Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Indochina

Ein Debakel für den Imperialismus

· Inprekorr Nr. 31, 17. April 1975 · S. 3-8 · 3.357 Wörter

Vietnam und Indochina USA und Kanada

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ein debakel Jui den imperialismus PIERRE ROUSSET

Der Marionettenpräsident Lon Nol ist aus der kam- Es ist noch zu früh, um eine umfassende Bilanz der bodschanischen Hauptstadt geflohen, deren Befreiung gegenwärtigen Offensive.zu ziehen. Die Situation unmittelbar bevorsteht. In Süd-Vietnam ist die ist noch zu fließend. Aber man kann dennoch schon Saigoner Armee innerhalb von drei Wochen im einiges über den Prozess sagen, durch den der Zu- Zentralen Hochland, in den nördlichen Provinzen sammenbruch der gegenwärtigen Marionettenregime und entlang der Küste total zusammengebrochen. in Indochina vonstatten geht. Und man kann auch Kriegsgerät und Waffen im Werte von mehreren schon eine Antwort geben auf die in der westlichen Milliarden Dollar wurden zurückgelassen und viele Welt ausgelöste Vergiftungskampagne. tausend Mann verloren. Die befreiten Gebiete wurden weit ausgedehnt und bedecken nun 75% Sudvietnams, selbst nach westlichen Schätzungen; die neu befreiten Gebiete schließen die größten Städte Süd- Die Marionettenarmee löst vietnams mit ein -- mit Ausnahme von Saigon. sich auf Tausende haben sich erhoben und sich den befreiten Gebieten der PRR angeschlossen. Angesichts des Auflösungsprozesses seiner Marionettenkräfte hat Vier Elemente werfen ein wirkliches Licht auf den Washington und seine lokalen Handlanger eine Charakter der Niederlage der Saigoner Armee, lähmung ergriffen, die all diejenigen verwurrt die ihre Hoffnungen in die USA als --Im Gegensatz zu dem was die offiziellen Kreise der imperialistischen Welt" gesetzt hatten. Washingtons der Welt glauben machen wollen, bleibt das Militärmaterial und -Potential der Mario- Innerhalb von einem Monat hat die nettenarmee dem der revolutionären Kräfte weit indochinesische Revolution entschei- überlegen, Im Prinzip ist die Marionettenarmee dende Siege errungen, die einen unbesiegbar -- mit ihrer mehr als einer Million Wendepunkt in der regionalen Situa- Mann (auf dem Papier), mit der drittgrößten Lufttion markieren. Diese Wende eröffnet waffe der Welt, einer furchterregenden See- unc die Schlußphase des indochinesischen Flußflotte und mit einer Artillerie, die mit nichts Befreiungskampfes gegen den US-Impe- auf der "anderen Seite" verglichen werden kann. rialismus. Selbstverständlich gelang es den Volksbefreiungsstreitkräften ihr Material zu verbessern, besonders in den südlichen Gebieten. Aber selbst nach den Die plötzlich und rasch eingetretene Umbruchsitua- Schätzungen des CIA, die von amerikanischen Kontion, der wir heute gegenüberstehen, hat nur diejeni- "gressabgeordneten zitiert werden, ist die Us-Hille gen überrascht, die die Widersprüche, von denen das Marionettenregime zunehmend von innen heraus un- an Thieu seit der Unterzeichnung des Pariser Abkom- mens doppelt so groß gewesen wie die Hilfe die die terminiert wurde, nicht erkannten -- oder nicht Demokratische Republik Vietnams von der Sowjetunior erkennen wollten. Folglich wird eine wahrhaft inter- und der Volksrepublik China erhalten hat. Und der nationale und giftig antikommunistische Pressekam- Pentagon hat letztendlich anerkennen müssen, daß pagne inszeniert: das Debakel der Saigoner Marionet- das Saigoner Regime nicht durch ein Nachlassen der ten wird erklärt als Ergebnis der Schwäche der amer- finanziellen und militärischen Hilfe stranguliert workanischen Hilfe, der Verletzung des Pariser Abkommens durch Hanoi, und der kommunistischen "Dampfwalze" (die vom amerikanischen Kongress bereits genehmigt den ist: Die Kredite für das laufende Haushaltsjahr vom Norden, vor der die südvietnamesiche Bevölke- worden sind) wurden bisher noch nicht voll ausgerung flieht, indem sie "mit ihren Füßen gegen die schöpft und die vorhandenen Vorräte an Treibstoff, rote Gefahr abstimmt" Munition und Ersatzteilen sind weit davon entfemt.

