VIETNA M: DER KRIEG DER BARBAREN +++++++++++++++++++++++++++++**++++++ Die imperialistische Politik hat sich zu allen Zeiten mit Sihmuck behängt oder hinter dicken Rauchvorhängen versteckt. Die Politik Nixons bildet keine Ausnahme von der Regel. Was die Natur dieser Politik betrifft, so herrscht darüber in den Köpfen vieler Leute eine gewisse Verwirrung. Eine von der staatstreuen bürgerlichen Presse endlos wiederholte Fabel kolportiert, Nixon sei ein Friedenspräsident. Hat er nicht noch in seiner Augustrede den Amerikanern "ein Jahrzehnt des Friedens" versprochen ? Man vergißt dabei, daß er gegen Johnson eine Kampagne für einen Frieden "in Ehre und Stärke" geführt hat. Die vom konterrevolutionären Pazifismus der Stalinisten irregeleiteten Massen haben von Nixons Programm nur die Idee des Friedens im
Gedächtnis behalten. Sie vergessen dabei noch, daß auch Johnson Frieden wollte, allerdings einen "mit möglichst vielen Viet-Kong auf dem Friedhof". Der Nixon-Frieden "in Ehre und Stärke" unterscheidet sich in dieser Hinsicht nicht vom Johnson-Frieden. Er füllt die Friedhöfe an. Die Vertrete: des Imperialismus haben keine :i. Möglichkeit, einen anderen Frieden zu versprechen.
Zwei Zahlenfolgen illustrieren Nixons Politik des Disengagements in Indochina. Einerseits hat si:h die Zahl der getöteten oder verwundeten amerikanischen Soldaten in den letzten acht Monaten eindeutig verringert. Davon spricht die ganze Presse. Ist dies nicht ein Beweis für weniger heftige Kämpfe ? Aber dieselbe Presse vergißt zu erwähnen, daß gleichzeitig die Zahl der indochinesischen Zivilopfer steigt. Diese beiden Tatsachen widersprechen sich nicht. Ebensowenig wie der Rückzug der amerikanischen Truppen einerseits und die Eskalation des Vernichtungskrieges andererseits sich einander ausschließen.
RÜCKZUG DER TRUPPEN ? DIE FAHREN GRÜNDE
Nixon stellte vor mehr als einem Jahr einen wirklichen Rückführungsplan für die GIs auf. Nach Ausführung dieses Planes bleiben noch 219 000 GIs in Süd- Vietnam. Das heißt: mehr als zu Anfang 1965, wenn auch in der Zwischenzeit mehr als die Hälfte des US-Truppenbestandes von 1968 zurückgezogen wurde. Zu dem augenblicklich noch in Süd-Vietnam stationierten amerikanischen Expeditions-Korps muß man noch 61 300 Söldner aus den Satellitenländern der USA hinzurechnen.
Ist der Truppenrückzug ein Beweis des guten Willens der Amerikaner ? Keineswegs. Nixon ist gezwungen, seine Truppen zurückzuziehen, weil sie kampfunfähig sind.
