Die jüngste expansive Welle des Kapitalismus hat sich länger gehalten als erwartet; sie begann in den 80er Jahren und endete zu Beginn dieses Jahrzehnts. Sie war jedoch weniger intensiv als die Expansionsphase, die der gegenwärtigen Krise vorausging und ist von starken Ungleichgewichten und Instabilität gekennzeichnet. Sie hat auch die Profitraten nicht wieder auf ihr Niveau vor der Krise bringen können.
Und sie hat zu einer neuen Rezession von zuvor unbekannter Schärfe geführt. Die Frage, die wir stellen wollen, lautet: erleben wir, trotz aller oben angeführten Gründe, das Entstehen von Bedingungen für eine neue expansive Welle?
JESUS ALBARRACHIN UND PEDRO MONTES
NACH DER traditionellen stischen Blöcke.
Die Profitrate wurde unter günstigen Erklärung ist eine substantielle Umständen wiederhergestellt, die in den kom- Erhöhung der Wachstumsra- menden Jahren nicht wieder auftreten werten nötig, um aus der Phase der den. Zuallererst konnte die Weltwirtschaft Rezession herauszukommen. auf die dynamische Expansion der USA Das kann nur erreicht werden, zählen, die, dank eines großen Haushaltsdefiwenn es der Klassenkampf er- zits, Exporte aus anderen Ländern ankurbelte : laubt. Aber einige Ökonomin- und dadurch in einigen cinen Aufschwung nen haltendieses Kriterium für falsch, daschr bewirkte.
wichtige Veränderungen im System stattfin- Die US-Zahlungsbilanz sank von cinem den, die schrittweise die Bedingungen zum Überschuß von 7 Mrd S auf ein Defizit von Eintritt in eine Phase relativer wirtschaftli- 160 Mrd $ (dh 3,6% des BIP) 1987. Dieses cher und sozialer Stabilität schaffen. Außendefizit spiegelte sich in einer substan- Nach diesen ÖkonomInnen befinden wir tiellen Erhöhung des öffentlichen Defizits uns in einer Übergangsperiode zwischen der wieder, das zwischen 1982 und 1988 bei über rezessiven und der expansiven Phase der 4 Prozent des BIP lag. Dann führte der Fall der langen Welle. Rohstoffpreise zwischen 1982 und 1986 und Die letzte Phase der kapitalistischen Ex- für Öl 1985 (von durchschnittlich 27,4 $ pro pansion im Weltmaßstab war lang, aber ihre Barrel 1985 auf 15 $ 1986 für Öl, das von Intensität war, gemessen am Wachstum des OECD-Ländern importiert wird) zu einem Brutto-Inlands-Produkts (BIP) und der Ak- substantiellen Einkommenstransfer von den kumulation, niedriger als in der Phase, die der produzierenden zu den konsumierenden Län- Krise 1973 vorausging. Das BIP der OECD- dern. Das trug zur Verlängerung des Auf- Länder wuchs zwischen 1983-1989 um 3 schwungs bei.
Prozent jährlich, fiel 1990 um 2,6 und 1991 Obwohl nicht so wichtig wie die bereits um 1,1 Prozent, während die durchschnittli- erwähnten Faktoren: Schließlich unternahche Wachstumsrate für die Gesamt-OECD men die Regierungen nach dem Börsencrash zwischen 1960 und 1973 bei 4,9 Prozent lag. im Oktober 1987 kurzfristige monetäre Maß- Das galt für jeden der wichtigsten imperiali- nahmen um einen Kollaps der Finanzmärkte
angesichts der erwarteten Rezession zu vermeiden.
Diese Faktoren spielten gemeinsam eine wichtige Rolle sowohl für die Tiefe des Wachstums in den 80cr Jahren als auch für seine Dauer, und das bedeutet, daß schwierig erkennbar ist, wie ein solches Wachstum wiederholt werden kann.
Dieser Standpunkt wird untermauert, wenn wir uns ein anderes Merkmal der jüngsten Wirtschaftsentwicklung anschauen. Die hohe Verschuldung in allen Branchen der meisten Länder führte zu einer gesteigerten Nachfrage und stützte die wirtschaftliche Aktivität, begrenzte aber gleichzeitig die Möglichkeit für eine zukünftige Expansion. Weiteres Ansteigen der öffentlichen Verschuldung
Das Defizit des öffentlichen Sektors hat weiter zugenommen und zu Beginn der 90cr Jahre hatten alle Länder ein höheres Staatsschuld/BIP-Verhältnis als vor dem Aufschwung. In der EWG ist das Verhältnis um 15 Prozent gestiegen, von 45 auf 60 Prozent, darunter mit spektakulärem Anstieg in einigen Ländern wie Belgien, den Niederlanden und Italien. Eine 15-Prozent-Steigerung gab es auch in den USA. Das öffentliche Defizit mitsamt Zinszahlungen in den meisten dieser Länder wächst weiter und stellt fur ihre Steuerpolitik ein beträchtliches Hindernis dar. Der Spielraum der meisten Länder für eine expansive Steuerpolitik ist eingeengt worden.
Dasselbe gilt für die Betriebe, in denen sich das Verhältnis zwischen ihren eigenen und Fremdressourcen einerseits und die Verschuldung im Verhältnis zum BIP andererseits im letzten Jahrzehnt, trotz Wiederanstiegs der Profite, verschlechtert hat. Das gleiche kann schließlich auch für die Haushalte gesagt werden, deren Verschuldung sich im Vergleich zum verfügbaren Einkommen bedeutend erhöht hat. So erhöhte sich beispielsweise die Verschuldung der Haushalte in den USA zwischen 1980 und 1990 von 77 Prozent auf 96 Prozent des verfügbaren Einkommens; in Japan von 58 Prozent auf 92 Prozent; in Deutschland von 76 Prozent auf 87 Prozent; in Britannien von 48 Prozent auf 105 Prozent. Jede Möglichkeit eines Aufschwungs muß diese gestiegene Verschuldung aller ökonomischen Sektoren und ihre restriktiven Auswirkungen in Betracht ziehen.
Die gestiegene Verschuldung wird von einem wahrnehmbaren Rückgang der nationalen Ersparnisse begleitet, die unter denen WIRTSCHAFT der langen expansiven Welle liegen. Die Sparquote der G7-Länder lag in den 80cr Jahren bei 10 Prozent, in den 60er und 70er Jahren aber bei 13 Prozent. Die Sparquote von Haushalten und Familienunternehmen in den USA fiel von 7,3 auf 4,3 Prozent; in Japan von 17,9 Prozent auf 14,3 Prozent; in Frankreich von 17,6 Prozent auf 12 Prozent; in Italien von 21,6 Prozent auf 15,6 Prozent und so weiter. Nur Deutschland macht eine Ausnahme.
