BEFREIUNG UND REVOLUTION
Die Abhaltung der Beratungskonferenz vom 15. bis 21. November 1976 bot auch die Gelegenheit, einige der Grundzüge der vietnamesischen Revolution zu bestätigen. Das Hauptreferat hielt Truong Chinh, Mitglied des Politbürosder Arbeiterpartel Vietnams und Führer der Delegation de Demokratischen Republik Vietnam (DRV). Das schwergewicht seiner Rede ruhte auf zwei Themen: die Notwendigkeit, die Wiedervereinigung rasch zu Ende zu führen und die Verpflichtung des Suong zen Landes auf den Weg zum Sozialismus. Chinh hielt einer regelrechte Programmrede, teierlich das Leitmotiv der Erklärungen der Führer ler Arbeiterparter wiederautnahm: der Zusammenhang zwischen der nationalen Befreiun mwal- der Wiedervereinigung und der sozialistischen zung in der vietnamesischen Revolution: "Nachdem wir die Unabhängigkeit wiedererrungen haben, kann unser Land wählen zwischen einem PIERRE ROUSSET der beiden Wege: entweder eine Etappe des Uber- Wicklung Folgen Ve tace Ney te der der um Sozialismus führt. .. das einzige System, das die vollständige politische, wirtschaftliche, kulturelle und soziale Einheit herstellen kann. Dennoch bevor er zur sozia- Ansicht, das dieser Aubereit micht Witig asen d Wir waren der der Tat kann die Bevölkerung nach dem Zusammenbruch des neokolonialistischen amerikanischen Regimes in ihrem Weg nicht innehalten ohne sich zu verraten, sondern muß zur sozialistischen Revolution übergehen. ... Und gleichzeitig muß sie eine gewisse Anzahl von Phasen durchlaufen, um die Aufgaben der nationalen, demokratischen und Volksrevolution zu erfüllen... Das ist der Geist der "ununterbrochenen Revolution" des Leninismus, den die Arbeiterpartel im vietnamesischen Volk propagiert hat, um beide Revolutionen durchzuführen ( die nationale, demokratische und Volksrevolution und die sozialistische), mit der Besonderheit, direkt von der ersten zur zweiten Etappe überzugehen, ohne aut der Stute der kapitalistischen Entwicklung stehenzubleiben.
Sicher ist Süd-Vietnam noch weit davon entfemt, die Agrarretorm vollendet zu haben (die Verteilung des Bodens an die, die es bebauen) und die Macht der Feudalherrn und der Kompradorbourgeoisie vollständig ausgerottet zu haben.
Aber Trung Chinh verdeutlicht den Sinn seiner Analyse, indem er hinzutügt, daß der Süden "nicht warten muß, bis alle Aufgaben der nationalen, demokratischen und Volksrevolution erfüllt sind, bevor er den Weg der sozialistischen Revolution einschlägt und mit dem Aufbau des Sozialismus beginnt. " ("Nachrichten aus der DRV" vom 25.11.75). Das Hinüberwachsen in die sozia- listische Revolution drängt sich auf als Notwendigkeit, um selbst die Aufgaben der nationalen Befreiung zu Ende zu führen. Das ist das zweite Mal, daß der Befreiungskampf in Vietnam dieses Gesetz der Kolonialrevolution bestätigt -- das erste Mal war 1954. Diese Lehre hier ist exemplarisch, da das Erbe des amerikanischen Krieges scheinbar die Lösung der Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung erschwerte.
