Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Rezession & die Krise des spanischen Kapitalismus

Inprekorr Nr. 48/49, 24. Dezember 1975 · S. 18-23 · 2.975 Wörter

Spanischer Staat Weltwirtschaft und Krise

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KAPITALISMUS

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Mitte 1974 zeigte sich deutlich, daß eine Rezession in Spanien ausgebrochen war und daß sie sich schnell ausweiten würde. Die inneren Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise haten sich, genau wie in andem Landem, in einer Jberproduktionskrise ausgedrückt. Heute im Herbst 1975, kann man teststellen, daß die Krise nicht nur fortdauert, sonder das ein dach dar verschärft.

Strukturelle Besonderheiten des spanischen Kapitalismus, die politische Sackgasse, in der er sich der Aufschwung der Massenbewegung verleihen dieser Uberproduktionskrise jedoch besondere Merkmale, wodurch sie sich von der Rezession der meisten anderen imperialistischen Länder unterscheidet. Die Überproduktionskrise ist in Spanien in einer Situation ausgebrochen, die sich folgendermaßen umschreiben laßt: - sie entwickelt sich parallel zu einer polítischen Krise, die sich von Tag zu Tag verschärft; mus daran hindert, den Ausbeutungsgrad der Arbeiterklasse zu steigem, und dies in einem Moment, wo es gerade am nötigsten wäre (u.a,auch wegen der Auswirkungen der Erdölkrise und der Inflation auf die spanische kapitalistische Wirtschaft); - sie hat die verschiedenen kapitalistischen Gruppen in ungleichem Maß, zu verschiedenen Zeitpunkten und mit unterschiedlicher Intensitat getroffen. Gewisse Branchen, wie die Autoindustrie, litten mehr unter der"Erdøikrise" als andere. Die zurückgebliebenen Branchen, die eine geringere organische Zusammensetzung des Kapitals aufweisen, wurden von der Inflation und den Lohnerhöhungen stärker mitgenommen, als das Großkapial. Die Krise verschärft so die inneren Widersprüche des Kapitalismus.

Nach dem Wirtschaftsaufschwung,, der im Jahr 1971 einsetzte und mit dem raschen Wachstum der Jahre 1972 und 1973 seinen Höhepunkt erreichte, hätte die innere Dynamik des spanischen Kapitalismus sowieso zu einer Überproduktionskrise folgende rase ren verend tesdem igtu a) die Gleichzeitigkeit des spanischen Industriezyklus mit jenem der imperialistischen Weltwirtschaft, sowohl im Aufschwung wie im Abstieg; Gleichzeitigkeit, die durch die Erdölkrise noch verstärkt wurde.

Klasse untergrub, sondem zusätzlich noch verhinderte, enseite An andie neuen Erdol- und Roh - der Produktions- und Einstoffpreise auf Kosten der Werktätigen stattfand. Die dialektische Wechselwirkung zwischen diesen ENTWICKLUNG DER LETZTEN ZYKLEN

Die vorangehende Phase rückläufiger Wirtschaftsak- tivität hatte in Spanien in der Mitte des Jahres 1971 stattrefunden. Auf sie folgte ein Boom, der erstmals gleichzeitig mit jenem sämtlicher anderer imperialistischer Länder stattfand. Er erreichte seinen Höhepunkt Anfang 1974; in der Mitte dieses Jahres schlug er in eine neuerliche Rezession um. All dies kommt in folgenden Zahlen zur Entwicklung des spanischen Bruttosozialprodukt: zum AusdrICK:

Durchschnittliche Wachstumsrate des Bruttosozialprodukts:

1961-1970 7,0% 1971 4 3% 1972 8, 1973 8, 4% 1974 5, 0% (erweiterte Wachstumsrate).

drei Faktoren (immanente Tendenz zur Überproduktionskrise; Auswirkungen der Weltkonjunktur; Auswirkungen der Klassenkämpfe) ist solcherart, daß sie eine getrennte Analyse sehr erschwert. Im 1975 1,0% Der Boom, der Mitte 1971 begonnen hatte, wurde beschleunigt durch:

konjunktur ausklammern, d.h.sie als bekannt vorauszu konzentrieren.

