Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Die antikommunistische Offensive im Süden (ein Augenzeugenbericht)

· Inprekorr Nr. 80, 20. Mai 1977 · S. 28-31 · 3.492 Wörter

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Thailand ist seit mehreren Monaten der Schauplatz Diese Operation nannte sich "Big Starl"; sie ging großangelegter militärischer Operationen gegen am 5. Februar mit der Einnahme mehrerer verlasse- Aufständische. Zunächst konzentrierten sich diese ner Lager zu Ende. Am 4. März wurde ein neues im Süden des Landes, doch jetzt scheint die Regie- Abkommen zwischen den Regierungen der beiden rung ihre Offensive auch nach Norden und nach Länder geschlossen, das der malaiischen Armee Nord-Osten ausweiten zu wollen. Den folgenden Be- das Recht gab, von nun an auf dem ganzen gemeinsaricht haben wir aus Bangkok erhalten, wir veröffent- men Grenzstreifen auf thailändisches Territorium lichen ihn auszugsweise. Der Autor hat im März- vorzudringen, Das Abkommen bereitete die zweite April in einem Dutzend südthailändischer Provinzen Operation, "Big Star II" vor, die am 14. März bedie am stärksten von diesen Operationen betroffen gann.

waren, eine Untersuchung durchgeführt. Sie zeugt von der Vielzahl der konterrevolutionären Mittel, DIE OPERATION "ONE WAR, TWO WAR" mit denen die Regierung sich ausgestattet hat, und Surat Thani und Nakon Si Thammarat, die beiden Provinzen, die am stärksten unter den Operationen gelitten haben, gehören zu den reichsten des Südens; Der thailändische Premierminister Thanin Kraivi- in ihnen gibt es Reis im Überfluß, Kautschuk chien kündigte am 24. Dezember 1976 die Durchfüh- und Kaffeeplantagen, Zinnbergwerke, wunderbare rung einer "energischen Säuberungsaktion der von Strände am Meer und die Bevölkerung ist aufgeweckt den Kommunisten verseuchten Gebiete" an. Diese und anhänglich. Der Anteil der Analphabeten ist Operation trug den Decknamen "One War" und be- relativ gering, die Fischer sind noch nicht vom traf die Provinzen Surat Thani, Nakon Si Thammarat Tourismus verjagt worden und im Gegensatz zur Satun, Trang und Patthalung, die alle im Süden des Zentralebene nördlich von Bangkok leben die Bauern Landes liegen. Die Bevölkerung dieser Cebiete wur- hier noch auf ihrem eigenen Land. de evakuiert und die Zonen massiv bombardiert.