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INDOCHINA bereits aufgebraucht zu sein (vgl, dazu "Le Figaro" vom 29. /30. März 1975).

--Es gab (bis heute!) noch keine militabac ware mit der offensive vom frühjahr rische Offensive vergleich- 1972.

Damals handelte es sich um eine Generaloffensive, in die Guerillakräfte, sowie reguläre und regionale Truppenverbände integriert waren. Lange und harte Schlachten fanden statt. Während der Anfangsphase der gegenwäritgen Kämpfe hingegen( von der Eroberung der Provinzhauptstadt Phuoc Bính im Januar bis zur Einnahme von Ban-Me-Thuot im März) wurden von den Befreiungsstreitkräften in ihren Hauptangriffen lediglich regionale und lokale Truppen eingesetzt. Während der zweiten Phase (nach der Entscheidung Thieus mitte Marz, die Stadte des zentralen Hochlandes, Pleiku und Kontum, zu evakuieren), spielten in den nördlichen Provinzen und entlang der Küste reguläre Divisionen eine aktive Rolle. Aber man kann kaum sagen, daß sie kämpfen mußten. Bei den ersten Schüssen lösten sich die Saigoner Truppen auf oder manchmal bereits bei der Ankündigung von der nahe bevorstehenden Ankunft der Befreiungsstreitkräfte. --Dieses Phänomen der Auflösung der Saigoner Marionettearmee brachte alle • Pläne des Saigoner Generalstabs zum Einsturz. Es scheint, daß der Rückzug und die Reorganisierung des militärischen Systems seit letztem Sommer in Erwägung gezogen wurde. Jedenfalls wurde die Entscheidung, die Truppen vom Zentralen Hochland abzuziehen, am 14. März getroffen, bevor irgendwelche neuen Städte angegriffen worden wären. Für Thieu War die Situation in Kambodscha eine Bestätigung dafür, daß er nicht auf ein wachsendes US-Engagement rechnen konnte. Und der Fall von Ban-Me-Thuot illustrierte genau die Gelahr, daß die Marionettentruppen von ihrem Hinterland abgeschnitten und dann zerstört werden können, Dies mußte vermieden werden;die Truppen mußten regruppiert werden in Gebieten, wo die Nachschublinien zu Lande und zu Wasser nicht abgeschnitten werden konnten. Der Südteil und der Küstenstreifen, Der Rückzug sollte bis hierher gehen und nicht weiter. Aber in Wirklichkeit kam der Befehl zum Rückzug einem Signal zur Auflösung gleich, was alle Militärexperten und-Berater überraschte.

--Das Debakel der Marionettenarmee ist umso bedeutender als es auch "Elite"- Einheiten miteinbegreift, wie z. B. die Truppen, die in Quang Tri und Hue stationiert waren, und die später nach Da Nang zurückgezogen wurden: die erste Infanteriedivision und die Marineinfanteristen. Was die Fallschirmjäger angeht, so waren diese von Thieu bereits zurückgezogen worden, mit dem Ziel, den Präsidentenpalast vor Feinden ... und Freunden zu schützen. Diese Truppen wurden als die einzigen Offizieren und kämpften gegeneinander, individuell, um die bedrohten Gebiete so schnell wie möglich evakuieren zu können, Die Auflösung war so vollstänlig, daß die PRR beträchtliche Mengen von intakten Militärmaterial überehmen konnte, besonders 20 bis 300 Flugzeuge und Hubschrauber, voll ausgerüstet; einige standen vollgetankt und bereit zum Abflug auf Die Marionettearmee wurde nicht nach harten Schlachten geschlagen, in denen die materielle Uberlegenheit des Gegners schließlich von ausschlaggebender Bedeu- Die Flucht von Thieus Soldaten...

tung gewesen war. Niemand hat versucht, Da Nang zu verteidigen, sogar nach dem 26. März als Thieu einen telerlichen Appell an seine Truppen richtete 'standzuhalten". Und es war noch nicht einmal mög ich, einige Wochen für Da Nang zu kämpfen, um durch eine so lange Schlacht zu versuchen, die öffentliche Meinung in den USA zu gewinnen, Die Marionettenarmee löste sich vielmehr ganz einfach auf. Das Problem ist ein politisches, denn der Auflösungsprozess ist das Resultat desVerfalls des Regimes.

