GEHT WEITER von Fred FELDMANN
Die Führer der KP vietnams waren gezwungen, Schritt für Schritt sich des Kapitalismus im Sü- Minh - Stadt zu verlassen, um entweder in ihr Geburtsdorf den zu entledigen und auf diese Region die politischen und ökonomischen Strukturen des oder in die Neuen Wirtschaftszonen - Gegenden von Neuland, Arbeiterstaates im Norden zu übertragen. die wieder besiedelt werden - zu gehen". Einigen hat man die Möglichkeit angeboten, in der Stadt zu bleiben, wenn sie ihr restliches Kapital in Regierungsvorhaben investieren.
Die vietnamesische Revolution hat in den letzten Monaten einen großen Schritt nach vorn getan. Durch Maßnahmen, die Am 3.Mai ist eine einheitliche Währung für das ganze von der Regierung der Sozialistischen Reprublik Vietnam ge- Land eingeführt worden. Vorher hatten die beiden Zonen vertroffen und von Massenaktionen unterstützt wurden, sind die schiedene Währungen, was ihren unterschiedlichen ökonomiletzten Stützpunkte der Kapitalistenklasse im Süden abge- schen Strukturen entsprochen hatte. Strikte Maßnahmen wurschafft worden. Die beiden Zonen Vietnams, die politisch im den getroffen, um Schatzbildung und andere Formen der Geld- Juli 1976 vereinigt worden waren, sind jetzt auch ökonomisch manipulation zu unterbinden. zusammengeschlossen worden in eine einzige geplante und nationalisierte Wirtschaft. Die im Süden getroffenen Maßnahmen wurden auf den Norden ausgeweitet, wo neue strenge Kontrollen des Handels
Die neue Etappe begann am 23. März mit einem Dekret, eingeführt wurden. (Etwa 90 % der enteigneten Händler waren durch das 30 000 Handels; und andere Geschäfte in Südviet- chinesischer Herkunft. Das Pekinger Regime hat diese Tatsache nam aufgelöst wurden. Hauptangriffsscheibe dieser Maßnah- als Vorwand ausgenutzt, um auf der Grundlage von nicht unmen waren die Geschäftsleute des Stadtteils Cholon von Ho termauerten Behauptungen über Diskriminierungsfälle der chi- Tschi Minh - Ville (Saigon), die lange Zeit den Handel im Sü- nesischen Minderheit eine Propaganda-Offensive gegen Vietden beherrscht hatten. Nayan Chanda, ein Jourmalist, der die nam zu sterten.)
Ereignisse in Indochina seit dem Ende des Krieges genau verfolgt, beschrieb den Distrikt Cholon als „ein kapitalistisches Die in den Monaten März, April und Mai ausgeführten Herz, das innerhalb des sozialistischen Körpers Vietnams Dispositionen stellen die Ausweitung der Planwirtschaft, die schlägt". im Norden seit 20 Jahren existiert, auf den Süden dar. Es handelt sich um die Vollendung eines Prozesses der sozialen Revo.
Am 16.April mobilisierte das Regime wieder seine Anhän- lution, der mit dem Einmarsch der Befreiungstruppen in Saiger, um den illegalen Operationen auf den Märkten unter gon am 30. April 1975 begann. Diese Maßnahmen stehen in freiem Himmel in Ho Tschi Minh - Ville, den Zentren des krassem Gegensatz zu der Politik, die das Regime der Kommu- Schwarzen Marktes, ein Ende zu bereiten. nistischen Partei Vietnams nach dem Sieg zu führen suchte. Obwohl viele kleinen Läden noch funktionierten, er- Durch den Sieg der Streitkräfte der Demokratischen Relaubten diese Maßnahmen der Regierung effektiv, die großen publik Vietnam (alter Name von Nordvietnam) und der Natio- Operationen des Groß- und Kleinhandels unter Kontrolle zu nalen Befreiungsfront im April 1975 ist der Militär- und Verwaltungsapparat des alten Regimes zerstört worden. Als die Befreiungstruppen sich Saigon näherten, suchten die meisten wichtigen Kapitalisten Vietnams in den Flugzeugen ihrer imberichtet Chanda. perialistischen Herren davonzukommen. In vielen Fällen haben die Arbeiter, oft von den Kadern der FNL oder der Demokrati- Natürlich trifft das Regime Maßnahmen, um jegliche schen Republik Vietnam, die Fabriken besetzt und vor Dieb- Rückkehr der enteigneten Kapitalisten zu unterbinden. Nach stahl oder Zerstörung geschützt, bis die Rebellenarmee die Chanda hat man Tausende von Geschäftsleuten und ihre An- Stadt vollständig erobert hatte, und sie haben versucht, sie gehörigen aufgefordert, sich darauf vorzubereiten, Ho Tschi in Gang zu halten, bis eine neue Verwaltung eingesetzt war.
