Das folgende Interview wurde am 23. September in Porto mit einem Mitglied des Sekretariats der SUV (Soldaten vereint werden siegen) gemacht.
INPREKORR: Die SUV trat zuerst öffent- in Wirklichkeit ein Organ zur Kontrolle der Verwalin Erscheinung aul einer Pressekonferenz in Porto. Auf dieser Konferenz wurde zu einer Demonstration für den 10. September aufgerufen. Kannst
Du uns sagen, wie die SUV entstanden vacho ein Wachsamkeitskomitee in der Armee eingerichtet, das zu den Arbeiter- und Mieterkommis- SUV: Die SUV entstand in der Militärregion Nord Sionen Verbindung hielt und dessen Aufgabe der aus Gründen, die besonders mit diesem Campf gegen die faschistischen Kommandos der sammenhängen. Im Norden war es ziemlich klar, L.P und der MDLP war, die im Norden ziemlich wer der Feind war; der Aufschwung der Reaktion war aktiv sind.
offensichtlich. Das ermöglichte uns, eine Einheit in der Aktion in den Kasernen zu entwickeln, als Indem die Reaktionäre besonders auf Corvacho zielcine Antwort auf die Reaktionäre. Diese Aktionsein- Organe des Volkes und den Kampf der Soldaten. Sie es ihnen tatsächlich um die autonomen heit bestand anfänglich aus Militanten der PCP, Militanten der extremen Linken (MES, FSP, PRP-BR, verstanden, daß die Anwesenheit von Corvacho ihr ICI, LUAR) und aus Militanten der UDP. Vorhaben erschwerte.
Die ersten Schritte zu dieser Bewegung Der Koordinationsausschuß, den wir eingerichtet hat- Mitte Juli gemacht, als die politisch-militärische ten, ermöglichte es uns, Informationen zu sammeln. Krise voll ausbrach. Einige Soldaten, Hauptleute Dadurch wurden wir vollständig darüber ins Bild und Offiziere setzten sich in Verbindung, um In- daß die Reaktion eine parallele Kommandoformationen aber die anwachsenden konterrevolutionă- zentrale eingerichtet hatte, die Geheimtreffen von ren Betätigungen der Offiziere in verschiedenen Ein- Berufsoffizieren arrangierte. heiten der Nordregion auszutauschen. Diese reaktionären Offiziere versuchten im wesentlichen die- Wir fanden heraus, daß bei einem dieser Treffen, an nen herauszusen er Mile sich bee als in meter dem fast alle Offiziere der Region teilnahmen, be- , die sich bereits in Kämpfen schlossen worden war, Corvacho aus der Militärregion hervorgetan hatten. zu entfernen. Das war von einer Mehrheit von 80% beschlossen worden.
nicht einmal mehr nach Vorwänden für disziplinari- Diese Säuberung, bei der die reaktionären offiziere Die Berufsoffiziere stellten diesen Beschluß als eine sche Maßnahmen suchten, war gerichtet gegen das, von allen Einheiten des Nordens befürwortete Entwas sie "parteiische und zersetzende Elemente" nann- scheidung dar. Um ihre Opposition gegen Corvacho ten, mit anderen Worten gegen revolutionäre Mili- anzuzeigen, und Druck auf den Generalstab auszuüben, tante. Das passierte z.B. im CICA (Ausbildungs- entschlossen sie sich, über sieben Kasernen im Norzentrum für Lastwagenfahrer, im RIP (Infanterie- den die Ausgangsperre zu verhängen, während Corregiment von Porto), in Viana de Castelo (in der vacho in Lissabon an den Sitzungen des Revolutions- Nähe von Porto, im CIDE (Ausbildungszentrum für rats teilnahm. Nun kann -- entsprechend der milibesondere Operationen) in Lamego. Diese Offensive tärischen Hierarchie -- eine solche Anordnung nur machte deutlich, daß die Soldaten nicht organisiert vom Kommandeur der Militärregion gegeben werwaren, um dem entgegenzutreten. den, also von Corvacho selbst.
