Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Pat Jordan/Ric Webster: Nambia

Ein Baustein in Vorsters Bantustan-Politik

Inprekorr Nr. 77, 18. März 1977 · S. 19-23 · 4.034 Wörter

Afrika Südafrika Großbritannien Faschismus und Rassismus

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Die Niederlage des portugiesisrien Imperialismus sen werden sollen". . und das südafrikanische Regime in Mozambique und das Fehlschlagen der nachfolgen- hat die SWAPO als eine marxistisch-leninistische den Versuche, in Angola ein Martonestenregime Organisation bezeichner und aus den Verhandlungen aufzubauen, hat im ganzen südlichen Afrika ein neues um die Verfassung ausgeschinssen. Kräfteverhältnis geschaffen. Der Sieg der Befreiungs kämpfe in den fritheren portugiesischen Kolonien In der Zwischenzeit geht die Arbeit der Verfassunge und insbesondere die demiltigende Niederlage der konferenz nur mühsam voran. Es gilt cine Verfassüdafrikanischen Streitkräfte in Angola haben deni sung auszuarbeiten, die der SWAPO Ihre Unter- Kampf der Massen gegen Rassismus und Imperialis- stiltzungsbasis entziehen soll, und sellst die "remus in dieser Region neuen Auftrich gegehen. Die mäßigien" Namibier, mit denen Vorster die Verhand Antwort des Imperialismus darauf war die, seinen lungen fhrt, sind so weit zurückgewichen, daß sie Zügriff über die Region wieder so zu festigen, daß die Forderungender Weißen, der grotte Teil des er hinter dem Schein von Zugeständnissen die reale Lands solle weiterhin für Weiße reserviert bleiben, Kontrolle über die Lage behält. Es handelt sich um die Macht der vielrassischen Zentralregierung eng einen sehr helklen Prozeß der Umgruppierung der beschränkt sein und die vorgeselienen "ethnischen Krate, in dem die widersprüchlichen Interessen der Rate" nur der Zierde dienen, akzeptiert haben, verschiedenen sozialen Kräfte In Einklang miteina- Außerdem hat Vorster Mihe, das Ausland von den der gebracht werden müssen. Dieser Prozeß der Turnhalle-Gesprächen zu Gherzeugen. Professor Umstrukturierung hat sich zunächst auf Zimbabwe Kerima, ein Abtrinniger von der SWAPO, der zwei (Rhodesien) konzentriert, wo die Unnachgiebigkeit Wochen lang in Europa um Unterssitzung lir Vordes welßen rassistischen Regimes die gesamte Ope- sters Namibia-Pläne geworben hat, sagte in einem Interview mit dem "Rand Daily Mail" am 19, Tamar ration in Frage zu stellen drohte. Aber die Umbildung der imperialistischen Herrschaft Aber das 1977: "Ich habe gemerkt, dad die Turnhalle-Gespräsidliche Afrika beschränkt sich nicht auf Zimbabwe. che uns im Ausland nicht viel Glaubwürdigkeit einge- Die Sorge des Vorster-Regimes in Südafrika da - bracht haben". Pretoria hat zwei amerikanische rüber. daß es "bei der Lösung der Rhodesienkrise Firmen damit beauftragt, den Häuptling Kaputo. zu keinen Fortschritten kommt, wächst von Tag zu einen der Turnhalle-Marionesen, als ernstzuneh- Tag. Es ist daher entschlossen, fr Namthia eine menden Führer Namibias aufzupolieren. In der eigene 1Ssung zu suchen. Vorsters Ziel ist das Februar-Ausgabe 1977 vom "African Development" einer Interimsregierung in Namilia, die Mitte dieses steht: "Die erste der beiden New Yorker Firmen, Jahres eingesert und die Unabhängickeit dieses Ce- die Psychographie Communications. "marktreit" ein Publicbiets im Laure des Jahres 1978 vorbereiten soll". Relations-Unternehmen, hat Kapuno so schreibt der "Christian Scielice Monitor" Ende gemacht. Auf seiner letzten Reise in die USA trat Januar. er mit Cyrus Vance, Henry Ford und Aufsichtsräten des "Newsweek" und der "New York Times" zusam- Die von Vorster in Namibia angestrebte Losum ist men. Man photographierte ihn auch auf einer Party die, in diesem ausgedehnten Gebiet, das Südafrika zusammen mit Elizabeth Taylor. Die andere Firma, unter Mißachtung aller internationalen Gesetze und eine Rechtsfirma namens Burns and Jacoby, hat des Willens der Revölkerung heseret halli, die Kapuno bei den Turnhalle-Gesprichen gezeigt: einer SWAPO (South Wes! African People's Organization), ihrer Mitarbeiter hat den Gesprächen beigewohnt und die Befreiungsorganisation in diesem Cebiet, cănz es heißt, daß er den Verinssungsvorschlag entworfen Telt aus jeder neuen Regierung herauszuholten, sei habe Die Kosten fir die Dienste der Rechtsfirma es die Interimsregiermi oder ome andere. Das Ziel sind auf 1. 000 Dollar pro Tag geschätzt worden. Ist eindeutig: in den Arbeitspapieren zur Turnhalle- Sprecher heider Firmen haben gesagt, daß Kaputo Konferenz (1 heißt es. dail "marxistiseli-leninisti- selbst keiner von beiden irgendein Honorar zahlt, sche Parteien zu keinen Wallen in Namibia zugelas- was Spekulationen darüher ausgelöst hat, daß die - 19 -

