I Aufstands von Soweto(1 der die größte Massenbe- er 15. Juni 1971 war der erste Jahrestag des richtssprache begann, rasch zu einer sozialen Revolte aus, zu einem Aufstand, der an den C rundwegung segen das rassistische Pegime Südafri- festen des reichsten und mächtigsten Staates in kas in der Geschichte entzündete. Die aufetändische Afrika rüttelte.
Bewegung grif' rasch im ganzen Land um sich und zof breite Schichten der Unterdrückten mit sich, Die südafrikanische Regierung konnte anfänglich die darunter vor allem Arbeiter in den Städten und die Explosion noch eindämmen - aber nur, indem sie sog. farbife Bevölkerunt aus der Kapprovinz (2). sie im Blut erstickte. Mehr als tausend Menschen So weitete sich ein Kamp', der zunächst erklärter- wurden auf der Straße durch Kugeln erschossen, maßen als Kampf refen die zwangsweise Einührung Tausende verwundet oder ins Exil gezwungen, und des Afrikaans (der Sprache der Buren) als Unter- Abertausende verhaftet: dies Ausmaß der Cewalt war - 30-
notwendig, um die Lare perade noch unter Kontrolle halten zu können (und es übertraf alles, was die südafrikanische Ceschichte bisher erlebt hat), Das Regime zahlte einen hohen Preis fur die Erzwingung eines relativen Friedens : es pab Sachschaden in Höhe von Dutzenden Millionen Dollar, und der Schein der Stabilität, den das Regime sorofaltig repflegt hatte, wurde schwer erschüttert; die Ausgaben für die "Verteidipung" und für die Aufrechterhaltung von "Ruhe und Ordnung" schnellten enorm in die Höhe. Trotz alledem ist es der Regierung nicht gelungen, den Widerstand in die Niederlare zu zwingen oder gar zu zerschlagen. Von daher gesehen unterscheidet sich die Situation heute bedeutend von der , die au das Massaker von Sharpville (3) 1960 folgte. Damals war das Massaker das Ende einer Kampfperiode gewesen und hatte die Taktik des passi ven Widerstands endgültig diskreditiert. In Soweto dagegen ist die Unzufriedenheit und die Frustration explodiert, die sich im Laufe einer ganzen Kampfperiode angestaut hat (in der es auch einige Erfolge gegeben hat), die Widerstandsbewegung hat sich neu zusammengesetzt und eine neue Ceneration von Freiheitskämpfern ist auf den Plan getreten, Die Kraft, die die Initiative zur ersten Protestaktion ergriffen hat, der Vertreterrat der Studenten von Soweto (SSCR), ist alles andere als zerschlagen; viel mehr ist sie, wie auch der südafrikanische Korrespondent von "The Economist" (vom 18, 6. 77) feststellt, "die einzige Cruppe von Schwarzen, die bei den Bewohnern der ' township' (etwa 1 Million) irgend eine Autorität hat". Diese Aussage wurde dadurch bestätigt, daß der korrupte Banturat von Soweto unter dem Druck der Studenten zu ücktreten mußte. Der Christian Science Monitor schrieb am 27. Juni: "Mit tiefer Sorge erfüllt es (die südafrikanische Regierung), daß die jungen schwarzen Kämpfer. da runter auch die Studenten, die an der spitze der Unruhen von 1976 gestanden haben, in einigen schwar zen Cemeinden anscheinend die Oberhand gewonnen haben. " Einen Hinweis auf den Charakter der jungen Führer des SSCR, ihrer Stärken und Schwächen, gibt ein Flugblatt dieser Organisation, das für Mitte September zu einem Ceneralstreik in Soweto und Alexandra, einer anderen "township" nahe bei Johannesburg, aufruft:
"Eltern, ihr müßt euch freuen, solche Kinder geboren zu haben, die lieber gegen den Unterdrücker kämpfen, als im Alkohol , in der Frustration und im Verbrechen unterzugehen. Die lieber durch Kugelnsterben, als einen vergifteten Unterricht zu schlukken, der sie und ihre Eltern auf ewig in die Rolle der Untergebenen drängt. Seid ihr nicht stolz auf die Soldaten der Freiheit, denen ihr das Leben gegeben habt? Wenn ja, dann unterstützt sie! Geht am Montag nicht zur Arbeit. Arbeitereltern, folgt unserm Aufruf und geht nicht zur Arbeit, Wir, die Cesellschaft der Schwarzen, wir haben in der Operation Azikhelwa nichts zu verlieren als unsere Ketten. Unsere Unterdrücker sollen zittern! Unsere Losung : Vorster raus! Nieder mit der Unterdrükkung! Die Macht dem Volke!
