Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Rede Trotzkis über die Gewerkschaftsfrage

Inprekorr Nr. 78, 15. April 1977 · S. 27-17 · 4.781 Wörter

Gewerkschaften und Streiks Trotzki und Geschichte IV. Internationale Sowjetunion

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REDE TROTZKIS ÜBER DIE GEWERKSCHAFTSFRA wird. Genosse Riazanov, den wir danach gehört haben, hat dagegen dargelegt, daß es nur darum gehe, (gehalten auf dem XI. Kongreß der KPR(B) - zu den unveränderten Grundsätzen zurückzukehren, siebte Sitzung, 29. März 1922) die er entgegen den in Illusionen und Ignoranz gefangenen Genossen (Genosse Riazanov spart nicht mit Kraftausdrücken!) 1917, 1918 und danach verkündet hat. Das sind zwei entgegengesetzte Erklärungen der neuen Politik der Partei in der Frage der Gewerkschaftsbewegung. Die erste Erklärung: Rückkehr die Resolution über die Gewerkschaften vom X. Kon- zum wahren Weg der absoluten Grundsätze Riazanove "absolut" nicht in ihrer philosophischen Anergreß hat nicht bis zum XI. Kongreß gehalten. Einige kennung, sondern ihrer praktischen, d. h. im Sinne von uns haben das vorausgesagt. Was ist es an dieser ihrer ständigen Brauchbarkeit. Die andere Erklä- Resolution, das keinen Bestand gehabt hat? Keinen rung: eine radikale Wende im wirtschaftlichen Le- Bestand hat der Teil gehabt, der das Zusammenwirken von Gewerkschaften und Wirtschaftsorganen be- ben zieht eine radikale Wende in der Gewerkschaftsschreibt. Und was ist immer noch gültig? Gültig politik nach sich. Wir müssen zwischen diesen beibleibt der Teil, der die allgemeine historische Rolle den Erklärungen wählen: nicht nur für unsere eigeder Gewerkschaften als "Schule des Kommunismus" nen Zwecke, sondern auch für Europa, denn unsere beschreibt, durch alle verschiedenen Etappen der Erfahrungen sind ein Lehrbeispiel für Europa. historischen Entwicklung hindurch, angefangen bei der bürgerlichen Gesellschaft und in den Ich glaube, daß in diesem Fall die Position des Gedenen Übergangsformen der Diktatur des Proleta nossen Losowski - - daß nämlich eine Wende in der riats auf dem Weg zum Kommunismus. Dieser Teil Wirtschaftspolitik auch eine in der Gewerkschaftspoist geblieben. Aber der Teil, der sich konkret mit litik erfordert -- korrekt ist. Womit haben wir begon den gegenwärtigen Formen des wirtschaftlichen Le- nen? Wie in der Diskussion gestern herauskam und bens beschäftigt und das Zusammenwirken von Ge- wie Genosse Lenin in seiner Rede vor drei Tagen gewerkschaften und Wirtschaftsorganen und damit den sagt hat, haben wir in der Wirtschaftspolitik mit sowjetischen Staat als solchen beschreibt, verdient einem radikalen und unumkehrbaren Bruch mit der eine radikale Überprüfung. In der Diskussion hier bürgerlichen Vergangenheit begonnen. Vorher gab es haben wir zwei Interpretationen, zwei Erklärungen den Markt; wir haben ihn abgeschafft. Wir haben den dieser radikalen Überprüfung gehört (leider konnte freien Handel abgeschafft, die Konkurrenz abgeich beim Beitrag des Genossen Tomski nicht anwe- schafft, das Handelskalkül abgeschafft. Was haben send sein, da ich meine Aufmerksamkeit Pflichten wid- wir an ihre Stelle gesetzt? Den Obersten Volkswirtmen mußte, die keinen Aufschub duldeten). schaftsrat (vesenha), den obersten und heiligen, der alles verteilt, alles organisiert und sich schließlich Doch im Verlauf der Diskussion hat Genosse Losow- um alles kümmert: wo die Maschinen hinkommen, ski von einer radikalen Wende in unserer Wirtschafts wo das Material hinkommt, wo die Fertigprodukte politik gesprochen, die eine radikale Wende auch in hinkommen -- von einem einzigen Zentrum aus entunserer Gewerkschaftspolitik im weiten Sinne des scheidet und verteilt er durch seine verantwortlichen Wortes erfordert und immer dringender erfordern Organe alles. Wir haben die Erfahrungen hiermit

