Perspektiven der Linken 1989 war die japanische Politik vor allem von Korruption und Skandalen geprägt. Am 18. Februar 1990 siegte, entgegen den Meinungsumfragen und trotz einer Stärkung der Sozialdemokraten von der Sozialistischen Partei (SP), die seit 35 Jahren regierende Liberal- Demokratische Partei (LDP) bei den Parlamentswahlen für das Unterhaus.' Abgesehen von der Frauenbewegung, die sich im Aufschwung befindet, sind die Perspektiven der japanischen extremen Linken derzeit schlecht. Das folgende Interview mit Osamu Hino, einem führenden Mitglied der Japanischen Revolutionären Kommunistischen Liga (JRKL, Sektion der IV. Internationale), wurde von Erdal Tan und Colin Meade für International Viewpoint geführt.
Interview mit OSAMU HINO (JRKL)
- • Was ist die allgemeine politische daß es um die Wahl zwischen Sozialis- Situation nach den Wahlen? Eine Zeit mus und Kapitalismus ginge. lang sah es so aus, als ob die herr- Auf der anderen Seite bildete die SP schende LDP als Resultat der Skandale eine Art Bündnis mit der Komei-Partei, an Unterstützung verlieren würde, aber einer buddhistischen kleinbürgerlichen sie haben wieder gewonnen. Partei, und mit der rechtssozialdemokratischen Demokratisch-Sozialistischen • Die LDP verlor ihre Mehrheit im Partei (DSP). Die SP führte ihren Wahl- Oberhaus, das sie seit den fünfziger Jah- kampf um die Auffassung, daß diese ren kontrolliert haben. Danach war der Koalition die nächste Regierung bilden Brennpunkt der japanischen Politik, ob würde.
sie bei den Parlamentswahlen in diesem Für die Krise der LDP gab es drei Jahr die Kontrolle über ds Unterhaus ver- Gründe. Der erste war der Korruptionslieren würden. Während des Wahl- skandal um den damaligen Ministerpräsikampfs vertrat die LDP die Auffassung. denten Takeshita', der zweite die Einfüh-
rung eines neuen Steuersystems, nach dem alle Waren besteuert werden. Ihre weniger wohlhabenden Anhänger sind alle gegen diese Steuer. Der dritte Grund war die Freigabe des Reispreises nach einem scharfen Konflikt zwischen den USA und Japan zu dieser Frage. Die meisten japanischen Bauern sind gegen diese Freigabe. Offiziell hat die LDP angekündigt, daß auch sie dagegen ist, aber die meisten Bauern wissen, daß dies nur eine Pose ist. Sie wissen, daß die LDP-Regierung gezwungen sein wird, an die USA Zugeständnisse zu machen. Das Resultat ist, daß eine bedeutende Anzahl von Bauern, die bisher ein Stützpfeiler des LDP-Regimes waren, kein Vertrauen mehr in ihr hat. Im kommenden November wird es eine GATT- Versammlung geben, auf der die Frage der Reispreise endgültig entschieden wird.
Das waren die unmittelbaren Ursachen hinter den Problemen der LDP, aber es gibt auch einen langfristigeren Trend. Es gibt eine neue Entwicklung der Frauenbewegung in Japan. Wie ihr wißt, hat die SP Frau Doi zu ihrer Vorsitzenden gewählt, und eine ganze Reihe von Frauengruppen fühlt sich aufgrund dessen zur Partei hingezogen.
In den sechs Monaten zwischen den Wahlen revidierte die LDP das neue Steuersystem, um kleinere Läden u.a. zu schützen, und ersetzte, um sich von den Skandalen freizumachen, ihren Vorsitzenden. Sie gaben auch eine Menge Geld - drei Milliarden Yen - für ihre Kampagne aus.
