Opposition gegen Gewerkschaften Das ukrainische Friedenskomitee hat vom Ungarischen Informationszentrum der Freien Presse (in London) den Text des folgenden Flugblatts erhalten, das anläßlich der von der Regierung beschlossenen Wirtschaftsreformen und neuen Steuergesetze in mehreren Betrieben und Arbeitervierteln von Budapest und Miskole verteilt worden ist: Tretet aus den Gewerkschaften aus! Die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften sinken ununterbrochen, das Beitragsaufkommen ebenfalls. Der Nationale Rat der Gewerkschaften (SZOT) hat Angst bekommen und einfach beschlossen, daß der Beitrag direkt vom Lohn abgezogen wird. Man muß nur einmal unterschreiben und schon zahlt man sein ganzes Arbeitsleben.
Was ist das für eine Gewerkschaft? Die Gewerkschaft soll unsere Interessen verteidigen, aber sie kümmert sich weit mehr um die Interessen der Partei als um unsere. Die Gewerkschaft ist angeblich eine demokratische Organisation, sie will nur nicht, daß die Mitglieder sich in ihre Entscheidungsprozesse einmischen. Die Gewerkschaft ist angeblich ein Massenbewegung. aber ihre Struktur ist ein getreues Abbild der rigiden Verwaltungsstruktur. Die Gewerkschaftsführer geben wohlklingende Parolen über den Schutz der ArbeiterInnen und der Vollbeschäftigung von sich, aber ihre Hauptsorge ist die Erhaltung ihrer eigenen Macht. Die offiziellen Vertreter der Gewerkschaft werden nicht ernst genommen. weder von den Betriebsleitungen noch von den Beschäftigten, aus gutem Grund, weil sie völlig unfähig sind. für die, die sie gewählt haben, irgendetwas zu tun.
Was erwarten wir von einer Gewerkschaft?
Sie muß unsere Interessen verteidigen, und das nicht nur hinter verschlossenen Türen, auf Treffen zwischen dem SZOT und der Regierung, sondern in jeder Fabrik, jedem Büro. Sie muß alle spontanen Initiativen, alle gemeinsamen Anstrengungen der Arbeiterinnen, die ja dieselben Interessen haben, in der Verteidigung dieser Interessen unterstützen.
Sie muß eine Umschulung für Arbeitslose und Umsetzungsprämien für all diejenigen fordern, die keine Arbeit entsprechend ihrer Qualifikation oder ihren Fähigkeiten finden können, in einem vernünftigen Umkreis um ihren Wohnort. Sie muß die Legalisierung Kurznachrichten des Streikrechts fordern und Streiks unterstützen, wenn sie gerechtfertigt sind. Sie muß für das Recht der Bürgerinnen auf Versammlungs- und Pressefreiheit kämpfen.
Warum sind wir immer noch Mitglieder in den Gewerkschaften? Aus Intoleranz, Gewohnheit und Angst. Aber wir haben nichts zu befürchten. Die Mitgliedschaft in den Gewerkschaften ist nicht obligatorisch, und wenn Tausende und Zehntausende von uns aus den Gewerkschaften austreten, kann uns niemand dafür bestrafen.
17.000 freigestellte Gewerkschaftsfunktionäre leben von unseren Beiträgen. Damit finanzieren wir einen Haushalt von zwei Mrd. Forint für den SZOT. Obwohl es nicht so aussicht. hängen die Gewerkschaften von uns ab, also müssen wir sie zwingen, daß sie für uns arbeiten. Wie?
Die freiwillige Mitgliedschaft ist eine über hundert Jahre alte Tradition in der Gewerkschaftsbewegung. Lassen wir es nicht zu, daß die Beiträge von unserem Lohn abgezogen werden. Aber das reicht nicht. Kündigen wir die Mitgliedschaft in den Gewerkschaften, und wenn die Gewerkschaftsführer dann Angst bekommen. sollen sie kommen, mit uns zu diskutieren. Fordern wir eine radikale Re form der Gewerkschaftsstatuten und Gewerkschaftsneuwahlen: stellen wir eigene Kandidaten für gewerkschaftliche Funktionen auf.
Bei der zunchmenden Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation können wir unsere Interessen nur selber verteidigen.
Treten wir aus den Gewerkschaften aus!