Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Belgien-Niederlande

Arbeiterkämpfe in Nordeuropa

Inprekorr Nr. 77, 18. März 1977 · S. 3-8 · 3.388 Wörter

Benelux Gewerkschaften und Streiks BRD und DDR

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In den ersten drei Monaten des Tahres 1977 hates in einer ganzen. Reihe von Ländern Nordeuropas einen Aufschwung der Arbeiterkämpfe gegeben. Das augenfälligste Anzeichen dalir war die Streikwelle in den Niederlanden und in Belgien, die wir Im folgenden eingehender analysieren wollen Die kurzen Warnstreiks in der Metallindustrie und im Öffentlichen Dienst in der BRD, der Streik der 3. 000 Werkzeugmacher bei British Leyland gegen den Lohnstop in Großbritannien, der Druckerstreik in Dänemark spiegelnebenfalls diese Entwicklung wider.

In sich hat dieser Aufschwung der Kämpfe nichts außergewöhnliches. In den beiden Tahren der Wirtschaftskrise 1974/75 haben die Arbeiter Einbußen sowohl im Beschäftigungsniveau wie In der Kaufkraft hinnehmen milssen. Während der langen Periode des Wirtschaftsaufschwungs und des hohen Beschäftigungsniveaus vorher and vor dem Hintergrund einer steigenden Konjunktur batten sich die Arbeiter vor allem auf Kämpfe für Lohnerhöhungen eingestellt. Die betrieblichen Führungskader und die kämpferischsten Gewerkschafter hatten gelernt, wie man den verschiedenen Manövern der Unternehmer und der Regierung, die solche Kämpfe zu behindern versuchen, begegnel. Ihre Organisa- • tiotis - und Kampfformen haben die Arbeiter dieser Sachlage angepalt.

In der Rezession gaben die reformistischen Führer dem bürgerlichen Druck nach und akzeptierten in fost allen Ländern Nordeuropas die kapitalistische Logik der Sparpläne und der Kaufkraftsenkung, unter dem Vorwand, sie, wollten den Kampf gegen Arbeitslosigkeit den Vorrang einräumen Die Arbeiterklasse wurde dadurch desorientiert. und konnte unmittelbar keine spontane Antwort darauf geben. Zum erstenmal seit emigen Taliren bestimmte eine Unternehmeroffensive aufder ganzen Lime das soziale klima:

- Offensive gegen das Beschäftigungsniveau, mit Entlassungen und massenhafter Kurzarbeit: - Offensive gegen das Lebenshaltungsniveau, mit Angriffen muf die verschiedenen Formen der gleitenden Lohnskala (d. h. der Angleichung der 1.0lme an die Steigerung der Lebenshaltangskosten) in den jewelligen Ländern - Offensive gegen das System der sorialen Stcherheit (Krankenversicherungs Renten- und Arbeitslosenversicherung) begleitet von gememen Angrillen au! die großien Opier der Krise: die Arbeits- Insen, die Castarbeiter, die Frauen und Tugendlichen, denen die Schuld an der Krise zugeschoben wird, und Offensive gegen die Kosten der Berufsbildung:

- Offensive zur Steigerung der Arbeitshetze und der "Arbeitsdisziplin"; - Offensive gegen das Streikrecht und die gewerkschaftlichen Freiheiten, Aber die Unternehmer haben sich getäuscht über den Wandel Im Kräfteverbälinis zwischen den Klassen , den das neue Auftauchen einer strukturellen Massenarbeitslosigkeit in Nordeuropa eingeleitet hat. Das Ausmaß der Arbeitslosigkeit hat nicht ausgereicht, die organisierte Kraft der Arbeiterbewer gung zu untergraben. In vielen Ländern ist diese sogar gestiegen während der Krise. Die Mitgliedschaft in den Gewerkschaften hat die höcliste Zahl. ihrer Geschichte erreicht. Der Kampfgeist ist ungebrochen.