Was die Opposition betrifft, so versuchten die DSP und Komei Kräfte von weiter rechts anzuziehen, und es gab keinen wirklichen Konsens zwischen diesen beiden Parteien und der SP. Des weiteren kündigte die Vorsitzende Doi an, daß, obwohl das Parteiprogramm einen Satz über die Durchführung einer sozialistischen Revolution enthielt, der nächste Parteitag diesen Satz revidieren würde. Angesichts der Spaltungen und der unklaren Linie der SP gab es für die japanischen Massen mit dem Lager der Opposition keine wirkliche Alternative; sie konnten kein Vertrauen in die Opposition haben. Die LDP war somit in der Lage, sich nach den Oberhauswahlen zu erholen und eine Niederlage abzuwenden. Gleichzeitig war die SP als Resultat der Frauengruppen und anderer neuer Bewegungen und der fortgesetzten Kritik an den neuen Steuergesetzen fähig, Stimmen und Sitze zu gewinnen, während Komei und die DSP Sitze verloren. Da die LDP im Oberhaus in der Minderheit und im Unterhaus in der Mehrheit ist, JAPAN gibt es nun eine unstabile politische Situation.
Die LDP benutzt das Argument, daß es, da es einen ernsten wirtschaftlicher Konflikt mit den USA gibt, ein nationaler Konsens nötig sei. Die SP kann dieser Logik nicht widerstehen, und es gibt keine wirkliche Konfrontation zwischen der Opposition und der LDP. Es gibt heimliche Verhandlungen zwischen ihnen.
• Welches ist der Zustand der Arbeiterbewegung?
• 1989 gab es eine neue Vereinigung in der japanischen Arbeiterbewegung. Im vergangenen Herbst wurde eine große nationale Gewerkschaftszentrale namens Rengo no Kai gebildet. Sie ist das Produkt einer Fusion zwischen dem Gewerkschaftsverband Sohyo, der der SP nahestand, dem Gewerkschaftsverband Domei (mit der DSP verbunden) und der unabhängigen Gewerkschaft Churitsu Roren. Rengo hat etwa acht Millionen Mitglieder und organisiert die überwältigende Mehrheit der Arbeiterklasse. Dies ist ein historisches Ereignis. Es markiert das Ende der linksreformistischen Gewerkschaftsbewegung, die seit den fünfziger Jahren existiert hat.
Neben Rengo gibt es noch zwei weitere Gewerkschaftsverbände: erstens Zenroren, der der Kommunistischen Partei (KP) nahesteht und anderthalb Millionen Mitglieder zu haben behauptet, und zweitens Zenrokyo mit etwa 500 000 Mitgliedern. Diese dritte Gruppe ist kein offizieller nationaler Gewerkschaftsverband - zu ihr gehören sowohl Anhänger der KP als auch der SP. Zum Beispiel konnte sich die Gewerkschaft der städtischen Angestellten in Tokyo nicht entscheiden, ob sie Rengo oder Zenroren beitreten sollte, da sie je zur Hälfte aus SP- und KP-Anhängern besteht. So entschied sich die Gewerkschaft dafür, der dritten Strömung beizutreten. Diese ist keine sehr militante Gewerkschaft. Die klassenkämpferische Strömung darin ist sehr klein, mit vielleicht 50 000 Mitgliedern.
Der Hintergrund für diese Lage geht auf die sechziger Jahre zurück, als die meisten Gewerkschaften in den wichtigsten Privatunternehmen sich nach rechts von der linksreformistischen Sohyo abspalteten. Diese war damit weitgehend auf den öffentlichen Sektor beschränkt. Während des ,,Ölschocks" von 1974/75, der die japanische Wirtschaft vor ernste Probleme stellte, führte das japanische Kapital eine umfassendere Rationalisierung einschließlich Entlassungen durch. Es gab eine allgemeine Offensive der herrschenden Klasse, gegen die Widerstand zu leisten die Gewerkschaftsbewegung, die ständig zurückwich, unfähig war. Sohyo verlor alles, was sie noch in der Privatindustrie hatte. Aber die Offensive wurde auch auf den öffentlichen Sektor ausgedehnt. Im Herbst 1981 fand im Privatsektor eine Vereinigung von Gewerkschaften statt, die ein Vorspiel zur Bildung von Rengo war.
