Wir veröffentlichen nachfolgend den Leitartikel aus "Revolucion Permanente", Organ der "Partido Socialista Revolucionario" (chilenische Sektion der IV. Internationale), geschrieben wenige Tage vor dem Staatsstreich. Dieser Artikel zeigt, dass die revolutionäre chilenische Avantgarde sich der unausweichlichen Dynamik der Situation wie auch der Notwendigkeit bewusst war, sich ohne Zögern auf die bewaffnete Konfrontation vorzubereiten. Der noch vorherrschende Einfluss der Reformisten hat jedoch verhindert, dass diese Notwendigkeit von der grossen Mehrheit der Massen verstanden wurde und vor allem dass die notwendigen Massnahmen rechtzeitig getroffen wurden. Das hat das Unternehmen der Putschisten erleichtert und die Aufgabe der heroischen Aktivisten, die jetzt gegen die faschistischen Militärs kämpfen, viel schwieri- Seit dem versuchten Staatsstreich vom vergangenen 29. Juni hat der revolutionäre Aufschwung der Arbeiterbewegung, was das politische Klassenbewusstsein betrifft, einen wichtigen Schritt nach vorne getan. Dieser Fortschritt kommt nicht nur in der Besetzung von mehr als 500 Fabriken in Santiago und mindestens ebensovielen im Rest des Landes zum Ausdruck, sondern vor allem in der BEWAFFNUNG DES PROLETA- RIATS in sämtlichen Vorhutsektoren der Arbeiterklasse.
Die Ansätze einer Arbeiter- und Volksmacht, die vor allem in den Industriegürteln bestehen, haben sich derart verstärkt, dass in zahlreichen Betrieben eine Doppelherrschaft zwischen der Bourgeoisie und der Arbeiterklasse besteht. Mehr noch, auch in den verstaatlichten Betrieben ist zwischen der Arbeiterklasse und dem bürgerlichen Staatsapparat, der von den staatlich ernannten Verwaltern vertreten wird, eine Doppelherrschaft entstanden. Die Arbeiter, die die Betriebe im Juli und August besetzt hielten, haben nicht nur den Unternehmern der Privatbetriebe die Macht entrissen, sondern auch in verschiedenen Industrien des staatlichen Sektors die bürokratischen Verwalter gestürzt. Es gilt nun, dafür zu kämpfen, dass diese Doppelberrschaft auf politischer Ebene zum Ausdruck kommt, um so den Kampf für die endgültige Machteroberung aufnehmen zu können. Die wirksamste Form, um die Bourgeoisie zu stürzen und um über den Reformismus hinauszugehen, besteht darin, dass das Proletariat zur Offensive übergeht und damit die Arbeiter- und Volksmacht stärkt. Wir rufen auf zum Kampf für "Alle lokale Macht den Industriegürteln und Gemeindekommandos", deren Aufgabe es ist, die Lastwagen zu konfiszieren, die Faschisten zu bestrafen, Volksgerichte zu schaffen, die Versorgung mit den JAP (Komitee für Versorgung und Preise) sicherzustellen und die Fragen der Gesundheitspflege zusammen mit den FENATS-Arbeitern und den Aerzten der Linken zu lösen.
Die Ansätze von Doppelherrschaft auf lokaler Ebene müssen dringend koordiniert werden; zu diesem Zweck sollte so bald wie möglich die Volksversammlung einberufen werden, an welcher nicht nur diskutiert wird, sondern die sich für die politische Machtübernahme vorbereiten muss. Schlussendlich muss deutlich festgehalten werden, dass der Kampf nicht nur gegen die Faschisten geführt werden muss, sondern dass es in erster Linie gilt, gegenüber der kapitulierenden Regierung zu einer Machtalternative zu werden. Es muss eine klare Machtstrategie definiert werden, wobei man sich nicht in zweitrangigen konjunkturellen Fragen verlieren soll, was gewisse Organisationen der revolutionären Linken zu blossen Instrumenten absinken liess, die auf die traditionelle Linke Druck ausüben. 14-
Die Arbeiter können nicht auf ziellosen Seitenpfaden dergangs eintritt, die auf eine massive Repression der weitergehen, auf die sie die Kapitulationen der Refor- Streitkräfte folgen kann, sondern in einer Periode des misten geführt haben. Es kann nicht weiterhin aus der revolutionären Aufschwungs der Massen, wie dies heute Defensive leraus vorgegangen und darauf gewartet wer- der Fall ist. Die Gefahren foquistischer oder militaden, bis die Bourgeoisie Allende zum Rücktritt zwingt ristischer Abweichungen werden nicht nur deshalb oder bis die Militärs sich zum Staatsstreich entschlies- vermieden, weil die Organisationen der revolutionäsen. Man muss nicht nur für einen eventuellen Staats- ren Linken die von den südamerikanischen Guerillastreich gewappnet sein, sondern man muss sich für gruppen begangenen Fehler verstanden haben, sondern den Kampf um die Machteroberung orginisieren. Das auch wegen des massiven Charakters, den der bewaffne- Proletariat und die Organisationen der revolutionären te Kampf in Chile mit dem Eintritt Tausender proleta- Linken, der revolutionären Teile des MAPU (Tendenz rischer Männer und Frauen in die Revolution äre Volks- Carreton-Aquevedo) und der SP müssen die politische armee annehmen. Die entschlossene Haltung des Pro- Initiative ergreifen, indem sie mit der revolutionären letariats w ird in der gegenwärtigen Krise innerhalb Einheit die fehlende revolutionäre Führung wettma- der Streitkräfte eine auslösende Rolle spielen und chen, um eine Machtstraterie zu definieren und sich diese Krise beschleunigen sowie die Soldaten dazu ernsthaft auf den bewaffneten Kampf um die Eroberung veranlassen, sich der Sache des Sozialismus anzuder politischen Arbeitermacht vorzubereiten. schliessen. Der bewaffnete Kampf muss nicht dann aufgenommen VORWAERTS PROLETARIER: ZUM ANGRIFF : werden, wenn das Froletariat in eine Periode des Nie- BEZUG:
IS P- VERLAG Nr. 2 1 BERLIN (W)
die POSTFACH 100 349 BANK F. GEMEINWIRT- SCHAFT NR. 100 60 70 700 ABO: 4 NUMMERN 5 Mark
PRO JAHR 18 DM unternationale ERSCHENT DEMNACUSE •DISKUSSION ÜBER MANDELS »SPÄTKAPITALISMUS« (I. TEIL)
•DOSSIER CHILE •EXLUSIVINTERVIEW DER MIR
FÜR »ROUGE« Die Führer der MIR sprechen aus dem Untergrund, Erstes Interview der MIR nach dem Putsch, WAS ICH IN SANTIAGO
LIGUE COMMUNISTE WAR, BEVOR DIESE AM 28. JUNI 1973 AUFGELÖST WURDE, HAT DIE LETZTEN MONATE IN CHILE VERBRACHT. SIE HAT DEN MILITÄRPUTSCH MITERLEBT, SIE HAT CHILE ERST NACH DEM 24. SEPTEMBER VERLASSEN UND WAR IN DER ZWISCHENZEIT IN ENGEM KONTAKT ZU DEN MILITANTE DER VERSCHIEDENEN REVOLUTIONÄREN GRUPPEN GEBLIEBEN.
