Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Das Trauma von 1927

Inprekorr Nr. 20, 15. Oktober 1972 · S. 2-3 · 339 Wörter

China

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DAS TRAUMA VON 1927 Die Beziehungen zwischen der maoistischen Führung und der stalinistischen Bürokratie sind vo Trauma der verratenenen Revolution von 1925-27 tief geprägt worden. Wie man weiß, sah Sto lin in der nationalistischen bürgerlichen Partei Kuomintang die Kraft, die "in China das fertig hingen wird, was in der Sowjetunion die Bolschewiki getan haben"' (J. Stalin: "Die chinesi- Revolution und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale"' in 'Communist Interna• 30. Juni 1925). Gemäß dieser penetranten Analyse hatte er Tschiang Kai-schek ins Pro les Exekutivkomitees der III. Internationale kooptiert und die junge, rapid anwachsen

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le Kommunistische Partei Chinas gezwungen, im Kuomintang zu bleiben, d.h. dessen Dis tiplin anzuerkennen und dessen konterrevolutionäre Linie zu über hehmen. So war die KP Chinas durch die ihr aufzwungene Linie, von der sie nicht abzuweihen wagte, obwohl sie sie nicht billigte, gefesselt und konnte nicht die Führung eines unvergleichlichen revolutionären Aufschwungs übernehmen, der dann, sich selbst überlassen, den Schlägen der Repression nicht standhielt. Das Endergebnis war nicht nur die Zerschlagung der Massenbewegung, sondern auch die fast vollständige Auslöschung der organisierten Arbeiter bewegung in China, insbesondere der KP (vergl. Harold Isaacs: The Tragedy of the Chinese Revolution).

Von 1926 an war Mao gegen die von der Komintern durchgesetzte Orientierung. In seiner "Un tersuchung über die Lage der Bauern von Hunan ' beschwört er die Partei, entschlossen die Führung der Revolution zu übernehmen, wofür er dann auch sanktioniert wird. Seit dieser Zeit ist Mao sich der Verantwortung Stalins für die Niederlage voll bewußt. Er antwortete auf die Frage des amerikanischen Journalisten Edgar Snow, wer für das Disaster verantwortlich sei: In erster Linie Tschen Tu-hsiu, der damalige Generalsekretär, der keine feste Linie durchzusetzen wußte. Aber Mao fügt sofort hinzu: "'Nach Tschen trägt Borodin, der wichtigste russische politische Berater, die Hauptverantwortung. Borodin hatte eine Position etwas rechts von Tschen Tu-hsiu, und er war zu allem bereit, um der Bourgeoisie zu gefallen, sogar dazu, die Arbeiter zu entwaffnen, eine Maßnahme, die er am Schluß anordnete." (E. Snow: Red Star over China)