Danach konzentrierte die japanische Regierung in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaftsbürokratie ihre Angriffe auf den öffentlichen Sektor. Der Schlüssel dieser Politik war die Privatisierung der nationalen Eisenbahn, wo es eine kämpferische Gewerkschaft gab. Mitte der achtziger Jahre hatte die Eisenbahnergewerkschaft 250 000 Mitglieder, aber jetzt sind es nur noch 35 000. Die überwiegende Mehrheit der Eisenbahnergewerkschaften ist Teil von Rengo. Die nationale Eisenbahnergewerkschaft NAMIBIA „Menschenrechtsverletzungen der SWAPO - Eine Auseinandersetzung."
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war die letzte Bastion der linksreformistischen Bewegung.
• Ist es für kämpferische Gewerkschafter möglich, in Rengo zu arbeiten? • Die Führer von Rengo sind besonders eng mit den großen privaten Unternehmen verbunden, einschließlich der multinationalen Konzerne, z.B. in der Autoindustrie.
In diesen Sektoren stehen die Gewerkschaftsbürokraten völlig hinter der Gesellschaft. Sie sind für die Freigabe der Reispreise, nicht aus internationalistischen Gründen, sondern weil die Fähigkeit ihrer Firmen, auf dem US-amerikanischen Markt zu verkaufen, im Spiel ist Sie haben ein Netzwerk aus reaktionären Gewerkschaftsführern in asiatischen Ländern, in die ihre Firmen eingedrungen sind, organisiert. Wenn der Internationale Bund Freier Gewerkschaften (IBFG) eine Resolution gegen gewisse Diktaturen verabschiedet, so sind diese Bürokraten dagegen, weil sie die reaktionären Diktaturen im asiatischen Raum vollständig unterstützen.
Die gewerkschaftlichen Strukturen sind mit dem Unternehmensmanagement verwoben, und Gewerkschaftsbürokraten steigen oft zu Managerpositionen auf. In anderen Worten, es gibt keine wirkliche Gewerkschaftsbewegung auf der Ebene der Fabrik. Die Unternehmen gewähren einige Zugeständnisse bei Dingen wie Pausenzeiten und Wohnung, aber es gibt keine wirkliche gewerkschaftliche Aktivität in der Fabrik. Wenn Aktivisten in diesen Fabriken zu wirken anfangen, werden sie sofort aus der Gewerkschaft ausgeschlossen, und es gibt sogar einige Fälle in der Automobilindustrie, wo Gewerkschaftsbürokraten Aktivisten gewaltsam angegriffen haben.
Der Grund, warum die japanische Industrie seit 1974/75 auf dem Weltmarkt zu expandieren fähig war, liegt darin, daß sie in ihren Angriffen auf die Arbeiterbewegung erfolgreich war. Dies gab ihr Vorteile gegenüber den westeuropäischen Ländern, mit freier Hand für Rationalisierungen und Entlassungen. Der andere Grund für den wirtschaftlichen Erfolg war die Errichtung einer hierarchisch strukturierten Wirtscahftszone in Asien.
