sich verteidigen mußte. Dieses Volk setzte mit viel Phantasie sein Gehim, sein eigenes Gesetz in Bewegung: das Volk, das kämpfen will, findet auch die Mittel zu diesem Kampf. Genau das geschah in Vietnam. Genau das geschah bei den Bauern von Convencion.

Der Widerstand dauerte nicht sehr lange, er war nicht allzu breit, es war keine große Sache; es war ein Beginn. Doch dieser Beginn stand für ein Symbol: organisiert sich das Volk, dann findet es Mittel und Wege, sich gegen die Unterdrückung zu wehren. Dort im Süden liegt der Beweis: die Bauern von Convencion und Lares zeigten sich fähig, der Unterdrückung Einhalt zu gebieten. Auch wenn viele der Unseren eingekerkert, andere getötet wurden, so haben wir sie auf alle Fälle in die Knie gezwungen, denn heute ist das Land immer noch in den Händen der Bauern.

Wir haben es getan, also ist es möglich. Wo liegt denn das Problem? In einer einzigen Provinz nur spielten sich damals Ereignisse ab. Was geschah in den anderen Provinzen Perus? Dort waren sie weder so weit organisiert wie wir, noch hatten sie diese Kampfformen. Wie war die Stimmung im Land? Damals waren wir überzeugt, daß in den übrigen Teilen Perus Stille herrschte. Später, im Gefängnis sowie bei den seltenen Besuchen, die ich frei in Peru machen konnte - sie ließen mich nur in den Ferien in mein Land (Gelächter, Beifall und Bravorufe), erfuhr ich von der landesweiten Unterstützung, die wir genossen.

Ich erfuhr von Straßenblockaden, die man errichtet hatte, um uns zu helfen, von Sabotageaktionen in den Zuckerplantagen, von Versammlungen und Demonstrationen in Lima.

Was geschah wirklich? Warum ließen sie uns allein im Kampf, warum ließen sie uns in Convencion zerschlagen, wenn sie doch mit uns waren? Weil es keine Organisation gab. Was konnten die Bauern im Norden, diejenigen im Zentrum oder die Arbeiter in Lima unternehmen, um uns in unserem Kampf zu helfen? Wie konnte ihre Unterstützung und ihre Solidarität uns erreichen? Was konten sie uns geben? Es fehlte die Organisation. Weil es keine Partei gab, die alle Arbeiter im ganzen Land organisierte, blieb Convencion allein. Genossen, wir lernen durch die Erfahrung. Darum müssen wir die FOCEP in allen Ecken und Enden des Landes aufbauen, damit wir ein Instrument in den Händen haben, das uns alle vereinigt, einer einzigen Faust gleich, damit wir endlich so kämpfen, wie wir es müßten, wie wir es heute tun und wie es nötig sein wird (Beifall und Bravorufe) Die Partei muß die Organisation sein, die alle Arbeiter in ihren Kämpfen um die Machtergreifung und den Sozialismus zusammenschließt. Für uns ist die Partei nicht einfach eine Organisation, die Wahlpropaganda treibt, in Wahlen ihre Liste vorschlägt und alles unternimmt, damit ihre Kandidaten Mitglieder der Konstituierenden Versammlung und Hugo Blanco 1980 Präsident wird.

Nein, das ist nicht unsere Partei. Die Partei ist die Organisation, die uns vereinigt und antreibt wie das Nervensystem den ganzen Körper. Die Partei wird das Nervensystem sein, das alle peruanischen Arbeiter vereinigt: Arbeiter, Bauern, Angestellte, fliegende Händler, Lehrer, Marktverkäufer etc. Die Partei vereinigt sie alle und führt sie gegen den gemeinsamen Feind. Dies ist die Aufgabe der Partei, darum müssen wir sie aufbauen. Die FOCEP dient allein diesem Ziel, die Parteien, die der FOCEP angehören, dienen allein diesem Ziel.

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Ich beziehe mich insbesondere auf die Parteien de 'OCEP. da dies eine Front verschiedener Parteien ist. di unter sich einige Meinungsverschiedenheiten haben, aber alle einig sind, eine breite Front zu bilden, zusammenzuarden Sozialismus zu kämpfen.)

Genossen, in diesem Punkt haben wir seit den 60er Jahren Fortschritte erzielt. Wir sind voll und ganz mit dem Aufbau der Organisation beschäftigt, die den Arbeitern helfen wird, die Macht zu ergreifen. Diese eine Lehre haben wir aus den Erfahrungen der 60er Jahre gezogen.

Welche Rolle spielte Tacna bei alledem? Warum schleppten sie uns nach Tacna? Hier gab es keine Haziendas Hier war nicht das Hauptquartier der Militärzone. Dieses war in Arequipa. Jahrelang war ich dort eingekerkert, ohne Prozeß. Obwohl ich nach dem Gesetz nach 6 Monaten hätte abgeurteilt werden müssen. Aber sie behielten mich 3 Jahre dort unten. Die Ereignisse spielten sich in Cuzco ab, also hätte auch der Prozeß dort stattfinden müssen oder zumindest in Arequipa.