Der Sturz des korrumpierten kapitalistischen Regimes ist 3,5 Millionen. Zehntausende von Kindern ohne Zuhause mit Enthusiasmus begrüßt worden von den Arbeiter und der mußten versorgt werden. Die Städte waren von Prostitution, Jugend in den Städten Vietnams wie auch von der Mehrzahl Drogen und Krankheit verseucht. der Bauern auf dem Lande. Sie wollten die Wiedervereinigung ihres seit langem geteilten Landes und die vollständige Ab- Die von den kapitalistischen Regierungen und Unterschaffung des Kapitalismus und der Herrschaft der Großgrund- nehmen erhoffte Hilfe blieb aus, wenn auch Japan, Frankbesitzer. Da bereits 70% der Industrie in der Hand der Regie- reich und Schweden bescheidene Investitionen tätigten. rung waren, weil die Besitzer sich abgesetzt hatten, stand es in Trotz erheblichen Interesses für die Erdölressourcen Vietder Macht der Führer der Regierung und der FNL, eine sozia- nams wandten sich die meisten kapitalistischen Investoren listische Revolution durchzuführen und Vietnam wieder zu von einem Regime ab, das von einer revolutionären Erhevereinigen. bung stammt und enge Verbindungen mit dem Arbeiterstaat im Norden pflegte.
Sie haben sich aber für einen anderen Weg entschieden.
Statt Vietnam wieder zu vereinigen, wurde eine Provisorische Die US-Imperialisten fuhren fort mit neuen Verbrechen Revolutionäre Regierung" an der Spitze eines formal unabhän- gegen das vietnamesische Volk. Jegliche Unterstützung wurde gigen Staates eingesetzt, obwohl die Partei- und Armeeappara- versagt. Das Weißen Haus hielt das im Vertrag gegebene Verte der beiden Zonen verschmolzen worden waren. Die Füh- sprechen auf Wiederaufbauhilfe für Vietnam nicht ein. Der rer der vietnamesischen Kommunistischen Partei erklärten, Handel mit Vietnam wurde sogar verboten, was sich besondaß man mindestens fünf Jahre warten müsse auf die Wieder- ders nachteilig auswirkte, weil die meisten Fabriken Südvereinigung. Das neue Regime versprach, die kapitalistischen vietnams in ihrer Rohmaterialbelieferung von den Verei- Eigentumsverhältnisse im Süden zu bewahren. nigten Staaten abhingen.
Der Sekretär der Kommunistischen Partei, Le Duan, er- Das State Department lehnte die diplomatische Anerklärte am 15. Mai, daß diese Linie zur Schaffung eines , guten kennung der Regierung ab und suchte ihre UNO-Delegation nationalen und demokratischen Regimes, einer gedeihenden in New York durch falsche Spionage-Beschuldigungen zu zernationalen und demokratischen Wirtschaft" im Süden führen stören. Das Weiße Haus umzingelte weiterhin Vietnam mit würde. ihm hörigen Regimen wie Thailand, mit US-Militärbasen und mit der 7. Flotte.
Diese Behauptung Le Duans drückt aus, daß sich die KPV der stalinistischen Theorie von der Revolution in zwei Etappen Das alles aus der Absicht, die Vietnamesen dafür zu beangeschlossen hat. Nach dieser Vorstellung müßte Südvietnam strafen, daß sie über die imperialistische Invasion gesiegt hateine Periode der Entwicklung unter kapitalistischem Vorzei. ten, und um das neue Regime zu diskreditieren, indem man chen durchlaufen, bevor es zur sozialistischen Revolution über- es zwang, soliert sich mit schwierigen wirtschaftlichen Progeht. blemen herumzuschlagen. So erschienen in der kapitalistischen US-Presse zahllose Artikel über die Schwierigkeiten des Die Führer der KP Vietnams hofften, daß die Aufrechter- alltäglichen Lebens in Vietnam heute, wobei sie dezent verhaltung des Kapitalismus im Süden die imperialistische Hilfe gaßen, die miserablenL ebensbedingungen der großen Mehrund die Investitionen anziehen würden, insbesondere die 2,2 heit des Volkes unter dem vorherigen Regime zu erwähnen Milliarden Dollar Wiederaufbauhilfe, die die Nixon-Regierung oder die schwere Verantwortung, die auf der Invasion und mit den Pariser Verträgen von 1973 versprochen hatte. Eine der darauffolgenden Wirtschaftsblockade lastet. solche Hilfe war verzweifelt notwendig.