O Welche Beziehung besteht zwischen der Arbeiterschaft und der SP? • Die Vorsitzende der Partei, Doi, ist eine sehr populäre Gestalt. Sie war Professorin für Verfassungsrecht und hatte die Verfassung gegen die neue Welle der JAPAN
Militarisierung verteidigt. Deshalb ist sie in der Friedensbewegung sehr angesehen. Auch ist sie als Frau in der Lage gewesen, Unterstützung von seiten der Frauengruppen zu gewinnen. Aber in Wirklichkeit ist sie nur eine Gallionsfigur und nicht die reale Macht in der SP. Die meisten der wirklichen SP-Führer haben enge Verbindungen zur Bürokratie von Rengo, besonders im Privatsektor. Vor fünf Jahren hatte die reformistische Linke in der Partei noch die Unterstützung von einem Drittel. Jetzt ist diese linke Strömung auf ein Zehntel geschrumpft. Mit Gorbatschow und seinen Wirtschaftsreformen sagen jetzt viele SP- Führer, daß es mit dem Sozialismus vorbei ist. Die SP kann im Parlament Sitze gewinnen, aber hinter ihr steht keine wirkliche Massenbewegung. Es gibt eine Strömung in der Frauenbewegung, die Doi und die SP unterstützen will, während andere unabhängig bleiben wollen. • Welchen Einfluß haben die Ereignisse in Osteuropa auf die KP? • Die KP befindet sich in einer ernsten Krise. Sie verlor bei den letzten Wahlen eine Menge Sitze, trotz der Krise der LDP. Als die LDP in den siebziger Jahren ein wenig zurückging, konnte die KP gewinnen, aber jetzt passiert das nicht. Ein Grund ist die internationale Situation. In den achtziger Jahren gab es zwei Gipfeltreffen zwischen KP-Führer Miyamoto und Rumäniens Präsident Ceauşescu. Sie verkündeten öffentlich, daß sie die einzigen unabhängigen Kommunistischen Parteien auf der Welt seien. Im letzten Wahlkampf war das einzige, was sie sagten, daß sie vor dem Kriege die einzige Partei gewesen seien, die die Freiheit verteidigt hätte. Sie hatten nichts über die gegenwärtige Situation zu sagen. In der Gewerkschaftsbewegung sind sie nicht sehr kämpferisch. In der Lehrerbewegung behaupten sie, daß Lehrer keine gewöhnlichen Arbeiter seien und deshalb keine Streiks organisieren sollten, usw. Sie sind auch für Kernenergieprogramme. Nach Tschernobyl haben sie ihre Position dazu ein wenig geändert, aber sie haben keinen realen Einflluß in der Anti-AK W-Bewegung.
Die Partei ist monolithisch, und die Abstimmungen auf Parteitagen sind einstimmig. Sie nennen das demokratischen Zentralismus. Für die Massen sicht das aus wie das System Ceaușescus. • Welches ist ihre Beziehung zur KP Chinas nach dem Massaker auf dem Tienanmen-Platz?
• Die KP Japans brach ihre Verbindungen zur KPCh schon während der Kulturrevolution ab. Sie waren somit fähig, die Ereignisse auf dem Tienanmen-Platz zu kritisieren, indem sie sagten: ,,Wir sind bereits seit 1968 gegen diese Partei gewesen und haben recht behalten." • Was sind die wesentlichen Aktivitäten der gewerkschaftlichen Linken? • Die Hauptkraft in den unabhängigen Gewerkschaften sind die 35 000 Eisenbahner. Die anderen Gruppen sind sehr klein und von kleineren und mittleren Firmen. Es sind Gruppen, die aus Rengo ausgeschlossen wurden oder die nicht hineingelassen worden sind. Es gibt auch Gewerkschaften des öffentlichen Sektors, die gegen die Bildung von Rengo waren. Sogar in der Eisenbahnergewerkschaft gibt es rechte Strömungen. In Tokyo ist die Linke in der Mehrheit. Die Hauptaktivität der Linken ist in erster Linie der Kampf gegen die Entlassung von Eisenbahnern. Die zweite wesentliche Tätigkeit ist die internationale Solidaritätskampagne mit asiatischen Werktätigen, besonders in Südkorea, wo viele Arbeiterinnen und Arbeiter von japanischen Gesellscahften entlassen worden sind. Vertreter der südkoreanischen Arbeiterklasse sind nach Japan gekommen, um Aktionen gegen diese Gesellschaften zu organisieren. Wir versuchen jetzt ein internationales Netzwerk zur Unterstützung von Protestaktionen gegen japanische Firmen aufzubauen. Wir versuchen auch, Lohnabhängige gewerkschaftlich zu organisieren, besonders weibliche Arbeitskräfte, die Teilzeit arbeiten, usw.