Nach dem Tod der Prinzessin Vibhavadi Rangsit am Es sind aber auch die beiden politisertesten Provin- 16. Februar nahm diese Operation neue Dimensionen zen. Ein Lehrer aus Nakon bemerkte: "Je reicher an. Die Kusine und Privatsekretärin der Königin das Land, desto korrupter die Funktionäre und desto war von Guerilla-Kämpfern getötet worden, als sie mehr unterdrücken sie das Volk, um ihm das Geld in ihrem Hubschrauber eines der Gebiete der Pro- abzupressen. Die Distrikte Pipun und Chawang im vinz Surat Thani überflog, in denen der Aufstand am Süden haben seit dem Beginn des bewaffneten Kamam heftigsten getobt hatte. pfes 1965 der Kommunistischen Partei die meisten Am 24. Februar wurde die Evakuierung von 4. 000 Männer geschenkt. Die Bergkette Banthad, die von Dorfbewohnern angekündigt; Nachschub kam, um Norden nach Süden verläuft und in diesen Proeine massive Offensive in den weiten Gebieten zu vinzen ausläuft, ist mit ihren Trinkwasserquellen unterstützen, die als "außerhalb des Grenzbereichs" und ihrem bewegten, mit einer dichten Vegetation liegend bezeichnet wurden, d. h. sturmreif waren: überzogenen Relief ein äußerst günstiges Terrain der Verkauf und Besitz einer Reihe von Artikeln, für die Entfaltung der Guerilla. die den Kommunisten eventuell von Nutzen sein konnten, wurde strikt kontrolliert; es war befohlen, Laut Informationen von Ort und Stelle sollen allein sämtliche Waffen an die Behörden abzugeben; und in diesen beiden Provinzen Surat Thani und Nakon Si schließlich wurde über zahlreiche Distrikte eine Aus Thammarat 25. 000 Soldaten stationiert sein. Sie gegangssperre verhängt. Der Süden, insbesondere die hören verschiedenen Waffengattungen an (Heer, Ma- Provinzen Nakon Si Thammarat und Surat Thani , rine, Grenzschutzpolizei (BPP)) und unterstehen wurden somit zum Schauplatz eines regelrechten dem Kommando der 4. regionalen Armee, deren Krieges, der in diesen Tagen voll im Gang war. Die Führer General Pin Thammasiri ist. zweite Phase der Operation begann am 1. März und erhielt den Namen "Two War" "Das größte Ziel der Operation ist es, das Wasser Offensive , die die thailändische Armee allein durch- aus dem Teich zu ziehen, in dem sichdie Fische beführte, wurde weiter südlich eine gemeinsame thai- finden", erklärt ein Polizeichef. Die Kommunisten ländisch-malaiische Operation durchgeführt: sie be- sollen also von der Lokalbevölkerung isoliert und gann am 14. Januar in den Provinzen Songkla und von ihren Versorgungsquellen abgeschnitten werden. Satun entlang der malaiischen Front, 1500 thailändi- Offener gesagt bedeutet dies die Zwangsevakuierung sche und 2000 malaiische Soldaten wurden im Dis- der Zivilbevölkerung in den "verseuchten" Gebieten trikt Sandao mobilisiert. und eine strenge Kontrolle über die Zirkulation und - 28-

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den Verkauf einer ganzen Reihe von Artikeln, vor allem Nahrungsmittel, Medikamente und natürlich Vaffen. In den Zonen "außerhalb des Grenzbereichs" ist jeder Verkehr untersagt, ebenso in den sehr ausgedehnten Gebieten, über die eine Ausgangssperre verhängt wurde (von 20h bis 5h). Dies sind vorbereitende Maßnahmen für militärische Operationen in einigen Gebieten, Überall wird die Aktion der Streitkräfte von einem "psychologischen Krieg" begleitet, der "die Bevölkerung von dem kommunisti- Schen Einfluß loslösen" soll, sie für die "nationalen" Werte gewinnen und -- last not least -- Informanten rekrutieren soll. Von Dorf zu Dorf kann man sich eine Vorstellung davon machen, welchen Preis die Zivilbevölkerung für diese Maßnahmen bezahlt. EVAKUIERUNG UND WIRTSCHAFTLICHE

SCHÄDEN

Tausende von Familien sind von ihrem Herd vertrieben worden und werden nun, den Beamten der Provinzverwaltung zufolge, vom Staat betreut. An Ort und Stelle besehen, sieht die Wirklichkeit jedoch anders aus. In Ban Song müssen Dorfbewohner, die ihr Dorf Ban Nua Klong Hals über Kopf verlassen mußten, sich allein, ohne Hilfe der Regierung durch schlagen; ihre lassen da. Im Distrikt Prom Kiri haben 200 Familien, die am 1. März aus den Dörfern Nr. 10 und 11 evakuiert worden waren, einen Monat später weder ein Dach über dem Kopf noch sonstige Hilfe erhalten, abgesehen von einer Flasche Nam Pla (eine Fischsoße). Sie müssen auf Kosten ihrer Verwandten und Freunde leben.