DAS ERBE AMERIKAS
Das Vermächtnis Onkel Sams ist in der Tat wenig beneidenswert. Sicher hat es noch in seinem Zusammenbruch das neue revolutionäre Vietnam mit Waffen ausgestattet, die es zur drittstärksten Militärmacht Asiens nach China und Indien macht: 1200 bis 1500 Panzerwagen, 400 bis 500 Kampf lugzeuge, 2 bis 3.000 Fernkamptartilleriestücke, ein ultramodernes Radar- und Ubertragungssystem len Marine- und Luftwaffenkomplex der Cam Ranh Bay... Die Amerikaner haben auch für 12 Mrd. Dollar Industrieinvestiti onen und wirtschaftliche Infrastruktur zurücklassen müssen, so Wilfred Burchett in der "Far Eastern Economic Review" (FEER) vom 10.Oktober 1975: darunter eine Polyester- Faser-Industrie und einen mit den neuesten Feinheiten ausgestatteten Schlachthot, eine pharmazeutische Industrie, die fast gänzlich die Bedürfnisse des Landes decken müßte und eme lextiindustrie mit einer Kapazität von 250 bis 300 Millionen Meter... Dennoch sind die Probleme beträchtlich:
- Die physischen Verwüstungen durch den Luftkrieg aut dem Land sind entsetzlich. Nach Anga- Den der Provisorischen, Revolutionsregierung (PRR) sind "43% (13.000 km*) der Plantagen und Obstgärten unrettbar zerstört worden, (25,000 km") der Wälder des Landes" (FEER.7.11. 1975, S.14), 1965 gab es 34,000 Hektar Zuckerplantagen, 1972 blieben davon 12,000. Sud-Vietnam exportierte 1960 für 48 Mill. Dollar Kautschuk, 1973 für 5,6 Mill. Aus einem Reisexportgebiet ist der Süden zu einem Reisimporteur geworden. Die für die Landwirtschaft unentbehrlichen Wasserbüffel waren zu Zielscheiben der amerikanischen Strategen geworden; ihre Zahl fiel von 820.000 1963 auf 420.000 1973.
- Die Umwälzung der sozialen Struktur des Landes war eine Folge dieser Zerstörungen aut dem Land: zu Beginn des französischen Krieges lebten waren es 15%, 1975 die sich einer Einwohnerzahl von sind nur 300.000 Industriearbeiter, 60.000 arbeiten in der Textilindustrie. Andererseits gab es zum Zeitpunkt der Betreiung ca. 3, 5 Millionen Arbeitslose, d.h. 1, 5 Mill. Arbeitslose aus dem Thieu-Regime, 1,5 Mill. Angehörige der demobilisierten Marionettenarmee und der Polizei, 500.000 Prostituierte, Händler oder Personen, deren Einkommen direkt von der US-Präsenz abhing. (FEER, 10.10.75).
- Auf industrieller Ebene schließlich war die Abhängigkeit der neo-kolonialen Wirtschalt eine vollständige. Rohstotte und Energie wurden weltgehend, wenn nicht gänzlich, importiert. So im Fall der Baumwolle für die Textilindustrie, und von Benzin: Energie wurde oft durch Dieselmotoren hergestellt. Die Bevölkerungsstruktur an den die noch vom Marionettenregime übernommen ist, deckt auf, welch schwerwiegenden Probleme die Mißbildung der sozialen Entwicklung, die dem Druck des imperialistischen Zugriffs geschuldet ist, mit sich bringt: von 8.546 Studenten studieren 29.905 die Rechte 26.673 Literatur, 260 (1) Landwirtschaft und... 0 Veterinärmedizin und Forstwissenschalt. (FEER, 7.11.75).
Die ersten Maßnahmen der PRR (so die kostenlose reisverteuuns an Bedürftige) konnten nur ein vorüergehender Notbehelf sein. Es war notwendig das Übel an der Wurzel zu packen, Die Wurzeln waren sozialer Art.
DREI KAMPAGNEN
Drei Reihen von Maßnahmen wurden auf sozioökonomischem Gebiet ergriffen:
- Die Zurück-aufs-Land-Bewegung.
Vietnam kann keine parasitäre "Stadt" - Bevölkerung unterhalten, deren Ausmaße in keinem Verhältnis zu seiner Industrialisierung stehen. Die Vorhaben der PRR sind ehrgeizig, sie hofft, mehr als 3 Millionen Menschen aufs Land zurückkehren (Zahl aus dem "Informationsbulletin der PRR" , 21.6.75). An Platz mangelt es nicht und die er zuckereren (soweit sie noch bestehen) oder sich in "Pionierzonen " niederzulassen, vollständig instandgesetzt wurden. Die Rückkehrder Zerstörungen durch den krieg und der Viel- bewegung lief dennoch nur langsam an zahl von Minen und Granatsplittem, die eine Arbeit auf dem Feld unmöglich machen. Dies zum einen. Andererseits wohl aber auch wegen der "halb-verstädterten" Bevölkerung. Gegenwärtig ziehenetwa 100.000 im Monat fort. Der Fortschritt in der landwirtschaftlichen Produktion scheint nicht von geringerer Bedeutung zu sein: er wird unterstützt durch die Aufstellung von Teams zur son Kooperaten fir Maler und binger s heißt. Sud-Vietnam stehe kurz davor, wieder zum Reisexporteur zu werden, zumindest in kleinen Mengen, Was den Norden betrifft, der wenials der Süden, so hat er das angestrebte Ziel von durchschnittlich 5 Tonnen nicht geschalten Reis pro Hektar und jahr erreicht une lat nun eine Kampagne zur Winterproduktuon gestartet: es dreht sich hierbei darum, ne Sorten von schnellwachsendem Reis zu benutzen, um zwischen die beiden Reisemten im Jahr (Frühjahr und Herbst) eine Ernte Getreide, Gemüse oder Nutzpflanzen einzuschieben.