Die erste Initiative bestand darin, eine Liste aller Wir reagierten sofort auf ihre Behauptung, sie sprä- Repressionsfälle aufzustellen, um zu beratschlagen, chen im Namen der gesamten Militärregion unc wie man darauf antworten könne. wiesen darauf hin, daß 95% der Streitkräfte (Soldaten, Offiziere und Milizoffiziere) überhaupt nicht Brigadegeneral Corvacho wurde die Zielscheibe konsultiert worden waren -- und das aus gutem Grund! der Rechten. Er war Kommandant der Nordregion. Wir waren uns also darüber im Klaren, daß die Anord- Von der Rechten wurde er beschuldigt, Kommunist nung, eine Ausgangssperre zu verhängen, zu Konzu sein. Tatsächlich hatte er die Organe der Poder frontationen führen könnte, bei denen die Soldaten Popular nachdrücklicher unterstützt als die meisten die Dummen gewesen wären. linken Offziere in der MFA.
Aus all diesen Gründen mußten wir uns auf einer Er hat z. B. den Stadtrat von Porto geschützt der höheren Stufe oroanisieren. Wir hatten nicht die 4h-
sicht, als Kanonenfutter zur Lösung der Zwietracht unter den Offizierscliquen zu dienen, deren Vorstellungen uns gegenüber geheimgehalten wurden. Wir wiesen die Absicht der Offiziere zurück, im Namen der Militärregion zu sprechen, ohne daß dies vorher in Vollversammlungen der Einheiten oder in einer Vollversammlung der gesamten Militärregion diskutiert worden wäre. Allein diese Organe haben das Recht, eine Stellungnahme für die gesamte Miitarregion abzugeben oder für diese Entscheidungen zu treffen.
Zu diesem Thema erschien auch das erste Flugblatt der SUV. Wir hoben die Tatsache hervor, daR eines der Ziele der Reaktion die Herstellung der au dein Norden Konzertiert, vei sie glante, ort auf den Norden konzentrierte, weil sie glaubte, ihre solideste Basis zu haben. Man darf nicht vergessen, daß sich parallel zu den Säuberungsaktionen damals eine reaktionäre Woge entfaltete, die von verschiedenen Schichten des Kleinbürgertums, unter anderem von den Kleinbauern, soziale Rückendekkung erhielt. Diese faschistischen Aktivitäten trafen hauptsächlich die KP, die revolutionären Organisationen, die Gewerkschaften und die Organe der Volksmacht. In Braga griffen die Faschisten beispielsweise den Volksmarkt an, auf dem die selbstverwalteten Fabriken ihre Produkte verkauften, Mit anderen Worten, die Reaktion entwickelte eine regelrechte Strategie auf regionaler Ebene. Die Reaktionäre waren fest entschlossen, in den Kasernen eiserne Disziplin einzuführen, um leichter in der Lage zu sein, die Soldaten gegen die Arbeiter und sogar gegen ihre eigenen Organisationen zu benutzen. auf diese faschistische Welle im Sommer SUV: Zu der Zeit blieb eine positive Antwort der verschiedenen Einheiten aus.
bei den Soldaten des RIB (Infanterieregiment von Braga), die von Faschisten aufgestachelt wurden, in dem man ihnen erzählte, daß die Kommunisten das Land der Bauer beschiagnahmen wollten, soweit, daß sie hinter den faschistischen Anführem hinterhermarschierten, daß Hauptbüro der KP plünderten, und sogar einige KP-Mitglieder angriffen. Man muß dabei zwei Dinge unterstreichen: zum einen fand die Rekrutierung der Soldaten, die sich an solchen Aktonen beteiligten, auf regionalistischer Basis statt, das heißt, daß diese Soldaten mehrheitlich Bauernsöhne der Region waren; zum anderen hatten diese Einheiten damals sehr reaktionäre Befehlshaber (dies trifft auch auf die Milizoffiziere zu). Die Kasernen des RIB in Braga wurden von einem Offizier kommandiert, der an der Spitze der reaktionăren Verschwörung gegen Corvacho stand: Oberst Soares. Es kommt noch hinzu, daß die Soldaten hauptsächlich aus der nördlichen Bauernschaft rekrutiert werden und keinerlei Kampftradition wie etwa die Bauern aus dem Alentejo haben. Schließlich hat sich die Situation des Großteils der Bauern und ihrer Familien nach dem 25. April kaum nennenswert gebessert, mitunter sogar drastisch verschlechtert. Dennoch nahmen viele dieser Soldaten an der Demonstration der SUV am 10. September in Porto teil.
