Der neueste Versuch der amerikanischen und britischen Impe- gierungsoffizielle Kreise sprechen im März 1977 von mehr als rialisten, eine "friedliche Lösung" des Zimbabwe-Problems zu 36 000 älteren Schülern bzw. Studenten, die die Schulen von finden, kann nur im Z'ısammenhang mit dem aktuellen Stand Maranka, Zimunya und den an Umtali angrenzenden Reserva des nationalen Befreiungskampfes verstanden werden. Die rapid ten boykottiert haben. Die Befreiungskräfte organisieren auch fortschreitende Abnützung des Smith-Regimes stellt den wesent den Boykott von Viehverteilungszentren und nimmt so der Re lichen Aspekt der gegenwärtigen Situation in Zimbabwe dar gierung wesentliche Einnahmequellen. Aus dem gleichen Grund Das Ergebnis der allgemeinen Wahlen der Weißen Rhodesiens sind zahlreiche Verkaufsstellen alkoholischer Getränke und - die Niederlage der Vertreter einer "harten' Linie und der über- Brauereien der Regierung zerstört worden. wältigende Sieg von Smith - zeigt, daß sich die Weißen mehr und mehr der Tatsache bewußt sind, daß sie nicht mehr in der gleichen Weise wie bisher die afrikanischen Massen ausbeuten können. Die Vorschläge von dem britischen Außenminister Owen und dem amerikanischen Sonderbotschafter Young, sowie die Bestrebungen der weißen Rhodesier decken sich in ihrem Ziel und in ihrer Logik: die Mittel zu finden, um einen Übergang zu einem neokolonialen Regime zu gewährleisten. Die Taktiken unterscheiden sich nur insofern, als die jeweilig zu wahrenden gesellschaftlichen Interessen nicht miteinander identisch sind. Die Führer der afrikanischen "Frontstaaten" und die meisten Führer der nationalistischen Bewegungen in Zimbabwe wirken in Übereinstimmung mit diesem Vorhaben. Erstere drängen auf eine friedliche Regelung, weil die Fortführung des nationalen Befreiungskampfes ihre Wirtschaft und ihr Regime gefährdet. Letztere wollen ihre Position bei der Smith-Nachfolge sichern. Sie stimmen somit darin überein, in den Verhandlungen die Selbstbestimmung des Volkes von Zimbabwe unter den Tisch fallen zu lassen und ein Arrangement mit Smith, London und Washing ton zu bewerkstelligen, in dem sie den "ehrlichen Makler" spielen.
In früheren Artikeln in INPREKORR wurden bereits der Hintergrund des Kampfes in Zimbabwe und die Positionen der verschie denen gesellschaftlichen Kräfte analysiert, die dabei eine Kolle spielen. Wir werden hier versuchen, diese Analyse auf den neuesten Stand zu bringen und die neuesten Entwicklungen zu untersuchen.
DER NIEDERGANG DES SMITH - REGIMES
Der bewaffnete Kampf ist tiefer in das Land vorgedrungen, während gleichzeitig die nationalistischen Bewegungen ihren Einfluß in der schwarzen Bevölkerung ausgeweitet haben. Nach offiziellen Schätzungen betrug die Zahl der Partisanen im März 2500 gegenüber nur 1700 im September 1976. Die neuesten Zahlen belaufen sich auf 3400 aktive Partisanen. Neue Ausgangslager sind in Botswana und Sambia eingerichtet worden. So ist im Westen eine neue Front in Ergänzung zur Ostfront eröffnet worden. Dies äußert sich in der Tatsache, daß das gesamte Grenzgebiet zu Botswana, vom Wankie Nationalpark im Nordwesten bis Pfarrer Abel T.MUZOREWA in Genf am 25. Oktober 1976 zum Stammesgebiet der Schansi im Südosten in 8 km Breite zur verbotenen Zone erklärt worden ist.