Der revolutionäre Zorn, der aus diesen Worten spricht, drückt die totale Weigerung, die Kampfbereitschaft, die Kampfentschlossenheit und den Heroismus der neuen Ceneration der Freiheitskämpfer in Südafrika aus. Das Flugblatt verdeutlicht - 3 such die Schldsselrolle, die die Jugend und die Studentenschaft spielt, Es ist eine neue Ceneration, die nicht die Erfahrung der Niederlagen in der Periode nach Sharpville gemacht hat; sie ruft nun zum Kampf auf, Und dieser Kampfaufruf von Jugendlichen, die oft nicht ilter als 8 bis 9 Jahre waren, wurde gehört. Am 15. September sind über eine halbe Million von Arbeitern in Johannesburg in den Streik getreten, 100, 000 in Kapstadt - der größte politische Streik der Geschichte Südafrikas. Aber im Text spiegelt sich auch die große politische Unerfahrenheit der Fahrer der Jugend von Sowe to. Wie einige Exilmitglieder des SSCR erklärt haben, ist in Südafrika praktisch nichts dber den Sozialismus, den Marxismus, die Arbeiterbewegung, usw, bekannt; selbst der Kampf in ihrem eigenen Land war für sie vielfach ein Buch mit sieben Siegeln, Soviel Unwissenheit kann nicht überraschen - es ist bewußt ein Bestandteil der Politik des Vorsterregimes zu verhindern, daß irgendeine "gefährliche Idee" sich in denKöpfender schwarzen Jugendlichen einnistet. Doch soviel Unerfahrenheit kann gefthrlich werden und es fehlt in Südafrika nicht an Krilften, die versuchen, Menschen ohne Falsch zu manipulieren. Wir werden da rauf noch zurückkommen, DER HINTERGRUND DER EREIGNISSE VOM 16. JUNI
Um die Ereignisse zu begreifen, die die Demonst rption am 16, Juni letztes Jahr in Soweto ausgelöst hat muß man sie in ihrem internationalen, afrikanischen und nationalen Kontext betrachten, Es muß der Hintergrund der Bewegung analysiert werden, die den SSCR hervorbrachte, und die Periode nach Soweto mit der nach Sharpville verglichen werden. Der Aufstand in Südafrika im letzten Jahr stellte einerseits eine Ausweitung des revolutionären Prozesses dar, der im ganzen südlichen Afrika um sich griff, andererseits zeigte er, daß die Widersprüche in der südafrikanischen Gesellschaft selbst einen explosiven Charakter angenommen hatten, Diese beiden Faktoren haben zudem vor einem ganz anderen afrikanischen und internationalen Hintergrund gewirkt, als die Kämpfe zu Anfang der 60er Jahre. Der für Südafrike heute wichtigste Unterschied ist der, daß der US-Imperialismus nach seiner Erfahrung im Vietnamkrieg heute viel größere Schwierigkeiten hat, als Cendarm des Weltimperialismus zu handeln. Heute muß er die Waffe der Diplomatie einsetzen: die Korruption (seine enorme Wirtschaftsmacht macht es möglich), Initiativen vom Typ Kissin gers, die Intervention durch Mittelsmänner, usw.; die offene, unverhüllte militärische Aggression tritt dahinter zurück. Heute hat die Regierung Carte es nötig, sich solcher Taktiken wie der Ernennung von Andrew Young zum UNO-Botschafter zu bedienen, Die Demagogie dieses "Centleman" hat den weltweiten Interessen des US-Imperialismus zu dienen (genauer gesagt soll aus Young eine Art "Volksheld der Dritten Welt" gemacht werden, wie der Schwarze Benjamin Hook, Mitglied der Washingtoner "Federal Communications Commission", sagte). Aber selbst der Schein der Unterstützung der Bestrebungen der schwarzen Völker Südafrikas, mit dem sich der US-Imperialismus umgibt, kann in diesen das Vertrauen in einen endgültig siegreichen Kampf stärken.
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Natürlich dient diese Operation in erster Linie dazu, unter der Masse der Schwarzen Illusionen zu schüren, die es erleichter sollen, die Basis für neokoloniale Lösungen zu legen. Aber diese Illusionen sind noch begrenzt, das zeigt die Weigerung der Führer einer Organisation wie der Black People' s Convention (BPC), mit Young auf seiner sehr öffentlichkeitswirksam aufgezogenen Reise durch Südafrika zusammenzutreffen.
Aber wichtiger ist, daß der Kampf heute nach der Niederlage des NATO-unterstützten portugiesischen Imperialismus in Angola und Mozambinue stattfindet. Die Auswirkungen dieser Niederlage werden noch zusätzlich durch die Niederlage verschlimmert, die dem US-südafrikanischen Komplott zur Errichtung einer FNLA/UNITA- Regierung in Angola beschert wurde. Der US-Imperialismus war gezwungen zu akzeptieren, daß kubanische Kräfte auf der Seite der MPLA in den angolanischen Bürgerkrieg eingriffen. Nach dem der amerikanische Imperialismus Südafrika zuerst dazu ermuntert hatte, in Angola zu intervenieren, war er nachher unfshig, seine Verbündeten offen zu unterstützen und mußte tatenlos zusehen, wie Südafrika eine demütigende Niederlage einsteckte; Südafrika führte deswegen bittere Klage gegen die USA. Dies waren keine unnützen Lehren für die schwarzen Massen in Südafrika - insbesondere die Legende der militärischen Unschlagbarkeit des weißen Mannes wurde zerstört.Zum Zorn der schwarzen Massen kommt jetzt ihre Zuversicht hinzu, daß der Unterdrücker geschlagen werden kann. Angesichts dieser Ereignisse hat der Imperialismus ein großangelegtes Manöver begonnen, um seine Herrschaft im südlichen Afrika neu zu ordnen. Daer breitere Interessen in Afrika verfolgt, der sowjetischen Bürokratie auch nicht unnötig eine Gelegenheit verschaffen will und die Befreiungskämpfe in Zimbabwe und in Namibia ersticken muß, ist er zu einer flexiblen Haltung und zu Anwendung verschiedener Herrschaftsmethoden im südlichen Afrika gezwungen, Zudem hat die mächtigste imperialistische Macht, die USA, genügend innere Gründe, um zumindest so zu tun, als unterstütze sie die wichtigsten Rechte der Schwarzen in Südafrika. Die weitsichtigsten bürgerlichen Kräfte sind sich darüber im klaren, daß eine Änderung in der Haltung notwendig ist, nicht nur aus Gründen der Zweckdienlichkeit, sondern um "Südafrika dem Westen zu erhalten".
