Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Internationale Solidarität

Inprekorr Nr. 43, 16. Oktober 1975 · S. 7-12 · 3.510 Wörter

Spanischer Staat Gewerkschaften und Streiks Italien Frankreich

Unkorrigierter maschineller Text (OCR). Jede Seite verweist auf ihren Scan; vor dem Zitieren bitte dort prüfen.

internationale solidarität 042781 * Italien

Die Ereignisse in Spanien hatten vor und nach der Hinrichtung der Genossen von der ETA V. und der FRAP wichtige Auswirkungen in Italien. Im September folgte Demonstration auf Demonstration, die in ihrer Breite und ihrem kämpferischen Charakter an die Mobilisierungen für Vietnam in der Periode der größten Mobilisierung erinnerten. In fast allen wichtigen Städten und in zahlreichen kleineren Orten fanden Demonstrationen statt.

In Rom wurde am 4. September von der PCI (Kommunistische Partei Italiens) eine erste Demonstration organisiert, an der sich einige Tausend beteiligten. Am 6. September wurde von der extremen Linken eine ähnliche und etwa •leich starke Demonstraion organisiert. Im Verlauf dieser Demonstration sprachen unter anderen ein Mitglied des Nationalen Sekretariats der CGIL (größte italienische Gewerkschaft, der Mitglied von Manifesto-PDUP ist, und Alain Krivine von der Ligue Communiste Revolutionnaire, französische Sektion der IV. Intemationaan, ere Demonstration and am 14. September statt, der zu diesem Zeitpunkt in Rom war. an der sich die Kommunistische Partei, die Sozialistische Partei (PSI) und die Organisationen der extremen Linken beteiligten. Es kamen zwischen 8 und 10 000 Demonstranten. Vor den Hinrichtungen organisierten die Organisationen der extremen linken die ganze Woche über Piquets auf der Piazza di Spagna, um zur Solidaritat mit dem Kampf des spn und in leschriften geden pre inrich ungen zu sammeln.

Die drei größten Organisationen der extremen Linken -- Lotta Continua, Manifesto-PDUP, Avanquardia Operaia -- hatten zusammen mit der Gruppi Comunisti Internazionale, der italienischen Sektion der IV. Internationale, und anderen Organisationen der extremen Linken schon seit Wochen eine nationale Portugal-Demonstration für den 27, September in Rom geplant. Als an diesem Tag die Hinrichtungen vollstreckt wurden, stand diese Demonstration weitgehend unter dem Zeichen von Spanien. Sechs Stunden lang ging die Demonstration von 30 000 in einer sehr kämpterischen Atmosphäre durch die Innenstadt von Rom. Einige Hundert maskierte Soldaten in Uniform führten die Demonstration an. Während der Demonstration führten Kleine Gruppen einige blindzerstörerische Aktionen gegen Läden durch, die absolut keine politischen Ziele darstellten. Diese Aktionen, um die Radio und Fernsehen versuchten, eine systemausche Verleumdungskampagne autzubauen, vurden von den Organisatoren der Demonstratior elbst verurteilt. Gleichzeitig fand in der Nahe eine Demonstration statt, zu der die PCI und die PSI aufgerufen hatten und an der sich Vertreter der PSDI (sozialdemokratische Partei der PRi (Republianische Partei) und selbst der Christdemokratie be teiligten. Man schätzte die Zahl der Teilnehmer auf etwa 5 000. Der Redner der Christdemokratie wurde heftig ausgepfiffen.

Im Olympia-Stadion hielten 60 000 Zuschauer. vor dem Fußballspiel Finnland-Italien eine Schweigeminute ein, um der Opfer der Franco-Diktatur zu gedenken und viele riefen:"Spagna libera" (Freiheit für Spanien 1).

Am 27., September fanden ebenfalls in zahlreichen anderen Städten Demonstrationen statt. An zwei Demonstrationen in Mailand -- eine von den traditionellen Parteien und den Gewerkschaften, und eine andere von der Extremen Linken organisiert -- beteiligten sich einige Tausend. Am 2.10. fand ein Generalstreik von einer . 7

Seite 8

SPANIEN

Viertelstunde statt, zu dem die drei größten Gewerkschaften gemeinsam aufgeruten hatten. Am Nachmittag desselben Tages fanden wieder Demonstrationen in verschiedenen Städten statt, die größte davon in Rom.