- die Entwicklung der Weltwirtschaft, welche gekennzeichnet war durch eine fortschreitende Verschärfung der Inflation und einen raschen Auf-

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SPANIEN schwung des Welthandels, was eine bedeutsame Steigerung der Nachfrage für Exportwaren des spanischen Kapitalismus mit sich brachte und die spanische Zahlungsbilanz verbesserte. Dadurch konnte das Regime im Innem eine Expansionspolitik betreiben, ohne eine spätere Entwertung der Peseta furchten zu müssen; - die fortschreitende Absorbierung der Vorräte und der Aufschwung der Profitrate, zu einem Zeitpunkt, wo die Nachfrage für beinahe alle Waren anstieg, die Inflation fortdauerte und der Organisationsgrad sowie die Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse sich im raschen Aufstieg befanden.

Im Jahr 1973 verharrte die Wirtschaftstätigkeit auf einem hohen Niveau. Dies kam u.a, in einem hohen Beschäftigungsgrad bei gleichzeitigem Mangel an Facharbeitem zum Ausdruck, sowie in steigenden Schwierigkeiten bei der Rohstoffversorgung. Der Boom der kapitalistischen Weltwirtschaft verursachte eine zeitweilige weltweite Rohstoffverknappung. Ferner zeichnete sich die Hochkon junktur durch einen hdien Grad der Nutzung der Produktionskapazitäten aus, der jedoch 1973 anfing, langsam von dem 1972 erreichten Maximum von 90% herunterzugleiten.

Dic Inflation beschleunigte sich. Die Lebenshaltungskosten stiegen 1972 um 8,73% und 1973 um 11,5%. Dies schränkte die Kaufkraft der Massen ein und langsam auch das Wachstum des Konsums auf dem inneren Markt. Gleichzeitig und zusammen mit lem gestiegenen Organisationsgrad der Masser var dies ein zusätzlicher Faktor für die Massenmo bilisierungen. Im Herbst 1973 begannen die Arbeiterkämpfe, die Industrieproduktion emsthaft zu beeinflußen.

Dies alles mußte zu einer Uberproduktionskrise führen, die Mitte 1974 ausbrach. Die Krise hatte jedoch nicht diese Schärfe erreicht und ihre Auswirkungen hätten nicht so lange angehalten, wenn sie nicht mit zwei andem Faktoren zusammen gefallenwäre: die intemationale Rezession unc ler Aufschwung der Massenbewegung.

Man muß hinzufügen, daß die von der Regierung seit Ende 1973 angewandte Anti - Inflationspolitik, die eine bedeutsame Einschränkung der Geldund Kreditschöpfung mit sich brachte, die rücklaufgen Tendenzen verstärkte. Intlation und "Erdölkrise" bedrohten in bedeutender Weise die intemagonale stellung der spanischen bourgeoisie. der niemals mit einer hefdie Situation zu bessem. Dies hatte jedach negative Konsequenzen für die Zahlungsbilanz. Die Regierung wurde im Laufe des Jahres 1974 ihre Wirtschaftspolitik mehrere Male jäh zu ändem, was ihr mehr und mehr jegliche Glaubwürdigkeit nahm. Wenn die Minister an den Patriotismus der Kapidie Tatsache zum Ausdruck, daß die besondere Form, die der bürgerliche Staat in Spanien unter dem Franco-Regime angenommen hat, nicht nur jenem Teil des Bürgertums nichts nützt, an der Machtausübung nicht beteiligt ist, son dern sogar für die Fraktion der Monopole, deren Interessen diese Staatsform unmittelbar vertritt, nutzlos geworden ist.

Ende 1973 war der Höhepunkt des Booms erreicht. Doch die Trägheit der spanischen Wirtschaft, der noch hohe Stand der Auftragseingänge, die spekulative Ansammlung von Rohstoffvorräten großem Stil vorgenommen), der Umschwung in der Wirtschaftspolitik der Regierung Anfang 1974-diese klammerte sich ans Leben, indem sie gleichzeitig sowohl den Kampf gegen die Inflation und fortsetzen, als auch die : alle diese ren führten dazu, daß die ersten Monate des Jahres 1974 weiterhin durch einen hohen Grad der Wirtschaftsaktivität gekennzeichnet blieben, und daß die Rezession erst 1975 ausbrach. Einmal ausrebrochen beschleunigte sie sich jedoch sofort. Sowohl die Investitionen, wie auch die Exporte, der Privatkonsum und die öffentlichen Ausgaben gingen zurück.