Ein kegıme, das von ınnen her unterminiert ist Heute tritt die Schwäche und die Widersprüchlichkeit der Politik Kissingers aus der Zeit der Unterzeichnung des Pariser Abkommens offen zutage. Washington hatte es damals eilig ein relatives Desengagement vorzunehmen und gedachte eine "Klassische' neokolonialistische Politik weiterzuführen, aber es war gezwungen, dies zu tun, nachdem es das Scheitern seiner vorhergehender Strategie der militärischen Eskalation hatte zugeben müssen. Dieses Eingeständnis führte zu einer wirklichen Verschlechterung des Kräfteverhältnisses in Indochina; zur leichen Zeit mußte Washington versuchen, die künstiche wirtschaftliche und soziale Basis des Marionettenregimes rasch umzuwandeln und mithilfe von ausländischen Kapitalinvestitionen eine beschleunigte Indusdung der oZeangs Pbanisider " und- "Vietnamisierung" , die Stärke des gegen die indochinesischen Völker eingesetzten Militarapparates, sowie der Umfang der Mittel, mit denen das Marionettenregime und sein Militär-und Poli- Sieg vollenden konnte, bevor nicht zuvor die des Thieu-Regime darstellt, der US-Intervention, von innen her unterminiert worden ist. Die Situation der strategischen Schwäche, in die der amerikanische Imperi-

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alismus durch den Kampf der indochinesischen Völker gebracht wurde. die inneren Widersprüche des Saigoner Regimes, die Stärkung der befreiten Gebiete, ermöglicht durch das Ende der Bombardierungen, kombiniert mit den internationalen Schwierigkeiten Washingtons, versetzte die vietnamesischen, kambodschanischen und laotischer evolution are in eine günstige Position, dies erfolg• reich zu tun. Dies war der allgemeine Rahmen, wie er sich nach der Unterzeichnung des Pariser Abkommens vom 27. Januar 1973 ergab.

Zwei Jahre benötigte der damals in Gang gesetzte Prozess für seine Reifung. In Wirklichkeit war es ein kombinierter rozess: ein militärischer Prozess von wohl abgestimmter Antworten auf Ubergriffe der Saigoner Armee kombinier mit der "Verbrüderungs"-Politik der PRR; ein politischer Prozess als Antwort auf die Kriegspolitik Thieus: Anprangerung der Repression und Kampf für demokratische Rechte; ein wirtschaftlicher Prozess, in dem man der Wiederaufbau in den befreiten Gebieten gegenüberstellte dem Ausbruch einer sehr ernsthaften Krise und Rezession in den vom Saigoner Regime gehaltenen Städten; ein sozialer Prozess auf der Ebene des Neuaufbaus der Arbeiterbewegung und des Kampfes für wirtschaftliche Forderungee von Seiten vieler Sektoren der Bevölkerung. Wäh- ... und die Flucht der Marionette Lon Nol rend dieser zwei Jahre zeigte sich Thieu unfähig, den von ihm geführten Krieg zu gewinnen. die wirtschaftliche und soziale Krise zu meister, sich weiterhin die US-Hilfe zu sichern, um dadurch der Stärkung der Opposition, die er brutal unterdrückte, zuvorzukommen. Sein Regime verlor die Glaubwürdigkeit in den Augen der Massen und in den Augen seiner eigenen Armee.

Die Krisę des Regimes bereitete die Auflösungserscheinungen innerhalb der Armee vor. Diese Wende hatte Auswirkungen auf die Situation in Saigon. So große, das die politische Figur, die der Eckstein des Regimes, auf das sich Washington stutzte, war, Thieu, diese Position nicht länger einnehmen kann. Thieu mag sein Gepäck vorsichtshalber schon gepackt haben, um Lon Nol ins Exil zu folgen. Der Kampf für die Bildung iner neuen Regierung hat bereits begonnen. Die Rechte versucht eine Alternative zu lancieren, die erlauben würde, zumindestens ein Minimum an Kontrolle über die Situation in Saigon aufrechtzuerhalten, General Nguyen Cao Ky hat ein "Komitee des Nationalen Heils" gegründet. Ky war der starke Mann der Amerikaner von 1965 bis 1967; dann wurde er Thieus Vizepräsident und verschwand erst 1971 von der politischen Szene. Er ist bekannt als notorischer Antikommunist, Er versucht mit einigen Generalen zusammenzuarbeiten, mit einem früheren Außenminister (Tran Van Do), einem ehemaligen Botschafter in Washington (Bui Diem), dem Führer der Marionettengewerkschatten (Tran Quoc Buu), sowie Pater Tran Huu Than, ein Mitglied der antikonmunistischen katholischen Hierarchie und Sprecher der Bewegung gegen die Korruption, Washington wird wahrscheinlich die Absetzung Thieus akzeptieren, was noch im September/Oktober abgelehnt worden war -- trotz der Alarmrufe von Seiten der rechten Opposition, Heute fordern die Generäle, der Senat und der Erzbischof von Saigon den Rücktritt des Marionettenpräsidenten.