In Zimbabwe und in Namibia versucht der Imperialismus den Übergang zu einem neokolonialistischen Pegime abzusichern, und geht dabei so weit zu sagen, er sei für eine schwarze Mehrheitsregelung in Zimbabwe, etwa "für 1978". In Namibia fordert er die Beteiligung der SWAPO an allen Regierungen nach Erlangung der Unabhängigkeit. Aber auch diese Ände rungen haben ihre Tücken, Wenn die schwarze Mehrheitsregelung für Zimbabwe gilt, warum dann nicht für Südafrika? Und wenn Vorster gezwungen werden kann, mit den Guerillakräften der SWAPO zu verhandeln, warum dann nicht mit der Befreiungs. bewegung in Südafrika selbst? Vom Standpunkt des westlichen Imperialismus und des südafrikanischen Regimes ist das Gefährlichste das, daß diese Konzessionen in den Augen der Massen als Erfolg ihres Kampfes erscheinen, Daher die ganzen Manöver, die Demagogie und die berechneten "Indiskretionen" von - 3 Young. Den westlichen Kräften stellt sich vor allem das Problem, die Sachen so hinzustellen, als hätten diese Zugeständnisse nur durch friedliche Verhandlungen abgerungen werden können, und die weißen Minderheiten zu überreden, "die Art ihres Auftreterl zu ändern, Es ist heute allerdings sehr schwer, in Südafrika für eine solche Haltung zu werben. Deswegen nimmt es auch nicht wunder, daß es innerhalb des imperialistischen Lagers Differenzen über die Taktik gibt.
Aber wichtiger ist, daß die Plane des Imperialismus zur Erneuerung seiner Oberherrschaft über das südliche Afrika den konkreten materiellen Interessen der kapitalistischen Herrschaft in Südafrika zuwider laufen, Die Weißen in Rhodesien könnten noch beiseite geschoben werden, mit Südafrika ist das etwas anderes. Hier steht enorm viel auf dem Spiel. DIE IMPERIALISTISCHEN INTERESSEN
IN SÜDAFRIKA 1975 schätzte die South African Reserve Bank die Cesamtheit der ausländischen Investitionen in Sudafrika auf etwa 11 Milliarden US-Dollar. Der Anteil der einzelnen Länder daran ist zwar ein Staatsgeheimnis, aber die Zeitschrift "Africa" schätzte in ihrer Ausgabe vom Juni 1977, daß die USA gegenwärtig Investitionen im Wert von 3, 678 Mrd. Dollar in Südafrika besäßen, Großbritannien 7, 126 Mrd., Westdeutschland 2, 070 Mrd, und Frankreich 950 Mio. Laut Zahlen, die 1975 veröffentlicht wurden, täti den damals über 600 britische Gesellschaften Ceschäfte in Südafrika, 500 US-amerikanische, 130 westdeutsche und etwa 85 französische.
Der Handel zwischen Südafrika und den größten westlichen imperialistischen Nationen hat gigantische Ausmaße erreicht. Nach Zahlen, die die Abteilung für Zoll und Steuern beim Ministerium in Südafrika veröffentlicht hat, betrugen 1976 die Importe aus den USA 1,459 Mrd, aus Japan fast 690 Mio, aus Frankreich über 293 Mio., aus der BRD 1, 217 Mrd, und aus Großbritannien 1, 185 Mrd. Die Exporte zeigen ein ähnliches Bild: von allen Exporten (mit Ausnahme von Gold) gehen 1, 146 Mrd. (das sind 22, 2%, der bei weitem höchste Anteil) nach Großbritannien, 592 Mio. nach Japan, 543, 7 Mio. in die BRD und ebenfalls 543, 7 Mio, in die USA.
Auf Grund seiner Stellung als größter Goldproduzent der kapitalistischen Welt, nimmt Südafrika einen einzigartigen Platz im imperialistischen System ein. Obwohl die Coldproduktion in den 70er Jahren stark gefallen ist (von 1, 000 in 1970 auf 703, 1 Tonnen in 1975), deckt Südafrika noch etwa 75% der kapitalistischen Weltproduktion in den letzten Jahren, Auf Grund seiner Kontrolle über Namibia kann Südafrika ein äußerst bedeutender Lieferant von Uran sein, dessen Produktion sich stark ausgeweitet hat. Vor allem der britische Kapitalismus wird von südafrikanischen Lieferungen abhängen, wie die britische Delegation auf einer internationalen Urankonferenz im Februar 1977 erklärte. Vor dieser Konferenz, die die Ditchley-Foundation organisiert hat, beklagte sich die britische Delegation unter Führung des Unterstaatssekretärs für afrikanische Fragen über die Folgen der Verzögerung der Produktion in den Rossing-Minen in Namibia. Die britischen Uran- 2-
lieferprobleme sind so groß, daß einige Reaktoren in Großbritannien stillgelegt werden könnten (so die "Financial Times" vom 24, 6, 77).
Südafrika besitzt große Reichtümer an Mineralien. Der US-amerikanische Beraterstab für afrikanische Fragen schreibt in einem Bericht an das Außenministerium 1971 : "Afrika besitzt in Bezug auf eine kleine Zehl wichtiger, für die strategischen und wirtschaftlichen Interessen der USA bedeutender Güter den größten Anteil der Weltreserven, In Zukunft werden sich die USA wahrscheinlich an Afrika wenden müssen, um unter anderem Chrom, Metalle der Platingruppe, Tantalum ,Petalum, Cold, Asbest, natürliche Industriediamanten und Phosphate zu bekommen ... In Südafrika gibt es mehrere dieser wichtigen Mineralien, In Südafrika gibt es auch große Reserven an Nickel und Mangan, Sadafrika ist für die imperialistischen Länder sehr wichtig wegen seiner strategischen Position. Es beherrscht nicht nur einen der wichtigsten Zugänge zum Indischen Ozean, sondern kontrolliert auch die Kaproute. Selbst nach der Wiedereröffnung des Suezkanals ist etwa die Hälfte des von Westeuropa verbrauchten Erdöls über diese Straße geleitet worden. Das hängt vor allem damit zusammen, daß immer mehr Supertanker eingesetzt werden. Dazu schreibt aber das Institut zur Studie des Nahostkonflikts 1974: "Es ist kaum wahrscheinlich, da? die Tanker eine andere als die Kaproute einschlagen, es sei denn, die Region des Roten Meers findet wieder zur Stabilitat zurück."
