Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

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Inprekorr Nr. 212, Februar 1989 · S. 26-31 · 4.998 Wörter

Frauen Gewerkschaften und Streiks Sowjetunion Trotzki und Geschichte

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Trotzkis Schriften über die Sowjetunion 1929 - 1940 Seit August 1988 liegen die ersten beiden lution. Stalins Verbrechen und Verteidigung schaft als mit friedlichen Mitteln nicht (mehr) Teilbände einer auf 10 Bände (in voraus- des Marxismus schon im Regal stehen hat, vorstellbar. Von da an befürwortete er eine sichtlich 18 Büchern) geplanten Ausgabe wird von dieser Ausgabe profitieren: Sie ent- neue Revolution, die er in einem Brief vom von Trotzki-Schriften vor. hält erstens neue bzw. durchgesehene Über- 1.Januar 1936 zum ersten Mal ausdrücklich Als vor fünf Jahren der Plan für diese Edi- setzungen aus dem Russischen und zweitens als eine politische (und nicht soziale) Revolution entworfen wurde, konnte nicht abgeschen umfangreiche Erläuterungen zu fast allen vor- tion charakterisierte. Wurde die Gefahr der werden, in welche außerordentlich günstige kommenden Personen, Begriffen, Ereignis- ,thermidorianischen Entartung" von Partei „Konjunktur" das Erscheinen des ersten Ban- sen, Anspielungen, außerdem Zitatnach- und Staat in den Debatten, die in den 20er Jahdes über „Sowjetgesellschaft und stalinisti- weise, Literaturhinweise usw. Zwanzig Texte ren in der KPdSU und unter den Oppositionelsche Diktatur** in den Jahren 19929 bis 1940 liegen hier überhaupt zum ersten Mal auf len geführt wurden, als gleichbedeutend mit fallen sollte. der Restauration derMacht der Bourgeoisie