Doch diese Herren bekamen es mit der Angst zu tun Sie wußten, die Leute von Cuzco und diejenigen von Arequipa kannten die Wahrheit.

Sie wußten, fände der Prozeß in einer dieser Städte statt, so würden wir durch einen Massenkampf unterstützt. Darum schleppten sie uns nach Tacna, denn hier wußte niemand etwas. So erzählten sie den Einwohnern von Tacna die haarsträubendsten Geschichten. Lügen, die sie in ganz Peru verbreiteten: wir seien nach Blut lechzende Mörder. Das einzige, was sie nicht über uns verbreiteten, war, wir hätten Kleinkinder roh verschlungen (Gelächter, Beifall). Sie behaupteten, wir hätten den ehrenwerten Besitzern, die ihr Land in harter Arbeit bestellten, Böses angetan, die Produktion verhindert und ähnliche Greueltaten. Sie haben uns mit Dreck überschüttet. Als wir hier ankamen, bekamen wir all diese Propaganda zu hören.

Sie wollten sich den Luxus eines öffentlich durchgeführten Prozesses in einem großen Saal erlauben. Niemals hätten sie sich dies in Cuzco oder Arequipa erlauben dürfen: der Saal wäre voll von Leuten gewesen, die die Wahrheit kannten. So aber sagten sie sich: „In diesem Fall machen wir das in Tacna. Wir werden der internationalen Presse beweisen, daß wir keine Angst vor einem öffentlichen Prozeß haben müssen. Die Leute hier wissen von nichts. " Die Bewohner von Tacna kamen, die Mörder anzusehen; sie kamen, um zu sehen, wie ein Mörder aussieht (Gelächter). Sie hörten den Verhandlungen aufmerksam zu. Die Leute von Tacna sind ja nicht blöd. Nur die Militärs glauben das; sie hatten sich geirrt. Das ganze kehrte sich gegen sie (Gelächter, Bravorufe).

Eine Woche lang wohnten die Leute von Tacna dem Prozeß bei. Wir denunzierten die Verbrechen, alle Ungerechtigkeiten, denen wir zum Opfer gefallen waren. Sie hörten zu, verstanden unsere Handlungsweisen, unseren Kampf. Das Volk von Tacna gab uns recht.

Auf tausenderlei verschiedene Arten bewiesen sie ihre Solidarität. Jeden Tag brachten sie uns 15 Liter Milch ins Gefängnis. Sie brachten uns so viele Früchte, so viel Brot, daß wir es gar nicht essen konnten. Sie brachten uns Kleidung... Am einzigen erlaubten Besuchstag wartete eine zwei-Häuserblock-lange Schlange: Menschen, die uns besuchen wollten. Wir konnten nichts anderes tun, als jeden einmal kurz zu umarmen, die Zeit war kurz, die Schlange lang. Sogar zwei Zivilgardisten nahmen das Risiko auf sich. Sie hatten sicher ihre Ausweise vorzeigen müssen, und ich bin sicher, daß sie Repressalien ausgesetzt waren. Ich möchte euch zeigen, daß Polizisten auch zum Volk gehören, und darum erzähle ich euch, jetzt, da keine Gefahr mehr besteht, von den Republikanischen Gardisten, die uns bewachen mußten: Als ich mich erhob, um die Polizeioffiziere anzuklagen, zu zeigen, daß sie die Mörder sind und nicht wir, als ich mich inmitten der Verhandlung erhob, zogen mich die Gardisten auf meinen Sitz nieder , und als sich der Offizier näherte, sagten sie zu mir: Setz dich, setz dich." Als der Offizier aber gegangen war, flüsterten sie mir zu: „Gut so, Hugo, schick sie alle zum Teufel!" (Gelächter, Beifall und Bravorufe).

Ich habe die Offiziere als feige Mörder bezeichnet, denn sie schicken arme Schlucker wie die Gardisten und die Bauem aufs Schlachtfeld, um zu töten und getötet zu werden: die feinen Herren Offiziere bleiben warm und sicher hinter der Linie. Aber man betrachtet diese Herren nachher als Vaterlandsverteidiger, Helden des Vaterlands... Diese mutigen Helden sind aber unfähig, etwas anderes zu tun, als der Polizei und der Armee den Befehl zu geben, auf das unbewaffnete Volk zu schießen (Beifall).

So haben mir die Zivilgardisten natürlich liebend gern zugehört, wie ich die Wahrheit über die Korruption der Offiziere sprach, Offiziere, die Tag für Tag ihre Untergebenen mit den Füssen treten. Genossen, die Zivilgarde urki die Republikanische Garde sind Teil des Volkes.

