schafft. Wir wollen wie die Grünen in Westdeutschland eine kritische Rolle spielen. Vielleicht auch im Parlament. das weiß ich nicht genau.
Eines ist für uns sehr wichtig. und da vertreten wir eine ähnliche Position wie das Neue Forum in der DDR. Die haben das auch gesagt: Wir wissen sehr gut, daß das Volk der DDR nicht mit uns ein- Petr Uhl, tschechoslowakischer Linksoppositioneler, wurde zu Beverstanden ist mit der Verteidigung des ginn der Protestbewegung verhaftet und erst nach der Kapitulation Sozialismus, aber wir wollen dort bleider KP-Führung freigelassen. Die Zeitung der österreichischen Sekben. Wir werden respektiert, weil wir tion der IV. Internationale, die Linke sprach mit ihm zwei Tage nach gelitten haben, nich aber wegen unserer seiner Amnestie, am Tag des Generalstreiks in Prag (24. November). Konzepte."
Uhl berichtet von von der Gründung einer linken Alternative zum • Aber dennoch würde ich sagen, daß Bürgerforum und gibt der KP gute Uberlebenschancen. • In wenigen Minuten beginnt der Generalstreik. Innerhalb einer Woche hat sich sozusagen das politische System in diesem Land vom Kopf auf die Füße gestellt.
Wie sind da die ersten Eindrücke, wenn man diese Woche im Gefängnis verbracht hat und plötzlich vor einer Million Leute steht?
• Als ich verhaftet wurde, stand diese Bewegung schon am Beginn, und auch im Gefängnis hatte ich genug Informationen, habe Zeitung gelesen, ich hatte meine Gespräche mit meinem Rechtsanwalt, aber auch der Polizist, der meine Vernehmung gemacht hat, hat mich informiert. Es war nicht eine so große Überraschung für mich, aber trotzdem war es eine imposante Empfindung. diese Massenbewegung. dieses Bürgerforum, dieses Pressezentrum, diese Massen waren eine sehr angenehme Überraschung.
• Stichwort Bürgerforum, was für ein Verhältnis hast Du zum Bürgerforum, das ja doch auf der einen Seite politisch relativ undifferenziert ist, verschiedenste politische Linien in sich vereinigt und sicher nicht eine Politik vertritt, die in der Tradition eines revolutionăren Marxisten steht, wie Du sie seit 20 Jahren vertrittst?
• Also ich bin Mitglied, ohne es zu wünschen, ich bin dorthin gekommen und automatisch, ohne mich zu fragen. hat man mich adoptiert. Ich bin Mitglied, aber gleichzeitig kritisch gegenüber der inneren Organisation, die nicht so demokratisch ist, sowie gegenüber der politischen Linie. Ich glaube etwa, daß es ein Fehler war, Ministerpräsident Ladislav Adamec zu unterstützen. Ich habe das gesagt, und ich war nicht die einzige kritische Stimme.
• Wer wird sich im Bürgerforum politisch durchsetzen? Also, ich sehe jetzt drei Strömungen, die alten 68er, die weiter am Ziel des „Sozialismus mit menschlichem Antlitz*', was immer das sein mag, festhalten, eine eher westlich orientierte sozialdemokratische Strömung um Havel und dann wirkliche Chicago-Boys wie Professor Klaus. Wer wird sich durchsetzen?
• Ich denke, daß dieses Prager Forum eine kleinere Rolle spielen wird, denn wesentlicher ist das Bürgerforum in anderen Städten. Was wichtiger ist, das ist vielleicht eine Kultivierung der politischen Gruppen in ihrer Pluralität. Ich glaube, aufgrund der relativ passablen ökonomischen Situation werden diese Chicago-Boys keine Chance haben. Viel wahrscheinlicher ist, daß sich die sozialdemokratische oder liberaldemokratische Strömung durchsetzt.
Wir revolutionären Marxisten haben selbst eine Linke Alternative, d.h. eine das Konzept eines erneuerten Sozialismus in der DDR, mehr Anhänger als hier hat, im Volk. Wenn man sozusagen die Massen hier mit denen in der DDR vergleicht, gibt es doch große Unterscheide. Hier eine relativ starke nationalistische Dimension und nicht die der nationalen Befreiung. • Diese Situation in der DDR ist schr kompliziert, denn es gibt die Nazi-Zeit, diese Erfahrung spielt eine große Rolle. Bei uns gibt es das natürlich nicht. aber ich glaube nicht, daß es wirklich nationalistisch bei uns ist. Es gibt natürlich nationale Fahnen, die Hymne und das alles. aber das sind nur Symbole. Das ist viel weniger nationalistisch als in Ungarn, in Polen oder in der UdSSR.
• Die Kommunistische Partei hat meiner Meinung nach hier viel weniger Spielraum als die Einheitspartei in der DDR. Was für ein Szenarium kann man für die KP entwerfen? Hat sie überhaupt eine Chance?
• Ich glaube ja, weil 1.7 Millionen Leute und das intellektuelle und kulturelle Potential des Landes in dieser Partei eine Rolle spielen. Natürlich gibt es immer die Frage der Schuld für die Brutalität und für die ökonomische Stagnation der letzten 21 Jahre, aber gerade die Leute aus der Kultur und der Wissenschaft haben diese Schuld nicht.
Und ich glaube, daß ganz normale Leute, die nicht in unserer unabhängigen Bewegung tätig waren, das sehr gut verstehen können. Denn sie sind gewissermaßen auch schuldig, die „normalen" Leute von der Straße. Also gibt es keine unüberwindbare psychologische Barriere für sie, die KP zu unterstützen. Ich glaube, daß eine reformierte KP eine Chance hat, nicht für die führende Rolle, aber für einen wichtigen Platz im politischen Leben der CSSR.
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