Der Rückgang der Ersparnisse wurde begleitet von einem Rückgang des durchschnittlichen Anteils der Investitionen im Vergleich zum BIP, was sich als stark reduziertes Wachstum äußert. Nach einer jährlichen Steigerung von 3,8 Prozent in der Zeit zwischen 1960 und 1973 fiel die Quote zwischen 1983 und 1990 auf 2 Prozent. Im Privatsektor stieg sie in der Zeit zwischen 1973 und 1990 nicht über 1,5 Prozent, verglichen mit durchschnittlich 4,1 Prozent zwischen 1960 und 1973. Dieses Phänomen läßt sich in allen Ländern unabhängig von ihren jeweiligen Unterschieden beobachten. Schwächeres Produktivitätswachstum ist ein wichtiges Merkmal der letzten Zeit, aber hier gleicht sich das ökonomische Muster nicht in allen Ländern. In der Industrie, dem Kernbereich der, Wertschöpfung, lag das Produktivitätswachstum höher als im Dienstleistungsbereich; aber dieses Wachstum beruht, anders als in der Vergangenheit, auf einem Abbau von Arbeitsplätzen. Die neuen, sehr unsicheren Arbeitsplätze sind im Servicescktor entstanden - und die Produktivität in diesem Sektor hat sich folglich nur leicht erhöht.
Hohe Dauerarbeitslosigkeit
Und schließlich, während die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren zurückgegangen ist - oder zumindest bis vor kurzem, als sie aufgrund der Rezession in einigen Ländern wieder zu steigen begann -, bleibt sie doch sehr hoch und bestätigt damit einen Trend für jeden Aufschwungszyklus, der mit einer sowohl absolut als auch relativ höheren Arbeitslosigkeit beginnt.
Der letzte Aufschwung war begleitet von großen internationalen ökonomischen Ungleichgewichten. Als Komplement zum hohen amerikanischen Handelsdefizit, zeigten die Zahlungsbilanzen Japans und Deutschlands große Überschüsse. Die Lücke hat sich in den letzten Jahren etwas verringert, aber die zur Regulierung der Zahlungsbilanz nötigen Finanzströme sind nicht zurückgegangen, da die Kosten zur Finanzierung jedes neuen Defizits zu den Kosten der Refinanzierung vorheriger Bilanzen addiert werden müssen, insofern diese nicht von verläßlichen Einnahmequellen gedeckt wurden. Diese Zahlungsungleichgewichte liegen unter dem bedeutenden Wachstum der internationalen Finanzströme, aber die von der Finanzsphäre angenommene Komplexität und Dimension geht über die Bedeutung dieser Ungleichgewichte hinaus. Die Internationalisierung der Kapitalmärkte und die Deregulierung der Märkte haben eine enorme Finanzmasse hervorgebracht, die zu einem angeschwollenen und abnormalen Wachstum im Körper der realen Ökonomie geführt haben, das vor allem durch Spekulation angeheizt wurde.
Außerdem ist das Problem der Drittwelischulden alles andere als gelöst, auch wenn die Risiken für die Banksysteme zurückgegangen sind. Die Zahlungsunfähigkeit der osteuropäischen Länder und der früheren UdSSR haben sogar zu einer Verschärfung beigetragen.
Dieses Merkmal der Finanzmärkte könnte sich auf die Währungsmärkte ausdehnen, cinem weiteren Spekulationsgebiet. In den 80er Jahren gab es dort eine hohe Instabilität. Das letzte Jahrzehnt begann mit einer bedeutenden Neubewertung des US-Dollar, der von den hohen US-Zinsen zur Finanzierung der Zahlungsbilanz in die Höhe getrieben wurde, dann gab es einen starken Verfall des Dollars, der seinen Wert nicht aufrechterhalten konnte, während gleichzeitig das Defizit der Zahlungsbilanz. wuchs und sich vertiefte. Spekulation und Geldinstabilität Die äußeren Ungleichgewichte werden verschärft durch Spekulation und Fehlen einer stabilen Währung, auf die sich das internationale Geldsystem stützen könnte. Das bewirkt und verschärft ein Klima internationaler ökonomischer Unsicherheit, das für eine stabile und solide Entwicklung der Kapitalakkumulation wohl kaum günstig ist. Wie wir zuzeigen versucht haben, kämpft der Kapitalismus mit ernsthaften Problemen, die einen Schatten auf die im letzten Jahrzehnt erzielten Ergebnisse werfen und für einen zukünftigen Aufschwung viele Hindernisse darstellen. Bei der Betrachtung, daß dieser Aufschwung eine neue expansive Welle einleiten wird, sollte betont werden, daß die Erfolge bei der Wiederankurbelung der Profitraten begrenzt waren. Wenn wir uns die Entwicklung der Profitraten in den Ländern der EWG anschauen, können wir schen, daß der Aufschwung der 80er Jahre nicht zum Niveau der 70er Jahre geführt hat. Dieser Aufschwung wurde gestützt von
cinem Apstieg der Profite, die teilweise aus ökonomischer Expansion stammten, vor allem aberausden Auswirkungen der durch die Austeritätspolitik bewirkten Einkommensumverteilung. Folglich wurden die indirekten und verzögerten Löhne durch die Kampagne gegen den Wohlfahrtstaat schwer getroffen. Doch weder die direkten Löhne noch der Wohlfahrtstaat sind ausreichend beschnitten worden um die Profite auf ihr Niveau vor der Krise der 70er Jahre zu bringen. In den Ländern der EWG wuchsen zwischen 1970 und 1982 die öffentlichen Ausgaben um 12,7 Prozent im Vergleich zum BIP. Danach wurden sie nur um ein Prozent reduziert. Seit Mitte der 70er Jahre wenden einige französische Autorinnen eine neue Herangehensweise zur Analyse der Krise an. Während sie völlig oder teilweise cinen marxistischen Ausgangspunkt benutzen (oder das zumindest behaupten), fügen sie einige keynesianische Komponenten dazu. Die Beiträge dieser Strömung sind recht verschieden, können aber letztendlich der Regulation Schooll zugeordnet werden. Jüngst wurde die Debatte bereichert von anderen Ökonominnen, die im analytischen Feld der Langen Wellen arbeiten und die Bedeutung externer Faktoren während des Übergangs von der rezessiven zur expansiven Phase betonen, doch gleichzeitig einen Großteil der Schemata der Regulationistinnen übernehmen. Nach letzteren ist ein kontinuierlicher Aufschwung der Profitraten kein ausreichendes Kriterium, das uns erlaubt zu wissen, ob die kapitalistische Wirtschaft aus der Krise herauskommt; es ist ebenso notwendig zu wissen, ob sie, unabhängig von Profitraten und Wirtschaftswachstum, durch die Schaffung neuer Steuerungsmechanismen eine gewisse soziale Stabilität erreicht hat, die die Widersprüche von ausreichendem sozialem Konsens und ökonomischer Effizienz versöhnt. Ihrer Meinung nach gab es im letzten Jahrzehnt wichtige diesbezügliche Veränderungen, die folgendermaßen zusammengefaßt werden können:
Erstens haben Veränderungen in der Regulation der Löhne stattgefunden, und das kann mittelfristig die selbe Rolle spielen wie die Niederlagen der ArbeiterInnenklasse in anderen rezessiven Wellen. Früher wurde bereitwillig zugegeben, daß die Reallöhne proportional zur Produktivität wachsen sollten, damit ihr Anteil am Nationaleinkommen konstant bleibt. Doch mittlerweile ist ein neues Prinzip eingeführt worden: Löhne sollten lediglich ihre Kaufkraft beibehalten. Ein Rückgang das Anteils der Löhne am Nationaleinkommen ist also akzeptiert worden. Das kommt der Hinnahme einer gesteigerten Aus- WIRTSCHAFT beutungsrate gleich.