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nambia wm Wohltäter möglicherweise der BOSS (Purenu of Special Services, der südafrikanische Geheimdiens:) und der CIA sind.

Das Ziel, das die herrschende Klasse mit den Turnhalle-Gesprächen verfolgt, ist das, die formelle Unabhängigkeit Namibias zu erreichen und gleichzeitig die reale Kontrolle über das Land zu behalten. Die bei den Turnhalle-Gesprächen vorgebrachten Vorschläge sehen keine Änderung in der Wirtschafts- Struktur vor. Die Industrie soll weiterhin in der Hand des südafrikanischen, britischen und amerikanischen Kapitals bleiben, während die Schwarzen weiterhin nur billige Wanderarbeiter sein sollen Das neue Parlament soll sich aus je vier Vertretern der verschiedenen Bevölkerungsgruppen zusammensetzen, aber es besteht Einigungszwang und jede Gruppe hat Vetorecht. Damit können die vier Weißen die nur einen kleinen Teil der Bevölkerung darstellen, jeden Vorschlag abblocken, der ihnen nicht paßt. Außerdem soll die Kontrolle über die Verteidigung, die Sicherheit, die Außenpolitik, die Finanzen und die Geldpolitik in den Händen Pretorias bleiben, womit für das neue "Parlament" nur wenig zu diskutieren übrig bleibt. Die südafrikanischen Truppen sollen nicht aus Namibia zurückgezogen werden. Heute sind 45. 000 bewaffnete südafrikanische Soldaten in Namibia stationiert, die meisten von ihnen im Norden, wo entlang der angolanischen Grenze in der Breite von einer Meile ohne Vorwarnung geschossen werden darf. 12.800 davon sind Anti-Aufruhr und Anti-Guerillatruppen. Eine kleine Zahl von Afrikanern, die vom Vorsterregime gekauft und denen Titel verliehen wurden, auf Grund derer sie beanspruchen können, für verschiedene "Bevölkerungsgruppen" zu sprechen, haben der Anwesenheit dieser Trappen zugestimmt. Pastor Cornelius Ndjoba z. B.,der. "Oberste Minister' von Ovamboland, hat gesagt: "Mein Volk begriß: die Anwesenheit von Verteidi. gungstruppen. " Andere afrikanische Delegierte haben bei den Turnhalle-Cesprächen #hnliche Bemerkungen gemacht.

Das südafrikanische Großkapital hat der Turnhalle- Konferenz sehr den Rücken gestärkt und eine "Südwestafrikanische Stiftung gegrindet, die um internationale Unterstiltzung für die vorgeschlagene multinationale Provisorische Regierung" wirbt. ANGOLA SAMBIA ад.: BOTSWANA OCA

SUDWEST.