Jahrzehntelang sind die Ideen Trotzkis und Was die Bedeutung, die Qualität, ja die verstanden, so nimmt Trotzki nun eine deutlider mit seinem Namen verbundenen Bewe- Aktualität dieser Schriften ausmacht, ist die che Unterscheidung zur bürgerlichen Kontergung verleumdet worden (auch und gerade in kritische Analyse des „stalinistischen Phäno- revolution vor. Den „Thermidor" begreift er der Arbeiterbewegung); nur wenige haben mens" in der Sowjetunion und der internatio- nun als reaktionäre Entwicklung auf den von sich ernsthaft, per Quellenstudium, mit ihnen der Revolution geschaffenen sozioökonomiauseinandergesetzt (auch da, wo die Schriften Wohin treibt die UdSSR? Welche gesell- schen Grundlagen, als „Konterrevolution in frei zugänglich waren). Das neue Tauwetter in schaftlichen Kräfte üben die Macht aus? Wie der Revolution**; dieser „sowjetische Thermider UdSSR hat die Situation grundlegend ver- soll man die nationalisierte Industrie und die dor" hat bereits 1923/24 eingesetzt. ändert, es ermöglicht und verlangt nun breite kollektivisierte Landwirtschaft einerseits, das Solche Elemente von Trotzkis Analysen Debatten über die tieferen Ursachen und das unterdrückerische Regime und die Existenz zeigen, wie sehr seine publizistische Aktivität Entstehen der „Stagnationserscheinungen" eines privilegierten Apparates andererseits in erster Linie als Anleitung zum politischen Historische Fragen haben neue Aktualität er- beurteilen? Wie müssen sich Marxisten dazu Handeln gedacht war, wieviel streng wissenlangt; bei vielen, nicht nur in der Sowjetunion stellen? Wie konnte die Räterepublik der her- schaftlicher Gehalt in ihrer zugleich enthalten selber, hat eine Suche nach Antworten auf oischen Periode zum Reiche des „bürokrati- war und ist. Es kann nicht darum gehen, diese Fragen, die bislang tabu waren oder gar nicht schen Absolutismus" werden? Weil er sich Theorie nun unbeschen auf die Stagnationsgedacht wurden, eingesetzt. diesen ebenso schwierigen wie zentralen Fra- periode*, auf das System der kollektiven Re- Die Rehabilitierungen, die allmähliche Off- gen stellte; weil er keine Apologie der Verbre- gentschaft der Nomenklatura zu übertragen; nung von Archiven, das wachsende Interesse chen lieferte, die im Namen Lenins und des sie verlangt kritische Überprüfung und Fortvon informellen Gruppen wie von offiziellen Sozialismus begangen wurden; weil er den- entwicklung. Aber sie liefert ein solides Fun- Stellen an Diskussionen und Kooperation mit noch an der Notwendigkeit und Berechtigung dament zum Verständnis der Ereignisse und verschiedensten Strömungen, die Infragestel- des revolutionären Umsturzes vom Oktober der sozialen Verhältnisse in der UdSSR und lung der einen offiziell kodifizierten Version 1917 festhielt; weil seine Hinterlassenschaft den Ländern ihres politisch-sozialen Typus. von allem und jedem, die nach Bedarf umge- außer in großartigen Arbeiten als Schriftstel- Zentrale Bestandteile von Trotzkis Denken schrieben wird, die Begierde nach Glasnost ler auch und vor allem in der Grundlegung und Praxis waren sein Internationalismus und auch in bezug auf die Vergangenheit — all einer organisierten internationalen Tendenz das Eintreten für Arbeiterdemokratie und diese faszinierenden Entwicklungen in der besteht, die völlig unabhängig von der Sozial- Selbstorganisation (auch wenn er diese Kon- Sowjetunion hauben auch im deutschen demokratie wie vom amtlichen „Marxismus- zepte nicht so weit entwickelt hat, wie es heute Sprachraum ein politisches Klima entstehen Leninismus" ist — deshalb kommt ihm unter nötig und möglich geworden ist). Wenn einem lassen, in dem die Veröffentlichung einer den zahireichenden herausragenden Persön- „Kommunismus des 21 Jahrhunderts" Erfolg umfangreichen Auswahl von Trotzki-Schrif- lichkeiten, die die Parteien der Kommunisti- beschieden sein soll, müssen beide Dimensioten über die Stalin-Ara von vielen Seiten als schen Internationale hervorgebracht haben, nen begriffen und mit Leben gefüllt werden. ein nützlicher Beitrag begrüßt wird. eine einzigartige Stellung zu. Sollte es nicht denkbar sein, daß den Bür- Die in diese Ausgabe aufgenommenen Trotzki hat seine unerbittliche Kritik der gern der UdSSR in nicht allzu ferner Zeit des Schriften Trotzkis sind zwischen Februar Realität der Sowjetgesellschaft und der staat- Schriften des ermordeten Revolutionärs 1929 und August 1940 verfaßt worden; sie lich verordneten Ideologie Schritt um Schritt auch und gerade die über die stalinistische stammen somit alle alle aus der Periode seines weiterentwickelt. Einige Akzentverschiebun- Diktatur — frei zugänglich gemacht werden? „„dritten Exils". Sie wurden zum überwiegen- gen, theoretische Neuerungen, in einem Fall Ebenso ist zu wünschen, daß einmal auch in den Teil im russischsprachigen Bulletin der eine ausdrückliche Kritik an eigenen früheren der DDR eine freie Debatte über die Ideen, Opposition veröffentlicht und in verschiede- Positionen sind festzustellen. So stellt er in die in der vorliegenden Ausgabe vertreten nen Zeitschriften und Zeitungen ,,trotzkisti- einem programmatischen Text von April 1931 werden, stattfinden kann. Ernst Dronke scher" Organisationen abgedruckt. Die Mehr- fest, noch habe das Proletariat der Sowjetzahl der Texte ist seinerzeit auch auf deutsch union die Möglichkeit, sich die Bürokratie zu Leo Trotzki, Schriften, Bd.1.1 und 1.2, Sowveröffentlicht worden, jedoch mit wenigen unterwerfen, die Opposition trete für eine jetgesellschaft und stalinistische Diktatur (Hg. Ausnahmen in kaum zugänglichen Periodika Erneuerung auf dem Wege der Reform ein; im H. Dahmer, R.Segall, R.Tosstorff), Hamoder nie nachgedruckten Broschüren. Oktober 1933 bezeichnet er die Beseitigung burg: Rasch und Röhring, 1988, 1416 Seiten, Aber selbst wer die Bücher Verratene Revo- der Allmacht der Bürokratie über die Gesell- je Teilband 68,00 DM, ISBN 3-89136-090-8. 26 INPREKORR 212

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funden werden konnte. Dies hat sich jedoch heute verflüchtigt, die Bewegung ist breiter geworden. Die Pflegehelferinnen haben sich gesagt: wenn die Krankenschwestern etwas in bezug auf ihren Lohn gewinnen können, warum sollten wir das nicht auch können? Daraufhin haben sie sich voll und ganz am Kampf beteiligt." Dafür fehlt es nicht an Gründen. Valérie erinnert: Die jetzige Bewegung ließ jahrelang angestaute Frustrationen zum Vorschein kommen. Die Pflegehelferinnen haben keinen echten Status: infolge des Personalmangels bei den Krankenschwestern ist es oft so - vor allem in der Nacht -, daß sie alleine auf der Station sind; manchmal sind sie sogar gezwungen, die Tätigkeiten von Krankenschwestern auszuführen. Aber dann sind sie wieder nur gut genug, um aufzuräumen oder für die Männer den Laufburschen zu spielen. Dabei haben sie doch einen Abschluß!"

