Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Bolivien

Die Bergarbeiter verlieren eine Schlacht

· Inprekorr Nr. 66, 30. September 1976 · S. 22-23 · 1.144 Wörter

Bolivien, Peru und Anden Gewerkschaften und Streiks Jugend und Studenten Sowjetunion

Unkorrigierter maschineller Text (OCR). Jede Seite verweist auf ihren Scan; vor dem Zitieren bitte dort prüfen.

S. FERNANDEZ

Ende 1975 wurde klar, daß sich die bolivianischen Massen allmählich von ihrer Niederlage nach den ionären Aufschwungs. Dieser Aufschwung der Arbeiterbewegung und der Volksmassen seinen zentralen Ausdruck im Kampf in der Schuhfabrik Manaca in Cochabamba und im Kampf an den Universitäten des Landes. (s. dazu INPREKORR, Nr.58 vom 6. Mai 1976). Mehr als 70. 000 Arbeiter und Studenten traten dabei im Februar - März dieses Jahres in den Kampf. Gegenüber dieser Massenoffensive mußte die Diktatur zurückweichen. Diese erste Arberobe endete mit einem politischen Erfolg der Der Aufschwung der neuen Massenbewegung erreichte seinen Höhepunkt im Bergarbeiterkongreß von Corocoro (s. dazu INPREKORR, Nr. 64 vom 29. Juli 1976), sowohl weil die Regierung ihn nicht hatte verhindern können, als auch wegen seiner politischen, wirtschaftlichen und sozialen Schlußfolgerungen Aber der Kongreß in Corocoro hat auch die Grenzer und Mängel des neuen Aufschwungs aufgezeigt. Wic vir schon in der Vordiskussion zum Kongreß erklärt hatten, hat sich die Kampfbereitschaft ler bolivianischen Massen nicht einheitlich entwickelt. Die Entwicklung des Widerstands und des Kampfes gegen die Maßnahmen der Diktatur war eher ungleich. Der neue Aie student he ce andern Schichten bereaen zerland Die andern Schichten blieben zurück und konnten die Kontrolle der Regierung nicht durchbrechen oder abschütteln (einige Ausnahmen hat es gegeben, so die Schuhfabrik in Manaco). Die Diktatur ihrerseits begriff diesen neuen Aufschwung, seine Grenzen und seine Gefahren, und bereitete sich darauf vor, ihn zu isolieren und zu enthaupten. Sie konnte sich nicht den luxus einer Arbeiterbewegung erlauben, die von Tag zu Tag immer mehr ihre Gewerkschaftorganisationen zurückeroberte, ihre Forderunger immer mutiger vorbrachte und immer stärker an Boden gewann. Vor allem mußte die Regierung verhindern laß sich die Massenbewegung auf nationaler Ebene ver- Nach dem Kongreß von Corocoro, auf dem die Agenten des Regimes nichts ausrichten konnten, ging die Regierung zur Gegenoffensive über, Dazu nahm sie erste Veränderungen in den Kommandostellen der Diktatur vor. Darunter war vor allem der Führungswechsel bei Comibol (der verstaatlichten bolivianischen Bergwerksverhängte Banzer den Ausnahmezustand und ordnete die militärische Invasion der Bergwerksdistrikte an, be• (FSTMB).

Seite 23

DER BERGARBEITERSTREIK

Die Offensive der Diktatur überraschte die Gewerkchaftsführung und die Linksparteien. Die FSTMB war erade dabei, ihre Wirtschaftskommission zu versam - Torres, der in Argentinien ermordet worden war, und der Kampf der Schüler gegen eine Verlängerung des Militärdienstes nahmen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in Anspruch, als die Diktatur ihren brutalen Angriff auf die Bergarbeiter startete. Zur selben Zeit als die Armee in die Bergwerke eindrang, wurde die Mehrheit der Bergarbeiterführer in La Paz verhaftet und die Bewegung damit enthauptet lus diesem Grund wurde der erste Gegenangriff auf die militärische Attacke auch von den Gewerkschaften der einzelnen Bergwerke organisiert. Wie immer en griffete d in den Stevi, Al dann eine neue tiarin traten in den Streik. Als dann eine neue Führung der FS TMB gebildet wurde aus den Gewerkschaftsführem, lie nicht verhaftet worden waren, wurde der Generalstreik ausgerufen. Wieder wurde die Führung verhaftet und wieder wurde eine neue gebildet. So wurde die ES TMB als zentralisierende Führung, die dem Kampt eine Orientierung gab, praktisch aufgehoben und der Streik wurde auf Initiative der Basis fortgeführt. Durch den Ausnahmezustand und die Errichtung von Militärzonen wurden die einzelnen Bergwerke isoliert Eine Mauer des Schweigens und des Informationsboykott imgab sie. Die Kommunikation zwischen den Bergverksdistrikten wurde immer schwerer, und schwerer noch die zwischen den Bergarbeitern und dem Rest der Arbeiterbewegung und der Studentenbewegung. Während des Streiks verbreitete die Regierung systematisch falsche Informationen.