Noch wichtiger für den Westen ist die Rolle, die Südafrika auf dem gesamten afrikanischen Kontinent spielt. Da Südafrika das bei weitem am meisten industrialisierte und best bewaffnete Land südlich der Sahara ist, hat es zur Aufgabe, die neokolonialistische Ausbeutung Schwarzafrikas zu stützen, Das Umgekehrte ist ebenso wahr: wenn die Massen das Vorsterregime stürzen sollten, würden die neokolonialen Marionettenregimes im südlichen Afrika zutiefst und in ziemlich kurzer Zeit erschüttert. Der Imperialismus hat enorme Schwierigkeiten damit, seine neue Politik im südlichen Afrika durchzusetzen, weil das kapitalistische System in Südafrika und vor allem die sehr rentablen Investitionen auf dem Apartheidsystem basieren. Colin Legum schreibt in seinem Essai (London, 197f) dazu ganz richtig: "Das System der billigen Arbeitskräfte ermöglicht es den ausländischen Kapitalanlegern), enorme Profite einzustreichen ( ...) Das britische "Business" z. B. verdient mehr an seinen Direktinvestitionen in Südafrika als an denen in jedem anderen Überseeland. Die Gewinne aus den Investitionen in den Bergwerken belaufen sich auf 25 bis 30% und die durchschnittliche jährliche Rentabilität der gesamten britischen Investitionen in Südafrika betrug von 1965 bis 196° Das System der Apartheid ist die Kodifizierung einer Politik, die ihren Ursprung in der repressiven und rassistischen Gesetzgebung der Kolonialzeit hat. Es ist wesentlich alter als das aktuelle Regime der Nationalistischen Partei. Doch erst nach der Wahl der ersten Regierung der Nationalistischen Partei 1948 wurden die verschiedenen Aspekte dieser Poli- - 3 tik zu einer zusammenhangenden Strategie und Ideologie der herrschenden Klasse ausformuliert, Sadafrikas Wirtschaft hatte während des Il, Weltkriegs ein rapides Wachstum zu verzeichnen, Sein BSP stieg von etwas weniger als 1 Mrd, Dollar in 1940 auf fast 1, 62 Mrd. Dollar in 1945, während die Industrieproduktion im gleichen Zeitraum von 18 auf 20% stieg.
Die Regierung der Nationalistischen Partei hat eine Politik verfolgt, die den afrikaanssprachigen Sektor des Kapitals auf Kosten des englischsprachigen Sektors und des an den Imperialismus gebundenen Knpitals gefördert hat. So wurde die Fertigungsindu strie stark vor dem Bergwerk (das weitgehend vom englischsprachigen Kapital dominiert ist) begünstigt. Unter dieser Regierung ist das BSP stark gewachsen. Zwischen 1950 und 1960 ist es praktisch auf das Doppelte gestiegen, und zwischen 1960 und 1970 von 3. 38 Mrd. Dollar auf 11, 264 Mrd. (die Zahlen sind angegeben in festen Preisen von 1963 ; Quelle: South African Reserve Bank). Innerhalb dieser starken Expansion der Produktion ist der Anteil der Industrie. produktion ständig gestiegen: 1950 betrug er 23%, 1955 25%, 1960 26%, 1965.30% und 1970 31%. Danach hat sich diese Tendenz weiter fortgesetzt, aber sie wurde einerseits durch die Steigerung des Coldpreises von ca. 70 Dollar pro Unze Ende 1972 auf 187 Dollar im November 1974 und andererseits durch die Rezession seit 1974 verdeckt, Durch den Trend zur verarbeitenden Industie stier die Nachfrage nach billiger afrikanischer Arbeitekraft und es traten neue Probleme der stastlichen Kontrolle über diese Arbeitekraft auf, Man versuchte sie zu bewältigen, indem man ein System schuf, wodurch billige schwarze Arbeitskraft in den z"gewiesenen "homelands" produziert ind reproduziert werden konnte; auf diese Weise konnten die Löhne der afrikanischen Arbeiter sehr niedrig rehalten werden, während der Staat von den größten Unkosten der Reproduktion der Arbeitskraft frei war, Obwohl der größte Teil der nualifizierten Arbeitsplätze, die zu dieser raschen Industrialisierune nötig waren, mit weißen Arbeiter besetzt wurde (die im Durchschnitt fünf Mal so viel verdienen wie die schwarzen Arbeiter), wurde die durch die Rassenpolitik bedingte Kluft in der Entlohnung selbst dann beibehalten (oder sogar verstärkt), als der wirtschaftliche Druck eine Änderung in der Politik der Zuweisung von Arbeitsplätzen erforderlich machte. Der Lohnunterschied zwischen Schwarzen und Weißen stieg im Zeitraum von 1965 bis 1970 von 5:1 auf 6:1 in der verarbeitenden Industrie, von 5, 5:1 auf 6, 5:1 in der Bauindustrie und von 17:1 auf 20:1 in den Coldminen, Die wichtigste Funktion der Apartheidspolitik ist doher die Kontrolle des Angebots und der Peproduktion der billigen schwarzen Arbeitskraft. Außerdem erlaubt sie dem südafrikanischen Pegime, gegen die Kritik, der es vom Ausland ausgesetzt ist, eine Cegenoffensive zu starten, Um diesen Aspekt seiner Apartheidstheorie zu rechtfertigen, erklärt des Regime, daß es innerhalb der Grenzen Südafrikas mehrere Rassengruppen gibt, von denen jede territoriale Ansprüche stellt und jede eine eigene Ceschichte und Kultur besitzt, Jeder ethnischen Cruppe ist daher ein "homeland" "zugewiesen" worden, der Rest des Territoriums Südafrikas (37%) gehört den Weißen, Es braucht nicht dazu gesagt zu wer- 3-
