Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Frankreich

Selbsthilfe gegen Frauenarmut

Inprekorr Nr. 213, März 1989 · S. 16-19 · 2.534 Wörter

Frauen Frankreich

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Vom 10.bis 12. November 1988 fand in Brüssel das Europäische Tribunal gegen Frauenarmut statt (vgl. Inprekorr, Nr.210, Dezember 1988, S.16-18). In Frankreich haben sich mehrere lokale Gruppen an seiner Vorbereitung beteiligt. So haben in Lille aktive Feministinnen vom Verein Du côté des femmes [Auf der Seite der Frauen] gemeinsam mit der Frauengruppe der Petits frères des pauvres [Kleine Brüder der Armen], einer Gruppe, die aus fünfzig- bis sechzigjährigen Frauen besteht, gearbeitet. Die Redaktion der Cahiers du féminisme hat Roseline Tiset und Elizabeth Pareyt, die beide an der Vorbereitung des Tribunals beteiligt waren, gebeten, uns ihre Erfahrungen mitzuteilen.

ie Vereinigung Du côté des femmes hat ab September 1988 ihre Bemühungen hinsichtlich eines Tribunals gegen Frauenarmut und der Koordination eines solchen aufgenommen. Bei einer Großveranstaltung in Lille, an der viele Wohlfahrtsverbände teilnahmen, hat Du côté des femmes die Ziele des Tribunals sowie Fragebögen zur Frauenarmut dargestellt. Diese Intervention, die den spezifischen Aspekt weiblicher Armut beleuchtete, stieß auf wenig Resonanz.

Ohne Zweifel, weil die Frauenarbeit oft verborgen bleibt: Frauen ,,schlagen sich durch", finden hier und dort Unterkunft, tauschen gegen zahlreiche kleine Dienste und Gefälligkeiten Lebensmittel ein, und da Frauen sich selber oft vernachlässigen, rücken sie erst dann in den Blick der Offentlichkeit, wenn sie erschöpft im Krankenhaus landen, um dann dort oft in aller Stille ihre schweren Leben zu beenden, Leben, über die keiner schen Misere mancher älterer Menschen zu reden gedenkt. Kurzum: es gibt keinen tief gerührt wurde. Im Jahre 1985 be- (oder kaum einen) weiblichen Clochard schloß der Verband für von der „neuen unter diesen Uberlebensmeisterinnen.. Armut* betroffene Menschen aktiv zu Seit Februar 1988 sieht es bei den Pe- werden, d.h. für solche, die aus der Artits frères des pauvres ziemlich verändert beitswelt ausgeschlossen, aber noch nicht aus: eine Gruppe von armen Frauen im im Ruhestand sind. In Lille wurde 1986 Alter zwischen 50 und 60 Jahren wurde eine Aktivität für fünfzig- bis sechzigjähnämlich gegründet und trifft sich wö- rige Frauen, deren Existenzgrundlage chentlich, um den Frauen aus der Isola- prekär ist, begonnen. Es wurde beschlostion und dem Schweigen heraus zu hel- sen, persönliche Hilfe fürdiese notleidenfen. Dort wird der Fragebogen — den wir den Frauen zu organisieren (Suche nach für das Tribunal erstellt haben - von den Erwerbsarbeit und Praktikumsstellen, Frauen sehr wohlwollend aufgenommen, Wohnungssuche, Hilfe bei Gängen zu da jede die Mißstände anprangern und der Ämtern, finanzielle Unterstützung). eigenen Revolte Gehör verschaffen In Verbindung mit dieser organisierten möchte. Hilfe wurde eine Frauengruppe gegrün- Dieser Verband Petits frères des pauv- det, die sich die Resozialisierung der notres wurde 1946 von dem Geistlichen leidenden Frauen mittels Freizeitgestal- Armand Marquiset ins Leben gerufen, als tung und gemeinsamen politischen Aktidieser von der materiellen und morali- vitäten zum Ziel setzte. Diese Aktivitäten, geleitet von einer Hauptamtlichen und fünf bis sechs ehrenamtlichen Frauen, richtete sich anfangs, d.h. 1986, an 28 Frauen in Not. Ein Jahr später wurden bereits 4l Frauen betreut. Am 8. März 1988 fand die jährliche Pressekonferenz von Du côté des femmes und der Familienplanungsstelle statt. An dieser Pressekonferenz nahmen auch vier arme Frauen aus der Frauengruppe teil und stellten in aller Nüchternheit ihre jeweilige Situation dar. Am 8.Oktober 1988 schließlich sagten drei betroffene Frauen aus der Frauengruppe und zwei Aktivistinnen, die mit der Tribunalsvorbereitung beauftragt waren, vor dem Gewerkschaftshaus in Paris aus. Beruf: Ausgeschlossene

