Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Aktionen zum 1. Mai in Quebec

Inprekorr Nr. 34, 29. Mai 1975 · S. 31-17 · 974 Wörter

USA und Kanada Gewerkschaften und Streiks

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Auf dem nordamerikanischen Kontinent ist Québec das einzige Land, wo der 1. Mai gekennzeichnet ist durch massive Demonstrationen der Arbeiterklasse. Das dritte Jahr hintereinander haben die Gewerkschaftszentralen in Québec dazu aufgerufen, bedeutende Straßendemonstrationen zu organisieren. Erinnern wir uns, daß die Arbeiter von Québec erst anläßlich des Mai 1973 zur Weltarbeiterbewegung gestoßen sind, denn bis zu diesem Zeitpunkt war einem Maibmunistischlei heisetzt worden mit 1973 war das Ziel der Demonstrationen klar: Befreiung der von der Regierung Bourassa infolge des Generalstreiks vom Mai 1972 festgehaltenen Führer der drei Gewerkschaftszentralen. Kurz nach dieser Demonstration ließ die Regierung von Québec die gefangengehaltenen Gewerkschaftsführer frei. Im folgenden Jahr war das zentrale Thema für die Arbeiterklasse der Kampf für die gleitende Lohnskala (Festlegung eines Index). Dieses Thema war dann auch das beherıschende bei den Mobilisierungen zum 1. Mai 1974. In diesem Fall gab es für die Arbeiterklasse eine halbe Niederlage; es wurden nur wenige Tarifverträge ausgehandelt, in denen die automatische Angleichung der Löhne an die gestiegenen Lebenshaltungskosten rechtlich verankert wa- Dieses Jahr -- infolge besonders spektakulärer Unfalle in den Chemie- und Metallbetrieben, bei den Bauarbeitern und vor allem infolge des Streiks bei den Asbestminenarbeitern, die für bessere hygienische Bedingungen bei der Arbeit kämpften -- beschlossen die Gewerkschaftsführungen, zum 1. Mai zum Thema"Sicherheit am Arbeitsplatz" zu demonstrieren.

Anläßlich des diesjährigen 1. Mai haben zahlreiche Arbeiter sich ihren schon in Streik befindlichen Kollegen, den Dockarbeitern, den Postangestellten und den Asbestminenarbeitern, angeschlossen.

in Montreal fanden zahlreiche Arbeitsniederlegungen in der Kartonindustrie, in gewissen Krankenhäusem und in einigen Metallbetrieben statt. ne Studenten und Protessoren von mehreren CEGEP Colleges d' Enseignement General et Professionne -- Höhere Schulen für allgemeinen und berufsbezogenen Unterricht) und Oberschulen verließen den Unerricht, um sich der zentralen Demonstration, anzuschließen.

Auch außerhalb von Montréal war die Mobilisierung sehr groß. In der Region von Joliette verließer L5 000 Arbeiter ihre Betriebe oder ihre Büros. Ir Québec waren es 2 000 Arbeiter der Werft von Lauzon; in Trois-Rivières 1 000 Arbeiter der Textilfabrik Wabasso; in Thetford haben die Asbestminenarbeiter den internationalen Tag der Arbeiterklasse mit Arbeitsniederlegungen und mit Straßendemonstrationen gefeiert.