Alle Bauern klagen über den Verlust ihrer Ernte, besonders bei Kaffee und Kautschuk. In den Gebieten "außerhalb des Grenzbereichs" ist dieser Verlust total, da es nicht mehr möglich ist, zu den Feldern zu gelangen. In den Gebieten, in denen eine Ausgangssperre herrscht, ist die Situation nicht viel besser, denn der Kautschuk kann nur nachts gewonnen werden : um 5h morgens aber, wenn die Ausgangssperre aufgehoben wird, geben die Pflanzen keine Kautschuk milch mehr her. Die Bombenangriffe haben große Landstriche verwüstet.

Auch die strenge Kontrolle des Verkaufs und der Zir kulation von Grundnahrungsmitteln sind eine schwere Last für die Bauern. Da sie vom Markt, der weitab von ihrer Behausung liegt, nur mehr lächerlich gerin ge Mengen an Grundlebensmitteln mitbringen können, müssen sie viele und teure Fahrten machen. Wenn die Busse kontrolliert werden und man findet bei Reisenden mehr, als sie mitnehmen dürfen, dann werden sie als kommunistenverdächtig verhaftet oder sie müssen eine Geldstrafe zahlen. Die Händler ihrer seits mußten erklären, wieviel sie auf Lager haben, und müssen jetzt jedesmal genau die verkaufte Menge und den Namen des Käufers notieren. Einige "nachlässige" Händler sind verhaftet worden. Infolge der Verwüstungen, der Kontrollen und Produktionsbehinderungen steigen die Preise.

VERHAFTUNGEN UND VERSCHLEPPUNGEN

Besondere Gefangenenlager sind eingerichtet worden, so das von Phunpin nahe bei Surat Thani. Jeder - 2 Distriktchef bezahlt einen Informanten, im allgemeinen einen Dorfobersten, der von den Behörden eingesetzt worden ist, oder einen anderen Freiwilligen aus dem Dorf. Die Leute geben der Polizei die Namen all derer bekannt, die sie nicht mögen. Ihre Informationen sind immer falsch. So haben sie z. B. vor kurzem gewarnt, Phunpin würde angegriffen. 'Aber die Kommunisten haben Don Sak angegriffen, wo man sie nicht erwartet hat", erklärte ein Bauer. Guard herauen die Benoser schiehrst die die auf der Basis solcher Denunziationen verhafteten dene Taktiken an, um sich eines Gefangenen zu entledigen, den sie als Kommunisten verdächtigt und der nicht "zusammenarbeiten" will : entweder sie heißt ihn eine Abgangserklärung unterschreiben, be vor sie ihn nach draußen führt, oder man sieht ihn nie wieder und die Polizei kann immer sagen, daß der "Freigelassene" in den Busch gegangen ist, oder man findet seinen Leichnam im Wald und dann werden "Terroristen" für den Mord verantwortlich gemacht. Diese Art des Verschwindens hat die Bevölkerung "geheimen Mord" getauft; dutzendemale ist uns in verschiedenen Gebieten davon berichtet worden.

Im Gefängnis von Pipun sind die meisten Gefangenen, die seit 1973 auf der Basis des "Anti-Kommunisten- Gesetzes" von 1952 verhaftet und ohne Prozeß gefangengehalten wurden, nach dem 6. Oktober 1976 hingerichtet worden. Natürlich hatte jeder von ihnen seine "Abgangserklärung" unterzeichnet, bevor er hingerichtet wurde. Gut informierten Quellen zufolge ist es eine geläufige Praxis, daß der Leichnam dann aus einem Flugzeug heraus in den Dschungel geworfen wird, um die Guerillas zu demoralisieren. DIE MILITÄRISCHE KAMPAGNE

Welche Erfolge können auf rein militärischem Gebiet bis heute die Streitkräfte der königlich-thailándischen Regierung für sich verbuchen? "Es ist schwer zu sagen, wer heute die Initiative hat. Unsere Operationstaktik besteht darin, das Ziel fen. Aber die terroristischen Kommunisten legen überall Minen und es ist sehr schwierig für uns, unser Ziel zu erreichen. Deswegen konzentrieren wir unsere Bombenangriffe und das Artilleriefeuer dort, wo wir den Feind vermuten. Doch es passiert immer wieder, daß auch Unschuldige getötet werden, und dies schürt unglücklicherweise die kommunistische Propaganda", sagt Vieng Sra, ein Militärkommandant.

