An den Generalsekretär der Kommunistischen Partei Frankreichs : Cenosse Marchais
Italiens : Cenosse Berlinguer
Englands : Cenosse Me lennan Der hier zu euch schreibt ist ein Mann von 68 Jahren, der mit 14 Fahren, 1921-22, in der für die Sowjetunion so schwierigen Zeit der kommistischen Bewegung beigetreten und bis heute den kommunistischen Idealen treu geblieben ist, trotz der grausamen und ungerechten Repression, die er von seiten einer sich kommunistisch nennenden Partei hat erdulden müssen.
Dieser Brief ist nicht mein erster Versuch, mit der inte rationalen kommunistischen Bewegung Kontakt aufzunehmen, Im Februar 1968 haben der Schriftsteller Alexsei Eprofowitsch Kosterin, Kommunist seit 1916, und ich an die Zentralkomitees der Kommunistischen Parteien Ungarns, Italiens und Frankreichs ein Schreiben geschickt und sie pebeten, es allen Teilnehmer der Konferenz der Arbeiterparteien und der Kommunistischen Parteien von Budepest bekanntzugeben, Wenn ihr wollt, kann sein Inhalt heute noch eingesehen werden. Es wurde auf russisch von der Herzen-Stiftung 1973 in Amsterdam veröffentlicht, in einer Sammlung mit dem Titel: "Betrachtungen eines Wahnsinnigen" (11, Jeder Unvoreingenommene wird in diesem Brief nichts anderes finden als die aufrichtige Besorgnis um das Los der kommunistischen Bewegung. Aber fr dieses Schreiben an die Budapester Konferenz habe ich ein Talır in den düsteren, feuchten Kerkern des KOB in Taschkent und weitere vie Jahre und zwei Monate in einer psychiatrischen Spezialklinik verbracht. die das schlimmste sowjetische (efängnis ist, wo ich geschlagen worden bin und andere physische und moralische Folter zu ertragen hatte. Kosterin komte der Verhaftung nur deshalb entkommen, weil er wenige Zeit nach der Entsendung dieses Schreibens gestorben ist.
Diese fürchterliche Erfahrung hat gezeigt, daß es nicht nur zwecklos, sondern auch gefährlich war. sich an die westlichen KPn zu richten, Doch die Kommunisten meiner Ceneration sind im Ceiste eines tiefen Vertrauens denen gegenilber erzogen worden, die wir als unsere Kampfgenossen begreifen. Auch meine Frau, Zinaida (rigorenko, Tochter eines alten Bolschewiken und selbst Kommunistin, hat sich im Juni 1959 an die Ceneralsekretäre eurer Parteien gewandt, die in Moskau zur internationalen Konferenz der Arbeiterparteien und der Kommunistischen Parteien zusammengekommen waren, Aber Waldeck Rochet, Luigi Longo und John Colan hielten es damals nicht für möglich, diesem Hilferuf einer Kommunistin nachzukommen, deren Wann, selber Kommunist, zu der Zeit im Kerker des KrB in Taschkent auf Befehl von Leuten geschlagen wurde, die sich selbst auch als Kommunisten bezeichneten.
Es wurde also offenbar, daß das Interesse einer gegenseitigen Hilfestellung der KP-Führer untereinander höher bewertet wurde als die Interessen der Arbeiterbewegung, und daß es daher keinen Sinn hatte, ihnen zu schreiben. Aber nun habe ich aus den Sendungen des BBC in russischer Sprache vernommen, dal die französische und italienische KP erklärt hahen, wenn sie an die Macht kämen würden sie das Vehirparteiensystem beibelialten; die KP C roßbritanniens hat auf ihrem letzten Kongreß eine Resolution verabschiedet, in der sie die KPdSU auffordert, allen Dissidenten, auch den nicht-marxistischen Strömungen, Meinungsfreiheit zu gewähren, Diese Nachricht vom BBC hat in uns Kommunisten, die wir uns Sorge machen um das Los der kommunistischen Bewegung, einen schwachen Hoffnungsschimmer in Bezug auf die Möglichkeiten geweckt, daß die Bewegung aus der völligen Sackgasse in die sie die Politik des Totalitarismus geführt hat, einen Ausweg findet, Wir wissen nicht, wie ernsthaft diese Wende vom Totalitarismus zum Pluralismus ist. Wenn es mehr ist als ein einfaches taktisches Manöver im Rahmen des Kampfs um die Macht in ihren Ländern, dann müssen wir sagen, daß diese Erklärung genau den Kern dessen trifft, was der sowjetischen Gesellschaft fehlt. Nur weil der freie Cedankenaustausch bei unsnicht möglichis, ist die Entfaltung der Wissenschaft so sehr gehemmt worden, Die Relativitätstheorie Einsteins ist als Volksverdummung hingestellt worden, die Gie netik als Mystik und die Kybernetik als falsche bürzerliche Wissenschaft, Lange Jahre hindurch hat jede schöpferische Aktivität auf diesem wie auf vielen anderen Gebieten als Häresie gegolten, Aber vor 3 -
allem die Gesellschaftswissenschaften haben darunter gelitten. Die Parteibfrokratie hat beschlossen, daß sich diese Wissenschaften mit Hilfe von Weisungen, Resolutionen und Erlassen betreiben ließen und daß nur die obersten Instanzen und Funktionäre die wissenschaftlichen Schlußfolgerungen aus den Erfahrungen ziehen konnten, Die Folge davon war, daß die Weiterentwicklung der Cesellschaftswissenschaten blockiert wurde. In einer ganzen Reihe von Fragen wurde in der Praxis ein ganz anderer Weg eingeschlagen, als die Klassiker des Marxismus-leninismus ihn gewiesen hatten fam deutlichsten wird das in der Frage der Staatstheoriel, aber niemand bemüht sich herauszufinden warum, Oder besser gesagt, es finden sich einige "Tollkahne". , die es versuchen. Aber die Bescherung daflr ist das Lager. das Gefängnis oder, wie flr leonid Pliuschtsch, die psychiatrische Spezialklinik.
Allen, besonders den Marxisten, muß klar sein, daß nicht die Generäle, nicht die Parteiorgane, sondern die in ihren Schlußfolgerungen vom Partei- und Machtapparat unabhängigen Theoretiker die Wissenschaft betreiben müssen. Selbst in der Physik erfillen Theoretiker und Experimentatoren dene Funktionen, selbst wenn es enge Beziehungen zwischen ihnen gibt, Umso mehr bedarf es in der Cesellschaftswissenschaft, wo die Erfahrungen am lebendigen Leib der Cesellschaft gemacht werden auf Kosten von zehn, hunderttausend Millionen Menschen, einer unabhängigen schöpferischen Tätigkeit und einer breiten Diskussion der theoretischen Schlußfolgerungen. Die Experimentatoren, d, h, diejenigen, die in der Praxis die Entwicklung der Cesellschaft leiten, müssen unter der strengen Kontrolle ihres Volkes stehen, Nur das Fehlen jeglicher theoretischen Arbeit und die Verselbständiming des Partei- und Staatsapparats konnten zur Vernichtung von Dutzenden Millionen Menschen filhren, eine Ceschichte, die der "Archipel Gulag" mit enormer Überzeugungskraft erzählt. Es ist schwer verzeihlich, daß diese Crundforderung des Marxismus so lange vergessen worden ist : die linabhängigkeit der theoretischen Arbeit von der Partei. Um die I'nabhängigkeit in ihrer theoretischen Arbeit zu sichern. sind Marx und Engels nicht formell der Partei beigetreten und haben deren Beschlüsse nicht als verbindlich betrachtet, Lenin ist das einzige Beispiel, in dem Theoretiker und Praktiker in einer Person verbunden waren, Lange Zeit hat er, obwohl er sehr aktiver Praktiker war, eine von den Beschlüssen der Partei unabhängige theoretische Arbeit leisten können; aber selbst er konnte dieses Cleichgewicht nicht bis zuletzt durchhalten, und die Praxis hat obsiegt. Cerade auf seine Initiative hin hat der X. Parteitag die Resolution verabschiedet, die danach zur Begründung des Verbots aller theoretischen Arbeit herangezogen wurde.