ROLLE DER ARBEITERBEWEGUNG

Der Mangel an Flexibilität in der Anpassung der Beschäftigung an den Rückgang der Produktion, der den spanischen Kapitalismus wegen der bestehenden Gesetze kennzeichnet, der Anstieg der Erwerbslosigkeit erst mit einigen Monaten Verspätung dem An ang der Rezession hinterherhinkt. In Spanien nehmen in eiten austeigender Konjunktur immer erst die Jberstunden kräftig zu, bevor zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt werden. In Zeiten rückläufiger Konjunktur werden erst die Uberstunden abgebaut und Kurzarbeit eingeführt, bevor es zu Entlassungen kommt. Da es kaum eine angemesseinen de etaten spamungen faser en lieder punkt erreichen. In der ersten Etappe der Rezesdie angsten in en agen imperatif.

stischen Ländem über den Staatshaushalt und die Sozialversicherung weitgehend sozialisiert werden. Die Ineffizienz und Unwirksamkeit der Franco- Bürokratie, auch vom Standpunkt des spanischen Bürgertums, wird dadurch umso stärker unterstrichen. Sie untergräbt die Konkurrenztähigkeit des spanischen Kapitalismus, der dadurch zu Beginn der Krise eine zusätzliche Binschränkung seiner Profite erleidet.

Seit Beginn 1974 nahm die Erwerbslosigkeit zu. diesmal jedoch noch bevor die eigentliche Rezession einsetzte. Die Tendenz der offiziellen Statistik zur Unterschätzung der wirklichen Erwerbslosenzahl ist bekannt. Spanische Nationalökonomen nehmen im allgemeinen an, das die ottizielle Erwerbslosenzahl mindestens verdoppelt werden sache lag eindeutig bei der Wirtschaftsrezession im übrigen Europa. Mehr als 35% des Anstiegs der erwerbslosen in Spanien geht auf das Konto der weil sie im früheren Gastland keine Arbeit mehr Gastarbeiter die in ihre Heimat zurückkehrten, finden konnten.

Der spanische Kapitalismus versuchte selbstverständlich, die Last der notwendigen Anpassung an die neuen Preisverhältnisse auf dem Weltmarkt auf die Arbeiterklasse abzuwälzen, um seine Profite zu halten. Aber die Arbeiterkäm-

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pte waren so erfolgreich, daß sie ihn weitgehend daran hinderten• 1974 nahmen die Löhne um beinahe 30% zu, d.h. sie stiegen offensichtlich starker als die Lebenshaltungskosten. Diese Tatsache hat vor allem die schwächeren Firmen und Wirtland (vor allem in die erdöl-exportierenden Länler ) aut Kosten des Massen konsums verhin dert; las hat die spanische Bourgeoisie rasch in eine ungünstige Lage im Vergleich zu jener ihrer wichtigsten Konkurrenten gebracht. Auslandsverschuldung (zur Deckung des rapide ansteigenden Zahlungsbilanzdetizits) und intlationsrate stiegen rasch an. Noch wichtiger als die errungenen Lohnerhöhungen sind die Mittel und Wege, über die sie durchgesetzt wurden: sie haben sich im Vergleich zur Vergangenheit qualitativ verändert. Zusatzlich zu den eigentlichen in den Kollektivverträgen durchgesetzten Lonnerhonungen kam es namlich zu Arbeitszeitverkürzungen und zu zahlreichen unearen Lohnerhöhungen, die otten gegen die von der Regierung Ende 1973 erlassenen Lohn stopmaßnahmen verstießen !