den, da? dieser Teil des Territoriums alle stadtischen und industriellen Zonen umfeßt, die Hafen, das Ackerland und die wichtigsten Bergwerkgebiete. Die "homelands" dagegen sind wirtschaftlich nicht lebensfähig und oft geographisch zersplittert (des KwaZulu z, B. ist in 29 Teile aufgeteilt). Ein großer Teil der Schwarzen, die als Bürger ihrer "homelands" bezeichnet werden, haben niemals das Land gesehen, von dem sie offiziell nur "vordbergehend abwesend" sein sollen, In den "weißen Zonen" (in der Stadt und auf dem Land) werden sie als "Castarbeiter" betrachtet, die keine politischen Rechte und fast keine Bürgerrechte genießen, Nur in den "homelands" können sie in begrenztem Maß politische Rechte ausüben, Wenn es nach den großen Aposteln der Apartheid geht, können die Schwarzen sich hier allmählich und separat zu einer "autonomen Regierung" und schließlich zur "Unabhängigkeit' hin entwickeln. So versucht das Regime unter dem trügerischen Schein der "getrennten Entwicklung" und der "Unabhängigkeit" den Anschein zu erwecken, als würde die brutale Unterdrückung der Schwarzen einfach in ein System von Castarbeitern verwandelt. Auf diese Weise hofft es, sich gegen die Vorwürfe seitens der westlichen kapitalistischen Länder zu schützen, Das ist die Crundlage von Südafrikas Cegenoffensive und der ganzen Tendenz zur "Entspannung" mit Afrika.
Die "Entspannungspolitik" hängt auch mit den wirtschaftlichen Problemen Südafrikas zusammen. Seit dem II. Weltkrieg sind in Südafrika seh› rasch Perioden der hohen und der tiefen Konjunktur aufeinandergefolgt, was mit seinen Zahlungsbilanzproblemen zusammenhängt. Zudem sinkt seit Ende der 60er Jah re das Wachstum der Fertigwarenproduktion ständig ab. Die Produktion stößt nun an ihre Grenzen, weil die Möglichkeiten von Importsubstitutionen allmählich ausgeschöpft sind. Größere Markte sind nun notwendig. Aber das ist nur in dem Maße möglich, wie der Export gesteigert werden kann, Die Bevölkerung Südafrikas ist im Vergleich zu der anderer industrialisierter Länder relativ wenig zahlreich, Zudem engt das sehr niedrige Lebensniveau der schwar zen Bevölkerung den inneren Markt stark ein. Teile der afrikaanssprachigen Kapitalisten - besonders Anton Robert von der Rothman's International verfolgen das Ziel, die Exporte durch eine Ausweitung des Handels mit den afrikanischen Staaten auszuweiten, Zu diesem Zweck hat Robert die Bank fu, die Entwicklung Äcuatorial- und Schwarzafrikas gegründet. Aber alle Möglichkeiten einer Ausweitung der Exporte nach Schwarzafrika (und selbst der südafrikanischen Investitionen in diese Ländern) kollidieren mit den sehr schlechten Beziehungen des Vorsterregimes zu den afrikanischen Staaten, Auch in diesem Zusammenhang muß man den Wandel in der Politik Südafrikas in Bezug auf die Rhodesienfrage und sein plötzliches "Bekenntnis" zum Prinzip der schwarzen Mehrheit in diesem Land sehen. In dies Manöver sind hohe Erwartungen gesetzt worden. Teile der westlichen, kapitalistischen Presse begrüßten Vorsters "neue Denkweise" '. Auch neokolo niale Regimes begrüßten die neuen Positionen. Der sambische Staatspräsident Kenneth Kaunda versuchte, dies Manöver noch zu unterstützen, indem er über - 3.
tausend Guerillakämpfer einsperren ließ, Fast eben so sicher ist, daß zahlreiche Kämpfer, die gegen die "Entspannung" waren, in Sambla ermordet worden sind (auch wenn es schwer ist, hierdber genaue Informationen zu bekommen), Kaunda hat diese Sudafrika freundlich gesonnene Politik noch dadurch fortgesetzt, daß er im angolanischen Bürgerkrieg die UNITA unterstützte.
Heute weiß jeder von dem Scheitern der Entspannung politik. Ihr plötzliches Ende schlug, als die südafrikanischen Truppen im Oktober 1975 in Angola einmarschierten in der vergeblichen Hoffnung, dort ein Marionettenregime aus FNLA und UNITA zu errichten, Das Scheiter des Versuchs einer Lösung der Rhodesienfrage (trotz der Hilfe Kissin gers) führte dazu, daß das Entspannungsprojekt fallen gelassen wurde. Wenn es darüber noch irgend. einen Zweifel gegeben hat, dann wurde er mit der blutigen Unterdrückung des Aufstands von Soweto beseitigt. Dennoch darf man nicht ausschließen, daß diese Politik eine Neuauflage erfahren kann, Die Grundprobleme haben sich nicht geändert und sicher werden Kaunda und sogar Samora Machel, der Präsident von Mozambinue, eine solche Celegenheit freudig aufgreifen, wenn sie einen Weg sehen, das Gesicht zu wahren.