Was diese Frauen miteinander verbindet, das ist zuerst ihre Isolation, die Tatsache, daß sie am Rande der Gesellschaft leben und eine Reihe weiterer Faktoren, die ihr Leben negativ bestimmen: Erwerbsarbeit, Unterhalt, Unterkunft, Gesundheit.

Diejenigen Frauen, die heutzutage aus der Arbeitswelt ausgeschlossen sind, waren früher oft Arbeiterinnen, manche auch ehemalige Kauffrauen, und auf die meisten von ihnen trifft zu, daß sie bereits im Alter von 13 oder 14 Jahren ohne Qualifikation zu arbeiten begonnen haben, wobei diese Erwerbsarbeit z.T. gar nicht offiziell angegeben worden ist. Schwangerschaften sowie ihre Anpassung an die berufliche Entwicklung ihres Partners haben ihre berufliche Karriere zerstückelt. Jede der betroffenen Frauen hatte im Durchschnitt zehn verschiedene Artgeber gehabt. Ob Landarbeiterin, Zimmermädchen, Putzfrau, Schneiderin,

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Büglerin. Telefonistin oder Beschäftigte in einer Spinnerei - fast alle unter ihnen haben seit zwei oder drei Jahren überhaupt keine Erwerbsarbeit mehr. „Bei meiner letzten Arbeitsstelle," sagt Marie-Louise, war ich von einer alten Dame eingestellt und bekam Essen. und meine Unterkunft war frei. Ich erhielt 2000 Francs und arbeitete 20 Stunden täglich, ich konnte nur wenige Stunden in der nacht schlafen. Eines Tages bin ich abgehauen." - „Ich wollte" Gisèle. mit meinen Ersparnissen eine Kneipe eröffnen, aber es war mir dann zu schwer, und ich wurde auch krank. Ich habe Pleite gemacht und alles verloren.* Um Arbeit zu finden, setzen sie eine Anzeige in La Voix du Nord oder machen Aushänge in Läden. Inhalt: Egal was. Putzstelle." Oft wird den Frauen tatsächlich irgendetwas angeboten, und die Hälfte der Angebote ist unehrlich. Die Frauen, die bereits Übung bei der Stellensuche haben, sortieren von vornherein die Angebote: die anderen Frauen werden entmutigt. Einige protistituieren sich - aber für wieviel? Das ist nicht bekannt, es ist auch ganz unterschiedlich, aber vor allem bleibt es verborgen. Einige unter ihnen haben an Praktiken teilgenommen. Im Jahr 1986 wurden Praktikumsstellen eingerichtet, die nur mittellosen Frauen über 40 zugänglich sind - abgekürzt heißen sie PLIF. Diese bestanden zur Hälfte aus einem theoretischen Teil, zum anderen aus einem praktischen — die persönliche Wiedereingliederung ins Berufsleben und in die Gesellschaft konnte manchmal dadurch erreicht werden. Für ein Drittel der Betroffenen endete das Praktikum mit einer beruflichen Reintegration; monatlich erhielten die Frauen 1800 Francs.