INTERVIEW MIT H. BLANCO
Augenzeugenbericht über die Repression in Chile -DIE LINKE ZIEHT BILANZ sion, die im Eine Diskus- Jahre 1972 im chilenischen Fernsehen zwischen Vertretern der MIR, der KP, der SP und der MAPU geführt worden ist. WELTERER INHALT --ein längerer ökonomischer Artikel zu Chile von Marini --US-Imperialismus + Chile. Der weltweite Kampf um die Rohstoff quellen. --mehrere Rezensionen von Büchern über Chile
DIE PORTUGIE- SISCHE KOLO- NIALPOLITIK
Die im letzten Juli gemachten Enthüllungen über die von der portugiesischen Armee in Moçambique begangenen Massaker haben an die Existenz eines der gewalttätigsten Kolonial kriege erinnert, der sich seit Anfang der 60er Jahre in den portugiesischen Ueberseeprovinzen abspielt: in Angola, Moçambique, Guinea Bissao und auf den Kapverdischen Inseln. Portugal, das vor fünf Jahrhunderten als erste europäische Macht im Süden des afrikanischen Kontinents Fuss fasste, setzt seinen Stolz darin, auch die Macht zu sein, die die direkte Präsenz des christlichen Abendlandes auf diesem Kontinent bis zuletzt aufrechterhält, während die andern Mächte ihre neokolonialen Lösungen festigen.
Das portugiesische «Reich»
In den vier Jahrhunderten, die auf die Entdeckung von Guinea Bissao, Angola und Moçambique (von 1448 bis 1498) folgten, beschränkte Portugal sich darauf, an den Küsten dieser Länder einige Niederlassungen zu unterhalten, Stationen auf der neuen Indienroute.
Erst am Ende des letzten Jahrhunderts, nachdem die grossen Kolonialmächte Afrika auf der Karte unter sich verteilt hatten, trieb Portugal die Kolonialisierung rasch voran und wandte dabei terroristische Gewalt an, um sich den Boden und die Reichtümer dieser Länder anzueignen und die afrikanische Bevölkerung in die Sklaverei zu zwingen, obwohl diese auf dem Papier abgeschafft worden war. Die Philosophie der portugiesischen Kolonialpolitik ist treffend zusammengefasst in der folgenden Erklärung von Antonio Enes, des wichtigsten "Pazifikators" von Moçambique:
"Wenn wir nicht lernen, den Neger zur Arbeit apzuhal ten, und von seiner Arbeit nicht zu profitieren wissen, werden wir innert kurzem gezwungen sein, Afrika jemandem zu überlassen, der weniger empfindsam und utilitaristischer ist als wir."
Der portugiesische Kolonialismus war zunächst kein Besiedlungskolonialismus. Portugal sandte uber die Vertreter der grossen Ausbeuterniederlassungen und das Kaderpersonal der Kolonialhierarchie und der Streitkräfte Finaus keine "kleinen Weissen", die in Afrika ein besseres Los gefunden hätten als im Stammland und dem Kolonialregime eine gewisse soziale Basis hätten geben können. Das Zahlenverhältnis von Kolonisten und Eingeborenen entwickelte sich folgendermassen:
-46- MOCAMBIQUE ANGOLA (in %)
Jahr Weisse Eingeborene* Weisse Eingeborene 1950 0,84 99,16 1,9 98,1 1960 1,50 98,50 3,5 96,50 1970 3 97 6 94 * diese Zahlen enthalten einen Anteil von 0,5 bis 1,5% Mulatten und Asiaten (Quelle: UNO-Statistik) (Zum Vergleich kann man anführen, dass Algerien zur Zeit der französischen Herrschaft 1 Million weisse Kolonisten auf zehn Millionen Algerier zählte, also 10 % Kolonisten.) Diese numerische Schwäche der portugiesischen Kolonisten führt für die afrikanischen Kolonien Lissabons zu drei Konsequenzen. Einmal konnte sich die portugiesische Herrschaft nur durch eine extreme Zwangspolitik, durch einen institutionalisierten Terror gegen die afrikanische Bevölkerung aufrechterhalten. Eine Zwangspolitik, die vom Regime der Zwangsarbeit bis zu den wiederholten Massakern an der Bevölkerung reichte, wobei dasjenige von Mukumbura im Juli 73 nur datummässig das letzte, aber bestimmt nicht das schrecklichste ist (1). Sodann blockierte die portugiesische Herrschaft jede eigene Entwicklung der Kolonien sowohl vom industriellen Standpunkt als auch vom Standpunkt der sozialen Infrastruktur. Was die wirtschaftliche Entwicklung betrifft, wurde sie - wie wir welter unten sehen werden - praktisch nur unter Berücksichtigung der strikten Interessen der Metropole konzipiert und zum Schaden und gegen die unmittelbaren und längerfristigen Bedürfnisse der eingeborenen Bevölkerung durchgeführt. Die soziale Infrastruktur ihrerseits (öffentliche Dienste, Spitäler, Schulen, Transporte, etc) entwickelte sich nur nach den Bedürfnissen der winzigen Schicht weisser Kolonisten. In Angola zum Beispiel kam 1967 ein Arzt auf 18'100 Afrikaner und in Moçambique 1963 ein Arzt auf 15'400 Afrikaner. Das Unterrichtswesen wurde von Anfang an der Kirche übertragen und das Ergebnis ist vielsagend: in Moçambique konnte nur ein Prozent der Afrikaner die Mittelschulstufe erreichen, und die afrikanische Bevölkerung zählt 95 - 98 % Analphabeten. Kardinal Cerejeira, der Verantwortliche für diese Politik, schrieb 1960: "....Schulen sind nötig, gewiss, aber Schulen, wo wir den Eingeborenen den Weg der menschlichen Würde und die Grösse der sie beschützenden Nation lehren, "
Die afrikanische Bevölkerung musste die von der FRELIMO in Moçambique, der MPLA in Angola und der PAIGC in Guinea Bissao eingerichteten Schulen in den befreiten Gebieten abwarten, um sich Kenntnisse anzueignen und sie als Waffe gegen die "sie beschützende Nation" zu gebrauchen.