delz Ich kann verstehen, daß die am meisten radikalisierten und politisierten Soldaten sofort den Kampf gegen wie erklärst Du die schnelle Radikalisierung dieser nicht-politisierten Soldaten, die von der Reaktion stark beeinflußt waren, wie eben z.B. diese Soldaten aus Braga?
SUV: Das Niveau der seit April letzten Jahres von den Soldaten erkämpften Verbesserungen und Rechte ist sehr ungleichmäßig. Praktisch kämpften die Soldaten jeder einzelnen Kaserne ihren eigenen Kampf. So gelang es in einigen Kasernen, allem in denen, wo viele Soldaten aus der Arbeiterklasse kommen und damit eine Tradition auf dem Gebiet des Kampfes und der Organisierung mitbrinen, die aus der Arbeiterbeweguns stammt und lieser verbunden ist auf dem Gebiet der Veränderung des Lebens innerhalb der Kasernen sehr weit zu gehen. In Lissabon besonders haben die Soldaten ihre eigene Organisationsform durchgesetzt. Aber das ist, im nationalen Maßstab gesehen, noch sehr selten.
Im Norden und im Inneren des Landes hat sich seit dem April 1974 nichts grundlegendes geändert, teilweise haben überhaupt keine Veränderungen stattgefunden. Braga ist eine solche Kaserne. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Kasernen sind also sehr groß.
Die SUV verdankt ihre Entstehung der Initiative von Avantgardeelementen, die oft Mitglieder von revolutionären Organisationen waren und die anfangs keineswegs auf einen Masseneinfluß zurückgreifen konnten.
Die Radikalisicrung trat erst ein, als sich die Dringlichkeit von Maßnahmen gegen die Repression abzeichnete, die aus dem militaristischen System herrührten, das noch dasselbe wie unter der Caetano-Diktatur war, Gleichzeitig ergab sich auch die Notwendigkeit, gegen die elenden materiellen Bedingungen anzugehen. Der SUV gelang es, sich als Massenorganisation zu verankern, da Lage war, diese Hoffnungen und Bedürfnisse auf der Ebene von Forderungen zum Ausdruck zu bringen und sie mit dem Kampf gegen die Reaktion zu verbinden.
Bis Anfang 1975 standen die Arbeiterkommissionen und die Mieterkomitees an der Spitze der Kämpfe. Die Bewegung der Soldaten hinkte in gewisser Weise hinterher. Zum großen Teil geht das auf das Konto des falschen Prestiges der MFA. Dies kam zum Ausdruck unter anderem in dem Mythos, "alle von uns, MFA-Offiziere und Soldaten, Revolutionäre sind und Disziplin zu wahren haben, weil das unsere Stärke ist. " Dieses Prestige war ein Hindernis für die Bewegung der Soldaten und der Vertretung ihrer eigenen Interessen. Aber die Soldaten bekamen allmählich die Nase von der "revolutionären" Phraseologie voll, Das anfängliche Vertrauen in diese Phrasen hielt sie davon ab, sich ihre eigenen Instrumente innerhalb der Armee zu schmieden: zur Durchsetzung ihrer Forderungen und um ihre Meinung frei äußem zu können, Sie wollten sich dadurch auch die Mög- Ichkeit geben, zu den wichtigen politischen Tagesfragen das Wort zu ergreifen.
So tauchten Forderungen nach Solderhöhung und kostenlosem Transport auf. Tatsächlich kostete oft für viele Soldaten eine einzige Heimreise zur Familie fast ihren ganzen Monatssold. Ebenso wurden Forderungen nach besserer Verpflegung and nach Ab-
PORTUGAL offizieren und Offizieren gestellt. Autgrund solcher Forderungen konnten Kampf und Kampimethoden der Arbeiter auf die Armee übergreifen und sich die allgemeine Autoritätskrise zunutze machen** Agita- Daraufhin sprachen die Offiziere auf einmal von tion in der Armee".
