Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Georg Jungclas 1902-1975

· Inprekorr Nr. 42, 2. Oktober 1975 · S. 30-17 · 1.345 Wörter

IV. Internationale Trotzki und Geschichte Frankreich Skandinavien

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Unser Genosse Georg Jungclas, Mitglied des Ver- insbesonders beteiligte er sich aktiv am Hamburger einigten Sekretariats der Vierten Internationale vom Aufstand vom Oktober 1923. Wegen seiner revolu- Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum 10. Welt- tionären Aktivitäten war er gezwungen, während kogreß, dann in der Internationalen Kontrollkommis- der Jahre 1921-22 und erneut 1924-26 in die Illesion, starb am 11, September in Köln, Die gesamte galität zu gehen.

Vierte Internationale trauert um diesen Verlust und teilt den Schmerz mit Leni, seiner Lebensgefährtin. Bis 1933 lebte Georg meistens in Hamburg. Als Mitglied der KPD unterstützte er den linken Flügel

In Georg ist die schicksalsreiche Geschichte der re- der von Maslow, Ruth Fischer und Urbahns geführt volutionären Vorhut des deutschen Proletariats in wurde. Nachdem er 1928 aus der KPD ausgeschlosden letzten sechzig Jahren verkörpert, Geboren wur- sen worden war ging er zum Leninbund, der von de Georg in einer , von den sozialdemokratischen Urbahns gegründet worden war. Dort verteidigte et Ideen uberzeugte Familie, die Positionen von Leo Trotzki. Als 1930 die deut- Politik der SPD während des Ersten Weltkrieges ab- sche Linke Opposition, die in enger Verbindung mit lehnend verhielt. Im Alter von 14 Jahren trat er der Internationalen Linken Opposition stand, gegrünin die Sozialdemoktatische Jugend in Altona (Ham- burg) ein, die einen Kampf gegen det wurde, war er ebenfalls aktiv dabei. Er war an- wesend bei dem internationalen Treffen in Kopenschen Krieg und gegen den Verrat der Sozialdemo- hagen, das abgehalten wurde, als Trotzki diese kratie führte. In dieser Zeit arbeitete er in illega- Stadt im November 1932 besuchte. len Zellen und schloß sich dann dem -- von Rosa

Luxemburg und Karl Liebknecht gegründeten -- Nachdem Hitler an die Macht gekommen war, lebte Spartakusbund an, Er nahm an allen revolutionären Georg einige Monate im Untergrund, um dann nach Kämpfen teil, die damals Deutschland erschütterten, Dänemark zu emigrieren. Seine Hauptaktivität dort

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bestand darin, deutsche Emigranten und dänische evolutionäre für den Trotzkismus zu gewinnen Er stand damit Pate bei den Anfängen der dänischer sektion der Vierten Internationale. Ein weiteres nal traf er Trotzki 1936 in Hönetoss, Norwegen. Nach der Besetzung Dänemarks durch die Nazi-Truppen blieb Georg im Lande und arbeitete im Untergrund; besonders setzte er sich für die Rettung dăni- scher Juden ein; nach dem Krieg wurden seine Verdienste offiziell anerkannt. Im Mai 1944 wurde er verhaftet und zunächst nach Hamburg, dann nach Berlin und schließlich nach Bayreuth überführt. dem Gefängniswagen, in dem er mit anderen zusammen transportiert wurde, stand zu lesen:" Kommunisten, heruntergekommene Hunde - Bei Flucht sofort erschießen!" Nur durch den Zusammenbruch des Naziregimes konnte Georg dem Tod entkommen. Obwohl "befreit" von den Amerikanern, wurde er noch bis 1946 von tschechischen Kommunisten festgehalten, denen man die Verwaltung des Gefängnisses übergeben hatte.

Gleich nachdem Georg aus dem Gefängnis entlassen worden nahm er Kontakt mit der Internationale auf, d. hintent einer en konterenz von paris esch geschaffen worden war. Er vertrat die deutsche Sektion auf dem Weltkongreß der Vierten Internationale 1948. Von da an arbeitete er aktiv in der Führung der Internationale und der deutschen Sektion. 1946 war Georg wirklich der einzige Genosse, der den Nazi-Terror und die Jahre des Exils nicht nur physisch, sondern vor allem politische überstanden hatte. Deutschland war ein einziges Trümmerteld, Aber während die wirtschaftliche Rekonstruktion mit ungeheurer Macht einsetzte, entwickelte sich die politische Rekonstruktion der Arbeiterklasse, und insbesondere der revolutionären Vorhut so langsam, man sagen kann, daß selbst heute erst die ersten Schritte in diese Richtung gemacht worden sind, Georg widmete seine ganze Kraft der schwierigen und oft undankbaren Aufgabe, die trotkistische Organisation in Deutschland wieder aufzubauen. Jahrelang reiste er durch Deutschland, um die nossen einzeln aufzusuchen, arbeite die Politik der deutschen Sektion aus und beteiligte sich an der Diskussion und Entscheidung über internationale Fragen, sicherte die Herausgabe der Schriften Trotzkis und arbeitete an Zeitschriften mit, in denen er die Positionen der Vierten Internationalen vertreten konnte.