In diesem Zusammenhang gab es eine Krise der Arbeit. In der expansiven Welle stieg die Beschäftigung, da die Produktion schneller als die Produktivität stieg und zudem noch die Arbeitszeit verringert wurde. Heute findet das Produktivitätswachstum auf Kosten der Beschäftigung und ohne Arbeitszeitverkürzung statt.
Schaffung einer gespaltenen Arbeiterinnenklasse
Die Beschäftigungskrise im produktiven Sektor, die Arbeitslosenzahlen, unsichere Arbeitsverhältnisse und Marginalisierung zeigen, daß eine "Dualisierung" der ArbeiterInnen stattfindet. Die innere Spaltung der ArbeiterInnenklasse ist nicht neu, aber in der expansiven Phase gab es eine Tendenz zur Homogenisierung, vor allem bei den Löhnen, während der Trend heute gegenteilig verläuft. Das bewirkt eine beträchtliche Veränderung im Verhalten der Arbeiterinnen. Das ist kein entscheidender Sieg für die Bourgeoisie, bringt aber ihre Interessen einen Schritt weiter.
Zweitens, so diese Autorinnen, reicht die Wiederherstellung der Profitraten nicht aus, da das Produktivitätswachstum im Vergleich zu den bestehenden Technologien und neuen Formen der Arbeitsorganisierung sehr niedrig ist. Aber ihrer Meinung nach existieren einige Faktoren, die das Verdikt über geringes Produktivitätswachstum weniger wichtig machen.
Zuallererst stütze sich die erste Phase der Expansion auf die Dienstleistungen, wo die Produktivität niedriger ist, und drücke das allgemeine Produktivitätswachstum - was nicht bedeutet, daß es in der Industrie nicht doch steigt. Dann, obwohl es aufgrund der Unfähigkeit des Kapitalismus zur Anwendung neuer Technologien - diese Methoden sind kostspieliger und schwerer zu verallgemeinern, sie beinhalten eine niedrigere Einführungsrate etc - keine durchgreifende Einführung technologischer Veränderungen gab, ist das Potential dafür trotzdem vorhanden. Außerdem hätte die substantielle Veränderung auf dem Gebiet der Löhne die geringeren Wachstumsraten der Produktivität kompensiert.
Drittens bedeute die Art, in der die Nachfrage trotz schwachen Lohnanstiegs aufrechterhalten wurde eine wichtige Veränderung. In der Expansionsphase wurde eine Steuerung eingerichtet, in der der Anteil der Löhne am Nationaleinkommen aufrechterhalten wurde, Nachfrage und Produktion harmonisch wuchsen, angeregt vom Privatverbrauch.
Heute, in einer Periode des Wachstum stiegen nicht die Löhne, sondern die Profite. Die lohngestützte Konsumtion stiege nicht, aber das Finanzsystem leite einen Teil des in den Fabriken geschaffenen Mehrwerts in die nicht lohnbasierende Konsumtion. So führen die Schwierigkeiten des Findens profitabler Absatzgebiete zu beträchtlichen Kapitalströmen in das Finanzsystem, das beträchtlich aufgebläht ist.
Aber durch die hohen Zinsen wird ein Teil der reichen Familien bevorteilt, deren Konsumtion zunimmt. Die wachsende Rolle der Finanz in der Wirtschaft erleichtert die Konsumtion, indem sie die negativen Auswirkun gen der Einkommensverteilung auf Kosten der Löhne zur Realisierung des Mehrwerts bei fehlender Nachfrage abpolstert. Schließlich, so diese Autorinnen, laBt sich ein "neuer Dualismus" wahrnehmen, dh eine Tendenz. zur Fragmentierung der Ökonomien in zwei Sektoren: einerseits die moderne Industrie und einige computerisierte oder computerisierbare Dienstleistungen, die sich durch hohes Produktivitätswachstum und relativ hohe Löhne auszeichnen, aber nur wenig Jobs schaffen; andererseits die übrigbleibenden konkurrenzgeschützten Dienstleistungen mit niedrigem Produktivitätswachstum, die Jobs schaffen, die jedoch oft unsicher und schlechtbezahlt sind. Dieser Dualismus ist, angesichts der oben aufgezeigten Veränderungen, zur Kapitalreproduktion notwendig.
So ist in der letzten Phase der Expansion mit dem Widerspruch zwischen Wiederanstieg der Profitraten und Aufrechterhaltung des Nachfragewachstums durch die Ersetzung der lohnbasierenden durch nicht lohnbasicrende Konsumtion umgegangen worden. Aber das kann keine dauerhafte Lösung sein, denn längerfristig bleibt dieser Widerspruch eben doch bestehen und die einzige Lösung liegt in der Abkoppelung der Bestimmung der Profitraten von der Aufrechterhaltung der Nachfrage durch einen neuen Dualismus: einerseitseinem wettbewerbsfähigem Sektor mit hohem Produktivitätswachstum und hohen Profitraten und andererseits einem Sektor, der nicht den Anforderungen kapitalistischer Profitabilität unterworfenen ist oder niedriges Produktivitätswachstum durch niedrigere Löhne kompensiert, aber Arbeitsplätze schafft.