So verlief also der Prozeß in Taena, Genossen, so zeigte sich auch die Solidarität des Volkes von Tacna.. Am letzten Tag riefen wir: „Tierra o muerte!" (Land oder Tod), und das Volk antwortete: „Venceremos!". (Wir werden siegen!). Wie der Genosse Navarte sagte, so ist das Volk von Tacna, das zum Totengräber der Kämpfer von Convencion bestimmt war, zum Retter und Befreier der Bauern von Convencion geworden. Darum achten wir das Volk von Tacna; wir wissen, daß es alles andere als dumm ist. (Blanco fuhr fort und erklärte die Notwendigkeit einer Zeitung der Arbeiterklasse, um die Massen zu informieren und die verschiedenen Kämpfe zusammenzufassen. Dieser Abschnitt der Rede ging verloren, weil an dieser Stelle das Tonband gewechselt werden mußte. Wo die Bandaufnahme wieder einsetzt, spricht er zu einem anderen Thema.) Wir haben das chilenische Beispiel. Die Yankee-Imperialisten und die übrigen Imperialisten haben begonnen, Chile zu boykottieren. Sie haben angefangen, nicht mehr in Chile zu investieren, keine Maschinen mehr an Chile zu verkaufen, keine chilenischen Produkte mehr zu kaufen, um das Land in eine Krise zu stürzen und die linke Regierung zu diskreditieren.

Und was haben die Kapitalisten innerhalb des Landes gemacht? Die Grundbesitzer begannen, den Boden nicht mehr zu bebauen, um das Land in eine Krise zu stürzen. Die Kapitalisten haben die Produktion behindert. Manchmal haben sie Teile von Maschinen entfernt, so daß diese nicht mehr laufen

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konnten. Sie haben aufgehört, Rohmaterial einzukaufen, um Knappheit herbeizuführen, was die linke Regierung diskreditieren sollte.

Was haben die Großhändler und Besitzer von Transportunternehmen gemacht? Sie haben Transport und Handel lahmgelegt, um das Land und die Regierung von Allende zu ruinieren.

Was haben die Herren Kapitalisten und diese Herren Grundbesitzer mit ihrem Geld gemacht? Da der Preis für Produkte elementaren Bedarfs in Chile unter der Regierung Allende zurückgegangen war, wurden diese Produkte von den Großkapitalisten und Großhändlern gehortet. Sie ließen das Volk nicht an diese Produkte herankommen. Sie haben sie zu drei- oder vierfach erhöhten Preisen (gegenüber den offiziellen) am Schwarzen Markt verkauft. Auf diese Weise haben die chilenischen Kapitalisten weltweit begonnen, Chile zu ruinieren und die Regierung von Salvador Allende zu diskreditieren.

Und was hat das chilenische Volk gemacht? Wie haben die chilenischen Arbeiter auf diesen Angriff der Kapitalisten reagiert? Sie haben in bester Weise geantwortet. Als die Grundbesitzer den Boden nicht bebauen wollten, haben die Bauern ihn übernommen, um ihn selber zu bewirtschaften.

Als die Kapitalisten die Fabriken nicht arbeiten lassen wollten oder nur zwei oder drei Tage in der Woche, übernahmen die Arbeiter die Fabriken, kontrollierten sie und hielten die Produktion selber aufrecht.

Als die Transportmittelbesitzer zu arbeiten aufhörten, nahmen sich die Arbeiter die Fahrzeuge und betrieben sie selber.

Als die Großhändler den Einzelhandel lahmlegten, die Verteilung lahmlegten und die Waren auf den Schwarzen Markt umleiteten, haben die Bewohner der Slumviertel, die Leute in den sogenannten Elendsvierteln oder 'neuen Städten' ('pueblos jovenes", früher Euphemismus, jetzt allgemein gebrauchter Ausdruck, Anm. d. Red.) die Verteilung selber organisiert. Die Arbeiter brachten ihnen die Waren, so daß sie sie direkt verteilen konnten, unter Ausschaltung des Großhandels. Die Bauern machten es ebenso. Sie brachten ihre Erzeugnisse direkt in die 'neuen Städte.

Die organisierten Leute in diesen Gegenden wußten am besten, wieviele Personen es in jeder Familie in der Nachbarschaft gab. So wußten sie, wie der Zucker zu verteilen war, wie der Reis zu verteilen war, wie die Milch zu verteilen war und sämtliche Produkte, bei denen die Versorgung knapp war. Auf diese Weise begannen sie, dem kapitalistischen Boykott wirkungsvoll entgegenzutreten, sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Verteilung der Landprodukte; in den Fabriken ebenso wie in der Verteilung der Industrieprodukte, und auch im Transportbereich.