Die Arbeiterbewegung bewies dadurch nochmals die sinnlosigkeit des Ausnahmezustan dsstaates" für den spanischen Kapitalismus, den die Franco- Diktatur darstellt. Dieser Staat ist nicht mehr fähig, breite Massen kämpte zu verhindem, selbst wenn er alle Register seiner Repression zieht. Die Arbeiterkämpte brachten den Lohnstop zum Scheitem. Sie zwangen die Regierung, in Form von Preiserhöhungsbeschränkungen Kompensationen für die verlorene Kaufkraft der Löhne einzubauen, was die Untemehmer daran hinderte , sämtliche lurch Lohnerhöhungen entstandene Kosten anstiere automatisch auf die Verbraucher abzuwälzen. Dadurch wurde der Fall der Profitrate noch verstärkt. Indem der Staat sich vergebens bemühte, eine Zuspitzung der Klassenkämpfe entgegenzuwirken, spielte er in dieser konkreten Situation objektiv eine Rolle, die den Interessen der durch ihn besonders vertretenen Monopole nicht mehr entsprach.

Die Bedeutung des Aulstiegs der Arbeiterkämpfe für die Entwicklung der Krise des spanischen Kapitalismus läßt sich an der Art und Weise ermessen, mit der sie den Stand der Industrieproduktion beeintluste. Der Höhepunkt der Streikkämpfe wurde im Herbst 1974 erreicht. Er fiel mit einem schroffen Rückgang des Wachstums der Industrieproduktion zusammen, den alle Kommentatoren der Auswirkung der Gesellschaltskrise zuschreiben:

Vierteljährliche Zu - und Abnahme der Industrie-Erzeuguns vorjahres: im Vergleich zum selben Quartal 1973 1974 1975 1.Quart, + 17% 1.Quart. + 15% 1.Quart. - 11% 2.Quart, + 14% 2.Quart, + 14% 2.Quart. 9% 3 .Quart, + 16% 3.Quart, + 8% 4 .Quart. + 14% 4.Quart, + 1% DIE MERKMALE DER ÜBERPRODUKTIONSKRISE Obwohl die Überproduktionskrise sich sowohl durch den Verlust des Gleichgewichts zwischen den beiden Sektoren der kapitalistischen Wirtschaft wie durch den Fall der Profitrate auszeichnet, d.h. obwohl beide Faktoren den Rückgang der Nutzung von Produktionsapparat und Arbeitskraft und den Rückgang des Umfangs der Akkumulation zum Ergebnis haben, werden wir diese beiden Faktoren analytisch voneinander trennen, um die Untersuchung zu erleichtem.

A. Die Gleichgewichtsstörung zwischen den beiden Sektoren erweist sich u.a.darin, daß die Nachfrage für Güter langsamer ansteigt, als die Produktionskapazität.

a. Die Wachstumsrate des Konsums zu festen Preisen ging rapide zurück, obwohl man noch nicht on einem absoluten Rückgang sprechen kann. Fl las gesamte Jahr 1975 sprícht man von einer Kon. sumsteigerung von 5%. Im Laufe des Jahres gingen die Auftragseingänge der Firmen stark zurück, Vorräte häuften sich, die Voraussagen der Unternehmer wurden immer pessimistischer, Der Nutzungsgrad der Produktionskapazität sank von 87% Ende [973 auf 80% Ende 1974und 76% Mitte 1975, - eir Stand, den man seit 1967 nicht mehr gekannt hat auf die Kaufkraft der Massen zu suchen, wenn auch Die Ursache dafür ist in der Auswirkung der Inflation die Ergebnisse der Arbeiterkämpfe diese z.T. kompensiert haben dürften.

b. Die Investitionen gingen mit einiger Verspätung zurück, rück, als der Massenkonsum. Dies ist in der absteigenden Phase der Konjunktur durchaus normal; aus demselben Grund ist es schwieriger, die Investitionen wieder anzukurbeln, als den Konsum, Die Investitionen wuchsen im Gesamtjahr 1974 noch um 7%, was aber einen fortschreitenden Rückgang der Aultragseingänge für Investitionsgüter bereits in diesem Jahr keineswegs verhinderte. Die Kingtısig zur in diesen sektor (1079 auf 89%): der jähe Absturz kam im Jahr 1975.