Ein ansteckender Virus

Somit traten nach dem Muster der Krankenschwestern sehr schnell andere Gruppen in den Kampf, auf der Grundlage ihrer Forderungen und mit eigenen Strukturen der Mobilisierung. Und sehr bald tauchten neben der Koordination der Krankenschwestern die der Pflegehelferinnen, die des medizinisch-technischen Personals, das bewegungstherapeutische Kollektiv, das logopädische Kollektiv und das Kollektiv der psychiatrischen Abteilungen auf. Jede Struktur hatte ihre eigenen spezifischen Forderungen. Die Plattform der Pflegehelferinnen z.B. fordert einen Status für alle, den Zugang zur Ausbildung und zur beruflichen Förderung, einen Personalbestand entsprechend der Qualität der Pflege, 2000 Francs Lohnnachschlag und einen Mindestlohn von 6000 Francs.

Neben ihnen, so haben wir uns gesagt, und nicht gegen sie: das ist hier das wichtigste! Und nach und nach entwickelten sich die Verbindungen, Annäherungen stellten sich her, ein Gefühl der Gemeinsamkeit kam mit der Zeit zustande. So wurde auf Vorschlag der Koordination der Krankenschwestern (der auf der nationalen Vollversammlung vom 8.Oktober verabschiedet wurde) ein Verbindungskomitee der verschiedenen Koordinationen gegründet. Wenn seine Funktion am Anfang ein wenig vage blieb, so hat die Koordination am 5.November in der Folge ihre Existenz sehr deutlich bestätigt und ihre Rolle definiert: „Die Vorbereitung gemeinsamer Aktionen, einheitlicher Kundgebungen oder anderer Initiativen, zusammen mit anderen Beschäftigten des Gesundheitswesens."

Der zurückgelegte Weg läßt sich auch durch einen schnellen Rückblick auf die unterschiedlichen Demonstrationen der beiden letzten 1 Monate ermessen. Die vom 29.September betraf ausschließlich die Krankenschwestern. Am 13.Oktober repräsentierten die Pflegehelferinnen und andere Gruppen bereits ein gutes Drittel des Zuges, aber sie gingen hinter der Koordination der Krankenschwestern. Dagegen war die Demonstration vom 3. November deutlich von der Gesamtheit der Koordination organisiert, die hinter einem gemeinsamen Transparent marschierte: „Die Gesundheit geht alle an!" naschen Krankenhäusern die Bewegun auf Anhieb eine gemeinsame Bewegung aller Gruppen war, so z.B. in der Klinik von Agen, wo, wie Claude bemerkt, ,die Gruppen viel mehr miteinander verwachsen sind. Der Beginn des Kampfes bezog sich auf die lokalen Forderungen - insbesondere die Forderung nach zusätzlichen Stellen zur Verbesserung der Abwicklung des Wochenenddienstes. " In den psychiatrischen Kliniken wurde der Kampf am häufigsten von Beginn an als ein kollektiver Kampf aller Berufsgruppen geführt.

In bezug auf die „berufsständische" Dimension des Kampfes ist die von Anne-Marie eingeworfene Debatte hinsichtlich des Barzach-Dekrets sehr wohl ein reales Problem: die Möglichkeit für die Pflegehelferinnen, in die Gruppe der Krankenschwestern zu gelangen. Aber es wäre ein falscher Streit, die Koordination zu beschuldigen, in dieser Frage eine „elitäre* Haltung einzunehmen, um das „Niveau" ihrer Gruppe zu bewahren: das Problem der sozialen Förderung der Pflegehelferinnen wird nicht durch eine Senkung der Zulassungsvoraussetzungen für den Beruf der Krankenschwestern gelöst, sondern vielmehr durch eine ständige Verbesserung der Ausbildung in einer Weise, die es ihnen erlaubt, eine effektive dreijährige Studienzeit zu absolvieren.

Weder Almosen noch Trinkgeld!

Was auch alle Beobachter überrascht hat, waren die Schnelligkeit, mit der sich diese Bewegung entwickelt hat, und die Entschiedenheit, mit der die Krankenschwestern und das übrige Personal ihre FRANKREICH

Forderungen verteidigt haben: Das Gefühl der Legitimität unserer Forderungen war derart, daß wir von unserem Erfolg überzeugt waren," erklärt Réjane. Ein Gefühl, das durch die massive Unterstützung, die die Bewegung fand, sowohl von seiten der Kranken und von Persönlichkeiten aus der Welt der Medizin als auch der öffentlichen Meinung im allgemeinen, bestärkt wurde.