Und wer hat das alles gemacht? Die Arbeiter auf dem Land, die Arbeiter in den Städten, die Bewohner der 'neuen Städte'. Sie zeigten ganz Chile, daß das Land auch ohne Bosse gut zurechtkommen konnte, daß die Bosse zu nichts nutze waren, als den Leuten auf die Nerven zu fallen, und daß die Arbeiter im Hinblick auf jegliche Art von Krise am sichersten gehen würden, indem sie Produktion und Distribution selber übernehmen.

Und als sich die faschistischen Banden organisierten, die Banden der Bosse, die bewaffneten Banden der Bosse, um die Arbeiter, die die Fabriken übernommen hatten, anzugreifen, als die Großgrundbesitzer Banden organisierten, um die Bauern anzugreifen, die den Boden übernommen hatten, als die Polizei anfing, die Arbeiter, die die Fabriken betrieben, anzugreifen - was haben da diese Arbeiter gemacht? Sie machten dasselbe wie die Bauern in Convencion und Lares 1962.

Sie entschieden sich dafür, sich gegen die Repression zu verteidigen. Sie begannen, sich zu bewaffnen, Komitees zur bewaffneten Selbstverteidigung gegen diese Repression zu bilden, denn, wie ich schon gesagt habe, wenn sich das Volk darüber klar wird, daß es sich mit Waffen zu verteidigen hat, dann weiß es auch, wie es an die Waffen kommt. Sie brauchen niemanden, der ihnen die Sachen schickt. Und so haben sie angefangen, sich selbst zu verteidigen. Die Soldaten und Seeleute waren auch gegen ihre Offiziere. Und was passierte da? Warum war die Führung, die es ziere. Und was passierte da? Warum wurde das chilenische Volk zermalmt? Leider war die Führung, die es hatte, die Führer der Unidad Popular, der Sozialistischen Partei und der Kommunistischen Partei, nicht revolutionär eingestellt. Diese Führer vertrauten dem Militär. Sie glaubten, das Militär würde die Demokratie respektieren. Sie vertrauten den Kapitalisten und Imperialisten, glaubten, sie würden die Demokratie respektieren. Sie sagten: „Nun, companeros, wenn wir in beiden Kammern des Parlaments eine Mehrheit für die linken Parteien bekommen, werden wir den Sozialismus errichten. Bis dahin, companeros, regt euch nicht auf. bleibt ruhig. Besetzt nicht die Fabriken, denn wenn ihr das macht, dann bringt ihr die fortschrittlichen Kapitalisten gegen uns auf. Besetzt nicht das Land, denn wenn ihr das macht, dann werden sie wütend, und sie werden einen Putsch gegen uns anzetteln.

Baut nicht diese bewaffneten Selbstverteidigungsorgane auf. Denn wenn ihr das tut, werden die demokratischen und patriotischen Offiziere im Militär wütend, und sie werden

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einen Putsch gegen uns anzetteln. Bitte, verliert nicht die Nerven. Die patriotischen Offiziere im Militär werden uns verteidigen. Sie werden den demokratischen Prozeß in Chile garantieren. Sie werden den Willen der Mehrheit respektieren. Die Armee hat stets ihren Respekt vor dem Gesetz und vor dem Parlament bezeugt. Ihr müßt in sie Vertrauen haben." Das hat die Führung der Unidad Popular den Massen er zählt, die ihr gefolgt sind. Und so waren dem Volk die Hände gebunden. Und als die Massen begannen, Volksgerichte zu organisieren, um das korrupte Justizsystem zu ersetzen, das so was in der Art dessen war, wovon gerade der Genosse Navarte gesprochen hat, da wetterten Allende und die gesamte Führung der Unidad Popular dagegen.

Natürlich taten diese Führer das nicht, weil sie schlechte Leute waren. Sie taten es nicht unbedingt, weil sie Verräter waren. Sie haben es getan, weil das ihrer Ansicht nach die Art war, wie man vorgehen mußte. Doch Pinochet sah es nicht so, und das Militär auch nicht. Und von daher waren dem Volk, das dieser Krise in der bestmöglichen Weise entgegengegangen ist, durch die eigene Führung die Hände gebunden.

So hat dies den Weg für den Pinochet-Putsch freigemacht, der von den Kapitalisten und Imperialisten unterstützt wurde und zugleich auch von einer verzweifelten Mittelklasse mitgetragen wurde, welche, angesichts dessen, daß die Linke für Chile keine wirkliche Lösung bot, sich bei der Rechten einreihte.

Wir haben aus dieser Erfahrung die Lehren gezogen, Genossen. Und wir versprechen euch, daß wir hier in Peru diesen Fehler nicht wiederholen werden. Wir versprechen euch, daß die Führer der FOCEP, die Führer der revolutionăren Parteien euch nie sagen werden: „Vertraut den patriotischen Offizieren im Militär, vertraut den guten Kapitalisten, die mit uns gegen die Imperialisten stehen. " Wir werden euch so etwas nie sagen.