Die Hafenarbeiter führten Boykottaktionen gegen spanische Schiffe durch und ähnliche Aktionen fanden auch In Rom und in anderen Stadten gingen einige spanische auf den Flughälen gegen die Flugzeuge der Iberia statt. Autobusse in Flammen auf.

* Frankreich

Als bekannt wurde, daß die Todesurteile gegen 5 baskische und spanische Genossen bestätigt waren, wurde in der französischen Arbeiterbewegung und in der revolutionären Linken eine mächtige Protestwelle ausgelöst. Eine Protestwelle, die sich angesichts des vollkommenen Schweigens, um nicht zu sagen, der offenen Komplizenschaft der Regierung Giscard d•Estaing, noch verbreiterte. Am Donnerstag, den 24. September, gingen die 2 500 Teilnehmer einer Veranstaltung, die die LCR in der Mutualité zu Portugal organisiert hatte, um Mitternacht auf die Straße und demonstrierten im Quartier Latin unter der Parole "Franco Faschist, Franco Mörder. Am Freitag, den 26.9., fand am späten Nachmittag, sofort nachdem die Bestätigung der Todesurteile bekannt wurde, ein spontane Kundgebung vor der spanischen Botschaft statt, die von starken Polizeikräften von Giscard und Innenminister Poniatowsky bewacht wurde. Die Versammlung wurde im Laufe der Zeit durch die Ankunft von französischen und spanischen Militanten immer größer. Es muß erwähnt werden, daß eine kleine Demonstration, die von der PC und der JC(Kommunistische Jugend) organisiert wurde, am Place de la Concorde aufgelöst wurde, und so die Botschaft nicht erreichte.

Gegen 22 Uhr gab es Zusammenstöße mit der Polidie reichlich von ihrem Tränengas Gebrauch machte. Mehrere Tausend Genossen begannen eine Demonstration über die Champs-Elysces und durch die benachbarten Viertel. Bis 3 Uhr morgens marschierten Tausende von Demonstranten durch die Straßen der Hauptstadt, um ihren Haß auf das franquistische Regime herauszuschreien. Im Vorbeigehen wurden alle Büros und sonstigen Einrichtungen des faschistischen spanischen Regimes zerstört. Brutale Angriffe der Polizei lösten die Demonstration gegen 3 Uhr auf, als sie sich wieder der Kundgebung vor der Botschaft anschließen wollte.

Am Samstag, den 27. September, verwandelte sich die Portugal-Demonstration, die die extreme Linke im Norden von Paris organisiert hatte, nach der Bekanntgabe der Hinrichtungen in eine kämpferische Demonstration gegen das Franco-Regime. Sie bevegte sich vom Place de la Republíque bis zum Gare de I' Est, wo die Organisatoren der Demonstration die Teilnehmer aufforderten, sich dem Protestzug der Gewerkschaften anzuschließen, die sich zur gleichen Zeit auf der Champs-Elysees versammelten. unden 6 Uhr startete die Polizei brutale Angriffe zerstreute die Demonstranten in den angrenzenden Straßen. Die Presse und das Radio legten die Hauptbetonung ihrer Berichterstattung auf die Zerstorung von 150 Schautensterscheiben von Läden auf was auf Initiative von Gruppen zurückgeht, die mit der Demonstration nichts zu tun hatten und die in den Augen von einigen Genossen direkt von der Polizei organisiert waren. So versuchte die Regierung die mächtige anti-franquistische Demonstration zu verleumden, um von ihrer eigenen schändlichen Haltung abzulenken, die eine wirkliche Krücke für das Franco- Regime ist.

Die Gewerkschaften riefen für Montag, den 29. September zu einem 5-minütigen Generalstreik auf, der fast überall befolgt wurde, und tür Donnerstag, den 2. Oktober, zu Boykottaktionen gegen Spanien.

