Als im Lauf ihres Marsches nach Süden die russischen Truppen 1783 die Krim besetzen, gibt es mehr als 500.000 Tataren im Land. Durch die Verfolgungen verringert sich ihre Zahl bis zum Ende des letzten Jahrhunderts auf weniger als 200,000. Die Oktoberrevolution stellt einen tiefen Bruch dar, eine Befreiung für die Tataren-Nation. Es werden nicht nur ihre kuturellen und sprachlichen Rechte anerkannt, sondern sie erhält 1921 auch das Recht, eine eigene autonome Republik zu bilden, die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Krim, trotzdem die Tataren nicht mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung in diesem Gebiet darstellen. Boten tre te de von on a einen e le jedoch den Anfang eines Alptraums dar, der bis In der Nacht vom 18, zum 19. August dringen "Spezialtruppen" in die Tatarendörfer ein und geben den Bewohnern nicht mehr als 20 Minuten Zeit, ihre Koffer zu packen. In dieser Nacht werden 238.000 Menschen deportiert, davon sind 205.900 Frauen und Kinder. Etwas mehr als 50% von ihnen überlebten die Gewalttaten. 1946 wird die ASSR Krim per Dekret aufgelöst. Mehr als 10 Jahre lang erleiden die Tataren zusammen mit den Wolgadeutschen, den Balkaren, Tachetschsenenen! gal schen, Karatschais, Meskheten.
myks und Schwarzmeer-Griechen (1)
das Los der Geächteten: es ist ihnen verboten, den Ort zu wechseln, alle zwei Wochen müssen sie sich bei der Polizei melden, usw.
Die Gründe für die Deportationen sind nie ganz aufgedeckt worden. Alle offiziell oder offiziös von der Bürokratie vorgebrachten Einwände, die fer annten siker hätten irgendeinen "Verrat" ge- --keines von ihnen hat mit den Nazis zusammengearbeitet, einige sind nicht einmal mit ihnen in
TATAREN
Gründe betrifft, die im Westen für den Falt ischen " Kontakt gekommen-- Konsachen hicht standhalten. Nas die "strategi Krim-Tataren, der Meskheten oder gar der Schwarzmeergriechen vorgebracht wurden, so sind sie unzureichend.
Die nationalistische groß-russische Ideologie, die schon von Lenin denunziert wurde, ist parallel zur Abwendung vom proletarischen Internationalismus faktisch zur Ideologie der Bürokratie geworden und schlägt sich nieder in einer Politik der Russifizierung und der Hyper-Zentralisierung: Liquidierung der nationalen Intelligentsias und nicht-russischen Fachkräfte in den 30er Jahren. Die Deportation der verschiedenen Nationalitäten ist der "paranoischste" Aspekt dieser Politik. Ganz wie die anti-semitische Kampagne zu Ende der 40er und Anfang der 50erJahre zeigt diese Poltik nicht nur den Bruch mit der Oktoberrevolution, sondern auch die Kontinuität zwischen gewissen ideologischen Themen des Stalinismus und des zaristischen Rußland. Der XX. Kongreß der KPdSU hob gewisse Verbote auf. Seit dem Zeitpunkt haben die Tataren einen langen Kampf begonnen, der erst mit der Rückkehr in Thre Heimat beendet sein wird.
- 1956 wird nach monatelangem Warten in Moskau endlich eine Delegation von Chruschtschow em- Prage nuten wird. Seitdem kann ehe Bewegung der daß das Zentralkomitee die Tataren als eine organisierte Massenbewegung betrachtet werden.