c. Die Bauwirtschaft entließ zahlreiche Arbeitskräfte; sie leistete den "Hauptbeitrag" zum Ansteigen der Erwerbslosigkeit. Da sie vor allem mit Gelegenheitsarbeitem wirtschaftet, fallt ihr eine rasche Anpassung der Beschältigung an die laufende Produktion leichter, als der verarbeitenden Industrie. Bereits 1974 herrschte in dieser Branche eine ausgesprochene Krisenstimmung (die vor allem durch die restriktive Geld- und Kreditpolitik der Regierung verursacht wurde), was die allgemeinen Aussichten der Wirtschaft verschlimmerte. d. Die Auswirkun Zweifel den wichtigsten Faktor. der internationalen bilden ohne Die Erhöhung der Erdöl- und der Rohstofipreise hatte ungleiche Auswirkungen auf die Tätigkeit der verschiedenen Zweige der kapitalistischen Wirtschaft. Man kann diese Auswirkungen daran messen, daß allein 70% des Handelsbilanzdefizits auf die Erhöhung der Erdölpreise zurückzuführen sind. Die Erdaß das Zahmiteinzubeziehen) bereits 6% des Bruttosozialprodukts beträgt, was in keinem ander imperialistischen Land der Fall ist. Endergebnis ist ein Ver- B. Der Sturz der Profitrate

Alle diese Erscheinungen führen zu einem Fall der Profitrate. Dem Kapitalismus ist eine gemaßigte inflation nützlich für die Realisiering des Mehrwerts, da sie erlaubt, die Nachfrage auf

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SPANIEN hohem Niveau zu halten und die Arbeiterkämpfe zum Teil zu integrieren"

wächst das Aufjohn forderungen und Preiserhöhungen zu einen Prozeß, der die verschiedenen Zweige der Wirtschaft mit verschiedener Intensität trifft und dadurch die inneren Widersprüche des Systems verschärft. Dies trifft besonders für das Jahr 1974 zu, da hier die Herstellungskosten schneller anstiegen, als die (von Regierungsseite gebremsten ) Verbrauhandelspreise schnellet, als sie inzen an desprel- cherpreise. se . Dies alles wirkte sich negativ auf die Profitrate aus, wozu dann noch folgende Faktoren hinzua. Die Auswirkungen der Inflation auf die zurückgebliebenen Sektoren

Wirtschaft vor allem die Landwirtschaft. Die spanische Landwirtschaft ist durch ein ausgesprochenes strukturelles Ungleichgewicht gekennzeichgerolin in teilender iren tomate ein, satzmärkte erzeugt. Andere wiederum, wie Zucker und Viehfutter, bleiben permanent unter dem Nireau der bedürfnisse des spanischen Innenmarktes. Die Viehwirtschaft leidet unter mangeinder Rentabilität, mangels billigem Putter, was wiederum mit dem von Franco-Regime praktizierten Weizen- Protektionismus zusammenhängt. Die durchschnittliche landwirtschaftliche Arbeitsproduktivität ist sehr niedrig. Während 25% der erwerbstätigen Bevölkerung noch in der Landwirtschaft beschäftigt sind, nimmt das Defizit der landwirtschaftlichen Handelsbilanz dauernd zu ! So fördert die Strukturkrise der spanischen Landwirtschaft die Inflation. Dies verschärfte sich im Jahr 1974 noch. Das Defizit der landwirtschaftlichen Handelsbilanz verdoppelte sich plötzlich. Der Preis der Lebensmittel stieg um 19%, mehr als der durchschnittliche Konsumpreisindex. Nur durch die Regierungspolitik der Begrenzung der Preisteigerungen --in diesem Fall vermittelt über Subventionen an die Landwirtschaftwurde verhindert, daß die Auswirkungen dieser dauerhaften Gleichgewichtsstörung in der Landwirtschaft auf die Lebenshaltung noch verheerender wurden.

Zusammenfassend kann man sagen, daß die Rückständigkeit der spanischen Landwirtschalt für den spanischen Kapitalismus eine dauerde Quelle der Steigerung der Lebensmittelpreise und daher der Steigerung der Nominallöhne darstellt; deshalb werfen die in den entwickelten Industriezweigen angelegten Kapitale auch eine relativ niedrigere Mehrwertrate ab. Sie bildet femer eine Quelle ständiger Lohnkämpfe, eine Quelle des ständigen Defizits der Handelsbilanz und des Verlusts an Devisenreserven, was infolge der hohen Rohstoffimportkosten im Falle eines neuerlichen Wirtschaftsauf schwungs die Peseta vor die drohende Möglichkeit einer Entwertung stellt.