Schliesslich verhinderte diese Politik der Nichtentwicklung der Kolonien den Differenzierungsprozess der sozialen Schichten innerhalb der afrikanischen Gesellschaft. Es fielen keine Brosamen für eine schwarze Kleinbourgeoisie ab, die dadurch an der Erhaltung der kolonialen Herrschaft kollaboriert hätte, und die gleiche soziale Strukturierung blieb bis Anfang der 60er Jahre bestehen und hat sich seither nicht stark verändert:
- 2,5 % Weisse, Asiaten und Mulatten und einige "verwestlichte" Afrikaner, die in den städtischen Gebieten konzentriert und in den Diensten des Kolonialsystems und der öffentlichen Dienste beschäftigt sind. - 3,5 % Afrikaner, die sich um die wichtigsten Zentren gruppieren und das Lohnproletariat darstellen. - 94,5 % afrikanische Bauern, verteilt auf die Stammesgebiete.
Es ist klar, dass diese Strukturierung sich in der Hierarchie der Löhne niederschlägt. Hier neuere Zahlen über die Löhne in der Landwirtschaft und in der Industrie in Moçambique; sie sprechen für sich selbst:
-47die Nr. 1 Jul 73 Internationale
WESTEUROPA
Aufbau revolutionärer Parteien
Entwicklung der Sozialdemokratie
BRD
Okonomie 1945-1970 Klassenkämpfe 1969-1973 192 S. OM 5.- 1 Berlie
Pontech 100 149 GIM Gruppe Internationale Marxisten
Deutsche Saklian der IV. Internalionale
Arbeiterkategorie Löhne Landwirtschaft (in Escudos pro Jahr)
Weisse 47 723 Mulatten und Asiaten 23269 Afrikaner 1404 Löhne Industrie (in Escudos pro Tag)
nicht qualifizierte Weisse Minimum 100 nicht qualifizierte Mulatten Maximum 70 halbqualifizierte Afrikaner Maximum 30 nicht qualifizierte AfrikanerMaximum 5 (Quelle: MONDLANE, The struggle for Mazambique, Penguin 1969) So sieht keine Schicht der afrikanischen Gesellschaft in den portugiesischen Kolonien ihre Interessen durch die Erhaltung der imperialistischen Herrschaft Lissabons verteidigt und es gibt daher keine soziale Basis für eine "klassische" neokoloniale Lösung des Typs wie sie in den französischen Ex-Kolonien von Schwarzafrika erricitet wurden.• Die «Reformen» von Salazar
Zweimal nach dem zweiten Weltkrieg nahm das Regime Salazar gewisse "Reformen" vor, die oft rein auf dem Papier blieben. Zu Beginn der 50er Jahre versuchte Portugal in die UNO zu gelangen, aber Widerstände drohten aufzutauchen, sobald eine "Untersuchung" über die portugiesischen Afrikagebiete ohne eigene rerierung eingeleitet würde. 1951 wurden daher die portugiesischen Kolonien als "Ueberseeprovinzen" proklamiert, die integraler Bestandteil Portugals seien. Die "wichtigste" Reform war dabei der Entschluss Salazars, jede finanzielle Beteiligung Portugals an der "Entwicklung" der Kolonien aufzuheben, diese sollten für ihre Bedürfnisse aus den lokalen Ressourcen aufkommen! Die Kolonien mussten in der Folge bei der Entwicklung des Kriegs gegen die Befreiungsbewegungen die portugiesischen Streitkräfte finanziell unterstützen, und die lokalen Ressourcen wurden also nicht für die Entwicklung der Kolonien eingesetzt. So nahmen die Kriegsausgaben von Moçambique 1967 um 20 % zu, während die Ausgaben für landwirtschaftliche Unterstützung um 30 % und die für öffentliche Arbeiten um 50 % zurückgingen.