Unter diesen Bedingungen war eine Antwort der Ar- Seiter aur die Angeiffe, die sie während der Krise einstecken mußten, unausweichlich. Seit dem Eintreten einer Wende in der wirtschaftlichen Konjunktur war mit ihr zu rechnen: Ein leichter wirtschaftlicher Aufschwung hat dazu ausgereicht, diese Antwort auszulösen. Vor allen zwei Motive charakterisieren diese Antwort: der Wunsch, die Verluste. die in den letzten beiden Jahren hingenommen werden mutten, wieder wettzumachen (oder weitere Verluste zu verhindern), und das Bewußisein, dal die Arbeiter einer Tuschung erlegen sind. als ein einstimmiger Chor, Ihre reformistischen Filhrer inbegriffen, die Sparpolitik im Namen einer sog- Sehaffung neuer Arbeitsplätze durch Steigerung der Unternehmerprofite und - investitionen zu rechtfertigen suchte.

In Wirklichkeit hat die Zahl der Arbeitslosen kaum abgenommen, selbst in ländern wie der BRD, wo es einen realen Aufschwung gegeben hat. In andern Lindern stagniert sie oder hat sogar zugenommen Unter diesen Bedingungen wird den Arbeitern klar, daß sie Opfer eines sozialen und politischen Caunerstücks geworden sind Entsprechend reagieren sie Doch kann man den Wiederaufschwung der Arbeiter- Içämpfe in Nordeuropa: nicht verstehen und seine Tragweite und Grenzen nicht ermessen, wenn man davon abstrahiert, daß das, was sich auf betrich- Heher Ebene abspielt, eng mit den politischen Er-

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europa ининини eignissen in den entsprechenden Ländern verfoellen ist. Dazu gehören auch mancimal geringfügige Veränderungen im Verhälinis zwischen den werktätigen Massen, den Organisationskadern der Arbeiterklasse, den Gewerkschaftsvorständen, den reformistischen Parteiführungen und den verschiedenen Fraktionen der Bourgeoisie:

Allerdings hat die Gewerkschaftsbilrokratie das veränderte Klima in den Betrieben und an der Basis selir schnell erfaßt. Sie hat Im wesentlichen präventiv darauf reagiert, um zu verhindern, daß sie. durch die direkte Aktion in die Enge gedrängt wird. Da wir erst am Anfang des Aufschwungs der Klassen kämpfe in all diesen Ländern stehen - in einigen Fallen wie in der BRD geschicht dies nach mehreren Tahren anhaltenden Rückgangs der Kämpfe - und Ja die Temperatur nur langsam steigt, konnte die Gewerkschaftsbürokratie insgesamt und ihr linker Flügel im großen und ganzen die Situation unter Ihrer Kontrolle behalten. Fis kann also keine Rede von Kampfausbrüchen sein, die mit denen in halien, Spanien oder Portugal vergleichbar wären. Die Gewerkschaftsbürokratie Ist in besonderer Weie mit den reformistischen Massenparteien ver achten -- in Nordeuropa ist das vor allem di Sozialdemokratie. Sie Ist zum großen Teil in diese Parteien integriert. Sie spielt konsequent die Karte der Regierungsbeteiligung der Sozialdemokratie aus, die sie als dns "kleinere Übel" gegentiber einer Regierung der bürgerlichen Parteien darstellt, besonders in Zeiten wirtschamicher Selwio. Figkeiten. Aber gleichzeitig Ist sie von der sozlaldemokratischen Führung unabhängiger als noch in den 30er und 40er Jahren, vor allem in dem Maß. in dem diese einen ganzen Sektor umfaßt, der nicht mehr direkt die Arbeiterbewegung darstellt, sondern die Bitrokratie und Tecimokralie des birgerliehen States.