Für Hélène, die aus Spaß ihr Praktikum FLIP" nannte, ist es eine wunderbare** Klammer gewesen. Sie hat seitdem - ihren Hausierhandel mit mehr Schwung wieder aufgenommen und verkauft weiterhin, um zu überleben, religiöse Medaillen und Heiligenbilder. 1987 geht dann alles drunter und drüber: alternierende Praktika zur Wieder- • eingliederung (SRA) und unbefristete Arbeitsstellen werden den Frauen angeboten. Und was haben die Frauen daraus gezogen? Darüber reden sie nicht. In den praxisorientierten Praktikumsstellen setzten die Frauen ihre ehemaligen Erfahrungen, die ihnen zwar nicht zur Erwerbsarbeit verhalfen, dafür aber von großen Kaufhäusern massiv ausgenutzt werden, weitestgehend ein. Davon reden sie allerdings: Ich habe zweieinhalb Monate keinen Job bekommen, " sagt Marie-Louise, ich mußte ohne Pause die Bäckerei- Abteilung führen und am Ende meines Arbeitstages die Kasse machen. Es gibt auch noch eine dritte Ochsentour: die Vermittlerorganisationen, die die Wiedereingliederung von Erwerbslosen in die Arbeitswelt anstreben. Sie vermitteln stundenweise Krankenwachenstellen und ähnliches. Mir haben sie vier Stunden im Haushalt bei einem Herrn und drei Stunden in einer Kneipe vermittelt, " sagt M., und hast du mal gesehen, was sie mir dafür gezahlt haben?" Es ist schwer, seine Arbeitsstunden und seinen Lohn auszurechnen, da nichts kontrolliert wird: es spielt sich alles unmittelbar zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ab. Und oft sind jene auch Sozialbedürftige, Behinderte, Kranke, Invalide, Sterbende, die zwar besser dran sind als diejenigen, die sie für sich arbeiten lassen, aber dies wohl nur wirtschaftlich, da sie oft von ihrem „Personal" bemitleidet werden.

ie finanzielle Lage der betroffenen armen Frauen ist manchmal derart prekär, daß sie solche wirtschaftlich ein wenig besser situierte Menschen zu beneiden beginnen, da diese wenigstens wenn auch knappe - Einkünfte haben: „dank"" einer Behinderung (als ob das ein Glück wäre!) z.B. eine Behinderten- oder Invalidenrente, das bedeutet 2700 Francs monatlich, oder dank" des Ablebens des Ehepartners, was eine Hinterbliebenenrente zwischen 200 Francs und 1000 Francs monatlich zur Folge hat, oder manchmal „dank" einer Trennung, bei der Alimente gezahlt werden, d.h. 1000 Francs monatlich.

Von den 41 betreuten Frauen erhalten sechs eine Beihilfe. Und zehn von ihnen erhalten Arbeitslosenhilfe vom Departement in Höhe von jeweils 200, 400 oder 500 Francs. ,Ich kann keine Leute mehr zu mir einladen, " sagt J., „da ich mir danach eine Woche Entbehrungen aufer- FRANKREICH legen muß. Ich sehe meine Enkel nicht mehr, da ich ihnen nicht jedes Bonbon oder sonst etwas verweigern möchte. Eine ist eben Oma oder ist es eben nicht." Ich kann nicht mehr Bus fahren, es ist zu teuer." Mein Vermieter setzt mir zu wegen der Miete. Ich werde weggehen, ich kann nicht mehr zahlen." Ausgeschlossen vom Recht auf Wohnung

Für diese Frauen bedeutet Wohnung ein „Nicht-Recht"*: sie haben kein Recht auf Wohngeld, es sei denn, sie haben das „Glück" als Invalide oder Behinderte anerkannt zu werden. Aber wie soll aus derart geringen Einkünften eine Miete bezahlt werden? Daraus resultieren dann die Konflikte mit den Eigentümern und Gerichtsvollziehern. Dann kommen die Kaumungen.

Und was ist mit der Aufnahme in ein Unterbringungsheim? Solche Heime nehmen nicht gerne ältere Frauen auf, die selbständiger sind als die jüngeren Frauen und deren Wiedereingliederung in die Arbeitswelt von daher schwieriger ist. Und die Frauen selber wollen nicht ins Heim, wo sie kein Zuhause mehr haben und an eine Hausordnung gebunden sind. Sie ziehen die unsicheren und vorübergehenden Verlegenheitslösungen aus ihrer näheren Umwelt vor. Wenn ihnen eine solche Umwelt fehlt, dann tun sich die Frauen mit einem Lebensgefährten, dessen Lage genauso prekär ist wie die ihre, zusammen und leben in sogenannter „wilder Ehe" miteinander.