Erst nach der Revolte von Luanda 1961 in Angola, die ein riesiges Echo fand, realisierte Portugal die Schwäche der sozialen und politischen Basis seiner Herrschaft und wurde dazu geführt, deren Struktur leicht zu ändern. So wird 1961 das "Eingeborenenstatut", das es bis zu dieser Zeit gab, abgeschafft. Alle Eingeborenen der Kolonien . werden "Portugiesen", was nichts an ihrer Lage indert und ihnen keinerlei Rechte verschafft. 1963 wird dann das "Neue organische Uebersee-Gesetz" angenommen. Dieses bildet ein Gemeindesystem auf der Grundlage eines äusserst eingeschränkten Wahlrechts (nicht einmal alle weissen Kolonisten haben das Wahlrecht! ) und räumt eine "Vertretung" der Ueberseeprovinzen in der Kammer von Lissabon ein, aber nicht für die Schwarzen. Um diese Reform ganz des Sinns zu e Iorea, gibt sich Lissabon zudem das Recht, alle Ens-cizide der neuen "ok:len Behörden" zu annullieren, wenn sie als "illegal oder cien nationalen Interessen entgegengesetzt" befunden werden. Sodann ging Lissabon daran, seine Kolonien mit Weissen "zu besiedeln", um einen Puffer zwischen die koloniale Hierarchie und die afrikanische Bevölkerung zu schieben. In Lissabon war sogar die Rede davon, eine Million Weisse nach Moçambique zu senden - eine Anzahl, die das kleine Portugal nicht liefern konnte, was heisst, dass die westlichen Länder an dieser Operation teilnehmeo -43sollten. Diese Perspektive muss in den Rahmen der längerfristigen Politik Portugals in seinen Kolonien hineinversetzt werden. Wenn Portugal eine neokoloniale Lösung verwirft, ist das nicht bloss dem ultrareaktionären Charakter seiner herrschenden Klasse zuzuschreiben, sondern auch - und vielleicht vor allem - dem Umstand, dass es die Mittel dazu nicht besitzt. Eine neokapitalistische Lösung würde natürlich die interkapitalistische Konkurrenz viel direkter und massiver zum Zuge kommen lassen und würde vom Standpunkt der kapitalistischen Interessen der portugiesischen Bourgeoisie aus bedingen, dass diese über einen sehr konkurrenzfähigen Produktionsapparat verfügt, was bei weitem nicht zutrifft. Das würde andererseits bedingen, dass das Regime in Lissabon eine afrikanische Regierungsequipe in ihrem Sold einsetzen könnte, die sich auf eine soziale Schicht stützt, die ihre Interessen an die neokoloniale Politik der ehemaligen Metropole bindet. Da der portugiesische Kolonialismus die Bildung einer solchen sozialen Schicht verhindert hatte, bleibt für Lissabon deshalb die Perspektive, seine Kolonien mit weissen Emigranten "zu besiedeln" und diese Kolonisten durch eine gewisse Entwicklung der Wirtschaft der Ueberseeländer zu stabilisieren.
So kommt es 1961 zur "Wende", welche die neue Entwicklung der portugiesischen Kolonien einleitet: die "Oeffnung" der Investitionen für das ausländische Kapital, während diese Kolonien vorher Gegenstand einer extrem protektionistischen Politik gewesen waren. Diese Entscheidung wurde durch die Entwicklung der nationalen Befreiungskämpfe beschleunigt und steht im Rahmen einer neuen Verteilung der Karten zwischen den kapitalistischen Kräften im südlichen Afrika.
Unter Zurückweisung jeglichen "Druckes" durch die national istischen Bewegungen warf sich Lissabon gleichzeitig in einen Kolonialkrieg, der eine weit über seinen Mitteln liegende Armee verlangte. Bald sind 43 %, dann 50 % des nationalen Budgets in der Verteidigung investiert, ohne dass deswegen ein militärischer Erfolg gesichert wäre. Für Portugal ging es darum, sich der militärischen Unterstützung der NATO-Staaten und vor allem Sudafrikas zu versichern. Im Austausch dazu war es bereit, einen Tell der Reichtümer seiner Kolonien ausländischen Kapitalisten zu überlassen. Bevor wir uns die gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Folgen dieser "Wende" ansehen, ist es wichtig zu verstehen, welche Rolle die afrikanischen Kolonien für Lissabon spielen. Buchversand 2 Nambum 13 undor Tel, 44 40 03 Außer der Buchliste werden die MANIFEST. na treter Oraine MITTEILUNGEN, die uber die Sottimente Декламине informieren, kottentos versandt. «U internallonnie Buchtste anfordern!
Wirtschaftliche Bedeutung der Kolonien für die Metropole
Die wirtschaftliche Ausbeutung "seiner" Ueberseeländer hat cine enorme direkte Bedeutung für die Entwicklung in Portugal selbst. Sowohl die landwirtschaftlichen Ressourcen wie auch die Bodenschätze Portugals sind äusserst begrenzt. Dieses sehr gebirgige Land verfügt über wenig Boden, und dennoch sind 50 % der Bevölkerung Bauern; das Nationaleinkommen pro Kopf der Bevölkerung ist das niedrigste Europas. Zudem verfügt Portugal über wenig einheimisches Kapital, und die existierenden Industrien werden vom ausländischen Kapital kontrolliert, vor allem englischem, aber seit einigen Jahren auch französischem und deutschem Kapital. Das Regime Salazars versuchte darum, mit den afrikanischen Kolonien die natürliche Armut Portugals wettzumachen, natürlich zum Nutzen der Bourgeoisie dieses Landes.
Bis zu Beginn der 60er Jahre liefern die Kolonien hauptsächlich agrarische Rohstoffe und Edelsteine, da die Metropole nicht in der systematischen Suche nach Bodenschätzen investiert, die im Untergrund "seiner" Kolonien reichlich vorhanden sind. So liefert Angola hauptsächlich Kaffee, Mais, Sisal, Baumwolle und Diamanten; Moçambique liefert Baumwolle, Zucker, Nüsse; Guinea Bissao und die Kapverdischen Inseln Erdnüsse und Fisch. Die kolonialen Gesetzte fordern, dass die Ueberseeländer vor allem nach Portugal exportieren, ausgerichtet auf seine Bedürfnisse und zu Preisen, die von der Regierung in Lissabon festgesetzt werden. So gehen 1964 34, 3 % der Exporte aus Angola und 35,6 % der Exporte aus Moçambique nach Portugal.