Somit fordern unterschiedliche polltische Strationen unterschiedliche Reaktionen der Gewerkschafisharokratie heraus. In der BRD hat die Gewerkschaflsbürokratie während der ganzen Periode vor den Bundestagswahlen 1976 jedem Druck von Forderungen einen Dämpfer aufgesetzt, um die Wähler meh zu schrecken". Aber im Cegensate zu zahlreichen Voraussagen hat der knappe Wahlsieg von Helmur Selimtdr die Gewerkschalten nicht in ihrer gemäßigten Linie bestärkt. Im Gegenteil: in den vergangonen Monaten haben sich sowohl der DOB wie die Pilhrung melirerer großer Einzelgewerkschaften von der Regierungspolitik distanziert, Vor allem die Renten- und die Steuerpolitik, die sich alle beide durch immer größere Zugeständnisse an die Unternehmer auszeichnen, sind von den fewerkschaften heftig aufs Korn genommen worden Khnlich wie der Honigmond zwischen Helmut schmidt und der Cewerkschafisfhrung verblaßt, s:0ßt in Großbritannien die praktisch bedingungslose Unterstützung, die die großen Cewerkschaften der Polbik des "Sozialkontra krs" der Wilson-Healv- Callaghan-Regierungen gewähet haben unter dem Vorwand, die Labour-Regierung zu sitzen und cine Tory-Regierung zu verhindern, aul ernsthaften Widerstand vor allem im Öffentlihen Dienstl

Die Lage in den Niederlanden ist weniger klar In diesem Land regiert eine Koalition aus Sozialdemokraten, der katholischen Partei und einer konfessionellen protestantischen Partei, den "Anti- Revolutionairen", sowie zwei weiterer kleinerer Parteien. Aber zu den diesjährigen Parlamentswallen haben die katholische Partei, die protestantische AR-Partei und eine noch konservativere protestantische Partei, die "Christelijk-Historische Unie" (die heute zusammen mit der größten konservativen Partei, der "Vereniging Voor Vriiheid en Demokratie", in der Opposition ist) ein Wahlbündnis geschlossen mit dem Ziel, die Sozialdemokratie aus der Regierung auszuschließen. Unter diesen Bedingungen war die offensivere Haltung der Gewerkschaftsbürokratie eher gegen die Unternehmer als gegen die Regierung des Sozialdemokraten Den Uyl gerichtet, Dieser nahm anfangs in der Streikwelle eine "neutrale'" Haltung ein und griff nicht in die Auseinandersetzang ein Er konnte sogar erwarten, aus dem Aufschwung der Arbeiterkämpfe einen gewissen Nurzen zu zielen, da die Bourgeoisie belfrehten muß, daß bel einem Überwechseln der SP in die Opposition der Kampfwille der Arbeiter steigt. Es scheint dalier. als sel ein Flügel des Kapitals geneigt, nach den Wahlen die jetzige Koalition beizubelialten Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich in Belgien ab, wenn auch der Ausgangspunkt ein ganz anderer ist. In diesem Land regiert heute eine Koalition der konservativen bürgerlichen Parteien, Diese Koalition hat versucht, die gleitende Lohnskala abzubauen und die Loinsteuerlast zu erlöhen. Zunächst haben die Cewerkschaften 1976 zogernd reagiert, aber im Februar/ März 1977 har

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sie sich zu einer großen Streikwelle ausgeweiter Abgeselien von der Notwendigkeit, den Kamp/willen der Arbeiter zu zügeln, hat die Gewerkschaftsbürokratie auch das Ziel verfoigt, die politische Bündnisstruktur umzukehren und das konservative Kabinett Tindemans durch eine katholisch-sozialistische Koalitionsregierungzu ersetzen. Vorzeitige Neuwahlen sind somit unvermeidlich geworden. Ein bedeutender Flügel der Bourgeoisie fordert nun selbs: die Umorientierung auf einen neuen Bündnispartner. Noch in anderer Hinsicht gleichen sich die Lage in Belgien und die in der Niederlanden: die katholi sche Gewerkschafisbewegung unter liegt einem wachsenden Radikalisie rungsprozeß, der sie zu einer engeren Zusammenarbeit mit den sozialdemokratisch geffhrten Gewerkschaften zwingt. In den Niederlanden haben die beiden Gewerkschaftsverbände sogar einen gemeinsamen Dachverband gebildet, die "Federatie rederlandse Vakhonden", mit 1 Million Mitgliedern der Initiator der Streikwelle im Februar 1977. In Belgien haben die beiden Gewerkschaftsverbände śdie zusammen tiber 2 Million Mitglieder organisieren) 1976 gezögert, angesichts der Zunickhaltung der christlichen Gewerkschaft CSC gegen die arbeiterfeindliche Offensive der Regierung Todemans und gegen ein katholisch gefilries Kabinett Front zu machen. Aber Im Februar 1977 hat sich der Drang nach Einheit durchgesetzt und die beiden Cewerkschaftsverbände bildeten eine gemeinsame Front, die erst den Ausbruch der Streikwelle möglich gemacht hat.

