Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Israel

Demo gegen Besatzung

Inprekorr Nr. 207, September 1988 · S. 46-47 · 815 Wörter

Nahost und Palästina

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Samstag, den 4.Juni in Tel Aviv stat Die große Demonstration, die am fand, um an 21 Jahre Besatzung zu erinnern, stellt eine Wende in der Geschichte der israelischen Frieden bewegung dar. Zunächst wegen der Zahl der Teilnehmer: mehr als 6000 Personen fanden sich in Tel Aviv ein, jeweils zur Hälfte Juden und Araber - tatsächlich bei weitem die größte Demonstration gegen die Besatzung. Für manche Veteranen war es eine Gelegenheit, sich an die vor zwanzig Jahren organisierte Demonstration zu erinnern, wo etwa fünfzig Anhänger von Matzpen allein gegen das anrannten, was das neue zionistische Groß- JAna

PEACE IS

BETTER (» K51 reich zu werden schien ... Mehrals 350 Frauen in Schwarz eröffneten den Protestmarsch mit einem durch seine Würde und Geschlossenheit beeindruckenden Zug, und die Reservisten von Yesh Gvul schlossen den Vorbeimarsch unter einem Transparent mit der Aufschrift ., Wir weigern uns, an der Repression teilzunehmen" ab. Die Zusammensetzung der Demonstration war ebenfalls neuartig: neben Aktivisten der Linken, von Yesh Gvul sowie insbesondere der KP Israels, die bedeutende Anstrengungen unternommen hatte, um ihre Anhänger aus Galiläa teilnehmen zu lassen, gab es eine starke Teilnahme von Israelis, die sich vor dem Aufstand noch als Anhänger von Shalom Archav' betrachtet hatten. Für viele unter ihnen, besonders die Jugend, war es das erste Mal, das sie ihre völlige Ablehnung der Besatzung zeigten. Die Risse, die seit mehreren Monaten die Bewegung Shalom Archav durchziehen, zwangen den militanten Flügel der Bewegung gegen die Besatzung sowie die Gesamtheit der linken Organisationen, die ihr Rückgrat bilden, die neuen Möglichkeiten aufzugreifen und ihre Arbeitsweise an die sich abzeichnende neue Lage anzupassen. Nach harten Auseinandersetzungen wurde die Wende durchgeführt.

Zum erstenmal in der Geschichte der israelischen Friedensbewegung wurde das Prinzip der Aktionseinheit bei einer Demonstration angewandt: jede Gruppe der Bewegung konnte unter ihren eigenen Losungen und unter Wahrung der eigenen Identität auftreten.

Dana JAna

Es gab ein Vorbereitungskomitee der Protestbewegungen, das die Demonstration auf der Grundlage von drei gemeinsamen Losungen leitete: Schluß mit der Besatzung; für einen israelisch-palästinensischen Frieden; Abzug der Soldaten aus den besetzten Gebieten. Die 15 Gruppierungen, die zur Demonstration aufgerufen hatten, ließen den Tausenden von Unentschlossenen eine sehr breite Auswahl und zwangen sie zum erstenmal nicht, sich diesem oder jenem Etikett oder Programm zu unterwerfen. So befanden sich die Anhänger einer Zwei- Staaten-Lösung für Palästina hinter dem Transparent der Bewegung Dai la-Kibbush und diejenigen, die um den demokratischen Charakter Israels zu bewahren, den bedingungslosen Rückzug fordern, marschierten im Kontingent der Gruppe „Das 21.Jahr* , die derzeit wichtigste Abspaltung von Shalom Archav. Diejenigen, die ihre Solidarität mit der palästinensischen Bewegung und ihre Unterstützung für die Forderungen der Vereinigten Führung der Intifada ausdrücken wollten, gehörten zum Block von Hala ha-Kibbush.

Die israelische Presse, die sich über die Anzahl der Organisationen, die zur Demonstration aufriefen, lustig gemacht hatte, mußte am Tag danach ihren Ton ändern. Am 4.Juni zeigte sich eine neue politische Kraft, die in ihrer Unterschiedlichkeit einen alternativen Pol zu Shalom Archav repräsentiert.

Michael Warschawsky 1. Zu den genannten Gruppen siche unter anderem Inprekorr. Nr.203 (S.42) und Nr.204 (S.40).

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STUDIENHEFTE

Die STUDIENHEFTE sind die deutschsprachige Ausgabe der CAHIERS d'ETUDE ET DE RECHERCHE/NOTEBOOKS FOR STUDY AND RESEARCH (CER/NSR). Sie werden im Rahmen der Aktivitäten des INTERNATIONALEN INSTITUTS FÜR FORSCHUNG UND SCHULUNG (IIFS) veröffentlicht. Die STUDIENHEFTE wollen einen Beitrag zur theoretischen Entwicklung des revolutionären Marxismus leisten. Die STUDIENHEFTE erscheinen in drei verschiedenen Versionen: als Kurshefte, die Vorlesungen am IIFS oder Ergänzungen dazu enthalten; • als Untersuchungen mit systematischen Studien über ein Land oder ein spezielles Thema; • und als Dossier und Debatte, in dem Dokumente, Artikel und Interviews erscheinen, die einen Beitrag zur Klärung kontroverser Fragen leisten sollen. Ab Juni 1988 werden die STUDIENHEFTE vierteljährlich beim isp-Verlag in Frankfurt veröffentlicht. Folgende Hefte stehen auf dem Programm: * E.Mandel: Die Stellung des Marxismus in der Geschichte (40 S.) * D.Bensaid: Revolutionäre Strategie heute (36 S.) * M.Löwy: Über die permanente Revolution (40 S.)

* P.Rousset: Die chinesische Revolution I (32S.) und Il (48 S.) * M.Ichiyo: Klassenkampf und technologische Erneuerung in Japan (48 S.) * M.Löwy (hg.): Populismus in Lateinamerika (40 S.) * C.Samary: Plan, Markt und Demokratie (64 S.)

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