Für das, was wir eben ausgefhrt haben, hat die Re solution des englischen Zentralkomitees Außeret große, um nicht zu sagen entscheidende Bedeutung. Aber nur dann, wenn sich die englische KP wirklich bemüht von der KPdST zu erreichen, daß sie ihrem Volk das Pecht auf eine freie, schöpferische lerntigung auf allen Cebieten der Wissenschaft und des Lebens gibt, daß sie ilire Position den andern KPn erläutert und ihre Unterstützung in diesem Punkt cewinnt.
Bisher haben wir von einem solchen Bemühen nichts gemerkt. Die sowjetische Presse hat diese Pesolution niclit einmal erwähnt, und wir haben nichte von einem Protest dagegen seitens der englischen KP gehört. Melennan hat selbst auf dem XXV. Parteitag der KPdSI das Wort ergriffen, aber kein Wort aber diese Resolution gesagt, Es wäre ein unverzeih licher und nicht mehr gutzumachender Fehler, wenn diese Resolution papierener Protest bliebe und nicht ein Aktionsdokument wilrde. Die internationale kommunistische Bewegung durchläuft eine ernsthafte Krise. Einen Ausweg aus dieser Krise gibt es nur, wenn man diese Resolution in die Praxis umsetzt. Der Weg in die Zukunft, für die die kommunistischen Parteien kämpfen, fhit über die Befreiung des sowietischen Volkes vom birokratischen Joch. Sonst werden die Versicherungen der westlichen Kommunisten, sie kämpften fir "eine sozialistische Cesellschaft, die die fortgeschrittenste Demokratie in der (eschichte des Landes sein wird" (Zitat aus dem Pro tokoll der Rede Marchais vor dem Plenum der KPF" am 5. und 5. November 1975, abgedruckt in der "Prawda'"), toter Buchstabe bleiben.
Man wird euren Erklärungen keinen Clauben schenken, Und das wäre auch dumm. Der Sozialismus ist ein internationales Phänomen, außerdem muß er geschaffen werden, ohne daß man ein fertiges Modell hat, Die Nachfolgenden können nur die Erfalrung derer verwerten, die vorausgegangen sind. Aber was sehen wir da? In der UdSSP sind die abstoßendsten äußerlichen Symptome des Persönlichkeitskults zumindest aufgehoben worden; doch vor nicht allzulanger Zeit bin ich auf eine Nummer der Zeitschrift "Korea" gestoßen, wo der "Croße Vorsitzende, die rote Sonne" Kim Il Sung beim Fischen gezeigt wird. Aber er fischt nicht nur, er denkt auch an das Wohl seines Volkes. Es ist widerwärtig. Man schämt sich, daß auch dies ein "Kommunist" sein soll. Solange der Sozialismus das Gesicht hat, das er im "sozialistischen Lager" zeigt, kann man den Bischof Stockwood und viele andere natürlich mit Hilfe von Propagandabildern täuschen, aber frither oder später wird die Wahrheit ans Licht kommen, Selbst der Politik wenig aufgeschlossene Menschen können nicht umhin sich zu fragen, warum es die DDR und nicht die BRD ist, die die Berliner Mauer gebaut und Minenfelder entlang der Demarkationslinie zwischen beiden Teilen Deutschlands pelegt hat; warum Venschen ihr Leben riskieren, um von der DDR in die BRD zu kommen, und nicht umgekehrt. Es würde reichen, daß der Rischof Stockwood mit dem Achzigjährigen V.A. Tschelkow zusammentrifft, dessen Weisheit die Frucht seines Lebens und seiner geisti gen Erfahrung ist und der die freie christliche Kirche der Adventisten des Siebten Tages leitet, damit sich seine geistigen Trugbilder sofort au lösen. Nenn was kann Stockwood der Tatsache entgegenhalten, daß Tschelkow seit 1930 drei Mal verhaftet wurde und mindestens 23 Jahre im Celingnis verbracht hat, davon 55 Tage in einer Zelle für Todeskandidaten, in der er auf seine Hinrichtung wartete? Und dies allein wegen seiner religiösen Tätigkeit und weil er die Cedankenfreiheit und andere menschliche Freiheiten verteidigt hat.
Aber vielleicht wird Stockwood auf seinem Wer nicht Tschelkow begegnen sondem Sergei Dimitriewitsch
Doudko, der in seinem religiösen Leben acht Jahre in den sowjetischen Konzentrationslagern verbracht hat. Oder vielleicht nicht Doudko, sondern dem Raptisten Vints, der gerade zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden ist. Oder einer einfachen Katholikin aus Litauen, Niole Sadounaite, die in ihrer letzten Erklärung vor dem Gericht am 17. Juni 1975 gesagt hat: "Das ist der glücklichste Tag meines Lebens: man verurteilt mich wegen der Chronik der katholischen Kirche Litauens, die gegen die moralische und plysische Tyrannei kämpft. Das bedeutet, daß man mich filr die Wahrheit und die Menschenliebe verurteilt... Mir ist die beneidenswerte Pole zugefallen, für die Rechte der Völker zu kämpfen. und meine Verurteilung wird mein Triumph sein. Mit Freude gehe ich in die Sklaverei für die Freiheit anderer. Und ich bin bereit zu sterben, damit die andern leben. "Tedenfalls wird Stockwood zwangsläufig jemanden finden, der wegen seinem Clauben verfolgt wird. Er wird gar nicht anders können, denn in diesem Land wird die Religion illegal verfolgt. Trotz des Erlasses von Lenin iber die Trennung von Kirche und Staat und von Schule und Kirche vom 23, 1. 1918 wurde 1929 ein Cesetz über die Religion verabschiedet, in dem Staat und "Staatsreligion", : d. h, die Religionen, die völlig vom Staat abhängen wie der Atheismus fals herrschendes religiöses System), wieder miteinander verbunden werden. So ist de facto eine Diktatur des Staatsatheismus entstanden, was eine Einmischung in die Sphäre der Religion und der persönlichen Überzeugungen des Einzelnen und sehr harte Repressionsmaßnal men gegen Gläubige bedeutet hat, in erster Linie gegen diejenigen, die den Clauben verhreiten wollen und mit dem Staatsatheismus in Konflikt treten. Das steht in vollständigem Widerspruch zu der Erklärung der Menschenrechte und der Venschenrechts konvention, die die Sowjetunion unterzeichnet hat, Stockwood gegenüber spricht man nicht von diesem Gesetz, das im allgemeinen in der Öffentlichkeit nicht bekannt ist. Vor Stockwood breitet man ein idyllisches Bild aus; so kann man Stockwood seine Fehler auch verzeihen, Man kann sie aber nicht den Kommunisten verzeihen und vor allem ihren Führern nicht, di e zwar die Mängel des Systems sehen, aber schweigen und sich selbst und die andern iberzeugen wollen, daß die Wahrheit nur weh tun kann, Im Cegenteil, es ist euer Schweigen, das schadet, Solange die Verbrechen des Stalinismus nicht vollständig aufgedeckt sind, werden sie uns ersticken und auf euch einen unauslöschlichen Wakel zureklassen. In der UdSSR hat man mit der Beseitigung der stalinistischen Creueltaten begonnen, Ein bedeutendes Stück Arbeit haben in dieser Hinsicht der XX. und der XXII. Parteitag der KPdSU geleistet, Aber das Wichtigste bleibt noch zu tun. Das Wichtigste das ist gerade das, was in der erwähnten Resolution des XXIV. Kongresses der britischen KP gesagt wird. Die Sache ist die, daß sich innerhalb der KPdSI, vor allem in der Führungsschicht, sehr bald ein ernster Widerstand gegen die Linie des XX. und des XXII. Parteitags herausgebildet hat, vor allem nach dem XXII. Parteitag. Das Ergebnis war -- und es konnte gar nicht anders sein --, daß die sozialen Kräfte, die gegen die Diktatur sind, wieder erwacht sind. Ich will von der Bewegung sprechen, die man im Westen die "Dissidenten" nennt. Wir, die wir daran teilhaben, nennen sie anders: "die Colgothabewegung". Das ist die einzig korrekte Bezeichnung denn eine einzige Sache hält uns zusammen: die Tatsache, daß wir zu jedem persönlichen Opfer bereit sind, um gegen die Ungerechtigkeit zu protestie ren, in der unser Volk mit aller Cewalt gehalten wird.
