Die Zeiten haben sich gewandelt.... Trotzkisten werden nicht mehr als Agenten des Faschismus, als „tolle Hunde"* als Saboteure und Giftmischer angeklagt, sondern weil sie, wie es ausdrücklich in der Anklageschrift des Prager Staatsanwalts Dr.Frantisek Stilip gegen 19 Mitglieder der Revolutionär-Sozialistischen Partei heißt, sich bemühten, „die sozialistischen Staatseinrichtungen aus der Position eines 'echten" Sozialismus anzugreifen." ... Auszüge aus der Anklageschrift: Die Staatsanwaltschaft für den Kreis Prag erhebt Anklage gegen (es folgen die Namen und Personalien von 19 Personen), daß die Genannten vom November 1968 bis Dezember 1969 in den Prager Bezirken 1,2,3,6,10 und anderwärts auf Grund ihrer Ablehnung der sozialistischen Gesellschaftsordnung der Republik und ihres Widerstands gegen die führende Rolle und die Politik der KPC schrittweise eine staatsfeindliche Gruppe aufgebaut haben, zuerst als Bewegung der Revolutionären Jugend, später als Revolutionäre Sozialistische Partei bezeichnet ... und daß sie außerdem ... systematisch eine staatsfeindliche Propaganda betrieben und die politischen Grundlagen der Republik bedrohende Aktionen geplant ... eine umstürzlerische Tätigkeit gegen ihre Gesellschafts— und Staatsordnung ... betrieben haben." ...
„Nach dem Einmarsch der verbündeten Truppen am 21.August 1968 und der Vereitelung der Absichten der reaktionären Kräfte, einen konterrevolutionären Putsch durchzuführen, haben diese sich ihrer Pläne nicht begeben und versucht, sie weiterhin mit halblegalen und seit dem April 1969 mit illegalen Mitteln, u.a. auch durch Verbreitung illegaler Hetzschriften, Flugblätter und Aufrufe zu Demonstrationen sowie zu aktivem und passivem Widerstand gegen die Bemühungen der KPC um die Konsolidierung der Republik durchzusetzen.
In der zweiten Hälfte des Jahres 1969 wurde durch die Sicherheitsorgane festgestellt, daß besonders unter den Hochschulstudenten in Prag eine zersetzende Tätigkeit dieser Art auch von einer illegalen Gruppe entfaltet wurde, die sich bemühte, die sozialistischen Staatseinrichtungen aus der Position eines 'echten' Sozialismus anzugreifen. Im Dezember 1969 wurde dann festgestellt, daß an der Schaffung der erwähnten illegalen Organisation und ihrer Tatigkeit der Ing.Petr Uhl, Kan Frolik, die Westberliner Studenten Sybille Plogstedt, Peter Lukacovic, Petruska Sustrova und weitere Personen beteiligt waren."
Den Angeklagten wird vorgeworfen: ein ,,Manifest der Bewegung der Revolutionären Jugend" verfaßt zu haben ... einen ,,Historisch-Soziologischen Klub" gegründet zu haben, der bei der damaligen Jugendorganisation CSSR-Opposition (der KPC) angemeldet war, sich im Frühjahr 1969 an Demonstrationen beteiligt zu haben. Ing. Uhl hat im Mai 1969 eine weitere Demonstration vor dem Gebäude der Botschaft der DDR zur Unterstützung der aus der DDR ausgewiesenen Studenten aus Burma organisiert. Die Angeklagten waren bemüht, die Mitglieder der Gruppe theoretisch zu schulen, u.a. durch die Schrift Bürokratie nein - Revolution ja!" , in der an das Manifest angeknüpft und behauptet wurde, daß die staatliche und gesellschaftliche Ordnung der CSSR und anderer „sozialistischer" Staaten mit einem wirklichen Sozialismus nichts zu tun haben und im Widerspruch der Interessen der Werktätigen stehen. Dabei bezog man sich auf Artikel von Trotzki, Bucharin, Djilas und andere. In der Wohnung der Petruska Sustrova in Prag 3 sei mit einem Vervielfältigungsapparat zwei Tage und zwei Nächte gearbeitet und wenigstens 400 Stück der oben angeführten Schrift hergestellt worden. ... Im November 1969 habe die Organisation für Anfang 1970 eine breite Aktion zum Jahrestag des Selbstmordes von Jan Palach vorbereitet. Es wurde ein Flugblatt ausgearbeitet, das zur Organisierung einer Widerstandsbewegung für die Ablösung des bisherigen politischen und staatlichen Systems aufruft. ...
Ing. Uhl hat auch die Reise nach Westberlin angeregt, die organisatorisch von der Angeklagten Plogstedt gesichert wurde. „Die Auslagen des Aufenthalts deckte die Westberliner Organisation des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds, und während des Aufenthalts kam es zu mehreren Treffen mit verschiedenen Gruppen Westberliner Studenten sowie zu einer Zusammenkunft mit dem Funktionär der IV. Internationale Ernest Mandel, dessen Teilnahme die Angeklagte Plogstedt sicherte." Die Angeklagte Plogstedt ,, verbreitete schon im August 1968 in Prag Flugblätter, die sich gegen die damaligen Ereignisse in der CSSR richteten* . Sie versorgte Uhl mit extrem-linker Literatur aus der Bundesrepublik und aus Westberlin und nahm nicht nur passiv an der Tätigkeit der Organisation teil.
(aus: Inprekorr, Nr.1, 15.März 1917)
Guerilla in Argentinien Die