Verlängerte Zwischenphase
Die rezessionäre Phase, so schlußfolgern die Autorinnen, wird charakterisiert durch
einen weniger scharfen Verfall als in den vorangegangenen Wellen; und wir befinden uns jetzt ineiner verlängerten Zwischenphase, in der der wachsende Dualismus die selbe Rolle wie beispielsweise der Faschismus in der vorangegangenen Welle spielen kann. Die neue Expansionswelle wird zum Rückgang der Lebensbedingungen cines Großteils der Arbeiterinnen führen, der Kapitalismus also nicht "progressiver" werden. Aber es kann, ohne großen Sprung in Akkumulation und Wachstum, cinen Ausweg aus der rezessionären Phase geben wenn der Kapitalismus eine Form sozialer Stabilität finden kann, die anders ist als in den 50er und 60cr Jahren (als sie auf steigenden Allgemeinlöhnen, dem Wohlfahrtstaat usw. beruhte).
Aufrechterhaltenes Wachstum, selbst wenn es schwach ist, kann dem System trotz des Dualismus die Aufrechterhaltung einer gewissen sozialen Unterstützung erlauben, die sozialen Beziehungen stabilisieren, einen bestimmten Konsens und eine gewisse Legitimität erzielen. Außerdem kann als letztes Mittel immer noch der Zwang angewandt werden. Dennoch sind die Grundlagen noch nicht völlig etabliert: sie verlangen eine ArbeiterInnenklasse, die bis zu einem Punkt ausgelaugt ist, an dem die Menschen jeden angebotenen Job akzeptieren. Das wird für den Kapitalismus nicht einfach sein, aber so wird er versuchen, aus der Krise herauszukommen.
Die Meinungen über die Lage, basierend auf der Untersuchung der vorherrschenden ökonomischen und sozialen Bedingungen in den meisten Ländern - die gemäßigten Ergebnisse des Kapitalismus im letzten Aufschwung, die besonderen Merkmale dieses Aufschwungs, die wachsende "Finanzialisierung", der soziale Dualismus, der ungenügende Aufschwung der Profitraten, die Elemente der Instabilität - bilden eine gemeinsame Grundlage der ganzen Linken. Es scheint auch Einigkeit zu herrschen, daß die Bedingungen, die dem Kapitalismus erlauben würden, einen schwunghaften Aufschwung als Vorspiel zum Beginn einer neuen expansiven Phase zu erfahren, noch nicht vorhanden sind.
Doch die Einschätzung, daß es einen klaren Weg noch vorn für den Kapitalismus gibt, bereitet von den gegenwärtigen Veränderungen, ist auch fragwürdig. Die Regulationistinnen denken, daß es einen solchen Weg gibt und sehen ihn in einer logischen und voraussehbaren Zukunft. Ohne vorschnell eine solche Zukunft völlig auszuschließen meinen wir unsererseits, daß die gegenwärtigen Veränderungen nicht diese Bedeutung WIRTSCHAFT haben und gar nicht so verschieden sind von den anderen Phasen kapitalistischer Krisen. Wir schen keinen Grund zu sagen, daß wih eine Stabilisierung des Systems erwarten, können. Das Ergebnis wird, wie auch in anderen vergleichbaren historischen Momen? ten Produkt der Auseinandersetzungen sein und abhängen von sozialen und politischen Ereignissen breiten Ausmaßes, in denen der Klassenkampf eine entscheidenden Rolle spielen wird.
Ein Problem des Regulationismus ist seine Tendenz, Elemente, die in jeder Krise auftreten, als besondere Merkmale einer bestimmten Periode zu sehen. Das führt zu unfundierten Verallgemeinerungen und verleiht bestimmten Phänomenen eine zentrale Rolle. Das ist der Fall beim "Neodualismus" der kein neues Phänomen in kapitalistischen Krisen ist und nicht als Mechanismus zur Regulierung der gegenwärtigen Krise betrachtet werden kann.?
Die Arbeitslosigkeit als erster Ausdruck dieses Dualismus war zu anderen Zeiten genauso hoch und ihre Folgen in der Schwächung und Spaltung der ArbeiterInnenklasse, die Überausbeutung von Teilen von ihnen, oder die Verschlechterung der Lebensbedingungen der ArbeiterInnenklasse, sind normale Anzeichen jeder Krise. Der soziale Dualismus nimmt in Zeiten der Stagnation zu und fällt in Zeiten der Expansion. Historisch geschen ist das kein Mittel, mit dem die Ausbeutungsrate ausreichend erhöht wurde, um ein Wiederansteigen der Profitrate zu crlauben.
Aufrechterhaltung der Kaufkraft Genauso verweisen die Regulationistinnen auf die Bedeutung der neuen "Lohnnormen", in denen die Aufrechterhaltung der bestehenden Kaufkraft zum Minimalziel wird, im Gegensatz. zu Lohnerhöhungen, die zu Produktivitatssteigerungen proportional sind. Neben der Tatsache, daß die "Lohnnorm" ein problematisches regulationistisches Konzept ist, ist kaum neu, daß die Arbeiterinnen in Krisenzeiten unter weniger günstigen Bedingungen zu Lohnverhandlungen antreten. Au- Berdem ist es in der gegenwärtigen Periode notwendig, auf bestimmte Faktoren hinzuweisen, die die Bedeutung der vom Kapital erzielten Gewinne begrenzen.
In den 80cr Jahren blieb das Lohnwachstum in den meisten Ländern unter dem der Produktivität, aber diese Situation hat sich in den letzten Jahren in vielen Ländern umgekehrt - die Regierungsmeinung, zur Beschleunigung des Aufschwungs und Begrenzung der Arbeitslosigkeit seien Mäßigungen der Lohnforderungen - hat ihre Kraft verloren. Außerdem, während die Lohnsteigerungen in den 80er Jahren abgenommen haben, kann der Anstieg der Produktivität und der vom Kapital erzielten Differenz von rund 1 Prozent kaum als großer Sieg betrachtet werden. Die Regulierung der Löhne liefert keinen Unterbau für einen Ausweg aus der Krise.
Das Problem schwachen Produktivitätwachstums ist für die Entwicklung des Systems wichtiger als die Regulationistinnen meinen. Wenn die "vorherrschende Lohnherrschaft" betrachtet wird, mag das harmlos aussehen, aber, wie wir bereits sagten, diese Norm ist nicht stabilisiert und bietet bei der Einkommensverteilung keine großen Vorteile.
