Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Südafrika

Prozess gegen Mitglieder des 'Unity Movement'

Inprekorr Nr. 6, 15. August 1971 · S. 11 · 611 Wörter

Südafrika

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SÜDAFRIKA: PROZESS GEGEN MITGLIEDER DES "UNITY MOVEMENT" ++++++++ •++++++++++++++ ++++++ ++*+++++++ +++ àm 10. Februar 1971 wurden in Natal, Transvaal, Westkap und Transkei 30 Mit. glieder des "UNITY MOVEMENT OF SOUTH AFRICA" (UMSA) verhaftet. Am 16. Augus werden 14 der Verhafteten vor Gericht gestellt; unter Umständen werden Todesurteile verhängt. Die Verfolgung des "Unity Movement" ist nicht neu: Ob. wohl nicht sehr mächtig in der Mitgliederzahl, ist es dadurch gefährlich für das rassistische Regime Südafrikas, weil es als einzige unter den südafrikanischen Befreiungsbewegungen Geschichte und Klassenverhältnisse des Landes marxistisch analysiert. Das 1943 gegründete "Unity Movement" sieht in den schwarzen Bewohnern der ländlichen Gegenden Bantustans das revolutionäre Potential Südafrikas: obwohl sie nur 13 % des Landes umfassen, wohnen dort 50 % der schwarzen Bevölkerung. Diese teilt sich in zwei Gruppen: 1. die landlosen Bauern und 2. die am stärksten Ausgebeuteten, die Grubenund Wanderarbeiter (über die Problematik dieser Analyse siehe Franz J.I. Ie "Der Einfluß des Marxismus auf die nationalen Befreiungsbewegungen in Süd- , zu bestellen bei Franz J.T. Lee 6 Ffm, Röderbergweg 20, für 7,50 DN, • afrika"

Spätestens seit 1965 betrachtet das UMSA den Guerillakrieg als das adäquate Mittel zur Befreiung der unterdrückten Afrikaner und zur Zerstörung des lapitalistischen Systems. Zur Verwirklichung dieses Ziels arbeitet das UMSA an der Koordinierung der revolutionären Kämpfe gegen den Imperialismus im südlichen Afrika und im übrigen Afrika; es sieht sich solidarisch mit den Befreiungsbewegungen in Asien, Afrika und Lateinamerika sowie mit den Klassenkämpfen in den hochindustrialisierten kapitalistischen Ländern und den Kämpfen um sozialistische Demokratie in den bürokratisierten Arbeiterstaaten. Wir veröffentlichen nachstehend Auszüge aus einer Erklärung von I. B. TABATA, dem Vorsitzenden dieser Bewegung UMSA und Mitglied der IV. Internationale, über die Begleitumstände des Prozesses gegen die Mitglieder de: UMSA :

"...Das rassistische Regime versuchte mit allen Mitteln, die Verhaftung der Unity-Movement-Führung zu verheimlichen. Erst 14 Tage danach erfuhr die Welt davon. Die vom UMSA entfachte internationale Publizität zwang die Sicherheitspolizei, diese Verhaftungen bekanntzugeben und einen frühzeitigen Prozeß zu versprechen. Fünf Monate später beginnen die Prozesse ohne Vorankündigung. Während dieser Zeit wurden die Gefangenen in Einzelhaft gehalten und den raffiniertesten Folterungen unterworfen, die die südafrikanische Polizei von der OAS in Algerien gelernt hat. Es ist bekannt, daß die Henker Südafrikas befürchten, das bevorstehende Verfahren könne zu einem zweiten Rivania-Prozeß mit all der abträglichen internationalen Publizität werden (beim Rivania-Prozeß wurde Nelson Mandela, der der Vorbereitung des Partisanenkriegs angeklagt war, zum Ankläger des südafrikanischen Regimes). •••Berichte liegen vor uns, daß Mitglieder des UMSA sowohl in Städten als auch in ländlichen Gebieten, besonders im Pondoland, sowie im Exil in den an Südafrika angrenzenden Staaten verfolgt werden. Wichtiger sind die ständigen Berichte über Zusammenstöße zwischen der schwarzen Bauernschaft und der Polizei in verschiedenen Landesteilen. Dies ist für die Herrschenden und ihre Tintenkulis sehr peinlich, weil sie versuchen, sie als Stammeskämpfe oder als Streitereien um Vieh oder Land hinzustellen. Jeder Schwarze in Südafrika weiß, daß gerade die Regierung in den "Reservaten" dauerna Land wegnimmt, um die leute auf die weißen Farmen, in die Bergwerke und in die Industrie als Wanderarbeiter zu treiben.. .Wenn die Schwarzen zu den Waffen greifen, um ihr Land und ihr Vieh zu verteidigen, so richtet sich ihr Kampf gegen die Regierung, unbeachtlich der schwarzen oder weißen Charakternasken, mit denen sie es unmittelbar zu tun haben. Überall im Land hat das Volk das Stadium erreicht, wo es entschlossen ist, Gewalt mit Gewalt zu begegnen. Auf dem Hintergrund dieses Klimas müssen Verfolgung und Prozeß gegen die Führung und Mitglieder des UMSA gesehen werden." (Spenden zur Unterstützung der südafrikanischen Genossen auf das Konto der Stadtsparkasse Frankfurt' Nr. 12 82 07 Franz Lee)