DIE FRONT IN DEN BEFREITEN ZONEN ++++++++++ +++++ ++++++++++ •++++ Wie halten sie stand ? Warum halten sie stand ? Das sind die Fragen, die man sich angesichts der massiven Angriffe durch die B-52 und andere todbringende Waffen auf die befreiten Zonen stellt.
EIN ZUSTAND DER DOPPELHERRSCHAFT
Die Karte von den befreiten Gebieten kann nicht nach Art bürgerlicher Kommentatoren erstellt werden. So gibt es gewisse Zonen, die als "von Saigon kontrolliert" angesehen werden. Die Wirklichkeit wird von allen Beobachtern wie folgt beschrieben: Die Kontrolle Saigons beschränkt sich auf einen kleinen Militärposten der Marionettentruppen, der mit den US-Basen verbunden ist. Tagsüber scheint das Dorf den Marionettentruppen zu gehören. In Wirklichkeit gehören die ländlichen Gebiete, die Bauern, die dort arbeiten und deren Bewegungen und Transporte die Marionettentruppen nicht kontrollieren können, ihre Ernten -- denn die Bauern unterstützen die Front massiv mit den Produkten ihrer Arbeit -. der Front. In der Nacht verbarrikadieren sich die Marionetten hinter ihrem Funkgerät, während das Dorf selbst der Front gehört. Sie gibt dann ihre Instruktionen und Informationen. Die Soldaten der regionalen revolutionären Streitkräfte besuchen ihre Familien usw.... Diese unterirdische Machtstruktur erstreckt sich bis in die städtischen Vororte, und, in versteckterer Form, bis in das Herz der Städte selbst, bis in die Gewerkschaften hinein, bis in die politischen Organe der Studentenschaft und der Arbeiter. Man sieht also, daß es sich um einen Zustand von ungleichmäßig entwickelter Doppelherrschaft handelt; jede Ausdehnung der vollständig befreiten Zonen " verschärft den Auflösungsprozess der Marionettenherrschaft.
DER ERSTE UND DER ZWEITE WIDERSTANDSKRIEG
Was bildet den Zement der befreiten Zonen ? Die Antwort ist einfach: die Agrarpolitik 1949 war das hauptsächliche Ziel des Aufstandes der Abzug der Franzosen, und dialektisch mit dieser Frage verbunden, aber doch ziemlich im Hintergrund stehend, die Frage der Agrarreform. Die Verteilung von Land an die armen Bauern und die Senkung der Pachtgebühren waren die Hauptparolen. Diese Reform verwirklichte sich nur langsam. Ihr schleppender Charakter spiegelte sich in der Mobilisierung der Massen wider. Um diesen Zustand zu überwinden, wurde eine radikalere Agrarreform lanciert, die entscheidend zum Sieg bei Dien Bien Phu beitrug. Erst im Jahre 1956 ging man im Norden zur eigentlic en landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft über.
Deç aktuelle Charakter der US-Agression hat die Lösung dieser Fragen modifiziert, ebenso wie die Lehren, die die Vietnamesen aus ihren vergangenen Irrtümern gezogen haben. Die Us- Agression stellte sich einerseits dar als militärische Besetzung des nationalen Bodens, anderer seits als Versuch, ein neo-koniales Regime zu errichten. Die Feudalherren, die Großbourgeoisie, sowie die ausländischen kapitalistischen Gesellschaften nahmen den Boden von neuem in Besitz. Um nach der vorherigen Verteilung des Bodens durch die Front diesen Schritt zurück in die Vergangenheit durchzusetzen, wurden verschärfte Repressionsmaßnahmen nötig. So z. B. das sogenannte Gesetz 10-59. Nach diesem Gesetz konnte jede Person, die sich der Besetzung ihres Landes widersetzte, ohne Gerichtsurteil guillotiniert werden. Diese Art der Repression hatte einen unleugbaren politischen Vorteil: sie stellte von vornherein die Frage des "warum und für wen" auf der Ebene des gesamten Territoriums und im Rahmen von sozialen Klassen. Auf diese Art und Weise kam es fast gleichzeitig an vielen Punkten des Landes zu Erhebungen.
