Interview mit „Randy" David und „Dodong" Nemenzo eine sozialistische Kraft
Auf der revolutionären Linken der Philippinen nimmt die Bewegung Bisig einen besonderen Platz ein. Sie ist weder Partei noch Bündnis, sie sammelt Aktivisten aus unterschiedlichen politisch-kulturellen Traditionen, die sich offen auf den Sozialismus berufen. Im folgenden Interview erklären Francisco „Dodong" Nemenzo und Randolfo „Randy" David, jeweils der Präsident und Vizepräsident von Bisig, deren Ursprünge, ihren Charakter und ihre Rolle in der revolutionären Bewegung auf den Philippinen. Inprekorr: Bisig wurde im Mai dieses Jahres gegründet. Was bedeutet der Name dieser Organisation?
Randy: Bisig ist die Abkürzung von Buklaran sa Ikauunlad ng Sosyalistang / sip at Gawa. Aber Bisig bezeichnet auch den Arm einer Person. In Tagalog bedeutet es „Arbeit". Bukluran heißt „Allianz" (Bündnis) oder „Union" (Vereinigung). Bisig heißt also „Union für die Entwicklung sozialistischer Theorie und Pra- • Inprekorr: Union? Das heißt weder Partei noch Koalition?
Randy: In unserer Sprache kann man Bukluran mit „Einheit" übersetzen. Ein Forum für die Einheit. Das ist noch nicht ganz eine Partei, aber das ist mehrals eine Bewegung, weil es eine Organisation mit Strukturen ist. Bisig ist eine Neugruppierung von Sozialisten aus unterschiedlichen ideologischen Traditionen. In ihr gibt es marxistische Sozialisten, aber auch solche, die durch ihren christlichen Glauben zum Sozialismus gekommen sind. Andere sind durch organisierte Aktivitäten im kleinen Rahmen dazugesto- Ben. Diese Leute sind sich klar darüber geworden, daß es keine kollektive organisierte Arbeit geben kann, wenn man sich nicht letzten Endes auf sozialistische Strukturen orientiert. Das ist es, was diese Sozialisten eint. Ich glaube, es ist eine Bewegung, die den Bürokratismus und den autoritären Sozialismus, in dessen Zentrum der Staat steht, ablehnt. Trotz der unterschiedlichen Herkunft der Menschen, die in Bisig aktiv sind - manche kommen aus der alten Kommunistischen Partei der Philippinen (PKP), andere aus der neuen philippinischen kommunistischen Partei (CPP), manche, bewegt von den Ideen Saul Alinskys' , aus der Tradition der Volksgemeinden, andere aus der Tradition der christlichen Sozialdemokratie sind sie alle tief überzeugt, daß der Sozialismus, angepaßt an die philippinische Wirklichkeit, von Anfang an grundverschieden sein muß von jenem, in dessen Zentrum der Staat steht, also ein wirklich populärer Sozialismus sein muß, der die Hauptrolle den Organisationen des Volkes zuweist und nicht einer einzigen allmächtigen Partei. Das ist auch der Grund, warum einige von denen, die sich Bisig angeschlossen haben, ziemlich voreingenommen waren gegenüber der Idee, direkt eine Partei aufzubauen, denn sie dachten, es müfste eine Alternative geben zum Weg des Parteiaufbaus. Diese Fragen werden immer noch in unserer Organisation diskutiert.
Inprekorr: Kann man sagen, daß Bisig ein Ergebnis der Februarrevolution ist? Dodong: Überhaupt nicht. Es stimmt, daß Bisig Ende Mai 1986, also nach der Februarrevolution, gegründet wurde. Aber unser Programm stand schon im Dezember 1985 in seinen Grundzügen fest. Wir haben unseren Vorkongreß im Januar abgehalten. Noch vor Marcos' Sturz hatten wir die Gründung von Bisig vorgesehen. Die Union ist also nicht ein Produkt der Februarereignisse. Sie wäre auch dann gegründet worden, wenn Marcos weiter an der Macht geblieben wäre. Tatsächlich wurde unser Programm, das unter dem Namen „Blau buch" bekannt ist und unsere Vorstel lung vom Sozialismus darstellt, noch unter der Diktatur Marcos abgefaßt, so daß wir es aktualisieren werden müssen. Aber damals wollten wir es nicht ändern. Es gab schon zwei Versuche, eine sozialistische Partei auf den Philippinen aufzubauen. In beiden Fällen wurde die sozialistische Partei ohne sozialistisches Programm gegründet. 1930 wurde der erste Versuch gemacht; er war von der Idee getragen, einfach die tausendjährigen Traditionen Zentralluzons aufzugreifen. Das wird offenkundig in den Schriften Luis Tarucs, in denen er lediglich an die volkstümlichen Gefühle appelliert. So konnte diese sozialistische Partei leicht von den Stalinisten, die ungefähr zur selben Zeit auftauchten, aufgesaugt werden. Der zweite Versuch wurde 1966 unternommen. Diesmal war das Parteiprogramm nationalistisch. Es unterschied sich nicht vom Programm der Bewegung für den Vormarsch des Nationalismus (MAN). Deshalb glauben wir, daß der Sozialismus unserem Volk niemals erklärt wurde.
Er ist verzerrt worden, und selbst die Leute, die sich als Sozialisten oder Kommunisten verstehen, haben niemals wirklich versucht, den Sozialismus zu verteidigen. Wir sind dabei, diese Entwicklung umzukehren. Wir werden eine Aufklärungskampagne führen, um darzulegen, was der Sozialismus ist, um ihn gegen Deformationen zu verteidigen, um den wissenschaftlichen Sozialismus zu verbreiten. Unsere Idee ist, den Aufbau einer echten sozialistischen Partei der Philippinen vorzubereiten. Selbst die Kommunistische Partei der Philippinen hat niemals offen den Sozialismus oder Kommunismus verteidigt. Sie hat sich immer mit einem nationalistischen Mäntelchen getarnt. Es wurde niemals der Versuch unternommen, den Sozialismus der Situation in diesem Land anzupassen.