- Die Spekulation zerschlagen.
Es wurde eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die Kontrolle des revolutionären Regimes über die Geldmasse und die Preise zu sichern. Es wurde eine einzige nationale Bank errichtet; das in Konten und Geldschränken aufbewahrte private Kapital wird kontrolliert. Aber die Masse der Besitzenden hatte ihre Bankeinlagen vor der Befreiung Saigons zurückgezogen -- laut Nayan Chan da sollen insgesamt ca. 150.000 Mill. Piaster von den Banken abgehoben worden sein (FEER, 3.10.75). Die PRR entschloß sich daher zu einer radikalen Maßnahme. Am 22. September kündigte sie eine Währungsreform an: ein neuer Piaster, der 500 alte wert war, wurde ausgeteilt. Jeder muste in einem Tag sein gesamtes Bargeld bei den dazu bestimmten Beamten gewechselt haben. Damit var das gesamte Bargeld gezählt. Zudem wurde bei großen Summen nicht sotort der ganze Gegenwert in neuen Piastern ausgehändigt. Es wurle eine oberste Grenze festgelegt für den Wert,
VIETNAM den jedes Individuum monatlich zur Verfügung haben sollte: der eventuelle Überschuß wurde von der Verwaltung aufbewahrt und in den folgenden Monaten verteilt. Damit übernahm das revolutiolare Regime die Kontrolle über eine große Geldmasse und erschwerte spekulationen, die auf dem Lebensmittelmarkt in Saigon die Preise in die Höhe trieben.
- Die "Kompradorenklasse zerschlagen" Diese Finanzoperation warwahrscheinlich nur zum len erfolgreich, da gewisse vermögen aut menrere Individuen aufgeteilt wurden.
wurde eine breitere Kampagne gestartet, Das Ziel die Macht der "Komprador "bourgeoisie zu brechen. Huynh Tan Phat, Präsident der PRR erklärte dies in einem Interview an Wilfred Burchett folgendermaßen: " Wir stehen vor zahlreichen Schwierigkeiten und unsere Feinde haben sie dazu benutzt, um Zwistigkeiten zu säen und mit Hilfe der Preise und des Lebensmittelmangels die Unzufriedenheit gegen uns zu richten. Wir müssen zu• Ren ander (ser hineischen Comp da en T Sie haben die Märkte gesprengt, künstlich Lebensmittelknappheit geschaffen und die Preise in retrieben, und wir konnten nicht viel Sie kontrollierten alles... Natürlich lag es im Interesse der Kompradoren, unser Regime scheiter zu sehen und sie träumten wahrscheinlich sogar schon von der Möglichkeit, es wieder durch ein reaktionäres Regime zu ersetzen... (FEER, 10.10.75).
Am 10. September veröffentlichte die PRR eine Erklärung über ihre Wirtschaftspolitik und kündigte darin ihre Entschlossenheit an, "die bürgerlichen Kompradoren schwer zu bestrafen"; sie erklärte, daß sie bei denen, "die während dem Krieg Spekulation getrieben haben, sich auf die amerikanischen Imperialisten gestützt und sich mit den Führem der Verwaltung und der Armee des Marionettenregimes verbündet haben und die ins Ausland flüchteten oder noch im Land geblieben sind, all ihr Vermögen in staatliche Verwaltung überführen werde... " ("Informationsbulletin der PRR", 21.9.75).