Das war eine Arbeit, bei der er gegen die schwierigsten Widrigkeiten ankämpfen mußte. Trotz dieser simus leute an die bereit deren, duto stre des- xismus Leute an, kapitalistischen Systems vorzubereiten;aber die sterile apolitische Atmosphäre in Deutschland zu jener Zeit bewirkte, daß viele, die damals für den revolutionären Marxismus gewonnen werden konnten, wieder abfielen.

Gerade in dieser Periode -- die nicht so tragisch wie die, nach dem Krieg war, aber trotzdem keinen fnichtbaren Boden für die Ideen des reolutionären Marxismus abgab -- stellte Geors eine größte Stärke und Zähickeit unter Beweis: er verzweifelte nie. Es gelang ihm, auch die geringsten Möglichkeiten, die sich auftaten auszunutzen. So war er einer der ersten, die versuchten, die ausländischen Arbeiter in Deutschland zu oranisieren und die deutsche Arbeiterbewegung auf lese Aufgabe zu orientieren, Letzlich leistete el einen hervorragenden Beitrag zur Unterstützung der algerischen Revolution, Sein Haus diente als politisches und organisatorisches Zentrum für diese Arbeit, Besonders zu erwähnen ist, daß er aktiv an dem Projekt der Vierten Internationale mitarbeitete, in Marokko eine Waffenfabrik für die FNL autzubauen.

Georg führte diese mühsamen und schwierigen Aufgaben -- von denen in dieser kurzen und abrissaften Aufzählung nur ein schwacher Eindruck vermittelt werden kann -- mit viel Bescheidenheit und Humor aus, selbst in den scheinbar hoffnungslosen Situationen.

Während der letzten Jahre, als seine Kräfte aufgrund des Alters und aus gesundheitlichen Gründen zurückgingen, konnte Georg mit Freuden sehen, wie junge Kräfte -- selbst in Deutschland -- entstanden, die der Vierten Internationale zu einem niedagewesenem Wachstum und Auftrieb verhalfen. In seinen Augen war dies eine Bestätigung für die Jahre des Kampfes und für seine unerschütterliche Überzeugung in die sozialistische Weltrevolution, die er seit seiner Jugendjahre nie aufgegeben hatte. 1971 nahm er am Kongreß für die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Europa teil, wo der Durchbrich der Vierten Internationale zum ersten mal demonstriert wurde.

Georg war in der Lage, der Gründung der Gruppe Internationale Marxisten (GIM), deutsche sektion der Vierten Internationa le beizuwohnen, deren Kräfte -- obgleich immer noch gering -- stärker sind als je zuvor. Er konnte von sich sagen, daß er diese Sektion aufgebaut hat und daß sie weiterleben und sich entwickeln wird, auch dann, wenn er gegangen ist.

Ich möchte dieser kurzen biographischen Skizze einige persönliche Bemerkungen hinzulügen. Ich traf Georg zum ersten Mal vor ungefähr 45 Jahren in Berlin; wir sahen uns wieder 1932 in Kopenhagen und erneut in Paris, während der Jahre seines Exils. Nach dem Kreich glaube ich kann vor allem, verband uns eine enge Freundschaft.

sagen, daß wir die ältesten Freunde in der Internationale waren. Zum letzten mal sah ich Georg vor einigen Monaten, als ich ihn im Krankenhaus besuchte. Er freute sich herzlich über den Sieg der indochinesischen Völker und war, wie immer begierig, zu hören was die augenblicklichen Aktivitäten der Vierten Internationale sind. Georgs Leben war das Leben eines revolutionären Kämpfers. Und in dem Kampf, den die Vierte Internationale führt, wird Georg weiterleben.

12. September 1975 * (Ein Interview mit Georg Jungelas, das mehr Einzelheiten über seine politischen Aktivitäten vermittelt, wurde -- anläßlich seines siebzigsten Geburtstages -- in "Quatrième Internationale" Nr. 3 vom 15. Juli 1972 abgedruckt. Dieses Interview erschien auf deutsch in WAS TUN Nr. 85 vom 18. September 1975).

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FORUM

Tür cine schlossen die Genossen der LIGUE COMMUNISTE Auf ihrem ersten Kongress, im Dezember 1974, be- REVOLUTIONNAIRE, frz. Sektion der TV. Internationale, ab Januar 1976 eine Tagesrevolutionär- zeitung herauszugeben. Seitdem beteiligt sich die gesamte Organisation an einer Kampagne, mit dem Ziel das für die Schaffung dieses politisch unabkömmlichen Instruments notwendige Geld zu sammeln. marxistische die geprägt ist vom ren Kämpfe seit 1968 (Sieg der Indochinesischen Revolution, Aufstieg der Revolution in Portugal, Intensivierung der Kämple gegen die Diktatur in Spanien, tannien und Frankreich) wird eine Tageszeitung aul der Arbeiterkampfe in Italien, Tageszeiling dringenden Notwendigkeit --um tagtäglich tiber die Kample der Arbeiterklasse und aller Sektoren der Gesellschaft zu berichten, um eine militante Solidarität mit den Kämpfen in Europa und der Welt zu entwickein, um die Diskussion zwischen den verschiedenen revolutionären Kräften anzuregen. Im Rahmen der Kampagne für die Schaffung der