Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Bucharin-Symposium in Wuppertal

Inprekorr Nr. 209, November 1988 · S. 27 · 811 Wörter

Mittelamerika China Trotzki und Geschichte

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Bucharin-Symposium in Wuppertal demokratie und der im Weltmaßstab im Verlauf der letzten Jahre verwirklichten Wissenschaftsfreiheit.

Gegen Ende der Tagung haben wir vorgeschlagen, eine ähnliche Veranstaltung zu organisieren, die dem Denken L.D.Trotzkis gewidmet ist, ein Vorschlag, der großen Beifall erhielt. Die Veranstaltung war auch wegen des hohen wissenschaftlichen Niveaus der Beiträge au- Bergewöhnlich, ob diese nun allgemeinerer oder speziellerer Natur waren. Neue Ausgaben der Schriften Bucharins sind erschienen, darunter der bisher unbekannte Briefwechsel zwischen Lenin und Bucharin, bisher unbekannte om 10. bis 13.Oktober 1988 fand in Aspekte seiner Tätigkeit an der Spitze der V Wuppertal unter Schirmherrschaft der Komintern und wenig bekannte Aspekte seiner Gesamthochschule Wuppertal eine scharfen Kritiken - in äsopischer Sprache internationale Tagung statt, die dem Denken des stalinistischen Regimes aus der letzten Pe- N.I.Bucharins gewidmet war. Dies war ein riode seines Lebens. Interessante Vorträge und außerordentliches Ereignis. Zunächst auf- Diskussionen behandelten das Werk Bucharins grund seiner Zusammensetzung. Die anwesen- auf dem Gebiet der Philosophie (insbesondere den hundert Wissenschaftler umfaßten nämlich seine Beziehungen zu Bogdanow) und sein sowohl offizielle Repräsentanten wie Professor Eingreifen in die literarischen Debatten wäh- W.A. Koslow vom Institut für Marxismus-Le- rend der 20er und 30er Jahre. ninismus als auch „informelle" Gruppierungen aus der UdSSR, chinesische Wissenschaft- Aber im Mittelpunkt der Diskussion stand ler, unter ihnen der Direktor des Instituts für zwangsläufig das Konzept, das Bucharin von Marxismus-Leninismus-Mao Tsetung-Ideen in der NEP und den Beziehungen zwischen Peking, Professor Su Shaozhi, bedeutende bri- Markt- und Planwirtschaft hatte, genauer getische, amerikanische, französische, italieni- sagt, von dem Stellenwert der Marktmechanissche, skandinavische, deutsche, österreichi- men beim Aufbau des Sozialismus. Auch zu sche und portugiesische Sowjetologen - unter diesem Thema waren die sehr reichhaltigen ihnen die Professoren Mosche Lewin, Theo- Debatten sehr offen, trotz des Drucks der hidore Shanin und Michal Reiman, ein bedeuten- storischen und gegenwärtigen Erfahrungen. der Vertreter des Prager Frühlings —, Wissen- die unbestreitbar auf den Teilnehmern aus den schaftler aus Jugoslawien, Ungarn, Bulgarien, nachkapitalistischen Ländern lasteten. Führer der DKP. Vertreter der SPD-Linken und des linken Flügels der Labour Party, die Denn die Teilnehmer des Kolloquiums hatten Tochter von N.I.Bucharin, Dr. Gurwitsch- zusammen mehrere Hundert Jahre in den Nazi- Bucharina, und mehrere Vertreter der revolu- lagern, im stalinistischen Gulag, in den Kertionär-marxistischen Strömung. darunter kern der „Kulturrevolution" und in imperiali- Pierre Broué und ich. stischen Gefängnissen verbracht. In einem gewissen Sinne waren sie alle Überlebende, Des weiteren war das Ereignis bemerkenswert einschließlich der jungen Teilnehmer, die die aufgrund der Offenheit und Toleranz der De- Überlebenden der Welle der Demoralisierung batten. in denen alle Standpunkte ausgedrückt und des privaten Rückzuges nach dem Mai werden konnten, ohne jede Ausgrenzung, in 1968 (genauer nach 1975) waren. Unter diesen denen alle Aspekte der Tätigkeit Bucharins in Umständen ist es umso bemerkenswerter, daß objektiver und kritischer Weise behandelt wur- der bei der großen Mehrheit der Teilnehmer den, ohne Hagiographie, ohne Scheu, die Wi- dominierende Geist ein Geist war, der sich der dersprüche seines Denkens und seines politi- Zukunft und nicht der Vergangenheit zuschen Handelns darzustellen. Wir können ohne wandte und in Hinblick auf den menschlichen Obertreibung sagen, daß eine vergleichbare Fortschritt optimistisch war, bei einem bedeu- Konfrontation unterschiedlicher Auffassungen tenden Teil der Teilnehmer sogar optimistisch mit der Teilnahme untereinander freimütig und in Hinblick auf die sozialistische Zukunft der oft kontrovers diskutierender sowjetischer und Menschheit. chinesischer Wissenschaftler und der Teilnahme von „Trotzkisten" und linken Sozialde- Man muß den Organisatoren der Tagung, insmokraten mindestens sechzig Jahre unmöglich besondere dem Genossen Theodor Bergmann, gewesen ist. Dies ist Ausdruck des Fortschritts einem alten Aktivisten der Brandlergruppe, sicher noch zu sehr begrenzt auf die intel- danken, dieses außergewöhnliche Ereignis lektuelle akademische Sphäre — der Arbeiter- ermöglicht zu haben. Ernest Mandel Waffen für El Salvador 1988 — nach acht Jahren Befreiungskampf - ist die Situation in EI Salvador zugespitzt. Dies ist das Resultat einer Strategie, die den bewaffneten Kampf mit dem politischen, gewerkschaftlichen und diplomatischen Kampf effektiv zu verbinden wußte. Die FMLN hat ein Netz aus Stadtguerilla, Landguerilla und Milizen über das gesamte Territorium aufgebaut. Die Bevölkerung hat trotz Repression begonnen, große Bereiche des politischen, sozialen und kulturellen Lebens zu organisieren.

Die FMLN/FDR konfrontiert die Regierung Duarte seit Jahren mit ihrer Dialogbereitschaft. Duarte antwortet mit der absurden Aufforderung, die Waffen niederzulegen und sich in den „demokratischen Prozeß" einzugliedern. Das Scheitern des US-,Demokratisierungs**-Modells wird die USA zu einer Eskalation der militärischen Auseinandersetzungen zwingen. Für die internationale Solidarität kommt es in dieser Situation darauf an, - die materielle und politische Unterstützung der FMLN zu verstärken - die politische und ökonomische Unterstützung durch die europäische Christdemokratie - an ihrer Spitze die BRD-Regierung — anzugreifen.

Das Waffenkonto ist ein praktischer Ausdruck unserer Unterstützung der FMLN.

(Auszüge aus dem Aufruf der El Salvador-Solidaritätsgruppen Westberlin) EL SALVADOR LIBRE

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