Aber die Chancen für ein "Thieu-Regime ohne Thieu" sind augenblicklich ziemlich sehr schlecht. Die wirtschaftliche Rezession in Saigon ist sehr tiefgehend, Panik beginnt die bürgerlichen Kreise zu packen, die damit beginnen, das Land zu verlassen. Das militärische Kommando ist vollkommen desorganisiert und die Truppen sind wahrscheinlich demoralisiert. Die religiose Opposition folgt nicht der rechten Opposition; im Gegenteil, sie wendet sich der PRR 2u. Die Cao Dai-Hierarchie, deren "geistige Hauptstadt" Tay Ninh ist das von den Befreiungsstreitkräften umzingelt ist) hat ihren Gläubigen geraten, im Kampf neutral zu bleiben und dort zu bleiben, wo sie sind, und nicht nach Saigon zu fliehen. Senator Vu Van Mau, ein Führer der buddhistischen Organisation der "Kräfte der Nationalen Versönnung (die mit der An Quang- Pagode verbunden ist) hat die Erklarung abgegeben, daß es ihren Kräften erlaubt sei, neu befreiten Gebieten ihr Komitee aktiv weiterzuführen. Frau Ngo Ba Than, eine Führerin der zur de Aterendung der pariser Vertrage guns zur "Dritten Kraft" früher unter Hausarrest gestellt war, gab zu verset die Angelesenet oi tren er e daß sie nicht die Absicht hat, an einer heißt der Saigoner Kraft. SchlieBlich nimmt General Minh, eine von den amerikanischen Liberalen am meisten hochgespielten Personlichkeiten, der versuchen könnte, eine bona- ›artistische Rolle zwischen den verschiedenen Fraktionen der Opposition einzunehmen, eine abwartende Haltung ein und scheint noch nicht zu wissen, auf welchen Wagen er auspringen soll, Aus alledem geht hervor, daß das spezifische Gewicht der PRR in

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Süd-Vietnam plötzlich stark angewachsen ist. Die PRR hat selbst erklärt, daß sie bereit ist zu Verhandlungen, aber erst nach dem Sturz des gegenwärch eine Verwal- und nach seiner Ersetzung durch einc tung, die die Pariser Verträge wirklich einhalten will, Gleichzeitig setzt die PRR ihre kraftvolle Offensive fort, was heute die Mögucnkeit cronnet, daß die befreiten Gebiete bald die Hälfte (oder mehr) der Bevölkerung beherbergen.

Und die Flüchtlinge?

Wird diese Analyse widerlegt von der Flucht der Flüchtlinge und den Szenen der Panik, die von Fernsehteams gefilmt wurden? Nicht im geringsten. Der wirkliche Charakter der Flucht muß verstanden werden.

Die "International Harald Tribune" vom 27, März, die auf Interviews basiert, die von Reportern der "New York Times" gemacht wurden, ibt einem ihrer Artikel die Uberschrift "Grunc ür Exodus der Flüchtlinge ist Panik, nicht Politik" Der Artikel betonte, daß"Korrespondenten der New York Times in den letzten Wochen hunderte von Flüchtlingen aus den verschiedensten Teilen des Landes interviewt haben". Auf die Frage "Warum bist du geflohen?" antworteten die meisten: "Weil alle flohen". "Niemand antwortete, daß er deswegen geflohen ist, weil er den Kommunismus haßte oder weil er Angst vor ihm hatte. Viele hatten Angst, daß sie dem Tod und der Vernichtung ausgesetzt würden, wenn sie blieben... die Furch vor dem Unbekannten scheint sogar noch ürdie Mittelenen, ir die diele che , Für die Reichen die Geschäftsleute, gab es einen besonderen Grund für die Flucht... Die Amerikaner und ihre Marionettenwaren in vielen Städten in der Lage, eine kollektive Panik zu erzeugen. Und Panik wurde sicher geschaffen: durch die Verwandlung jeder neu befreiten Zone oder Ortschaft in eine "free fire"- Zone in den letzten Jahren, durch Kriegspsychose, durch direkte Panikerzeugung. In Pleiku erzeugten ron der Armee organisierte Lautsprecherwageneine Panik, indem sie durch die Stadt fuhren und "Flicht, Flieht!" durchgaben, obwohl es zu dieser Zeit überhaupt keine Kämpfe in der Nähe der Stadt gab.