Die militärischen Aktivitäten der Befreiungsbewegungen sind Die Schwierigkeiten der afrikanischen "Stammesräte" ", der Lavor allem gegen wirtschaftliche Ziele gerichtet gewesen, aber im kaienbehörden in den TTL, verdeutlichen die Wirksamkeit die- Gegensatz zur Propaganda des Smith-Regimes, die ihren syste- ser Kampagne. Nach Peter Parson, Regierungsberater für die afri matischen Widerhall in der kapitalitistischen Presse findet, hat kanischen "Stammesräte", sind heute 50 von 240 Räten nahe an sich die nationalistische Aktivität nicht auf den militärischen As- einem offenen Zusammenbruch. Außerdem enthüllt Parson, daß pekt beschränkt, wenn er auch der wesentliche bleibt. Es ist si- cher, daß eine wirkliche Massenarbeit in Zimbabwe selbst ge- 40 Räte nicht unter die Kontrolle von Regierungsbeamten ge- stellt wurden, "weil die Ratsmitglieder bedroht wurden und die macht wird, besonders in den "Tribal Trust Lands' (TTL), den Räte kurz vor dem Zusammenbruch standen. 'Reservaten' für die Afrikander. Die Strategie der Partisanen zielt darauf ab, die Konfrontation mit den Regierungstruppen Die Antwort der Regierung auf diese Kampagne bestand in dem zu meiden und zielt darauf, das Land zu durchdringen, um dort Versuch, die ländliche Bevölkerung von den Partisanen zu isolieeine Massenbasis herzustellen, besonders in den TTL. Dort wer- ren, indem man die ländliche afrikanische Bevölkerung umsie. den allgemeine Boykotte des Schulsystems organisiert, was die delt und sie in "befestigte Dörfer" (consolidated villages - CV) Rekrutierung älterer Schüler für die Partisanen erleichtert. Re- und "geschützte Dörfer (protected villages - PV) einsperrt. 1)
Man schätzt, daß z.Z. ungefähr 300 000 Afrikaner in den PV nung geschrieben. Im Verlauf dieses Prozesses könnte sich ein leben. Es häufen sich jedoch die Angriffe auf diese Wehrdörfer. allgemeiner Aufstand ereignen. Aus diesem Grund hat Smith sei. Die gesamte Einwohnerschaft eines PV des TTL von Sengwe ist ne Meinung geändert und spricht nun von einer "internen Re- Anfang April spurlos verschwunden. Ende Mai ist nordöstlich gelung". Deshalb versucht der amerikanische und britische Imvon Salisbury ein CV dem Erdboden gleichgemacht worden. Die perialismus verzweifelt, diesen Kampf abzuwenden. Partisanen konzentrieren ihre Anstrengungen auf die Veranke- Smith' Formel für die interne Lösung besteht in einer Art Ab. rung in den TTL, greifen aber auch gelegentlich Farmen der Kommen mit den gemäßigten Nationalisten, die sich nicht am weißen Siedler an. Nahe der Grenze zu Mosambik sind Teeplan- bewaffneten Kampf beteiligen. Um den Sinn seines Manövers zu tagen mit Mörsern beschossen worden. In bestimmten weißen erkennen zu geben, erlaubt Smith Sithole ins Land zurückzu- Gebieten mußte eine 12-stündige Ausgangssperre angeordnet kommen und entfesselt zur gleichen Zeit eine wilde Hexenjagd auf die Anhänger der Patriotischen Front.
