Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Eine Mobilisierung unvorhergesehenen Ausmasses

Inprekorr Nr. 26, 1. Mai 1973 · S. 21 · 219 Wörter

Gewerkschaften und Streiks

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Einer der wesentlichen Aspekte der Kämpfe von 1972 ist der, daß die sozialen Kräfte, die politischen Parteien, die Gewerkschaften und die revolutionären Organisationen sich einer Mobilisierung unvorhergesehenen Ausmaßes gegenübersehen. Die Kämpfe von 1966 zeigten zwar unzweifelhaft Merkmale eines Aufschwungs gegenüber den vorhergehenden Jahren. er laubten aber allen beteiligten Kräften, ihre jeweiligen Positionen und jeweiligen Linien zu halten. Die Kämpfe 1969, denen eine lange Reihe von Einzelstreiks vorhergingen, zwange: Parteien, Gewerkschaften und Kapitalisten, Hals über Kopf Maßnahmen zu ergreifen, und zum ersten Mal gelang es in Italien neuen Kräften ( vor allem Studenten und jungen Arbeitern), einen breiten Widerhall an den Toren der Fabriken zu finden. Sicher darf man nicht vom gegenwärtigen Anteil der Arbeiter an diesen Gruppen ausgehen, um deren Gewicht in den Kämpfen 1968/69 einzuschätzen. Eines ist sicher: bestimmte Losungen wie "gleiche Loh. erhöhung für alle" wurden von diesen Gruppen entgegen der Linie der Gewerkschaftsführer propagiert und fanden vor allem bei den jungen Arbeiterschichten eine aufnahmebereite Zuhörerschaft.

Es wäre zu einfach und überdies falsch, die Widerstände, die sich damals gegen die gleicho Lohnerhöhung für alle von Seiten der bekannten Gewerkschaftsbürokraten gezeigt hat, zu vergessen, und ebenso muß man ehrlich genug sein, an den zügellosen Spontaneismus zu erinnern, der manche Gruppen so weit trieb, Losungen, die ganz einfach verrückt sind, herau zubringen.