Cegenwärtig liegt im Celingnis von Omsk mein Freund Mustafa Djemilev im Sterben. Dieser junge, 32-jkhripe Krimtatar ist dreimal auf Grund verleumde rischer Anklagen verurteilt worden; heute wird ein vierter Versuch unte nommen (2). Der Hungerstreik warfür ihn die einzige Möglichkeit, gegen die völlige Willkür, der er ausgeliefert ist, zu protestieren. Er ist jetzt im sechsten Monat seines Hungerstreiks. Oft verliert er das Bewußtsein, sein Herz schlägt unregelmäßig, aber er will nicht aufgeben, Stellt euch nur diese grauenvolle Situation vor! Dieser kleine, bis zum Skelett abgemagerte Mann, von unbeugsamem Willen und Ceist, dem Leid der andern gegenüber empfindsam und aufgeschlossen, der nicht nur kein Verbrechen begangen hat sondern dazu auch absolut unfähig ist, dieser Mann bleibt isoliert, ohne irgendjemanden, der ihn verteidigen könnte in diesem Land, von dem seine Führer behaupten, dort werde der Kommunismus aufgebaut. Er muß nur deswegen sterben, weil ein Haufen von wil gewordenen Bürokraten das Volk der Krimtataren aus, ihrer angestammten Heimat geworfen hat und er, Diemiler, sich weigert, diesen Willkül rakt als legal anzuerkennen. Wer hat nun recht : diejenigen, die die Ausweisung von 1000 Menschen aus der Insel Diego Suarez anprangern und von Völkermord sprechen, oder der, der das Ende eines 30 Jahre währenden Völkermords an Aber 500.000 Krimtataren fordert? Mustapla ist kein Kommunist. Im Gegenteil, mit dem Namen "Kommunist" verbindet sich bei ihm grausame und ununterbrochene Interdrückung gegen sein Volk und gegen ihn selbst. Cleichzeitig ist man am andern Ende des Landes im Cefängnis von Dniepropetrowsk, genannt psychiatrische Spezialklinik, dabei, den Geist eines anderen Freundes von mir, des Kommunisten Leonid Plinschtsch, 2u töten (3). Als hochbegabter Methematiker hätte er ein ruhiges Leben fishren können, umgeben von allem, was er braucht. Aber leider ist er der Ansicht, daß Kommunismus mehr ist als der Parteiausweis, Er hat seine Stimme zum Protest gegen die illegale Repression der "Dissidenten" erhoben, Daraufhin hat man eine Hausdurchsuchung bei ihm durchgefilhrt, bei der sich herausstellte, daß er seine Freizeit damit verbrachte, marxistische Philosophie zu studieren. Dies und vor allem seine scharfe Kritik an der Fälschung der marxistischen Staatstheorie war der Grund Mr seine Verhaftung undseine darauffolgende Internierung in eine psychiatrische Spezialklinik, Das ist das Los all der Kommunisten, die es wagen, die Fehler und das Flend der Theorie der Parteioberen zu kritisieren.
Ein anderer Freund, Sergei Pissarev, Mitglied der KPdSI seit 1920, hat in der Stalinzeit 43 mit Foltern verbundene Verhöre über sich ergehen lassen müssen, die ihn zu einem lebenslänglichen Krüppel gemacht haben (die Bänder des Rückgrats sind geris-
sen). Schließlich ist er in eine psychiatrische Spezialklinik eingeliefert worden. Sein einziges" lerbrechen": er hat flr die Freilassung von Menschen gekämpft, von deren Inschuld er wußte, und tut das immer noch.
Ich werde noch von einem Fall berichten, der mir sehr naheliegt. vom Kommunisten Henrich Altunian. Nur weil er mich verteidigt und sich mit meinen Frklärungen solidarisiert hat, ist er nacheinander aus der Partei und aus der Armee ausreschlossen und verhaftet worden, Drei Jahre verbrachte er im Cefängnis und dann entzog man ihm die Erlaubnis, auf Piotr Grigorenko Mustafa Diemilev seinem Fachgebiet 2n arbeiten (er ist Radioingenieur). Es waren die Kommunisten, die ihn auf die erbarmungsloseste Weise behandelt haben. Die Freunde Altunians, die Kommunisten Wladislaw Ne. dobora, Wladimir Ponomarev und Arkadi Levine. sind aus der Partei ausgeschlossen und zu drei fahren Lager verurteilt worden, weil sie sich mit Altunian solidarisiert haben. Bei ihrer Freilassung aus dem Lager hat man ihnen wie Altunian verboten. auf ihrem Fachgebiet zu arbeiten. A. Levine ist heute Bürger von Israel und wenn ihr wollt, wird er euch detaillerter von dieser Ungerechtigkeit berichten können.
Mikola Rudenko (4), ein großartiger ukrainischer Autor phantastischer Ceschichten, Invalide aus dem Großen Vaterländischen Krieg und Kommunist, hatte sich in die Philosophie gestilrzt, um die phantastische Literatur als Gattung besser in den Griff zu bekommen, Die Schlußfolgerungen, zu denen er dabei gekommen ist, haben ihn veranlaßt, sich an des ZK der KPdSU zu wenden, Mehrere Jahre hindurch richtete er Vorschläge an das ZK und forderte. daß sie geprilft würden. Die Wahrheiten, die er da legie, waren so offenkundig und wichtig, daß man sie logischerweise sofort hätte studieren und sich im ihre praktische Umsetzung kümmern müssen. Aber an die Stelle der Logik trat die Unterdrückung. Mikola Rudenko wurde aus der Partei ausgeschlossen und aus dem Schriftstellerverband hinausgeworfen; man entzog ihm das Publikationsrecht und damit das Recht auf freie Meinungsäußerung und darauf, seinen Lebensunterhalt unter Einsatz seiner persöntichen Fähigkeiten zu verdienen. leute ist dieser betagte Mann und Kriegsinvalide gezwungen, als Wachter zu arbeiten; er lebt ein einem kleinen Zimmer. aus dem man ihn jederzeit vertreiben kann, da es sich um eine Dienstwohnung handelt, Außerdem kann er jeden Moment verhaftet werden, da er sich geweigert hat, seinen Ideen abzuschwören, Meine Frau, Zinaida Crigorenko, ebenfalls Kommunistin, ist aus der Partei auspeschlossen und um alle Unterhaltsmittel gebracht worden, weil sie sich geweigert hat, mich als Wahnsinnigen anzuerkennen und meine Meinungen zu verurteilen, Im Cegenteil, sie hat für meine Freilassung aus der psychiatrischen Sonderklinik gekämpft, d,h, in Wirklichkeit fir mein Leben, Fünf Jahre hindurch hat sie einen mutigen Kampf reffhrt, wobei ihr ständig die Verhaftung drohte.
