Der VIII.Kongreß der Liga Comunista Revolucionaria (LCR), der Sektion der IV. Internationale im Spanischen Staat, fand vom 19. bis 21.Mai in Santander statt. An ihm nahmen mehr als 200 Delegierte sowie über hundert Gäste, vor allem aus Euskadi, Katalonien und Galizien, teil.
Beeindruckend war, daß auf dem aus den Mobilisierungen der jünge- Kongreß die Zahl der jeweils anwe- ren Vergangenheit. Etwa 20% der senden Männer und Frauen nahezu Delegierten waren jünger als 23 gleich groß war. Fast die Hälfte der Jahre. Delegierten waren Frauen. Ein wei- Zahlreiche Gäste aus anderen Sekterer bemerkenswerter Zug war das tionen der IV. Internationale (Bel- Zusammenwachsen verschiedener gien, Frankreich, Italien, Portugal) Generationen: der historische Kern sowie anderer befreundeter Organider „jungen Veteranen" des Kamp- sationen (Movimiento Comunista fes gegen den Franquismus war [MC] und Herri Batasuna [HB]) ebenso vertreten wie die junge Garde l folgten sämtlichen Diskussionen auf dem Kongreß.
Die Statuten der LCR erfordern alle vier Jahre die Binberufung von Kongressen. Anders als die Kongresse anderer Sektionen wird auf denen der LCR einigen wenigen Hauptfragen die Priorität eingeräumt, und die meisten Angelegenheiten in bezug auf Taktik und laufende Arbeit (einschließlich der Beteiligung an Wahlen) werden dem Zentralkomitee überlassen. Internationale Arbeiterbewegung! Neben der Wahl der Führung und der Abstimmung über Statutenänderungen hatte dieser Kongreß u.a. auf seiner Tagesordnung: Feminismus und Frauenbefreiungskampf; die nationale Frage; politische Situation und Aufgaben.
Die Debatte über Feminismus und Frauenbefreiung spiegelte die in 15 Jahren angesammelte Erfahrung und die entscheidende Rolle, die die Mitglieder von LCR und MC in der Frauenbewegung gespielt haben, sowie die engen Beziehungen der LCR zur Frauenbewegung in Lateinamerika und ihre kollektive Reflexion im Rahmen der IV. Internationale wider.
Die Behandlung dieser Fragen auf dem Kongreß und die vorliegenden Dokumente waren ein Jahr vorher auf einem Treffen der Frauen in der LCR vorbereitet worden. Der Bericht und die Thesen sowie entsprechende Statutenänderungen wurden einstimmig vom Kongreß verabschiedet.
Die nationale Frage war zweifellos der heikelste Punkt auf dem Kongreß. Die LCR engagiert sich seit langem im Kampf für die Verteidigung der demokratischen Rechte der unterdrückten Nationen. Sie hat niemals versäumt, den revolutionären Nationalisten, die Opfer der Repression geworden sind, ihre Solidarität anzubieten. Bei den Europawahlen 1986 hatte die LCR (wie auch MC) zur Wahl von HB aufgerufen. Die LCR hat traditionell das Recht auf Selbstbestimmung der unterdrückten Nationalitäten und die Perspektive einer sozialistischen Föderation iberischer Republiken verteidigt. Doch angesichts der politischen Lage und der ungleichen Entwicklung des Klassenkampfes hat dieses Herangehen die Frage der konkreten Antwort der Basken und Katalanen auf das Selbstbestimmungsrecht offengelassen.
1986 haben die Kongresse der LKI und der Lliga [die Organisationen der
| Mehrheit der Delegierten angenomden wachsenden Möglichkeiten der politischen Zusammenarbeit einerseits und den geringen Möglichkeiten der direkten Rekrutierung von Mitgliedern für die Partei andererseits gemacht. Bei der Wahlkampagne konnte die Partei zahlreiche neue Kontakte knüpfen, was aber kaum zur Rekrutierung von Mitgliedern führte.
Diese Situation in der Gesellschaft und beim Prozeß des Parteiaufbaus bildete den Hintergrund der Diskussionen auf dem Kongreß.
Der Kongreß zeigte, daß in der gesamten Partei das Bedürfnis nach einer ideologischen Offensive für das sozialistische Ideal gegen die Verfechter der Philosophie des Marktes besteht. Die verabschiedete politische Resolution spricht in diesem Zusammenhang von Veranstaltungen, Artikeln, Foren und der Ver-. stärkung der Propaganda der Partel in jeder Weise. Die Resolution weist auf zwei Hauptthemen für diese Propagandaanstrengungen hin: der Zusammenbruch des Stalinismus in der UdSSR und die Möglichkeiten für eine Erneuerung des Sozialismus; die •Entartung der Sozialdemokraten und der Weg zu einer neuen Massenpartei der Arbeiterinnen und Arbeiter. Das Dokument wurde von einer großen men.
Im Zentrum der Debatten stand die Frage der Einheit linker Kräfte und Organisationen. Dabei zeigte sich, daß etwas neues geschehen ist. Heute gibt es die Erfahrung gemeinsamer Zusammenarbeit. Dies ist eine bescheidene, aber reale Erfahrung, von der gemeinsamen Kampagne mit der KPML(r) (einer Organisation maoistischen Ursprungs) und der APK (moskautreue Abspaltung der VPK, der „offiziellen" KP) gegen die politische Verfolgung (durch die Regierung wegen der Veröffentlichung von Artikeln in den Zeitungen der drei Organisationen über die Untersuchungen im Mordfall Palme) bis zur Zusammenarbeit mit anderen linken Kräften im Rahmen des Malmöer Sozialistischen Klubs.
Der Kongreß verabschiedete auch ein Manifest, das zur Einheit gegen die Sparpolitik und die rechte Politik der Regierung aufruft. Er billigte UDSSR