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nun abgeschlossen. Warum? Weil wir Schwierigkeiten mit der Ausführung hatten, oder well wir, wie Genosse Lenin es genannt hat, ein niederes kulturelles Niveau haben... Und was wäre, wenn wir weitergemacht hätten? Anders gesagt, was wäre, wenn ein eine andere Arbeiterklasse, in einem anderen Stadium ihrer Diktatur dank ihrer kulturellen Vorbereitung die Möglichkeit gehabt hätte, in der staatlich organisierten Aufhebung undZentralisierung des Marktes, der Konkurrenz und des Handelskalküls fortzufahren. und einen einheitlichen Wirtschaftsplan zu erstellen, der alles umfaßt und alles prüft? In diesem Fall hätten natürlich Zweideutigkeiten im Verhältnis zwischen den Gewerkschaften und den Wirtschaftsorganen keinen Platz gehabt. Dann wären die Verstaatung der Gewerkschaften und die planmäßige Leitung der sozialistischen Wirtschaft nichts anderes gewesen als zwei Seiten ein und derselben Medaille.

Welches war also unser Fehler? Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen -- und ich habe gestern versucht zu zeigen, daß dies für einen Revolutionär im allgemeinen und im besonderen unvermeidbar war --, aber wenn man allein die wirtschaftliche Seite der Frage betrachtet, dann war unser Fehler der, daß das Proletariat beim Wirtschaftsaufbau versucht hat, über das hinauszugehen, was in seinen Kräften stand. Unter den bestehenden Bedingungen im Land und beim gegenwärtigen Stand ihrer kulturellen, technischen, produktiven und organisatorischen Fähigkeiten war die Arbeiterklasse nicht in der Lage, den Sozialismus auf zentralisierte Weise aufzubauen. Aber wenn sie es getan hätte und auf ihrem Weg fortgefahren wäre, dann sehe ich persönlich auch heute noch keinen anderen Weg als den der Verstaatung der Gewerkschaften. Eine Sache ergibt sich aus der anderen. Nicht die Forderung nach.der Verstaatung als solche war falsch, sondern die Wirtschaftspolitik war den bestehenden Bedingungen nicht angemessen.

Deshalb war ich im Februar 1920, als ich am Vorabend des IX. Kongresses vorgeschlagen hatte, von der Bewirtschaftung zur Abgabe der Überschüsse überzugehen und in der Produktion wieder Vertragsverhältnisse einzuführen und dafür im Zentrakomitee 4 von 11 Stimmen bekam und damit unterlegen war, zum Schluß gekommen daß es notwendig sei, den zwiespältigen Charakter der Wirtschaftsleitung aufzuheben und die Gewerkschaften rascher und energischer zu verstaaten. Und das war eine korrekte Schlußfolgerung. Wenn wir von der Grundlage der neuen Politik aus für uns und für Europa eine Schlußfolgerung ziehen wollen, dann geht das keinesfalls im metaphysischen Geist der unantastbaren gewerkschaftlichen Wahrheiten des Genossen Riazanov, wenn er uns weismacht, daß er nicht gerade 36 Jahre lang, aber zumindest seit 1918 ... (Zwischenruf Riazanovs : "Was ich seit 4 Jahren sage").. Natürlich kann man 4 Jahre lang dasselbe wiederholen, wenn die Situation dem entspricht, was man sagt und sich nicht ändert. Aber das Wesentliche ist das, was sich geändert hat, wie das Losowski gesagt hat, der plötzliche Wandel in den Organisations methoden der sozialistischen Wirtschaft; und die Methoden der gewerkschaftlichen Arbeit für das Proletariat sind eng verbunden mit den Methoden der Wirtschaftsorganisation. Das ist das Wesentliche. Der Fehler Riazanovs liegt darin, daß sich in diesen vier Jahren ein großer Wandel vollzogen hat, den er nicht gemerkt hat und den er beiseiteläßt. Ich würde sogar noch weiter gehen: nachdem wir diese große Kehrtwende in der Wirtschaft gemacht haben und damit auch eine Änderung in der Gewerkschaftspolitik notwendig geworden ist, trat das Zentralkomitee noch, dem Trägheitsgesetz folgend, für die Aufrechterhaltung der alten Gewerkschaftspolitik ein. Man hat das Gefühl, als hätten wir auf wirtschaftlichem Gebiet auf wackligem Boden gestanden; die Partei hat dies in der Resolution des X. Kongresses über die Gewerkschaften so formuliert: die Wirtschaft zu lenken übersteigt die Kräfte der Gewerkschaften, aber die wirtschaftlichen Grundlagen dieser Leitung werden nicht in Frage gestellt.