Im Verlauf dieser Entwicklung haben sich die katholischen Gewerkschaften auch zunelnend von den bürgerlichen katholischen Parteien in diesen beiden Ländern entfernt. Die lange Periode Ihrer Einbindung in diese Parleien neigt sich allmählich ihrem Ende zu. Das füllirt aber gegenwärtig dazu, dall sie politisch in der Luft hängen, eine Situntion, die nicht lange dauern kann. So zeichnet sich immer mehr die Möglichkeit ab, daß sich eine neue Partei der christlichen Arheiter bildet.

In Dänemark hat es seit der Bildung der sozialdemokratischen Minderheitsregierung, der Einfilhrung der Einkommenspolitik und den heftigen Angriffen der Unternehmer auf die Arbeiterklasse eine Reihe kleinerer Proteststreiks gegeben: eine zentrale Antwort des Proletariats Ist jedoch ansgebliehen. Aber seitdem am 1 Feliruar 1977 in der größten Druckerei des Landes, der "Berlinske Hus" in Kopenhagen, ein harter Arleitskampf ausgebrochen ist, ist jetzt ein l'ol da, um den her um sich der Widerstand der Arbeiter organisieren kann. Die tausend Arbeiter con "Berlinske Hus" sind in einen langen Kampf gegen die Unternelmer getreten, die die Arbeitshetze um 50% heraufsetzen wollten, von den Arbeitern einen lingeren Arbeitstag forderten und die Entlassung von 300 Arbeiter sowie eine 10-15%ige Tolnsenkung durchserzen wollten. Schließ. lich wurden die Arbeiter ausgesperrt. Bisher haben die Arbeiter gegen die proxokatisen Angriffe der Unternehmer und der Gerichte Widerstand geleistet. Das Arbeitsgericht hat seinen Klassencharakter wieder einmal bestätigt und bea europa funden, die Aussperrung der Unternehmer sei in Wirklichkeit ... ein wilder Streik der Arbeiter, wes halb jeder Arbeiter zu einer Geldstrafe von 300 Kronen und die Gewerkschaft wegen ihrer "organisatorischen Verantwortung' für den Konflikt zu 200.000 Kronen Geldstrafe zu verurieilen sei. Die Unternehmer haben versucht, den Widerstand der Arbeiter dadurch zu brechen, daß sie die Druckarbeiten bei den Druckereien des Springer-Konzerns in den Niederlanden und in der Bundesrepublik in Auftrag gegeben haben. Die internationale Druckergewerkschaft hat versucht, dies zu verhindern, aber das Problem ist, daß dieniederländische Druckergewerkschaft nicht zur internationalen Druckergewerkschalt gehört.

