Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Bolivien

Eskalation der Repression

Inprekorr Nr. 63, 16. Juli 1976 · S. 29-31 · 1.045 Wörter

Bolivien, Peru und Anden Gewerkschaften und Streiks Jugend und Studenten

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Tausende von Oberschülern in den Großstädten Boiviens sind auf die Straße gegangen: für ein Kürzung der Militärdienstzeit und für die Freiheit ihre eigenen "federaciones de estudiantes de secundaria" (Oberschülerverbände) zu bilden. Als die Nachricht verbreitet wurde. daß der fruhere Prăsi dent von Bolivien, J.J. Torres, in Argentinien ermordet worden war, weitete sich der Protest aus und die Schüler forderten die Herausgabe der leiblichen Überreste des Ermordeten; die Mobilisierung der Schüler schwoll an, Am 8.Juni eröffneten Polizei und Armeeinheiten das Feuer auf eine Straßendemonstration in Oruro. Die Antwort auf dieses Verbrechen war die allgemeine Ausdehnung der Schülermobilisierung auf das ganze Land. In allen Schulen wurde der Unterricht suspen diert und die Diktatur verhängte "Winterurlaub" Der Mord an General J.J. Torres hat alle Teile der Bevölkerung erschüttert und Proteststreiks in den lich reagiert, was auf bestehende Unstimmigkeiten und Konflikte im Staatsapparat deutet. entschloß man sich, den Leichnam nach Bolivien überführen zu lassen und ordnete Nationaltrauer an; dann sagte Banzer in einer Erklärung. die "Tore Boliviens stehen allen Bolivianem offen, die im Ausland verfolgt werden" . Aber bald danach mußte sich die Diktatur korrigieren. Über das Ausmaß der Unruhen, die der Tod von Torres verursacht hat, die Forderung der Bergarbeiter, torres solle im Bergwerk begraben werden. die Vorbereitung von Mobilisierungen zu den Trauer feierlichkeiten, usw. beunruhigt, machten Banzer und seine Generäle die Leichenüberführung wieder rückgängig. Der Bergarbeiterkongreß in Corocoro, der am 7. Mai zusammentraf, verabschiedete sozialistische Thesen und beschloß, für eine Mindestlohnerhönung von 80 Bolivianischen Pesos zu kämpfen• das bleibt immer noch unter dem Existenzminimun und gleicht den Kaufkraftverlust, der durch den Lohnstop in den letzten drei Jahren verursacht wurde, in keiner Weise aus. Der Regierung ist eine Frist gesetzt worden, die am 17. Juni ausgelaufen ist.

angesichts dieser Situation griff die Diktatur der faschistischen Gorillas zur sewalt. Am Morgen des 9. Juni verlor die Diktatur den Kopf, nachdem sie versucht hatte, ihre Autorität unter Beweis zu stellen und die Unterstützung der Bevölkerung zu gewinnen:sie verhängte den Ausnahmezustand und ließ die Bergwerksdistrikte von Catavi. Siglo XX, Huanuni, Colquiri, Corocoro, Quechisla und San José von der Armee besetzen.

Die Führer der Bergarbeiterföderation wurden verhaftet. Verhaftet wurden auch Universitätsangehörige in Sucre, Cochabamba, Onuro und La Paz.

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BOLIVIEN

DIE ESK AL ATION DER GEW ALT

Die heroischen Distrikte von Catavi-Siglo XX ha- Banzer hatte diese energische Reaktion der Arbeiter und des Volkes nicht erwartet. In seiner Verzweiflung untemahm er alles, um die Bergarbeiter zu Eine bewafinete Auseinandersetzung mit der Armee. ter zum Schweigen zu bringen, wurde vermieden: dobelteelegten de urde di nistet. Die Gewen. Die Gewerkschaftsführer flüchteten ins Innere der Bergwerke, Tausende von Metem unter der Erdoberfläche: von den Stollen aus leiteten sie den Widerstand, in dessen Zentrum folgende Forderungen standen: 1) sofortiger Rückzug der Streitkräfte aus allen ergwerksdistrikten.

Freflassung aller Führer der Bergarbeiterföderation, der ander Arbeiterführer und der Studenten, die verhafter wurden:

3) Wiederinstandsetzung der Radiostationen der Bergarbeiter, insbesondere des Senders "Stimme der Bergarbeiter" "21. Dezember" und des Senders "Pius XII" Garantie der Funktionstüchtigkeit dieser Sender :

1) Anhebung der Löhne der Bergwerksarbeiter 5) sofortige Überführung der Überreste von Ex-Prasident J.J. Torres.