Eine zentralisierte Leitung mittels der Gewerkschaften ist nicht möglich, so sagte der Kongreß, ohne an der Führung der allmächtigen "Vesenha" zu rütteln. Daher der Widerspruch und die Zweideutigkeit in der Resolution des X. Kongresses, die uns nicht einmal ein ganzes Jahr von Nutzen gewesen ist. Aus Trägheit hat das Zentralkomitee im vergangenen Jahr die Gewerkschaftspolitik nicht mit der Wirtschaftsorganisation verknüpft, während es sichaber zugleich an die Formulierung einer neuen Wirtschafts politik machte. Nehmt die Entscheidung des Rats der Volkskommissare (Sownarkom) vom August letzten Jahres. Der Beschluß des Sownarkom, der am 11. August 1921 veröffentlicht wurde, hat zum erstenmal mit großer Klarheit und Genauigkeit von der neuen Politik gesprochen und deren Grundsätze dargelegt, oder wenn ihr so wollt nicht sehr klar und deutlich, aber klarer und deutlicher als zuvor. Seither haben wir einen Schritt vorwärts gemacht. Der Punkt 2 dieses Beschlusses lautet: "Bei der Durchsetzung des neuen Kurses der Wirtschaftspolitik ist es unerläßlich, die Gewerkschaften noch stärker in die Organisation der Produktion des staatlichen Wirtschaftssektors zu integrieren und über sie die Arbeiter selbst an der Entscheidung über die Organisation der Leitung der Wirtschaft, der Arbeit, usw. zu beteiligen. " Noch stärker zu integrieren. . Das ist der Fehler! Während in der Praxis selbst die Entlohnung und die Reglementierung der Arbeit faktisch und konkret in die Hand der Führung überging, sagten wir im Beschluß, daß "die Gewerkschaften noch mehr in die Organisation der Leitung integriert" werden sollten,unter den Bedingungen der neuen ökonomischen Politik. Das war im August 1921 Einige Genossen haben mich gefragt, wie ich die neuen Thesen gutheißen konnte. Aber sie ergeben sich vollständig aus meiner früheren Position. Ich möchte euch daran erinnern, daß ich gegen diese zweite These des Augustbeschlusses war, als er im Zentralkomitee vorgelegt wurde. "Angesichts der Tatsache, daß der neue ökonomische Kurs in zahlreichen Betrieben eine Rückkehr zu den Handelsprinzipien und in gewissen Grenzen die Wiedererrichtung des freien Markts bedeutet, muß die Entwicklung der Gewerkschaften in Richtung auf ihre Verstaatung nicht nur gestoppt werden, sondern muß rückgängig gemacht werden. " (8. August 1921). Das habe ich vorgeschlagen. Das Zentralkomitee hat das abgelehnt.

Ich führe diesen wichtigen Punkt an um zu zeigen, daß wir den Schlüssel zu unserer Frage nur in den konkreten Beziehungen der Gewerkschaftspolitik zu den Organisationsformen der Wirtschaft finden können, und nicht in allgemeinen Grundsätzen, die für alle Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung gültig

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sein sollen. Es ist wahr, daß Larin hierzu gesagt hat, die Verpachtung von Fabriken habe keine Bedeutung: die Pacht, die Vergabe von Kónzessionen, usw., das alles spiele keine Rolle, vor allem weil das nur dann seiner Meinung nach von Bedeutung werden könnte, wenn wir gegen die Bourgeoisie Krieg führen müßten. Das müßten wir jetzt aber nicht. Aber haben sich Deutschland und England nich bekriegt und werden sie nicht danach trachten, sich wieder zu bekriegen? Und in der Zeit zwischen den Kriegen, wenn die feindlichen Industrieunternehmen konfisziert werden, werden sie doch der eine im Land des andern Betriebe aufbauen.