Durch ihre Angriffe auf die Verkehrsverbindungen erteilen die Wir erleben so auf der anderen Seite die offenen und öffentli- chen Aktivitäten von Muzorewa und Sithole , die versuchen, Partisanen der Wirtschaft schwere Schläge und zerstreuen einen ihre jeweilige Organisation zu stärken, und auf der anderen Seite großen Teil der Regierungstruppen. Sie legen Minen und Hinter- die Fortführung der legalen Morde durch das Regime. Die Exehalte entlang der Straßen und Bahnschienen. Mitte Mai ist die kution von Robert Bhebe ist nur ein Fall neben 40 anderen seit Bubye - Brücke auf der Beitbridge - Linie - die Rhodesien mir September 1976. Die Erklärungen von Muzorewa und Sithole. Südafrika verbindet - gleichzeitig mit anderen Straßen und Bahn- besonders ihre Angriffe gegen die Patriotische Front, sind von linien angegriffen worden. Dies hat nicht nur bedeutende Schä- der Presse weit wiedergegeben worden. den in den Verkehrsverbindungen hervorgerufen, sondern hat Für die Weißen hätte die interne Regelung' den Vorteil, daß davor allem die Wirtschaftskrise verschärft, die ohnehin schon un- bei offensichtliche Zugeständnisse an die schwarze Mehrheit verter der Desorganisation der Transporte leidet, welche durch die bunden wären mit der weiterhin totalen Machtkontrolle durch Schließung der mosambikischen Grenze verursacht wurde. Es ist die Weißen. Van der Byl, der rhodesische Außenminister, hat die nur eine Frage der Zeit, bis einige gut trainierte Saboteure in das Konzeption des Regimes bezüglich der internen Regelung er- Landesinnere dringen und Bahnlinien, Hochspannungsleitungen, klärt, als er darlegte, daß die afrikanischen Minister, die in die- Brücken und andere Industrieobjekte angreifen. Zimbabwe ist sem Rahmen ernannt würden, Stimmrecht bei den Regierungsnach afrikanischen Maßstäben ein relativ industrialisiertes Land. beratungen hätten, aber keine Mitglieder des Parlaments würden. Von daher gibt es zahlreiche strategische Ziele, die von der Sie würden als geladene Gäste der rhodesischen Front an der Re- Smith-Armee unmöglich alle geschützt werden können. Außer- gierung teilnehmen und könnten so jederzeit abberufen werden. dem zeigt die kürzliche Bombardierung von Salisbury, daß sich Unter diesen Bedingungen haben sich selbst die opportunistischdie Partisanen mit relativer Leichtigkeit in den städtischen Ge- sten nationalistischen Führer einer solchen "Lösung' widersetzen bieten bewegen. Die Smith-Regierung befindet sich aufgrund der müssen. Muzorewa z.B., der sich auf den Massenanhang seiner Kriegsanstrengungen in einer schwierigen Situation. Die Militär- Afrikanischen ausgaben steigen auf 152,24 Mio Dollar für das laufende Jahr, (UANC - United African National Council) stützt, hatte gehofft. was einer 20 prozentigen Erhöhung gegenüber dem Vorjahr ent- Smith einige Zugeständnisse abzuringen. Aber dessen Hartnäk spricht. Die Regierung hat Schwierigkeiten, sich Ersatzteile für Kigkeit hat im UANC eine Krise hervorgerufen. Sechs Mitglicmilitärische Ausnistungen, besonders für Hubschrauber zu be- der der Führung, darunter der Vizepräsident, ein ehemaliger Prä- -sorgen. Angesichts der politischen Krise in Südafrika wird die Sident, sechs Sekretäre, sind zurückgetreten. Muzorewa hat die militärische Versorgung immer schwieriger, auch wenn Südafrika Rumpfleitung aufgelöst, um "klare Entscheidungen zu ermöglikeine Anstrengungen scheut, dem Smith-Regime zu Hilfe zu . Zahlreiche Ausgetretene diskutieren mit Sithole in der Perspektive, eine neue Organisation ins Leben zu rufen. Sithole
Kürzlich hat es das Vorster - Regime übernommen, Rhodesien dessen Anhang nur schwach ist, kann leichter flexibel sein bei Mirage-Flugzeuge zu liefern. Die offiziellen Zahlen über Verlu- seinen Verhandlungen mit dem Smith-Regime. ste der rhodesischen Truppen sind dramatisch in die Höhe gegangen. 1976 sind nach offiziellen Angaben 180 Soldaten getötet worden, in den ersten 4 Monaten von 1977 waren es 130. DIE ANGLO - AMERIKANISCHEN VORSCHLÄGE Die Zahl der weißen Söldner steigt weiter (500 britische Söldner operieren mit den rhodesischen Streitkräften und die Ame- Die anglo-amerikanischen Vorschläge sind unmittelbar im Anrikaner sind auch sehr zahlreich). Aber das kann die Auswande- schluß an den überwältigenden Wahlsieg von Smith gleichzeitig rung von Weißen nicht kompensieren. 1976 beliefen sich die in London, Washington und Salisbury veröffentlicht worden. Auswanderungen auf 7072 und 1977 bis Mai allein 3587 (die Man kann sie kurz folgendermaßen zusammenfassen: weiße Bevölkerung zählt nicht mehr als 250 000).