Von unserm Sohn, AndrejPetrowitsch Grigorenko hat man verlangt, wenn er im Komsomol und im Institut bleiben wolle, solle er auf einer Versammlung des Komsomol unsere Ideen und Taten verurteilen. Statt dessen hat er das Wort ergriffen, um sie zu verteidigen und zu erklären, Daraufhin wurde er aus dem Komsomol und dem Institut ausgeschlossen, Auf der Versammlung selbst wurde er nicht ausgeschlossen, weil die Teilnehmer ihre Sympathie mit ihm kundgetan hatten. Aber diese "Irrtümer der Massen" werden leicht korrigiert... danım kümmert sich schon der bürokratische Apparat, Das Komitee des Komsomol und die Leitung des Instituts haben sich äußerst folgsam gezeigt bei der Durchführung der Direktiven des KCB, die sie bis ins Detail befolgt haben.
Diese Sitzungen der Erläuterung und der öffentlichen Kritik im Verlauf von Versammlungen wie die, der sich unser Sohn Andrej unterziehen mußte, stellen einesder wichtigsten Mittel der Terrorisiening der "Dissidenten" dar. Und nicht jeder ist in der lage, diese Anklagesitzungen durchzustehen, ohne den Kopf zu senken. Solche Sitzungen werden sorgfillig vorbereitet; die Rollen werden vorher verteilt, um den Angeklagten einem so starken moralischen Druck auszusetzen, daß er seinen Ideen abschwört, am Vergebung bittet und beteuert, er werde nie melır in seine Fehler zurückfallen, Keine Methode ist zu schlecht, um das "verlorene Schaf" zu erschrecken und seinen Willen zu brechen, Hier ein Reispiel. Die Frau des ukrainischen Kommunisten Wladislaw Nedobora, Sofia Sinowjewna Karasik, die Fildin ist, wurde einer solehen Sitzung unterzogen, weil sie eine Erklärung zur Verteidigung von P.C. Crigorenko unterzeichnet hat, Auf dieser Sitzung wurden Beden im Stil der "schwarzen Hundert" und der Pogrimisten gehalten, die antisemitischen Charakter hatten, Niemand außer Sofia Karasik antwortet ihnen. Ien kann diese erbärmliche Weise, Auf die menschliche Persönlichkeit Druck auszuüben, nicht länger im einzelnen darlegen, Wenn ihr mehr davon wissen wollt, könnt ihr euch bet dem alten sowjetischen Kommunisten A. Levine informieren, der heute Staatsbürger in Israel ist und von dem ich weiter oben erzählt habe, aber auch bei meinem Solı Andrej, der heute in München lebt (5), Ja, unser Solm ist in die BRD ausgewandert, und das auf meine Initiative hin. Ihr könnt euch vorstellen, wie grauenvoll die Situation hier sein muß, wenn ein Vater seinen Sohn in die Emigration schickt, Er ist nicht nur mein Sohn, sondern auch mein nächster Freund, Und diese Trennung währt nicht einen Tag, nicht einen Monat, sondern ein leben, wenn die Zu-
stände in unserm Land sich nicht ändern. Meinen Sohn, der mir auch ein Freund ist, könnt ihr alles fragen: er wird euch keine Unwahrheit sagen, Doch was die "öffentlichen Anklagesitzungen" anbelangt, braucht ihr nicht einmal jemanden zu fragen. Ihrhabtmit eigenen Augen verfolgen können, was mit Solschenizyn und Sacharow geschehen ist, Ihr habt es nicht nur gesehen, eure Presse war auch daran beteiligt. Jedenfalls haben die sowjetisclen Zeitungen eine Aufstęllung der Beleidigungen veröffentlicht die die westliche kommunistische Presse regen sie ausgesprochen hat, Cestern z. B. lam 25. November 1975) hat die "Prawda" unter dem Titel "Antwort auf einen Renegaten" den Inhalt eines Artikels der "Humanité" (Zentralorgan der KPF - Anm, d. Phers) wiedergegeben, der voll war von ungerechten Angriffen auf Sacharow, Ich lasse voll und ganz zelten, daß man mit den Ideen Sacharows nicht einverstanden sein kann, aber nicht, daß man sich auf die Seite seiner Verfolger stellt, wenn man genau weiß. daß er in seiner Heimat unablässig verfolgt wird. daß er nicht den Mund auftun kann und daß er ständig unter Androhung repressiver Maßnalımen lebt. Und das gilt nicht nur fly Sacharow. Kann man wirklich das Verhalten eines Menschen billigen, der mit ansieht, wie ein Mensch mit gebundenen Händen und einem Knebel im Mund reschlagen wird und dabei in das Geschrei der Menge einstimmt, die denen Beifall klatscht, die ihn schlagen? Die Haltuns eurer Presse gegenüber Solschenizyn und Sacharow gleicht dem Heulen der Wölfe. Natürlich hat eure Presse durchaus das Recht, mit einigen seiner Ansichten nicht einverstanden zu sein und in allen Fragen ihren eigenen Standpunkt zu vertreten, aber im vorliegenden Fall müßt ihr erklären: "Wir sind mit Sacharow (oder Solschenizyn) nicht einverstanden, aber wir werden nichts gegen sie sagen, bis ihre Werke nicht in ihrer eigenen Heimat veröffentlicht sind, " Leider Mhrt sich eure Presse so aur, daß die sowjetischen Zeitungen die Möglichkeit halen, Sacharow im Namen eurer Presse zu verfolgen, ohne auf interne Grundlagen zurickgreifen zu milssen.
Mein eigener "Colpothaweg" hat auf der Parteikonferenz des Lenin-Rayons in Moskau am T, September 1961 angefangen, Weil ich das frehterliche" Verbrechen" begangen hatte, gegen den Willen des Parteiapparats gesprochen zu haben und zudem so "entsetzliche" Dinge vorgeschlagen zu haben wie die Aufhebung der hohen Einkommen fir Partei- und Staatsfunktionäre und ihre weitestgehende Abberufbarkeit. Diese "Verbrechen" haben mi die schwerste Strafe innerhalb der Partei eingebracht; man hat mir auch meinen Lehrstuhl an der Militärakademie genommen und mich in den Fernen Osten geschickt. Ich habe diese Repressionsmaßnahmen als illegal angeprangert. Dann habe ich Kontakt mit den "Dissidenten" aufgenommen und gegen alle Repressionsmaßnahmen protestiert, die mir bekannt wurden. Das hat mir 15 Jahre lang folgende Unterdrückungsmaßnahmen eingebracht: nach zwei Jahren Exil im Fernen Osten wurde ich verhaftet, für verrickt erklärt und in eine psychiatrische Spezialklinik gebracht. Cleichzeitig wurde ich von meinem Rang als Ceneral zurückversetzt in den eines einfachen Soldaten, dann aus der Armee hinausgeworfen, ohne daß ich seit dem Tag meiner Verhaftung ein Gehalt, eine Entschädigung oder eine Pension bekommen hätte (erst 20 Monate nach meiner Verhaftung bekam ich eine Pension von 120 Rubel statt der gesetzlich vorgesehenen 300 Rubel). Dann wurde ich ein zweites Mal verhaftet, wieder in eine psychiatrische Spezialklinik gesteckt und meine Pension wurde jetzt völlig gestrichen.