In Dänemark hat es eine breite Solidaritätswelle mit den Arbeitern der "Berlinske lus" gegeben. Große Summen Geld sind gesammelt worden und in mehreren Druckereien hat es Solidaritätsstreiks gegeben. Diese Streikwelle fließt auch in die Vorbereitung der kommenden nationalen Verhandlungen über neue Kolleklivverträge ein: große Teile der Arbeiterschaft wollen diesmal eine Kapitulation der Gewerkschaften wie Im August 1976 verhindern. Die Gewerkschafsbarokratie hat schon mit einem Streik von 250. 000 Arheitern gedroht, falls die Unternelmer ihre Haltung nicht ändern wollen. Es hieße also die Analyse der Situation in Nordeuropa allzusehr vereinfachen, wollte man hinter dem Aufschwung der Arbeiterkämpfe nur ein Manöver der Reformisten selen, die Sozialdemokratie an die Regierung zu bringen oder dort zu halten, damit sie Ilire gewohnte Politik der "redlichen Verwaltung des Kapitalismus" fortführen können, Das ist nur ein Element im ganzen gesellschaftlichen und politischer Konflikt. Die Unzufriedenheit der Arbeiter ist real. Nicht weniger der Aufselwang ihrer Kampfereitschaft, wenn er auch noch bescheiden ist. Diese Kampfbereitschaft und diese Unzufriedenheit kann von den reformistischen Führungen nur bis zu einem gewissen Grad manipuliert werden, umso mehr als ein Prozeß der Neuzusammensetzung der Arbeiterbewegung in Cang ist und sich das veränderte Klima in den Befrieben in den reformistischen Parteien selbst niederschlagen wird.

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Die Kluft zwischen der Situation in Nordeuropa und der in Südeuropa bleibt weiterhin beträchtlich. Dich die Ereignisse der letzten Monate ist sie nicht wesentlich verringert worden. Aber etwas ist in Nord- und Mitteleuropa in Gang gekommen. Und auch hier ist es erst ein Anfang ..

DIE STREIKWELLE IN DEN NIEDERLANDEN

Das offizielle Ziel des dreiwöchigen Streiks in den Viederlanden im Fehruar 1977, des wichtigsten Streiks, der in diesem land seit Jahrzehnten. Staltrefunden hat, war einmal die Anwendung des allzemeinen Vertrags ilier die gleitende Lohnskala, der seit 1971 in Kraft ist und den die Intemelimer 1977 aufheben wollten, und eine 2ige Lohnerhöhung um die vorausgegangenen Kaufkratverluste auszugleichen.

In den Niederlanden konnte die gleitende Lohnskala nur teilweise und sehr unzureichend durchgesetzt werden. Die 1.6hne werden nur alle neun Monate an die gestiegenen Lebenshaltungskosten angepaßt: das bedeutet, daß in einer Periode beschleunigter Inflaton die Arbeiter erhebliche Lohneinbußen einstecken müssen. Die Gewerkschaftsbewegung ha: keine Kontrolle über die Errechnung des Index der Finzelhardelspreise! dies ist ausschließlich Sache der Regierung, die hier off auf skandalöse Weise die Zahlen manipuliert : 1976 wurden gewisse Preissteizerungen willkürlich aus dem Index herausgehalten. Es ist gleichfalls davon die Rede, auch die Steigerung der Arzthonorare und der Krankenhaustarife, die kürzlich beschlossen worden ist, aus dem Index herauszuhalten.

Dennoch sind die niederländischen Arbetter und Cewelkschaften der Ansicht, daß diese Errungenschaft trotz all Ihrer Mingel einen gewissen Schutz gegen die Aushöhlung der Kaufkraft darstellt. Sie haben es daher als eine Provokation empfunden, als die Unternehmer bei den Verhandlungen für die Erneuerung der Kollektivverträge ankündigten, sie würden am 1. tuli dieses Tahres die automatische Anpassung der Löhne an den offiziellen index der Preissteigerungen zwischen Oktober 1976 und April 1977 nicht durchführen.

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Die zweite Forderung der Gewerkschaften war die einer globalen Bruttololmerhöhung um 2%% für die große Masse der Lohnabhängigen: diese Forderung wurde nur von den Unternelmern zurückgewiesen. Sie brachen die Verhandlungen mit den Gewerkschaften darüber ab.