Im übrigen hat auch die Haltung der Regierung nicht wenig dazu beigetragen, die Bewegung zu radikalisieren. Während in der ersten Zeit zahlreiche Erklärungen nach der Melodie .,Wir haben euch verstanden" abgegeben wurden, weigerte sich die Regierung gleichzeitig, die Koordination anzuerkennen. Minister Evin erklärte die Gewerkschaften zu seinen einzigen Gesprächspartnern. Bei den Verhandlungen vom 6.Oktober waren seine ersten Angebote derart lächerlich (eine Milliarde Francs im ganzen, d.h. durchschnittlich 300 Francs je Krankenschwester), daß selbst die Gewerkschaften sie nicht akzeptieren konnten. Für die Koordination war es bloß ein „Almosen*: .Wir sind keine Spatzen, wir geben uns nicht mit Krümeln zufrieden. " Am 13.Oktober machte Evin neue Vorschläge, diesmal mit einem Gesamtbetrag von zwei Milliarden Francs. Die CFDT spricht von einem echten Fortschritt" Aber für die Koordination war dies bloß ein Übergang .,vom Almosen zum Trinkgeld". Die Koordination vom 15.Oktober wies diese Vorschläge nahezu einstimmig zurück und stimmte für die Fortsetzung des Streiks. In den Medien begann sich der Ton zu ändern. Man fand, daß die Krankenschwestern entschieden zu viele Ansprüche stellen: Auf einmal sind wir nicht mehr die 'süßen kleinen Täubchen*, kommentiert Sergine.

Gleichzeitig erlaubte sich Rocard einen Kommentar, der berühmt bleiben wird: ,,Es handelt sich um eine hysterische Entscheidung, die den Entscheidungen, die an der Basis in den Krankenhäusern gemacht werden, nicht vorgreift," erklärte er im Journal du dimanche vom 16.Oktober anläßlich des Ergebnisses der Abstimmung in der Koordination. „Ich bin nicht sicher, ob die Vorschläge der Regierung gründlich studiert worden sind. Wir sehen uns vor dem ungeheuren Problem, sie zu erklären."

In dieser Bewegung, in der das Gefühl von Würde so ausschlaggebend ist und die von Beginn an in einer äußerst demokratischen Weise funktionierte, wurde diese Erklärung als eine echte Beleidi-

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FRANKREICH gung empfunden: ,,Die Krankenschwestern sind nicht hysterisch, sie sind entschlossen," hielten sie ihm entgegen. Was den Versuch der Spaltung in Basis" und Führung" anbetrifft, so hatte er keinen Erfolg: die lokalen Betriebsversammlungen bestätigten die Entscheidung, den Streik fortzusetzen. Aber die Regierung wollte keinerlei Zugeständnisse machen. Gegenüber der Koordination erhielt sie die Unterstützung der Gewerkschaften CFDT, FO und CFTC, die am 24.Oktober die Vorschläge von Evin unterzeichneten, und zwar trotz des am 22.Oktober von Tausenden von Demonstrantinnen unterstützten Appells an die Gewerkschaften, dies nicht zu tun.

Verglichen mit dem gleichzeitig von Durafour den Funktionären unterbreiteten Vorschlag - eine jährliche Erhöhung von 540 Francs - konnte dieses Abkommen als ein bedeutender Fortschritt erscheinen. Doch im Verhältnis zur Breite der Mobilisierung und den von den Krankenschwestern aufgestellten Forderungen war dies nur eine Kleinigkeit. „Unseres Kampfes unwürdig"

,Wenn man sagt, daß wir nichts erreicht haben, dann ist das wohl wahr," resumiert Irène. „Die Bewegung der Krankenschwestern und des Gesundheitspersonals ist aus einem allgemeinen Unbehagen entstanden. Unter den jetzigen Bedingungen können wir nicht mehr arbeiten. ' Doch nach dem, was man uns heute angeboten hat, müssen wir praktisch unter denselben Bedingungen zu unserem Dienst zurückkehren. Morgen wird sich nichts wirklich für uns geändert haben. Von daher unsere Haltung weiterzumachen, es nicht dabei zu belassen. Was ich hier sage, das ist nicht nur mein persönlicher Standpunkt. Die nationale Koordination vom 23.Oktober hat gezeigt, daß die Reaktion überall in den Krankenhäusern gleich war. Das Evin-Abkommen hat bei den meisten Krankenschwestern große Bestürzung ausgelöst: wir haben begriffen, daß wir immer noch nicht ernst genommen werden, daß man uns tatsächlich noch in der gleichen Weise betrachtet wie vorher. Die Krankenschwestern haben diese Angebote entschieden zurückgewiesen, die eines solchen Kampfes und eines solchen Willens, die Verhältnisse zu ändern, nicht würdig sind." Ein Gefühl, das von den Krankenschwestern der Klinik Pitié-Salpetrière weitgehend geteilt wird und Rejane zusammenfaßt: „Wir sind keine Politikerinnen, aber wir sind dennoch fähig zu begreifen, daß die Regierung auf uns scheißt. Nach der Bekanntgabe des Angebots von Evin waren die Leute hier verärgert, denn sie hatten wirklich das Gefühl, von der Regierung für dumm verkauft zu werden...