Nach der Veröffentlichung dieser Erklärung wurden Massendemonstrationen organisiert, an denen auch viele chinesische Arbeiter von Cholon teilnahmen. Verborgene Lebensmittellager wurden jetzt entdeckt: 4 Mill. Meter Seide und Baumwolle beim "Textilkönig" La Nghi ""Tabakkönig" bedeutende Vorräte an Bastos-Zigaretten beim Siou Phong gen Arbeit, aut etwa 400 Mill.
schätzt. Dank dem Verkauf dieser Vorräte Ist der Preis vieler Waren auf dem Markt um 30 bis 50% gesunken...
DRINGLICHKEIT DER
WIEDERVEREINIGUNG
Wenn die Erklärung vom 10. September die Kam - Bot digere gleichzeitig den neonaten Bo sogeois, den kleinen Industriellen, Handwerkern ind Kleinhändlern" staatliche Unterstützung an. Die Erklärung für diese Maßnahme ist einfach. Das neue Regime hat schon Schwierigkeiten, der Güter zu übernehmen, die unter die Kontroile des Staates oder der Arbeiter gekommen sind. Der Produktionsapparat muß unbedingt wieder in Gang gesetzt werden (d.h. bis En de 1975 ungefähr 50% der Betriebe). Die techni- Es gibt heute noch keine übersichtlichen Zahlen, die eine Vorstellung von der Entwicklung der verschiedenen Wirtschaftszweige geben können. Es gibt gegenwärtig 5 Wirtschaftssektoren in Sud- Vietnam: der staatliche Sektor, der kooperative Sektor, der gemischte staatlich-private Sektor, der Privatsektor, das Handwerk. In der Tat scheint es nach dem 30. April eine regelrechte Klassenpolarisierung gegeben zu haben: die große Zahl der Techniker soll "Direbtoren und Verwal - 70% der Industriellen, tungsbe amten sind beim Herannahen der Streitkrafte der PRR ins Ausland geflohen. Das Privatkapital konzentriert sich im wesentlichen in den Kleinbetrieben (sie beschäftigen 10 bis 50, manchmal mehrere Hundert Arbeiter). Es wird doppelt kontrolliert: durch die "freien Gewerkschaften" einerseits, die sich sehr breit ausgedehnt haben, und durch den Staat, der die Versorgung mit Rohstoffen und den Vertrieb der Waren besorgt und daher die Produktionsentscheidungen diktieren kann. Die privaten Versicheningsgesellschaften haben übrigens im Oktober dasselbe Los gekannt, wie vorher die Banken. Ende September wurde die Liste mit den festgelegten Preisen veröffentlicht und die Kontrolle über den Außen handel bestätigt.
Das Schicksal der ausländischen Investitionen ist noch ungeklärt --zumindest was das amerikanische Kapital betrifft-- so das der französischen Plantagen. Sie stehen jedoch taktisch unter der Kontrolle der Arbeiterkomitees und der PRR und man kann den Gang der Entwicklung voraussenen. Der Staat wird die Leitung über sie übernehmen, jedoch beratete Ven feen de leen den odes innen. Vietnam lesen darau seinen dies wollen. Vietnam legt Wert darauf. Handel zu streuen, und sei es nur, um sich ein Minimum an Unabhängigkeit zu sichern. Die Entscheidung der Arbeiterpartei unterscheidet sich hier radikal von der der "Roten Khmer": "Wir sind nicht an einer wirtschaftlichen Autarkie interessiert, erklärt Huynh Tan Phat, und wir haben nicht vor, in Bezug auf ausländische Investitionen eine Politik der geschlossenen Türen zu verfolgen. (FEER. 10.10.75). Die Erdölpolitik de PRR ist wahrscheinlich für diese Entscheidung bezeichnend. Am 6. August hat die PRR bestätigt, der mit dem Regime Nguyen
Ausbeutung runter das Erdöl, abgeschlossen wurde, null unc nichtig ist. Jetzt beschließt die PRR, die Erforschung und Ausbeutung des Erdöls in Südvietnam in Angriff zu nehmen. Die Regierungen und ausländischen Erdölgesellschaften, die sich daran beeiligen wollen auch die Gesellschaften, die vorher ähnliche Aktivitäten in Süd-Vietnam verfolg. ten, sind alle der PRR willkommen... * (Informationsbulletin der PRR" ,1.9.75). Unter der Bedingung jedoch, daß die PRR die neuen Verträge kontrolliert und diese Vietnam zum Vorteil gereichen. Es stimmt jedoch, daß die halben Maßnahmen unzureichend sind. Radio Saigon denunziert weiterhin die Aktivitäten der "Kompradoren" und Spekulanten, die für instabile Preise auf dem heftige Unzufriedenheit in Saigon ausgelöst, so daß die Regierung am 6. Oktober öffentliche Selbstkritik leisten und zu den ursprünglichen Tarifen zurückkehren mußte. Das Nebeneinander zweier Währungen(im Norden der Dong und im Silden der Piaster) schafft monetäre Schwierigkeiten, löst Unruhe hinsichtlich des Werts des Piasters aus und fördert die Spekulation. Im Norden ist ein Fünfjahresplan ausgearbeitet worden, der in diesem Jahr in Kraft treten soll. Er betrifft auch den Süden und erfordert zu seiner Verwirklichung eine einzige Regierung.