Am Montag, den 29. September, beteiligten sich nahezu 100 090 an einer Demonstration, zu der die Parteien der traditionellen Linken und der revolutionären Linken aufgerufen hatten. Hier zeigte sich einmal mehr das wahre Gesicht der Regierung Giscard, Die Bullen rillen die mächtige Demontration brutal an, während Poniatowskv hören ließ daß man diese demokratischen Demonstrationen vielleicht besser verbieten sollte.

* Schweden

Die Solidaritätsbewegung mit den politischen Gefangenen in Spanien begann in Schweden aus einem bestimmten Grund ziemlich spät: bis zum 22, September konzentrierte sich die Aktivität der revolutionären Organisationen und der reformistischen Parteien um die Organisierung einer Solidaritätsdemonstration mit Chile (siehe unseren Bericht in dieser Nummer der INPREKORR). Es gab jedoch cinige kleine Demonstrationen und eine Propagandakamıpagne, die eine breitere Antwort vorbereitete. Am 27. September, dem Tag der Hinrichtung 5 Gefangenen, fand eine Demonstration von 8 000 vor der spanischen Botschaft statt. Das Antifaschistische Spanien-Solidaritätskomitee rief zu dieser Demonstration auf, die von elf politischen und Solidaritätsorganisationen unterstützt wurde. Die Hauptparolen und Transparente der Demonstration waren foigende: Nieder mit Franco! Freiheit für alle politischen Gefangenen! Abbruch der diplomatischen Beziehungen! Vor der Botschaft wurde den 5 ermordeten Genossen mit 5 Minuten vollkommenem Schweigen die letzte Ehre erwiesen, einer Stille, die selbst die Polizei nicht zu stören wagte, als sie auf dem Platz ankam. Die Demonstranten nahmen eine Resolution an, die das Franco-Regime verurteilte, und die dem Botschafter übergeben werden sollte. Aber dieser weigerte sich, die Tür zu öffnen. Das löste einen Wutausbruch bei der Demonstration aus und führte zu Zusammenstößen mit der Polizei, als die Demonstranten versuchten, die Absperrungen zu durchbrechen.

Daraufhin sah sich die Botschaft nun doch gezwun-

Seite 9

gen, die Tür aufzumachen, und die Resolution konnte übergeben werden. Es muß erwähnt werden, daß eine gewisse Anzahl älterer Leute an der Demonstration teilnahm, was zeigt, daß die Erinnerung an den spanischen Bürgerkrieg noch immer fest verwurzelt Zahlreiche Veteranen des Bürgerkriegs nahmen Auch in anderen Städten fanden Demonstrationen statt: 3 000 in Göteborg und 300 in Malmö. in der gesamten Arbeiterbewegung gab es eine starke Reaktion, die sich in Streik- und Boykottaktionen ausdrückte. Viele Gewerkschaften verabschiedeten Solidaritätsresolutionen mit den Opfern der Repression in Spanien. Auf dem Flughafen Arlanda von Stockholm bestreikten die Arbeiter und Angestellten am Samstag, den 28. September, drei spanische Flugzeuge, die nach Spanien fliegen sollten. Aber es war ein passiver Streik, was es der panischen Mannschaft erlaubte, selbst den Check-in der Passagiere und das Einladen des Gepäcks durchzuführen. Der Abflug war jedoch sehr verspätet. Bestimmte Gewerkschaften planten direkte Aktionen, Die Transportarbeitergewerkschaft, die Gewerkschaft der Piloten und die Gewerkschaft der Angestellten beschlossen einen 3-tagigen Boykott aller Flüge nach Spanien (vom 3. bis 5. Oktober), ungefähr 10 000 Personen daran hindern wird, nach Spanien zu fliegen.