Die Führer der KP Vietnams wurden auch in ihrer Hoff- Zehn Jahre lang waren die ländlichen Gebiete von Süd- nung enttäuscht, massive Hilfe von Seiten der Sowjetunion vietnam von den US-Bomben zerfurcht und von Entlaubungs- oder Chinas zu erhalten. Für die Bürokraten, die diese Arbeimitteln übersprüht worden, was die Landwirtschaft Südviet- terstaaten führen, diente das Ende des Krieges als Ausrede, nams ruiniert hat. Das Land, das früher Reis exportieren konn- um ihre Hilfe für das vietnamesische Volk zu reduzieren und te, war jetzt auf massive Einfuhren angewiesen. Millionen von strengere Bedingungen durchzusetzen: so ersetzte Moskau die Bauern waren gezwungen, sich in die überfüllten Städte zu Subventionen für Vietnam durch verzinsliche Kredite, und flüchten. Die ganze Wirtschaft war von ausländischer Hilfe Peking verlangte von den aus dem letzten Loch pfeifenden abhängig geworden, und Hunderttausende von Leuten ver- Vietnamesen, die Reislieferungen zu bezahlen. dienten sich ihren Lebensunterhalt mit Dienstleistungen für die amerikanischen Okkupanten. Die vietnamesische Erfahrung zeigt von neuem, wie falsch die Theorie von der Revolution in zwei Etappen ist.
Die US-Streiktkräfte haben sich schließlich bis April 1975 Es hat sich als unmöglich herausgestellt, ein gutes nationales zurückgezogen, aber die vom Pentagon beigefügten Verwüstun- und demokratisches Regime, eine gute nationale und demogen sind geblieben. Die Zahl der Arbeitslosen betrug damals kratische Wirtschaft" aufzubauen im Süden. Trotz ihrer Ver-
sprechungen waren die Führer der KPV gezwungen, sich Schritt für Schritt des Kapitalismus im Süden zu entledigen und die wirtschaftlichen Strukturen des Arbeiterstaates im Norden auf den Süden auszuweiten.
Auf diesem Weg wurde das Regime nicht nur durch die objektive Notwendigkeit gestoßen, sondern auch auftrund des Drucks der Massen, entscheidende Maßnahmen zur Neuorganisierung der Wirtschaft zu ergreifen. Obwohl durch die bürokratische Struktur des Regimes dem Volke jede politische Ausdrucksmöglichkeit verwehrt ist, konnten es sich die Führer doch nicht leisten, die wirtschaftlichen Grundbedürfnisse der Arbeiter und der Jugend, die seine Massenbasis in den Städten bilden, zu ignorieren.
Der wichtigste Teil der Kapitalistenklassen, der den Sturz des Marionettenregimes überlebte, das waren die Händler. Sie kontrollierten die Verteilung des größten Teiles der Lebensmittel, einschließlich den Produkten vieler nationalisierter Fabriken. Die Klassenkollaborations-Perspektive des Regimes gründete sich auf der Annahme, daß sie sowohl überzeugt als auch gezwungen werden könnten, kooperativ am Aufbau der neuen Ordnung mitzuarbeiten. Nichts dergleichen geschah.
Im August 1975 brach aufgrund des Mangels und der Inflation, die zur fortdauerden Arbeitslosigkeit hinzukamen, eine Krise aus. Die Banken wurden nationalisiert, eine neue Währung wurde im Süden eingeführt, und das Eigentum einiger Händler, die eine Schlüsselstellung innehatten, wurde als abschreckendes Beispiel für die anderen verstaatlicht. Der Permierminister Huynh Tan Phat führte als Erklärung dieser Aktion an: „Alles lag in ihren Händen (der Compradores). Sie machten die Märkte kaputt, provozierten künstliche Mängel von Waren, brachen eine inflationistische Preisspirale vom Zaum, und wir waren dagegen ziemlich machtlos. Sie kontrollierten praktisch alle Lebensmittel vom Ankauf, dem Transport bis zur Verteilung". Die ersten Aktionen gegen den Kapitalismus wurden von Demonstrationen Tausender von Leuten in den Straßen von Ho Tschi Minh - Stadt unterstützt.