AFRIKA

NAMIRIA) SWASUAND wilk Besterung a Mitonas Tonne: 0l ma A Vatte 20e Unter den Unternelimen, die diesen Werbefeldeng führen, findet man De Beers, Rio Tinto Zine und Newmont Mining, die alle bedeutende Investitionen in Namibia zu verteidigen haben. Es sind auch Verbindungen zu westdeutschen Stiftungen aufgenommen worden, und viele in Namibia anslissige Deutsche sind an diesem Projekt beteiligt: eine zentrale Figur im Planungskomitee der Stiftung ist Kurt Dalmann, der Herausgeber der deutschsprachigen "Allgemeinen Zeitung". Die Stiftung plant eine Randreise durch Großbritannien, Westdeutschland und andere europäische Länder fir die Marionetten von Vorsters Turnhalle-Konferenz.

Parallel zur politischen Operation mit der Turnhallekonferenz treibt die südafrikanische Regierung ihr militärisches Engagement In Namibia voran, indem sie einen stets wachsenden Anteil des ständig zunehmenden "Verteidigungs"haushalts fir Operationen in Namibia und fir die Truppenkonzentration an der namibisch-angolanischen Grenze ausgibt Dennoch hat die SWAPO weltere Pluspinkle für sich verzeichnen können, sowoll in militärischer wie in politischer Hinsicht. Mitte Januar berichtete die "Pinancial Times", es habe den Anschein, als "sei eine neue SWAPO-Basis eröffnet worden, mit einer großen Anzahl von Waffen, Boden-Luft-Rakeren und Panzern. " Einer der größten polllischen Erfolge der SWAPO war die Entscheidung der Reheboth Volkspartie gewesen, einer Partei, die immer gegen die Politik Südafrikas in Namibia aufgetreten ist, sich aufzulösen und der SWAPO anzuschließen (2). Im Anschluß daran gaben die traditionellen Führer der vier Nama-Gruppen (3) Shnliche Erklärunger alı und 16sten die Namibia African People' s Organization auf, eine neue Partei, die vor allem unter den Damaras, der zweitstärksten afrikanischen Gemeinschaft in Namibia, große Unterstützung genießt. Der "African Development" berichtet in seiner Februarausgabe, daß "die Führer der SWAPO und der SWANU (4) vor kurzem sich zu geheimen Gespräche: getroffen haben, um üher die Bildung einer schwarzen, nationalistischen Front zu reden. ." All diese Entwicklungen zeigen, daß der Anspruch der SWAPO, die nationale Organisation Namibias zu sein, Immer weniger anzufechten ist. Die SWAPO hat die Turnhalle-Gespräche sowohl in Namibia selbst wie auch im Ausland als "monumentales Täuschungsmanöver der Buren" bezeichnet und eine Reihe son Vorbedingungen genannt fir die Teilnalme an solchen Verhandlungen #berhaupt Diese Vorbedingungen sind: 1) der Abzug der südafri kanischen Armee und Polizei aus Natilbia: 2) die Aufiebung der Sicherheitssperre: 3) die Anerkenne von Namibias Recht auf Unabling gkeit und nationale Souveränit durch Südafrika: Alle Anerkennung der Unverletztlehkeit des Terrortums von Namibia: 5) die Freilassung aller politischen Gefangenen. auch derjenigen, die auf den Robhen Inseln gefangen gelniten werden: 6) die freie Rückkelm aller Exilier len: 7) die Durchflirung freier Wallen unter der Oberaufsicht der Vereinten Natlonen: 8) die Aufhebung der Verbots der SWAPO

WAS STEHT AUE DEM SPIEL 2 Warum hat der Imperialismus ein so großes Interes- 20 -

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se an diesem 520.000 Quadratmeilen (824. 000 km-) großen Gebiel, Hochland und Wüste, wo weniger als 1 Million Menschen leben" Historisch peselten hat der Streit zwischen dem britischen und dem deutschen Imperialismus zu Anfang des 20. fahrhunderis um die Kontrolle Aber Südwestafrika seine Wurzeln in dem Kampf um die Handeisstraßen, die fruchtbaren Anbadgebiete im zentralen Hochland und im alten TraumCecit Rhodes' von einem britisch kontrollierten Afrika von Ägypten bis Kapstadt. Aler heute gelit es um viel meir. Namibia Ist heute der Welt größter Produzent con Diamantensteien und hat auch große Vorkommen an Lithium, Vanadin, Blei, Kadmium und Ziok. Zusätzlich sind neue Uranvorkommen erschlossen worden, von denen Großbritannien ablingig Ist.