Die Apartheid in ihrer vollendetsten Form, den Bantustans, ist also der Versuch, ein System zu er richten, das den heutigen Erfordernissen der südafrikanischen Wirtschaft entspricht. In keinem Fall wird dadurch die Herrschaft der Weißen geschwächt; im Gegenteil, die Manöver der Entspannung werden dadurch nur verschleiert. Vorster war ziemlich optimistisch in Bezug auf die Perspektiven der Entspannung, da der Imperialismus und die meisten neokolonialen schwarzen Regimes eine Einigung mit Südafrika suchen, Das größte Hindernis war das, daß das Vorsterregime nicht genügend Konzessionen machen konnte, weil seine ganze Politik der ganzen sozialen und ökonomischen Wirklichkeit in Südafrika selbst zuwider lief.
DAS SCHEITERN DER NEUEN APARTHEIDPOLITIK Die neue Apartheidpolitik hat die Probleme der südafrikanischen Regierung nicht gelöst. Da die Fertigungsindustrie zunehmend mehr Arbeitskräfte benõtigte, ließ sich massiv schwarze Arbeitskraft in den Städten nieder, statt hiervon ausgeschlossen zu bleiben, wie die Regierung es ür diese Zeit vorgesehen hatte. 1970 waren nicht mehr 1 Million afrikanische Arbeiter in den Bergwerken, der Fertigunrsindustrie den Elektrizitätswerken, der Bauindustrie und im Handel beschäftigt, sandern zwei. 1973 war die 2- Millionengrenze überschritten, Heute arbeiten 40% der aktiven schwarzen Bevölkerung in diesen Sektoren.
Obwohl in der Periode von 1969 bis 1970 unter verschiedenem Vorwand fast zwei Millionen Afrikaner aus den weißen Cebieten in die Rantustans umgesiedelt wurden, lebten weniger als 47% der afrikanischen Bevölkerung 1970 wirklich in den "homelands" (4). Die weiße Bevölkerung zählt etwas über 4 Millio. nen Menschen, die a'rikanische Bevölkerung in den Städten 4, F Millionen. Doch diese Zahlen entstellen die Wirklichkeit. Die Afrikaner, die in den stadti- 4-
schen Zentren leben, haben Ihre Frauen und Kinder in den "homelands" '. Außerdem sind viele von denen, die als Bewohner der "homelands" eingetragen sind, Wanderarbeiter auf den Farmen und in den Bergwerken. Zudem anerkennt die große Mehrheit der Schwar zen, die in den Städten leben, die Bantustens nicht als ihre "wirkliche Heimat".
Die Lebensbedinpungen in den Bantustans sind sehr hart. Das durchschnittliche Jahreseinommen beträgt in den vier größten Bantustans 97 US-Dollar (1 Dollar = 0,87 Rand) ("Johannesburg Star" vom 3. 2. 1973). Die meisten Arbeitskräfte in den Bantustans sind Frauen, die keine Aussicht haben, jemals die Reservate zu verlassen, Der größte Beschäftiger schwarzer Arbeitskräfte, Kool Look in Babelgi, vergibt wöchentlich einen Grundlohn von 4, 60 Dollar. Offiziell liegt das Lebensminimum bei 20, 70 Doller pro Woche ("Rand Daily Mall" vom 20, f,7°), DIE AUSWIRKUNGEN DER REZESSION
Die Rezssion hat die strukturellen Widersprüche des süfafrikanischen Kapitalismus verschärft. Anfeng der 70er Jahre klang der Boom ab. 1975 betrug das reale Wirtschaftswachstum nu, noch 2, 5%. 1976 und 1977 fiel die Industrieproduktion sehr stark. "Im ersten Quartal 1977 fiel di e Industrieproduktion (in Südafrika) um 6%", (NIER vom Mai 1977). Die Rezession in Südafrika ist Teil der internationplen Rezession des Kapitalismus, obwohl die Folgen mit Verzögerungeintraten, weil der Coldpreis stieg. Als der Coldpreis dann sank, wurde die Rezession rasch spürbar. Die Handelsbilanz Südafrikas ist defizitär (abgesehen vom Cold), aber normalerweise kann das Defizit durch den Coldexport ausgeglichen werden. 1973 und 1974 konnten die Coldexporte die Defizite decken, aber nicht mehr 1975: in jenem Jahr stieg das Handelsdefizit auf 3, 646 Mrd., während Cold nur im Wert von 2, 925 Mrd. exportiert wurde. Ein anderer Aspekt der Wirtschaftskrise ist der Rückgang ausländischer Investitionen. "Für seine Zahlungsbilanz ist Südafrika stark davon abhängig, daß permanent Kapital ins Land fließt, In den ersten neun Monaten des Jahres 1975 hatte Südafrika ein Kontokorrentdefizit von 1, 432 Mrd. Dollar , ein Konto Das ertape zu verzeichnen, Das entspricht 45% seiner Warenexporte. "/"Economist Intelligence Unit", vom Juli 1976). Diese Probleme schlugen sich z. B. in der Unfähigkeit der Regierung nieder, in Europa 1976 einen öffentlichen Kredit zu decken, Das geschah vor Soweto. Doch die politische Instabilität ist nicht der einzige Faktor, der sich auf ausländische Investititionen hemmend auswirt. Die Rentabilität amerikanischer Unternehmen in Südafrika ist von 19, 4% in 1973 auf 8, 7% in 197F zurückgegangen. Das hängt ebenso mit der Tiefe der Pezession wie mit den hohen Zinssätzen zusammen.