Schließlich ist es notwendig, die Tatsache zu berücksichtigen, daß die Profitrate nicht unabhängig von der Produktivität ist. Erstere wächst proportional zu letzterer, wenn es eine Einkommensverteilung zugunsten der Profite gibt, und fällt, wenn sich die Kapitalintensität erhöht. Produktivitätsfortschritte hängen also auch von der Nachfrage ab; für eine bestimmte Differenz zwischen Produktivitätswachstum und den Löhnen ist das Niveau der beiden Variablen nicht identisch. Die politische Ebene sollte zudem auch nicht ignoriert werden: das System erscheint progressiver, wenn es produktiver ist. Die Positionen der Regulationistinnen zur abnormalen Überentwicklung des Finanzsektors müssen in zwei Punkte modifiziert werden. Erstens können wir nicht die Bedeutung akzeptieren, den sie diesem als neuer Methode zur Lösung des Nachfrageproblems verleihen. Dann ist es notwendig, die Instabilität zu betrachten, die durch es in das System eingeführt wird.
In Phasen verlängerter Stagnation - und das ist ein Merkmal der Geschichte des Kapitalismus -, während des Fehlens ausreichender kapitalistischer Profitabilität in der Produktionssphäre, entwickeln sich spekula: tive Aktivitäten, die eine zusätzliche Methode zur Ausbeutung der ArbeiterInnen darstellen. Das ist nicht neu, selbst wenn es als Verweis auf die Tatsache nützlich bleibt, daß diese Form der Ausbeutung nie als Mittel zur Überwindung der langen depressiven Wellen diente. Diese Ausbeutung bietet dem System keine Stabilität und raubt ihm sogar einen Teil seiner Legitimität, die es durch den "neutralen und wirksamen Markt", einschließlich Arbeitsmarkt, erhält.
Die "Finanzialisierung" der Wirtschaft ist komplexer als eine Regulationsmethode. Die außergewöhnliche Entwicklung der Finanzaktivitäten, die in der letzten Expan-
Stờng sionsphase stattfanden und die spekulativen Ausdehnungen der Aktienmärkte und des Immobilienbereichs, die noch nicht völlig geplatzt sind, sind eine Zeitbombe, die an einem System hängt, das jederzeit explodieren und eine Krise mit unvorhersehbaren Konsequenzen hervorrufen kann. Das Kasino des modernen Kapitalismus
Eine Vielzahl neuer Finanzinstrumente, neuer Märkte, neuer Institutionen und neuer Formen der Transaktion haben aus dem Kapitalismus ein großes Kasino gemacht, in dem erstaunliche Beträge flüssigen Kapitals vagabundieren, die in fast keiner Beziehung zu realen Flüssen stehen, deren Wert sie verhundertfachen - immer auf der Suche nach Spekulationsbeute.
Die Instabilität dieser Konzeption steht außer Frage, und schließlich müssen die Finanztumulte, wie der Börsencrash 1987 und seine Wiederholung 1989, oder die vom Ausbruch des Golfkrieges bewirkte Panik, der Sturz von mehr als 30 Prozent der tokyoer Börse seit 1990 als Anzeichen für etwas interpretiert werden, das schließlich doch auftreten muß - das Platzen der Finanzblase. Es stimmt, daß die schiere Größe der heutigen Finanzsphäre historisch einmalig ist, selbst in den Jahren vor 1929. Die Aktienkurse an den wichtigsten Börsen, mit Ausnahme von Tokyo, sind noch höher als vor dem 87er Crash, nachdem sie sich von diesem und späteren Tests erholt hatten. Diese Kurse bedeuten, daß die Renditen WIRTSCHAFT geringer sind als die aus Zinszahlungen an den Finanzmärkten, obwohl die dortigen Investitionen aufgrund ihres spekulativen Charakters keinen Mehrwert schaffen. Zusammen mit verschiedenen Kapitalbewegungen bedeutet dies, daß neue finanzielle Explosionen nicht auszuschließen sind.
Vor dem Eintritt in einen neuen Expansionszyklus wie dem der 80cr Jahre und vor allem vor dem Eintritt in eine lange expansive Welle, muß das System gereinigt, ein Teil des Finanzkapitals entwertet werden. Es kann keinen verlängerten Aufschwung geben, solange die Hindernisse der finanziellen Hypertrophie nicht überwunden sind.
Ohne die Rolle der "Finanzialisierung" in den letzten Jahren als Regualtorin, als Mittel zur Verringerung der Lücke zwischen Produktion und Nachfrage unter bestimmten Bedingungen der Einkommensverteilung zu überschen, läßt sich somit feststellen, daß ihre Auswirkungen nicht so bedeutend sind wie unterstellt wird und daß sie die verrückten Ausmaße der Finanzsphäre nicht verdekken können.
Die Entwicklung dieser Sphäre als Unterstützungsmechanismus für die Wirtschaftsexpansion ist cine Wiederholung anderer Momente in der Geschichte des Kapitalismus, aber ihre Größe und ihre Merkmale spiegeln die besonderen Bedingungen der gegenwärtigen Periode wieder: Internationalisierung des Kapitals, Zusammenbruch des internationalen Währungssystems und Deregulierung der Märkte, die das durch Finanzexpansion und Kreditausweitung aufgebaute Kartenhaus noch wackliger machen. Eine neue lange Welle ohne die Säuberung dieser Merkmale scheint uns unmöglich. Einige RegulationistInnen behaupten, daß der Kapitalismus durch eine lange Übergangsphase zwischen einer langen Welle der Rezession und einer weiteren expansiven Welle geht und dadurch der Krise ausweichen kann. Wir glauben nicht, daß dies der Fall ist.
Wir schen keine entscheidenden Veränderungen, die uns erlauben würden festzustellen, daß die Bedingungen für den Kapitalismus zum Eintritt in eine neue expansive Phase geschaffen wurden oder werden • genau das meinen die Regulationistinnen, wenn sie von einer Übergangsphase reden; außerdem sind die internationalen Steuerungsmechanismen gar nicht in der Lage, eine stabile Phase gemäßigten Wachstumszu sichern. Die nähere Zukunft wird sowohl von Instabilität an der Oberfläche - schwaches Wachstum, steigende Arbeitslosigkeit, interimperialistische Spannungen, protektionistische Tendenzen und Finanzkräche • als auch in den Tiefen des Systems gekennzeichnet sein. Die Möglichkeit einer verallgemeinerten Rezession, der Verschlechterung der sozialen Lage und einer Finanzkrise besteht. Es gibt keinen Mechanismus zur Garantierung von Reproduktion und Akkumulation, auch nicht bei einem langsameren Tempo als in den langen expansiven Wellen. Aber gleichzeitig gibt es keinen Grund zu glauben. das könne ewig so bleiben.