Die Reformisten haben uns bisher gesagt, daß die Internationalisierung des Kapitals die Gefahr des Krieges ausschalten würde, daß es keinen Krieg gäbe, weil das englische Kapital in deutsche Betriebe, das französische Kapital in englische Betriebe investiere, usf. Und wir Revolutionäre sagten, daß das absurd ist.

Die Internationalisierung des Kapitals hat den Krieg aufgeschoben, aber auch die Widersprüche verschärft und die Kriege zu Katastrophen gemacht. Dasselbe gilt für die Beziehungen zwischen dem bürgerlichen Europa und uns. Der grundlegende Fehler des Genossen Larin liegt jedoch woanders: sieht man von den wenigen verpachteten und vergebenen Betrie das Spiel des Mart de neue en dennischen Politik das lichen Betrieben untereinander. In der Tat, wenn ihr die "Izwestjia" auf Seite 4 aufschlagt, könnt ihr Anzeigen von Mostorg. Gum und andern staatlichen Betrieben lesen. Sie treiben Handel miteinander. Es sind alles staatliche Annoncen, denn es gibt kaum private Annoncen. Die Annoncen spiegeln unsere Wirtschaft. Was bedeutet das? Wenn man die 4. Seite der "Iswestjia" aufheben würde, hätten diese Betriebe nur über die Büros miteinander Kontakt, wie früher, und ihre Abrechnungen würden sie gegenseitig mit Hilfe von Anweisungen. und nicht durch das sowjetische Geld regeln. So einfach ist das. Ist es möglich, daß dies der richtige Ausweg ist? Nein, das wäre fatal. Im Augenblick liegt die Frage nicht in der Pacht ( die Ausmaße, die sie annehmen kann, hängen vom Gang der Entwicklung ab), sondern darin, daß die utopische Idee einer zentralisierten und statistischen Orientierung vom Zentrum, von der allgemeinen Rechnungsführung, dem System der Verteilung, des Aufbaus, der Versorgung usw. aus auf eine spätere Periode verschoben worden ist. Der Trust, die Fabrik, die Provinzsownarchose gehen schnuppern, suchen, was es im sowjetischen Staat gibt, kaufen; der, der kaufen kann, wird der Stärkste sein. Und die Provinzsownarchose von Moskau und die von Petersburg mögen noch so sehr denselben Platz in der sowjetischen Hierarchie einnehmen; wenn einer heute Geld hat und der andere keins, wird der eine mit Gütern versorgt werden und der andere nicht.

Die Orientierung auf den Markt, die Orientierung auf das Handelskalkül und nicht mehr auf die zentrale Rechnungsführung -- das ist heute die absolute Notwendigkeit der Übergangsphase. Aber diese absolute Notwendigkeit der Übergangsphase schließt die Möglichkeit einer praktischen Beteiligung der Gewerkschaften an der Betriebsführung aus. Wir haben in der Vergangenheit, in der Resolution vom X. Kongreß nicht von der Führung, sondern von einer Informellen Beteiligung gesprochen und damit Verwirrung gestiftet. Heute können wir dies nicht mehr. Unsre Aufgabe ist die , auf dem Markt zu manövrieren. Da wir versucht haben, direkt und auf einmal mit der marktwirtschaftlichen Vergangenheit zu brechen und in einemmal eine zentralisierte Wirtschaft aufzubauen, konnte uns kein Spezialist diese Methoden lehren, denn es gibt keinen Spezialisten, der sie kennte.

Unter solchen Bedingungen konnten wir die Wirtschaft nur über die Gewerkschaften aufbauen. Auch sie wußten nicht wie, aber Ihnen, oder zumindest ihren Führern, war die Grundposition klar. Aber jetzt, da wir eine Öffnung zum Markt hin vollziehen, können wir nicht "zulassen" , daß die Gewerkschaften an der Leitung der Produktion beteiligt werden; Wird Rockefeller nicht in einem andern Trust sein Kapital anlegen? Nein, das ist nicht der Punkt. Der Grund ist ein anderer. Wir sind sicher, daß Tomski sehr gut die Interessen der Arbeiterklasse gegen diejenigen Rockefellers vertreten wird, aber wir sind ebenso sicher, daß Rockefeller Tomski in dem Getriebeder Spekulation und der Manöver auf dem Markt in 5 Minuten zermalmen wird -- darüber haben wir nicht den mindesten Zweifel. Nun müssen wir von Rockefeller lernen. Aber das bedeutet ein tagtägliches Manövrieren und ist absolut unvereinbar nicht nur mit der Leitung der Wirtschaft durch die Gewerkschaften, sondernsogar mit der praktischen Kontrolle der Gewerkschaften aber die laufenden praktischen Aufgaben der Wirtschaftsorgane. Natürlich ist eine Kontrolle durch die allgemeinen Staatsorgane möglich, eine Kontrolle durch die öffentliche Meinung der Arbeiterklasse, aber in der Praxis ist eine tagtägliche Kontrolle der Manipulationen auf dem Markt nicht möglich. Das ist das zentrale Problem.