Diese Radikalisierung ermöglichte -- und das war wesentlich -- die MFA erstmals in Frage zu stellen. Bruch mit der MFA statt?
SUV: Immer wenn wir Soldaten Forderungen stellten, trafen wir auf den Widerstand der Offiziere von denen einige MFA-Mitglieder waren, Diese Offiziere wandten nicht nur gegen viele Soldaten militärische Disziplinarmaßnahmen an, sondern sie erwiesen sich auch als unfähig, unsere Forderungen zu erfüllen.
Dies führte bei den Arbeitern in Uniform zu einer gewissen Distanzierung gegenüber der MFA; dieser Prozeß der Desillusionierung fand bei den zivilen Arbeitern -- obwohl diese früher in den Kampf getreten sind -- erst später und weniger klar statt. Dies erleichterte unsere Aufgabe und vergrößerte die Resonanz bei breiten Schichten der Soldaten in der Nordregion. Das Mißtrauen gegen die Ottiziere kam. auf unter der Losung:"Wir sind getäuscht worden, die Offiziere sprechen zwar in unserem Namen, doch wir sind nie gefragt worden. " Das zu sagen, war sehr wichtig, um den Versuchen der Rechten entgegenzutreten, die Soldaten gegen die Arbeiter und auch gegen andere Soldaten einzusetzen. Diese Aufklärung wurde kombiniert mit einer Propaganda, die die Notwendigkeit aufzeigte, auf die Verschwörungen der Reaktion zu antworten. lage der Entstehung der SUV einiges gesagt, Doch wie wurdedie Schwelle überschritten, zwischen einer Koordinierungsgruppe unter den Militanten, die unter sich Informationen austauschen, bis zu einer wirklichen Massenbewegung? SUV: Wir bemerkten schnell, daß die Soldaten auf die daß unsere Bewegung diese Forderungen auch wirkkonnte. lich aufgreifen und gegen die Hierarchie verteidigen- Daher war es notwendig, einen Weg zu den, damit sich diese noch verborgene Kampfbereitschaft entfalten konnte; es mußte etwas geschaffen werden, das den Soldaten Vertrauen in ihre eigene Stärke und Fähigkeit zur Selbstorganisation geben konnte. Eine zentrale Demonstration in Porto, der es gelingen würde, alle Kräfte der Militärregion mitzureißen, schien dazu das-wirksamste Mittel zu sein. So organisierten wir innerhalb von zwei Wochen diese Demonstration.
Der Aufruf zur Demonstration war nicht auf die Kasernen beschränkt, wir richteten ihn auch direkt an die unabhängigen Organisationen der Arbeiter und forderten sie auf, unsere Bewegung zu unterstützen. Die Reaktion daraul zeigte uns, wie sehr diese Organisationen auf eine solche Initiative gehofft hatten. Sie warteten bereits auf einen Schlag gegen die reaktionäre Gefahr, die sie immer näher rükken sahen, ohne daß es -- so schien es -- dagegen irgendeine Opposition gab. Bei den Arbeitern begann sich Angst auszubreiten, Diese Atmosphäre an derte sich nach der Demonstration vom 10: September schlagartig: Die Soldaten verhielten sich nicht länger so wie damals in Braga! Du mußt verstehen, daß sich in den zwei Monaten seit Juni die Atmosphäre im Norden außerordentlich PPD ungewandelt hat. Während die Mitglieder der vor allem der CDS früher kaum wagten, öffentlich zur Schau zu stellen, daß sie politisch der Reaktion angehören, haben sie bereits im August die Stim gehabt, in aller Öffentlichkeit mit ihrem Parteiabzeichen auf der Brust durch die Straßen von Porto zu spazieren. Wenn sie Plakate kleben wollten, mußten die Militanten der Arbeiterorganisationen hre Verteidigung gegenüber den Angritten der rechtsextremen Schlägerbanden organisieren. Aul den Platz Delgado wurden die Verkaufsstände der PCP und MDP verbrannt. Provokateure versuchten in Porto selbst den Verkauf von Zeitungen der Arbeiterorganisationen zu verhindern.
