Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Nachruf

I. B. Tabata (1910-1990)

Inprekorr Nr. 234, Januar/Februar 1991 · S. 31 · 697 Wörter

Südafrika IV. Internationale

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nen, Umweltschützem, Antiimperia- I.B.Tabata listen, Antimilitaristen und mit Leuten, die gegen den Rassismus arbei- (1910-1990) ten.

Was wir dazu beitragen können, das ist der marxistische Klassen- Am 15.Oktober 1990 ist : Isaac standpunkt. Wir können z.B. den Bangani Tabata in Harare, der Hintergrund der Umweltzerstörung Hauptstadt Zimbabwes, • im Alter erklären. von 80 Jahren gestorben. 1963 hatte er Südafrika verlassen müs- Kann die IV. Internationale heute sen, seither lebte er im Exil. Er war in der Welt eine Rolle spielen? der erste, gegen den eine fünfjährige Bannverfügung verhängt wor- Wir wollen eine neue revolutionäre den war. Masseninternationale aufbauen. Eine Er veröffentlichte mehrere ganz neue Schöpfung. Heute bauen cher, u.a. Education for Barbarism wir unsere Internationale als ein (1960), The Awakening of a People Werkzeug für diese Arbeit auf. Zu- (1950), Imperialist Conspiracy in sammen mit anderen werden wir die Africa (1974). Zusammen mit andeneue Internationale aufbauen. ren Persönlichkeiten seiner Zeit wie Die Linke entwickelt sich im Goolam Gool, Jane Gool und ande- Weltmaßstab sehr ungleichmäßig. ren crarbeitete er bercits in den drei- Wann, wo und wie neue revolutio Biger und vierziger Jahren eine matenar -sozialistische Kräfte heran- nalistische Analyse der südafrikaniwachsen werden, kann man unmög- schen Gesellschaft. lich sagen. Aber bercits heute verän- Er gehörte dem Lenin Club an, dert sich die IV. Internationale in der der 1930 in Kapstadt von ehemaligen immer offeneren Zusammenarbeit Mitgliedern der South African mit anderen Strömungen. Communist Party (SACP) gegrün- Wir leben jetzt in einer Über- det wurde, die als „Trotzkisten" gangsperiode, auch was das politi- ausgeschlossen worden waren. Als sche Bewußtsein betrifft. Ganz. sich diese Gruppierung 1934 spal- Westeuropa ist vom Sozialabbau be- tete, gehörte Tabata zu der Mindertroffen; die Marktwirtschaft bedroht heit, die die Workers Party of South den Lebensstandard der Arbeiter- Africa (WPSA) bildete. klasse in Osteuropa; die Dritte Welt Die beiden Fraktionen der Beweerlebt eine tiefe soziale Krise. gung für cine IV. Internationale, die Sozialistische Lösungen sind mehr es in den dreißiger und vierziger Jahdenn je erforderlich. Und wir wis- ren in Südafrika gab, unterschieden sen, daß sich die Menschen durch die sich u.a. in bezug auf die Charakteri- Erfahrungen, die sie machen, verän- sierung der südafrikanischen Revodem. lution: Während die WPSA die Beto- (Internationalen, Nr.830-31, nung auf die afrikanische Bauern- 20. Dezember 1990) schaft legte und die Agrarrevolution als zentral ansah, betonte die zweite Gruppe, die Fourth International Organisation of South Africa (FIO SA), die proletarische Revolution und die führende Rolle der städtischen Arbeiterklasse.

I. B. Tabata war Gründungsmitglied der WPSA sowie zahlreicher weiterer Anti-Apartheid-Organisationen, darunter der 1961 gegründeten African People's Democratic Union of Southern Africa (APDU. Nachdem eine Gruppe jüngerer Intellektueller (u.a. Neville Alexander, K. G. Abrahams) 1961 wegen ihrer Kritik an der Führungsgruppe der APDUSA ausgeschlossen worden war, baute sie die National Liberation Front auf, die als erste Gruppierung für Südafrika nach dem Vorbild der kubanischen Revolution eine Konzeption des Guerillakampfs entwickelte. Später versuchte auch eine von I. B. Tabata geführte Fraktion der Unity Movement bewaffnete Einheiten aufzubauen. (Diesen Bemühungen war wenig Erfolg beschieden; nach 1961 befand sich die Massenbewegung in Südafrika auf dem Rückzug.) In den achtziger Jah- ren versuchte I. B. Tabata, die von Internationale Arbeiterbewegung ihm geführte Strömung als New Unity Movement, deren Vorsitzender er war, zu reorganisieren. Er war ein herausragender Organisator und ein begabter Redner, der cs verstand, alle Schichten der Unterdrückten zusammenzuführen. Besonders bei der Organisierung der Armen auf dem Lande spielte er cine wichtige Rolle. Er war an der Abfassung vicler bahnbrechender Dokumente des Befreiungskampfs der Schwarzen in Südafrika beteiligt. Wenngleich alle trotzkistischen" Gruppierungen in Südafrika Ende der vierziger Jahre de facto ihre Eigenständigkeit aufgegeben hatten und nur noch lose Kontakte zur IV. Internationale unterhielten, hatten die aus ihnen hervorgegangenen Kader in den Boykottaktionen, für die Politisierung der Massen und vor allem bei der Schulung und theoretischen Selbstreflexion in der schwarzen Befreiungsbewegung eine nicht zu überschende Bedeutung. In diesem Sinne hat I. B. Tabata wertvolle Beiträge für die revolutionäre marxistische Bewegung Südafrikas gelcistet.