Da ran hängt auch der Fehler des Genossen Riazanov: in welchem Verhältnis stehen die programmatische Frage über die Gewerkschaften und der kleine Zwischenfall in der Leitung des Moskauer Wasserwerks, der Konflikt zwischen einer Gruppe von Arbeitern und einem Spezialisten. Der Spezialist hat sich aufgehängt und die Arbeiter werden vor das Gericht gestellt. Ihr Verhalten, sagt Riazanov, ist nur das Produkt eurer eigenen Fehler. Das ist sehr gut möglich. Aber das ändert nichts am Inhalt der Angelegenheit. Die Verhaftung und der Prozeß selbst stellen einen scharfen Aufruf zur Ordnung dar, den die Avantgarde der Arbeiterklasse an die Klasse insgesamt richtet. Das zeigt erneut, daß wir viel zu unkultiviert sind -- denn das ist unserer Meinung nach letzten Endes der Kern dieser Angelegenheit - , d. h. dal wir es nicht verstanden haben, eine sozialistische Wirtschaft allein auf der Grundlage unserer kommunistischen Kräfte aufzubauen und daß wir gezwungen sind, uns die kapitalistischen Organisationsmethoden anzueignen, den Weg des Kalküls, der Konkurrenz, der Annoncen in der "izwestjia" , usw. Wir sind gezwungen, in dieser verdammten Handelssphäre von der Bourgeoisie und den bürgerlichen Spezialisten zu lernen, und es wäre lächerlich, in diesem Zusammenhang die wachsende Rolle und Bedeutung der bürgerlichen Spezialisten in der gegenwärtigen Übergangsphase unserer Gesellschaft zu leugnen. Natürlich wird der Spezialist versuchen, sich wichtig zu machen, und wir werden ihn rechtzeitig auf seinen Platz verweisen. Und den rück.

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СТОРОЖ РЕВОЛ ständigsten Arbeitern müssen wir sagen, daß wir auf den Spezialisten im Augenblick nicht verzichten können. Natürlich ist er ohne uns verloren; er ist gezwungen, uns seine Dienste zu leisten, aber wir sind auch gezwungen, ihm die Bedingungen zu verschaffen, damit er uns dienen kann.

Was hat es also auf sich mit dem, was bei den Moskauer Wasserwerken passiert ist? Es ist dieses: den Genossen in diesem Betrieb mangelte es nicht nur an dem Mindestmaß an kulturellem Niveau, um die Wasserversorgung in die Hand nehmen zu können, ihr kulturelles Niveau reichte auch nicht aus, um sich zu sagen: ich bin stark genug, um die Macht bei den Wasserwerken in die Hand zu nehmen, aber nicht vorbereitet und unterrichtet genug, um auch die Leitung der Wasserversorgung zu übernehmen"ich habe nicht die ausreichende technische oder kommerzielle Kompetenz, egal wie ihr es nennt. Das hat natürlich eine geringere Bedeutung, als den Betrieb selbst zu leiten, aber es ist schon wichtig, daß sich die Arbeiter bewußt sagen: "ich kann nicht alles machen und deshalb nehme ich mir einen Spezialisten und verschaffe ihm gewisse Bedingungen. Wenn noch nicht einmal dies Niveau erreicht ist, dann sieht es noch schlimmer aus. Und die Partei ruft ihnen streng entgegen: Genossen,wenn ihr beim Rückzug auf eine neue Verteidigungslinie, die wir um jeden Preis halten müssen, wenn wir nicht unter viel schlimmeren Bedingungen in den Kapitalismus zurückfallen wollen, d. h. unter den Bedingungen der kolonialen Unterjochung; wenn ihr beim Rückzug auf diese neue Verteidigungslinie in euch nicht die innere Energie, das Verständnis und die politische Kultur findet, alles in Gang zu bringen, die Instrumente und die Methoden, die unerläßlich für uns sind, damit wir uns auf dieser Verteidigungslinie halten können -- dann sind wir verloren. Daher die Strenge des Urteils.