Vor einer gespaltenen Gesellschaft Die Entwicklungen in Richtung einer gespaltenen Gesellschaft, die so betont wird, tendiert zu einer Klassenkonfrontation. Die Bourgeoisie wird versuchen, die Schwächung der Position der ArbeiterInnen auszunutzen, um eine Politik zur Lösung der Krise durchzuführen. Dazu braucht sie einen drastischen Aufschwung der Profitrate und damit einen bedeutenden Anstieg der Ausbeutungsrate, und das erfordert wiederum eine politische Niederlage der Arbeiterinnenklasse. Die verheerenden Auswirkungen der Krise schwächen die ArbeiterInnenklasse, aber ihre Niederlage ist nicht unvermeidlich. Die ArbeiterInnen, konfrontiert mit einer zunchmenden Verschlechterung ihrer Lage und ohne Aussicht auf Verbesserung, könnten entschlossenen Widerstand, einschließlich Lohnforderungen von ausreichender Intensität, entwickeln, und die Bourgeoisie zwingen, ihre Vorhaben aus Furcht vor Gefährdung des ganzen Systems einzustellen. In diesem Fall wird es cine Wende in der ökonomischen Orientierung geben; der Libcralismus als Doktrin und der Markt als Allheilmittel werden die Opfer sein. Das würde den Weg für eine interventionistische und nachfrageankurbelnde Staatspolitik freimachen und die keynesianische Tradition rehabilitieren.
Internationale Arbeiterinnenbewegung
GUS
Sozialismus in der ex-SU
Die stärkste unter den Nachfolgcorganisationen der KPdSU dürfte die Russische Kommunistische Arbeiterpartei sein, die aus der Kommunistischen Initiative und der Vereinigten Front der Arbeiter hervorgegangen ist. Aber auch sie hat nur einige tausend Aktive.
Die Partija Truda (PT - Arbeiterpartei) hat am 18. Januar ihre erste allrussische Konferenz durchgeführt. Auf ihr trat sowohl ein linker Flügel um Boris Ichlow (Arbeiterklub Perm) als auch eine sozialdemokratische Strömung auf. Ein von Busgalin und Kolganow verfaßtes Wirtschaftsprogramm wurde beraten und ein Organisationskomitee gewählt.
Eine Reihe von Arbeiterklubs haben sich in der Vereinigung Rabotjij zusammengeschlossen. Bedeutsam ist ferner die anarcho-kommunistische Strömung, die im Januar in Dnjepropetrowsk eine Konferenz abhielt. Darin arbeitet auch die Moskauer Gruppe IREAN mit, zu deren Führern Wadim Damier gehört.
Die Sozialistische Partei um Kagarlitzki, die noch etwa 200 Mitglieder hat, hat sich nach ihrem Kongreß im Oktober gespalten. Eine sozialdemokratisch orientierte Minderheit um Maljutin und Lepjochin hat sich als "Neue Linke" etabliert und tritt für ein Bündnis zwischen ArbeiterInnen und "einsichtigen Unternehmern" ein. Sie lehnt die Mitarbeit in der PT ab.
Die russische Inprekorr ("Inter-Vzgljad") ist kürzlich registriert und damit offiziell legalisiert worden. Eine Broschüre von Mandel über Trotzki ist gerade heraus gekommen. Andere werden vorbereitet. Die weiteren Arbeitsmöglichkeiten werden durch Spendenbereitschaft bestimmt werden (siehe Spendenaufruf Osteuropa).
TSCHECHOSLOWAKEI
Hexenjagd
Das tschechoslowakische Parlament stimmte am 20. Dezember 1991 unter dem Druck des Finanzministers Vaclav Klaus und der Demokratischen Bürgerpartei für ein Gesetz, daß "jede Person, die ... Kommunismus oder Faschismus unterstützt oder weiterverbreitet" mit Gefängnis von ein bis fünf Jahren bedroht.
Das lustrace (Enthüllungs-) Gesetz von Oktober letzten Jahres zielte auf alle ab, die mit dem alten Regime zusammengearbeitet oder in der Miliz gedient hatten und die kleinen und großen "WürdenträgerInnen" des Regimes. Diese haben für fünf Jahre Berufsverbot für alle öffentlichen Stellen. Die Tschechoslowakei wird von einer Solidarität mit Cuba!
Der folgende aus Frankreich stammende Aufruf, für den international Unterschriften gesammelt werden, wendet sich gegen die Wirtschaftsblockade Cubas. Das breite Echo (allein 75 Abgeordnete des Europaparlaments haben unterzeichnet) zeigt die Möglichkeit und Notwendigkeit der Verteidigung Cubas, die die imperialistischen Staaten und die (ex-) Sowjetunion unmißverständlich angreift, aber auch die cubanische Regierung nicht kritiklos unterstützt Weitere Unterschriften bitte an die Redaktion Inprokorr c/o ISP-Verlag, Postfach 111017, 6000 Frankfurt/M.1.
Die Kombination von US-Embargo, das selt dreißig Jahren andauert, und drastischer Reduktion des Handels mit der Sowjetunion und den osteuropälschen Ländern hat in Cuba eine dramatische Situation geschaffen.
Lebensmittel und andere güter werden immer knapper. die unbestreitbaren Erfolge im Gesundheitswesen und im bildungsbereich sind bedroht. Im Namen der Menschenrechte wird Kritik an dem zweifellos existierenden Mangel an Demokratie geübt. Aber diese Kritik erlaubt nicht - zumal nicht im Namen der Menschenrechte -, ein Land wirtschaftlich zu erdrossein. Wir haben unterschiedliche Positionen zum cubansichen Regierungssystem. Dennoch verurteilen wir gemeinsam den Versuch, eine politische Führung durch Aushungern der Bevölkerung zu stürzen.
Die einseitige Aggression durch die Weltsupermacht kann absolut nicht zur Freiheit dieses Volkes führen.
Wir fordern deshalb ein Ende der Blockade, die ein Angriff auf das Leben und die Würde des cubanischen Volkes ist.