Die Führer aller politischen Parteien haben die Hinrichtungen verurteilt. Dasselbe gilt für alle schwedischen Tageszeitungen. Von der Tribüne des Konresses der schwedischen Sozialdemokratie hat Olal Palme einen sehr heltigen Angrill gegen die spanische Regierung gestartet. "Die erstaunlichste Sache ist es, " erklärte er, " daß die abgeteimten Mörder so weitermachen können, wie bisher, Nach dem Zweiten Weltkrieg redete man viel davon, ein neues Europa zu schaffen, das auf der Demokratie beruht. Aber Europa trägt immer noch diese Krankheit der Vergangenheit in sich. " Er griff die Haltung der NATO an: "Es ist merkwürdig, daß sie vorgeben, die Demokratie zu verteidigen, indem sie den Faschisten • Militärbasen abkaufen. * Schweiz

Seit August, als die Eröffnung der Prozesse in Spanien bekannt wurde, hat sich in den größten Städten der Schweiz eine mächtige Solidaritätsbewegunzir- wickelt: jede Woche fanden Demonstrationen, henbesetzungen usw. statt. Das spanische Konsulat in Zürich und die spanische Botschaft in Bern wurden in der Woche vor den Hinrichtungen besetzt. Die Revolutionäre Marxistische Liga, Schweizer Sektion der IV. Internationale, initiierte, überall wo es möglich war, breite Einheitskomitees. Dort, wo leider keine solche Einheit verwirklicht werden konnte, haben wir selbst die Initiativen ergriffen, die die Solidaritätsbewegung erforderte. Auf die Bestätigung der Todesurteile durch den spanischen Ministerrat reagierte die Solidaritäts bewegung sofort und die Mobilisierung weitete sich aus. Überall wurden Demonstrationen organisiert, an denen mehrere Tausend teilnahmen, Die größten Demonstrationen waren folgende: La Chaux-de-fonds: Demonstration von mehr als 1 000, die von der Partei der Arbeit (Kommunistische Partei), den Gewerkschaften und der RML organisiert wurde.

Zürich: Demonstration von 2 000, die vor dem spanischen Konsulat endete.

Basel: Besetzung des spanischen Konsulats. Lausanne: Demonstration von 1 500, nachdem in der Nacht vom Freitag auf Samstag ein Platz in der Innenstadt besetzt gehalten worden war. Lugano: Demonstration von 1 500, die das spanische Konsulat besetzte und alle Akten, die dort gefunden wurden, verbrannte.

Cion stat, die ser sach man ais größte Deteiligtra- Nachdem die Demonstration durch die Straßen der tion statt, an der sich mehr ais 000 beteiligten. Stadt marschiert war und Farbbeutel gegen die Fassade einer spanischen Wirtschaftsniederlassung geworfen hatte, zogen die Demonstranten zum Konsulat, das von starken Polizeikräften geschützt wurde. Das Ergebnis waren schwere Zusammenstöße, für die die Genfer Polizei die alleinige Verantwortung trägt. In Lugano, wo die Polizei vorsichtig davon Abstand nahm, einzugreifen, endeten die Besetzung des Konsulats und die Verbrennung der Akten ohne Zusammenstöße.

Die Mobilisierung gegen die Repression in Spanien erreichte in der ganzen Schweiz eine noch nie darewesene Breite Wichtiger noch ist die Tatsache, laß die Organisationen der Arbeiterbewegung die Mobilisierung in vielen Fällen unterstützt haben, selbst wenn sich dann in der gemeinsamen Organisation der Mobilisierung erwies, daß diese Unterstützung mehr verbal als praktisch war. Eins ist klar: die dauemde Aktivität und die Weigerung, jeglicher abwartender Haltung in den verschiedenen lokaler Komitees nachzugeben, hat es ermöglicht, Teile der Arbeiterbewegung zu zwingen, zu unterstützen und an ihr teilzunehmen. Aber obwohl die Mobilisierung groß war, hatte sie doch eine Hauptschwäche: sie wurde auf örtlicher Ebene organisiert, ohne daß eine Koordinierung auf nationaler Ebene möglich war. Für die Verbreiterung der Solidaritätsbewegung ist es aber heute unbedingt notwendig komitees zu verstärken und zu koordinie • die Initiativen und Mobilisierungen der örtlichen ren, entlang folgender Achsen:

-- Denunzierung aller Verbrechen des Franco-Regimes, all dieser Prozeß-Farcen, und aller Todesurteile: fur die Freiheit für alle politischen Gefangenen, geger den Ausnahmezustand, gegen das "Anti-Terrorismus-Gesetz"

-- Unterstützung der Kämpfe der Arbeiter, der armen Bauern und aller Unterdrückten in Spanien. -- Mobilisierung aller möglichen Kräfte, um den sofortigen Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit der Diktatur zu fordern.