Unter dem Druck der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, der Feindschaft der kapitalistischen Händler und der Unzufriedenheit der Massen entschlossen sich die Führer der KPV, den vorgesehenen Wiedervereinigungs-Prozeß zu beschleunigen. Eine Nationalversammlung wurde im April 1976 gewählt. Am 2. Juli desselben Jahres rief diese Versammlung die Sozialistische Republik Vietnam aus und wählte zur Regierung die Persönlichkeiten, die schon die alte vietname. sische Republik geführt hatten. Le Duan versprach: „Im Süden müssen wir sofort die Compradore-Bourgeoisie und die Reste der Feudalklasse der Großgrundbesitzer abschaffen, die sozialistische Transformation der privaten Industrie und des kapitalistischen Handels, der Landwirtschaft, des Handwerks und des Kleinhandels angehen durch geeignete Maßnahmen in angemessener Eile. Wir müssen aktiv diese Umwandlung mit einer Wiederherstellung der Ordnung kombinieren, um die Wirtschaft im Süden in den Umkreis des Sozialismus einzubeziehen, und wir müssen die Wirtschaften der beiden Zonen in einem einzigen System der sozialistischen Produktion in großem Maßstab integrieren." In einem in "Intercontinental Press' vom 18. Oktober 1976 erschienen Artikel unter dem Titel Neue Fortschritte auf dem Weg Vietnams gegen den Kapitalismus" wurde die Bedeutung der Wiedervereinigung und der daraus entstehenden Perspektiven so zusammengefaßt:
„Durch diese Maßnahmen hat der deformierte Arbeiterstaat, der in Nordvietnam in den Jahren nach 1954 errichtet worden war, die Ausdehnung seines politischen Apparats und seiner Kontrolle im Süden formalisiert. Damit gerät er in einen großen Widerspruch.
Denn im Gegensatz zur Situation im Norden bleibt die Wirtschaft im Süden kapitalistisch in ihrem Wesen, wenn dieser Kapitalismus auch schwach und baufällig ist. Die vietna- •mesischen Führer sind so vor die Entscheidung gestellt, entweder mit den kapitalistischen Kräften im Süden zu koexistieren oder die soziale Revolution durch den Sturz der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse und die Bildung einer Planwirtschaft zu vollenden.
Wenn die vietnamesische Führung sich für die Koexistenz mit einer kapitalistischen Wirtschaft im Süden entscheiden, dann würde dadurch ein Anwachsen der kapitalistischen Kräfte ermutigt. Diese hätten es dann umso leichter, in die Wirtschaft des Nordens einzudringen. Das würde den Weg ebnen zu einem zukünftigen reaktionären Sturz all des von der vietnameischen Revolution erreichten Fortschrittes, einschließlich der Planwirtschaft in Norden. Tatsächlich aber engagiert sich Vietnam Schritt für Schritt in der Lösung dieses Widerspruchs, trotz des Zögerns und der Praxis der Klasskollaboration seiner stalinistischen Führung. "
Einige antikapitalistische Maßnahmen folgten auf die Sitzung der Nationalversammlung. Die Zerstörung des Großgrundbesitzes ist durch die entschädigungslose Enteignung der von den Imperialisten wie der Firma Michelin geführten Kautschukplantagen MItte 1977 vorangetrieben worden. Trotz seiner Absichtserklärungen fuhr das Regime jedoch in seinen Bemühungen fort, mit den Industriellen und Händlern, die einen Teil der Industrie und den Großhandel beherrschten, zu kollaborieren. Die gegen einige Händler im August 1975 getroffenen Maßnahmen wurden nicht fortgesetzt. Am 30.April schrieb Nayan Chanda in der Washington Post': „Trotz einiger riguroser Maßnahmen gegen ein paar wichtige Geschäftsleute von Cholon...überlebte offensichtlich ein großer Teil der Geschäftswelt die Währungsreform vom letzten September, indem er rasch sein Vermögen ver- Teilte. Es war auch nicht möglich gewesen, ihre versteckten Warenvorräte aufzuspüren.