Zum einen wurden mehr als 50 000 Amerikaner getötet(Anfang 71 waren es 53 200), fast 300 000 verwundet, was schon ziemlich schwer ins Gewicht fällt. Aber mehr noch: all diese Opfer haben "nichts genützt", um in der Sprache der Generäle zu reden, da die"Roten"weiterhin Widerstand leisten. Die amerikanischen Truppen sind ganz einfach Kanonenfutter. Diese Er kenntnis untergräbt die Moral der US-Truppen. Gezwungen auf Befehl die Zivilbevölkerung zu massakrieren, kann sich kein einziger Soldat mehr für einen Verteidiger der vietnamesischen Frei eit halten. Deshalb die Demoralisierung. Zu allen Zeiten gab es Reibereien zwischen den Saigonner Truppen und ihren Yankee-Herren und diese Reibereien wurden nur eingedämmt, um die Ausplünderung der US-armee zu erleichte rn. Um die US-Basen herum installierten sich zehntausende von Kleinhändlern; sie ziehen ihren Vorteil aus dem US-Dollar- Segen. Die US-Armee funktioniert als Dukatenscheißer. Aber dadurch wurde die Bevölkerung in jenen Zonen, die unter provisorischer Kontrolle der Amerikaner und der Marionetten stehen, in die Enge getrieben, weil alle Elemente einer eigenständigen südvietnamesischen Wirtschaft zerstört wurden. Seit dem Diem-Regime sind alle Spuren einer unabhängigen südvietnamesischen Wirtschaft beseitigt worden. Was übrig blieb, ist eine parasitäre Wirtschaft, die von US-Gnaden lebt; ein südvietnamesischer Staat, der sich nur mithilfe amerikanischer Finanz- und Militärhilfe über Wasser halten kann. Ohne Grund zu kämpfen widmet sich der GI dem Rauschgift. Und der Rauschgifthandel ist für viele Personen in der Verwaltung von Thieu ein Mittel zur Bereicherung oder zum Überleben geworden. Die Hauptwürdenträger des Regimes Thieu (General Mzu beispielsweise) gehen das Beispiel. Als er zusammen mit Thieu regierte, deckte Ky den Rauschgifthandel persönlich. Das Rauschgift ist heute zu einer Geißel für die US-Armee geworden. Mehr als 70% der Soldaten nehmen Marihuana, eine Droge, die als ungefährlich angesehen wird. Aber 20% des amerikanischen Expeditionsheeres benutzen Heroin, eine Droge, die innerhalb von zwei bis sech Monedes Individuum zerstört. Die Entwöhnungskur für die Vietnamheimkehrer wird immer mehr zur Alltäglichkeit. Die Rauschgiftsüchtigen werden nicht zu den "kampfunfähigen" Soldaten gezählt. Zu Unrecht. In Wirklichkeit sind sie kampfunfähig. Und der US-Generalstab muß diese Tatsache in Rechnung stellen. Die Presse hat sich der Alarmrufe von höheren US-Offizieren(vgl. "Le Monde" vom 6. Juni) angenommen, deren Hauptsorge nicht mehr darin bestand, den Krieg zu gewinnen, sondern darin, die Berufssoldaten vor der Krebskrankheit zu schützen, die die Truppe befallen hat.
IN PRE KOR 15. 10.71 s. 13
Die Truppe nimmt nicht nur Rauschgift, sondern sie verweigert den Gehorsam. Immer mehr lehnen es ab, zu kämp'en. Einé Art schleichende Meuterei hat sich etabliert. Auf die Köpfe von "kampflustigen" Offizieren werden Preise ausgesetzt. Von Zeit zu Zeit werden Granten in die Zelte dieser Offiziere geworfen und explodieren dort. Das nennt man "fragging". Schließlich haben die Bodentruppen 1970 mehr als 65 000 Deserteure registriert (nach offiziellen US-Angaben). Und um das ganze zu krönen: der Erfolg der Antikriegsorganisationen innerhalb der Armee selbst, 14 Organisationen, von denen zwei sich ausschließlich aus Offizieren zusammensetzen, erklärt ein Oberst.
Das ist es, was Nixon dazu zwingt seine Truppen zurückzuziehen. Im November wird Nixon wieder versprechen müssen die Truppen zurückzuziehen, wenn nidht, so geht er das Risiko ein, mitansehen zu müssen, wie die US-Soldaten "auf ihre eigenen Generäle schießen". Nixon hat keine Wahl: er kann den Rückzug der US-Truppen nicht aufschieben. Aber, und das ist der zweite Aspekt der US-Politik, Nixon versucht den Rückzug der US-Truppen so lange wie möglich in die Länge zu ziehen, um gleichzeitig die "Asiatisierung" Indochinas vorantreiben zu können. Diese spielt sich vor dem Hintergrund der Eskalation des Vernichtungskrieges ab.