Die Antwort der Soldaten hat, zumindestens für den Augenblick diese reaktionäre Offensive gebrochen. Nach unserer Pressekonferenz am 7. September kamen die Mieterkomitees in aller Naivität zum Hauptquartier und sagten: "Wir haben den SUV- Aufruf im Radio gehört und sind gekommen, um die Demonstration zu unterstützen und uns zu erkundigen, wie wir uns an der Vorbereitung beteiligen können". Und das sagten sie zu den reaktionären Offizieren!
Unterstützung durch die Arbeiter und Soldaten erwartet?
SUV: Das war die größte Demonstration in Porto seit dem 1. Mai 1975. Die Reaktion der Arbeiter war weit mächtiger, als wir zu holten gewagt hatten: über 30 000 kamen zur Demonstration; manche meinen, es seien weit mehr gewesen. Etwa 1 500 Soldaten in Uniform waren zur Demonstration gekommen. Das ist die bisher größte Soldatendemonstration in Portugal, Aus Coimbra kamen 71 Soldaten und mehr als 30 aus Braga, obwohl wir dort keinerlei Agitation gemacht hatten, weil wir uns organisatorisch dazu zu schwach fühlten. Diese Soldaten waren 80 km weit gekommen, um an der Demonstration teilzunehmen; sie hatten die Kaserne nach ihrem Dienst um 17.30 Uhr verlassen, obwohl ihnen befohlen worden war, noch vor 22.30 Uhr am selben Abend in der Kaserne zurückzusein, Das war einer der größten Erfolge der Demonstration. Es kamen Delegationen aus allen Kasernen im Umkreis von 80 bis 100 km von Porto, manchmal nahmen sie sogar ihre Militärfahrzeuge für den Transport zur Demonstration in Anspruch (das war der Fall bei den Soldaten aus Lamego, das 80 km von Porto entfernt liegt). Offizielle Delegationen aus Lissabon kamen vom RALIS (Leichtes Artillerie-Regiment) von der PM (Militär-Polizei) und vom BRT (Aufklärungs- und Nachschub-Brigade), um uns zu unterstützen. Die Demonstration hatte nicht nur regionale Bedeutung, sondern sie hatte Auswirkungen auf die politische Situation im ganzen Lande. Das Selbstvertrauen der Soldaten nahm nach der Demonstration sehr rasch zu. Aus allen Kasernen kamen sie zu uns, um Verbindung aufzunehmen und um zu besprechen, wie die Probleme des Aufbaus der SUV in ihren Kasemen gelöst werden können. So begannen wir, eine wirkliche Massenorganisation aufzubauen, die die Soldaten
in den Kasernen organisieren kann, die eine Koordinierung ermöglicht und Material verbreiten kann. Dennoch ist unsere Schwäche noch immer groß und die Hierarchie beginnt bereits, gegen uns vorzugehen, was zu erwarten war. INPREKORR: Welche Auswirkungen hatte diese Demonstration auf das Leben in den Kasemen? SUV: Beim CICA 1 in Porto, wo wir noch vor einigen Wochen, als dort disziplinarische Herausäuberungsmaßnahmen durchgeführt wurden, nichts konkretes entgegenzusetzen hatten, und wo die Offiziere besonders reaktionär sind, gab es am 11. September diese wirklich großartige Demonstration zur Unterstützung der chilenischen Arbeiter.
Nachmittags um 13.45 Uhr beschlagnahmten 300 Soldaten und Rekruten Waffen aus dem Arsenal und versammelten sich onne Genenmiguns nit den Waffen auf dem Kasernenhof. Sie stellten sich in Reih und Glied auf und hielten eine Schweigeminute zu Ehren der chilenischen Arbeiter ab. Dann riefen sie: "Lang lebe die chilenische Arbeiterklasse!" Der Kommandant eilte sofort herbei, begleitet von seinen Offizieren. siner dieser Offiziere schrie den Soldaten zu: "Man ist dabei, Euch zu manipulieren!" Soldaten riefen daraufhin die Parole der Demonstration vom vorhergehenden Tag: "Reaktionäre raus aus den Kasernen!"
