BELGIEN: 15000 SCHULER DEMONSTRIEREN GEGEN DIE ARMEE **+++++ •++++ 14++. ++++++++ ++÷++++++++++++++++++++ 15 000 Schüler gingen am 31. Januar auf die Straße, um zentral gegen die Vorhaben de Regierung, die Armee zu reformieren, vorzugehen. 150 000 waren es im ganzen Land, die in praktisch allen großen Stadten an vielerlei Aktionen teilgenommen haben. Diese Mobilisierung der Jugend ist die bedeutendste, die Belgien jemals gekannt hat. Anlaß ist ein Vorhaben des Verteidigungsministers (Van Den Boeynants), nach dem die Armee reformiert ( Verstärkung der Kampfeinheiten, Verjüngung der Offiziere, Appell a Freiwillige) und die Zurückstellungen aufgehoben werden sollen. Die Revolte der Oberschüler ist durch den letzten Punkt hervorgerufen worden, sie ist aufgrund der brutalen Re pression, mit der sie zu tun hatte, in den letzten beiden Wochen immer breiter geworder. Am 24. Januar wurde eine friedliche Demonstration in Brüssel von der berittenen Gandar merie mit blankem Sabel angegriffen. Die Polizei gab Warnschüsse in die Luft ab. Die Repression stellte brutal Tausende von Schülern vor die Notwendigkeit der Selbstver teidigung, was diese dazu führte, den Kampf auf ein anderes Regierungsvorhaben auszuweiten, das Vranck×-Projekt. Es zielt darauf ab, den Ordnungsdienst bei Demonstrationen zu verbieten. Verboten, mit Helm und Lederjacke zu einer Demonstration zu gehen! Wen dieses Vorhaben durchkommt, heißt das, daß jeder Demonstrant akzeptieren muß, sich der Schlägern und Bullen auszuliefern und sich barhäuptig den blanken Sabeln der Reiterstaf feln zu präsentieren. Die VDB- und Vranck×-Vor lagen illustrieren, wie weit Belgien schon auf dem Weg zum starken Staat' ist. Die belgische Bourgeoisie vertraut ebenso wie ihre französische Nachbarin mehr und mehr ihre Sicherheit der Polizei- und Militärgewalt an. ERSTER SIEG FÜR DIE SCHULERFRONT
Am 28. Januar wurde in Brussel die Nationale Schülerfront gegen die Armeereform gebilde An ihr nehmen sämtliche Massen-Kampfkomitees der vier größten Städte - Antwerpen, Brüs sel, Lüttich und Gent - teil. Am 3l. fand eine zentrale Demonstration mit 15 000 Personen statt. Ein Arbeiter, der seinen Sohn begleitet hatte, wurde mit einem doppelten Schädelbruch in ein Krankenhaus gebracht.
Danach hat Van Den Boeynants in einer Erklärung über den belgischen Rundfunk und das Fernsehen zur "Konzertation' " aufgerufen. Der Erziehungsminister seinerseits hat offiziel vorgeschlagen, daß die Nationale Schülerfront an den Diskussionen um das Projekt der Armeereform teilnehmen solle. Das bedeutet natürlich eine: normen Sieg für die radikali sierte Jugend. Die Bewegung war Mitte letzter Woche (Anfang Februar) auf ihrem Höhepunkt. In Lüttich und Brüssel waren samtliche Oberschulen in Streik und besetzt. DieSchülerfront muß jetzt Perspektiven finden, um die Bewegung weiterzutreiben. Das Ziel ist klar: Nieder mit den VDB und Vranckx-Vorlagen! Weg mit der Aufhebung der Zurückste llungen!
Was unsere Genossen von der belgischen Sektion der IV. Internationale angeht, der "Lig. Revolutionnaire des Travailleurs, so hat der belgische Rundfunk ihnen eine große Ehre an getan, indem er sie ausdrücklich als die Verantwortlichen für die Demonstration vom 31. nannte und lange Auszüge aus ihrer Zeitung LA GAUCHE verlas. Soviel haben wir gar nicht erwartet. Offensichtlich weiß die kürzlich inthronisierte Regierung des "Sozialisten 'eburton ihre Feinde zu erkennen.
S. 22 INPREKORR 15.2.73
Aus einem Interview mit Gilles Augier: Mitglied des ZK der LRT und Verantwortlicher Für die Schülerarbeit:
Wie war die Bewegung organisiert?