Anhand des Beispiels des Zwangsanbaus von Baumwolle in Moçambique werden die Vorteile ersichtlich, welche die Metropole an sich reisst, und die katastrophalen Folgen für die eingeborene Bevölkerung. Dieses Regime des "Zwangsanbaus" wird in Angola für Baumwolle und Kaffee und in Guinea Bissao und auf den Kapverdischen Inseln für Erdnüsse angewendet.
Der Zwangsanbau:
Das Beispiel von Moçambique
Bis zum ersten Weltkrieg bezog Portugal die Baumwolle aus Brasilien und den Vereinigten Staaten. Aber nach dem Krieg stiegen der Verbrauch und die Weltmarktpreise der Baumwolle und deren Import lastete schwer auf dem Defizit der portugiesischen Zahlungsbilanz. 1925 benötigte Portugal 17'000 Tonnen Baumwolle, wovon nur 800 t aus Angola und Moçambique stammten. 1926 erklärte das Regime von Lissabon daher den Anbau für die afrikanischen Bevölkerungen obligatorisch. Dieser Anbau ging auf Kosten der Kultur von Nährpflanzen und musste vom Kolonialregime mit Gewalt durchgesetzt werden. 1936 betrug die Baumwollproduktion in Moçambique 4000 t, 1938 bereits 20'000 t, 1941 volle 41'000 t und 1953 überstieg sie den Eigenbedarf Portugals, das den Ueberschuss exportierte.
Dieser Zwangsanbau führte systematisch zu Hungersnöten, da eine strenge Kontrolle die afrikanischen Bauern daran hinderte, andere Kulturen anzubauen. Zudem erschöpfte diese Intensivkultur den Boden, den man nach zwei Jahren ausruhen lassen musste, wobei die Bauern in andere Gebiete verschoben wurden. Die Produzenten dürfen die Baumwolle nur lizenzierten Aufkäufern verkaufen, wobei Lissabon den Markt kontrolliert und die Preise festsetzt. So bezahlte Portugal 1955 pro Kilogramm Baumwolle 14,08 Escudos, während der Weltmarktpreis 27, 12 Escudos betrug!
Diese Zwangsproduktion der Baumwolle ermöglichte die Entwicklung der Textilindustrie in der Metropole, während deren Entwicklung in den Kolonien verboten wurde, um diese als Markt für Lissabon zu erhalten. Aehnliches gilt für die Verarbeitung anderer Rohstoffe der Kolonien und wenn auch in den letzten zehn Jahren gewisse Industrien zugelassen wurden, so doch stets in einer Art, welche die portugiesischen Industrieprodukte nicht konkurrenzieren konnte. So stammen von den importierten Industrieprodukten in Angola 35,9 % und in Moçambique 31,3 % aus Portugal.
Schliesslich ermöglicht die positive Handelsbilanz der Kolonien, das chronische Handelsbilanz-Defizit Portugals aufzufüllen, wie es die nachstehenden Zahlen zeigen: Handelsbilanz 1964 (in Millionen Escudos) Einfuhr Ausfuhr Saldo
Portugal 22'320 14'831 - 7'489 Angola 4'717 5'868 + 1'150 (Mondlane aaO)
Die Ausfuhr der Arbeitskraft
Einer der wichtigen wirtschaftlichen Vorteile, die Portugal aus seinen Kolonien zieht, ist der Handel mit Arbeitskräften. Man spricht nicht mehr von Sklavenhandel, denn dieses Wort ist durch die "liberale Bourgeoisie 'verurteilt' worden - aber die Wirklichkeit ist kaum anders. Die südafrikanischen Minengesellschaften, die einen sehr grossen Bedarf an Arbeitskräften aufweisen, haben mit der portugiesischen Regierung Verträge abgeschlossen: In der zwischen Südafrika und Moçambique abgeschlossenen "Witwatersrand Native Labor Association-Convention"" verpflichtet sich die portugiesische Regierung, jährlich 80'000 Arbeiter aus Moçambique in die Minen Südafrikas zu schicken. Im Austausch schickt Südafrika 48 % seines Aussenhandels über Hilfen in Moçambique. Vor allem aber erhält die Regierung Portugals pro verschickten Mann 5,33 Dollars und erhält zudem in Goldbarren die Hälfte der Löhne der "exportierten" Einwohner von Moçambique, die sie dann den letzteren nach ihrer Rückkehr ins Land, nämlich nach 18 Monaten in portugiesischen Escudos ausbezahlt! Der jährliche Profit dieser Operation wird auf über 10 Millionen Dollars geschätzt!
Südafrika:
Die Polizeimacht im Süden Afrikas
Um diese Quellen des Reichtums zu erhalten und zu entwickeln, ist Portugal bereit, die Beute mit den andern imperialistischen Mächten zu teilen. Diese haben seit 1961 den lintergrund der portuglesischen Kolonien erforscht und bedeutende Bodenschätze gefunden: Kohle, Bauxit, Flusspat, Erdgas, Erdöl, Gold, Kupfer usw. Nach und nach haben Bergbau und Aufbereitungsindustrien die Landwirtschaft an Bedeutung überholt. Lange wurden diese Gesellschaften durch britisches Kapital dominiert, doch seit einigen Jahren haben amerikanische (Gulf Oil, Pan American International Oll Corporation), französische, japanische, belgische, schwedische, schweizerische (Brown Boveri u.a. ) Kapitalien die Oberhand gewonnen. Den Löwenantell aber hat Südafrika an sich gerissen. 49-
In der Tat hat Südafrika in dieser F.xion sehr grosse Wirtschaftsinteressen zu vert te es auch mit Portugal den Willen teilt, die kapitalistische Herrschaft im südlichen Afrika zu stabilisieren - auch wenn es dafür nicht immer die gleichen Mittel propagiert. In erster Linie benötigt die sehr entwickelte Industrie Südafrikas immer mehr elektrische Energie, die sie in den grossen Strömen Moçambiques sucht, so im Bau des Staudamms von Cabora Bassa am Sambesi. Im weiteren bieten die portugiesischen Kolonien Südafrika sowohl einen Markt für seine Industrieprodukte wie auch für seine Kapitalien. Südafrika setzt sich daher voll in diesen Gebieten ein. Der portugiesische Minister für die Uebersee-Provinzen, Silva Cunha, zeigt denn auch klar das Ziel der engen Zusammenarbeit (hier bezogen auf die Verträge zum Bau von Cabora Bassa) auf:
"... So ist einmal mehr die tiefe Uebereinstimmung in Bezug auf die Interessen aller Länder Zentralafrikas aufgezeigt worden, dieser letzten Bastion westlicher Zivilisation auf einem durch Unruhen und Tragödien verheerten Kontinent" (Zitiert in "Der Europäer" . westdeutsche Wirtschaftsrevue).