Die letzte Maßnahme sollte vor allem meine Frau treffen. Man strafte sie dadurch, daß man zwei Invaliden ohne jegliche Unterhaltsmittel ließ - meine Frau und einen Solin, der von Geburt an Invalide ist. Meine Frau wurde dafür bestraft, daß sie ihren Mann verteidigt hatte. So habe ich in den letzten 15 Tahren zwei Jahre im Exil verbracht und sechseinhalb in den Kerkern des KCB und den fürchterlichsten Gefänmissen, die hier psychiatrische Spezialkliniken genannt werden. Zudem habe ich etwa 7 Jahre lang keine Pension und keine andere Zuwendung bekommen, Was das skandalöseste ist, ist daß solche Strafen wie die Rückversetzung in einen niedereren Rang. die Ausweisung aus der Armee ohne Zahlung von (ehalt, Abgangsentschädigung, die Verweigerung der Rente und ihre Herabsetzung von 300 auf 120 Rubel von Cesetzes wegen illegal sind, wenn sie leute betreffen, die ein Cericht für vernickt erklärt hat, Zudem war es mir nicht möglich, einen Rechtsbeistand flr meine Verteidigung zu finden. Auf keine der Beschwerden meiner Frau oder auch von mir haben wir irgendeine Antwort bekommen: weder vom Gericht, noch vom Staatsanwalt, von der Regierung, der Parteiflhrung, oder dem Präsidium des Obersten Sowjet der dSSR. Der bürokratische Apparat hat durch sein jahrelanges vollständiges Schweigen gezeigt, daß er einem Individuum gegenüber allmächtig ist, daß er mit diesem Individuum machen kann, was er will. Er kann es zu Staub machen und kein fiesetz wird es beschützen. Das Ziel der Bewegung der "Non-Konformisten" ist niemals klar formuliert worden, aber in der Praxis tritt es klar zutage. Es besteht darin zu zeigen, daß die Repression, die auf uns niederprasselt, sich nicht auf geschriebene Cesetze, sondern auf Willkdr stützt, All jene, die dieser Bewegung beitreten, legen diese Willkür bloß; sie gefährden nur ihre eigene Person und treffen ihre Entscheidungen je nach ihrer Auffassung und ihren Möglichkeiten. Wladimir Bukowski hat 10 psychiatrische I'ntersucimngen Mberlebt. Es wurde dadurch offenkundig, daß man gesunde Menschen auf psychiatrischer Ebene in "Verrückte" verwandelt hat, und diese Internierungen wurden zu einem öffentlichen Faktum. Daffr hat er 12 Jahre Freiheitsentzug bekommen, zu denen noch die fi vorhergehenden Jahre kommen, die er wegen Ahnlicher "Verbrechen abbißte. So hat ein junger Mann von 20 Jahren, der sein Werk der Denunziation der Willkür begonnen hat, einen Weg betreten, der durch Lager und Cerängnisse flhrt. Seine Strafe von12 Jahren Cefängnis lief aus, als er 50 Jahre alt wurde. Ein ganzes Leben im Dienst der Menschen, Ist das nicht ein Akt des Heroismus? Ich bin stolz darauf, daß ein solcher Mann mir die Ehre seiner Freundschaft erweist.
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Semion Gluzman, Mediziner und Psychiater, den ich nie gesehen habe camizdat" aber die Verfol- aber der auf der Crundlage dessen, was ich im gungen und die Verurteilungen geschrieben habe, die ich erlitten habe, ein "Psychiatrisches Cutachten in Abwesenheit von P. C. Grigorenko" geschrieben und veröffentlicht hat, Das hat ihn 7 Jahre Lager und Cefängnis gekostet.
Valentin Moroz, der eine erste Strafe abgesessen hatte, weil er die Aktionen der Russifizierung der Behörden in der Ukraine denunziert und dann den "Bericht der Beria-Reserve" geschrieben hat, in dem er die Unmenschlichkeit der sowjetischen Lager und Gefängnisse in unserer Zeit aufzeigte. Daftır bekam er erneut eine sehr hohe Strafe. Valentin Moroz Leonid Pliuschtsch
Eduard Kusnetsow, der versucht hat, ein Flugzeug zu entführen, obwohl er wußte, daß dieser Versuch aussichtslos war. In der Tat sind all seine Freunde und er selbst von den Agenten des KCB gefangengenommen worden. Er wurde zu Tode verurteilt. Aber sein Fall hat, wie er gehofft hatte, die ganze Welt bewegt und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die jüdische Cemeinschaft in der UdSSR gezogen: damit hat er vor der ganzen Welt die Doppelzüngigkeit der Behörden bloßgelegt, die einerseits die Ausreise nicht erlauben aber andererseits behaupten, es gebe keine ausreisewilligen sowjetischen Juden, Die Protestwelle in der ganzen Welt hat Eduard das Leben gerettet, aber leider haben wir sowjetischen Kommunisten, die den "Colgothaweg" eingeschlagen haben, nicht die Stimme der internationalen kommunistischen Öffentlichkeit gehört. Wir hören ihre Stimme therhaupt nicht und fragen uns erschüttert: Warum muß man sich rithren, wenn Kommunisten in den Ceffnenissen Chiles leiden, und schweigen, wenn Kommunisten und Nicht-Kommunisten völlig unschuldig in den unmenschlichen Lager und Cefängnissen der Sowietunion in viel größerer Anzahl noch dahinvegetieren? Erst jetzt -- endlich -- hat die "Humanite" die Verteidigung von Leonid Pliuschtsch ergriffen; die Vertreter der kommunistischen Parteien Frankreichs und Italiens haben diese Haltung mit Unterstützung der spanischen KP eingenommen, Der Parteitag der britischen KP hat eineResolution aber die KPdSI angenommen, die Epoche machen wird. Aber wie können wir Sowjets diese Tatsachen in Erfahrung bringen? In der sowjetischen Presse wird keine Zeile darüber stehen, Fure Zeitungen werden nicht - 21 verkauft, wenn sie diese Dokumente veröffentlichen, Deshalb ist sind unsere einzigen Informationsquellen die BBC, die "Stimme Amerikas" und "Radio Liberty" und andere Radiosender dieser Art. Aber sie werden gestört. Aber doch, liebe Genossen, sie werden gestört, Hierzu mag man eine Überlegung anstellen : ich schätze, daß es bei euch Wirtschaftsfachleute gibt, die die Kosten einer solchen Maßnahme berechnen können. Ich glaube, es wird eine gro- Be Summe dabei herauskommen. Das ganze Land ist mit Störanlagen (berzogen, Aber wenn ihr im Haushalt suchen gelit, wo die Mittel hierfür aufgefilhrt sind, findet ihr nichts. Das ist ein Beispiel dafür. wie das Volk von der sowjetischen Regiening informiert wird und wie die Mittel, die fir es bestimmt sind, vor ihm verborgen werden.
Warum schweigt ihr? Warum akzeptiert ihr, daß die Information ilber eure Taten verzerrt wird? Nehmen wir z. B. den XXIV. Parteitag der britischen KP. Die Informationen über diesen Kongreß sprechen nicht einmal von der Existenz dieser Resolution, die an die KPdSU gerichtet ist. Statt dessen geben sie folgendes Zitat wieder: der Parteitag stellt fest, daß "die Sowjetunion und die andern sozialistischen Parteien ihren Wer unerschütterlich weitergehen, keine unkontrollierte Inflation und keine Massenarbeitslosickeit kennen". Wir werden hier nicht auf diese Einschätzung der Lage in der Sowjetunion eingehen, Das ist gesondertes Thema. Aber es ist absolut offenkundig, daß indem die Resolution, die sich direkt auf die KPdSU bezieht, unterschlagen wird, die Information über den Kongreß nicht objektiv ist, und damit habe ich mich gemäßigt ausge drilekt. Aber ihr schweigt, Ihr erlaubt, daß die Information über eure eigenen Taten nicht objektiv sei. Indem ihr euch so verhaltet, gebt ihr zu verstelen, daß einige eurer Erklärungen nur fr den "internen Cebrauch" bestimmt sind und euch als eine taktische Maßnahme in eurem Kampf um die Macht von Nutzen sind.