"Je schneller die nationale Wiedervereinigung abgeschlossen ist, desto eher werden die Bedingunen geschaffen sein, daß auf dem Markt Süd Hetnams die Überreste einer zerrütteten un‹ sterbenden Wirtschaft vemi chtet werden. Die Wiedervereinigung des Landes wird auch die Bedingungen dafür schaffen, daß die Märkte des Vordens und des Südens die Produkte aus den beiränzen und einen blühenden und den Gebieten austauschen, sich gegenseitig erschaffen. " (Nayan Chanda, FEER, 5.12.75). Und der Sender der PRR beharrt auf den Fehlern und Aber die Dringlichkeit der Planuns -- und damit der Wiedervereinigung -- ergibt sich ebensosehr aus langfristigen Zielen wie aus unmittelbaren Problemen. Folet man dem Direktor der Sammluns der "Etudes vietnamiennes" Nguyen Khac Vien, "kann man hoffen, daß in ungefähr 15 Jahren ca. um 1990, die erste Etappe, die der Mechanisierung abgeschlossen sein wird und das Land in der Lage sein wird, die Etappe der Automation und der Kybemetik in Angriff zu nehmen, deren erste Elemente schon vorhanden sind. In ungefähr 30 Jahren wird das Land das wissenschaftliche und technische Weltniveau eingeholt haben" (Malcom Salman, FEER, 12.12, 1975).
Die soziale und wirtschaftliche Krise, die aus dem Sieg resultiert, zwingt den Süden, mit Riesenschritten die Entwicklung zur Sozialisiering zu durchlaufen Trotz der Beibehaltung eines privad die der Norden nach 1954 durchgemacht hat.
ten Industriesektors und der Fristen, die es in der Landwirtschaft zu beachten gilt, bevor eine sozialistische Reform eingeleitet werden kann, ist die Entwicklung Süd-Vietnams von der Dynamik der permanenten Revolution beherrscht, Aber die bevorstehende verfassungsmäßige Wiedervereinistab überzugehen, sowohl in der Landwirtschaft, teilweise wieder Die Provinzgrenzen werden neu festgelegt.
An sich bietet die Wiedervereinigung der Regierungen keine Probleme. Im wesentlichen ist sie schon Colizogen dies in seinem Remat au pder Beraungskonferenz zu: "Gegenwärtig sind die beiden Gebiete Vietnams auf verschiedenen Ebenen wieder vereinigt. was die Führung der Revolution betrifft: die Bevölkerung im Norden und im Süden ist immer von einer einzigen marxistisch-leninistischen Partei geführt worden. "Die unmittelbar zu erfullennigung unserer Volker offiziellen Charak- de Auer Ebene des Saates, um der Wiederverei- auf der Ebene des Staates ter zu verleihen" . Bei dieser Gelegenheit stellt ich aber das Problem des politischen un verfassungsmäßigen Charakters de wiedervereinigten Vietnam. Auch hier kennzeichnet Truong Chinh den Verlauf der Dynamik: "das Land formell auf der Ebene des Staates wiederzuvereinigen... bedeutet auch, das politische und soziale Regime zu vereinheitlichen, d.h. die wirtschaftlichen Strukturen, die Produktionsverhältnisse, die soziale Zusammensetzung, die Organisation des Staates, die Verfassung und Gesetzgebung, Kultur und Ideologie.
ten aus der DRV" ,25.11.1975).