Die Inflation - 11% im Juli 1976 - ist durch die Politik des Haushaltsdefizits noch angeheizt worden. Im Jahr vor den Ereignissen von Soweto sind die Cesamt ausgaben der Regierung um 33% gestiegen ("Johannes burg Star" vom 28, 8, 76). Diese Zahlen erklären sich teilweise durch den Zuwachs an "Verteidigungsausgaben", die 197F um 50%, 1976 um 42% und 197? um 21% zunahmen ("The Economist" vom 9, 4,77). Die Wirtschaftskrise traf die schwarzen Arbeiter - 3 sehr hart, Die Arbeitslosigkeit stleg rapide an. Die Zahl der arbeitslosen Schwarzen wird auf 2 Millionen geschätzt ("Financial Moll" vom 16, 7, 1976), Diese Zahl wird noch welter steigen, wenn die Arbeitslosig keit weiterhin in diesem Rhythmus zunimmt, In dem Maße, wie die Preise der einfachen Konsumgüter besonders stark anziehen, werden die schwarzen Arbeiter auch hart von der Inflation betroffen, In Soweto ist das Lebensminimum seit 1970 um "*% gestiegen (Financial Mail vom 30, 7, 76). Die südafrikani sche Regierung fordert eine Lohnzulage und hat sie z. B. im Öffentlichen Dienst schon erteilt. Die südafrikanischen Unternehmer aber wehren sich energisch gegen jede Lohnerhöhung.
EINE NEUORIENTIERUNG IN DER POLITIK
DER WEISEN
Die Auflösung der zweitgrößten südafrikanischen bürgerlichen Partei, der United Party, ist der krasse ste Ausdruck für das Ausmaß der Krise, die Soweto eröffnet hat. Die United Party hatte 29 Jahre lang in Südafrika regiert und war seit 1948 die größte parlamentarische Oppositionspartei, gegen das Regime der Nationalistischen Partei. 1959 spaltete sich ein Teil von der UP ab und bildete die Progressive Partei. Seit dieser Spaltung hat die UP viele Mitglieder an die Nationalistische Partel und an die Progressive Partei verloren; letztere hat sich nach ihrer Vereinigung mit der Reformpartei in Progressive Reformpartei umbenannt, Fusionsver handlungen zwischen der UP und der PRP sind abgebrochen worden und nach dem katastrophalen Wahlergebnis für die UP bei den Cemeindewahlen 1977 hat sich die UP aufgelöst, Die PRP erscheint somit als die einzige glaubwürdi- s ge weiße Opposition (f). Ihre größte Stütze ist das englischsprachige Kapital, das die fortgeschrittensten Sektoren des afrikanischen Kapitalismus umfaßt. Diese Sektoren sind nicht so abhängig von der Wanderarbeitskraft und braucheneine Stabilisierung der Arbeitskraft. Sie unterhalten enge Beziehungen zu den neokolonialen schwarzafrikanischen Regimes. Sie sind enger mit dem internationalen kapital verbunden als mit dem afrikaanssprachigen Kapitel. Diese Sektoren streben eine Änderung des Apartheidsystems an, Die Person, die die Beziehungen zwischen der PRP und diesen Sektoren des Kapitals verkörpert, ist Harry Oppenheimer, der Leiter des anglo-amerikanischen Konglomerats, das 40% der Operationen an der Börse von Johannesburg kontrolliert. 1974 hatten drei der Abgeordneten der Pro gressiven Partei Führungsposten in diesem Konglomerat inne. Diese enge Beziehung bedingt auch die Grenzen der weißen parlamentarischen Opposition gegen Vorster. Trotz der verbalen Kritik Oppenheimers an der Apartheid hat das anglo-ameri'-enische Konglomerat aus der brutalen Ausbeutung der schwarzen Arbeitskraft seinen Profit gezogen, Dies bestätigte sich neulich wieder. Eine Untersuchung über die Arbeitsbedingungen in den Minen von Welkom, die dem Konglomerat gehören, ergab: "Die schwarzen Arbeiter leben darin in einer Atmosphäre der Angst, der Grausamkeit und der weißen Vorherrschaft". . Im Bericht wurde die Aussage eines afrikanischen Bergarbeiters zitiert : " "Diese Arbeit in den Bergwerken ist eine tödliche, eine schmerzhafte Erfahrung (...) Die Arbeit ist sehr gefährlich, Der 5 -
Tod ist so allgegenwärtig. daß man nicht sufhört, zu Gott zu beten und ihm jedesmal zu denken, wenn man lebend da herauskommt". Das anglo-amerikanische Konglomerat scheut sich nicht, staatliche Mittel zu Hilfe zu nehmen, um seine Profite zu schützen : im September 1973 gab es in der Mine Western Deep Levels, die als die reichste der Welt gilt, einen Streik. Die Betriebsleitung rief sofort die Polizei zu Hilfe. Elf Bergarbeiter wurden dabei getötet und am andern Tag wurde die Arbeit wieder aufgenommer men.
DAS BÜNDNISPROJEKT
Das raffinierteste reformistische Projekt in Südafrika umfaßt die Perspektive eines Bündnisses zwischen der Inkatha-Bewegung des Häuptlings Cotsha Buthelezi und der PRP. Alles deutet darauf hin, daß das amerikanische Außenministerium dies Projekt mit allen Kräften fördert.
Buthelezi ist Premierminister von KwaZulu, dem wichtigsten "homeland" der Zulu-Ethnie, die vier Millionen Mitglieder zählt. Nachdem er seine ursprüngliche Opposition gegen die Bantustan-Politik aufgegeben hatte, wurde er von der südafrikanischen Regierung 1970 auf diesen Posten ernannt. Trotz all sei ner Demagogie ist der Opportunismus und der klassenversöhnlerische Charakter Buthelezis niemandem ein Geheimnis. Das KwaZulu selbst ist das beste Beispiel für das System der "homelands" : nur die Halfte der "Zulu-Nation" lebt wirklich hier. Bevor das "homeland" geschaffen wurde (f), gab es auf diesem Gebiet 44 getrennte territoriale Einheiten, zu denen noch 144 "schwarze Flecken" hinzukamen (Farmen, die die Buren legal erworben haben und die entschädigungslos enteignet werden können). 70 der 125 Mitglieder der sog. "Gesetzgebenden Versammlung" der Zulus werden von der Vorsterregierung gewählt.