Die Lösungen, die ihnen die Vereinigung Du côté des femmes bietet, sind ein Hotelzimmer und das Warten auf eine möblierte Wohnung für 700 bis 800 Francs. Für die Hälfte der Frauen kommt eine solche Wohnung in der Tat nur in Frage - zumindest bis sie Rentnerinnen sind.

Und was ist mit Sozialwohnungen (HLM: Habitation à loyer modéré)? Sic werden Erwerbslosen fast immer vorenthalten. Eine Möglichkeit wäre noch die Unterkunft in eine kleine renovierte oder zu renovierenden Wohnung, die das Zentrum für Wohnungsverbesserung, das im Rahmen eines staatlich unterstützten Programms namens „Prekäre Lage" lanciert wurde, vermittelt. Aber für alleinstehende Frauen dieses Alters interessiert sich dieses Programm nicht: in einem Jahr erhielten von zehn Frauen nur zwei eine Wohnung.

Ausgeschlossen vom Recht auf Gesundheit

Die Anhäufung der Schwierigkeiten -

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Arbeitslosigkeit, schwere Arbeitsbedingungen, Dasein ohne Nahrungsmittel, ohne Heizung, Identitätsverlust, wiederholter Stress, Angstzustände, körperliche und institutionelle Gewalt (durch verwaltungsmäßige Zurückweisungen) - überwältigt schließlich die physische und geistige Gesundheit dieser Frauen. Der Alkohol wird dann zum einzigen zugänglichen Produkt, das vorübergehend Spaß bereitet. Die Kneipe ist für einige Frauen der einzige Begegnungsort, wo sie empfangen werden, und wo es ihnen möglich ist durchzuhalten, indem sie ihre Pension aufpicken®: Trinken oder bekloppt werden, das ist die Wahl." Es ist das Zeichen dafür, daß man sich noch ans Leben Klammert.

Viele Frauen leiden unter nicht anerkannter Invalidität. Der Arztbesuch aber ist problematisch, und zwar nicht bloß aus finanziellen Gründen, sondern wegen der Diagnose, die unvermeidlich ihr Elend widerspiegelt, ohne eine Lösung zu bringen.

Für diejenigen Frauen, die hartnäckig bleiben, ist der Zugang zur Gesundheitspflege ein regelrechtes Hindernisses: die Sozialversicherung muß geklärt werden, es bedarf eines Antrags auf Übernahme durch eine persönliche Versicherung der Sozialhilfe sowie des Antrags auf kostenlose medizinische Hilfe, und schließlich muß nach Gutscheinen gebettelt werden. Hinzu kommt die übliche Papierquerele: Personenstandsbeleg. Wohnsitznachweis, Nachweis über fehlende staatliche Bezüge usw. Ein schweres Rennen, v.a. wenn man alleine und krank ist, der Empfang auf den Ämtern selten ermutigend ist und eine Begleitung ein seltener Luxus darstellt. Und bei Wohnungswechsel muß sie warten, daß die Akte zur medizinischen Hilfe ebenso „umzieht" - in der Zwischenzeit werden keine Gutscheine ausgestellt.

Angesichts seiner solchen Problemanhäufung sind die Frauen oft verbittert: „Mit fünfzig ist man für keinen Menschen mehr interessant." …Ich habe keinen Platz mehr." „Ich habe vier Kinder bekommen, davon drei mit Kaiserschnitt. Und jetzt bin ich total fertig." „Ich hätte gerne Arbeit — egal was!" „Wir hätten auch gerne mal Spaß, wir würden auch gerne Kaffeekränzchen geben und Gleichaltrige einladen." ,,Das kann nicht so weiter gehen — es muß sich etwas ändern." „Ich habe noch gut zehn Jahre vor mir — die will ich gut verleben." Die Gruppe hat diesen Frauen ermöglicht das alles auszudrücken und Klarheit in ihre eigenen Gedanken zu bekommen. Sie Sind übergegangen von der „Ich-Rede"* zur „Wir-Rede" und organisieren sich, um die Außenwelt aufzurütteln. „Vorher „Ich habe vielleicht noch zehn Jahre vor mir, die will ich noch gut verleben. "

wußten wir alle nichts. Wir sind alle in der gleichen Lage."