Nach monatelangen intensiven Bombardierungen kann niemand sagen, wie hoch die Verluste der Kommunisten sind. Sicher ist nur, daß zahlreiche Dorfbewohner getötet worden sind, während die Kämpfer der "Volksstreitkräfte" in anderen Gebieten Zuflucht gesucht haben. Doch gibt es gute Gründe für die Annahme, daß letztere sich in Schwierigkeiten befinden, in kleinen Einheiten verstreut sind, von allen Seiten belästigt und ständig zum Aufbruch gezwungen werden. Seit über einem Monat haben ihre Angriffe spür bar nachgelassen. Außerdem müssen die neuen Kräf. 9-

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te, die nach dem 6. Oktober aus den Städten geflohen und im Dschungel zur KPT gestoßen sind - - überwiegend Studenten --, sich erst noch an die neue Situation anpassen, und das unter sehr harten Bedingungen.

Trotz dieser Schwierigkeiten haben sich anscheinend nur einige Dutzend Leute ergeben. Und man kann sich denken, daß es den Guerillas an Rückzugsmöglichkeiten nicht fehlt, selbst wenn sie vorübergehend einige Dauerstellungen aufgeben mußten. Am Ort selbst glauben gut informierte Leute nicht daran, daß es möglich sein wird, auf diese Weise die kommunistische Bewegung zu zerschlagen. Höchstens ihre Ausweitung kann vorübergehend gebremst werden. Die Zerstörung kommunistischer "Heiligtümer" ist eine der wichtigsten Aufgaben der Armee. Einige davon scheinen den Bomben zum Opfer gefallen zu sein. So soll das Lager Kao Khao in der Provinz Satun Anfang Januar schwer beschädigt worden sein. Bauern, die in der Umgebung wohnen, haben uns das Lager als eine gut geschützte Muschel beschrieben, in der die Aufständischen Reis und Gemüse anbauten. Ihrer Meinung nach war das nicht eine Dauerstellung der KPT, sondern eher ein Knotenpunkt, an dem Pfade aus mehreren Provinzen zusammentrafen. Zur Zeit des Bombenangriffs war das Lager leer. Seit fast einem Monat wirft die Luftwaffe Bomben, und seit dem 22. März auch Napalm,über einem Ort namens Kung Ching in den Bergen von Banthad, im Distrikt Tha Sala ab. Sei es nun eine Legende oder nicht, jedenfalls sind die Militärbehörden davon über zeugt, daß Kung Ching eine der größten befestigten Stellungen der KPT im Süden ist. Es heißt, daß es hier tausende Hektar fruchtbares Land gibt, Zinnbergwerke und Stollen, die mehrere tausend Menschen beherbergen können. Steilfelsen haben dieses Lager mit einer unüberwindbaren natürlichen Mauer umgeben.

Auch hier ist es schwer, die wirkliche Bedeutung dieses Lagers abzuschätzen. Einem Bewohner zufolge, der gut informiert zu sein scheint und praktisch die Sprache eines Kaders der "Patriotischen Front Thailands" spricht, ist Kung Ching "nicht eine wichtige Basis der KPT und wenn die Armee sie zerstören will, werden die Kommunisten wenig Schaden dadurch erleiden. Die KPT verfügt über etwa 20 befestigte Stellungen in ausgedehnten, fruchtbaren Gebieten, aber sie liegen anderswo, in Zonen, die die Armee nie ausfindig gemacht hat. " Noch ein anderes Gebiet ist seit dem 16. Februar, dem Tag, an dem die Prinzessin Vibhavadi Rangsit ermordet wurde, eine ständige Zielscheibe der Armee: Ban Nua Klong im Distrikt Vieng Sra. Die benachbarte Bevölkerung hatte sie bisher als ein "befreites Gebiet" betrachtet, in das die Regierungssoldaten nicht eindringen konnten, ohne ihr Leben zu riskieren.