Nach einer Beruhigung von einigen Monaten treibt Cho- Ion wieder regen Handel. Die Akkumulation der Lager und der Schwarzmarkt zusammen mit dem allgemeinen Mangel an Lebensmittel, die man früher einführte, ließen die Preise steigen..."
In einer Meldung aus Hanoi von Richard Ward in der Aus gabe vom 21. Juni 1978 der New Yorker Wochenzeitung "Guardian' wird der Pater Tran Tam Tinh zitiert, ein in Quebec lebender Professor, der Vietnam mehrere Male seit der Befreiung besucht hat; nach ihm „kontrollierten die Händler von Saigon vorher das ganze Import-Export-Netz, fast den ganzen Straßentransport, und hatten den Reis-, Fleisch- und Stoffhandel und den mit anderen Gütern des alltäglichen Gebrauchs monopolisiert".
Obwohl die Nationalversammlung einen Wirtschaftsplan für das gesamte Land im Juli 1976 ausgerufen hatte, blieb die Integration der Wirtschaft des Südens durch die Ausdehnung der kapitalistischen Wirtschaft blockiert. Außerdem machte es den Kapitalisten und Händlern ihre wirtschaftliche Macht und ihr Reichtum möglich, enge Beziehungen mit den Behörden im Süden zu knüpfen. Die aus dem Norden entsandten Kader, die den bürokratischen Apparat organisieren sollten, entwickelten oft bequeme und einträgliche Beziehungen mit der Geschäftswelt. urch die Korruption wurde die Kontrolle der Kegı ing über die neue Verwaltung im Süden infrage gestellt ur r die Unterstützung der Massen genommen. Auch im No en erhoben sich Klagen gegen die burokratische Korrupuoi In einem 1976 erschienenen Artikel des 'Hoc Tap', der Zeitung der KP Vietnams, schreibt der Außenminister Nguyen Duy Trinh, daß durch Korruption und tyrannisches Benehmen einiger Kader „das Prestige der Partei, des Staates und der Armee beim Volk mehr als nur leicht angekratzt wurde", ; und er wart, wenn diese Haltung nicht schnell korrigiert wird, dann wird sie zur Entartung und Verschlechterung führen".
Nach Nayan Chanda ('Far Easter Economic Review' vom 3 März 1978) wurde eine Kampagne gegen die Korruption „mit zusätzlicher Dringlichkeit im Süden lanciert, insbesondere in Ho Tschi Minh - Ville, wo die Gefahr, daß die Kader moralisch verkommen, wie auch die Notwendigkeit, das 'image' der Parteikader rein zu halten, am größten sind. Seitdem im letzten Juli das Parteikomitee von Ho Ischi Minh - Ville Beschlüsse zur Bekämpfung der Korruption gefaßt hat (nach offizieller Quelle hat die Partei während des Kongresses 10 000 Briefe der Lokalbevölkerung mit Klagen und Vorschlägen erhalten), ist eine erkleckliche Anzahl alter Kader ins Gefängnis gewandert, darunter auch die Direktoren einer nationalisierten Gesellschaft und des Hafens von Saigon sowie der Präsident eines Volkskomitees der Stadt." Die Kampagne gegen die Korruption wurde intensiver, als die Notwendigkeit, daß man etwas gegen die Kapitalisten unternimmt, klarer wurde. Eine führende Persönlichkeit im Süden, Nguyen Van Linh, wurde von seinem Posten als Präsident des Komitees zur Umwandlung der Privatunternehmen im Handel abgesetzt. Einige Monate vor der Absetzung waren einige Tausend Kader des Nordens in den Süden geschickt worden, um Verwaltungs- und Führungsposten von Leuten zu übernehmen, die man für inkompetent und korrupt hielt." Das Trommelfeuer der Nachfrage der Massen - sowohl im Norden wie im Süden —nach mehr Konsumtionsgütern brachte das Regime dazu, seine Wirtschaftsplanung mehr auf Konsumtionsgüter und auf die Landwirtschaft als auf die Schwerindustrie hin zu orientieren, und es übte Druck aus, die Verteilung zu rationalisieren. Das war nötig, um den Bedarf der Stadtbewohner zu befriedigen, die Auswanderung in die neuen Wirtschafträume zu fördern und Lebensmittel zu liefern, die man bei den Bauern gegen Reis eintauschen konnte.
