NACHRUF AUF PETER GRAHAM ++++++++**++*+**************++++*+********+*++*+***+*++++ Es fällt schwer , den Tod Peter Grahams hinzunehmen. Die vielen Ehrungen, er erhielt, zeigen, daß dies ein weitverbreitetes Gefühl ist. Sein Tod scheint vielleicht nicht so bedeutungsvoll zu sein, wenn man ile im Zusammenhang mit dem Strudel sicht, in den Nord-Irland
Imperialismus und den mit ihm Verbündeten hineingerissen wird, wenn mar bedenkt, daß er einer Nation entstammt, die wirklich mehr als genug Märt ter hervorgebracht hat und daß er starb als Mitglied der Vierten Internationale. die den tragischen Verlust von vielen Genossen in Kampf zu tragen hat, ganz besonders Leo Trotzki und seinen Sohn leo Sedov, und jüngst die vierzig boli ianischen Genossen , die ihr leben im Widerstand gegen den schändlichen Rechtsputsch verloren.
ist sein Tod ein echwerer Schlag, nicht nur deshalb, v 1 wir persönlich kannten, sondern weil er jene revolutionären Qualitäten verkörperte, die überall für den Kap talismus und Imperialismus das Morden nötig gemacht ıben um den Tag ihres eigenen Todes hinauszuzögern; und indem wir ihn betrauern, trauern wir um alle Kämpfenden, die in dem selben Kampf, dem er sein beben gewidmet hatte, geopfert wurden.
EIN KLASSENBEWUSSTER ARBEITER
Peter Graham war ein guter Genosse im wahrsten Sinne des Wortes: Sein Sinn für Humor, seine Geduld, seine Ehrlichkeit und seine restlose Selbstlosigkeit machten es ihm leicht, kollektiv mit anderen zusammenzuarbeiten, und so war gewöhnlich die Bedeutung seiner Arbeit nicht gleich zu erkennen. Solche Ge. ›ssen sind unentbehrlich beim Aufbau einer revolutionären Organisation und solche Genossen sind allzu: lten.
Peter war ein klassenbewußter Arbeiter. Als Elektriker von Dublin kam er aus der kämpferischen Tradition der irischen Arbeiterklasse. Daß er sein Leben seiner Klasse widmen würde, war für ihn eine Selbstverständlichkeit, die einzige Frage, die er sich stellte, war, wie er ihr wohl am besten dienen könnte. Aus diesem Grund war er mehr als nur ein klassenbewusster Arbeiter, er begriff daß die Aktion durch die Theorie gele. werden muß, und er bemühte sich aufrichtig , ein revolutionärer Intellektueller zu werden. Dieses beständige Bemühen war eine der auffallendsten Eigenschaften Peters. Man sh ihn selten ohne ein Buch in der Hand oder in der Tasche griffbereit zu lesen. während dem Essen oder auf der Reise.Die Theorie war für ihn von höchster Wichtizkeit und er studierte sie mit ausserordentlichem Ernst. Er formte sein Ideen durch intensive Arbeit und verteidicte sie eb. nso bestimmt. Doch trotz
der Bestimmtheit, mit der er einen umstrittenen Standpunkt verteidigte in den vielen Debatten mit seinen Genossen, überdachte er alles noch einmal, um seine Ideen noch wirkun wil? vertei igen 2u önnen. Wenn er hierbei seinen Standpunkt änderte, so war sein Eingeständnis voll und kräftig, und gewöhnlich vertiefte er die Analyse in diesem Prozess und trug neue Gesichtspunkte zu dem Pro
MITGLIED DER IMG DER BRITISCHEN SANTON DER IV. INTERNATIONALE Wir sahen all diese Qualitäten bei seiner Arbeit in der International Im Herbt 1970 trat er der IMG bei. Er kam mit ans zum ersten- Marxist Group mal in Kontakt fang Sommer des gleichen Jahres, als er von Dublin nach London zog. Sein entschluß, der IMG beizutreten, war das Ergebnis eines langen politischen Klärerespr kaum hatte er die Entscheidung getroffen, stürzte er . in in dic dt it für die Gruppe, mit all seinem Talent und seiner Energic. Er arbeitete an der Führung der IMG in London mit und half bei der Bildung der Gruppe in Nordwest-London. Zeitweise arbeitete er in der Druckerei. wo es ihm nichts ausmachte, die Nacht durchzuarbeiten wenn wichtige Arbeit anfiel. Peter schonte sich niemals, all seine Zeit und Energie standen der Bewegung zur Verfügung- RÜCKKEHR NACH IRLAND
Mit dieser Binstellung kehrte er im Sommer dieses Jahres zurück nach Irland, klar wurdo. 1 Möglichkeiten ergeben würden, eine irische Pektion der IV Internationale zu gründen.
Der irische Trotzkismus scnien in eine Sackgasse geraten zu sein. Ein früherer Versuch, die Bewegung aufzubauen, die Irish Workers Group, hatte in einer bitteren St ltung und weiterer Zersplitterung sein Ende gefunden. Eine kleine Gruppe ging daraus hervor, in der Peter Mitglied war, doch bereits vor seinem Aufenthalt in London wurde er immer unzufriedener mit dem engen Horizont ihrer Politik und Theoric. Indem er der IMG be.trat, gab er seiner Überzeugung Ausdruck, daß es keinen Trotzkismus in einem Lande geben kann, er ging zurück nach Irland, um irische Revolutionäre für die IV. Internationale zu gewinnen.