Wir werden euch immer sagen: ,,Vertraut nur euch selber! Glaubt nicht, daß die Fabriken gut geleitet werden und dem peruanischen Volk dienen werden, solange sie nicht in der Hand der Arbeiter sind und von ihnen betrieben werden. Glaubt ja nicht, daß das Land im Interesse des Landes genutzt werden wird, solange es nicht unter der Kontrolle der Bauern selber steht.

Glaubt nicht, daß die Distribution und die Volkswirtschaft insgesamt gut funktionieren werden, bis sie in den Händen der Arbeiter sind. Glaubt nicht, daß die Gerichte wirklich Recht sprechen werden, bis sie in den Händen der Arbeiter selber sind, bis die Arbeiter und die 'neuen Städte' ihre Gerichte wählen und das ganze Volk, aus Versammlungen heraus, sein eigenes Gericht wählt und die Richter abberufen kann, wenn es dies will, wenn es sieht, daß die Richter nicht ihren Aufgaben nachkommen. Nur darin vertrauen wir (Applaus, Bravo-Rufe).

Also, Genossen, wir sehen, daß dieser Prozeß, der sich in Convencion entwickelt hat, der Prozeß, der sich in Chile ent wickelt hat, anfängt, sich jetzt in ganz Peru zu entwickeln. Und wir müssen die positiven Lehren aus Convencion auf greifen und sie in unserem Kampf anwenden. Wir müssen auch die positiven Lehren, die das chilenische Volk gegeben hat, aufgreifen und sie in unserem Kampf anwenden. PERU

WO IST DER DRITTE WEG?

Wir haben aus den negativen Erfahrungen in Convencion und Chile zu lernen, damit wir sie nicht wiederholen. Wir brauchen eine politische Organisation, die die Arbeiter an die Macht führen kann. Es hat in Convencion keine solche Organisation gegeben, und infolgedessen ist der Kampf isoliert gewesen. Deswegen müssen wir die FOCEP aufbauen. Wir brauchen eine politische Organisation, die den Arbeitern nicht sagen wird, wie es die Unidad Popular getan hat, sie sollten nicht mobilisieren, sie sollten nicht die Macht ergreifen, sondern den Offizieren vertrauen und auf den parlamentarischen Weg vertrauen.

Und somit müssen wir sagen, daß die FOCEP nicht eine Organisation wie die Unidad Popular sein wird. Sie wird dem Volk nicht sagen, es möge den progressiven Offizieren oder auf das Parlament vertrauen. Sie wird ihm sagen, es solle sich einzig auf seine eigene Organisierung verlassen und auf seine eigene Kraft.

Wir haben bereits gesehen, wozu das peruanische Volk imstande ist. Die Militärjunta erließ das Ausgehverbot. Sie hob die Verfassungsrechte auf. Sie beseitigte die Pressefreiheit. Sie warj hunderte von Personen ins Gefängnis und deportierte 1976 zahlreiche Personen. Im Juni 1976 trat sie die wenigen Rechte, die dem Volk geblieben waren, mit den Füßen. Ein Jahr lang hatte das Volk das hinzunehmen. Und dann, im Juni 1977, trotz der Aufhebung der verfassungsmäßigen Garantien, trotz des Fehlens der Pressefreiheit, trotz der Tatsache, daß Hunderte in den Gefängnissen saßen, trotz der Deportationen, trotz all der Drohungen mit Entlassungen - war das peruanische Volk in der Lage, sich an einer Reihe von Orten zu erheben. Und das hat zu dem heldenhaften Generalstreik vom 19.Juli geführt, jener tapferen Aktion, die eine neue Etappe in der Geschichte des peruanischen Volkes eröffnet hat, die die Etappe der sozialistischen Revolution in Peru eröffnet hat.

Mit diesem Generalstreik hat in Peru eine neue Ära angefangen. Denn dieser Generalstreik zwang die Militärdiktatur dazu, einen Rückzieher zu machen, er zwang die Militärdiktatur, das Ausgehverbot aufzuheben, die Aufhebung der Verfassungsrechte zu beenden, er zwang sie, ein gewisses Maß an Pressefreiheit wiederherzustellen. Und trotz der Tatsache, daß 5 000 Menschen ihren Arbeitsplatz verloren, war das Volk nicht eingeschüchtert, sondern fuhr fort zu kämpfen.

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Es gab einen weiteren Generalstreik und dann noch einen. Durch diese Kämpfe erreichte das Volk auch die Freilassung der politischen Gefangenen und die Erlaubnis zur Rückkehr für die Deportierten.

Und wenn ich so zu euch spreche und so frei spreche, dann nicht wegen irgendwelcher Großzügigkeit von Seiten der Militärdiktatur. Nicht, weil die Militärdiktatur demokratisch geworden wäre oder weil an der Mehrheit in der Verfassungsgebenden Versammlung irgend etwas Demokratisches ware.