Tatsächlich hat Evin diese Bewegung behandelt, als ob es sich um eine einfache Lohnforderung handelte, während deutlich zu sehen war, daß es in diesem Kampf auch um etwas ganz anderes ging. Doch dazu gab er sich mit dem Vorschlag einer ausgedehnten (und vagen...) Diskussion über die Stellung der Krankenschwester im Krankenhaus" zufrieden. Trotz der massiven Ablehnung der Abkommen zwischen Evin und den Gewerkschaften seitens der Krankenschwestern stimmte die Koordination vom 5. November für die Beendigung des Streiks. Die Ermüdung begann sich deutlich auszuwirken: bereits mehrere Wochen Streik, zusätzlich mit einem „Minimaldienst" um die Pflege sicherzustellen, wobei die Belegschaftsstärke noch geringer war als gewöhnlich. Somit war es schwierig. noch lange unter denselben Bedingungen weiterzumachen.

Die Wiederaufnahme der Arbeit bedeutete jedoch nicht, daß die Krankenschwestern und das übrige Personal, das mobilisiert worden war, mit dem Gefühl einer Niederlage zum Dienst zurückkehrten. Vorherrschend war im Gegenteil die Auffassung, daß es nötig sei, jetzt eine zweite Phase des Kampfes vorzubereiten. So hat die nationale Koordination vom 5.November einen ganzen Aktionsplan für die kommenden Monate angenommen: ein neuer „Schwarzer Donnerstag der Gesundheit*, der 1.Dezember (Tag des Inkrafttretens des Evin-Abkommens), die Vorbereitung eines nationalen Streiks Ende Januar 1989 mit einer nationalen Demonstration, eine europäische Demonstration am 1.Mai.

Trotz dieser sichtbar erschöpfenden Wochen sind die Krankenschwestern entschlossener denn je. Auch wenn sie der Meinung sind, im Augenblick noch nichts erreicht zu haben, so haben sie das Gefühl, wie Irène sagt, „die Akte Gesundheit erst einmal erfolgreich geöffnet zu haben."

„Die Argumentation der Herren Evin und Rocard besteht darin, zu uns zu sagen: Wir haben nicht mehr Geld für euch. Tatsächlich ist es eine Frage der Prioritäten im Haushalt. Zu Beginn des Kampfes waren es unsere Forderungen, die wesentlich für uns waren, die Besonderheit der Forderungen von uns Krankenschwestern. Aber je mehr sich die Bewegung entwickelte, umso größer unsere Entschlossenheit wurde, umso mehr wurde die Debatte auf das Problem des Gesundheitswesens im allgemeinen ausgeweitet. Denn das ist wohl das Grundproblem: wenn dieser Bereich seit Jahrzehnten vernachlässigt wurde, so sicher deshalb, weil er kein 'produktiver' Sektor ist, weil er keine Priorität hat. Es gibt hier eine Frage der Auswahl, die sich diese Regierung der Linken weigert zu treffen — und sie enttäuscht mehr und mehr die Krankenschwestern, die doch in ihrer Mehr- HOPIT heit zu ihrer Wählerschaft gehören. Man erzählt uns viel von 'Strenge' , aber wir stellen fest, daß diese Strenge nicht auf alle Bereiche gleich angewandt wird. Am Vorabend des 21.Jahrhunderts zögert man nicht, 140 Milliarden für Rüstung auszugeben, aber man hat nur zwei Milliarden, um auf die Forderungen des Personals im Gesundheitswesen einzugehen. Das ist ein Widerspruch, den wir vielleicht früher einmal hingenommen haben, den wir aber heute nicht mehr hinnehmen können!"

„Wir kämpfen als Frauen"

Was gleichermaßen die Kraft der Bewegung der Krankenschwestern und des übrigen Personals ausgemacht hat, ist das weitgehend geteilte Gefühl, daß dieser Kampf wirklich der ihre war. Die Organisationsweise, die sie sich gegeben haben (lokale, regionale und dann nationale