Dieser Frühjahrsaufschwung in der Mobilisierung der Arbeiter fiel zusammen mit dem Entstehen neuer gemeinsamer regionaler Fronten auf Gewerkschaftsebene, bestehend aus dem Arbeiterbund von Québec (Fedération des travailleurs du Québec) Nationalen Gewerkschaftsverband (Conféderation aus dem des Syndicats Nationaux) und aus der Lehrerzentrale von Québec (Centrale de 1' Enseignement ===== S. 17 | Inprekorr_19750529_034_017.jpg ===== QUEBEC du Québec), besonders in Sainte Thérèse, Joliette volutionnaire des Etudiants du Québec --MREQ), und Trois Rivieres. Abgekürzt jeweils FTQ, sowie die Revolutionär-Marxistische Gruppe. An- CSN und CEQ. wesend waren auch die LSO (Ligue Socialiste Ouvriere, eine andere sympathisierende Organisation de An der zentralen Demonstration in Montreal nah- IV. Intemationale), die KP und verschiedene Immimen mehr als 15 000 Personen teil. Die Demon- grantengruppen (Chilenen, Spanier, Haitianer...) stration ging vom Moiso-Park bis zum Zentrum Paul Sauve im Osten der Stadt, wo eine Gewerk- Die Kundgebung im Zentrum Paul Sauvé, wo sich schaftskundgebung die Demonstration abschloß. fast 10 000 Demonstranten eintanden, ehrte die Märtyrer der vietnamesischen Revolution durch eine Trotz der nur schwachen Mobilisierung durch die Ge- Schweigeminute. Durch die schlechte Organisation tingente anwesend: die sich im "wilden" Streik befind- werkschaftsführungen waren zahlreiche Arbeiterkon- der Gewerkschaftsführer degenerierte die Kundgebung jedoch schnell zu einer Art Volksfest und die lichen Docker des Hafens von Montreal, die Postange- konkreter. Kampfperspektiven lösten sich in Strömen mettent abei, bei sei Dezember 104 bestreik eia). stellten, die Arbeiter von von Bier auf. die Angestellten des öffentlichen Nahverkehrs, die Während die Gewerkschaftszentralen FTQ und CSN Arbeiter des Südwestens -- vor allem die Streikenden das Problem der "Sicherheit am Arbeitsplatz" zum aus der Fabrik Coleco... zentralen Thema machten, veröffentlichte und verteilte die Lehrergewerkschatt CEQ mehrere erstmals nanm ein gesonderter Block von mehrerer Exemplare ihres"Handbuchs zum 1. Mai" hundert Frauen an der Demonstration tell, zu der der traditionelle Unterricht der kapitalistischen Scho aagerufen worden war vom Rat der Arbeit von Mont- von der FTQ, der CEQ und der Revolutionär- im Dienste der Arbeiterklasse". Der Inhalt dieses angeprangert wird. Das Thema hieß: "Für einen Tag Marxistischen Gruppe (sympathisierende Organisa- "Handbuchs" wurde vom Erziehungsminister, François tion der IV. Internationale in Québec). Dieser Frau- Cloutier, von den reaktionären Eltemverbänden und enblock, der sehr gut strukturiert und militant war, vom Führer der nationalistischen Partei von Quebec, bildete für zahlreiche, einen raschen Politisierungs- René Levesque, heftig angegriffen. Alle klagten die prozess durchmachende Frauen einen Anziehungspol. CEQ an, "das Bewußtsein der Kinder zu manipuliere Das ist das Ergebnis des Aufbaus einer autonomen Frauenbewegung in den letzten Monaten, die zu Insgesamt haben die Arbeiterdemonstrationen zum einem neuen Faktor im politischen Leben von Qué- 1. Mai in Québec gezeigt, daß das Proletariat von bec geworden ist. Québec an der Spitze der Kämpfe in Nordamerika Wichtig war auch der Umfang der durch die Gruppen steht. Aber allein die internationalistische Solidarider Extremen Linken durchgeführten Mobilisierung. tät der nordamerikanischen Revolutionäre wird in Die größten Blöcke bildeten die maoistischen Grup= der Lage sein, eine Isolierung der Revolution in En Lutte", PCC(m-1) und die revolutionäre Be- Quebec zu verhindem und ihre Errungenschaften aut wegung der Studenten von Québec (Mouvement Ré- dem Gesamtkontinent zu propagieren. was tun ERSCHEINT VIERZEHNTÄGIG Abonnement: WAS TUN erscheint vierzehntägig (Monate Juli und August monatlich). Preis pro Einzelexemplar 0,50 DM. Jahresabonnement für WAS TUN, Zeitung der Gruppe Internationale 22 Nummem einschl, Porto: 20. - DM. Marxisten (GIM), deutsche Sektion der Vierten Förderabonnement: 30, - DM und mehr Intemationale (Herausg.)

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