Dieser letzte Punkt ist sehr wichtig. Die schweizer Regierung ist eine der wenigen europäischen Regierungen, die nicht öffentlich gegen die Hinrichtungen Stellung bezogen hat. Das erklärt sich aus den wirtschaftlichen Interessen, die die Schweiz mit der Diktatur verbinden, insbesondere die Waffenexporte: Nach dem Iran ist Spanien dasjenige Land in das die Schweiz die, meisten Waffen exportiert. Um eine Verbreiterung der Solidaritätsbewegung zu ermöglichen, schlagen die revolutionären Marxisten eine nationale Demonstration, für den 11. Oktober in Bern vor, und sie tun alles , um die größt-

Seite 10

SPANIEN mögliche Einheit in der Aktion mit allen Kräften der Arbeiterbewegung herzustellen. Sie sind sich dabei bewußt, daß sie heute durch die Initiativen der entschiedensten anti-franquistischen Militanten fähig sind, die anderen Kräfte der Arbeiterbewegung nach sich in den Kampf zu ziehen, und so die Front gegen die blutige Diktatur zu verbreitern. * Holland

Am Abend des 26. September fanden vor den spanischen Konsulaten in Amsterdam und Ütrecht, vor der Botschaft in Den Haag und vor einem offiziellen spanischen Arbeitsbüro in Eindhoven Solidaritätsdemonstrationen statt. Das Piquet vor dem Konsulat in Amsterdam blieb die ganze Nacht über auf dem Posten. Die Demonstration von Den Haag war die größte mit über 1 000 Teilnchmem. Meistens waren diese Demonstrationen, die in einem sehr kurzen Zeitraum organisiert wurden, Aktionseinheiten von der IKB, holländische Sektion der IV. Internationale, Maoisten, einigen Mitgliedern der KP, linken Sozialdemokraten, Zentristen und Genossen von verschiedenen anderen Organisationen. Am Abend des 26. September rief der sozialdemokratische Ministerpräsident, Joop Den Uyl zu einer einheitlichen Massendemonstration für Samstag, den 27. 9., auf. Am Morgen des 27. 9. fand eine Dem onstration von 1 500 in Eindhoven statt. Ein Einheitskomitee mobilisierte 1 000 in Amsterdam. In beiden Städten war die KP gegen die Demonstrationen und rief für die nationale Demonstration am Nachmittag desselben Tages auf.

Ungelähr 10 000 nahmen an dieser Demonstration teil. Aber die reformistischen Organisationen, die keine derartige Mobilisierung erwartet hatten, hatten für keine materielle Infrastruktur gesorgt (es waren nicht einmal ausreichende Lautsprecher vorhanden). Als Folge davon übernahm eine Einheitsfront von revolutionären Organisationen, darunter die IKB, die Führung eines großen Teils der Demonstration und initiierte Sprechchöre mit den Hauptparolen: Boykottiert Spanien! Ihr Kampf ist auch unser Kampf! Hoch die interationale Solidarität! Tod dem Faschismus! Für ein rotes Spanien! Als Den Uyl die Demonstranten aufforderte, einanderzugehen, weigerten sich ungefähr 5 000 und folaten den Revolutionären in einer kämpferischen Demonstration durch die Stadt.