Wenn die Dynamik der Wiedervereinigung auf der wirtschaftlichen Ebene durch und durch revolutionär ist --da sie die Umwälzung der Produktionsverhältnisse im Süden beschleunigt und die Grundlagen der Planung beträchtlich erweitert--, so ist sie auf politischer Ebene zweideutiger. die Zerschlagung
Cräfte und den Triumph der proletarischen Kräfte und bietet gleichzeitig einen institutionellen Rahmen für die bürokratische Deformation der Revolution in Süd-Vietnam.
Der politische Apparat der Bourgeoisie und des Imperialismus ist in Sud-Vietnam bei der Befreiung zerstört worden, Er hat der Zerstörung des Mario nettenstaates und der Beseitigung neo-kolonialer Alternativen zu Thieu, iche standhalten können. "Gros Minh" vertrat, nicht standhalten Es gibt keine politische Gruppierung, die wirklich die Bourgeoisie vertritt (wobei sich versteht, daß der Verband der Industriellen der FNL dies nicht tut. die sie vielleicht indirekt vertreten könnten, wä- Die einzigen organisierten Kräfte, ren die religiösen Gruppen, vor allem die katholische Hierarchie. Aber sie scheint nun neutralisiert zu sein --wobei die PRR peinlich vermeidet, religiösen Gefühle zu verletzen--. während die
VIETNAM
Hoa-Hoa und die Cao-Dai-Sekten sich scheinbar über den Sieg der Revolution gespalten haben. Die politische Macht der Arbeiterpartei zeigt sich allein durch ihre Entscheidung Die Hegemonie der Kom- die alten Verbündeten nicht zu unterdrücken.
munistischen Partei Vietnams ist tief verwurzelt. die gesamte Arbeiterklasse Saigons hat sich in den "freien Gewerkschaften" neu organisiert, die verschiedenen Gruppierungen der ehemaligen dritten Kraft haben sich in die entsprechenden Organisationen struktur der Volkskomitees uberall aus. Der neo-kolo Der neo-koloniale bürgerliche Staat ist zerstört zugunsten eines entzu bekämpfen. Schlimmer noch: das örganisatorische Modell, dessen sich der vietnamesische Kommunismus bedient, ist das der stalinisierten Komintern. Der Diskussionsrahmen wird klarer abgesteckt sein, wenn der Plan einer gemeinsamen Verfassung für Vietnam bekannt ist. Aber es ist sehr wahrscheinlich, daß sie ähnlich aussehen wird wie die, die jetzt im Norden gilt: diese sieht einen Einparteienstaat vor, eine monolithische Partei und eine säuberliche Trennung zwischen der Organisation der lokalen Volkskomitees und der Nationalversammlung, die auf "klassische" Weise gewählt wird ånd somit unmöglich macht, daß sie der direkte Ausdruck der räte artigen Strukturen ist. die sich in die Berge verzogen haben, können nicht viel daran ändern. Es ist sogar wenig wahrscheinlich, daß sie den Operationen, die gegen sie unternommen werden, lange Widerstand leisten können. Aber die relative Schwäche der vietnamesischen Revolution kommt in der Befreiung Saigons selbst zum Ausdruck. Es war weder eine "rein militärische Übernahme"der Stadt, noch ein allgemeiner Aufstand, Die Arbeiterkomitees und geheimen Gewerkschaften haben die Betriebe vor der endgültigen Befreiung besetzt, er er coverschan haten die ancier dien P1 an zur Sabotage des Industrieparks ausgearbeitet (s. FEER, 10.10,75). Aber wenn die Arbeiterorganisation auch den Produktionsapparat schützen konnte, konnte sie doch nicht mehr. Heute scheint es, Mehrzahl der "Volkskomitees" in der Region Saigon von lokalen Kadern, Revolutionären, die im Unter- 3e.. gewesen warenh Aber die DRV hatte mehrere Tausend Kader in alten Gefangenen geleitet würden Süden schicken müssen, um zu helfen, den Verwaltungsapparat aufzubauen.