Eine ehrliche Politik der kommunistischen Parteien kann sich nicht über die Interessen der gesamten kommunistischen Bewegung hinwegsetzen. Und diese Interessen erfordern eine kritische Analyse der Erfahrungen der UdSSR. Es reicht nicht zu sagen, wie Ceorges Marchais das tut, daß die KPF zu einer "sozialistischen Gesellschaft neigt, die die fortgeschrittenste Demokratie in der ('eschichte des landes sein wird". Wir werden vollgestopft mit solchen Erklärungen, Die KPdSU spricht noch häufiger da von als die KPF. Wir sowjetischenKommunisten haben ebenso wie die Kommunisten in Frankreich, Italien, Großbritannien und Spanien das Recht, eine wichtige Frage zu stellen: werdet ihr die "fortge. schrittene Demokratie" in der Sowjetunion (bernehmen oder nicht? Wenn ihr sie nicht ganz übernehmt, was übernelmt ihr dann davon?
Das Cespenst der "Einmischung in die innerenAngelegenheiten" scheint euch -- man weiß nicht warum.. immer noch zu schrecken, Aber zunächst einmal kann das, was in der Sowjetunion geschielt, nicht als eine innere Angelegenheit betrachtet werden. Lenin hat es schon zu Beginn der Errichtung der Sowjetrepublik gesagt. Er pflegte zu sagen, daß man den Sozialismus nun n.-ht mehr nach den wissenschaftlichen Tra ktaten beurieilen kann und also 3 -
nicht nach den Erklärungen der Führer der kommuni stischen Parteien im Westen, sondern nach der lebendigen Praxis des sowjetischen Staates, Deshalb hat er unser Land das Kind des Weltproletariats genannt. Aber kein einziger wahrer Schöpfer kann der Entwicklung seiner Kreatur und ihrem Weg gegenüber gleichgültig bleiben, Deshalb kann man nicht passiv bleiben und muß, wenn nötig. kritisch Stellung nehmen zu den Fragen oder Crundsätzen, die allen gemeinsam sind, die den Weg des Sozialismus beschreiten wollen.
Außerdem wäre es gut. wenn man das Problem der Einmischung in die Angelegenheiten der UdSSR penauso angehen würde wie das der Einmischung in die Angelegenheiten aller anderen Länder. Ther Francos Tod hat Luigi Longo in der 7eitung "I.' Unità" geschrieben "Nun stellt sich dem spanischen Volk vorden Augen aller demokratischen Kräfte Furopas und der ganzen Welt das Problem der Linuidierung des blutigen Erbes der Diktatur. Der Frannuismus muß Franco in den Tod folgen. " Und weiter "Der Abgang des Diktators .., kann als solcher die Probleme Spaniens nicht lösen... für die Wiedergeburt der Pemokratie ist ein Kampf aller sozialen und politischen Krate notwendig und das Engagement der breiten Volksmassen dafür ec. aller Kräfte, die unter der Repression des faschistischen Regimes gelitten haben, weil sie in Spanien Freiheit und Fortschritt wollten. Ein breiter und gemeinsamer Kampf für einen grundsätzlichen Wandel in Spanien ist unerladlich, vor allem weil die reaktionsren Kräfte. die noch dber die Macht und die Cewalt verfügen, das Wesen des alten Regimes retten möchten, indem sie ihm die Maske einer gewissen Liberalisierung aufsetzen. Der Kampf zwischen dem Alten und dem Neuen... hat schon begonnen ... die Völker Europas dürfen dabei nicht zuschauen wie unbeteilirte lau- Benstehende) Zuschauer. sondern wie aktive Teilnehmer, die sich auf die Seite aller fortschrittlichen Kräfte Spaniens stellen. • Schließlich noch. "nie direkte Verpflichtung und die Aufenhe aller Völker und Regierungen ist es. ihren direkten Beitrag und ihre vollständige Unterstützung für die Ceburt des neuen Spanien zu leisten, für seine Freuening. den Fortschritt" (zit, nach der "Prawda" von 25. 11.75, "lervorgehoben von mir).
Offensichtlich betrachtet der Cenosse Longo dieses Programm nicht als eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Spaniens, Nun gut, wenn wir in gime" und "UdSSR" ersetzten, wäre das Irrteil von Longo dann falsch? Kann "der Abgang des Diktators ... als solcher "alle Probleme der lidSSR 1ösem› War Stalin vielleicht kein Diktator Hat er vielleicht gar nicht gelebt? Heißt das, daß ein "breiter und gemeinsamer Kampf für einen grundsätzlichen Wandel" in der UdSSR gar nicht nötig ist? Hat der Stalinismus vielleicht nicht "reaktionäre Kräfte, die - 2 aber die Macht und die Cewalt verfilgen", hervorgebracht, die statt Stalin "in den Tod" zu folgen, "das Wesen des alten Regimes retten möchten, indem sie ihm die Maske einer gewissen Liberalisierung aufsetzen" ? Können die Völker Europas, die kommunistischen Parteien inbegriffen, dem Kampf zwischen dem Alten und dem Neuen in der UdSSR nicht wie "aktive Teilnehmer, die sich auf die Seite aller fortschrittlichen Kräfte" in der UdSSR stellen zu. schauen, sondern wie "unbeteiligte Zuschauer? Ware es, übertragen auf die UdSSR, Stalin und den Stalinismus nicht "die direkte Verpflichtung und Aufgabe aller Völker und Begierungen", "ihren direkten Beitrag und ihre vollständige Unterstdtzung... für die Erneuerung und den Fortschritt" der UdSSP zu leisten Clauben die westlichen Kommunisten dies wirklich? Und wenn nicht, warum schweigen sie" Selbst die Taten der KPdS!', die die gesamte kommunistische Bewegung bis an die Grenze des Unerträglichen kompromittieren (die grobe Verletzung der Menschenrechte und die illegale, grausame Repression innerhalb der UdSSR, die Intervention in die Bruderländer werden nicht kritisiert und beurteilt, wie es notwen- Dementsprechend bekommt die Rewegung für "die Erneuerung und den Fortschritt" in der lidSSR nur die Unterstützung der demokratischen (nicht-kommunistischen) Kreise in den zivilisierten Indern. Das ist ein Außerst gefährliches Phänomen für die kommunistische Bewegung. Wenn sie diese Taktik einschlägt, kann sie sich sehr leicht außerhalb des wahren Fortschritts stellen. Wenn sie aus dieser anormalen Situation herausfinden wollen, milssen die Kommunisten aller Länder die Resolution des letzten Kongresses der britischen KP aufs entschiedenste unterstützen und eine Amnestie für die politischen Cefangenen in der HASSR fordern. Sie müssen sich entschlossen flr die Verteidigung der Menschenrechte einsetzen, gegen die illegale, grausame Repression, nicht nur in chile, sondern auch in den sozialistischen L.ändern, allen voran die Sowjetunion, Heute keant jedermann die Namen der beiden großen Männer unserer Zeit: Andrei Sacharow und Alexander Solschenizyn. Zweifellos wären solche Persönlichkeiten in jedem demokratischen Land nationale Größen gewesen, Aber in der Sowjetunion hat A. Solschenizyn lange Zeit hindurch eine harte und illegale Repression erleiden müssen und ist nach der Hetzkampagne in der Presse, die der "schwarzen Hundert"(6) wilrdig war, aus dem Land vertrieben worden. A. Sacharow wird bis heute gequält, es wird ihm und seiner Familie physische Cewalt angedroht, zu der zahlreiche Formen der Diskriminierung hinzukommen. Die ganze Welt portestiert empört gegen soviel Barbarei, Wanım schweigen die Kommunisten? Wollen sie nicht gegen die Ihrigen auftreten? Bisher kennt man eine solche Haltung nur aus der Interwelt. Sollten diese Sitten nun auch in die Welt der Politik eingedrungen sein? Die Haltung der sowjetischen Behörden gegenüber Solschenizyn und Sacharow ist kein Sonderfall. Es handelt sich um eine allgemeine Linie, deren Ziel die Erstickung allen Denkens ist. Deshalb darf ein Kommunist, weniger als jeder andere, dazu nicht schweigen. 9 -
Ich habe schon von dem begabten ukrainischen Schriftsteller und Philosophen, dem Kriegsinvaliden und Kommunisten Rudenko gesprochen, der sich der Repression ausgesetzt hat, nur weil er nicht in den Schemata denkt, die ihm von oben vorgeschrieben werden, sondern seine eigene Urteilskraft einsetzt. Ich werde noch die Namen einiger anderer nennen, die aus dem gleichen Grund unterdrilekt werden. Der Biologe Sergej Kowalew und der Mathematiker Andrei Twerdochlebow sind verhaftet worden und sollen verurteilt werden.