Was Rhodesien betrifft, so verteidigt es ebenfalls die politische und wirtschaftliche Stabilität im Südosten Afrikas; darüber hinaus ist es der Hauptlieferant der Rohstoffe und Baumaterialien für den Staudamm von Cabora Bassa und wird von der dort produzierten Elektrizität Nutzen ziehen. Eine Liste aller europäischen und nordamerikanischen Firmen, die sich auf dieses neue Ausbeutungsfeld gestürzt haben, würde zu lange werden. Das Beispiel von Cabora Bassa (siehe Kasten) zeigt das Ausmass des Phänomens. Um ein zusätzliches Bild zu geben, sei hier die prozentuale Entwicklung der Investitionen und der repatriierten Gewinne in den Regionen der 'Dritten Welt' erwähnt: Kontinent Wachstum der Investi- dito repatriierte tionen 1960 - 1968 Gewinne
Latein- 30 % 70 % amerika Afrika 300 % 400 % Asien 100 % 50 % (Zitiert in "Sous le drapeau du socialisme" Paris) So haben sich die sogenannten Vertreter des zivilisierten Westens wie Aasgeier auf die im Südlichen Afrika vorhandene Beute gestürzt. Als Gegenleistung liefern sie Portugal die zur mörderischen Bekämpfung der nationalen Befreiungsbewegungen 'nötigen' Waffen. Südafrika hat 8ogar mehrere Bataillone Truppen zum Schutz der Bauarbeiten von Cabora Bassa in Moçambique und von Cunene in Angola gesandt.
Der Wettlauf nach Profiten erzeugt naturgemäss gewisse Spannungen und Widersprüche zwischen den teilnehmenden kapitalistischen Mächten und auch innerhalb der portugiesischen Bourgeoisie selbst. In der Tat hegt Sudafrika langfristige Projekte für diesen Teil des Kontinents. Sein rassistisches Regime benötigt die Aufrechterhaltung der weissen Herrschaft in den Nachbarländern. Südafrika fürchtet, dass die ultra-reaktionäre Politik Lissabons die Befreiungsbewegungen noch mehr anheizt und die politische und wirtschaftliche Stabilität im südlichen Afrika gefährdet. Daher entwickelt es eine breite Propaganda für eine Unabhängigkeit aller portugiesischen Kolonien nach rhodesischem Muster (d. h, einen durch die weissen Kolonisten durchgeführten Bruch : mit Lissabon) und die Schaffung eines Südafrikanischen -5( Gemeinsamen Marktes, in dem Südafrika den Ton angeben würde. Diese Propaganda hat in der portugiesischen kolonialen Bourgeoisie ein wachsendes Echo gefunden, die glaubt, auf diesem Weg ihre langfristigen Interessen sicherer wahren zu können.
Um dem ungestümen Aufstieg der Befreiungskämpfe entgegenwirken zu können bereiten also die Kapitalisten in diesem Teil des Kontinents eine erhebliche Neuverteilung der Karten vor.
Die Befreiungsbewegungen in den portugiesischen Kolonien
Der Aufstieg des afrikanischen Nationalismus:
Der friedliche Widerstand
Die traditionellen Strukturen der afrikanischen Gesellschaft wurden von den portugiesischen Siedlern Ende des letzten Jahrhunderts zerstört (die allerletzten Häuptlinge wurden erst 1920 vernichtet), aber von diesem Zeitpunkt an begann sich keimartig und zwittrig eine schwarze nationalistische Bewegung heranzubilden, vorerst in der Form des friedlichen Volkswiderstandes gegen das Regime an das die grosse Mehrheit der Bauern gebunden war. Diese vereinigten sich in gewissen Gegenden zu Agrarkooperativen, um ihre Arbeit möglichst zu rationalisieren und ihre I ebensbedingungen zu verbessern. Die heftige Repression der portugiesischen Behörden gegen diese Kooperativbewegung liess sie zugrundegehen, gleichzeitig aber eine umfassendere Opposition gegen die Behörden unter den Bauern entstehen.
Die andere Richtung, die der afrikanische Nationalismus einschlug, war der kulturelle Weg. der sich bei einer schwarzen Minderheit abzeichnete, die zur Hauptsache städtisch und "assimiliert" war (im Sinn, den die Koloaisten diesem Ausdruck geben, nämlich vom Stamm entwurzelt). Diese vom traditionellen Stammesmilieu abzeschnittene Minderheit hatte in der portugiesischen Minigesellschaft der Kolonien nicht "ihren Platz" (inden können. Diese widersprüchliche Lage regte ihre Mitglieder zur Suche nach einer eigenen kulturellen Identität an, die sie im nachdrücklichen Willen fanden, die afrikanische Heimat zurückzuerobern. Im Laufe der 40er und 50er Jahre bildeten sich zahlreiche Vereinigungen kultureller Art unter der städtischen afrikanischen Minderheit der Kolonien und den wenigen Studenten an der Universität Lissabon. Diese Bewegung wurde noch gestärkt durch den Aufstieg der Befreiungsbewegungen in anderen afrikanischen Kolonien und die Revolte der Schwarzen in den USA, wobei diese beiden Prozesse sich in den Rahmen des Aufstiegs der Kolonialrevolution in der Welt stellten.