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Koordinationen, die sich auf die Beleg- erleben und den immer drückenden famischaftsversammlungen in jeder Klinik liären Belastungen. stützten, gewählte Vertreterinnen), manifestiert den Willen, permanent die Kon- „Glücklicherweise", bemerkt Claude, trolle über ihren Kampf zu wahren, und „machen die Männer im allgemeinen da das Bemühen, die größte Zahl von Perso- mit, es sei denn, mit ihnen ist überhaupt nen in ihn einzubeziehen. Dies alles ist nicht auszukommen. " Aber Sylvie diffeweit entfernt von den von Gewerkschafts- renziert zu diesem Punkt: „Sie begreifen führungen von oben, ohne Verbindung mehr oder weniger..." Es gibt welche, mit der Basis, dekretierten Aktionstagen! die das anfangs wohl akzeptiert haben, aber nach einem Monat damit anfingen, Eine „Basis", die sich, vergessen wir daß das Ganze doch ein wenig zu lange nicht, zu 80 bis 90% aus Frauen zusam- dauere... mensetzt. Dieser Aspekt erklärt gut die besonderen Charakteristika dieser Bewe- Dann gibt es die Frauen, die es bedauern, gung. Der Eintritt in den Kampf ist für „nicht alles getan haben zu können, wie eine Frau ganz und gar nicht das gleiche sie es wünschten, und zwar aufgrund der FRANKREICH des Kampfes gewidmet wurde, wie z.B. in Agen festzustellen ist: ..Es handelt sich darum, daß sie der Bewegung geben, was sie können, die Aufgaben hinsichtlich ihrer Bedürfnisse und ihrer Verfügbarkeit aufzuteilen, ohne die Angelegenheiten in den Händen einiger weniger fallen zu lassen. So haben wir die Versammlungen stets um 14 Uhr abgehalten, damit alle Frauen daran teilnehmen konnten," erklärt Claude. Des gleichen haben sie, als sie sich entschieden hatten, den Verwaltungsrat zu besetzen, um ihre Probleme dem Direktor darzulegen, dies mit ihren Kindern getan, weil dies die Voraussetzung für die Frauen war, um daran teilnehmen zu können"

Und Claude zieht daraus die Schlußfolgerung: Wir haben die Mittel benutzt, die zu uns gehören, Mittel von Frauen. In 15T VINCENTDE PAUL wie für einen Mann, nicht aus irgendwel- Kinder*; des weiteren die, die sich chen biologischen Gründen, sondern weil gründlich in die Bewegung einbringen es für die meisten Frauen niemals eine konnten, aber immer noch teilweise dietotale Trennung zwischen dem Privatle- ses alte Schuldgefühl haben wie Marieben und dem, was auf der Arbeit passiert, Françoise: „Ich habe meine Tochter gibt. Selbst im Streik tragen sie weiter während des Streiks vernachlässigt; ich „an der Last des Haushalts"*, , woran dachte nicht mehr an ihre Schulaufga- Claude erinnert: Der Streik der Kran- ben..." Oder wie Irène: „Ich fühlte mich kenschwestern, das ist Arbeit zum 'Mini- ungeheuer schuldig. Nicht gegenüber maldienst*; aber das sind auch am Abend meinem Mann, der sich mit den Kindern die Kinder zu Hause, das Putzen und ganz allein zu Hause befand - das ist mir Bügeln - selbst wenn die Partner dies- ja auch passiert! —, sondern gegenüber mal ein wenig mehr tun, selbst wenn der meinen Jungen, die ich nicht mehr gese- Haushalt vernachlässigt wird." Irène ih- hen habe. Stell dir vor, was das für Prorerseits unterstreicht, was die Frauen bleme schaffen kann bei einem vierjähribei den Mobilisierungen alles auf sich gen Kind, das plötzlich seine Mutter nicht nehmen müssen: wir sprechen vom dop- mehr zu Hause sieht, aber sie dann im pelten Arbeitstag der Frauen, aber für Fernsehen entdeckt!" (Irène wurde als Frauen im Kampf handelt es sich um ei- Mitglied des Büros der Koordination nen dreifachen Arbeitstag!" Alle spre- mehrfach interviewt.) chen von diesem permanenten Hin- und Hergerissensein zwischen dem, was sie Das Gewicht dieser „besonderen Zwängerade in der Klinik, auf den Versamm- ge" erklärt die Aufmerksamkeit, die von lungen, bei den Demonstrationen usw. Anfang an der kollektiven Organisation diesem Sinne ist es etwas anderes als eine „klassische" Konfrontation zwischen Arbeitern und Unternehmern. Wir haben ursprüngliche Aktionsweisen gewählt, die extrovertierter als die der Männer sind - mit Ballons, mit den Kindern, die auf allen vieren in das Büro des Direktors laufen...

Lernen, das Wort zu ergreifen Das Bemühen, die Sorgen und persönlichen Zwänge einer jeden zu berücksichtigen, haben es somit Tausenden von Frauen ermöglicht, sich in diesem Streik einzubringen und darin ihre „Lehrzeit" des Kampfes durchzumachen. Der kollektive und demokratische Rahmen hat einer Anzahl von ihnen geholfen, die Hindernisse und Vorbehalte zu überwinden, er hat ihnen erlaubt, sich auszudrükken. Françoise führt die Erfahrungen des Kollektivs der Klinik Pitié-Salpetrière an: ,Vor jeder Betriebsversammlung diskutieren wir zusammen innerhalb des Kollektivs, um zu erfahren, wer den Vorsitz haben wird, wer die Vorschläge des Kollektivs darlegen wird usw. Wenn wir dann in der Versammlung sprechen, fühlen wir uns durch die Kolleginnen unterstützt; das ist eine sehr wichtige Sache! Klar, beim ersten Mal war es hart, es war regelrecht nötig, sich zu zwingen, aber jetzt geht's ganz gut." Anne fährt fort: „Anfangs waren es wie gewöhnlich die Gewerkschaftsaktivisten - d.h. vor allem Typen —, die in den Versammlungen auftraten. Doch die Aufgaben vervielfältigten sich rasch, Briefe mußten verfaßt und mit den Leuten mußte diskutiert werden, um ihnen unsere Anliegen zu erklären. Nach und nach wurden alle in die Arbeit einbezogen." Und Valérie fügt hinzu, daß es für sie wichtig war, was