Seit dem 24. Februar sind Hunderte von Familien eva kuiert und das Gebiet rund um die Uhr von Schwerartillerie (105mm und 155mm) unter Beschuß genommen worden; auf diese Weise wurde der Vormarsch der Truppen vorbereitet, der am 13. März begonnen hat. Die ersten beiden Einheiten haben schwere Verluste erlitten, wegen der Minen und der Hinterhalte. Doch vor einigen Wochen konnten die Soldaten gewisse Positionen besetzen und örtliche Quellen geben - 30 zu, daß die Armee hier einige Erfolge erzielt hat. Aber wie lange? Heute ist Ban Nua Klong ein ödes Gebiet, gespenstisch und all seiner Bewohner entleert. Dies ist ganz einfach eine Rückkehr zu den schlimmsten Tagen von 1970, als unter der Diktatur von Thanom und Prapass in Ban Nua Klong die Streitkräfte und die Polizei wüteten. Einziges Ergeb nis dieser brutalen Gewalt war, daß die Leute sich nur noch enger um die Kommunisten scharten. DER PSYCHOLOGISCHE KRIEG

Unabhängig von einigen rein militärischen Erfolgen, die zudem gegenwärtig auch noch sehr begrenzt sind, darf man nicht vergessen, daß durch diese ganze Operation die Landbevölkerung materiell, aber auch psychologisch von den Kommunisten isoliert werden soll. Wie steht es damit? Denn schließlich ist dies der Maßstab, an dem der Erfolg der aktuellen Kampagne gemessen werden muß. Eines der Mittel der psychologischen Aktion ist die breite Organisierung von "Schulungen" für die Bewohner der Gebiete, die als "rot" galten.

Wir haben in Vieng Sra einer dieser Versammlungen beigewohnt; sie sollte die "Stimme der Dorfbewohner" verkünden, so lautete das Programm offiziell. Die "irregeführten Leute"sollten wieder "an die Seite der Regierung" geführt werden und ihnen der Respekt vor den drei Grundwerten: Nation, Religion, Monarchie wieder beigebracht werden. Diese drei Grundwerte sollten das psychologische Rüstzeug sein, mit dem sie dem Kommunismus widerstehen sollten, lernen sollten, auf seine Propaganda zu antworten und, was das wichtigste war, den Behörden geheime Hinweise zu übermitteln, Praktisch ähnelte die Versammlung, an der 200 Erwachsene, in der Mehrzahl Frauen und Greise, telhahmen, einem Mittelding aus einer Klasse von Kleinkindern und einer religiösen Feier.

Andererseits werden die Provinzbeamten nun dazu angehalten, sich in Zivil und in Begleitung eines Arztes und eines Landwirtschaftsspezialisten in jedes Dorf zu begeben. Der Anmarsch der Truppen, der meist auf dem Fuß folgt, wird als eine Maßnahme zum "Schutz der Bevölkerung" dargestellt. Das gleiche Team, das mit der psychologischen Arbeit beauftragt ist, kommt nach dem Einmarsch der ins Dorf zurück, und seine Tätigkeit wird von den Spezialeinheiten der Polizei unterstützt. Ist diese Art der Aktion wirksam? Ein lokaler Journalist zögert nicht mit der Antwort: "Auch in der Vergangenheit hat die Regierung versucht, solche Kampagnen durchzuführen. Sie wird heute nicht mehr Erfolg damit haben als gestern. Die Beamten haben die Bauern immer als Tiere betrachtet. Außerdem werden die Menschen immer ärmer und die psychologische Aktion füllt ihnen nicht den Bauch. " Dasselbe drückte ein hoher Beamter in Ban Nasarn mit anderen Worten aus. Sein Zeugnis ist außerordentlich freimütig und sehr weit entfernt von den offiziellen Wahrheiten, die im allgemeinen in diesen Kreisen produziert werden. Es verdient also, zitiert zu werden: "Vor dem 6. Oktober töteten die terroristischen Kommunisten ausgesuchte Polizisten und korrupte Funktionäre. Danach haben sie begonnen, alle Regierungsbeamten anzugreifen und sind in Gruppen von 100 bis 150 Leuten von den Bergen