Eretunterzeichnerinnen:
Roland Lew, Francois Maspero, Gilles Perrault, Antoine Comte, Mgr. Gaillot, Sine, Thierry Jonquet, Graud de la Pradelle Paulo Antonio Paranagu, Michele Rey, Janette Habel, Didier Daenickox, Michael Löwy, Costa Gavras, Jeanne Singer, Danie Singer, Pierre Brocheux
Erstunterzeichnerinnen in der BRD:
Ulrich Briefs (MdB, POS-LL), Jutta Ditfurth (Ökologische Linke), Gregor Gysi (MdB, PDS-LL), Dorothee Piermont (MdEP), Jakob Moneta (ehemaliger Chefredakteur von "Metall'), Hans-Jürgen Schulz (VSP, IV.Internationale), Günter Wallraft (Schriftsteller), Peter von Certzen (Parteivorstand der SPD) Die folgenden Unterschriften geben den Stand vom 24.3.1992 wieder. Weitere Unterzeichnerinnen aue der BRD: H. Breyer (MdEP, Die Grünen), D. Rogalla (MdEP, SPD), Georg Füberth (Professor), K.H. Roth, Winfried Wolf (SoZ, VSP), J. Scheer (Professor), R. Trampert (Radikale Linke, ex-MdB Die Grünen), Günther Wallraff (Schriftsteller), Dr. Ursula Fischer (MdB, Parlamentarische Geschäftsführerin der POS-LIL), Dr. Andre Brie (Parteivorstand der PDS), Dr. Ernst Struad (PDS), C. Roth (MdEP, Die Grünen), Martin Deuß (USPD), Hans Wauer (KPD), Eberhard Czichon (PDS), Dr. Heinz Marohn (PDS). Heinrich Fink (Dekan der Humboldt Universität Berlin), M. Rothe (MdEP, SPD). W. Telkämper (Vizepräsident des EP, Die Grünen), Sigmund Fischer, Peter Oldenbossel, Heike Gundermann (PDS), Michael Brie, Jutta Braband (MdB, PDS), U Baumgärtner, V. Beckhoff, A.D. Boris (Professoren), K. Bätjer Ckassen (Professor), E. Walde (ehemaliger Geschäftsführer, Die Grünen), Karen Benda (ehem. LaVo Die Grünen Nds). Weitere Unterechriften:
Orlando Nunez (FSLN), Rafael Taveras (Gen. Sekretär des Bloque Socialista (Dominikanische Republik), Priscilla Pacheco (PRT-Mexico), Rafael Santos (Abgeordneter der Partei der Dominikanischen Arbeiter), Luis enrique Mejia Godoy (Sänger, Nicaragua), Omar Ceabzas ((FSLN), Edgardo Garcia (Gen. Sekretär der ATC, Nikaragua), Dan Heap ( Abgeordneter der New Democratic Party, Canada), Carlos Brito (Abgeordneter der KP-Portugals), G.Girardi (Philosophieprofessor, Italen), Cesar Jerez (Jesut, Rektor der UCA in Managua), Evans Lescauflaire (Bewegung Lavalas, Professor, Haiti), Cesar Banera (Abgeordneter , Peru), Erika Dannenberg (KP Osterreichs), Jose Ramo (Gen. Sekretär der Lehrerinnegewrkschaft SUTEP, Peru), Wilson Reategui (Rektor der San Marcos Universität, Peru), Jorge Del Prado (Gen. Sekretär der KP Perus, Abgeordneter), Rolando Brena (Präsident der UNIR, Peru), Max Correa (Sekretär für internationale Angelegenheiten der M-19, Kolumbien), A Egido (Herri Batasuna, Euskadi), Ernest Mandel (Vereinigtes Sekretariat der Vierten Internationale), Rene Nunez (Leitung der FSLN), Lacticla Herrera (Commandante der FSLN), Carlos Ferdinand Chamorto (Leiter der BARRICADA Nicaragua), Lea Guido (FSLN, ehem. Gesundheitsministerin), Miguel D'Escoto (FSLN, ehem. Außenminister), Mario Aguina (Abgeordneter der UDN, El Salvador), V.E. Trawkin (UdSSR), P.K. Laschinski (ehem. Politbüro der KPdSU), Zuhdi Terzi (PLO Palâstina), Alem Rojo (Movimiento Bolivia libre, Abgeordneter), Neville Alexander (WOSA, Südafrika), Tony Benn (Abgeordneter der Labour Party), E. Hobsbawn (Professor, GB), P. Heathfield (Generalsekretär der Bergarbeiterinnengewerkschaft, GB), Rose Acker (Stuttgart), Helga Amal-Schoder (Mannheim), Dr. Helmut Arnold (Frankfurt/ M.), Karl burgmeier (Stuttgart), Beate Brunner (Winsen/Ruhr), Prof. Theodor Bergmann (Stuttgart), Dr. Burchard Bösche (Frankfurt/M.), Christa Göppert (Frankfurt/M.), Hans Hasselkus (Bochum), Michael Janitzki (Gießen), Annelore Kromer, Egon Kromer, Carsten Kunkel, Doris Kunkel (Stuttgart), Winfried Leupolz (Leutkirchen), Fritz Musper (Stuttgart), Uschi Nienhaus, Bob Spitz (Köln), Otto Wahl (Stuttgart), Vangelis Sakkatos (Schriftsteller), Michael Sauel, Wolfgang Zimmermann (PR-Vorsitzender) Iris Vogt, Rainer Morgenstern (PR-Vorsitzender), Anna Sakkatou, Helmut Schmitt (BR-Gew. Leder), Jakob Schäfer (BRV-IG- Metall, Klaus Kerner (BR-IG-Metall), Bernhard Strasdeit, Ekkehard Stein, Wolfgang Alles (VM-IG-Metall), Elke Hinsch, Axel Kunze, I Bianca Köster, Horst Schwanke, Sabine Meyer, M.-. Lehmann, Lilo Cottermoser, Theodor Völki (BR-IGM), Björn Krüger, Lars Steinau, Peter Langos, Rudolf Segall, Bernhard Brosius, Hansjörg Schepp (GEW), Silke Waren (sozialistische Feministin, dju).