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FRANKREICH auf diesem Gebiet passiert ist, bei den Streikposten, bei der Diskussion über die Organisation des Streiks. Wir haben gelernt, Aufgaben zu übernehmen, in den Versammlungen zu sprechen, der Vorgesetzten Paroli zu bieten; ich würde sagen, daß dies alles wichtiger ist als die Verhandlung!"

Keine bezweifelt, daß dieser Kampf, welches Ergebnis er auch immer haben mag. eine bedeutende Erfahrung darstellt: „In den Vollversammlungen oder den Koordinationen waren es anfangs viel öfter die Männer, die das Wort ergriffen," erzählt Irène, aber dies wurde nicht negativ gesehen, denn es war ein bißchen der Ausdruck einer objektiven Situation. Wir waren nicht bereit, uns in den Debatten HERS ES

BERT DATE einzubringen. Dann haben wir begonnen, unter uns zu diskutieren: denn dieser Kampf, das war unser Kampf, es mußte etwas getan werden. Dann, in den Versammlungen, als die Typen zu lange redeten, da haben wir ihnen gesagt: "Es reicht jetzt; die Frauen zuerst!' Aber tatsächlich gab es da nichts aufzuzwingen. Die Dinge haben sich nach und nach entwickelt, und wir sind immer selbstbewußter geworden. Dazu war es erforderlich, eine ganze Menge zu überwinden, eine ganze Erziehung, eine ganze Verhaltenspraxis! Für uns ist das eine ganz neue Phase: wir haben uns als Individuen und als Frauen gefestigt.* Wir haben zu diesem Punkt auch Pascal gefragt, der wie Irène Mitglied des Büros der Koordination war und mehrfach von den Medien als männliches Sprachrohr einer mehrheitlich weiblichen Bewegung präsentiert wurde: „Es ist wahr, daß in der ersten Phase, der Phase der Strukturierung der Bewegung, François und ich viel in Erscheinung getreten sind, wir haben beide Erfahrungen als Aktivisten der Gewerkschaft und der LCR, während das Milieu insgesamt wenig kämpferische Traditionen hatte (die Gewerkschafter sind im wesentlichen Männer). Für die erste Vollversammlung z.B. hatte niemand daran gedacht, über die Aufteilung der Redebeiträge zu diskutieren. Das Resultat war, daß vor allem Typen zu Wort kamen. Schließlich reagierten die Kolleginnen, und wir haben gemerkt, daß, wenn man so weiter macht, wir uns von der Realität des Milieus entfernen. Wir haben uns gesagt, daß es absolut nötig ist, die nächsten Versammlungen kollektiv vorzubereiten, damit sich das nicht wiederholt. Das haben wir dann auch für die Versammlung vom 15.September gemacht, wo alle Einleitungsbeiträge geplant und zeitlich festgesetzt wurden, weshalb diese Versammlung sofort viel besser die Realität des Milieus widerspiegelte.

Nachdem dies alles in Gang kam, fingen nach und nach immer mehr Frauen an, auf den Versammlungen zu sprechen, den Vorsitz zu führen, Fragen der Journalisten zu beantworten... Der Ordnungsdienst auf den Demonstrationen wurde ebenfalls im wesentlichen von den Frauen gestellt..."

Es scheint, daß diese Entwicklung von den anderen Koordinationen nicht im gleichen Rhythmus mitvollzogen wurde: z.B. waren nach der Demonstration vom 3.November alle Koordinationen außer der der Krankenschwestern von Männern repräsentiert: „Das ist nicht erstaunlich," erläutert Pascal, diese Koordinationen wurden viel zu schnell aufgebaut. sie haben nicht die gesamte Phase der Reifung erfahren, die es den Krankenschwestern ermöglicht hat, sich zu 'mausern*."

Wir könnten beliebig viele Aussagen zu diesem Thema anführen. Alle Frauen, mit denen wir zusammengetroffen sind, sagen, daß „sie während des Streiks einen Haufen Dinge getan haben, die sie nie für möglich gehalten haben*. Das sind unvergeßliche Erfahrungen und Errungenschaften!