Wir haben auch das Problem der Arbeitsimmigranten aufgegriffen. Es gibt viele Arbeiter aus anderen asiatischen Ländern, aus Bangladesh, den Philippinen, Thailand und anderswo. Sie haben keine wirklichen Rechte - sie sind illegal. Oft werden sie von den japanischen Unternehmern nicht entsprechend ihrer Arbeit bezahlt, sie können jedoch nicht zu den Behörden gehen. Es gibt auch das Problem der Frauen aus asiatischen Ländern, die Prostituierte geworden sind. Die Arbeitsimmigranten leben oft unter fürchterlichen Bedingungen, zehn in einem Raum, und arbeiten unter schlechten Arbeitsbedingungen. Des weiteren gibt es unter der japanischen Bevölkerung starke reaktionäre nationalistische Gefühle gegen diese Arbeiter. Rengo ist offiziell gegen ihr Kommen und behauptet mit dieser Position die Interessen der japanischen Arbeitskräfte zu verteidigen. Allgemein gesprochen können die un-
abhängigen Gewerkschaften strategische Kampagnen zu solchen Fragen lancieren, aber sie haben nicht die Stärke, um Probleme wie das Wohnungsproblem oder die Agrarkrise aufzugreifen, die zu den zentralen Sorgen der werktätigen Bevölkerung Japans gehören. Wir würden gerne solche Fragen aufgreifen, aber das ist sehr schwierig.
• In welchem Zustand ist die extreme Linke?
• Es gibt drei Hauptströmungen. Die erste ist die sogenannte „revolutionärmarxistische Fraktion* Kakumaru. Sie sind sehr sektiererisch. Sie unterstützt Rengo, und ihre Mitglieder arbeiten dort mit. Die zweite ist Chukaku, die sogenannte „Kern-Fraktion". Zusammen mit anderen kleinen Gruppen lancierte Chukaku die unabhängigen Gewerkschaften. Als Resultat griffen sich die erste und die zweite Gruppe als Feinde der Arbeiterklasse und Agenten des Staates an. Sie gingen sogar so weit, sich gegenseitig umzubringen.
Die dritte Strömung, zu dem wir gehören, umfaßt auch verschiedene unabhängige Strömungen, die sich Ende der sechziger Jahre von KP und SP abgespalten haben. Diese Strömung ist im wesentlichen unter der Gewerkschaftslinken aktiv und gibt eine zweimonatliche Zeitschrift, Rodojoho, heraus, die eine Auflage von 6000 hat und von Zenrokyo offiziell anerkannt ist. Eine weitere Aktivität dieser Strömung ist die Kampagne gegen den neuen internationalen Flughafen von Narita.* Eine dritte Kampagne richtet sich gegen die zunehmende Militarisierung. Dann gibt es noch die antiimperialistische Solidaritätsarbeit mit z.B. Südkorea, die Arbeit mit den Arbeitsimmigranten usw. Solidaritätskampagnen mit Südafrika oder der nicaraguanischen FSLN sind sehr schwach in Japan. Schließlich gehört noch zu den Aktivitäten die Verbreitung von Ideen darüber, was Sozialismus ist, die Perestroika usw. Dreimal im Jahr veranstalten wir nationale Diskussionskonferenzen. geworden?
4 Aufgrund des Widerstandes ist der Flughafen noch immer nicht vollendet, obwohl er nach 25 Jahren jetzt zu 50% fertiggestellt ist. Aber die Regierung hat jetzt 98% des nötigen Landes gekauft, so daß die Bauern nur 1 bis 2% des ganzen Gebietes behalten. Nur eine von drei Startbahnen ist vollendet worden. Im JAPAN vergangenen Jahr haben die Behörden einen Zaun um das ganze Gebiet errichtet, so daß es schwierig ist, dort hinein zu gelangen.
Im Mai 1978 wurde für den internationalen Flughafen ein besonderes Gesetz verabschiedet. Laut diesem Gesetz kann die Regierung jedes Gebäude auf dem Gelände beseitigen. Als Resultat wurden einige kleine Häuser von Unterstützern des Anti-Flughafen-Kampfes zerstört. Die Regierung konnte die Bauern von den Gruppen, die den Kampf von außen unterstützten, spalten. Sie bot den Bauern einen Dialog an, aber gegenüber den Unterstützungsgruppen übte sie Repression aus. Offensichtlich hängt der ganze Kampf vom Widerstand der Bauern ab, und das nationale Kräfteverhältnis ist für sie nicht günstig. Eine Zeit lang unterstützte die SP den Kampf zumindest auf dem Papier, aber jetzt ist ihre Position sehr vage, und dies hat das Vertrauen der Bauern untergraben.
