ITALIEN: DIEMÄCHTIGSTE MOBILISIERUNG DER ARBEITER SEIT D: :
"HEISSEN HERBST" 1969 i*++++++++ -++. ++; 1969. Die Auseinandersetzungen um die neuen Tarifverträge zwischen Unternehmern und Lc. abhängigen führen zu einer intensiven Mobilisierung der Arbeiter. Fürs ganze Jahr werden 7 507 000 Streikende und 302 Millionen Streikstunden gezählt; das sind die höchsten Zahlc seit dem Krieg. Das Jahr geht mit dem 'heißen Herbst' zu Ende. Am 12. Dezember explodicren Bomben in Mailand und Rom: 16 Tote. Die Polizei versucht alles, um die anarchistische Gruppen dafür verantwortlich zu machen; seither tragen aber alle Elemente zum Beweis be daß die Schuld auf faschistische Kommandos fällt.
1972. Die Erneuerung der Tarifvertrage steht wieder an. Von Oktober bis Dezember werde die Demonstrationen und Streiks der Arbeiter immer zahlreicher. Die Zahl der Streikstund: steigt auf etwa 115 Millionen für das ganze Jahr. Allein in der Metallindustrie gibt es 30 943 Werkstattdelegierte, die, ob gewerkschaftlich organisiert oder nicht, von 30 bis 60 ihrer Kollegen gewählt wurden, und 2 556 Delegiertenräte von Fabriken gibt es in 42 von ci 70 Provinzen, nämlich dort, wo Metallbetriebe vorhanden sind. Am 12. April wird ein Poli= auf einer Demonstration der neofaschistischen Bewegung MSI getötet; am 16. April wird das Haus von Mattei, dem Führer des MSI in Rom, (wahrscheinlich von unzufriedenen Anhänge: angezündet, und zwei seiner Söhner kommen im Brand um.
Das sind nicht Zufälle, sondern zwei wichtige Schlachten in der Auseinandersetzung der Kin sen, wie sie sich zur Zeit in Italien abspielt.
Der Forderungskatalog der Metallarbeiter, wie er auf dem Kongreß in Genua angenommen worden war, enthielt: gleiche Lohnerhöhung für alle von 20 000 lire (100 DM), Reduzieru ler gegenwärtig 13 Lohnkategorien auf ein gemeinsames Schema für Arbeiter und Angestellt: 38 - Stundenwoche plus 50 Stunden jährlich, die vom Unternehmer für kulturelle Aktivitäte: der Arbeiter bezahlt werden. Weder die gleitende Lohnskala noch die gleitende Arbeitszeiiskala stand auf dem Forderungskatalog.
Trotzdem entfesselte sich die enorme Macht der Arbeiter. Denn es ging um mehr als nur um die Forderungen, wie sie aufgestellt waren, es ging insbesondere um die Verteidigung der Errungenschaften vom 'heißen Herbst' In manchen Sektoren war die Beteiligung an den Stres. noch höher als 1969; sogar die Angestellten, die in der Forderungsplattform "vergessen" wo.den waren, schlossen sich dem Kampf an.
Diese Tarifkämpfe fanden im Gegensatz zu den vorhergehenden in einer Zeit der Stagnatie ja der Rezession statt. Die Expansionsrate ist von 11 % in den sogenannten "japanischen" Jahren auf 2 % gefallen. Das erklärt, mit welchem Nachdruck die Unternehmer das Arbeits• tempo beschleunigen, die Kämpfe reglementieren und das Krankfeiern reduzieren wollen. Die Polizei greift die Streikposten an und dringt in die Fabriken ein; die Unternehmer neh men Entlassungen vor wegen Demonstrationen innerhalb der Fabriken und brechen eine hyst: rische Kampagne gegen die "'für die Wirtschaftskrise verantwortlichen Arbeiter" vom Zaum. Das beantworten die Arbeiter, indem sie die Produktion stoppen und die "Gelben" und die keinen Chefs aus den Werkstätten jagen. Bei FIAT, das wieder zum echten Zentrum des pc• litischen Kampfes wird, verlangsamen Zehntausende von angelernten Arbeiter nach ihrem B. lieben das Arbeitstempo, und die qualifizierten Arbeiter gehen mit. 'm 21. Oktober begeben sich Zehntausende von Metallarbeitern mit der Bahn und mit Schiffe: nach Reggio de Calabria, der Hochburg der MSI ( 36 % bei den Wahlen), um ihre Solidarität mit den Arbeitslosen in Süditalien zu manifestieren und die Industrialisierung des Mezzoiorno zu fordern. Dezember 1972 und Anfang 1973 demonstrieren Hunderttausende von Me ›allarbeitern in Mailand, nachdem sie ganze Züge beschlagnahmt hatten, um dorthin zu kom:
in den Fabriken werden verschiedene Kampfformen angewandt. Umzüge durch die Werkhalle: und Streikposten werden organisiert. Oft fordert die Basis Streikformen, bei denen nacheinan der kleine Gruppen die ganze Produktion stilllegen, sodaß die Unternehmer die übrigen Arbei ter bezahlen müssen, die aus technischen Gründen nicht weiterarbeiten konnten. Diese Streik form hat den Vorteil, die Lohneinbußen der Arbeiter so gering wie möglich zu halten. In vielen Fällen teilen die, die nicht streiken, ihren Lohn mit denen, die streiken. Trotz dieser außerordentlichen Kombativität der Arbeiter ergab der Metall-Tarifvertrag für der: privaten Sektor nur beschränkte Ergebnisse: 39 bzw. 40 - Stunden - Woche ( die Forderung wa: 38 - Stunden - Woche) und gleiche Lohnerhöhung für alle von 18 000 Lire (statt 20 000). Aber die Bourgeoisie spürt, daß die Gefahr mit der Unterzeichnung des Tarifvertrags noch nicht vorrüber ist. (Aus ROUGE Nr. 201 vom 20.4. 1973)