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heruntergekommen, um die Polizeiposten zu vernichten, offensichtlich von den Dorfbewohnern über den günstigen Augenblick zum Angreifen immer gut informiert. Seitdem die massiven militärischen Operationen durchgeführt werden, bemerkt man einen wichtigen Wandel: die Angriffe sind nunmehr das Werk der Dorfbewohner selbst und nicht das einiger Kommandos, die von den Bergen herunterkommen. Dieser Distrikt ist rot. Bei diesem Grad der Infiltration hat die politische und psychologische Arbeit, um die Gesinnung der Bevölkerung zu ändern, keinen Zweck mehr.

Alles an Ort und Stelle bestätigt dieses Urteil. Der Taxifahrer, der die Straße von Ban Nasarn nach Klong Prab entlang fährt, die auf beiden Seiten von dichten Wäldern gesäumt ist und wichtige Militärbasen miteinander verbindet, hört nicht auf, auf die Orte zu zeigen, wo Regierungsstreitkräfte in einen Hinterhalt gefallen sind. Abgesehen von einer durchgehenden Kette von Soldaten, die jetzt ständig diese Straße kontrollieren, trifft man nur auf Militärautos, die mit Soldaten vollgepfropft sind. Kein Zivilist, nur eine beunruhigende Stille.

Die enge Zusammenarbeit zwischen den Kommunisten und der Bevölkerung zeigt sich fast überall : "Die Regierung behauptet, wir müßten monatlich 10 bath an die Kommunisten abgeben, das ist nicht wahr" , sagen die Bauern, die aus ihren Dörfern im Distrikt Tha Sala in der Provinz Nakon evakuiert worden sind. "Die Kommunisten bauen alles an, und vor dem Krieg kamen sie regelmäßig zu uns, ihre Produkte gegen Dinge zu verkaufen, die ihnen fehlten. In der Vergangenheit ist die Armee dreimal hierher gekommen. Aber jetzt ist es am schlimmsten. Sie haben uns gesagt, das könne 2 bis 8 Monate dauern. In unserem kleinen Dorf haben sie 5 Bauern verhaftet. Sie sagen, sie sind gekommen, um uns vor den Kommunisten zu schützen, aber sie haben uns nicht nach unserer Meinung gefragt. Die ' Männer aus dem Dschungel' haben sich sehr wohl vorher mit uns besprochen, bevor sie einen Polizeiposten angriffen oder einen Beamten töteten. Schließlich sind alle Zeugen einhellig der Meinung : die eigentlichen militärischen Operationen werden vielleicht vorübergehend und mit Gewalt die Koopera tion zwischen der Bevölkerung und den Kämpfern der "Volksstreitkräfte" tatsächlich lahmlegen können, doch nur zum Preis einer ungeheuren Last, die den Bauern auferlegt wird. Von daher läuft die psychologische Aktion in einem feindseligen Klima leer; sie ist ungeeignet, die Bevölkerung wirklich für die Regierung einzunehmen.

WELCHE PERSPEKTIVEN?

