Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Interview mit dem Arbeiterführer von SOMISA, Luis Gomez

Inprekorr Nr. 25, 1. April 1973 · S. 19 · 549 Wörter

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INTERVIEW MIT DEM ARBEITERFUHRER VON SOMISA, LUIS GOMEZ ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ +++ Luis Gomez, der die 64-stündige Besetzung des SOMISA-Stahlwerks anführte, war Kandidat des 'Frente Obrero' für das Bürgermeisteramt von San Nicolás. Die Kandidaten des Frente Obrero' wurden unter dem Namen der PST (Partido Socialista de los Trabajadores, früher PRT - Verdad) aufgestellt. Gomez schloß sich dieser Kampagne der PST an, obwohl er selbst nicht Mitglied ist. Das Interview wurde am 2. Februar von Fred Halstead, einem Führungsmitglied der amerikanischen SWP, aufgenommen.

'Am 18. Januar um 5 Uhr 45 betraten achtzehn von uns die Fabrik, etwa 45 Minuten vor Schichtwechsel. Wir sprachen mit den Arbeitern in der Abteilung, in der die Stahlarbeiter gewerkschaft die stärkste Basis hatte; dann gingen wir in die anderen Abteilungen und forderten die Arbeiter auf, die Arbeit niederzulegen und herüberzukommen. Nach kurzer Zeit hatten wir etwa 300 zusammen. Mit ihnen gingen wir auf die Straße, wo die Busse durchkommen, und stellten einen großen Bagger hin, um die Busse anzuhalten, die die Arbeiter der ersten Schicht brachten. Alle Arbeiter aus den Bussen schlossen sich uns an. Wir stiegen einfach in jeden Bus und sagten: "Kollegen, schließt euch dem Kampf für eine Stahlarbeitergewerkschaft an'. Dann waren wir | 500. Wir räumten die Straße, um die leeren Busse durchzulassen und sagten den Fahrern, sie sollten überall Bescheid sagen. Dann mar schierten wir mit allen 1 500 Arbeitern ans andere Ende der Fabrik und sprachen unterwegs mit den anderen. Bis 6 Uhr 45 waren wir 2 500. Schließlich gingen wir mit ungefähr 3 500 Arbeitern zur Verwaltung. Um 7 Uhr 45 arbeitete bei SOMISA niemand mehr. Wir blieben 64 Stunden lang in der Nähe des Verwaltungsgebäudes und hielten die Fabrik besetzt. Der Werksleiter redete mit uns. Er ist General der Armee. Er verlangte, daß die Arbeiter die Fabrik verlassen sollten, bevor er mit uns verhandeln würde. Darauf gingen die Arbeiter nicht ein. Ein Bundesrichter wollte die Armee rufen, wenn der Streik nicht abgebrochen würde. Die Arbeiter reagierten nicht darauf.

Am dritten Tag erschienen Truppen der Bundespolizei und der Armee mit Maschinengewehren, Tränengas usw. Die Arbeiter saßen auf dem Boden, als ich die Truppen herankommen sah. Ich sagte, alle sollten aufstehen. Wir hatten eine argentinische Flagge, die die Arbeiter in der vordersten Reihe den Truppen entgegenhielten. Wir sangen die Nationalhymne. Ich rief den Truppen entgegen: "Schießt, wenn ihr müßt, aber ihr werdet argentinisches Blut auf die argentinische Flagge vergießen!" Darauf hielten die Truppen an. Der Kommandant, Leutnant Carro, kam herüber, um mit uns zu sprechen. Er sagte: "Ich bin auch Sohn eines einfachen Arbeiters, und ich habe Verständnis für euren Kampf. Ich habe micht immer als Arbeiter gefühlt, und mit Tränen in den Augen muß ich euch bitten, die Fabrik zu verlassen. Ich habe noch nie argentinisches Blut vergossen und will es auch jetzt nicht tun. *" Er gab uns dann das Versprechen - "auf seine Ehre als Offizier' - daß es keine Vergeltungsmaßnahmen geben würde und daß niemand entlassen würde, wenn alle die Fabrik friedlich räumten. Ich wollte eine schriftliche Garantie, aber es gab Uneinigkeit im Komitee, und wir mußten das Abbröckeln des Streiks beenden und herauskommen. Wir waren kaum zuhause angelangt, als 13 von uns mit Telegrammen von ihrer Entlassung infor mierten wurden.

(Aus THE MILITANT Nr. 9 vom 9. März 73)