Am Anfang nach Städten, in Form von Mobilisierungskomitees. Aber sehr schnell wurde die nationale Zentralisierung notwendig, umso mehr als sich die Bewegung sehr ungleich entwickelte von einer Oberschule und von einer Stadt zur anderen. Am 29. Januar wurde auf Initiative der Komitees von Gent, Antwerpen, Brüssel und Lüttich die 'Nationale Schülerfront* geschaffen; sie sollte sowohl die Belegung zentralisieren als auch als einzige befugte Vertreterin der Schüler auftreten ( in der Zwischenzeit hatte die Bourgeoisie nämlich angefangen, von "Konsultationen" und "Verhandlungen" zu sprechen, nur ohne die Hauptbetroffenen: die Schuler seibst).
Die Nationale Schülerfront hielt ehren ersten Kongreß am 3. Februar, aber aufgrund insbesondere der ultrasektiererischen Haltung der Flamischen Mao-Stalinisten kam nichts dabei heraus. Auf dem zweiten Kongrei dagegen am i0. Februar, an dem 400 Flamen und Wallonen teilnahmen, wurde eine Entschließung angenommen und eine regionale und nationale Strukturierung , beschlossen.
Offensichtlich ist diese Bewegung nicht uber die Schülerkreise hinausgegangen... Das stimmt. Ganz einfach deswegen, weil sich er die Schüler direkt betroffen gefühlt haben. Die Studenten sind ziemlich gleichgultig : eblieben. Aber es kamen wichtige Solidaritätsbeweise, vor allem nach der brutalen Repression vom 24. Januar: So haben wir Unterstützungserklarungen von etlichen Gewerkschaftssektionen bekommen. Vor allem haben uns die streikenden Erdolarbeiter Berzin gegeben, damit die Busse nach Brüssel fahren konnten. Die Bewegung ist also auf Schuler beschränkt geblieben, aber sie war von exemplarischer Bedeutung und ließ vor den Augen aller Schichten der Bevölkerung den militaristischen und repressiven Aspekt der Plane der Bourgeoisie deutlich werden. Diese Bewegung spielte sich mitten in einer Regierungskrise ab. Hatte sie darauf Auswirkungen?
Also ehrlich, überhaupt keine. Diese Krise dauert seit dem letzten November und ist eine interne Krise der Bourgeoisie; es geht um eine Neuverteilung der wirtschaftlichen und politischen Macht. Aber die ganze Zeit über blieb die Bourgeoisie gegenüber der Schülerbewegung fest zusammengeschweißt. So fest, daß man Van Den Boeynants auf dem Posten des Verteidigungsminısters ais Symbol behalten hat, während er die Zielscheibe der ganzen Bewegung war.
Und wie gehts weiter?
er ist schwer, im einzelnen vorauszusagen, was geschehen wird. Meiner Ansicht ist es unmoglich, daß die Bourgeoisie die Vorhaben unverandert beibehalt. Sicher wird sie versuchen, diese abzuschwachen, sie zu "würzen", , um ihre Koharenz weniger offensichtlich zu machen, und es ist wahrscheinlich, daß die Möglichkeit der Zurückstellung vom Wehrdienst schließlich erhalten bleibt. Sie versucht auch, mit dem Vorwand der 'Konzertation' die Sachen in die Länge zu ziehen. Die Schulerfront hat beschlossen, eine große Propagandakampagne 15 Tage lang gegenüber der Bevolkerung zu führen, um den Sinn der Schülerbewegung zu erkären und "vor den Manipulationsmanövern der Regierung hinsichtlich des sogenannten Konzertierungsvorschlags" zu warnen. Im Augenblick verzichten wir auf neuerliche nationale Aktionen, auf neue Kraftproben: das käme auf Wiederholungen hinaus und würde vor allem dem großen Anklang, den wir fanden, schaden. Aber wenn die Bourgeoisie ihre Vorhaben unverändert beibehält oder die Sache zu sehr in die Länge zieht, dann geht es wieder los. Und zwar noch stärker als im Januar. Nichts wird in der belgischen Jugend mehr so sein wie vorher.