Im Hauptquartier in Porto gab es drei verschiedene Kantinen, eine für die Soldaten, eine für die Unteroffiziere und cine für die Offiziere. Drei Tage nach der Demonstration in Porto begannen einige Soldaten ganz einlach in das Offizierskasino zu gehen und dort zu speisen. Am nächsten Tag besetzten alle Soldaten gemeinsam das Offizierskasino, um dort zu essen.
Seither gibt es einen Kampf um die Abschaffung der getrennten Kantinen. Natürlich waren die reaktionären Offiziere scharf dagegen, genauso wie sic sich gegen gemeinsame Wohnkasernen sperren. Die Reaktionäre sind nicht einmal in der Lage, irgendein Argument zu tinden, , das ihre Haltung stützen könnte. Die "linken" Offiziere müssen ihnen Argumentationshilfe geben. Sie sagen: "Wir können diese Offiziere nicht einfach an den Rand drängen, das ist gefährlich; wir brauchen eine gute Taktik; wir müssen diese Forderungen fallenlassen oder diese Offiziere werden endgültig in das Lager der Reaktion getrieben.
stehen die vom MFA aufgebauten Strukturen wie ADU zu "Soldatenkom missionen", die die SUV aufbauen will? SUV: Die ADU (Versammlungen der Delegierten der Armee-Einheiten) ist ein Organ, das die Interessen der Soldaten vertreten soll und das für alle Kasernen obligatorisch ist. Dieses Organ setzt sich folgendermaßen zusammen: die Halfte der Vertreter sind im allgemeinen Soldaten, die andere Halfte besteht aus Milizoffizieren und Unteroffizieren , sowie aus Berufsunteroffizieren und Berufsoffizieren. Die Anwesenheit des Kommandanten ist obligatorisch. Da 50% der Delegierten Soldaten sind, und da oft die kämpferischsten Soldaten eine Delegiertenfunktion ausfüllen (in den meisten Fallen sind sie nicht Be Auge Sie bringen dase der en Sie bringen das Gleichgewicht der Betehlshierarchie ins Wanken. Deshalb arbeiten wir in de zu becken, das die n du die nugaste ders in den ADUs. Verteidigung der Soldaten nicht vollständig und konsequent erfüllen. kann.
Viele politische Strömungen hatten starke Illusionen über die Möglichkeiten der ADU. Heute steht die SUV für den Bruch mit diesem Typ von Vertretungsorgan, für den es in breiten Kreisen der Soldaten immer mehr Verständnis gibt. Die SUV kämpft für die Bildung von autonomen "Soldatenkommissionen" , um den Namen zu benutzen, der von den Arbeitern in den Fabriken und in den Wohnvierteln benutzt wird. Diese Kommissionen sollen den Willen der Soldaten, der in Vollversammlungen zum Ausdruck kommt, repräsentieren. Diese Kommissionen müssen gewählt werden und jederzeit abberufbar sein.
In Lissabon liefen die Verbindungen zwischen den Soldaten und den Arbeiterkommissionen, sowie den Moradores-Komitees über die ADUs -- und das ist im Prinzip auch heute noch so. Hier haben wir in gewisser Weise eine zweideutige Situation. Aber and angesichts der tielen Krise innert Abbeiter angesichts der tielen Krise innerhalb der Hierarchie in dieser Region gingen die Verbindungen zwischen den autonomen Organen der Arbeiter und den ADUs weit über die Pläne der MFA hinaus. Im übrigen Teil des Landes dagegen ergriffen die ADUs disziplinarische Maßnahmen und erfüllten somit die Funktion von Disziplinarräten, In diesen Fällen stellten sie insofern eine Gefahr dar, als sie zu Integrationsinstrumenten für die Arbeiterkommissionen, die Mieterkomitees und die Volksversammlungen werden konnten -- gegen deren Autonomie. Es ist daher so wichtig für die Bildung von wirklichen autonomen Soldatenorganen zu kämpfen.
daß sich die Soldaten von einer Gruppe von Offizieren isoliedal ihe arcse origiere fur Euei die sich ihnen gegenüber soli- Glaubt ihr, daß ihr Projekt gewinnen könnt?