Er arbeitete auf die Überwindung der zwei grundlegenden Widersprüche im irischen Trotzkismus hin: seiner internationalen Isolierung und seiner niederen theoretischen Ebene. Er half bei der Gründung der Marxist Discussion Group, die sich im wesentlichen aus ehemaligen Mitgliedern der bestehe Prozkist Group und Mitgliedern der Young Socialists zusammensetzte. Die MDG hat intensiv an solch historischen F agen wie die Zusammensetzung der irischen Arbeiterklasse g arbeitet, die von au rordentlicher Wichtigkeit für das Verständnis der klle des irischen Republikanismus ist. Seine Arbeit in Dublin schloß wichtige Aktivitäten beim Aufbau der Young Socialists ein, die nun eine st ke marxistische Jugendbewegung darstellten. Peter war in führender Position, als sie im August dieses Jahres zu dem Ausbruch der Kampfe im Norden als Folge der Internierungsmaßnahmen Stellung beziehen mussten. Seiner Initiative war es zuzuschreiben, daß die YS nicht tatenlos zusahen, und die Art und Weise der Unterstützung der IRA zeugte von der Reife nres politischen Verständnisses. Diese Unterstützung geschah auf poli ischer Ebene durch die beitschrift der South Country Dublin Young Socialists " The Plough" und auf praktischer Ebene, indem sie den Republikanern hal en, Geld für den Norden aufzutreiben.
IRISCHER TROTZKISMUS
Der Tod jedes Revolutionärs ist ein großer Verlust , aber er wiegt noch schwerer, wenn ein Revolutionär z m Schweigen gebracht wird, gerude renn er anfängt, sein volles Potential zu entfalten. Dies war der Fall bei Liam Mellows, der ermordet wurde vom Free State, gerade als er anfing zu begreifen daß der republikanische Kampf eine sozialistische Orientierung braucht. Und genauso war es mit Malcom X , der umgebracht wurde, nachdem er sich in einem Jahr vom religiösen Nationalisten zum revolutionören Sozialisten entwickelt hatte. Es mag müßig scheinen, Peter mit dieren Beispielen vergleichen zu wollen, doch diejenigen, die ihn kannten, wissen daß der Ver-
gleich daß er das angebracht ist. Seine politisen Ent icklung ging so scnneit votu, Verhältnis der troizki.ti. Ion Krüfte i: Irland zueinander gründdie in Kürze von seinen Genossen in Dublin publiz: ert werden, zeigen, daß er lich veränderte, nachdem er ort kurz wieder zuri gekehrt war. Seine Schriften verständlich auszudrücken. Peter hatte ungewohl) he organisatorische Fähigkeiten bereits fähig war, tiefe politioche Gedanken und Ideen einfach und gelung inspirieren, und er war ein und grenzenlose Energie; er konnte erir Zu dieser litaten, die ihn zu ei • besonders ausgezeichneter Sprecher. Führer machten, kan noch hinzu, cot er im physi. chen geeigneten politischen war, da er den Leuten im Norden in ihren Kämpfen im Jahre 1969 Kampf geübt aktiv beigestanden hatte. Solch eine Kombination ist selton, doch sie ist von überragendem Wert im Zusammenhang mit der irischen Politik.
Noch gibt es keine konkr ten Beweise, wor dafür verantwortlich ist, doch Diese Kombination mag "' in Has ir am den Grund seiner Ermordung geben. gibt es zweifellos mächtige reaktionäre Kräfte in und ausserhalb Irlands, die ihr Interesse daran haben, das Potential, das Peter darstellte, auszulöschen. irischen Zeitungen ausgehende Propagand , die Republikaner oder Soar Eire seien In einem können wir jedoch sicher sein, nämlich, daß die von bourgeoisen 1hre eigenen Ziele auszunützen. Sowohl die YS als auch die Soar Eire ver- für den Tod verantwortlich, lediglich einen Versuch darstellt, diesen Tod f ür öffentlichten Erklärungen, in denen sie diese Verleumdungen richtigstellten.
Peters Begräbnis war eine lebendige Demonstration der Einigkeit der irischen Republikaner und Sozialisten, die gleichermassen seinen Tod bedauerten. Mitder Socialists Labour Alliance, der Labour Party und der Cell Conolly -Jugend- glieder beider Flügel der republikanischen Bewegung wie auch des Soar Eire bewegung(Irish YSI) - als auch Leichenwagen folgte. Die lokale I'R.A. veröffentlichte eine Erklärung, der YS bildeten den 300 Mann starken ZuEnderem sie seinen Tod bedauerten und angab , daß 4 ihrer Offiziere an dem Begräb- nis teilnehmen würden als Zeichen ihrer Hochachtung. Die offiziellen Republikaner stifteten die Starry plough Flagge, die seinen Sarg bedeckte. Die Ansprache für die IV. Internationale hielt Tariq Ali und anschliessend die Internationale gesungen, rit geballten Fäusten zum Gruß.
(Aus RED MOLE Nr. 31 vom 15.11.71)