Die Mehrheit in der Verfassungsgebenden Versammlung bewahrte über all die von der Militärjunta begangenen Mißbräuche Stillschweigen. Wenn wir in dieser Weise miteinander sprechen, dann, weil ihr das Recht errungen habt. Und auf diesselbe Weise, wie ihr zu diesem Recht gekommen seid, werdet ihr viele weitere erreichen, zusammen mit dem Rest des peruanischen Volkes. Alles hängt von eurem Kampfgeist und eurer Orientierung ab. Das ist das Muster, das ist die Lehre, die wir aus dem 19. Juli und den darauffolgenden Kämpfen gezogen haben.

Es war ebenso auch das Volk, das die Militärjunta gezwungen hat, Wahlen für die Verfassungsgebende Versammlung einzuberufen. Es stimmt, daß das Volk vom Regime keine Verfassunggebende Versammlung verlangt hat. Doch die Herrschenden wußten, daß das peruanische Volk die Militärdiktatur am meisten haßte. Also, um das Volk zu täuschen, hat sie sich entschlossen, ihm einen Lutscher zu geben.

Sie sagten: „Okay, okay, Leute, wir räumen das Feld, macht euch darüber keine Sorgen, wir räumen 1980 das Feld. Erst mal geben wir euch Wahlen für eine Verfassungsgebende Versammlung, danach werden dann 1980 Wahlen stattfinden, es wird einen neuen Präsidenten geben, wer auch immer euch am besten paßt, es wird Abgeordnete und Senatoren geben, wir räumen das Feld und alles wird sich einrenken. " Sie haben das gemacht, um das peruanische Volk zu tăuschen, so daß das Volk nicht fortfahren würde zu kämpfen, nicht seine Streiks fortsetzen würde, nicht seine Arbeitsniederlegungen fortsetzen würde. Doch glücklicherweise ließ sich das peruanische Volk nicht für dumm verkaufen. Das peruanische Volk setzte seine Kämpfe fort, und es kämpft immer noch. Es läßt sich nicht von Geschichten über Verfassungsgebende Versammlungen und Wahlen beeindrucken. Und damit hat, mitten im Wahlkampf, als die Junta noch mal die Stirn hatte, das Wirtschaftspaket vom Mai zu dekretieren, die Arbeiterklasse mit dem größten Generalstreik in der Geschichte dieses Landes geantwortet, dem Streik vom 22. und 23.Mai (Applaus, Bravo-Rufe).

Das ist ein heldenhafter Kampf gewesen, der noch gar nicht in seinem vollen Umfang beschrieben worden ist. Keiner von uns weiß bis jetzt, wie groß er gewesen ist. Jeden Tag erfahren wir von Dingen, die in allen Ecken des Landes am 22. und 23. Mai geschehen sind, von denen wir vorher nichts gewußt haben. Trotz der fehlenden Kommunikation zwischen den verschiedenen Sektoren der Bevölkerung, trotz der Tatsache, daß die Presse kontrolliert wird und daß das Radio über alles mögliche spricht außer über das, was in Peru geschieht, trotz alledem wurde die Tapferkeit des peruanischen Volkes an diesem Tag in tausenderlei Weise sichtbar. Es könnte sein, daß ihr nicht gewußt habt, daß in Morococha die Bergleute die Repressionskräfte mit Dynamit zum Rückzug getrieben haben (Applaus, Bravo-Rufe). Ich weiß nicht, ob euch bekannt ist, daß unsere Brüder in der Polizei in Arequipa sich geweigert haben, auf das Volk zu schießen, daß sie eine Liste mit Forderungen vorgelegt haben, in der es hieß, niemand solle einen höheren Rang innehaben als den eines Majors, und daß die Offiziere von der Basis gewählt und nicht von oben ernannt werden sollten. Wegen dieser mutigen Haltung von Seiten unserer companeros in der Polizei von Arequipa sind ihre Führer heute im Gefängnis, und wir müssen für ihre Freilassung kämpfen. Denn sie sind für uns im Gefängnis, sie sind unsere Helden, sie sind unsere Brüder, und sie sind im Gefängnis, weil sie nicht auf uns schießen wollten (Applaus, Bravo-Rufe). Die kontrollierte Presse spricht von diesen Ereignissen nicht, denn die Militärjunta hat Angst. Die, die uns schinden, sind lediglich eine Handvoll Ausbeuter. Bis jetzt haben diese Ausbeuter sich der Polizei bedient, sich der Soldaten bedient, um uns zu zermalmen, um uns zu massakrieren, so daß sie uns weiterhin ausbeuten konnten.

Doch was geschicht? Das kommt eines Tages an ein Ende. Wenn die Arbeiter und die Bauern stark und geeint sind und Streiks durchführen wie die vom 22. und 23. Mai (eine weitere Unterbrechung des Bandes)...