b. Die gestiegenen Lohnkosten, Wir sind gestiegen, was die Steigerung des BSP zu laufen den reisen (19%) bei weitem übersteigt und mit sich bringt, daß im Jahr 1974 nicht nur die Profitrate, sondem sogar die Profitmasse nur noch lef cht nominal angestiegen, wenn nicht bereits in absoluten Zahlen zurückgegangen ist.

c. Die Steigerung der Erdöl- und Rohstoffpreise die im Jahr 1974, wenn auch in iangsamerem Tempo als im Vorjahr, fortdauerte u. zw. in unterschiedlicher Weise in verschiedenen Branchen. Durchschnittlich stiegen die Importpreise für Spanien 1974 um 50%.

d. Die spekulative Vorratsbildung ging aus der allgemeinen Erwartung weiterer Preissteihervor. Sie beschleunigte ebenfalls den Sturz der vor. allem (aber nicht nur) für Rohstoffe, Sektorielle Gleichgewichtsstörungen und sen kung der Profitrate standen während des ganzen Jahres 1974 in dialektischer Wechselwirkung miteinander. Ihre Wechselwirkung. untergrub schließlich emstaft die Akkumulation und bewies deutlich, dal eine wirkliche Uberproduktionskrise im Gang war, die nicht im Verlauf weniger Monate überwunden werden konnte. Die innere Logik des kapitalistischen Zyklus war durch die spezifischen Züge des spanischen Kapitalismus verschärft worden. VERBREITERUNG DER KRISE

Während des Jahres 1975 gab es keine Anzeichen zu einer kurzfristigen Verbessering der Wirtschaftskonjunktur des spanischen Kapitalismus. Die In du wird die Zahl der Erwerbslosen auf 300.000 eschatzt: den Encuestas de Poblacior ictiva des Instituts für Statistik (L.N.E.) zu• folge lagen die wirklichen Zahlen jedoch bereits im Monat Juni bei 610.000. Die Inflation geht obwohl es seither keine neue Erhöhung der Erdölpreise gegeben hat. Im August 1975 lagen die Lebenshaltungskosten um 10% über dem Niveau vom Dezember 1974. Die Erwartungen der Unternehmer bleiben äußerst pessimistisch: die Börsenkurse liegen um 27% unter dêm Niveau vom 25. April 1974. Der Wachstumsrhythmus der Bankkredite an den Privatsektor ist wegen der Senkung der Investitionen zuruckgegangen. Er lag 1974 noch bei einem Jahresdurchschnitt von 25%: er ist im Juli 1975 auf 15% gefallen. Die Auslandsschuld, die 1967 noch sehr Die Auslandsschulden dienste verbrauchten bereits ist auf 4,5 Mtd, Dollar gestiegen. 9% der Exporterlöse, während dieser Prozentsatz 1967 nur 1,8% betrug.

Dementsprechend bleiben die Auftragseingänge der Industrie weiterhin gering. Die Vorräte sind sehr groß; die nicht-ausgenutzte Produktionskapazitat flegt Mitte 1975 bei 24%. Die Konjunktur bröckelt weiter ab. Nur die unmittelbaren Perspektiven für den Konsum sind etwas besser. Die kleinen und mittleren Betriebe sind von dieser Entwicklung am härtesten betroffen. Die Zahl der Zwangsvergleiche und Bankrotte steigt; in der nächsten Phase der Konjunktur dürften auch Großfirmen davon betroffen werden. Und das Bankkapital hat intolge des Rückgangs der Kredite im Privatsektor und der hohen Kursverluste an der Börse erste Gewinnrückschläge erlitten.

Die Regierungspolitik scheint in dieser Phase der Konjunktur besonders ohnmächtig. Am 14. November hat das Kabinett einen Erlaß verabschiedet, der wiederum die . Reallöhne blockiert (Lohnsteiden söll. Bei den herrschenden sozialen und politischen Spannungen dürften die Auswirkungen dieser Maßnahmen kurzfristig gleich Null sein. Vor dem Sommer 1976 kann mit keiner emsten Vervorstellen, in welchem Sinn dies geschehen würde...

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