Die Mobilmachung, die Auswanderung und die Verluste haben 1. Aufgabe der Macht durch Smith und Rückkehr zur Legalität" bedeutende Konsequenzen für die Wirtschaft. Sie tragen auch 2. Geordneter und ruhiger Übergang zur "Unabhängigkeit" im zur Demoralisierung der verbleibenden Weißen bei. Diese sehen Verlauf des Jahres 1978; sich nicht nur den militärischen Verpflichtungen gegenüber, son- 3. "Freie und unbeeinflußte Wahlen" auf der Grundlage allgedern auch dem Rückgang der sozialen Einrichtungen (Bildung meiner Wahlen für Erwachsene und Ausbildung, Krankenpflege). 1976 haben 850 Angehörige 4. Einrichtung einer "Übergangsverwaltung" durch den britifreier Berufe wie Lehrer, Arzte, Hebammen und Krankenschwe- schen Imperialismus, die die Aufgabe hat. Wahlen für eine "unab stern das Land verlassen. Die Krise des Staatshaushaltes äußert hängige Regierung" zu organisieren. sich in der Erhöhung der indirekten Steuern um 15 % und der S. Beteiligung der UNO einschließlich einer militärischen Prä- Einkommensteuer um 10 % sowie bei dem Lohnstop, der ver- senz, während der Übergangsperiode ordnet wurde, um die Steigerung der Militärausgaben zu ermög- 6. Annahme einer Verfassung, die die demokratische Wahl einer lichen. Dies beschleunigt die Inflation und trifft vor allem die Regierung. die Abschaffung der Rassendiskriminierung. den Schwarzen. Nach offiziellen Quellen beträgt die augenblickliche Schutz. der Rechte des Individuums und die Unabhängigkeit der Teuerungsrate 20 % für die Schwarzen und 13 % für die Weißen. Justiz ermöglicht Es ist also wahrscheinlich, daß die schwarzen Gewerkschaften in 7. Ein Entwicklungsfond, der abhängig gemacht wird von der der kommenden Zeit Aktionen einleiten werden. Einige Gewerk Umsetzung des gesamten Abkommens. schaften haben schon Forderungen nach Lohnerhöhungen von 50 bis 70 % diskutiert. Die Krise würde sich gewaltig beschleuni- Der Charakter dieser Vorschläge wird klar durch die Persönlichgen, wenn dieser Teil der Gesellschaft sich mobilisierte. keit desjenigen beleuchtet, den man als offiziellen Repräsentanten Großbritanniens" (d.h, der britischen Regierung) gewählt So hat die Kombination von militärischer Intervention und Mas- hat. Dieser Herr sollte die Kontolle der Wahlen sichern, indem er senarbeit durch die Befreiungskräfte das Smith-Regime untermi- Elemente der Smith-Armee (mit der Unterstützung von UNO. niert und die Perspektive seiner desintegration auf die Tagesord- Truppen) und einen Teil der Befreiungskräfte zusammenbringt.
unn eine nationale Armee von Zimbabwe zu bilden,die den Ab- benutzt, seine Unterstützung der internen Regelung zu demenlauf des Überhangsprozesses überwachen soll. tieren und hat ihr die Notwendigkeit gegenüber gestellt, ein Ab- Die britische Regierung hat viel Mühe aufwenden müssen, um kommen zu finden, das auf der Grundlage einer modifizierten die Persönlichkeit zu finden, die am besten geeignet ist, die reak- Version der anglo-amerikanischen Vorschläge beruht. Was Smith tionären Ziele dieser Operation in die Praxis umzusetzen. Sie hat angeht, so hat er einige der Vorschläge als "verrückt", "unakzep sicherlich den Mann der Stunde gefunden. Lord Carver, der gera- tabel", "unbrauchbar' charakterisiert. Er hat sich jedoch gehütet de sein Amt als Chef des britischen Generalstabs abgegeben hat, sie insgesamt zurückzuweisen. ist in Afrika wegen seiner Rolle beaknnt, die er während des Er versucht, noch mehr Zugeständnisse in Bezug auf die Rolle Mau - Mau - Aufstands bei der Unterdrückung des Befreiungs- der existierenden Repressionskräfte zu erhalten. Aber er kann kampfes in Kenia gespielt hat. Er war der persönliche Adjutant sich über die durch die Owen - Young- Vorschläge angebotene von General Lathbury, der für die Operationen gegen die Mau - Möglichkeit beglückwünschen, die Debatte auf einem Gebiet zu Mau verantwortlich war. Er sit auch bekannt für seine Bewunde. führen, die nicht weit abliegt von der "internen Regelung" rung und die Unterstützung, die er der Theorie des vorverlager; ten Staatsschutzes entgegenbringt, die von General Kitson vertreten wird. So will der Imperialismus in Zimbabwe die DIE AGRARFRAGE
Operation von Kenia wiederholen.