In Hué drangen die Soldaten Thieus in jedes Haus ein, das Gewehr in der Hand, und zwangen die Zivilisten zur Evakuation, Anderswo sagten die Soldafeten. Ein Bewohner von Hue, der dort Siche ten: "Die Bomben und Granaten werden euch erzählte dies der FNL-Nachrichtenagentur. die Pariser Tageszeitung "Liberation" vom 2.4. 75) In Nha Trang, berichtete AFP, suchten die Bewoh- ner während der Besekzung der Stadt auf einer nahegelegenen unbewohnten Insel Zuflucht, Sie hatten Angst vor den Raketen. Andere flohen vor den plinderden und mordenden Banden der Marionettensoldaten, Darüberhinaus ging die Vergiftungskampagne weiter: "Die Kommunisten werden die Hände aller jungen Mädchen durchbohren. Die Panik und der Exodus sind das Endprodukt der Politik der amerikanischen Imperialisten der "Zwangsurbanisierung". • Aber wenn es ihnen auch gelungen ist, eine Panik auszulösen, so haben sie doch dadurch nicht eine breite und volkstümliche soziale Basis für ihr System in Indochina geschaffen. Und da diejenigen die im Rahmen der kollektiven Panik fliehen, nicht unbedingt nur diejenigen sind, die Repressalien befürchten, weil sie kollaboriert, gefoltert, Amerikaner und ihrer Marionetten profitier emordet und von der Anwesenheit de haben, darf andererseits auch nicht vergessen werden, daß die meisten Bewohner dieser Gebiete an Ort und Stelle blieben, oder bereits zurückgekehrt sind oder dabei sind, zurückzukehren. Man darf auch nicht vergessen, daß die Befreiung der Städte ermöglicht wurde durch die kombinierte Aktion der Befreiungsstreitkräfte und der organisierten arbeitenden Bevölkerung, Dies war vor allem auch der Grund, warum Hué und Da Nang und Nha Trang kampflos gefallen sind, Wenn man einmal vom massiven Auflösungsprozess der Marionettenarmee absieht. Wenn dies nicht der Fall wäre, wie will man dann erklären, daß unmittelbar nach der Ankunft der FNL in den Städten überall die Fahnen der PRR wehten? In der Ausgabe von "Le Monde" vom 4. April schrieb Jean Thoraval, auf der Basis von Informationen aus Hanoi, daß "gegenüber den südvietnamesischen Massen eine intensive psychologische Arbeit entfaltet worden ist, besonders während der letzten beiden Jahre. In vielen Provinzhauptstädten gab es geheime Milizen... die jetzt wahrscheinlich aus dem Untergrund auftauchten, um den Befreiungsstreitkräften zu helfen. " Mehr noch, die Zeitungen in Hanoi berichteten, daß in Da Nang die Arbeiter das Rückrat dieser Milizen gewesen sind. Und schließlich zeigen die Photos aus den kürzlich neu befreiten Gebieten belebte Straßen und keineswegs verlassene und leere Nebenstraßen.

Die Lähmung des US-Imperialismus

Einer der Schlüssel für die amerikanische Politik gegenüber dem Pariser Abkommen war die Errichtung eines Systems der "dreiseitigen friedlichen • Das Scheitern der vorhergehenden Strategie der Eskalation machte die Anerkennung der VR China erforderlich. Die Anerkennung der VR China jedoch wiederum verlangte früher oder später von den USA. die Einschränkung ihrer direkten intervention . Die Unterstützung Pekings von Nixor erlaubte den USA zu hoffen. daß die Isolierung de indochinesischen Revolutionäre diese in ihren Zielen "mäßigen" würde.

Aber die Analyse des regionalen Kräfteverhältnisses zur Zeit der Unterzeichnung des Pariser Abkommens, die Vervielfachung der Schwierigkeiten, mit denen der amerikanische Imperialismus konfrontiert wurde angesichts des Aufschwungs des internationalen Klassenkampfes, und die wirtschaftliche Kiglich, die woruszusagen, daß nichts von alle- die auf die Tagesordnung kam, machte es dem passieren würde.