INIDDCYADD 23 ===== S. 13 | Inprekorr_19730215_024_013.jpg ===== VAILLIILIT LAITUE U LITE NALOIALI +e++++ +++- ++++ +++ •+++++++ Der lautstarke Einbruch der Studentenbewegung in die Szene der Klassenkämpfe in Grie chenland kündigt 'unwiderruflich an, daß die lange Periode der Zerstreuung und der De mobilisierung der Massenbewegung nun zu Ende geht. Die Krise, die seit langem schwe und in der letzten acht Monaten in dauernder Agitation zum Ausdruck kam, ist ausgebro chen, als Tausende von Studenten auf die Straße gingen. Die korporatistischen und den kratischen Illusionen verhafteten Versuche in den ersten Mobilisierungen haben sich unte dem doppelten Druck der Repression und der Unmöglichkeit von Aussprachen in Demonstn tionen verwandelt, die einen offen anti-diktatorischen und sogar anti-imperialistischen Charakter annahmen.
• Der Ausbruch vom Februar bildet nur den vorläufigen Höhepunkt einer Agitation, die sic zum ersten Mal im April 1972 gezeigt hat. Sie drehte sich damals um die demokratische Wahl der Führung der Studentenvereinigungen, durchlief die Etappen der Petitionen, Protestversammlungen und friedlicher Umzüge und errang ihre ersten Erfolge schon im gangenen November, als die große Mehrheit der griechischen Studenten die falschen un verfänglichen Universitätswahlen, die von der Junta organisiert und von ihren Spitzein durchgeführt worden waren, aktiv boykottierte. Die Bewegung war so selbstsicherer ge worden, ging nach den Ferien weiter und richtete sich nun gegen die Charta für eine technokratische und polizeiliche Reform des Erziehungswesens. So konnten die Studenten bis jetzt, obwohl sie meistens von unmittelbar korporatistischen Forderungen ausgegangen waren, vermeiden, daß die Bewegung von Reformisten und Stalinisten aller Couleu aufgefangen wurde, indem sie ihre besondere Situation ziemlich richtig als Teil eines Ganzen sahen, das im wesentlichen unter denselben Bedingungen lebt. Dadurch konnten sie sich in autonomen Basiskomitees organisieren und ihre Forderungen auf die ganze U versitätsbevölkerung ausdehnen.
Die letzten Wochen waren von Zusammenstoßen von einer Harte gekennzeichnet und vo einem Umfang, wie wir es seit sechs Jahren nicht mehr erlebt haben. Heute sind zehntausende von Studenten (sowie Lehrlinge der Technikerschulen) in Streik, besetzen, w sie können, die Fakultäten und gehen mehrere Male in der Woche auf die Straße. Vier Universitätsstädte werden von der Bewegung erfaßt: Athen, Saloniki, Patras und Janina Die Repression ist sehr hart: durch ein kürzlich in aller Eile unterzeichnetes Dekret sind die Freistellungen von Militärdienst aufgehoben, und die "Agitatoren"' werden in Dis ziplinareinheiten der Armee gesteckt; Dutzende von Studenten, wurden verhaftet, ander wurden verletzt. Die Reaktionen darauf lassen nicht auf sich warten: der ganze Profes sorenrat der Polytechnischen Schule (Fakultat der angewandten Naturwissenschaften) m dem Rektor an der Spitze ist geschlossen zuruckgetreten, weil 3 ¿ von den Polizisten ge chlagen worden war, wahrend zahlreiche Surcerliche Personlichkeiten, die bislang stui wenn auch nicht zustimmend geblieben waren, sich nun schnell distanziert haben, weil sie die Politik der Obersten fur unverantwortlich" hielten.
ia die griechische Universitat seit zehn Jahren außerordentlich übervölkert ist (85 000 Studenten für ein unterentwickeltes Land von 8,5 Millionen Einwohnern), was darauf zurückgeht, daß breite Schichten der Kleinbourgeoisie, die verarmten, an die akademi schen Diplome klammern, obwoir sie keine Zukunft bieten, da die griechische Bourgeo sie nicht in der Lage ist, sie rentabel einzusetzen, deshalb wurde die griechische Universität zum Kampffeld und führt zur Politisierung einer breiten jungen Avantgarde. Si steht im Kreuzpunkt grundlegender Widersprüche der griechischen Gesellschaft; deshalb dient die Studentenbewegung nicht nur als Schule für junge Kader der revolutionären Linken, sondern auch als Detonator für die Reaktivierung der Arbeiterkämpfe. Wir müs sen uns bewußt werden, daß eine neue Front von großer Bedeutung an einem strategisc Ort entstanden ist, und den exemplarischen Kampf der griechischen Genossen unterstütz Nieder mit der Armee der Obersten und der Repression durch Armee und Gefängnis! Freiheit für die gefangenen Studenten! (N. T. Aus LA GAUCHE Nr. 9 vom 239Febr.