Die Diskussion über eine Verhandlungsregelung bewegt sich auf Smith hat andere Aspekte dieser Vorschläge als angenehme einem Terrain, wo die Nationalisten am schwächsten sind und Überraschung" bezeichnet, wie z.B.. die Beibehaltung des ge- am leichtesten der Manipulation der imperialistischen Mächte genwärtigen Rechtssystems, einschließlich der Richter, die und ihrer Komplizen aus den 'Frontstaaten' ausgeliefert sind. der Befreiungskräfte zum Tode verurteilt haben; Nichts verdeutlicht dies besser als die Ratslosigkeit der Nationa- Anerkennung der Legalität der Gesetze, die vom Smith- listen in Bezug auf die wesentliche soziale Frage für den nationa- Regime fabriziert wurden; die Beibehaltung der heutigen Poli- len Befreiungskampf in Zimbabwe: die Agrarfrage. zeikräfte während der Übergangsperiode, Schließlich die Exi- Der Kampf der Massen in Zimbabwe ergab sich aus der rassisTechulz gegen jeden A grid aul das Privateigehla sie det. schen Unterdrückung und der Landfrage. In der tiefgreifenden Unzufriedenheit der ländlichen Massen hat die Partisanenbewe- Es sit also nicht erstaunlich, daß das Sprachrohr des britischen gung ihre soziale Basis gewonnen. Kapitals, die Financial Times", die anglo-amerikanischen Vor- Die Aufteilung des Landes für Schwarze und Weiße ist von einer schläge als "mutig", kunstreich' und 'unerwartet' bezeichnet hat. schreienden Ungerechtigkeit. Diese Aufteilung bildet einen der wesentlichen Züge des rhodesischen Staates seit seiner Gründung
Das Landdekret von 1930 teilte das Land in "weiße' und 'einge.
DIE ANTWORT DER NATIONALISTEN Zonen auf. Diese Aufteilung wurde durch das vom Smith-Regime 1969 erlassene Dekret verstärkt, in dem ein sehr Auf den ersten Blick sind die Klauseln, die die Rolle der weißen rigides System der Landzuteilung eingeführt wurde. Dies führte rhodeischen Streitkräfte während der Übergangsperiode betref- zu einer Landaufteilung, die, umgerechnet auf die Bevölkerung. fen, sowohl für die Patriotische Front als auch für die Front- eine Relation von 118 zu 1 zugunsten der Weißen bedeutet. staaten' unakzeptabel. In den früheren Verhandlungen hatte die Außerdem sind die den Weißen zugeteilten Gebiete bei weitem Patriotische Front die Auflösung der Smith-Armee zur Vorbe- lie produktivsten. In den weißen Gebiçten sind die Infrastruk dingung gemacht. Es scheint jedoch, als ob diese Frage verhan- turinvestitionen (Wasser,Elektrizität, Straßen) unvergelichlich delt werden könne, zumindest für Nkomos Anhänger. Das Pro. höher als in den TTL (Reservaten). Die weißen Farmer haben blem ist jedoch, daß Nkomo seine Basis unter den Partisanen keine Schwierigkeiten, einen Kredit zu bekommen. Das ist findet. Wenn er sich von diesen Anhängern entfernt, befindet er nicht alles. Das schnelle Bevölkerungswachstum in den TTL sich auf demselben Niveau wie Muzorewa. Wenn er in diesem (3,6 % jährlich) und die Bodenerosion haben einen starken Punkt einige Sicherheiten hätte, wäre sein Spielraum größer. Mangel an bebaubaren Flächen geschaffen. Die Armut und Auf einer in Salisbury gegebenen Pressekonferenz hat der Vize- Zurückgebliebenheit der TTL haben einen großen Teil der präsident von Nkomos Organisation, Chinamano, erklärt, daß schwarzen Bevölkerung gezwungen, anderswo eine Beschäftidiese Fragen der Armee und der Polizei "heikle Punkte" seien, gung zu suchen. Entsprechend den Regierungsplänen stellt diedie verhandelt werden müßten, die aber auch Verhandlungs- ser Teil ein Reservoir billiger Arbeitskräfte für das lokale