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Companeros, wir haben bereits den Anfang vom Ende unserer Ausbeuter gesehen. Es hat im Juli 1977 begonnen, und dieser Kampf geht weiter. Wie ich euch gesagt habe, wenn wir hier diskutieren können, so nicht wegen der Gesetzesvorlage über parlamentarische Immunität, so nicht, weil die Militärjunta irgendwelchen Respekt vor der Verfassungsgebenden Versammlung hätte, auch nicht einmal, weil die Verfassungsgebende Versammlung irgendwelchen Respekt vor sich selbst hätte, denn den hat sie nicht. Die Abgeordneten sind bereit, sich flach hinzulegen und die Militärjunta über sich hinweggehen zu lassen wie über einen Teppich. Sie wissen auch, daß 1980, wenn Haya de la Torre drankommt oder Bedoya oder irgendeiner dieser ehrenwerten Herren, sie dasselbe machen werden, was die Militärjunta macht, sie werden Agenten der Politik des Internationalen Währungsfonds sein.

Wie die linken Abgeordneten, die mit mir hier sind, schon gesagt haben, haben sie es abgelehnt, der Verfassungsgebenden Versammlung eine Chance zu geben, die Probleme des Volkes zu lösen. Die anderen Abgeordneten liegen vor der Junta auf den Knien, sie gehen vor der Junta runter auf alle Viere, dieselben Leute, die so viel Erklärungen gegen die Militärdiktatur abgegeben haben. Jetzt mögen sie nicht ein Wort gegen die Militärdiktatur sagen. Es sollte also niemand irgendeine Hoffnung in sie setzen.

Von dieser Tribüne haben meine Genossen darüber hinaus über anderes gesprochen. Sie haben über die Fronten zur Verteidigung der Interessen des Volkes gesprochen, die in vielen Teilen Perus im Entstehen begriffen sind. Ich hatte die Gelegenheit, das im Department San Martin zu sehen. Ich hatte die Gelegenheit, zwei Orte zu sehen, die, in einem Fall, einen Bürgermeister gewählt haben, und , im anderen, einen stellvertretenden Bürgermeister. Und sie kämpfen darum, deren Autorität durchzusetzen. Sie kämpfen darum, sich gegen den stelbertretenden Bürgermeister und den Bürgermeister, die von oben durch die Militärdiktatur eingesetzt worden sind, durchzusetzen.

Das ist die Regierungsform, die wir wollen, vom Volk gewählte Regierungen, Regierungen, die in jedem Ort, in jeder Ecke des Landes den Willen der Arbeiter, der Bauern und der Leute der 'neuen Städte' repräsentieren. Genosse Cuentas hat auch über die Volkskongresse von Chimbote und Moquegua gesprochen. Ich hatte Gelegenheit, zu sehen, was diese Volksversammlungdn sind, Genossen. Es sind Körperschaften, die die Arbeiter, die Bauern, die 'neuen Städte', die Angestellten repräsentieren. Und diese Versammlungen beginnen bereits, einiges zu tun.

Wofür wir kämpfen, das ist, daß diese Körperschaften in der Lage sind, dauerhaft zu funktionieren und durch eine große nationale Volksversammlung zusammengefaßt zu werden, die zusammengesetzt ist aus Delegierten der Arbeiter, Bauern, Soldaten, Bewohner der "neuen Städte'", der Angestellten, Lehrer, Fischer, Kleinhändler, fiegenden Händler. Wir wollen, daß diese Volksversammlung, die sämtliche Werktätigen in jeder Ecke des Landes repräsentiert, die Regierung sein soll. Wir verlangen nicht, daß Hugo Blanco an die Macht soll, sondern daß die Arbeiter an die Macht sollen, daß die Delegierten der Arbeiter, Bauern und 'neuen Städte' an die Macht sollen, eine Versammlung, die sie allesamt repräsentiert.

Und wenn das Volk das Vertrauen in einen der Delegierten verliert, den es entsandt hat, wenn dem Volk nicht gefallt, was sein Delegierter tut, dann kann es diesen Delegierten einfach entfernen und einen anderen an seine Stelle setzen. Denn Peru hat Millionen von Menschen, die sich selbst und ihre Brüder und Schwestern repräsentieren können. Hugo Blanco ist nicht unabkömmlich, und auch kein anderer Genosse. Jeder kann die Interessen der Arbeiter vertreten. In jeder Fabrik, in jeder Bauerngewerkschaft, in jeder neuen Stadt können wir Beispiele hierfür sehen. Und wenn jemand es nicht schafft, kann jemand anderes seine Stelle einnehmen.