Im Laufe der 50er Jahre schliesslich entwickelte sich der Widerstand auch in der proletarisierten afrikanischen Schicht, und zwar - wegen des Verbots jeder politischen und jeder gewerkschaftlichen Organisierung ausserhalb der vertikalen Gewerkschaft - noch sehr verstreut. 1948 zog der Dockerstrelk im Hafen von Laurenzo Marques in Moçambique hunderte von Deportationen nach sich, und 1954, ebenfalls während eines Dockerstreike in Laurenzo Marques, verursachte die Intervention der Armee 49 Tote unter den Streikenden.
In dieser ersten Ph: se der Widerstandsbewegung Stechen zwei Dinge hervor: einerseits die Kombination zwischen den nationalistischen Gärungen für die Wilereroberung der afrikanischen Nation und der Revolte gegen die den Afrikanern - Bauern und Arbeitern - von der Koionialmacht aufgezwungenen Existenzbedingungen;. und anderseits die Einsicht, dass die geringste Widerstandsbewegung eine blutige Reaktion seitens der portugiesischen Behörden auslöste. Diese beiden Flemente kennzeichneten auch fortan den Gang der Befreiungsbewegungen in den portugiesischen Kolonien.
Agostino Netto und Amilcar Cabral gründen 1956 die Bewegung für die Befreiung Angolas (MPLA. Mouvement pour la Libération de l'Angola) bezw. die Afrikanische Partei für die Befreiung von Guinea Bissao und der Kapverdischen Inseln (PAIGC, Parti Africain pour la Libération de la Guinée Bissau et du Cap Vert). In Moçambique wurden 1959/60 die Bewegungen MANU. UDENAMO und UNAMI (1) gegründet, die 1962 fusionieren sollten, um die FRELIMO ins leben zu rufen. Während der ersten Jahre ihres Daseins suchten diese Bewegungen die verschiedenen nationalistischen Gärungen zu vereinigen. um eine Druckbewegung für die Unabhängigkeit zu schaffen. Die Politik der portugiesischen Kolonialbourgeoisie gegenüber diesen ersten Aeusserungen für die Unabhängigkeit sollten diese Bewegungen aber dazu zwingen. rasch eine strategische Orientierung zu definieren, die als Antwort darauf geeigne! war. In Moçambique z. B. wurde 1960 in Mueda ein friedlicher Marsch für die ('nabhängigkeit organisiert, der Tausende von afrikanischen Bauern zusammenbrachte. Als Antwort auf die Forderungen der Bauern, die für die Unabhängigkeit waren, ermordeten die portugiesischen Behörden PRODUCT
PORTUGAL -51 500 Manifestanten. Aehnliche Vorkommnisse in Angola und Guinea Bissao sollten die Befreiungsbewegungen und bedeutende Schichten der Bevölkerung dazu führen, klar die Frage der Sebstverteidigung ihrer Kämpfe zu stellen. Der bewaffnete Befreiungskampf
Seit ihrem Bestehen und viel schneller als die anderen afrikanischen Befreiungsbewegungen wurden sie dazu geführt, eine radikal veränderte Kampfform festzulegen, die es ihnen erlaubte, sowohl den Erpressungen der portugiesischen Behörden erfolgreich standzuhalten als auch immer breiteren Schichten von schwarzen Bauern und Arbeitern die Notwendigkeit bewusst zu machen, eine grundlegende Offensive gegen cas portugiesische Regime zu führen. Die Notwendigkeit, mit der Waffe in der Hand zu kämpfen, erschien im Lichte der an der Bevölkerung verübten Massaker nachgerade als Selbverständlichkeit. Das Echo auf die ersten militärischen Operationen der Befreiungsbewegungen war deshalb ausserordentlich gross Es würde zu lange, einen geschichtlichen Abriss des Kampfes dieser Bewegungen und ihre äusserst bedeutenden Realisierungen in den befreiten Gebieten ihres jeweiligen Landes zu geben. Um ihrepolitis he Entwicklung zu verstehen, ist es wichtig zu sehen, mit welchen objektiven Problemen sie vom Anfang ihres Kampfes weg konfrontiert waren.
Wenn man die Resolutionen nimmt, die diese Bewegungen bei ihrer Gründung vorlegten, fällt auf, dass die Ziele des Kampfes ausserst vage prizisiert werden. Die Resolution des Gründungskongresses der FRELIMO im September 1962 in Dar es Salaam (Tanzania) gibt sie folgendermassen wieder:
"... die Einheit von Moçambique verwirklichen; ... alle unsere Anstrengungen auf die Verwirklichung der Unabhängigkeit von Moçambique richten;" dann folgt eine Reihe konkreter Massnahmen: Kontaktnahme mit den nationalistischen Bewegungen der anderen portugiesischen Kolonien und der anderen afrikanischen Länder; Konataktnahme mit den Regierungen, die der FRELIMO eventuell Hilfe gewähren würden, usw. (2) Wenn man sich anfangs einig war über die Notwendigkeit, zu den Waffen zu greifen, so ergab sich die Verdeutlichung der Ziele erst im Laufe des Kampfes, in einem Kontext, der für eine vertiefte Diskussion aller am Kampfe Beteiligten objektiv nicht sehr günstig war. Zu diesen internen Schwierigkeiten gesellte sich eine ziemlich heikle kontinentale Lage. Einerseits waren die nationalistischen Bewegungen in den andern afrikanischen Ländern bei der Einsetzung von neokolonialistischen, eng an die imperialistischen Mächte gebundenen Regimes erfolgreich kanalisiert wor den; anderseits wurde die von gewissen unabhängigen afrikanischen Staaten den Unabhängigkeitsbewegungen der portugiesischen Kolonien geleistete Hilfe mehr und mehr von mässigenden Pressionen begleitet, wenn nicht sogar von offenen Manövernzur Schwächung der revolutionären Kraft dieser Bewegungen. Die Stärke der FRELIMO, der PAIGC und der MPLA liegt darin, dass sie einerseits trotz dieses relativ ungünstigen Kontextes siegreiche Offensiven gegen die portugiesischen