* Westdeutschland

Die Breite der Mobilisierung und die verschiedenen Protestaktionen, die im Laut des Wochenendes vom 27./28. September stattfanden, stehen in der Tradition unserer Chile-Solidaritätsbewegung in der BRD. In den Wochen vor der Ermordun Komitees gegen der 5 politischer Gefangenen, sind dutzende von die Todesurteile in Spanien" entstanden, meist auf Initiative von Gruppen der extremen Linken oder von Gruppen von spanischen Arbeitsemigranten. Seit Ende August gab es überall Protestaktionen, Demon- Strase ort wurde besetzt. Die Can Hungerstreiks, das spanische Konsulat in deutsche Sektion der IV. Internationale, spielte in diesen Mobilisierungen eine aktive Rolle.

Es gab also eine gewisse Vorbereitung und Organisation, auch wenn die Aktionen vereinzelt blieben. Außer den Gruppen von spanischen Arbeitsemigranten machte jedoch keine Organisation der extremen Linken die Solidarität mit Spanien zum Mittelpunkt ihrer Aktivitäten, Die GIM war ebenso wie andere Organisationen in der Solidaritätswoche mit Portugal engagiert. Der KBW, der die stärkste : Organisation der extremen Linken ist, führte ein sektiererische -- aber nicht erfolglose -- Kampagne gegen den Abtreibungsparagraphen, und schloß sich erst im letzten Augenblick der Spanien-Solidaritätsbeweung an. Dementsprechend waren die meisten Mobilisierungen zu Spanien improvisiert. Am 26. September, als die Meldung kam, daß die gt worden sind, gab es in ver schiedenen Städten Westdeutschlands mehrere spontane Kundgebungen und Demonstrationen, In Prankturt demonstrierten 2 000 vor dem spanischen Konsulat. Eine Gruppe von spanischen Arbeitem besetzte die berühmte Pauls-Kirche, wo die Konstituierende Versammlung von 1848 stattfand. Die Demonstranten, die sich vor dem Konsulat befanden, begaben sich zur Paulskirche, um die Besetzung zu verteidigen. Die Polizei griff die Demonstranten mit Tränengasgranaten und Wasserwertern an. Es kam 221 50 Verhaftungen. Ein spanischer Genosse wurde verletzt.

Während des gesamten Wochenendes hielten die Mobilisienngen an. Am 21. September fand in Frankfurt eine Solidaritätsdemonstration mit der portugiesischen Revolution statt. Diese Demonstration, an der sich über 4000 Genossen beteiligten, wurde in eine militante Anti-Franco-Demonstration umfunktioniert. In Essen demonstrieren 1000, 2000 in München (wo die Jusos teilnahmen), 1000 in Berlin; in Hannover wurde eine Solidaritätsdemonstration mit Portugal, an der sich etwa 900 Personen beteiligten, teilweise in cine Anti-Franco-Demonstration umgewandelt.

Am Sonntag, den 28. September, demonstrierten in Bonn etwa 1000 Personen. Die spanische Botschaft wurde von Panzern bewacht! Zahlreiche Kirchen wurden besetzt (in Hamburg zum Beispiel); in Aachen besetzten 200 spanische und deutsche Arbeiter die Kathedrale. In Berlin wurde die Gedächtnis-Kirche besetzt. In Heidelberg kam es zu einem Hungerstreik und zur Besetzung der Heiliggeist-Kirche.

Leider nahmen nur sehr wenige Arbeiter an diesen Mobilisierungen teil. Auf einen Aufruf des Weltgewerkschaftsbundes hin, rief der DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund) für den 2. Oktober zu einem zweiminütigen "Generalstreik" auf!

Im Verlauf der letzten Wochen hatte eine Gruppe von 48 sozialdemokratischen Abgeordneten gegen die Todesurteile protestiert. Der DGB schickte ein um Gnade -- aus humanitären Gründen". * Großbritannien

Die Hinrichtung der fünf anti-faschistischen Militanten in Spanien hat in Großbritannien eine bedeutende Welle von Protestaktionen ausgelöst. Am Tag der Hinrichtungen führten ungefähr 8oo spanische und britische Genossen eine spontane Demonstration in London durch.