Die Führer der Bergarbeiterföderation, die nicht verhaftet worden sind, haben am 13. Juni eine neue Führung für die Föderation geschaffen und eine Resolution angenommen, die die Ausweitung des Streiks auf alle staatlichen Minen und auf alle der Föderation angeschlossenen Sektoren forderte. Sofort sind die Minen Huanuni, Potosi, San Jose. Colquiri u. a. Kleinere Minen des nationalisierten Bergwerkssektors in Streik getreten. Die Bergarbeitergenossenschaften haben sich dem Streik angeschlossen. Von den 9 Universitäten des Landes haben 7 den unbefristeten Generalstreik zur Unterstützung der Bergarbeiter ausgerufen. Die kämpferischsten Betriebe sind ebenfalls in einen 24- 48-stündigen Streik getreten.

Banzer terrorisieren und ihren Streik zu brechen. Die nationalisierten Bergwerksdistrikte wurden zu MELItärzonen erklärt und die dort lebende Bevölkerung die Bergarbeiter, dem Militärstrafgesetz unterstellt. Man drohte, mit "bewaffneten Bauem" ir die Bergwerke einzudringen,und in diesem Sinn fabrizierte man im Namen der angeblichen Bauemorganisationen Kommuniques und Resolutionen. MASSENMORD FUER SIGLO XX CATAVI

Um zu verhinder, daß die ins Innere der Minen geflüchteten Gewerkschaftstührer von dort aus der Widerstand leiteten, wurden Soldaten am Eingang der Bergwerke postiert, die jegliches Eindringen von Personen und Nahrung verhindem sollten; sie schnitten die Elektrizitätskabel durch und drohten, Wasser und Luftzufuhr abzuschneiden. Die Bergarbeiter antworteten mit noch größere Entschlossenheit.

Um schließlich die Zivilbevölkerung niederzu- --die Bergarbeiterfamilien der beiden Distrikte machen zusammen ungetahr 50,000 Menschen aus--, wurden die Lebensmittelgeschäfte geschlossen, das Trinkwasser und das elektrische Licht in allen Bergwerkssiedlungen abgeschnitten. Das ist ein unerhörtes Verbrechen, das einem Massenmord gleichkommt, In den Bergwerkssiedlungen leben zusammen mit den Arbeitem Frauen, Kinder und alte Menschen, die damit ohne Hygiene und Medikamente zu Hunger und Krankheit verdammt sind.

Die gesamte zivilisierte Welt muß dieses Verbrechen verurteilen. Die revolutionären Organisationen in der Welt müssen ihre Stimme erheben, um diese Situation zu verdammen und vor den internationalen Organisationen zu denunzieren. Es müssen Kommissionen gebildet werden, die nach Bolivien kommen, um den Kampf der Bergarbeiter zu unterstützen.

Bei ihrem Versuch, den Widerstand der Bergarbeiter zu spalten und ihn zu brechen, hat die Diktatur eine 22-30%ige Lohnerhöhung verhängt (die sie "Rationalisierung " nennt) und verlangt, Basis zu ""verhandeln". Unter diesem Vorwand hat anzer nach Verhängung der militärischen Besetzuns Catavis diesen Distrikt besucht. Er war menschenleer. Auf diese Erfahrung hin hat er davon Abstand genommen, nach Siglo XX und nach Huanuni zu gehen.

Der Kampf des bolivianischen Volkes ist hart. Aber Bolívien ist das Land Lateinamerikas, in dem lie Neuformierung der Arbeiterbewegung und der Linken nach dem faschistischen Militärstreich an weitesten vorangeschritten ist.

Bolivien muß in der Arbeit der revolutionären Organisationen und der Massenorganisationen in der • Welt einen bedeutenden Platz einnehmen Es ist dringend nötig, eine Kampagne der Denunziation der Situation in Bolivien zu organisieren; den Kampf der bolivianischen Arbeiter zu popularisieren, besonders den der Bergarbeiter und der Studenten, und ihm Unterstützung zu gewähren. Die weltweite Solidarität kann verhindem, daß die von der Armee eingeschlossenen Bergarbeiterzen tren isoliert werden. Die weltweite Solidarität muß die Isolierung der kämpfenden bolivianischen Massen verhindern.

Huanuni, den 15. Juni 1976

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