SUV: Die Praxis hat bereits bewiesen, daß die den konze schwankenden Haltung und gegentesen- SUV dadurch, daß sie als klare Alternative den Konzessionen der MFA auftritt, eine nicht unbeträchtliche Zahl von Offizieren dazu bringen kann, auf die Seite der Soldaten und Arbeiter hinüberzuwechsein, Um dieses Ziel zu erreichen, legen wir das Gewicht darauf, daß die Offiziere sich weigern müssen, irgendwelche Repressionsmaßnahmen gegen die Soldaten zu ergreifen, und daß die Betonung darauf gelegt werden muß, der Kampf gegen die Repression nur das gemeinsame Werk der vereinigten Arbeiter und Soldaten sein kann. In dem Maße, wie die Offiziere in ihrer Praxis für diese Kriterien ansprechbar sind, glauben wir, daß wir sie in unsere Aktion integrieren können. Dutzende von Offizieren haben sich uns bereits angeschlossen.
ihren Willen kundgelae, die Disziplin ihren Willen kundgetan, innerhalb der Armee wiederherzustellen. Welche Maßnahmen ergreift diese Regierung diesbezüglich gegen Euch?
PORTUGAL
SUV: Bereits beim ersten Auftauchen der Flugblätter der SUV hatte der Generalstabschef Fabiao den Befehl gegeben, die "Agitatoren" der SUV zu suchen und aus der Armee zu entfernen. Nach der Demonstration erging ein ähnlicher Befehl an alle Kommandanten der Armee-Einheiten: alle Teilnehmer an der Demonstration von Porto sollten aus der Armee rausgeworten werden. In den Kasernen zirkulierten bereits Listen mit den wahrscheinlichen Rädelsfüh- Vor der Entwicklung und Ausweitung der SUV und besonders vor ihrer Gründung in Lissabon hat der Revolutionsrat die Frage der Krise in der Armee und lie Frage der SUV aul seine Tagesordnung gesetzt Bereits damals setzte der Revolutionrat die Stoßrichtung e Armee und diene der Reaktion. Man des Angriffs fest und behauptete, die SUV spalte .
weiß z. B., daß das zweite Büro des Generalstabs im Norden vor kurzem die Suche nach den Mitliedem der SUV an die Spitze seiner Prioritätenliste gesetzt hat, während die Suche nach ELP- Mitglieder und nach deren Verbindungen zum CDS aul den 2. Platz zurückrutschte. In Mafra wurden zwei Genossen eingekerkert, weil die Offiziere in ihren Spinden Flugblätter der SUV gefunden hatten. Sie wurden in die Festung Trafaria in der Nähe von Lissabon transferiert. Die Antwort darauf wird bereits organisiert und hat deren Freilassung zum Ziel (1). Heute morgen haben sich die Soldaten der EPI (Infanterie-Schule) von Mafra im Hof der Kaserne versammelt. Es gab eine richtig organisierte Schlacht zwischen ihnen und den Ollizieren, die versuchten, sie daran zu hindern, für die Befreiung ihrer beiden Kameraden, einen Feldwebel und einen Soldaten, zu demonstrieren, Obwohl die SUV erst vor kurzem gegründet wurde, drückt diese kraftvolle Antwort aus, daß die Soldaten für die vorgebrachten Forderungen äusserst sensibilisiert sind und daß sie beabsichtigen, für ihre Forderungen zu kämpfen. So holten z.B. Soldaten der Zentral-Region (Coimbra) in der Nord-Region Flugblätter ab, um die Verteidigung unserer Genossen zu organisieren. Daraufhin entstanden spontan in einer Reihe von Kasernen, zu denen wir bisher keinen Kontakt hatten, ähnliche Initiativen.