Haben wir uns in Wirklichkeit nicht genau so verhaten, als wir zur Zeit des Rückzugs der Armee erbarmungslos die Verwirrungsstifter erschossen haben? Wer war das? Schufte? Nicht immer, denn 3Q oft waren Leute darunter, die vom Weg abgekommen waren, entgleist waren... Die Erschießung war ein grausames Mittel, um die andern zu warnen. In der Wirtschaft ist es ebenso unerläßlich, harte Maßnahmen zu ergreifen.

Es geht nicht darum, daß wir die ausländischen Spezia listen abschrecken könnten, daß sie nicht zu uns kommen, wie Riazanov sagt, sondern darum, daß wir uns selbst und unsere Wirtschaft desorganisieren, wenn wir mit den Spezialisten umspringen, als könnten wir ohne sie auskommen. Es ist dieses Unverständnis über den Charakter des Augenblicks, das so unheilvoll ist beim Genossen Riazanov ... Ich weiß nicht, ob Riazanov diese oder eine andere Strafe verdient hat (Zwischenruf von Riazanov: "Ihr habt sie beschlossen... "). Ich habe es unterlassen, zahlreiche Eurer wahrscheinlich hoch löblichen Taten zu erwähnen, insbesondere die Einzelheiten der Intervention, für die Ihr bestraft worden seid. Erst heute habe ich Euch eure Resolution vorlesen hören, und ich weiß nicht, ob Ihr nur deswegen bestraft worden seid. Ich kann nicht für die Richtigkeit der Strafe garantieren, aber ich kann es auch nicht auf mich nehmen, sie für ungerecht zu halten. Euer Standpunkt ist falsch. Ihr habt ein sehr gutes Büchlein geschrieben: "Kommentar zum Kommunistischen Manifest". Das ist eine andere Sache. (Riazanov: "Weil ich Zeit gehabt habe, als ich aus der Gewerkschaftsbewegung hinausgeworfen wurde"). Wenn dem so ist, dann gibt sich Riazanov selbst die selbstzerstörerischste Antwort, die man überhaupt geben kann, denn die Kommentare, die er zum Kommunistischen Manifest geschrieben hat, kann keiner von uns hier schreiben. Ich glaube nicht, daß es noch einen Mann gibt, der die marxistische Literatur so gründlich kennt, wie Riazanov, und ich erkenne Eure außerordentliche Gelehrtheit an, aber das bedeutet nicht, daß er sie in der Praxis korrekt anwendet. (Riazanov: "Wie ein Kriegsminister auf dem Gebiet der politischen Ökonomie"). Es ist möglich, daß dieser Kriegsminister keine theoretischen Werke über die politische Ökonomie schreiben sollte, und wenn er es dennoch tut, werden wir ihn bestrafen. Wir bestrafen Euch aber nicht wegen Eurer nützlichen Kommentare, sondern wegen Eurer Versuche, gewisse Methoden, die Ihr in der Gewerkschaftsbewegung anwendet, zu verewigen, unabhängig vom Charakter der Wirtschaftsbeziehungen und der politischen Periode. Das ist Euer großer Fehler. (nach der Übersetzung aus dem Russischen von Guy Desolre).

Quelle: Stenographischer Bericht des XI. Kongresses der KPR (B), Moskau 1961, Seite 269 bis 275.

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E rest Mandel Leo Trotzki

Lenin und das Problem des proletari- Die Russische Revolution (Kopenhage- ISP-VERTRIEB schen Klassenbewußtseins ner Rede, 1932)