Das nach dem Abzug der Franzosen erreichte sehr hohe politische Niveau stellte von vornherei, die Frage des ""Landes, das denen gehören soll, die es bebauen" in den Vordergrund. DIE AGRARPOLITIK
Die Natur des neokolonialen Regimes selbst also zwang die Revolutionäre in ihrem Kampf wei terzugehen. Schematisch kann man unterscheiden zwischen den großen Plantagen mit einem zahlenmäßig starken Landproletariat und den Pachthöfen. Die landlosen Bauern erhielten ein Stück Land verpachtet. Aber die massiven amerikanischen Bombardierungen zwangen die Bevöl. kerung sehr schnell, zu einem Minimum an kollektiven Leben Zuflucht zu nehmen: Organisie. rung von Selbstverteidigungskräften; Arbeitskollektive zur Ausbesserung der Bewässerungsanlo gen und des Straßen- und Wegesystems, die geplante und von der Basis kontrollierte zentre sierte Akkumulation des landwirtschaftlichen Mehrprodukts auf der Ebene von verschiedenen Dörfern, um die Auswirkungen der von den Amerikanern verursachten Plünderungen und Verwüs tungen zu lindern, Produktion von Werkzeugen und Geräten, die gemeinschaftlich benutzt wer den, durch die kleinen Fabriken der Front.
So ist man sehr schnell in das Stadium einer halbsozialistischen Produktionsgenossenschaft ein getreten. Daraufhin erfolgte die totale Kollektivierung. Das Bedeutet, daß die kollektivistische Umwandlung der Landwirtschaft in den vollständig befreiten Gebieten des Südens schon heute in Angriff genommen wird, während dies im Norden erst mehrere Jahre nach Dien Bien Phu geschah. Die großen Plantagen, die früher Landarbeiter beschäftigten, wurden nicht - was rückständig gewesen wäre -- in kleine Privatbesitztümer parzelliert. Sie wurden von vornherein kollektiviert. Eine solche Struktur ließ eigene Machtformen entsthen: die an Ort und Stelle gewählten provisorischen Revolutionskomitees. Die Vereinigung dieser Komitees, verstärkt durch jene, die die unterirdische revolutionäre Macht bis in die städtischen Vororte koordinieren, gründeten 1968 die Provisorische Revolutionsregierung. Die gemeinschaftliche Organisierung der landwirtschafltichen Produktion erklärt die außeror dentliche Widerstandsfähigkeit der befreiten Zonen. Die vor Augen stehende Verwirklichung obengenannter Ziele erklärt dann auch die Tatsache, daß die Pazifierung wie ein Kartenhaus zusammengebrochen ist als die regulären Marionettentruppen durch die Offensive bewegungs unfähig gemacht wurden. Andererseits organisiert die Front in den vollständig befreiten Zoner ein Gesundheitssystem mit kollektiven Krankenhäusern. Die Front organisiert das Erziehungs wesen, ebenso wie die Ausbildung von mittleren technischen Kadern. Sie errichtet auch kleiner Produktionsstätten. In den theoretisch unter Saigoner Kontrolle stehenden Gebieten kontrollier die Front übrigens den Güterverkehr.
WAFFENSTILLSTAND ? DER KAMPF GEHT WEITER !
Die Tatsache, daß die Wahlen auf allen Ebenen frei und von den verschiedenen Komponenten kontrolliert werden sollen, ist eine Garantie für die Front und für die Rolle, die ihre rückwärtigen Gebiete im politischen Kampf nach einem Waffenstillstand spielen können. Denn es wird sich folgende Frage stellen: seid ihr für die Beibehaltung der kollektivierten Landwirt schaft, die, trotz der Bomben, eure Lebensweise und sogar die Qualität eures Lebens ( es gibt keine Hungersnöte mehr!) grundlegend geändert hat? Wünscht ihr, die ihr in den angeblich unter Marionettenkontrolle stehenden Gebieten lebt, daß sich diese unterirdische Machtstruk fur endgültig an der Oberfläche materialisiert und ihr das gewinnt, was eure Brüder in den anderen Zonen schon erreicht haben ?
Auf eine politisch viel ausgeklügeltere, militärisch unvergleichlich viel stärkere Agression als diejenige der Franzosen hat die Front quasi von Anfang an mit sozialistischen Maßnahmen ge antwortet. Sie hat die Mobilisierung der Massen und deren gegenseitige Hilfe auf ein quali tativ höheres Niveau gehoben. Darum gewinnt der Vietcong. Dies alles würde auf das Spiel gesetzt mit dem Rückzug der regulären Truppen der Front und des Nordens, die die lokalen Selbstverteidigungseinheiten stützen, ein Rückzug ein Rückzug den die Amerikaner fordern. (G. CHAOUAT, aus ROUGE 182 vom 2.12.72)
S INPREKORR 15 73