und internationale Kapital dar. Unter diesen Arbeitern stellen die Landarbeiter den am stärksten ausgebeuteten Teil. Sie sind In einer ersten Reaktion hat die Patriotische Front die Vorschlä- 356 000 und erhalten die niedrigsten Löhne in Zimbabwe. ge von Owen und Young völlig zurückgewiesen. In einer Erklä- Nach offiziellen Quellen liegt ihr Einkommen unter dem Nirung ihres Generalsekretärs, Joseph Maika, hat die Zimbabwe veau von 1948. Mit dem Dekret über Herr und Diener ist ihnen African People Union (ZAPU) diese Vorschläge 'unakzeptabel' das Recht auf Streiks und gewerkschaftliche Organisation vergenannt; zum Vorschlag einer UNO-Streitmacht hieß es in der Erklärung: * Wir erinnern uns noch an die Katastrophe und die Unter dem Druck der Krise hat Smith die in Kraft befindliche Wirren, die durch die Präsenz von UNO-Truppen im Kongo, Gesetzgebung ändern müssen ! Die Afrikaner haben jetzt forauf Zypern und in Korea hervorgerufen wurden." Demgegen mell das Recht, Land in den weißen Gebieten zu kaufen. Dieses. über erklärte dann Nkomo bei seinen Austührungen in Tripolis Zugeständnis hat in der Partei von Smith eine Krise hervorgeruam 1.September, nachdem er die Vorschläge kritisiert hatte: fen. 12 Abgeordnete seiner Partei sind ausgetreten und haben "Wenn wir die Anwesenheit von UNO-Truppen akzeptieren. die Rhodesia Action Party (RAP) gebildet. Aber die neue Gesetz. würden wir auch fordern, daß sie von diesem oder jenem Land gebung, das Land Tenure (Amendment) Act, beinhaltet keinen gebildet würden. Man muß uns erst davon überzeugen, dais sie substantiellen Wandel, und zwar deswegen, weil die Afrikaner nützlich sein können. Wir lehnen sie nicht von vornherein ab." gar nicht das Geld aufbringen können, um Land zu kaufen. Wenn man sich das jämmerliche Ergebnis der RAP bei den letz- In Maputo hat Mugabe bei der Darstellung des Standpunkts der ten Wahlen vor Augen hält. so wird offensichtlich, daß die weibedeutendsten Kraft des bewaffneten Kampfes die Vorschläge Ben Wähler besser begriffen haben, wovon er sich abwandte, als heftig angegriffen und sie als Komplott gekennzeichnet, das da- jene, die die RAP gegründet haben. rauf abzielt, ein neokoloniales Regime aufzuzwingen. Bischof
Muzorewa hat seinerseits den Vorschlag zustimmend aufgenom- Trotz der sehr harten Debatten unter den nationalistischen men, daß allgemeine Wahlen abhelaten werden sollen, wenn- Gruppen gibt es in ihren Programmen zur Agrarfrage keine wichgleich er vorher erklärt hatte, daß die Formel "ein Mann, eine tigen Differenzen. Man weiß wenig über die Positionen der Stimme" keine Vorbedingung zur Aufnahme von Verhandlun- ZANU, die ihre Basis in Mosambik hat. Bekannt auch unter dem seit sa die entrung der wen - Young Vorstage dazu Namen ZIPA wird diese Strömung der Patriotischen Front in den Verhandlungen durch Mugabe vertreten. Man weiß viel
mehr über die Positionen der anderen Bestandteile der nationalistischen Bewegung. Im Laufe der letzten Monate ist in Zimbabwe eine breite Diskussion über die Agrarfrage geführt worden. Es sind Seminare organisiert worden von der Rhodesian Natio. nal Farmers Union (RNFU), die ungefähr 6000 weiße Farmer repräsentiert sowie von anderen Unternehmerorganisationen und Berufsstandesverbände. Vertreter des UNAC und der ANCZ6) die von Nkomo geleitet wird, haben daran teilgenommen. Sie versicherten den Teilnehmern dieser Seminare, daß ihr Eigentum unter einer schwarzen Regierung gewahrt bleibe und sie traten für eine Ermutigung des Privatsektors ein.