Der erste wird der Teilnahme an der Herauscabe der "Chronik der laufenden Freignisse" und der "Chronik der katholischen Kirche" angeklagt. Ich weiß nicht, wer wirklich der Herausgeher dieser beiden Veröffentlichungen ist. Aber ich kenne sie beide gut. Ich meine, daß sie eine geniale Erfindung der non-konformistischen Rewegung sind. Ohne diese Publikationen könnten die Menschen den leidvollen "Golgothaweg" der Besten unseres Volkes nicht mitverfolgen. Menschen aus diesemcrund zu vesetzen. Die "Chroniken" selben nach erschiesehe Fakten wieder, ohne politischen Kommentar. Darin liegt ihre Stärke. Die gehäufte und kommentarlose Beschreibung von Willkit rakten ist eine erschätternde Lektüre. Wer nicht die "Chroniken" liest, kann nicht behaupten, die UdSSR gründlich zu kennen. Es ist unverzeihlich, daß die KPn aus den kapitalistischen Ländern nicht die Fakten kennen, die dort veröffentlicht werden. Ich werde den Ilerausgeber Valery Tschalidze in New York bitten, daß er euch eine vollständige Sammlung der "Chroniken" 211schickt. Aber ihr hättet sellst alle Publikationen unseres "Samizdat" abonnieren können; sie werden nun in New York von Valery Tschalidze neu aufgelegt. der vor noch nicht langer Zeit in Moskau lebte und arbeitete und von all den Cefahren bedroht war. die uns heute drohen. Wenn ihr die UdSSR anders als dber Werbeplakate kennenlernen wollt, dann mißt ihr dieses Abonnement erwerben, Ich weiß nicht, wie die offizielle Anklage gegen Andrej Twerdochlebow lautet, aber faktisch wird er verfolgt, weil er die sowjetische Cruppe von "Amne. sty International" regründet und an ihren Aktivitäten teilgenommen hat, Beide werden sicher verurteilt werden, Fin sowjetisches Cericht kann nicht leuten recht geben, die einen freien, schöpferischen Ceist zeigen. Wenn sie ihre Strafe abgebtßt haben, werden sie ihre wissenschaftliche Tätigkeit niederlegen missen, Wenn il mit diesen Maßnahmen, fir die die sowjetischen Behörden verantwortlich sind, nicht einverstanden seid, dann protestiert dageren! Wenn ihr mir nicht glaubt, dann setzt durch, daß vertrauliche Beobachter dem Prozeß beiwohnen und ihr werdet euch von der Wahrhaftigkeit oder der Falschheit meiner Informationen (Iberzeugen können.
Alle, die ich in diesem Brief genannt habe, sind Menschen großen Talents. Nicht alle haben die Mörlichkeit gehabt, höhere Studien zu absolvieren. Mustafa Diemilev und Wladimir Bukowski hat sich das Cefängnis in den Weg gelegt. Diemilev ist ein Mann des öffentlichen Lebens und ein berabter Schriftsteller geworden: Bukowski hat die Kurse der biologischen Fakultät im Cefängnis abgeschlossen und arbeitet auf diesem Gebiet, Um diese hervorragende Leistung zu verstehen, muß man selber Gefangener in der Sowjetunion gewesen sein.
Kronid Liubarski, ein begabter Astronom, setzt seine Forschungen im Cefängnis fort, Übrigens will man ihm seine akademischen Grade wegnehmen, Als einer seiner ehemaligen Mitarbeiter zu bemerken gab, daß Liubarski ein Wissenschaftler sei, der fruchtbare Arbeit geleistet habe, erklärte der Vertreter des Pansowietischen Komitees fir Astronomie "VAK" : "Ob er Wissenschaftler ist, spielt iberhaupt keine Rolle. Wir müssen ihn nach seinem Verhalten in der Gesellschaft beurteiten, lind dies Urteil hat das Gericht gesprochen, Liubarski hat weder vor dem Urteil noch im Gefängnis bereut, und das istfir uns das Wichtigste.
Der Literaturhistoriker Cabriel Superfin, der ukrainische Schriftsteller Tschernowil und viele andere leben unter den harten Bedingungen des Lagers. Einer der begabtesten Schriftsteller und unermüdlicher Kämpfer gegen die Willkilr, Anatoly Martschenko, ist in Sibirien im Exil. Ich wäre gerne fortgefahren in dieser zugleich traurigen und heroischen Auf. listung, hätte gern endlos weiter gesprochen iber diese jungen Talente, die erstickt werden von einer unerbittlichen bürokratischen Maschinerie, die die kühnste, stoiscliste und schöpferischste Jugend unseres Landes erstickt. Aber meine Kenntnisse sind begrenzt und der l/mfang dieses Briefes erlaubt mir nicht, in dieser Auflistung fortzufahren, Deshalb werde ich viele von ihnen, wenn auch widerstrebend, nicht nennen können, seien sie mir nun bekannt oder nicht.
In besonders großer Schuld stehe ich gegeniber de. nen, die man die "Nationalisten" der Länder nennt, die eine eigene staatliche Tradition haben : Lettland, Estland undlitauen; aber auch gependber den Ver. tretern der jüdischen Bewegmg fir die Emigration in ihre nationale Heimal. Nachdem die UNO-Ceneralversammlung unter der aktiven Beteiligung der sowjetischen Delegation eine beschämende anti semitische Resolution verabschiedel hat, müssen die Kommunisten diese Rewegung mit größter Entschlos senheit und ganz kompromißlos unterstützen. Ich komme zum Ende, In dem Artikel, den ich oben zitiert habe, schreibt Tuigi Longo völlig zu Recht, daß man sich nach dem Tod des Diktators nicht damit. zufrieden geben darf, "das Wesen des alten Regimes zu retten, indem man ihm die Maske einer gewissen Liberalisierung aufsetzt", Leider ist das Wesen des stalinistischen Regimes auf vielen Cebieten erhalten geblieben.