Sidwestafrika wurde 1884 auf der Berliner Konfe renz durch einen Machtspruch des Imperialismus gegnindet. Seine Grenzen gehören zu den gradlinigsten in der Well, und das aus gutem Grund, Vertreter des deutschen und des britischen Imperialismus die sich untereinander die Kontrolle über das sadllche Afrika aufgeleilt haben, haben sie am grinen Tisch milt Bleistift und Lineal gezogen. Sidwestafrika fiel dam an den expandierenden deutschen Koloninlismus. Es gibt jedoch einige Ausnahmen an der sonst schnurgeraden Grenze Namibias. Die Walvis Bay, der als einziger Reitungsanker an der Wesikliste des südllehen Afrika eine strategische Bedeutlung zukomml (und die Namibins einzigen Zugang zum Meer für seinen Export darstellf), wurde 1873 von der britischen Kapkolonie nunektiert. Eine zweite Ausnalime bildet der Caprivi-Streifen, eine 15 km breller Landstreffen, der sich 500 km ustwirts ins Land erstreckt und Namibia mit Bolswana, Samlia und Rhodesien verbindet. Die Niederlage des deutschen Imperialismus Im ersten Weltkrieg kostete ihn den Besitz von Südwestafrika, das mun unter das Mandat des Völkerbunds gestellt wurde, alser von Südafrika im interesse des brilischen Imperialis mus beherrscht wurde, 1946 kam das Mandatsgehiel dann unter UNO- Verwaltung: diese wurde nach jahrelangen Konflikten der UNO mit Südafrika 1966 wieder aufgehoben. Trotz der Entscheidung der Vereinten Nationen blich Namibia, wie Sildwestafrika 1966 umgetauft würde, unter sildafrikanischer liertschaft. In Wirklichkeit ist Namibin in den 60er und Tder Jahren in zunehmendem Maß sowohl wirtschalllich wie politisch in Südafrika integrier! worden. NAMIBIAS WIRTSCHAFTSSTRUKTUR

Namibias Wirtschaft beruht vor allem auf der Produktion von Rohstoffen, und zwar hauptsächlich in den Sektoren Bergbau, Fischerei und Landwirtschaft Sie weist alle klassischen Zilge eines Kolonial systems auf: die Wirtschaft und'der Rolistoffexport werden von einigen wenigen Imperialistischen Ländern beherrscht: die enormen imperialistisclien Superprofite fließen in die imperialistischen Mutterländer zurück; die Masse der einheimischen werktätigen Bevölkerung fristet ein Leben am Rand des Existenzminimums: eine relatis große Reserve armee von Arbeilskrllen drückt die Lolme; dos Nationaleinkommen wird dazu benutzt, die Kosten der imperialistischen Infrastruktur zu recken н nambla Die bedeutendste Industrie im Land Ist die Gie winnung von Erzen. Das britische. kanadische, französische, deutsche, japanische und das amerikanische Kapital besitzt Anteile am Bergbau Namibias Dieser Industriezweig hat 1972 60% des Bruttosozialprodukts hervorgebracht, 60% der Exporte und 50% des Regierungseinkommens. Welche Profite die multinationalen Konzerne in Namibia scheffeln, möger der Fall der Tsumeb South West Africa Co. Lid. und der Consolidated Diamond Mines verdeutlichen, die aus Ihren Operationen In Namibia 1972zusammen9i Mill. DollareinstrichenDavon gingen 9, 8 Mill. Dollar an die beteiligen US-Unternehmen, 1.3 Millionen an die britischen und 35, 3 Mill. an die südafrikanischen Gesellschaften. Tsumeb Ist ein US-kontrollierter Konzern, in dem die South West Africa Co. Lid., eine britlsehe Firma, einen bedeutenden Minderleitenanteil hat. 1970 wurde eine ilirer Gruben, in der Stadt Tsumeh, auf 70 Mill Dollar Investitions wert geschätzt. Die Tsumeh-Mine lag erst in deutscher Hand, kam dam aber nach dem Zweilen Wel!krieg unter die Othut des "Custodian of Enemy Property". 1915 kaufte ein Konsortium aus amerikanischem, britlschem und südafrikanischem Kapiral die Mine fir 1 Mill. Dollar auf: das war im Zuge der Neuaufeilung des Kapitals nach dem Zusammenbruch des deutschen Faschismus