Die Schwierigkeiten verschärften sich, als durch die Trockenheit und Überschwemmungen die Emten 1976 und 1977 zerstört wurden. Aus Mangel an Nahrungsmitteln wurden die Reisrationen reduziert, und in der Wirtschaftsplanung wurde erheut die Industrie gegenüber der Landwirtschaft zurückgestellt.
Auch andere Lebensmittel wurden knapp; und die negativen Auswirkungen wurden dadurch, daß die Händler sich Praktiken widmeten wie Lagerung zu Spekulationszwecken, Geldspekulation usw. potenziert. Die Inflationsrate im Süden stieg auf 80%.
Nicht zuletzt waren es auch militärische Überlegungen, die dazu beigetragen haben, daß die führenden Leute zum entscheidenden Schlag ausholten. Zusätzlich zum Grenzkonflikt mit Kambodscha unterliegt das Regime einem wachsenden Druck von Peking an der Nordgrenze. Und die vietnamesischen Truppen bekämpfen derzeit rechte oder royalistische Guerillas in Laos.
Angesichts der wachsenden Unzufriedenheit und der Zersetzung der Wirtschaft beschloß die Regierung, die wirtschaftliche Macht der Kapitalisten zu brechen. In der Ausgabe vom 26. Mai der 'Far Eastern Economic Review' zitiert Chanda den Leitartikel vom 13. Mai der Partei-Tageszeitung Nhan Dan', in dem eingestanden wird, daß „die Erfahrung der drei letzten Jahre zeigt, daß trotz der Einschränkungen 'die kapitalistische Wirtschaft weiterhin die Richtung bestimmt' ". Der Leitartiklermacht sich lustig über die Vorstellung, daß „die guten Seiten des kapitalistischen Systems und der Privatwirtschaft nützlich sein könnten". Solche Erwartungen vom Wert des Kapitalismus für die Entwicklung des Südens waren Bestandtteil der üblichen Reden der Führer der vietnamesischen KP.
Der Leitartikel schließt mit den Sätzen: „solange (der Privatsektor) existiert, wird die Neuorganisierung der Landwirtschaft und des Handwerks nach sozialistischer Linie äußerst schwierig sein. Genauso wird es unmöglich sein, solange ein kapitalistischer Handel überlebt, einen starken sozialistischen Handel aufzubauen. "
Die Eliminierung des privaten Handels auf breiter Ebene bedeutet noch nicht, daß Vietnam alle kapitalistischen Unternehmen ausgeschaltet hat. Im Gegenteil, ein Teil der Industrie funktioniert noch auf kapitalistischer oder gemischter privat/staatlicher Grundlage (das betrifft etwa 30 % der industriellen Produktion im Süden). Dieser Sektor wird von der Regierung sehr eng überwacht, und diese Kontrolle wird jetzt dadurch verschärft, daß die Industriellen nicht mehr das Recht haben, ihr Produkte über die Kanäle der Privathändler zu vertreiben.
Die übriggebliebenen Kapitalisten verfügen nicht über den inneren Zusammenhalt und die starke Organisation wie die Händler von Cholon. Insbesondere haben sie keinen Hebel der wirtschaftlichen Macht mehr zur Hand. Die letzten Hochburgen des Kapitalismus in Südvietnam sind zerschlagen worden.
Die neuen Maßnahmen geben der Regierung eine bessere Ausgangsbasis für die Versorgung der Städte und für die Leitung der landwirtschaftlichen Entwicklung, weil die Händler nicht mehr den Staat überspielen können, wenn sie direkt beim Bauern die Produkte kauften. Die potentielle Gefahr eines Bündnisses zwischen den Händlern und den Bauern ist ausgeschaltet.