VERNICHTUNGSKRIEG: ESKALATION
In seinem augenblicklichen Stadium benutzt und"kombiniert" die US-Strategie systematisch massive Bombardierungen, Säuberungsoperationen unter der Zivilbevölkerung, Berieselung des Landes mit chemischen Kampfstoffen. Mir dem Einsatz der. B 52 ganz in der Nähe von Saigon begannen im Juni 1968 Bombardierungen von Süd-Vietnam. Die Bombardierung durch die B 52 wird "Bombenteppich" genannt. Seitdem hat sie eindeutige"Fortschritte" gemacht, dank dem Einsatz von immer größeren Bomben. Seit Mitte 1970 kennt Kambodga dasgleiche Schicksal wie Süd-Vietnam. 1969 hat sich die Zahl der Lufteinsätze in Laos im Vergleich zu 1968 verzehnfacht. 1970 haben sie sich, gemessen an 1969 noch einmal verdoppelt. Seit Beginn 1971 bis Mitte August hat die Us-Luftwaffe über Laos täglich 30 000 Tonnen Bomben abgewor en. Zu diesem Zeitpunkt waren seit 1946 insgesamt schon über drei Millionen Tonnen amerikanischer Bomben über dem laotischen Territorium abgeworfen worden. Die B 52 werden täglich in ganz Indochina eingesetzt und besonders während der gerade im Gang befindlichen Operationen, so erst neulich an der vietnamesisch-kambodschanischen Grenze in der Gegend von Krek, im 'orden von Tay Minh oder noch im August und Anfang September entlang des 17. Breitengrades. So wurden allein am 18. August 8 B-52-Einsätze geflogen und dabei mehr als 1 000 Tonen Bomben südlich der entmilitarisierten Zone abgeworfen.
Die Flugwaffe dient auch zum Abwurf chemischer Kampfstoffe. Das verfolgte Ziel ist die Zerstörung dex Reiskulturen und aller sonstigen kulturflächen in den befreiten Gebieten. So wurden kürzlich(Ende August, Anfang September) die Gegend von U Minh und Ende September) die von Ben Tre ausgiebig sprüht. Nicht nur die Vegetation, sondern auch die Bevölkerung vor allem die Kinder) sind direkte Opfer der chemischen Stoffe.
Die Zerstörung der Pflanzenkulturen, die - 3ombardierungen bereiten das Gebiet vor für die Pazifierungseinheiten". Diese Einheiten haben die Aufgabe, die Viet-Kong-Kader zu vernichten. In Wirklichkeit ist das, was sie tun reiner Terror und ihre Einsätze laufen hinaus auf eine systematische Massakrierung der Zivilbevölkerung• is heute wurden mehr als 150 My Lays gezählt. Allein für die Zeit vor den Wa len gab es während einer dreimonatigen Säuberungsoperation im Mekong-Delta mehr als 600 Tote. 176 Opfer des 28. Infanterieregiments der südkoreanischen Söldner gab es am 17. August in der Nähe von Tuy Hoà. 46 Opfer der Saigonner Milizen zählte man am 25. August im Distrikt von Than Binh, 44 andere Opfer unter den Bauern von Binh Dinh und von Quang Nam und die Liste beginnt erst. Im Jahre hat der Plan "Phönix" nach Auskunft der US-Botschaft "26 000 Viet-kong vernichtet". Die US-Spezialisten der "Pazifierung" haben einige "Mißbräuche" zugegeben, aber sie betonen weiterhin, daß der Plan"Phönix" "unzweifelhaft erfolgreich" ist. Vor kurzem hat eine neue Serie militärischer Operationen im Rahmen dieses Planes begonnen. Die Wirkung von Bombardierungen, Säuberungsaktionen, Vernichtung des Kulturlandes ist gut bekannt: Die Bevölkerung ist gezwungen, die Kampfzonen zu verlassen. So kürzlich in der
neh Provinz Svay Rieng in Kambodscha, 91 g 52 000 Menschen vor den Übergriffen der Saigoner Truppen flohen. Seit Jahren wird dieses Ziel in Vietnam bewußt anvisiert. Dies nennt man "Politik der erzwungenen Urbanisierung". Um die Militärbasen und die noch von den Amerikanern und ihren Marionetten kontrollierten Städte herum sich ansiedelnd, lełen sie im Elend, sind gezwungen, ihren Lebensunterhalt mit Betteln zu verdienen oder sich verschiedenen kleinen Handelsgeschäften, der Prostitution, dem Diebstahl zu widmen. Nach einem Bericht von Edward Kennedy sind in Laos von drei Millionen Einwohnern 800 000 auf diese Weise deport iert worden. Man rechnet in Indochina schon gar nicht mehr die vom US-Imperialismus und seinen Marionetten vollständig vom Boden wegradierten Dörfer. So blieb nicht ein einziges der 210 Häuser des Dorfes Phu Thu in Binh Dinh von den US-Bomben am 4. und 5. August vers hont.