Und in der Tat trat nichts von alledem ein. Die Dialektik der indochinesischen Revolution wurde erneut bestätigt. Dies wird besonders deutlich anhand der Ereignisse der letzten Monate. Wir haben eine

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kombinierte Offensive in Kambodscha und Vietnam erlebt, eine Offensive, die Anfang Januar ausgelöst wurde, Der drohende Fall von Phnom Penh, der rasch als unvermeidlich angesehen wurde, ottenbarte die Lähmung des US-Imperialismus und wirkte atalysator für die Demoralisierung der Marionettentruppen. In der gleichen Weise wird der Zusammenbruch der Marionettenarmee in Südvietnam dem Lon Nol-Regime den Gnadenstoß geben.

Schon heute reicht das Echo auf den Vormarsch der indochinesischen Revolution weit über die Grenzen der ehemaligen französischen Kolonien hinaus, Dies ist besonders deutlich in Thailand, wo die(rechte) Regierung von Kukrit Pramoj den Abzug der im Lande stationierten US-Truppen fordert und wo aul die vorhergehende pro-amerikanische Militärdiktatur eine Periode der chronischen politischen Instabilität gefolgt ist. Die Niederlage des Imperialismus in Indochina wird den neuen Aufschwung des Klassenkampfes in der ganzen Region beschleunigen.

Indochina hat, zusammen mit dem Arabischen Osten, die neue Schwäche des amerikanischen Imperialismus auf internationaler Ebene aufgedeckt. Die indochinesische Revolution ist höchstwahrscheinlich zur Brücke geworden zwischen der revolutionären Welle, die auf den zweiten Weltkrieg folgte, und der revolutionären Welle des Aufschwungs der Klassenkämpfe von heute. DIE SOZIALIS TISCHE REVOLUTION IN INDOCHINA Im Dezember 1972, nahm das Internationale Exekutivkomitee der IV. Internationale eine Resolution zur Unterzeichnuns , des Pariser Abkommens an (das zu diesem Zeitpunkt noch nicht unterzeichnet war). Nach eine r Analyse der starken und schwachen Punkte der indochinesischen Revolution und des Charakters des Abkommens, zog das IEK die Schlußfolgerung, daß die Unterzeichnung des Abkommens bedeuten würde "einen Abzug der US• Streitkräfte aus Vietnam und die Beendigung der Bombariderung des Nordens und des Südens, was in jedem Fall eine Veränderung des Kräfteverhältnisses zugunsten der vietnamesischen Revolution darstellen würde (...) aber solch ein Abzug allein würde noch nicht den Sieg der permanenten Revolution in Indochina garantieren. Er würde nur bedeuten, daß der Prozess dieser Revolution sich mit einer reduzierten, wenn auch nicht vollkommen ausgeschalteten ausländischen konterrevolutionären Einmischung enfalten könnte. " Die Triebkraft des Kampfes liegt in der Aufrechterhaltung einer "Situation (...) der Doppelherrschaft (...)in Südvietnam (...) aber einer Doppelherrschaft, de noch nicht auf die grossen Städte des Landes ausgedehnt ist. " Auf der Basis dieser Analyse sagte die Resolution die Achsen der kommenden Kämpfe in Vietnam voraus: Vertiefung der Agrarreform, Kampf der ausgebeuteten Massen ur die Verteidigung ihres Lebensstandards, Kamp für die Befreiung der politischen Gefangenen unc die demokratischen Rechte. Und es wurde auch eine Voraussage getroffen über die wahrscheinlichen Resultate dieser Kämpfe: Der " Auflösungsprozess des Militär- und Verwaltungsapparates der Marionetten unter der kombinierten Wirkung des eben beschriebenen Prozesses. " Gleichzeitig wurde betont, daß -auptautgabe in der Beibehaltung und Stärkung der bewaffneten Kräfte des Proletariats und der Bauernschaft liegt.

Mehr als zwei Jahre später kann man sagen, daf die Analyse, die unsere Bewegung von dem Kräfteverhältnis und dem Prozess der zukünftigen Kämpfe gemacht hat, sich bestätigt hat. Dies bedeutet nicht, daß der Sieg der permanenten Revolution in Vietnam und Indochina bereits vollkommen errungen ist. Der Kampf geht weiter, Aber die indochinesische Revolution hat gerade einen großen Schritt nach vorn auf diesem Wege getan.

FÜR DIE SOZIALISTISCHE REVOLUTION IN INDOCHINA 3. April 1975 OAO DE

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