Trotz der Repression hat es die Arbeiterpartei geschafft, die Kontinuítät ihrer Aktion und ihre Verankerung in der Stadt zu bewahren. Der Verfall des Marionettenregimes und die Erschütterung der amerikanischen Herrschalt ist auch von innen her , in Saigon erfolgt. Dennoch, dank vor allem der vielfachen, ihr zur Vertugung stehenden Mittel, konnte die neo-koloniale Politik der USA einige Erfolge verzeichnen: Die Befreiung war nicht begleitet von einem revolutionären Aufschwung der Massenbewegung, der zur Bildung von autnentischen, räteartigen Komitees geführt hätte. Viele Volkskomitees sind erst nach dem 30.April entstanden. Entsprechend sind auch die Beziehungen zwischen der Arbeiterpartei und den Massen nicht umgewälzt worden. Eine tiefe Verankerung im Volk verbindet sich hier mit einer patemalistischen Führungsmethode. Die Debatte über die Rhythmen und die Art der Durchführung der Wiedervereinigung sind in dieser Hinsicht sehr aufschlußreich, Sie hat nur an der Spitze der Partei und des Staates stattgefunden. Dann wurde die Entscheidung zuerst der Beratungskonferenz und dann erst dem Kongreß der Volksvertreter Süd- Vietnams, der vom 20. bis 30. Dezember stattfand, vorgelegt.
Diese zweideutige Beziehung zwischen Partei und Masse spiegelt zunächst die soziale Schwäche der vietnamesischen Revolution - in der großen Mehrheit sind es Bauern und die Stadtbevölkerung ist wenig proletarisch. Daran hat sich die Linie der Partei angepaßt, statt es BERICHTIGUNG
Dieselbe Zweideutigkeit kennzeichnet die internationale Politik der Arbeiterpartei. Sie versucht, die Unabhängigkeit ihrer Orientiening zu wahren und zeigt deutliche Differenzen mit dem Kreml, wie auch --deutlicher noch-- mit Peking. Sie appelliert an die Völker Süd-Ost-Asiens, den günstigen Augenblick nutzen, den die indochinesische Revolution eröffnet hat, Sie unterstreicht mehrfach die weltweite Bedeutuns der imperialistischen Niederlage vom April 1975. Mehr noch: die vietnamesische Revolution ist die aktive revolutionäre Triebfeder in der Region, besonders in Thailand. Aber die Arbeiterpartei sieht auch in der "offiziellen" kommunistischen Weltbeweguns - - der stalinistischen und maoistischen-- die wirk. liche Arbeiterbewegung. Darin steht sie. Und wenn sie, im Gegensatz zu China, die portugiesische Revolution, das "Prinzip des Internationalismus" , die angolanische MPLA und den F.Polisario unterstlitzt, so bezeichnet sie auch --diskret-- Indira Gandhi als progressiv. Sowjetische Diplomatie verpflichtet.
Die revolutionäre Dynamik des Kampfes des vietnamesischen volkes ist noch lange nicht erschöpft, sie hat im Gegenteil noch tiefe Nurzeln. Aber sie stößt sich nun am doppelten Problem des Staates -d.h, der sozialistischen Demokratie -- und des Internationalismus. Diese Fragen können nicht ausgeklammert werden. Von den Antworten, die darauf gegeben werden, hängt zum Teil die künfti- Andererseits unterstreichen este en vero kein ab. die Schwierigkeiten der Ubergangsphase zum Sozialismus selbst ihre Aktualität. Davon zeugen auch die wiederholten Warnungen der Parteiführung seit dem Aprilsieg vor einer "bürokratischen Haltung" und die nun offenen Spannungen zwischen Vietnam und China. "Inprekorr" wird darauf zurückkommen.
Heute sicher jedoch die Wiedervereinigung. Jmwälzung der Produktionsverhältnisse im Süden die nach dem Abbruch der amerikanischen Eskalation im Norden unternommenen Veränderungen die Fortsetzung des revolutionären Aufschwungs in die der siegreiche Widerstand der indochinesi- in Vietnam. Die schwere Gleichgewichtsstorung. schen Völker den Weltimperialismus versetzt hat zu einem Zeitpunkt, wo sich eine neue Welle internationaler Klassenkämpfe abzeichnet, der Schock, den der amerikanische Zusammenbruch in der ganzen Region ausgelöst hat, der stetige Pro- zeß der Umstrukturierung der revolutionären wegung in Süd-Ost-Asien: all dies bewirkt, daß die vietnamesische und die indochinesische Revolution weiterhin ein Beispiel und Ansporn ist. Im Bericht über die Parlamentswahlen in der Schweiz (Inprekorr Nr.47) hat sich ein sinnstörender Fehler eingeschlichen. Nicht die Partei der Arbeit (KP der Schweiz), sondern die Revolutionäre Marxistische Liga (Sektion der Vierten Internationale) hat sich zum ersten Mal an den
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