Chukaku betrachtet diesen Kampf unter dem Aspekt der Taktik des Guerilla- Krieges. Sie stecken Einrichtungen der Baufirmen in Brand, aber mit solchen Aktionen kann man natürlich keine Massenunterstützung mobilisieren. Darüber hinaus spaltete sich die Bauern-Liga 1985 in zwei Gruppen. Eine Gruppe ging mit Chukaku, die andere - die Mehrheit - mit anderen Gruppen der extremen Linken. Die Pro-Chukaku-Gruppe hat sich ihrerseits wieder gespalten. Die Perspektive ist nicht günstig, aber wir können diesen Kampf an der Seite der Bauern nicht einfach aufgeben. Den Kampf jetzt aufzugeben, wie es manche bereits getan haben, hieße die Sympathien derer verlieren, die in diesen Kampf getreten sind. Wir wollen nicht den Ruf von Leuten haben, die leicht aufgeben und ihre Verbündeten im Stich lassen.
• Es gibt einen Anstieg der Anti- AKW-Bewegung...
4 Ja. In Japan wurde die Anti-AKW- Bewegung nach Tschernobyl sehr stark. Es gab radioaktiven Niederschlag aus Tschernobyl und Nahrungsmittel waren verseucht worden. Einige Hausfrauen begannen sich zu organisieren, und im Frühjahr 1988 gab es eine große nationale Mobilisierung, die vor allem von diesen Frauengruppen organisiert wurde. Eine weitere große Mobilisierung fand im vergangenen Herbst statt. Die Hälfte der Bevölkerung ist heute gegen Kernenergie. Vorher waren nur linke Gruppen dagegen, was sich jetzt geändert hat und worüber die Elektrizitätsgesellschaften sehr beunruhigt sind. In der Vergangenheit basierte die Anti- AKW-Bewegung auf der Erfahrung von Hiroshima und Nagasaki. Aber diese Bewegung war in einen Pro-KP- und einen Pro-SP-Flügel gespalten und vor einigen Jahren zurückgehend. Aber sie hat sich jetzt wiederbelebt. Es gibt in dieser nicht errungen. Manche sagen, daß wir direkte Aktionen gegen den Aufbau von AKWs unternehmen sollten, andere sind für eine nationale Kampagne für ein Anti-AKW-Gesetz.
• Du erwähntest schon die neue Bedeutung der Frauenbewegung in der japanischen Politik.
• Die Frauenbewegung ist ein wichtiges Element in dieser Situation. Im vergangenen Jahr wurden Fälle von sexueller Belästigung von den Massenmedien umfassend aufgegriffen. Die gegenwärtige Politik der japanischen herrschenden Klasse besteht darin, mehr Frauen in das Berufsleben zu führen - besonders in Teilzeitarbeitsverhältnisse. Gleichzeitig wird eine kleine Elite von Frauen ausgebildet. All dies hat zu einem neuen Aufschwung der Frauenbewegung geführt, was sich in Stimmen für die SP niederschlägt. Die Stimmen von Frauen machen sich in den Betrieben und Büros bemerkbar. Dies steht im Kontrast zum Niedergang der Gewerkschaftsbewegung. Die Frauenbewegung ist sehr wichtig für die Wiederbelebung einer kämpferischen Gewerkschaftsbewegung sowie auch in den Kommunen. Wie ihr wißt, sind patriarchalische Traditionen in der japanischen Gesellschaft sehr stark, und es gibt Probleme zwischen den Frauen und der Gewerkschaftsbewegung, wo die Führung oft nicht bereit ist, Frauenprobleme aufzugreifen. Dies gilt auch für unabhängige linke Gewerkschaften und unsere eigene Organisation. menetenten lace der apanischen • Die Bourgeoisie begann in den siebziger Jahren damit. Sie will die gesamte japanische Gesellschaft nach dem imperialen Modell strukturieren. Vor dem Zweiten Weltkrieg nahm der japanische Imperialismus die Form des imperialen Systems an, und die Bourgeoisie war eng mit der kaiserlichen Familie verbunden. Nach ihrem Sieg erzwangen die USA Änderungen, aber die wachsende Stärke
und die internationale Rolle der japanischen Wirtschaft führte zur Wiederbelebung der Idee des imperialen Systems als Form der nationalen und internationalen Vorherrschaft. Es gibt wieder Versuche, durch Heiraten usw. Verbindungen zu schaffen zwischen der kaiserlichen Familie und der obersten Gesellschaftsschicht. Die Frage des imperialen Systems ist heute ein wirkliches Thema für die gesamte Linke. Leider hat die Mehrheit der Linken dies erst vor drei Jahren festgestellt. Der Versuch, das imperiale System wiederzuerrichten, hat z.B. bedeutende Folgen für die Frauenbewegung angesichts des patriarchalischen Charakters des Systems. Und ohne einen Kampf gegen dieses System kann es keine Solidaritätskampagne mit den Arbeitsimmigranten oder anderen asiatischen Völkern geben. Wir müssen die Ideologie zerstören, daß der Kaiser der Vater des Volkes ist und alle Japaner seine Kinder sind. • Welche Perspektiven hat die japanische Linke?