Welche Forderungen sollen an Brüssel gestellt werden?

• Ein Mindesteinkommen ohne Gegenleistung, als vorläufige Sofortmaßnahme, die mit keinem Lohn zu vergleichen ist. • Gemischte Arbeitsplätze und Praktikumsstellen für Männer und Frauen; Offnung männlicher Berufsdomänen für die Frauen, und zwar nach Quotenregelung. 0 Aufwertung der Tätigkeiten ,,Familienpflegerin", „Haushaltshelferin" und „Krankenpflegerin"', da es sich dabei tatsächlich um Berufe handelt, die Kompetenz und Energie verlangen. Schließlich werden die Kosten eines Krankenhausaufenthalts dank einer häuslichen Krankenpflege oft eingespart.

• Anrechnung der Kindererziehungszeit auf die Renten.

• Aufteilung der vorhandenen Arbeit auf alle Hände (d.h. Schluß mit der Arbeitsanhäufung für die einen, der Arbeitslosigkeit für die anderen).

• Die Abschaffung skandalöser Ausbeutungsverhältnisse durch Beamte des Gewerbeaufsichtsamts.

• Einrichtung von mehr Arbeitsplätzen im sozialen Bereich.

© Wohngeld ab Antragstellung auf eine Wohnung für Frauen ohne Kinder und ohne Einkommen.

• Zugang zu Sozialwohnungen (HLM) für Arme.

• Einrichtung kollektiver Wohnungseinheiten - auf Stadtviertelebene für die jenigen Frauen, die ihr Leben selber wieder in die Hand nehmen wollen. • Schluß mit den Räumungen.

• Anerkennung einer gesundheitlichen Notstandslage: die ethische Regel der medizinischen Institutionen müßte lauten „Zuerst versorgen"

• Unsere Gesellschaft, die jegliche Solidaritätsreflexe verloren hat, muß diesen notleidenden Frauen zumindest ermöglichen, ihre soziale Leiden an adäquaten Stellen „versorgen"* zu lassen. Sie müssen bei der Suche nach Lösungen begleitet werden; ihnen müssen elementare alltägliche Rechte zugesprochen werden. Nachdem sie das Recht hatten, Kinder zu produzieren und zu arbeiten, welch eine Forderung, wenn diese Frauen heute das Recht einklagen, sich auszuruhen und in Gesellschaft anderer Menschen alt zu werden!

Was ist das für eine Gesellschaft, die nicht imstande ist, den Opfern der Krise ein anständiges Leben zu gewährleisten, genausowenig wie sie sie zu schützen vermag, und sei es nur durch öffentliche Solidarität!

Perspektiven für gemeinsame Aktionen

Unsere beiden Vereinigungen haben beschlossen, ihre gemeinsamen Aktivitäten auch über das Tribunal gegen Armut hinaus fortzusetzen. Wir werden in Lille ein Komitee gründen, um bei skandalösen Fallbeispielen und krassen Verletzungen elementarer Menschenrechte intervenieren und Druck ausüben zu können. Dieses Komitee soll sich aus betroffenen Frauen, Du côté des femmes, der Liga für Menschenrechte sowie weiteren Verbänden einschließlich gewerkschaftlicher zusammensetzen. Anfänglich könnte sich das Komitee bei den Gemeinden für die kostenlose Benutzung des Nahverkehrs für alle die, die keine staatliche Beihilfe erhalten, stark machen, daß Amt für Sozialwohnungen aufrütteln usw. Wir planen auch Diskussionsveranstaltungen in mehreren Stadtvierteln mit Einsatz eines Videofilms über Schicksale armer Frauen, produziert von den Petits frères des pauvres während der Ferien, außerdem Freundschaftsbegegnungen. Sehr bald werden die Frauen, die nach Brüssel gefahren sind, um dort auszusagen, zurückkehren und den Frauen, die hier geblieben sind, berichten. Elizabeth Pareyt (Petits frères des pauvres) Roseline Tiset (Du côté des femmes)

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