Die Verantwortlichen in der Armee erwecken den Eindruck, diesmal entschlossener mit den Kommunisten aufräumen zu wollen als in der Vergangenheit. Vielleicht kann der Lauf des revolutionären Kriegs dadurch einen Moment lang gebremst werden, aber letztendlich deutet alles da rauf hin, daß sich die völkerung, und damit ist der Kreislauf Unter drückung - Widerstand in Gang gesetzt. - 3 Anfang des Jahres übermittelte der Radiosender der KPT eine noch unvollständige Bilanz der Verluste der Regierungstruppen im ganzen Land für das Jahr 1976 : es waren 1, 015 Tote, 1.300 Verwundete und 146 Gefangene. Diese Zahlen scheinen absolut nicht übertrieben, und 1977 werden sie sicher noch höher liegen. Zehn Jahre hindurch, seitdem sie den bewaffneten Kampf aufgenommen hat, hat die KPT den größten Teil ihrer Arbeit der Propaganda und der politischen Bildung gewidmet; sie hat damit breite Teile der Landbevölkerung erreicht, die sich nicht so schnell von der Art psychologischem Krieg überzeugen lassen wird, den die Regierung heute massiv organisiert.

Die kommunistische Bewegung richtet sich an Überzeugte. Und tatsächlich erlebt die Landbevölkerung tagtäglich die Korruption der Beamten und der Polizei, die Unwirksamkeit des bürokratischen Systems, kurzum die ständige Unterdrückung durch die Vertreter der Regierung, und zwar auf allen Ebenen. Das Massaker der Studenten der Thamassat-Universität am 6. Oktober, der Staatsstreich und die Rückkehr zur Diktatur haben dem revolutionären Kampf zudem einen Auftrieb ohnegleichen gegeben. Während die Ereignisse vom Oktober 1977 jedoch im ganzen Land Wide hall fanden, kann man umgekehrt nicht behaupten, daß der Krieg im Süden von der Bevölkerung in Bangkok klar verstanden wird. Natürlich geben die Massenmedien ausführlich die Kommuniqués der Offiziere wieder, aber es herrsch Zensur und der Schauplatz des Geschehens ist relativ weit weg. Dabei handelt es sich um den härtesten Krieg gegen die Aufständischen, den Thailand jemals erlebt hat. Die Hoffnung auf eine graduelle Entwicklung der thailändischen Gesellschaft ist am 6. Oktober begraben worden und das Land hat nun einen Weg eingeschlagen, von dem es anscheinend kein Zurück mehr gibt. Das ist genau die Situation, die ein rechter und so wenig des Kommunismus verdächtiger Mann wie Somchai Rakwijit, ehemaliger Direktor einer Forschungsgruppe des ISOC befürchtet hatte. Er erklärte im Februar 1976 : "Wenn die Kommunisten an Boden gewinnen und von daher die Gefahr für die Mehrheit der Thai, die ein demokratisches und leistungsfähiges, stabiles Regierungs system wünschen, zunimmt, sind die Gemäßigten gezwungen, einen breiteren Widerstand gegen die Kommunisten zu entfalten. Es ist also damit zu rech nen, daß wenn letztere ihren "Volkskrieg" vorantrelben, die gemäßigten und scheinbar unpolitischen Thai eine größere Kraft werden. Wenn das geschieht wird Thailand sicher nicht ein anderes Vietnam werden. Doch die tragischen Zustände eines neuen Vielnam können dann geschaffen werden, wenn eine Fraktion des Militärs oder die extreme Rechte unbedacht die Macht an sich reißt und damit bei den Ge mäßigten und denen, die die Demokratie wünschen, einen allgemeinen, gewaltsamen Widerstand provoziert. Die extreme Rechte könnte dann zu undifferenzierten Repressionsmaßnahmen greifen, die die Mehrheit der Thai in die Arme der Kommunisten treibt. Das Ergebnis wäre dann aller Wahrscheinlichkeit nach der Bürgerkrieg, der kraftvolle Aufschwung der KPT und der Volksbefreiungsarmee und ein neues Vietnam. " ("Trends in Thailand II", Singapore University Press, 1976).

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