Der zweitwichtigste Sektor der Wirtschaft Ist die Fischerei und die Fischverarbeltung. Sie stellt 25% des BSP dar. Sarinen und Sardellen sinl die beiden größten Erzeugnisse. Die verarbeiteten Produkte relien dann an südafrikanische Firmen, die Anrec aufeinen l'eil des Fangs haben. Die Fische werden mit der Aufschrift "Produce of South Africa" verpackt und nach Nordamerika oder nach Faropa exportiert, Der dritte Sektor, die Landwirischanl, 510t21 sich in erster Linie auf die Production von Fleisch, Fellen und Karakul-Persianerpelzen, die von der Hudson Bas Company In London verkauft werden und den welßen Farmern in Namibia luicrative Flnkommen sicherit. Von September 1912 bis Septem ber 1973 sind Insgesamt 3, 4 Mill solcher Pelze verkauft worden: sie erzielten jeder im Ausland den Einzeipreis son 6,50 Pfund Sterling

Namibias Wirtschaft hat nicht den Prozeß der neokolonialen Entwicklung der verarbeitenden Industrie durchgemacht, wie dies in einigen andern afrikanischen Ländern der Fall gewesen ist tobwohl es auf dem Bausektor, in der Fischverarbeitung und auf dem Gehle! der Montage importierter sadafrikanischer Halbfertigwaren ein begrenztes Wachstum geeben hat). Die Hungerlöhne, die Afrikanern ausgezahl werden, und das hole Maß an Arbeitslosigkeit verhindern die Entfaltung eines einheimischen Marktes für Konsumgüter. Die Wirtschaft bleibt dalier unter der Herrschaft des auslindischen Kapitals, das sich in der extraktiven oder Grundstoffndustrie konzentriert, Die Gesetze des südafrikanischen Regimes und die hohe Besteuerung ausländischen Kapitals ermutigen zur Rückführung eines großen Teils der Profite ins Mutterland. Nicht ausgeschitete Profite werden zu 20% versteuert, aber alle Auslagen fir Kapitalausgahen können abgeschriehen werden: die Bergbauindustrie zahlt eine Finkommenssteuer in der Höhe von 22 1/2 % bis 30%. 1974 wurden die Gesetze geändert, um dem ausländischen

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nambia wm Kapilal eine größere Kontrolle Ober die Investitionen zu ermöglichen. Zuvor waren 50" südafrikanische Betefligung erforderlich und an die Regierung in Pretoria mußte eine 10gige Investitionsprimie gezahlt werden. Die erforderliche Beteiligung wurde 1974 auf 25% gesenkt, wodurch sowohl die auständischen Investitionen wie auch die zurüekgeführten Pro fite stiegen. Aber obwohl es keinerlei Steigerung des lebensstandards der schwarzafrikanischen Massen gegeben hat, ist das Wirtschaftswachstum sehr rasch vorangeschritten. Das zeigen folgende vergleichende Zahlen für die jährlichen Wachstumsraten in den Jahren 1960 bis 1969:

Sildafrika 3, 8% Tansania 1,6% Kenia 1,5% Uganda 1,7% Angola 1,4% Rhodesien 0, 4.

Sambia 5,4% Botswana 1,0% (Quelle: "Finance and Development", Januar-März 1972).