Gegenwärtig haben die Verhaftungen nicht mehr den Massencha rakter wie unter Stalin. Aber der Kern ist derselbe: die völlige Intoleranz gegendber dem freien Gedanken. Das ist heute nicht so offenkundig wie in der Vergangenheit, als dieser Cedanke offen erwürgt wurde. Heute benutzt man dazu die Artikel des Strafgesetzbuchs. Die Diktatur einer Person ist beseitigt und ersetzt worden durch eine kollektive Filhnung. Aber die Staatsoligarchie ist ebenso wie frither der Diktator von Volk und Partei nicht kontrollierbar. Die Repressionsorgane sind noch mächtiger geworden, aber gegenwärtig bekommen 0 -
sie nicht all die Aufgaben aufgebürdet, die sie unter Stalin zu erfüllen hatten (7). Das Ändert nichts daran, daß das ganze Repressionsarsenal beibehalten wurde. Diese Organe üben sich an den "Non-Konformisten" Eine Vorladung vor diese Organe "zur Erziehung" ist eine Warnung; ihr folgt eine systematische Kritik auf den Versammlungen, der Ausschluß aus der Partei, dem Komsomol und der Gewerkschaft, die Entlassung vom Arbeitsplatz, der Entzug des Rechts auf freie Berufsausübung oder freies Wolinen in einem bestimmten Ort oder einer bestimmten Region (so sind die Letten z. B. gezwungen, ihre Republik zu verlassen); schließlich die Verhaftung und die Verurteilung zu einer Strafe in einem gewöhnlichen Lager, dann in einem schweren, dann in einem besonders schweren Lager, dann zum Gefängnis und schließlich zur psychiatrischen Spezialklinik (die ebenfalls ein Gefängnis ist, aber ein viel schlimmeres noch). Nach seiner Freilassung muß das Opfer auf eine ganze Reihe von Akten der Diskriminierung seitens der Behörden gefaßt sein: polizeiliche Überwachung, Aufenthaltsverbot in einigen Cebieten, Verbot, auf dem eigenen Fachgebiet zu arbeiten. Das sind die Methoden, mit denen eine un- Anmerkungen:
(1) Dies Schreiben an die Konferenz von Budapest ist auf französisch in der Zeitschrift "Quatriéme Internationale" Nr. 9, September-Oktober 1973 veröffentlicht worden. Anm, d. Obers.
(2) Am 15, Juli 1976 wurde Mustafa Djemilev zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Andrej Crigorenko (A. G. )
(3) Anfang 1976 wurde Leonid Pliuschtsch aus der UdSSR ausgewiesen und lebt zur Zeit in Frankreich A, C.
(4) M. Rudenko, der Verantwortliche der ukrainischen Gruppe für die Überwachung des Abkommens von Helsinki, ist verhaftet worden, Am selben Tag ist auch O. Tichi, ebenfalls Mitglied der ukrainischer Gruppe, verhaftet worden, Der Verantwortliche der Moskauer Gruppe, Juri Orlov, korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften Arme niens, und A. Ginsburg sind ebenfalls verhaftet worden. A. G.
(5) A. Crigorenko ist seitdem in die Vereinigten Staaten ausgewandert, A.C.
(6) Eine reaktionäre zaristische Organisation, in der sich Männer der Polizei und der Armee trafen; sie organisierte unter anderem zahlreiche Pogrome in der Zeit vor der Revolution.
(7) Immerhin findet man Arbeit fr sie. Wenn einige junge Leute sich zu Füßen der Statue Majakowskis versammeln, um Gedichte zu lesen oder zu hören, werden sie sofort von hundert Agenten des KCB in Zivil umzingelt, die diese "Zusammenrottung" durch Provokationen auflösen, Sieben Personen kommen auf den Roten Platz, setzen sich in eine stille Ecke, dort wo es nicht den mindesten Verkehr gibt, und rufen Protestparolen gegen den Einmarsch der sowjetischen Truppen in die Tschechoslowakei. Sofort stürzen sich Dutzende von "Ordnungshütern", ebenfalls in Zivil, auf sie. Nachdem sie die Demonstranten geschlagen haben, zerren sie sie ins C'efingnis. (Das reicht nicht. Danach legen sie vor dem Cericht falsches Zeugnis ab und behaupten, die Demonstrankontrollierte Macht die Gedanken erstickt und zu jedem Zeitpunkt Massenterror vertben kann, das Tand in den Krieg stürzen kann.
Ist euch ein solcher Kommunismus recht? Wenn nicht, dann laßt es die Öffentlichkeit wissen, Ihr braucht euch nicht in unsere inneren Angelegenheiten zu mischen, aber sagt, daß ihr nicht einen Kommunismus wollt, der auf der Angst aufgebaut ist. Fordert als unbedingt e Voraussetzung der Einheit die Einstellung aller Verfolgungen wegen Meinungsdelikten, die Errichtung der vollen Freiheit des Empfangs und der Verbreitung von Informationen in einem Land, das eine klassenlose Gesellschaft aufgebaut hat, die freie Auseinandersetzung mit allen Standpunkten und Ereignissen im Land selbst und außerhalb, die Handlungen des Staats- und Parteiapparats inbegriffen.
Die erste dieser unabdingbaren Voraussetzungen fr die Einheit muß die vollständige Amnestie filr alle politischen Gefangenen in der UdSSR und das Verbot der Anwendung der Psychiatrie als Mittel der Repression gegen die "Non-Konformisten" sein. Hochachtungsvoll
P. Grigorenko November-Dezember 1975 Eine Gruppe von Malern stellt ihre Werke auf freien öden Cebiet aus (die Behörden haben keinen Raum für sie gefunden). Sofort füllt sich der Platz mit "Schützern der Sicherheit", die die Bilder zerfetzen und die Künstler schlagen. Menschen haben sich in einer Kultstätte versammelt, einerSynagoge oder einerKirche, und schon sind die "Ordnungshtter" zur Stelle. Arrogant und schamlos kommen sie nicht,um die Ordnung zu wahren, sonder um die Menschen am Beten zu hindern, Übrigens steht es ihnen vollkommen frei, unter den Gläubigen völlig willkürlich Verhaftungen vorzunehmen. Wenn anläßlich eines Festes ein Umzug organisiert wird, werden der ganze vorgeschriebene Verlauf und selbst die Umzugskolonnen von Agenten des KGB buchstäblich durchsetzt. Im Augenblick nähert sich der XXV. Parteitag, da richten viele Bürger der UdSSR, deren Rechte von der Bürokratie mit Füßen getreten worden sind, Bittschriften an den Kongreß. Sofort macht sich der Apparat des KCB daran, daítr zu sorgen, daß dieser Schrei aus dem Volk nicht bis zum Kongreß vordringt, Einige Tataren, denen es gelungen war, die Mauer, die der KCB in Taschkent buchstäblich um sie herum errichtet hatte, zu durch brechen, beschreiben Mirchterliche Szenen: alle Ausgänge, der Flughafen, der Bahnhof, die Straßen, waren von zahlreichen Agenten des KOB besetzt. Von hier aus rief man die Tataren auf, durchsuchte sie und nahm ihnen die Petitionen weg, die sie zum Kongreß bringen wollten; man verbrannte sie dann. Auch ihre Ausweise wurden ihnen fortgenommen. Nur das Geld durften sie behalten. Der KCB geht noch vielen anderen solcher nützlichen Beschäftigungen nach. 1968 hatte ich Juri Andropov (dem "Leite" des KCB, Anm, d. Übers. ) geschrieben, daß zu meiner Überwachung 26 Agenten eingesetzt würden. Seitdem habe ich 5 Tahre an diesem Ort gelebt, aber die besagten Personen gehen immer noch dieser ten hätten gröblichst die öffentliche Ordnung gestört). - 3 "wichtigen" Beschäftigung nach.
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