Die spanische Arbeiterklasse ist völlig entkräftet aus dem Bürgerkrieg hervorgegangen. In der darauffolgenden blutigen Repression sind ihre Organisationen, ihre politischen Kader, ihre gewerkschaftliche Struktur und ihre besten Kämpfer vollends liquidiert worden. Mehr als 200 000 Personen sind so zwischen 1939 und 43 vernichtet worden. Die bewaffneten Widerstandkerne, die es bis Anfang der 50er Jahre in den bergigen ländlichen Zonen von Galizien, Asturien, Katalonien und Andalusien aushielten, wurden schließlich aufgerieben: nach offiziel len Zahlen sind zwischen 1943 und 1952 mehr als 5000 Partisanen getötet oder gefangengenommen und 200 000 Bauern wegen Zusammenarbeit mit der Guerilla verhaftet worden. Die Franco-Diktatur, die jede Art von Widerstand vernichten wollte, versuchte, das baskische Nationalbewußtsein endgültig zu zerstören. Aber dessen Wurzeln sind zu tief: das nationale Problem in Spanien ist historisches Produkt einer fehlgeschlagenen bürgerlichen Revolution, und dreißig Jahre Franco-Diktatur haben es nur verschärft, auch wenn die ökonomischen und sozialen Umwälzungen die sozialen Grundlagen des Problems umgeformt haben. Die algerische Revolution und die siegreiche kubanische Revolution inspirierten direkt den von der ETA 1961 aufgenommenen bewaffneten Kampf. Euskadi wurde als sowohl von Spanien als auch von Frankreich kolonisiertes Land angesehen, und der Kampf des baskischen Volkes als nationaler Befreiungskampf. Die sozialen Widersprüche in Euskadi wurden im Kampf um die nationale Unabhänigkeit, der ein "Krieg gegen Spanien" ist, ertränkt. Der Kampf gegen die Franco-Diktatur wird so auf einen Kampf gegen den Apparat des Franco-Staates in Euskadi reduziert: Attentate gegen Polizeiposten, Denkmäler des Regimes und Lokale der faschistischen Gewerkschaft, Exekutionen von franquistischen Folterern wie den Polizeikommissar s. 2 INPREKORR 15.11.72
Meliton Manzanas, der im August 1969 nach der Ermordung des jungen ETA - Militanten Xabi Etxebarriata durch die Guardia Civil hingerichtet worden ist. Der ETA gelang es, einer Teil der kämpferischen Arbeiterjugend an sich zu ziehen, und sie genießt eine breite aktive Sympathie in Euskadi. Aber der Wiederaufschwung der Bewegung nach 1962 und der spektakuläre Ausbruch der Studenten- und Arbeiterkämpfe Ende der 60er Jahre bringen die politische Ausweglosigkeit der ETA zum Eklat.