Die Streikbewegung ging in zwei Wellen vor sich. Die erste brach am 16. Februar aus. Am 18. Februar waren etwa 18. 000 Arbeiter im Streik. Am 16. Februar gab es große Demonstraffonen: in Rotterdam waren es 25. 000 Menschen, in Utrecht 10,000, in Eindhovenmehrere tausend. Tags darauf gab es eine Massendemonstration in Den Haag, noch einen Tag später lam ersten Tag des Streiks im eigentlichen Sinn) eine Demonstration In Amsterdam. Diese erste Streikwelle wurde von allen Gewerkschaften unterstützt und hatte alle Unternehmer gegen sich. Aber die Unternehmer waren überrascht you der Kampfentschlossenheit der Arheiler. Die Hafen von Rotterdam und Amsterdam waren lahmgelegt, die Straßenbahnfahrer von Amsterdam, Rotterdam und Utrecht, die kein Streikrecht haben, sind für einige Stunden in den Streik getreten. Unter dem Druck der Kämpfe bröckelte die Unterehmerfront bald ab. Die große Luftfahrtgesellschaft KT.M mit ihren 17.000 Arbeitern und Angestellten und der Nahrungsmittelkonzern Ahold mit über 15.000 Beschäftigten kapitulierten als erste. Der Streik bei mehreren Tageszeitungen zwang die Unternehmer in der Druckindustrie dazu, die Verhandlungen mit den Gewerkschaften neu zu eröffnen. In drei Fahrrad hetrieben brach ein wilder Streik aus -. das einzite Mal, wo die Gewerkschaften dherrollt wurden! --. aber am Abend selbst noch anerkannten die Gewerkschaften den Streik.

Man beschloß daraufhin die Wiederaufahme der Verhandlungen: die Unternehmer gaben in der Frage der gleitenden Lolmskala für das Jahr 1977 nach, be hielten sich aber die Freiheit vor, fir 1978 eine neue Entscheidung zu treffen. Die Lohnerhöhung von 2% lelmtensie jedoch ab.

Eine weitere Überraschung war, daß die Streiks sich in einer zweiten Welle fortsetzten, obwohl die protestantischen Gewerkschaften aus der gemeinsamen Front ausbrachen. Diesmal waren einzelne Betriebe davon betroffen, darunter der Hafen von Rotter dam und der von Amsterdam, die auch diesmal die Rolle der Speerspitze spielten. Diesmal gab es keinen gemeinsamen Abschluß, sondern Einzelabschlüsse nach Industriezweigen, manchmal nach Betrieben. Aber in der Mehrzahl der Fälle wurden die 2%% Lohnerhöhung gewährt.

Man kann also sagen, daß die niederländischen Arbeiter einen Erfolg errungen haben. Aber emen lieschränkten Erfolg, da die Forderungen selbst schon Ergebnis eines Kompromisses gewesen waren: die 2% Lohnerhöhung sichen einer figen Produktivittis. steigerung gegeniber. Zudem scheinen die Gewerkschalstührungen bereit zu sein, im nächsten Jahr dieAnpassung der Lohme auf einen "bereinigen" Index zu beschränken, in dem die Tariferhöhungen im Öffentlichen Dienst, die Erhöhung der Sozialauscaben, usw., die die Regierung beschlossen hat.

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nicht mehr enthalten sind. Die Arbeiter werden in Zukunft also sehr wachsam sein missen, um eine weitere Aushöhlung ihrer Kaufkran im nächsten Jahr zu verbindern.

DIE STREIKWELLE IN BELGIEN

Am 25. Februar ist in Belgien die bedeutendste Streikbewegung seit dem Generalstreik von 1960/61 ausgebrochen, Die beiden großen Gewerkschaftsverbände, der sozialdemokratisch geführte Allgemeine Verband der Arbeit von Belgien (FCTB) und der katholische Verband der christlichen Gewerkschaften, hatten zunächst beschlossen, mit punktuellen, sich über Wochen erstreckenden Generalstreiks auf den reaktionären Austerity-Plan von Tindemans zu Dieser Plan enthält eine Reihe arbeiterfeindlicher Manöver, darunter folgende:

- einen sog. "Solidaritätsbeitrag" -- 0,4% vom L.ohn --, mit dem die Arbeiter das enorme Defizit in der Sozialversicherung finanzieren sollen, das durch die Arbeitslosigkeit entstanden ist: - die Schaffung oder Aus weitung einer Schicht von Arbeitern "zweiten Ranges", die gezwungen sind, unterhalb des normalen Tariflohns zu arbeiten (z. B. Arbeitslose im Öffentlichen Dienst, Referendare, - die Besteuerung der Sozialversicherungsempfänger (selbst von bestimmten Kategorien von Arbeitslosen!); - die massive Kürzung der staatlichen Subventionen zur Krankenversicherung und die Abwälzung neuer Kosten auf die Krankenversicherten; - eine bedeutende Anhebung der indirekten Steuern nicht nur auf Benzin, sondern auch auf Zigaretten, Getränke, Kaffee, usw.

regen diesen Austerity-Plan haben die Führungen der beiden Gewerkschaftsverbände an vier aufeinanderfolgenden Freitagen jeweils in einer nämischen und einer wallonischen Provinz einen allgemeinen Generalstreik aller Berufszweige ausgerufen, sowie in einem bestimmten Bereich des Öffentlichen Dienstes einen nationalen Generalstreik. Am Freitag. dem 25. Februar, streikten die Provinzen Hainau: und Westflandern und im ganzen Land die Eisenbahner und die städtischen Angestellten: am Freitag. dem 4. März, streikten Ostflandern und Namur-L.uxembourg und im ganzen Land die Angestellten im öffentlichen Nahverkehr. Und so weiter. Dieser Plan verfolgte ein dreifaches Ziel: der Kampfgeist sollte nach und nach erhitzt werden (in Hinblick auf einen "kämpferischen 1. Mai" oder vorgezogene Neuwahlen? ): die Regierung und die Unternehmer sollten die Möglichkeit erhalten, ihre Haltung zu ändern und einen Kompromiß anzubieten; und die Kampfkraft der Arbeiter sollte zersplittert werden, um einen allgemeinen Ganeralstreik im ganzen Land zu verhindern. Offensichtlich sitzt der Schrecken vom Generalstreik von 1960/61 noch allen in den Knochen...

Die Zersplitterung der Kampfkraft der Arbeiter gelang nur teilweise. Denn vom ersten Kampf-Freitag an traten eine ganze Reihe von Sektoren in den • europa Streik, die daffir an dem Tag nicht vorgesehen waren. Dies gilt vor allem für den Großteil der Gewerk schafter von Litt ich, die zu mehr als 100. 000 die Arbeit niederlegten, für die Hafenarbeiter von Amtwerpen, die Metallarbeiter im Siden der Provinz Luxembourg, für mehrere kämpferische Sektoren in Brüssel, für einen Teil der Glasarbeiter in Namur, usw. In Belgien wurde die Gewerkschaftsführung also viel stärker von der Basis überrollt als n den Niederlanden, obwohl die spontanen Kämpfe meist unter der Obhut der regionalen, lokalen oder bezirklichen Gewerkschaftsführung standen, Insgesamt kann man sagen, daß am 25. Februar über 350. 000 Arbeiter und am 4. März über 200, 000 im Streik standen.

Außerdem gab es am 25. Februar große Demonstrationen, einige davon waren sehr massiv: in Lüttich versammelten sich 25. 000 Demonstranten(folgten jedoch dem jeweils getrennten Demonstrationszug Demonstration in Brüssel des FGTB und des CSC), in Mons 10. 000, in La Louvière 3. 000, in Brüssel 6. 000, in Brigge 3,000 USW

Die Eisenbahner traten in den totalen Streik, und die Lähmung von Charleroi mit den sehr dynamischen Niegenden Streikposten war beeindruckend Nach dem zweiten Streik- Freitaz löste die Regierung das Parlament auf unter dem Vorwand eines Konflikts mit der kleinsten Koalitionspartei, der "Wallonischen Sammlungsbewegung" (Rassemblement Wallon). Die Führer der beiden Gewerkschaften haben sich beeilt, die für den 11., 18. und 25. März angekündigten Generalstreiks wieder abzublasen, um "die Wahlen nicht zu beeinflussen". Wir werden sehen, wie die Arbeiter entscheiden.

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