Die Strategie der Übergangsforderungen Drei Konzeptionen der Russischen Revolution 96 Seiten. DM 5,50 56 Seiten, DM 3.80 Ernest Mandel Die beiden Texte behandeln in einer klar ge- Die Oktoberrevolution, trotz der siegreichen Von der sozialen Ungleichheit zur gliederten und einfach geschriebenen Weise die Revolutionen in China. Jugoslawien. Kuba und klassenlosen Gesellschaft grundlegenden Aspekte und Probleme der Leni- Vietnam, ist fur uns heute noch die bedeutend. 2. Auflage, 104 Seiten, DM 5.50 nistischen Parteitheorie einersetis, und der, auf ste Schule der Strategie und Taktik der proletadie Tradition der ersten vier Weltkongresse der rischen Machtergreifung. Die Frage des Ver. "Diese Einführung in den Marxismus resultiert Komintern und der IV. Internationale begrün- haltnisses von Partei und Massen, des Verhalt• aus Erfahrungen von, Kursen mit jungen Aktivi- dete Übergangsstrategie andererseits. nisses von Proletariat und Bauern, Räten und sten, die zu verschiedenen Zeitpunkten in den Der erste Aufsatz liefert den Nachweis der Ak- Diktatur des Proletariats wurden hier in aller letzten 15 Jahren durchgeführt wurden. Sie ba- tualitat des leninistischen Organisationskon- Klarheit gestellt und von den Bolschewiki besiert auf pädagogischen Bedürfnissen, die wie zepts. Ausgehend von der, im Kapitalismus un. antwortet. wir festgestellt haben, je nach Land und Milieu vermeidlichen politischen Stratifikation der Ar. Aber auch in der Frage des Niedergangs der wechseln können. beiterklasse in "fortschrittliche Arbeiter" und Revolution, der Bedingungen der Burokrati• Die Einfuhrung beinhaltet die Grundzüge der "Masse der Arbeiter", wird das dialektische sierung des ersten Arbeiterstaates ist die Ana. Theorie des historischen Materialismus, der Verhältnis dieser beiden Arbeiterkategorien, so- lyse der Oktoberrevolution grundlegend. marxistischen Wirtschaftstheorie, der Geschich- wie deren Verhaltnis zur revolutionaren Partei In der sog. Kopenhagener Rede uber die Russi. te der Arbeiterbewegung und der strategschen sche Revolution zeichnet Trotzki eine in der und taktischen Probleme der Arbeiterbewegung Die Arbeit über die Übergangsstrategie geht von Form einmalige, straffe und präzise Geschichte in unserer Zeit." folgender Frage aus: Welchen Anforderungen der Oktoberrevolution. Aus dem Vorwort des Verfassers • muß eine revolutionäre Strategie aufgrund der Den Anhang bilden eine Zusammenfassung Eine ausgezeichnete Einführung in den Marxis- Strukturmerkmale des Spatkapitalismus genu Trotzkis uber die Revolutionskonzeptionen der mus und in die revolutionäre Politik. gen. um die Massen fur einen Kampl gegen das russischen Revolution und ein Beitrag des Au- System erfolgreich zu mobilisieren. Auf dem genzeugen der Kopenhagener Rede, Georg Hintergrund der Analyse dieser Strukturmerk Jungelas, langjähriger Sekretar unserer Bewemale (Erhöhte Staatsinterventionen, gleichzei- gung in Westdeutschland. tiges Auftreten von Inflation. Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise, Unmoglichkeit systemati- Pierre Rieben scher Reformen) werden Methode und Inhalt der Obergangsstrategie als Antwort auf diese Spanien nach Burgos Reportagen aus dem Chile der Militär- zentrale Frage dargelegt. 112 Seiten, DM 3.junta Ein weiterer Abschnitt beinhaltet eine Ausein. Diese Broschüre enthalt eine Sammlung von Mit Analysen über den Widerstand von andersetzung mit zentristischen und reformisti. Texten und Dokumenten aus den Jahren 1970- Jean-Pierre Beauvais schen Stromungen, die diese Strukturmerkmale 73. die die politische Situation des spanischen des Spatkapitalismus ignorieren oder aber fal- Staates zu Beginn der siebziger Jahte deutlich sche programmatische Antworten auf diese ge- machen.

Pierre Richen, ein schweier Journalist, der im hen. Aus dem Inhalt: Der Todeskampf des Francis- April 1974 von der chilenischen Militarjunta Insoweit Revolution. und Organisationstheorie mus. Spanien nach Burgos Die Streiks bei festgenommen. gefoltert und des Landes ver- eine Einheit darstellen, erginzen sich beide Ar- SKAT und Et Ferol. Aufschwung der Arbeiterwiesen wurde. hat diese Artikel zwischen Okto- tikel und konnen aufgrund ihrer klaren Konzep. kampfe. Neun-Punkte-Programm der L.CR. ber 1973 und Marz. 1974 geschrichen. Er behan- tion, sowie ihrer Beschrankung auf das Wesentdelt vor allem die wirtschaftlichen Schwierigkei. liche. hervorragend als Schulungsbroschuren be. Junta. die Spaltung der chilenischen nutzt werden.