Seite 11

telta die totale Verabscheuung und Verurteilung der ten da der Labour Party ciastimmig eine Resolution, einstimmig * Dänemark Todesurteile" erklärte. Jedoch wurde nicht zu konkreten Solidaritätsaktionen aufgerufen. Jack Jones, Führer der größten britischen Gewerkschaft, der 1,25 Sowohl vor als auch nach den Hinrichtungen hat es in Millionen Mitglieder umfassenden Transport and Ge- Dänemark eine nahezu einstimmige Verurteilung des neral Workers Union (TGW: dem Franco-Regime Transportarbeiterge- Franco-Regimes gegeben. Vor Abschluß der Prozesse werkschaft), rief dazu auf, gab es in Stockholm mehrere Demonstrationen, eine keine Ruhe mehr zu lassen". Er führte aus, dies be- am Vorabend der Hinrichtungen, mit 5oo Teilnehmdeute "die Einstellung und Verzögerung ern. Am Tag der Hinrichtungen versammelten sich von spanischen Schiffen, von spanischen Lastwagen mehrere Hundert Menschen vor der spanischen Botund spanischen Flugzeugen" schaft. Mehrere Fenster der Botschaft gingen im Ver- Anzeichen zeigte, diese schönen Erklärungen in lauf dieser Protestaktion zu Bruch. konkrete Aktionen umzusetzen (z.B. durch einen Insgesamt trafen die fünf Morde auf eine sehr heftige offiziellen Aufruf an die Mitglieder seiner Gewerkschalt), haben verschiedene, wichtige Gruppen der Antwort. Der sozialdemokratische Premierminister Arbeiterklasse beschlossen, jeglichen Warenverkehr Anker Jorgensen verurteilte die Aktionen der Francomit Spanien zu interbrechen. Diktatur in einer sehr scharfen Erklärung und rief den spanıschen Botschalter aus Madrid zurück. Die Presse

Eine Massenversammlung von 2000 Hafenarbeitem hat sehr heftig reagiert und sogar einige bürgerliche des Hatens Hull hat tür den Boykott jeglichen Han- Zeitungen forderten den völligen Boykott Spaniens. del verkehrs gestimmt, "bis das Franco-Regime ge- Am 29. September weigerten sich die Hafenarbeiter stürzt ist". In Heathrow, dem wichtigsten Londoner Kopenhagens, fir Spanien bestimmte und aus Spanien Flughafen, haben die Shop Stewards den Boykott der kommende Schiffe zu verladen. Darüberhinaus schloß spanischen Fluggesellschaft IBERIA "auf unbestimmte sich die Führung der nationalen Transportarbeiterge- Zeit" beschlossen, Die Nachttelefonisten und -tele- werkschaft dem Aufruf der Internationalen Transportonistinnen der internationalen Telelonvermittlung arbeiterföderation zu einem 48-Stunden-Bovkott n London haben den Boykott aller Anrute von und aller Schiff-, Zug-, Wagen- und Flugverbindungen nach Spanien entschieden. Andere Transportarbeiter nach Spanien an.

haben ihre Unterstützung für den 48-stündigen Boykott spanischer Waren erklärt, zu dem die Internati- Die weitverbreitete Stimmung zugunsten des Boykotts onale Transportarbeitertoderation für den 2. und 3. des spanischen Regimes zentriert sich heute um zwei Oktober aufgerufen hatte. Unter ihnen befinden sich Ziele:

die Arbeiter des Stanstead-Flughafens, die wichtigste 1. Der Tourismus nach Spanien. Die großen Reise- Eisenbahnergewerkschaft (National Union of Railway• unternehmen organisieren jährlich mehr als 10.000 nen) und die Transport and General Workers Union, Spanien-Reisen. Ein Boykott auf diesem Gebiet wäre die die Hafen- und Strassentransporte kontrolliert. ein wirksamer Schlag gegen das spanische Regime. 2. Für den 12. Oktober ist in Barcelona ein Fußball piel zwischen Spanien und Dänemark vorgesehen.

ine Absage von Seite der Dänen würde in Spanien al Akt der Solidarität mit allen Gegnern der Franco- Diktatur aufgefasst.

* Portugal (Lissabon)

Seite 12

PORTUGAL