Chinamo, der Vizepräsident des ANCZ, erklärte, daß nur verlassene und brachliegende Ländereien verstaatlicht werden sollen. Charanduka, vom UANC, erklärte: "Wir mischen uns nicht in die großen Farmen ein". Der UANC erklärt in einer allgemeinen Form, daß die Wirtschaft begründet werden soll auf dem, "was es im Kapitalismus an Gutem gibt". . Der ANCZ erläutert seinerseits Wir sind keine Kommunisten, wir sind keine Kapitalisten, wir sind freie Afrikaner."
Diese Erklärungen bestätigen nur die Programme dieser beiden Gruppen. Indem sie die soziale Revolution ablehnen, sprechen sie sich zugunsten der Aufrechterhaltung einer Situation aus, in der die überwältigende Mehrheit der schwarzen Massen sich gezwungen sieht, in den heutigen TTL und den schwarzen Gebieten (die von den Afrikandern vor 1969 gekauft worden waren) zu bleiben. Sie fassen sogar ins Auge, in diesen Zonen das Gemeindeeigentum in Privateigentum zu überführen. Dennoch ist es ironischerweise das Smith-Regime, und nicht eine unabhängige Regierung, die eine Gesetzgebung eingerichtet hat, die es den Schwarzen erlaubt, Land zu erwerben. Unter diesem Gesichtspunkt haben die nationalistischen Führer Angst vor der Funktion des Entwicklungsfonds für Zimbabwe. Er sollte die notwendigen Mittel für einen Teil der schwarzen Kleinbourgeoisie zur Verfügung stellen, damit sie sich auf der Grundlage des Landerwerbs als Bourgeoisie etablieren kann. Selbst wenn dieser Fonds die sozioökonomischen Auswirkungen des Weggangs zahlreicher Weißer kompensieren soll, so ist doch seine Hauptfunktion politischer Art (wie in Kenia in den 60er Jahren). Er soll dazu dienen, die ökonomische Grundlage der zukünftigen abhängigen Bourgeoisie Zimbabwes zu schaffen. Die "friedliche Lösung"
Ihre Politik gegenüber den Landarbeitern verspricht nicht besser zu sein. Chavanduka hat erklärt, daß die Lohnforderungen, "wenn sie zu hoch zielten ... Arbeitslosigkeit hervorrufen könnten." Das Schicksal der verarmten Massen von Zimbabwe wird also unverändert bleiben. Die programmatische Erklärung des UANC unterstreicht "das Recht des Einzelnen auf Landerwerb, entsprechend der in der Vergangenheit üblichen Modalitäten, mufs in der kommenden Periode beibehalten werden, denn dies bildet einen wesentlichen Mechanismus sozialer Sicherheit für die Bauern." Anläßlich des Seminars der RNFU bekräftigte Magadzire, ein schwarzer Nationalist, der Vize-Präsident der Vereinigten Rhodesischen Farmer ist. "Das System des freien Unternehmer tums über das wir jetzt diskutieren, wird davon abhängen, wie schnell eine friedliche politische Lösung gefunden wird." Diese Zusicherungen in Verbindung mit den Perspektiven eines Booms nach dem Abschluß des Abkommens ermutigt die RNFU in dem Bemühen, sich mit den afrikanischen Nationalisten zu arrangieren. D.R.Norman, Vize-Präsident der RNFU, erklärte am 18.Mai: *Im Export liegen die großen Möglichkeiten, und wir wissen, daß wir die Waren produzieren können, die verlangt werden." Er fügte hinzu: "Wenn erst einmal eine akzeptable Lösung auf der Verfassungsebene gefunden wurde, werden wir für aus ländische Investitionen ein interessantes Gebiet werden." EINE DUSTERE ZUKUNFT