Streitkräfte zu führen und grosse Gebiete zu betreu mochten (2/3 von Guinea Bissao, 1/3 von Angels une mr als 1/3 von Moçambique), und anderseits diesen Kann auf eine totale Reorganisierung der befresten ..aele ad. stellen konnten, die der gesamten Bevölkerng die bewusste Teilnahme am Kampf erlaubt: Organisierung der Produktion in Kooperativen. Verwaltung der befreiten Gebiete durch Volkskomitees, sehr weitgehender lusbau des Unterrichtswesens, *** trie: bedeutet aber auch, die kontinentale und internationni rimension ihres Kampfes gegenüber den imperialistischen Manovern in diesem Teil Afrikas pragmatisch verstanden zu haben. Ein kontinentaler und internationaler Kampf
Der zweite kongress der FRELIMO (Juli 1963), der in der befreiten Provinz Niassa in Mocambique stattfand, erklärte: "Die FRELIMO und das Volk von Moçambique werden weiterhin ihre Bande entwickel und festigen und die Volksbewegungen in der Welt gegen Kolonialismus und Imperialismus. für die politische, soziale und kulturelle Emanzipation der Völker und für den Aufbau einer neuen Gesellschaft, frei von der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, maximal unterstützen. " Das ist das ausdrückliche Eingeständnis. dass der Feind nicht nur der portugiesische kolomatismus ist. Sonderr die Gesamtheit des kolonialistischen und kapitalistisc Svstem, das er verteidigt. Die Hihrer der FRELIMO drucken die objektive Dynamik ihres kamples so aus: "Der Kampf in Mocambique ist ein Volkskampf. und als solcher wird er weder die Ausbeutung noch die Anwesen heit der rhodesischen und südafrikanischen Rassisten zuiassen. Ebensowenig wird er Nachbarn tolerieren, die das Volk unterdrücken,es töten, es vergewaltigen, es ermorden, die sich gegen es verbünden. " (3) DAS PROJEKT VON CABORA BASSA
Der Staudamm von Cabora Bassa wird am Sambesi in Mocambique, Provinz Tete, an der Grenze zu Malawi, Zambia und Rhodesien gebaut. Dieses Gebiet ist eins der reichsten in Mocamiique. sowohl was Landwirtschaft und Viehzucht als auch was die Bodenschätze angeht. Nach dem Bau des Staudamms rechnet man mit der Möglichkeit, zusätzliche 1,5 Millionen Hektaren Land zu bebauen und weitere 200000 Hektaren der Aufforstung zu widmen. Seit 1957 haben Schürfproben zur Entdeckung von Kohle, Eisen, Magnesium, Titan usw. in dieser Gegend geführt. Die elektrische Energie ihrerseits, eine der billigsten auf der ganzen Welt, wird teils zur Elektrifizierung von Moçambique dienen, und der Rest soll in die Nachbarländer exportiert werden. BESCHREIBUNG DER ANLAGE 150 km von der Stadt Tete gebaut, soll der Damm 300 Meter lang und 170 Meter hoch werden. Der Stausee von 200 km Länge und 20 km Breite wird eine Kapazität von 200 Milliarden Kubikmeter haben. Ausgerüstet wird er mit den grössten Turbinen und Generatoren der Welt (400, 000 KW). Die Hochspannungsleitungen für den Stromtransport -52 efreiungsbe" sange: n do pertugies. chee ..L: raben eme sorendige. wen aach unter des tie Peca des Kampie sehr schwerg aurende dee nie langt rist.: • Ziele des kecaptes begonnen er ce "Unabt gigkeit" oder wuch kampt tit •• Emanzipation m raterationaler byuamik. Isi der Umriss der tür r Zukunft der adrikanesche. Revolution fundamentalen debatte, die noch lange nicht ... endet ist. In dieser Debatte muss die Bilanz der Unabhän gigkeitswelle in Afrika ein wesentliches Element beitrager sie zeigt nämlich, wie die bloss politische Unabhangigkeit der betreffenden Länder. die im Rahmen der Mechanismen der kapitalistischen Wirtschaft verbleiben, nur eine verinderte Form der Plünderung des Reichtum dieser Länder durch den Imperialismus und der Unterdrückung der afrikanischen Völker durch eingesetzte Marionettenregimes institutionalisiert. Nur ein Bruch mit dem kapitalistischen Weltmarkt wird die wahre Unabhängigkeit der portugiesischen Kolonien und des gesamten afrikanischen Kontinents ermöglichen.
Anna Libera - 26, 8.73 (1) MANU (Union Nationale Africaine du Moçambique) Nationaler Afrikanischer Bund von Moçambique UDENAMO (Union Démocratique Nationale du Moçam. ) Nationaler demokratischer Bund von Moçaml UNAMI (Union Africaine du Moçambique Indépendant) Afrikanischer Bund des unabhängigen Moçamb. (2) Vgl. Mondlane, op. cit. p. 122/23 (3) Moises Machel Samora, Tricontinentale, Herbst 1970 (entnommen aus Sondernummer BRESCHE ve. September 1973)
von Moçambique nach Joha » suurg würden mit 1.400 km die längsten de: • et sein. Die Gesamtkosten des Projekts betras Mindestens 1, % Milliarden Franken.
Die Bauarbeiten sind in. s: 0. tie angelaufen und sollen 1979 beedne • ..
AM BAU UND AN DER FINANZIERUNG BETEI - LIGTE FIRMEN 1969 erhielt das Konsortium ZAMCO (Zambese Consorcio Hidroelectrico), in dem die südafrikanische Firma Anglo-American Corporation of South Africa dominiert, den endgültigen Vertrag. Die ZAMCO hat ihren Sitz in Lissabon und vereinigt Firmen aus Deutschland (AEG, Voith, Siemens, Hochtief), aus Frankreich (Alsthom, CCI, Cogelex, usw.), die Shaft Sinkers und die L. T.A. Ltd. der Südafrikanischen Union, sowie