Bourgeoisie und die Verarmung der Arheiterklasse nach dem Putsch. RML : Sieg für Indochina

Jean-Pierre Beauvais. Redaktionsmitglied der 72 Seiten, DM 6.mehrere Male seit dem Putsch in Chile war. Diese Broschüre stellt nicht nur einen histo. schildert die Reorganisierung des Widerstandes rischen Abriß der indochinesischen und vietin Chile. die Diskussionen innerhalb der chilent- Kuron / Modzelewski schen Linken, und der Linken in Europa uher Offener Brief an die Polnische Vereinigte Befreiungskampfen gegen die franzosische Arbeiterpartei. Kolonialherrschaft bis zum Einmarsch der Aktionseinheiten, vor allem mit Teilen der chi- revolutionaren Truppen in Saigon und Phnom lenischen Christdemokraten. Beilage: Artikel von Pierre Frank, Isaac Deutscher und A. Zambrowski. Sie arbeitet ausgehend von ciner imperialistischen 156 Seiten. DM S.- (HoC) Herschaft über Indochina die Klassengegen- Kuron und Modzelewski schrieben ihren offe- satze heraus, die das Eindringen des Kapitals GEGEN die fremdenfeindlichen Bewe- nen Brief an die Polnische Vereinigte Arbeiter. in diesen Landern hergestellt hat und die den gungen - FÜR die Einheit der Arbeiter- parter im Jahre 1965. Der Lesser kann nicht "permanenten" Charakter der indochinesischen umhin. von diesem in vieler Hinsicht auticror. Revolution hegrunden : das Zusammenfallen klasse! dentlichen Dokument beeindruckt zu sein. des nationalen Befreiungskampfes und der 48 Seiten, DM 3.- handelt sich daher um das erste ausführliche re. Agrarrevolution Seit seinem Bestehen hat der Kapitalismus u a. volutionare marxistische Dokument aus emem Revolution in. den Stadten und der Zer- Arbeiterstaat seit der Liquidierung der Linken schlagung des abhanggen Kapitalismus. Auf von der Spaltung gelebt, die er zwischen den Opposition und der Ermordung Trotzkis. Arbeitern heraufbeschworen und unterhalten zeugt von dem hohen Bildungsniveau der ber- der Grundlage dieser Untersuchung wird das hat. Neben anderen Formen ist die Spaltung den Verfasser und deren Falugkeit, eine genauc zwischen ausländischen und einheimischen Ar- Analyse der polnischen Geselischaft zu machen Befreiungshewegungen von der stalinistischen beitern heute eine der zahesten und schwerwie. und ein gültiges Programm für die polnische Ar- Volksfrontorientierung dargestellt und werden gendsten. Wie ein roter Faden durchläuft sie die die zusatzlichen Schwierigkeiten deutlich. die jungste Geschichte der europaschen Arbeiter. Aus dem Inhalt: Die Herrschaft der Monopol- das Fehlen einer revolutionären theoretischen klasse. burokratie. Lohn, Mehrprodukt und Eigentum. Konzeption in den Reihen der Vietminh der Diese Broschüre, herausgegeben von der RML. Das Produktionsciel. Entstehung des Monopol- Entwicklung und dem weiteren Fortschritt schweizer Sektion der IV. Internationale schil- Wirtschafts- und Agrarkrise. Die indochinesischen Revolution entgegen-• dert die fremdenfeindliche Aktivitat nationalistischer und faschistischer Kreise in der Die allgemeine Gesellschaftskrise. Interationa- stellen. Eine knappe Dokumentation der Um- Schweiz. Sie schildert den Wankelmut der Ge- le Probleme der Revolution. Das Programm. walzung der Produktionsverhaltnisse in den werkschaftsfuhrung und setzt dem ihre eigene befreiten Gebieten und eine Analyse der Linie entgegen. die die Einheit der Schweizer historischen Perspektive der "Volksmacht" ind ausländischen Arbeiter in den Vordergrund endgultigen Niederlage des US. steilt.

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Die Reihe Betrieb und Gewerkschaft' (b&g) wird vom zentralen Ausschuß für Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit der Gruppe Internationale Marxisten (GIM)

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