In Porto im Hauptquartier hat die SUV damit begonnen, der Anklage des Spaltertums entgegenzutreten. Die SUV verlangte eine Vollversammlung, deren wesentlicher Tagesordnungspunkt die Beantwortung der Frage sein soll: "Warum sucht man die Mitsie gt der sie tore darauf eierer an wird gleich die Antwort darauf geliefert: sucht die SUV, weil sie eine parteiische Organisation ist". Die Offiziere hingegen können sich ausdrucken, können sich organisieren, wie sich das im Norden bereits gezeigt hat. Wenn keinerlei deshalle gegeniele ethien wird, dann einfach . weil sie Mitglieder der Partei der Offiziere sind. Auch als Arbeiter in Uniform fordern wir das Recht, uns zu organisieren". rufs der SUV zur Demonstration
Lissabon vom 25. September war:
" Arbeiter, Soldaten, Selbstverteidigung des Volkes". Warum?
SUV: Die Regierung will um jeden Preis die Disziplin in der Armee wiederherstellen, weil sie offt, diese Disziplin gegen die Arbeiter einsetzer zu können, um die Ordnung in der Gesellschafi wiederherzustellen und um den Kapitalismus zu stabilisieren.
Wir sagen den Soldaten, daß unsere eigene Organisation, die Antwort, lie aut die Politik der Resinnvoll und möglich ist, wenn auch die Arbeiter von uns gegeben werden kann, nur dann in der Lage sind, auf militärischer Ebene Wider- Unsere Propaganda für die Selbstverteidigung betont die zentrale Rolle der Arbeiterkommissionen und der Moradores-Komitees und ihre Verbindung mit den Soldaten. Die Organisierung der Selbstverteidigung ist eine der dringendsten unmittelbar anstehenden Aufgaben.
Perspektiven?
SUV: in nachster Zukunit geht es darum, dab wir unserer Bewegung eine nationale Struktur geben. Die Pressekonferenz, die wir am 21, September in Lissabon gegeben haben und die Demonstration am 25. September müssen uns dabei helfen, einen größer sein wird als die von Porto.
Wenn die SUV zuerst im Norden entstanden ist, dann hat dies einen ganz einfachen Grund: hier ist viel ottensichtlicher, daß es notwendig ist, regen die Reaktion zu kämpfen. Die Entwicklung der SUV im Süden wird uns erlauben, das Niveau unserer Forderingen zu erhöhen, unsere politischen Gesamtpositionen zur Frage der Konfrontation mit der Staatsmacht zu präzisieren, sowie die sehr fortgeschrittenen Kampferfahrungen, die die Soldaten in den Kasemen der Region von Lissabon gemacht haben, zu verarbeiten und auszuweiten. Anmerkungen:
FSP: Sozialistische Volksfront
LCI: Internationalistische Kommunistische Liga, sympathisierende Organisation der IV. Internationale in Portugal
LUAR: Liga für Revolutionäre Aktionseinheit MES: Bewegung der Sozialistischen Linken PRP-BR: Revolutionäre Volkspartei -- Revolutionäre JDP: Demokratische Volksunion (maoistische Org.) ELP: Portugiesische Befreiungsarmee (Faschisten) MDLP: Demokratische Bewegung zur Befreiung von Portugal (von Spinola gelenkt)
(-) Die Demonstration der SUV vom 25. September sollte zwei Tage später nach dieser Demonstration der Soldaten von Mafra die beiden. gelangengesetzten Soldaten befreien. Hinter den 4 000 Soldaten in Uniform demonstrierten 40.000.
- * (Fortsetzung von Seite 23)
kommen. Unsere gegenseitige Solidarität gegenüber dem gemeinsamen Feind ist dringend und notwendig. Deshalb wenden wir uns an Euch.
ES LEBE DER KÄMPFERISCHE PROLETARISCHE INTERNATIONALISMUS !
PORTUGAL WIRD NICHT DAS CHILE EUROPAS WERDEN!
ARBEITER, BAUERN, SOLDATEN UND MA TROSEN-- VEREINT WERDEN WIR SIEGEN !
SUV (Vereinte Soldaten werden siegen) 21. September 1975.