Die Zahl für Südafrika umfaßt auch Namibia, aber in seiner Broschüre " The Role of Foreign Firms in Namibia" spricht Boger Murray von einem 11% igen Wachstum in Namibia in diesem Zeitraum. Dies widerspricht nicht der obigen Angabe von 3,8% filr Südafrika und Namibia zusammen, da das BSP Namibias nur 4% des BSP Südafrikas ausmacht. SÜDAFRIKA UND NAMIBIA

Die südafrikanische Regierung hat sich lange geweigert, die UNO- Verwaltung über Namibia anzuerkennen. 1969 wurde Namibia im South West Africa Affairs Act formell als die fünfte Provinz Südafrikas bezeichnet. Mit diesem Gesetz wurden alle größeren rechtlichen und politischen Funktionen in Namibia der Regierung in Pretoria übertragen. Die südafrikanische herrschende Klasse hat ein doppeltes Interesse an Namibia. Das erste ist ein wirtschaftliches, angesichts vor allem des Rohstoffreichtums und des billigen Arbeitskräftereservoirs: das zweite ist ein strategisches, es ergibt sich aus der Lage Namibias zwischen Südafrika und Angola, Das. Vorsterregime betrachtet Namibia als Teil einer Pufferzone, die sich aus Rhodesien und den Bantustans Südafrikas zusammenselzt und die Nordflanke des Apartheidregimes schützt. Südafrika hat ein massives Interesse an der namibiaschen Wirischaft: 50% der Exporte Namibias fließen nach Südafrika, aber 80% der Importe kommen aus Südafrika (vor allem Brennstoff, Nahrungsmittel und einige Fertigwaren). Die wirtschaftliche Bedeurung Namibias Mr Unternehmen wie den anglo-amerikanischen Konzern Op enheimer, der De Beers und die Consolidated Mines of South West Africa kontrolliert. sowie fir die Unternehmen, die die Produktion von Diamantensteinen beherrschen, liegt auf der Hand. Gerade diese Interessen sind selr profilträchtig. wie die folgenden Angaben über steuerbereinigte Profite in den Jahren 1971-73 zeigen: - 2 Profite in Millionen Pfund Sterling 1971 1972 1973 De Beers 71,6 114,3 166,5 CDM of swA 22,5 42, 6 64.4 In den vergangenen Jahren ist jedoch die Urangewinnung in den Mittelpunkt der südafrikanischen Interessen in Namibia gerickt, sowohl wegen der Kernenergie als auch wegen der Atomwaffen. Die französische Regierung hat vor kurzem wieder verschiedene Kernkraftwerke an das Vorsterregime verkauft. Die Gewinnung von Uran in Namibia wird zusammen von der Rio Tinto Zinc Corporation und der Industrial Development Corporation of South Africa betrieben; sie haben gemeinsam ein Bergwerk in Rossing gebaut. Die IDC, eine staatliche Gesellschaft, hat schätzungsweise 75 bis 100 Mill: Pfund Sterling in das Rossing-Projekt investiert. Schließlich stellt Namibia ein billiges Arbeitskraftreservoir filr Südafrika dar. Laut Jo Morris in "The Role of Foreign Firms in Namibia" zahlt der Tsumel-Konzern an die schwarzen Arbeiter einen Mindestlohn von 13, 30 Pfund im Monat, wohingegen bei den Weißen das Grundgehalt bei 390 Pfund pro Monat beginnt. Der Durchschnittslohn für Schwarze liegt bei der CDM•, die als eines der bestzahlenden Unternehmen bekannt ist, bei 24-28, Pfund. Weiße Lehrlinge bekommen dreimal so viel DIE BANTUSTAN-POLITIK

Vorsters Wende zu einer Entspannungspolitik mit den schwarzafrikanischen Staaten und einer Bantustanisierung Südafrikas in den Jahren 1975/76 hat Rückwirkungen auch auf Namibia gehalt. Die südafrikanische Fertigungsindustrie würde gerne ihren Markt in den schwarzen neokolontaien Staates ausdehnen, die billigenArbeitskraftreserve im eigenen Land aber behalten. Eine Ausdehnung des einheimischen Markts würde erhöhten Konsum der schwarzen Mehrheit bedeuten und damit eine Anhebung der 1.ähne über das Existenzminimum. Diese Perspektive ist jedoch von der herrschenden Klasse in Stdafrika nachdrücklich verworfen worden. Die Politik der Rantustanisierung, deren erstes Beispiel die Entlassung Transkeis in eine Pseudo-Unabhängigkeit ist [vgl. INPREKORR, Nr. 70), ist in Wirklichkeit nur die Fortsetzung der rassistischen Apartheidspolitik.