Die Diktatur versuchte den Streik zu brechen, indem sie auf die resamte Bevölkerung militärischen Druc: ausübte: le Geheimpolizei (DOP brach in die Wohnungen der Bergarbeiter ein und deportierte diese mitsamt ihren Familien. Zur Unterstützung dieser Terrormaßnahmen schnitt die Comibol die Lebensmittelzufuhr ab, schloß die Geschäfte und gab lächerlich geringe Rationen aus. Sie schnitt das Wasser und die Elektrizität ab. Die Bergarbeiterlager verwandelten sich in ein einziges, enormes Gefängnis, in ein Hunger• lager, in dem Unsicherheit herrschte und faschistische chergen ihr gewalttätiges Unwesen trieben, Dennoch lauerte der Streik dreißig Tage. Hunderte von Studenten wurden verhaftet., sieben Universitäten geschlossen. Auch hier wurde der Bewegung der Kopf abgeschlagen. Angesichts dieser massiven und gewaltsamen Repression konnte in den andern Arbeiterschichten keine wirkliche Unterstützung in Form von Mobilisierungen und Arbeitsniederlegungen organisiert werden.

FOLGEN DER NIEDERLAGE

Die Niederlage der Bergarbeiter bereitete dem Aufschwung der Massenbewegung, der seit Ende 1975 im Gang war und Banzer im Februar-März dieses Jahres um Rückzug gezwungen hatte, ein Ende. Die Führun ler FS TMB und der lokalen Gewerkschaften wurden tell weise aufgelöst. 845 Arbeiter wurden entlassen mit er Begründung, sie seien Agitatoren und linke Aktivi ten. Etwa 400 Bergarbeiter wurden verhaftet oder au Hatie the um et Ton bei en steinten besetzt.

Aber obwohl dies ein schwerer Schlag für die Arbeiter und Studenten war, kann man nicht von einer totalen Nieder lage sprechen, Denn selbst in den Gebieten, Die Gewerkschaftsführung ist zwar durch Verhaftungen und Entlassungen stark dezimiert worden, lebt aber ist det, dande Seetoren, die en trek ger mit oder ihn moralisch unterstützt haben, sich nun radikalisiert haben. Sie sind durch die Methoden, die die Diktatur die nicht in den Bergwerken arbeitet, gibt es eine Konferenz der Basisdelegierten institutionalisiert wurde, und der sog. "Sozialplan" stelltendie Bedürfnisse der Arbeiter nicht im mindesten zufrieden. Die Anwesenheit der Soldaten in den Bergwerken wird der Diktatur bald Schwierigkeiten bereiten, da die leidenden und kämpfenden Massen ihren politischen Eindruck auf die ruppe nicht verfehlen werden. Die Taktik der Massen n die Soldaten heranzutreten und sich mit ihnen ze verbrüdern, ist richtig und wird bald Früchte tragen, Die Regierung legt einen falschen Paternalismus ar len Tag, versucht, ihre Angriffe auf die "extreme Die Linksparteien haben, wie die Bergarbeiter und die Sie müssen über die Ursachen der Niederlage nachdenken und ihre Tätigkeit wieder aufnehmen.

Die Entwicklung der Wider- Jürgen Arz/Otmar Sauer spruche der sowjetischen ZUR ENTWICKLUNG DER Übergangsgesellschaft. Die 5konomischen und sozialen SOWJETISCHEN

ÜBERGANGSGESELLSCHAFT Voraussetzungen der russi- 1917-29 ichen Revolution. Die nachrevolutionäre ökonomische und soziale Entwicklung bis 1923/24. Das Ende der Re staurationsperiode und der Parteikämpfe bis 1928/29.

Exkurse. Uber die kapitalistische Bürokratie. Einige Bemerkungen zu J.Schmierers „Der Bolschewismus und die Bauernfrage in der russischen Revolution". Die sowjetische manenten Revolution z2er- Außenpolitik von der „Sozialismus in einem Land"

82 Seiten, 5.00 DM.

Dieses Buch füllt eine bedeu. Franz J 1 Lee tende Lücke. Es befaßt sich SÜDAFRIKA mit der Geschichte der Befreiungsbewegungen im südlichen AM VORABEND DER Afrika. Ursprung und Ent- REVOLUTION wicklung der verschiedenen national und sozialrevolutio- 2 erweiterte Auflage ISP Verlag nären Strömungen und Orga.

nisationen werden auf dem Hintergrund der rassistischen Kolonialunterdrückung un.

tersucht, Charakter und Politik der Befreiungsbewegungen an den historischen Aufga ben der Revolution bewertet die im südlichen Afrika auf der Tagesordnung stehen.

230 Seiten, 9.00 DM

ISP