Butzelezi hat versucht, sich als "vom Innern des Systems operierender Cemer der Apartheid" zu pro filieren. Er hat eine Bewegung ins Leben gerufen, die sich "Inkatha" (7) nennt und die behauptet, 77,199 Mitglieder zu haben; sie bringt regelmäßig ein Bulletin heraus, "Nation", , und strebt an, eine nationale Organisation zu werden. Die USA und Nigeria unterstützen die Zeitung "Nation" finonziell. Der "Christian Science Monitor" vom 24. Januar 1977 berichtete, daß "Andrew Young (...) gesagt hat, er unterstütze den Vorschlag, daß Amerika eine schwar ze Oppositionszeitung subventioniere". "Nation" ist die einzige schwarze Zeitung in Südafrika. Buthelezi reist sehr viel. Im Mai dieses Jahres traf er mit Carter, Young und andern amerikanischen Beamten in den USA zusammen. Sein Ziel ist die Anerkennung der "Inkatha" durch die OAE. Zu diesem Zweck ging er im Oktober 1976 nach Nigeria. Dort traf er mit Oliver Tambo, dem Exilpräsidenten des ANC, zusammen, Im Mai 1977 hatte er erneut eine Unterredung mit Andrew Young, während dessen Südafrikaaufenthalt.
Kurzfristig kann mit einem Rückgang der Kampfbereitschaft der Schwarzen nicht gerechnet werden, Die künftigen Ereignisse werden sie im Gegenteil weiter anheizen. Das Scheitern einer neokolonialen Lösung in Zimbabwe ist ein entscheidender Faktor dafür. Die Niederlage des portugiesischen Imperialis mus in Mozambioue hat enorme Auswirkungen auf - 3 die Schwarzen Südafrikas gehabt. Der Sturz des weißen Kolonialregimes in Zipbabwe hätte noch grõ- Bere Folgen, Das ist einer der Crinde für die vielfaltigen Bemühungen der englischen und amerikanischen Vermittler. Des südafrikanische Regime war unfthig. den Widerstand zu zertreten und zu zermürben, Es wird daher seine Politi' fortsetzen und dabei zu allen erdenklichen Manövern der Spaltung und der Verwirrung der schwarzen Bevölkerung greifen. Die Führer des Widerstands haben in der letzten Zeit versucht, unnötige Massaker, die die Arbeiter demoralisieren und ihrer wertvollsten Koder berauben, zu vermeiden. Sie wissen, daß die Schwierigkeiten des Regimes ihnen Spielraum für eine ges chickte Taktik bieten und daß sie die Revierung sogar zum Rückzug zwingen können, ohne ihre Orgenisationen aufzureiben (vgl. die Gründung eines Volksrats, der an der Spitze der Bevölkerung von Soweto steht). Die wahrscheinlichste Perspektive ist die eines anhaltenden Kampfes, der in den Reihen de r herrschenden Klasse Südafrikas ständig Zündstoff für eine politische Dauerkrise bietet; diese herrsche de Klasse steht heute einem aktiven und gut organisierten Widerstand gegenüber, Die Zeit muß heute vor allem genutzt werden, um die schwarze Arbeiter. klasse zu einigen, ihr zu helfen, ihre eigenen Organasationen zu schaffen und ihr politisches Bewußtsein zu entwickeln. Daher kämp'en die Revolutionäre für die Einheit aller Widerstandbewegungen um ein Kampfprogramm gegen das Vorsterregime und seine kapitalistischen Lakaien herum.
ANMERKUNGEN :
(1) Soweto ist eine Abkürzung der Bezeichnung "South West Township". Über eine Million Schwarze wohnen dort, die das Arbeitsreservoir der Vororte von Johannesburg darstellen.
(2) Als "Farbige" werden die "gemischtrassigen" Menschen in Südafrika bezeichnet, Im Rahmen ihre• Strategie des "teile und herrsche" haben die herrschenden Klassen Südafrikas versucht, eine Vereinigung der Kämpfe der Afrikaner und der "Farbigen" zu verhindern, indem sie letzteren kleine Zugeständ nisse gemacht haben. Dies Projekt ist völlig gescheitert, als die "Farbigen" nach Soweto die Afrikaner unterstützt haben.
(3) Das Massaker von Sharpville stellte eine Wende in den Kämpfen dar, diein den 50er Jahren von dem ANC geführt wurden, Auf eine Kampagne für den passiven Widerstand gegen die Passgesetze (die die Apartheid regeln) hat das Regime mit einem Massaker der friedlichen afrikanischen Demonstranten geantwortet (67 wurden getötet, 186 verwundet). Der Jahrestag des Massakers von Sharpville, der 21. März, wird jedes Jahr von der Antiapartheidbewegung begangen, (4) Die Bevölkerungsstatistiken sind den Jahrbüchem des "South African Institute of Pace Relations" entnommen.
(5) Die PRP ist aber nicht bereit, die Regierung zu stellen. Von 171 Abgeordneten im Parlament von Pretoria hat sie 22.
(6) D. h, bevor die Anzahl an territorialen Einheiten gesenkt wurde, unter anderem auch durch das Mittel der Deportation von Hunderttausenden von Afrikanem (7) Das ist der Name des Stoffs, den die afrikanischen Frauen auf ihrem Kopf tragen, wenn sie Lasten oder Körbe transportieren.
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Ch.- A.Udry & Ch. Michaloux