Die nationalistischen Führer werden Schwierigkeiten haben, diese Politik umzusetzen, insofern die Partisanen angesichts iher Verbindung mit den ausgebeuteten afrikanischen Massen weitergeht. Wenn sie an der Regierung sind, werden sie einige Konzessionen machen müssen, oder sie werden zu Repressionsmaßnahmen gezwungen sein. Dies offenbart die Rolle, die die weißen rhodesischen Truppen, ganz zu schweigen von den UNO-Trup pen, während der Übergangsperiode einnehmen können. Im Prinzip haben die Führer der Frontstaaten kürzlich den Gedanken von einer UNO-Streitmacht zur Aufrechterhaltung der Ordnung akzeptiert. Die Rundreise des nigerianischen Präsidenten durch das südliche Afrika hat eine Vereinbarung über die zukün ftige Rolle der nigerianischen Streitkräfte klargemacht. Man wird sich daran erinnern, daß diese schon eine wichtige Rolle im Rahmen der UNO-Streitkraft im Kongo gespielt haben. Auf jeden Fall ist eine Regelung in Zimbabwe noch in weiter Ferne. Trotz der amerikanischen Zugeständnisse an das Smith- Regime wird es eine lange Periode von Verhandlungen vor und nach eventuellen Wahlen geben, wenn es überhaupt dazu kommt. Aber es gibt sehr starke Pressionen seitens bestimmter Kreise der Bourgeoisie in Zimbabwe. Die wichtigsten Firmen, die in diesem Land tätig sind, zeigen sich äußerst pessimistisch, was die Zukunft angeht, die nach den Worten eines bekannten Geschäfts mannes nur "über ein politisches Abkommen stabilisiert" werden könne. Das Smith-Regime, die britischen und amerikanischen Verhandlungspartner, die Frontstaaten und die Mehrheit der nationalistischen Führer treffen sich in dem Willen, ein Abkommen zu schließen, das auf dem Rücken der schwarzen Massen von Zimbabwe seine Früchte tragen soll. Selbst falls es eine friedliche Lösung geben sollte, ist es wenig wahrscheinlich, daß die Massen von Zimbabwe sich die Früchte ihres Kampfes rauben lassen. Im gegenwärtigen Stadium scheint es, daß höchstens ein Massaker an den fortgeschrittensten Teilen der Befreiungsbewegung ein neokoloniales Regime ermöglichen kann. Die So. lidaritätsbewegung mit dem Kampf der Völker im südlichen Afrika muß also wachsam bleiben.
5.September 1977 Anmerkungen 1. Die befestigten Dörfer (Consolidated Villages) setzen sich aus den Bewohnern von zwei oder drei zwangsumgesiedelten Dörfern zusammen. Die geschützten Dörfer (Protected Villages) (Wehrdörfer) sind von Bretterzäunen umgeben. In beiden Fällen sind die Bewohner strengen Reglementierungen unterworfen, die natürlich für die Hirten und die Bauern sehr grausame Nötigungen sind; alle Bewegungen von einem Ort zum andern werden streng kontrolliert. Die Repressionskrafte des Smith-Regimes zögern nicht, auf denjenigen zu schießen, der sich den Reglementierungen der CV und PV widersetzt.
2. vgl. INPREKORR Nr.63 vom 25.Nov.1976, über die Strömungen der nationalistischen Bewegungen in Zimbabwe.
3. Sithole war einer der Begründer der ZANU, die er 1976 verlassen hatte. Er beansprucht immer noch der legale Präsident dieser Organisation zu sein und hat auf dieser Basis einige Anhänger gesammelt. 4. Kitson, Offizier in der brit.Armee, hat einige Bücher über die "Counter Insurgency" (vorverlagerter Staatsschutz) auf der Grundlage seiner Erfahrungen in Malaysia geschrieben. Zahlreiche Vorschläge dieser Werke sind vom amerik. Imperialismus in Vietnam benutzt worden. S. Die kürzlichen Enthüllungen des Katholischen Instituts für auswärtige Angelegenheiten über die Anwendung der Folter durch die rhodesische Polizei hat der Glaubwürdigkeit der Vorschläge von Owen und Young cinen schweren Schlag versetzt.
6. Aus Gründen der Legalität operiert die ZAPU in Zimbabwe unter dem Namen ANCZ (African National Council of Zimbabwe).
BRD ANNA ARMAND