Das ist die Regierungsform, die wir wollen, das nennen wir eine Arbeiterregierung, das nennen wir eine Arbeiter- und Bauernregierung. Und das ist die einzige Regierungsform, die sicherstellen kann, daß das peruanische Volk endlich in den Genuß des ihm gehördenden Reichtums kommt. Einzig eine solche Regierung kann sicherstellen, daß die Arbeiter in der Lage sein werden zu arbeiten, daß wir alle Arbeit haben. Wie ihr wißt, ist eine Versammlung der Straßenhändler im Gespräch gewesen. Das Problem der Straßenhändler existiert in Lima in gigantischen Ausmaßen, und es existiert überall in Penu.

Den Beschäftigungslosen bleibt nichts anderes übrig, um sich etwas zu verdienen, als irgendwas unter freiem Himmel zu verkaufen. Und dennoch haben die Bürgermeister die Nerven, sind dermaßen unverschämt, genau wie die Militärdiktatur, in manchen Vierteln das Hausieren zu verbieten, wo doch die Junta dem halben peruanischen Volk keine Arbeitsplätze stellen kann, wo doch das halbe peruanische Volk nicht arbeiten kann, da es keine Arbeitsplätze finden kann (Applaus, Bravo-Rufe, "Nieder mit der Militärdiktatur!").

Nun, da der Bürgermeister die Stirn gehabt hat zu erklären, daß es Gebiete gibt, wo die Straßenhändler ihr Geschäft nicht ausüben können, haben wir von der FOCEP in Lima den comapaneros Straßenhändler erklärt: Genossen, solange die Militärjunta euch nicht regelmäßige Arbeit garan-

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tieren kann, habt ihr das Recht, eure Waren in der Verfassungsgebenden Versammlung und im Regierungspalast zu verkaufen." (Applaus, Bravo-Rufe)

Also, Genossen, kann einzig eine Regierung, die aus Delegierten der Arbeiter, Bauern, Delegierten sämtlicher arbeitenden Menschen zusammengesetzt ist, sagen, daß die Fabriken von den Arbeiter im Interesse des Volkes betrieben werden.

Einzig eine derartige Regierung kann sagen, daß das Land von den Bauern im Interesse des Volkes gehalten wird und daß die gesamte Wirtschaft in den Händen der arbeitenden Klassen insgesamt sein wird. Und daß die Arbeiterdelegierten entscheiden werden, wo Fabriken angesiedelt werden sollen, welche Straßen gebaut werden sollen. Und wir werden sagen, daß unser Geld nicht für Repression ausgegeben werden soll, daß es nicht dafür ausgegeben werden sollte, um Whisky für Millionäre zu kaufen. Es sollte für Schulen in den 'neuen Städten", für Sickergruben, für Krankenhäuser ausgegeben werden.

Wir wollen eine Arbeiterregierung. Diese Regierung wird den Kapitalisten nicht einen Pfennig geben, denn die haben uns schon genug geraubt. Diese Regierung wird den Landbesitzern nicht einen Pfennig geben. Und diese Regierung wird die ausländischen Schulden nicht bezahlen, denn dies Gela wurde uns nicht geliehen, sondern dem Morales, also sol Morales es zurückzahlen. Es besteht kein Grund dafür, daß wir es zurückzahlen (Applaus, Bravo-Rufe).

Genossen, für uns wird es Zeit, daß wir gehen, denn wir wollen ein Unterstützungskomitee für die FOCEP ins Leben rufen, und dann müssen wir nach Cuzco fahren, wo ein nationaler Bauernkongreß stattfindet. Ich bin Mitglied des Exekutivausschusses des Bauernverbandes, und ich muß dort sein. Aber es wird nicht an Gelegenheiten mangeln, um zurückzukommen und euch zu treffen und die vielen Dinge zu diskutieren, über die wir zu sprechen haben.

Zwölf Jahre lang sind wir auseinander gehalten worden, Genossen. Doch dank der Kämpfe des gesamten peruanischen Volkes können wir heute hier sein. Ich hoffe, ihr werdet sie uns nicht noch einmal trennen lassen. Das ist völlig von eurer Stärke und eurer Entschlossenheit abhängig, Genossen. Weil eine Menge Kraft und Entschlossenheit gezeigt worden ist, dank eurer Entschlossenheit bin ich hier, bin ich am Leben und bin ich ein freier Mann.

(Applaus. Rufe: Bravo!" und Hugo Blanco an die Macht!").

Es lebe die Arbeiterregierung! (Rufe: Viva!"). Es lebe der Sozialismus! (Rufe: „Viva!"). Companeros, ich weiß eine bessere Parole als 'Hugo Blanco an die Macht. Sie heißt: "Luchar, vencer, obreros al poder! (=Kämpfen, siegen, Arbeiter an die Macht!). Und jetzt rufe ich euch auf, diese Parole mitzurufen. Und jetzt: Nieder mit der Militärjunta!' (Applaus, zahllose Rufe,eine Parole setzt sich durch: „Luchar, vencer, obreros al poder!"

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