1964 @bergab die Odendaal-Kommission zu Namibia der südafrikanischen Regierung einen Bericht, in dem sie die Errichtung von zeln Bantustans vorschlug, um die "zwölf ethnischen Gruppen", die in Südwestafrika leben, zu versorgen. Wie nicht anders zu erwarten sollten diese Bantustans in den firmsten Gebieten des Landes untergebracht werden, wo weder Landwirtschaft noch Berghau möglich ist. Der Bericht hob auch die Notwendigkeit hervor, engere Verbindungerwischen den erzfördernden Cebieten Namibias und Sidafrikas herzustellen. Die Durch- Rhrung der vorgeschlagenen Bantustan- Politik würde die Zwangsumsiedlung von Massen der schwar 2-

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zen Bevlkerung erfordern. Beinale 150.000 Menschen (fast ein Viertel der afrikanischen Bevölke rung) müßtewersetzt werden, (So leben z. B. nur 6% der Damaras gegenwärtig in dem Gebiet, das ihnen zugeteilt worden ist).

Diesem Bericht zufolge würden die Weißen, d.h. 125 der Bevölkerung, 61% des gesamten Lands besitzen, natürlich das ganze fruchtbare Land, das in der Höhe über 4.000 Fuß liegt (also etwa iber 1.000 m). In Ovamboland am Nordrand Angolas sollen 292. 000 Menschen Jehen (etwa 40'" der jetzigen Bevölkerung), aber sie sollen nur 7°, des Lands zugewiesen bekommen, Die Hälfte davon ist unbrauchhar fr Viehzucht, während andere Landstriche auf Grund der Überkultivierung bald versanden werden. Berücksichtigt man all diese Faktoren, dann bekommt der Durchschnittsweiße 146 Mal mehr Land zugeteilt als der Durchschnittsschwarze. Zusammen mit den Bantustans wurden auch alle repressiven Gesetze, die in Südafrika in Kraft sind. filr Namibia ilbernommen: von den Passge setzen bis zum Gesetz zur Unterdrückung des Kommunismus . Das Chersiedeln der Schwarzen In die Cebiete der Weißen oder in bewachte Gebiete ist durch die Passgesetze eingeschränkt, und wenn ein Schwar zer in einem solchen Gebiet bleiben will, muß er da für eine Erlaubnis beantragen, daß er hier eine Arbeit suchen darf, Wie in Südafrika verfolgen all diese Gesetze das Ziel, Industrie und Landwirtsclaf mit billiger Wanderarbeitskraft zu versorgen. In den schwarzen "Homelands" ist kaum Arbeit zu finden : das Ergebnis ist Massenarbeitslosigkeit und eine immense Reservearmee, die verzweifelt nach Arbeit sucht und unter jeder Bedingung eine Beschäf tigung annimmt. In Ovamboland z. B. legt die Zahl der Arbeitslosen bei 70%. Die einzige Möglichkeit. einen Arbeitsplatz zu finden, ist die der Wanderarbeit, d.h. also, das Homeland fir eine Periode von sechs bis zwölf Monate zu verlassen. 43, 000 bis 60. 000 Arbeiter in Ovamboland sind Wanderatheiler Diese Zahl Maßt sich folgendermaßen aufschlisseln: Bergarbeiter 12,800 Farmer 10. 900 Angestellte im Staat 14.000 (alle in der Hauplund im Handel stadt Windbock)

Fischereiarbeiter 3,000 Hausangestellte 2.700 Vor dem Bürgerkrieg in Angola kamen 405 der Wanderarbeiter aus Angola, 53% aus den Ovambogelieten Namibias und 7"% aus dem Kavango-Ciehiel im Nordosten Namibias.