Im allgemeinen ist die japanische ex eme Linke nicht wirklich unabhängi von der linksreformistischen Bewegung gewesen. Als diese Bewegung zusamten, daß die Offensive der Herrschenden die Arbeiterklasse aufwecken würde — wir hatten spontaneistische Illusionen und ein ökonomistisches Herangehen. Wir haben Dinge wie das imperiale System nicht aufgegriffen und die Frauenbewegung nicht verstanden.
Jetzt, mit Gorbatschow und der ganzen Lage in Osteuropa hat sich der internationale Rahmen drastisch geändert. Es gibt jetzt die Kampagne, daß der Sozialismus am Ende ist, und die meisten Leute denken, daß die extreme Linke etwas mit Terrorismus zu tun habe. Wir müssen eine wirkliche sozialistische Ideologie fördern. Bisher waren wir mehr Aktivisten, und wir haben theoretische Probleme nicht ernst genug genornmen. Vom internationalen Standpunkt ist die Solidarität mit den asiatischen Völkern für uns äußerst wichtig sowie die Arbeit mit den Arbeiterinnen und Arbeitsimmigranten.
Anmerkungen:
• Bei diesen Wahlen bekam die LDP 46% der Stimmen und behielt mit 275 von 512 Sitzen (bei einem Verlust von 25 Sitzen) die absolute Mehrheit. Die SP erzielte 24,3% der Stimmen und gewann S1 Sitze hinzu: die KP kam auf 8% (-10 Sitze); die buddhistische Komei-Partei erhielt ebenfalls 8% (-11 Sitze); die DSP erzielte einen Stimmenanteil von 4,8% (-12 Sitze). JAPAN * Ein politischer Korruptionsskandal, in der Minister und andere Persönlichkeiten der LDP verwikkelt waren. Dazu gehörte auch der damalige Ministerpräsident Takeshita, der im April 1989 zurücktrat.
3 Die JRKL, die Sektion der IV. Internationale. entstand aus einer Spaltung in der KP in den funtziger Jahren vor dem Hintergrund einer Studentenradikalisierung. Chukaku, Kakumaru und die heutige JRKL waren einst Teil derselben Organisation. Später machten Chukaku und Kakumarı eine sektiererische Degeneration durch, bei der Chukaku so weit ging, Anfang der achtziger Jahre einen regelrechten „Krieg" gegen die JRKL zu führen (siche Inprekorr, Nr. 169, Mai 1985. S. 38-39). * 1978 stellte sich die Sanrizuka-Bauernliga dem Bau eines neuen Flughafens bei Narita, in der Nähe von Tokyo, entgegen. Dieser Flughafenbau erforderte die Vertreibung zahlreicher Bauern von ihrem Land. Der Kampf gegen den Narita-Flughafen wurde für mehr als ein Jahrzehnt der Brennpunkt der Aktivität der japanischen Linken, einschließlich einer spektakulären Besetzung des Flughafentowers im Jahre 1982.
RUMANIEN