Als Ganzes bilden diese Maßnahmen eine positive Lösung des Widerspruchs zwischen dem aus dem langen revolutionären Kampf Vietnams (der 1945 begann) entstandenen Regime und den überlebenden kapitalistischen Eigentumsverhältnissen. Die kapitalistischen Produktionsverhältnisse herrschen im Süden Vietnams nicht mehr. Trotz der Schwierigkeiten, die Vietnam bedrängten als Auswirkungen der imperialistischen Ausbeutung, des Krieges und der wirtschaftlichen Blockade, kombiniert mit den Aktivitäten der lokalen Kapitalisten, wurden erhebliche Fortschritte gemacht. Die Abschaffung des Kapitalismus und die Unabhängigkeit gegenüber dem Imperialismus sind davon die wichtigsten. Die Zahl der Arbeitslosen ist auf 1,5 Millionen gesenkt worden. Hunderttausende von Leuten wurden überzeugt, die Städte zugunsten ihrer Heimatdörfer oder der neuen ökonomischen Zonen zu verlassen, wo unter schwierigen Bedingungen die Wiederherstellung und Ausweitung der vietnamesischen Landwirtschaft Fortschritte machen. Trotz der schlechten Ernten zeigte sich das Regime in der Lage, die ganze Bevölkerung zu ernähren - eine Sache, die sein Vorgänger trotz erheblicher Hilfe von Seiten der Vereinigten Staaten nie geschafft hat.
„Dank der Kampagne zur Unterrichtung der Erwachsenen und zur Einschulung der Kinder", ", schreibt Nayan Chanda, „ist der Alphabetisierungsgrad erheblich gestiegen. Trotz des Mangels an Ausrüstungsgütern und Medikamenten sind durch eine Hygiene- und Impfbewegung die wichtigsten Epidemien (die unter dem Marionettenregime der USA regelmäßig auftraten) verhindert worden. Die Beamten der Internationalen Behörde (AID) sagen, sie seien sehr beeindruckt von der Entschlossenheit und der Hingabe, mit der ein rudimentärer Gesundheitsdients im Süden eingerichtet worden ist".
Solche Errungenschaften, die in den Informationen, die in der kapitalistischen US-Presse erscheinen, regelmäßig ausgelassen werden, tragen zur Erklärung bei, warum das vietnamesische Volk von tiefer Loyalität gegenüber seiner Revolution trotz der großen Schwierigkeiten, die es erdulden muß, erfüllt ist. Der Aufbau einer Planwirtschaft für das gesamte Land setzt die Grundlagen für weitere Errungenschaften. Nichtsdestoweniger braucht es mehr, um Mangel und Ungleichheit in Vietnam auszumerzen. Die Arbeiterdemokratie der Arbeitenden und die Denkfreiheit müssen eingeführt werden, damit die Massen das Regime führen und kontrollieren können. Das ist die einzige Art, die Korruption, die in einem auf bürokratischer Herrschaft und auf der Hierarchie der Privilegien gebauten Regime dauernd vorkommt, auszurotten.
den Führen der Kommunistischen karten Vietnamie yoe digte Politik der friedlichen Koexistenz' durch eine andere ersetzt werden, die auf die Förderung der sozialistischen und anti-imperialistischen Siege in der ganzen Welt hinzielt. Anstrengungen, um Hilfe, Wirtschaftsaustausch und Investitionen der imperialistischen Länder und anderer Quellen zu erhalten, sind absolut notwendig für die derzeitige Entwicklung Vietnams. Aber es wäre fatal für die vietnamesischen Führer, diesen Anstrengungen die revolutionären Kämpfe anderer Regionen zu opfern. Die sozialistischen und antiimperialistischen Siege sind die sicherste Grundlage für eine internationalistische Planung, mit der in entscheidender Weise mit der Armut in Vietnam Schluß gemacht werden kann.
Die Führung der KPV, in der stalinistischen Schule ausgebildet und eine bürokratische Schutzherrschaft über die Massen ausübend, kann das notwendige Programm nicht aufstellen. Dazu werden die vietnamesischen Arbeiter und Bauern eine antibürokratische Revolution durchführen müssen, um ihren Arbeiterstaat von den Privilegien und der Korruption zu säubern und ihn auf den Weg des Internationalismus der Arbeiterklasse zu führen.
Die neuen Fortschritte in der vietnamesischen Revolution machen es umso dringlicher notwendig, daß die Sozialisten vom Weißen Haus die Erfüllung seiner Pflichten fordern, Vietnam zu helfen, diplomatische Beziehungen mit dem Regime aufzunehmen und die gegen dieses heldenhafte Volk erlassene Wirtschaftsblockade zu beenden. Washington muß Schluß machen mit seinen Versuchen, die vietnamesische Revolution durch militärische Basen und eine Klientel von reaktionären Regimen zu umzingeln.
3. Juli 1978