Für Südafrika steht in Namibia also selir viel aur dem Spiel. Nicht nur aus den hier genannten wirt schaftlichen Gründen, sondern auch aus politischen und strategischen Grinden. Die sidafrikanische herrschende Klasse ist entschlossen, entlang dem Nordrand Sodafrikas eine Pufferzone zu errichten. um die Woge des Aufruhrs der afrikanischen Massen, die den portugiesischen Kolonialismus besiegt hat. lind nun au! Zimbalwe und selbst Südafrika ther greif, einzudämmen. Dieser Plan findet die Untersilitzung des britischen und amerikanischen Imperialismus, der seine wirtschaftlichen Interessen in Südafrika schützen will, selbst wenn ihn dies den Sturz der Smith-Regierung in Rhodesien und deren Ersetzung durch ein schwarzes neokolonialistisches Regime kostet. Der Aufschwung der Massenkämpfe in Namibia und insbesondere das Wachstum der SWAPO bedrohen dieses Projekt. Die Antwort Vorsters bewegt sich auf zwei Ebenen: die militärische Repression der kämpfenden Afrikaner und der Versuch, einen Status der Pseudo-Unabhängigkeit fr Namibia auszuhandeln, der nach dem Modell der Pseudo-Unabhängigkeit Transkeis geformt ist. DIE SWAPO

Laut einem Interview, das der Präsident der SWAPO, Sam Nujoma, der Zeitung "Tiberation Support News" (Nr. 11/12) gegeben hat, hat die SWAPO ihren Ursprung in der Ovamboland People' s Organization (OPO), die 1959 in Windhoek gegründer wurde: 1960 ändert die OPO ihren Namen um in South West African People''s Organization, denn "der Name OPO brachte nicht die nationale Zielsetzung des namibischen Volkes als ganzes zum Von ihrer Gründung an hatte die SWAPO ständig gegen Ihre Unterdrückung zu kämpfen. Daher beschloß sie 1966, den bewalteten Kampf auszurufen. Viele SWAPO-Kämpfer sind im Exil oder im Gefängnis. Im Juni 1967 wurden im Zuge eines größeren Angriffs auf die SWAPO 37 Namibier vor Gericht gestellt. Von diesen wurden 20 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt und einer starb an den Folzen der Folter, Weitere fünf SWAPO-MIglieder wurden 1969 in einem anderen Prozeis zu lebenslänglichem Geflignis verurteilt. Mindestens 38 weitere Mitglieder sind auf den Robbeninseln eingesperrt. Seit 1969 hat die SWAPO zwei wichtige Dinge erkannt: erstens, daß sie eine Basis in der Arbeiterklasse braucht, wenn der Kampf erfolgreich sein soll. Entsprechend ihrem neuen politischen Programm hat sie Anstrengungen unternommen. "in den Industriegebieten von Windhoek, Ofjlwarongo, Tsumeh, Walvis Bay und Oranjemund" Sektionen aufzubauen (vgl "'Namibia News" vom September 1976). Zweitens, daß der Kampf gewen die südafrikanische Repression die Aufstellung der PLAN (der People's liberation Army of Namibia) erfordert. Das neue Programm stellt dazu fest: "Der bewaffnete Kampf ist nunmehr die lauptsteh- Heile Form, in der sich Politik ausdrickt. "Das Statut und das Programm der SWAPO enthalten zwar viele korrekte Punkte, wie z. B. die Notwendigkeit, "alle reaktionären Tendenzen wie Individualismus, Tribalismus, Rassismus, Sexismus und Regionalismus zu bekämpfen" (Punkt 4 des Statuts), aber es bleiben auch viele Punkle noch unklar oder fallen ganz heraus. Das Programm zeigt Illusionen In die Vereinten Nationen z. B., da es Wallen unter der Aufsicht der UNO fordert Alinliche Musionen hegt es in die Organisation der Afrikanischen Einheit. Das Statut fordert in Punkt 10 eine "enge 7i1sammenarbeit mit allen friedlichenden Staaten fir Frieden und Sicherheit in der Welt" Im Punkt a) werden unter den "gegenwärtigen Aufgaben" der SWAPO die Errichtung einer "demokratischen und Volksregierung" genannt, deren Klassencharakter unklar bleibt.

Es ist also klar, daß die SWAPO im Kern eine