Schließlich zögert die US-Waffe nicht, ihre mörderischen Angriffe auf Nord- Vietnam von neuem zu eskalieren. Jedermann weiß, daß der Angriff auf das Militärlager Son Tay vom November 1970, das der US-Generalstab leer wußte, nur ein Vorwand für die Wiederaufnahme der massiven Luftangriffe gegen den Norden war. Die Luftangriffe vom 21. September wurden diesmal nur mit dem gewohnten US-Kommentar: "Verteidigungsangriffe" versehen; man versuchte erst gar nicht, sie zu vertuschen. Diese Angriffe wurden schon durch Überschwemmungen beschädigte Dämme geflogen und auch auf die Bevölke ung, die sich bemühte, diese Dämme wieder auszubessern. Es gab zahlreiche Zivil opfer.
EINE AXE UNSE ER PROPAGANDA
Im Gegensatz zu dem, was die proimperiali tische Presse in Frankreich (Paris Match, Aurore etc.) behauptet, sind Bombardierungen, Massaker und Deportationen, mit dem Ziel die Zivilbevölkerung auszuradieren, keine isolierten Vorfälle. Sie sind im Gegenteil die perm nenten Kennzeichen für den US-Krieg in Indochina. Ein anderer Teil der bürgerlichen Presse, der gern ein amerikanisches Disengagement sehen würde (z. B. "Express"), meint vorsichtig, daß diese"Kriegsakte"zwar grausam sind, besonders wenn man bedenkt, daß der Krieg nicht mehr lange dauert, aber es sei ni ht notwendig, sich heute mehr zu beunruhigen als vor de" Eskalation der Barbarei. Diese These ist sicher geeignet, den "guten Seelen" der Liberalen ein gutes Gewissen zu verschaffen; diese These muß durch unsere Propaganda auseinandergenommen werden. Weit davon entfernt, eine Ausnahme zu sein, sind Vernichtungskrieg und Eskalation der Barbarei untrennbare Bestandteile der amerikanischen Strategie. Die Nixon-Doktrin behauptet, daß der Plan "Phönix", die massiven Bombardierungen, der Ausfluß militärpolitischer Zwänge seien. Die Eskalation des Vernichtungskrieges wird nur durch die Niederlage Strategie Nixons, durch die Niederlage der imperialistischen Politik in Südostasien gebrochen werden.
Folglich müssen wir auch immer wieder den Arbeitern unseres Landes vor Augen führen, welches Leid die indochinesischen Massen erdulden müssen. Es wird sicher linke, ja sogar extrem-linke ihilister geben, um eine sogenannte "humanistische Propaganda" zu verurteilen. Für alle Freunde der indochinesischen Völker ist die Anprangerung der imperialistischen Barbarei ein unerläßlicher Bestandteil ihrer täglichen Propagandaaktionen. Sie zeigt die wahre Natur der imperialistischen Politik.
(Camille Paulet, aus ROUGE vom 9. 10. 71, Nr. 127)