Gewerkechafterinnen solidariach mit Cube, Erstunterzeichnerinnen: Georg Benz, Krain Benz-Overhage, Dr. Heinz Bierbaum (Frankfurt/M.), Heinz Brandt (Bochum), Helmut Brandt (Stuttgart), Rainer Einenkel (Bochum), Ulrich Franz (Wuppertal), Hans Peter Georgens (Karisruhe), Manfred Hackh, Wolfgang Haupt, Karl Holzmann (Stuttgart), Peter Jaszczyk (Bochum), Christoph Jetter (Frankfurt/M.), Otto König (Hattingen/Ruhr), Erhard Korn (Steinheim/Murr), Michael Krausz (Hamburg), Walther Kühn (Göppingen), Kari Lösch (Stuttgart), Gustav Martin (Esslingen) Menne Meier (Heidenheim/Brenz), Werner Pfennig, Siegfried Pommerenke (Stuttgart), Lilo Rademacher (Friedrichshafen), Erich Rauscher (Stuttgart), Hermann Rettich (Schwäbisch Gmünd), Bernd Riexinger, Reiner Saim, Roland Sauer (Stuttgart) Edgar Schmidt (Ludwigsburg), Peter Schoder (Mannheim), Günther Volz (Schwäbisch Hall), Michael Wendi (München), Werner Wild (Stuttgart).
Internationale Arbelterinnenbewegung regelrechten Hexenjagd heimgesucht. Dagegen regtesich im In-und Ausland Protest, darunter auch der unten wiedergegebene "Offene Brief an Vaclav Havel":
"Die Anderung des Strafgesetzes, die von einer Mehrheit der Abgeordneten im Prager Parlament angenommen worden war, krimina- Iisiert alle, die "kommunistische Ideen" vertreten und die für "Klassenhaß" einstehen, was im Gesetzestext mit Faschismus und Rassenhaß gleichgesetzt wird. Diese undemokratische Maßnahme könnte gebraucht werden, um das "Kapital zu verbrennen und Individuen nicht für ihre Taten, sondern ihre Gedanken zu verfolgen... Wir, die wir uns mit den Opfern stalinistischer Repression solidarisch erklärt und aus diesem Grund Vaclav Havels Kampf für Demokratie unterstützten, glauben das Recht zu haben, den Präsidenten der Tschechischen und Slowakischen Bundesrepublik dazu aufzufordern, all seine Autorität geltend zu machen, um die Streichung dieses freiheitsfeindlichen Gesetzes zu erlangen."
Erstunterzeichnerinnen:
Madeleine Reberioux (Präsidentin der Ligue des Droits de l'Homme), Gilles Marinet (Französischer Botschafter), Monscigneur Jacques Gaillot (Bischof von Evreux, Frankreich), Petr Uhl (Bundestagsabgeordneter aus Prag), Yves Jouffa (Ehrenpräsident der Ligu des Droits de l'Homme, Frankreich), Michel Vovelle, (Leiter des Institut d'Histoire de la Revolution, Frankreich), Marc Terwagne (Koordinator der Kommission für internationale Beziehungen der Ecolo-Partei, Belgien), Peter van Oertzen (Bundesvorstand der SPD), Daniel Bensaid (Professor, Frankreich), Gilles Perrault (Schriftsteller, Frankreich), Hugo van Dienderen (Abgeordneter von AGALEV, Belgicn), Jose Luis Lopez Aranguren, (Schriftsteller, Spanischer Staat), Carlos Saura (Filmemacher, Spanischer Staat), Jose Antonio Gimbernat (Präsident der Menschenrechtsvereinigung, Spanischer Staat), Antonia Garcia Santesmases (Mitglied des Bundeskomitees der Spanischen Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE), Jacques Bourgaux (Vizepräsident der Belgischen Vereinigung Demokratischer Juristen), Wolfgang Thierse (Stellvertretender Vorsitzender der SPD).
SRI LANKA
Gewerkschaft gegen Repression
Am 29.1.1992 fand in Colombo cine Generalversammlung der Mitglieder der Ceylonesischen Handels-, Industric- und allgemeinen Gewerkschaft statt. Daran beteiligten sich ca. 5.000 Menschen.
Das Treffen nahm einstimmig drei Beschlußvorlagen des Generalrates der Gewerkschaft an. Die erste befaßte sich mit Antworten auf die sozialen Verschlechterungen im Land und wendete sich gegen den Abbau von Sozialleistungen. Die zweite und dritte betrafen den Bercich der demokratischen Rechte und wendeten sich sowohl gegen Angriffe auf Streikende als auch gegen die weitgehenden Vollmachten, die der Präsident/die Präsidentin im Ausnahmezustand bekommen können.
TrotzkistInnen feiern Jahrestag
Die trotzkistische Gruppe auf Sri- Lanka, die Nava Sama Samaja Party (Neue Sozialistische Partei) feierte am 25.1.1992 ihr 14. Gründungsjubiläum. Über 3.000 Mcaschen kamen zu der Veranstaltung, die ebenso wie die Entscheidung der NSSP, sich der Vierten Internationale anzuschließen, großes Echo in den Medien fand.
KATALONIEN
Bericht zur Abtreibung
Wie im gesamten spanischen Staat ist auch in Katalonien die Abtreibung verboten. Ausnahmen werden nur gemacht, wenn die Frau vergewaltigt wurde, der Fötus "deformiert" ist oder das Leben der Mutter gefährdet ist. Welche Probleme diese Gesetzgebung mit sich bringt, mußte nun auch ein offizieller Bericht der katalonischen Regierung zugeben. 1991 hatten 200 junge Frauen in jedem Quartal cine Abtreibung - 13 auf 1000. So allein die offiziellen Zablen, die weit unter den tatsächlichen liegen.
Neun von zehn Jugendlichen von 18-19 Jahren benutzen keine Verhütungsmittel und 88% waren noch nie in cinem Familienplanungszentrum (54% aller Frauen, die Abtreibungen vornehmen lassen.
Spenden
GRS: Oslo 150 DM, Klaus 100, Friedrich, Michel, Silvia, Axel, Gerald alle Jewells 50 DM, GerlInde 40DM, Beate 20 DM.
Alter Stand: 23.522,66 DM
Neuer Stand: 24.062,66 DM
Inprekorr: Thomas 200, Eberhard, Schade 200, Klaus-Peter 50.
Alter Stand: 6.570 DM
Neuer Stand: 7.220 DM
Osteuropa: Rosemarie 200 DM, Klaus-Peter 100 DM.
Alter Stand: 1.620 DM
Neuer Stand: 1.920 DM
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Straße, Hausnummer
PLZ, Ort
VERTRAUENSGARANTIE: Mir Ist bekannt, daß ich diese Bestellung ohne Angabe von Gründen Innerhalb von 14 Tagen bei Inprekorr, Aquinostr. 7-11, W-5000 Köin 1, schriftlich widerrufen kann. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Abendung des Widerrufs. Im Fale einer Adressenânderung bin ich damit einverstanden, daß die DeutecheBundespost Postdienst meine neue Anechrift an den Verleger weterietot Datum, Unterschrift
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