- 1957 unterzeichnen 14.000 Tataren einen Brief an das ZK der KPdSU, Zehntausende individueller Briefe werden an alle Staatsorgane gesandt. - 1958 sind Briefe und Telegramme genauso zahlreich. Mikoyan empfängt die Vertreter des Tataren volkes und verspricht ihnen, die Akte an Chruschtschow weiterzuleiten. Bei diesem Treffen gaben ihm die Vertreter einen Brief mit 16.000 Unterschriften ab. Im August unterzeichnen 12.000 Tataren einen weiteren Brief an das ZK der KPdSU. Die Reaktion der Bürokraten laßt nicht auf sich warten: Repression, die in erster Linie die Tataren trifft, die Mitglieder der KPdSU sind: sie werden ausgeschlossen und verlieren sogar ihre Arbeit, - 1959 unterzeichnen wiederum 10.000 Tataren eine Bittschrift an die Staatsorgane: die Repression hat die Bewegung nicht geschwächt.
- 1961 richten wiederum 18.000 Tataren einen Brief an das ZK. Einige Monate spater kommt eine Delegation nach Moskau, um der Vorbereitungskommission für den XXII. Kongreß der KPdSU einen Brief mit 8, 000 Unterschriften auszuhändigen. Sie wird mit militärischer Gewalt aus Moskau verjagt. - 1964, im Oktober, ergreifen die Tataren Chruschtschows Tod als Gelegenheit, um den Kampf wieder zu entfachen. Mehr als 16 Monate lang begibt sich eine nach Moskau entsandte Delegation aur samtliche Audienzen der hohen Instanzen von Partei und Staat. Während dieser Periode sind den Staatsorganen mehr als 24 Tonnen Briefe und Dokumente mit mehr als 100.000 Unterschriften abgegeben worden, ohne die Hunderttausende individueller Briefe dazuzuzählen.
- 1967 wird die Tatarennation durch einen Erlaß des Obersten Sowjet renabilitiert, aber gleichzeitig "gebeten" , ihre Wohnorenicht zu verlassen. Das hindert einige Tataren nicht daran, trotz der Repression dennoch "illegal" in ihr Land zu- - 1968 wird eine Delegation von mehr als 800 Tataren mit unerhörter Brutalität aus Moskau ausgewiesen (im Marz). Im April wird eine große Versammlung zum Jahrestag Lenins in Ischirtschik (Zentralasien) brutal autgelöst. in diesem Jahr 1968 schließt sich ein Teil der sowjetischen Opposition dem Kampf der Tataren an. Die Unterstützung des Kamples der Tataren ist Ausdruck des fortgeschritten sten Teils der Opposition, im wesentlichen ihres progressiven Flügels. Mehrere ihrer Mitglieder werden einen hohen Preis dafür zahlen: nicht nur der General Grigorenko, sondern auch ein junger Moskowiter, Ilya Gabai, der zusammen mit Djamilev verhaftet und zu drei Jahren Internierung verurteilt wird.
Heute hetzt der KGB die aktivsten Kampier der Bewegung: zu ihnen gehört Djemiley, der zu dieser Stunde vielleicht schon tot ist infolge eines mehr als 7-monatigen Hungerstreiks. Trotz der Repression hat die Lebenskraft und das Arischen Wert: die Politik der Russifizierung wed der Krimtataren einen exem der Zentralisierung der sowjetischen Bürokrate stößt auf einen wachsenden Widerstand der nicht-russischen Nationalitäten. Heute scheint die Nationalitätenfrage eine der schwächsten Saulen des bürokratischen Gebäudes.
Anmerkung:
(1) Die Wolgadeutschen wurden kurz nach dem Krieg deportiert. Die andem Völker, besonders die Moslems aus dem Nord-Kaukasus --mit Ausnanme der Kalmyks, Buddhisten aus der Region Astrakhan, und die Griechen, die orthodoxer Konfession sind-- ereilte dies Schicksal Ende 1943: die Karatschais im Oktober 1943, die Kalmyks im Dezember, Am 22, Februar 1944 war die Reihe an den Tsch etschenen und den Indie Meskheten, die Moslems aus Sud-Georgien und im März an den Balkaren. 1949 waren es die Griechen aus dem Gebiet. Von all den Völkern konnten zu Ende der 50er Jahre nur die Meskheten und die Tataren nicht in ihre Heimat zurückkehren.
BRIEF
VON