Sie sprechen auch von dem, was dieser Kampf in ihrem persönlichen Leben geändert hat: der Beginn der Solidarität zwischen den Frauen, die Freude, zusammen zu sein. Während des Kampfes gibt es ein anderes Klima zwischen den Frauen, die bisher nicht daran gedacht haben, etwas gemeinsam zu machen." Ferner die Veränderungen in den Beziehungen zwischen den Paaren und die kollektiven Diskussionen, die darüber statt-

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BAUL

BINATION INFIRMIE

DE FRANCE finden (.,Wir Männer funktionieren in Sicher, auf diese Verbindung als solche viel individuellerer Weise, wir diskutie- wird kein Anspruch erhoben. Und für ren viel weniger unter uns, " sagt uns Pas- viele dieser Frauen ist der Feminismus sogar „überholt". Kann dies erstaunen? Bei Abwesenheit eines starken und leben- .,Nichts wird wieder so sein wie vorher". digen feministischen Pols, organisierter äußerten viele in der einen oder anderen Strukturen (Frauengruppen oder gewerk- Weise, wobei Marie-Franoise eine Nu- schaftlicher Frauenkommissionen), ance hinzufügt: Im Krankenhaus, ja! einer Zeit, in der im Gegenteil die Ideolo- Aber zu Hause? Ich glaube nicht... gie des „Postfeminismus" herrscht, wäre es illusorisch zu glauben, daß sich eine Bewegung dieses Typs auf Anhieb als Kampf von Frauen, feministisch erkennt und bezeichnet. feministischer Kampf? Darüber hinaus haben die Krankenschwestern — wie vor zwei Jahren die Studen- Aufgrund all dieser Aspekte wie auch tinnen und Studenten - während ihres durch die Forderungen, die in diesem gesamten Kampfes einen Argwohn ge- Kampf aufgestellt wurden, war dieser genüber allem an den Tag gelegt, was nicht bloß ein Kampf von Arbeiterinnen, schon strukturiert war und ihnen als von die sich für ihre Arbeitsplätze eingesetzt „außen" (Gewerkschaften, politische haben, sondern er berührte unmittelbar Organisationen usw.) kommend erschien Aspekte der Frauenunterdrückung und - eine Haltung, die im wesentlichen knüpfte so an die Frauenkämpfe der 70er Ausdruck ihres Bedürfnisses war, ihre Jahre an. eigenen Erfahrungen zu machen. Kein FRANKREICH

Zweifel, diese Haltung wäre gegenüber einer organisierten feministischen Bewegung kaum anders.

Das alles hindert jedoch diese Bewegung nicht, eine wirklich feministische Dimension zu haben. Für einige unter ihnen ist der Zusammenhang mit der Frauenbewegung im Laufe des Kampfes immer deutlicher zutage getreten. So sicht Françoise, die in Lyon lange in Frauengruppen aktiv war, in dieser Bewegung Nachwehen der Frauenbewegung"

Und Irène, die die nachfolgende Generation repräsentiert, sagt ihrerseits: Zusammen mit einer Reihe von Krankenschwestern, die heute aktiv sind, gehöre ich zu der Generation von Frauen, die zur Zeit der großen Kämpfe für das Recht auf Abtreibung 14 oder 15 waren. Dies hat irgendwo bei uns diese Fähigkeit hervorgerufen, auch als Frauen gegenüber einer meist männlichen Macht Forderungen aufzustellen und zu handeln."

Die durch den Kampf der Krankenschwestern ausgelöste Dynamik kann so neue Perspektiven für die Feministinnen eröffnen. Die Grenzen sind jedoch offenkundig. Sie kommen sich nicht aus diesem Kampf selbst, sondern sie haben ihren Ursprung in der Krise der feministischen Bewegung, in der diesbezüglich existicrenden Quasi-Leere - von daher das Fehlen von Bezugspunkten für Frauen, die sich heute radikalisieren. Wie dem auch sei, dieser Streik stellt nichtsdestoweniger den Ausdruck des Wiederauftauchens von Kämpfen der Frauen dar. Und seine Bedeutung geht weit über die Krankenschwestern hinaus. Er betrifft alle Frauen, denn er wirft unmittelbar alle Probleme auf, mit denen lohnabhängige Frauen konfrontiert sind, in erster Linie die des öffentlichen Dienstes.

In relativ naher Zukunft wird es wahrscheinlich weitere Frauenkämpfe geben. Die Lehren aus dem Kampf der Krankenschwestern zu ziehen, bedeutet, sich gleichzeitig auf diese Herausforderungen vorzubereiten. Es geht um den Aufbau der Frauenbewegung.

Lassen wir Isabelle das Schlußwort sprechen: „Unser Kampf ist für diese Berufsgruppe historisch, vielleicht auch für alle Frauen...

Anmerkung:

[1. Im Französischen werden Substantive, die eine männliche oder eine weibliche Form erhalten können, im Plural nur dann weiblich dekliniert, wenn ausschließlich von weiblichen Individuen die Rede ist.]