Die Menschen, die in Bisig aktiv sind, kommen aus wenigstens vier ideologischen Strömungen: dem alten „lavaistischen" Kommunismus? , der maoistıschen Richtung des Kommunismus, der christlichen Sozialdemokratie und solchen, die nie diesen Strömungen angehörten. In Bisig wollen wir nicht einfach jene, die aus diesen Strömungen gekommen sind, zusammenfassen; wir wollen eine Vereinigung auf höherer Stufe. Inprekorr: Baut ihr eine pluralistische Organisation auf?
Dodong: Ich mag das Wort pluralistisch nicht allzusehr in diesem Zusammenhang, denn es unterstellt, daß verschiedene Tendenzen mehr oder weniger autonom innerhalb einer gemeinsamen Struktur handeln. In Bisig versuchen wir eine zusammenhängende Ideologie auszuarbeiten, indem wir vonallen vier Strömungen lernen.
Philippinen
Randy: Ausgehend von unseren eigenen Erfahrungen versuchen wir, deren positive Aspekte zu bewahren. Es ist also überhaupt nicht so, daf in unseren Debatten ein Maoist immer wie ein Maoist argumentiert, oder ein Sozialdemokrat wie ein Sozialdemokrat und so weiter. Genau deshalb haben wir Zeit gebraucht, bis wir bereit waren, Bisig der Öffentlichkeit als formell gegründete Organisation vorzustellen. Ich muß unterstreichen, daß diese Diskussionen für uns alle lehrreich waren. Manchmal benahmen wir, die aus einer Strömung kommen, die mehr mit dem Marxismus verbunden ist, uns so, als ob alle von marxistischen Voraussetzungen ausgingen. Ein Beispiel mag dies verdeutlichen: aus unserer Strömung wird sich jemand, da er von der Universität kommt, oft einen wissenschaftlichen Standpunkt zu eigen machen, um die Notwendigkeit des Sozialismus zu verteidigen. Er wird sagen, daß nur der Sozialismus den dauerhaften Fortschritt und die Entwicklung der Produktivkräfte garantieren kann. Viele unserer Freunde, die aus der Tradition der christlichen Sozialdemokratie kommen, glauben, daß das eine etwas eingeschränkte Vorstellung von Sozialismus ist. Sie glauben, daß die moralische Überlegenheit des Sozialismus genauso wichtig ist. Das ist der marxistischen Tradition nicht ganz tremd, vor allem, wenn man sich die Schriften des jungen Marx anschaut, in denen er von Entfremdung etc. spricht. Wir haben intensive Auseinandersetzungen über diese Frage geführt. Ich bin mir fast sicher, daß europäische Marxisten, wenn sie dieses großartige Experiment betrachten, es als puren Eklektizismus bezeichnen werden. Wie dem auch sei, wir sagen klar und deutlich: es ist der Versuch, einen philippinischen Sozialismus aufzubauen, der unseren Bedingungen angemessen ist. Wir sind sehr darauf bedacht, jede Tendenz zum Dogmatismus zu vermeiden. Es gibt soviel geistige Offenheit unter uns, daß ich manchmal den Eindruck habe, die, die von der Universität kommen, gleichen sich allmählich den Christen an, und jene, deren Ausgangspunkt der Glaube war, den Marxisten.
Dodong: Wenn wir von philippinischem Sozialismus reden, möchte ich nicht den Eindruck erwecken, wir hätten einen beschränkten Gesichtspunkt. Ich glaube im Gegenteil, daß es nicht übertrieben ist zu sagen, daß wir heute auf den Philippinen die internationalistischste Perspektive haben. Betrachten wir beispielsweise die CPP. Seit in China Mao Zedong fallen gelassen wurde, hat sich diese Partei sehr gescheut, zu 28 INPREKORR 190 irgendeiner internationalen Frage Position zu beziehen. Das gleiche gilt für die Sozialdemokratie.
Die PKP ist nur insoweit internationalistisch, als sie mit der Linie Moskaus nicht in Widerspruch gerät. Wenn wir von philippinischem Sozialismus sprechen, wollen wir damit sagen, daß wir diese Art von Politik ablehnen und nicht gleichgültig sind gegenüber den Ereignissen in der Welt. Uns interessiert die Weltwirtschaft, die Entwicklung in den sozialistischen Ländern, die Kämpfe der Völker in der Dritten Welt, und wir versuchen uns zu informieren über die Kämpfe der Arbeiterklasse in den kapitalistischen Ländern. Der Ausdruck „philippinischer Sozialismus" muß in diesem Sinn verstanden werden. Inprekorr: Die Schaffung von Bisig ist Ergebnis einer langen Entwicklung ... Randy: Geht man einige Jahre zurück, so stellt man fest, daß verschiedene Gruppierungen existieren, die PKP, die CPP, die Nationale Demokratische Front (NDF), die Sozialdemokraten etc. Aber es gab immer Leute, die glaubten, nicht einverstanden sein zu können mit bestimmten Perspektiven und Arbeitsweisen dieser Parteien. Ebenso gab es Leute in diesen Organisationen, die merkten, daß sie grundlegende Meinungsverschiedenheiten hatten und sie deshalb verließen. Viele dieser Leute hatten vorher auf unterschiedliche Art und Weise jahrelang in diesen Organisationen gearbeitet in der Hoffnung, ihre eigenen Perspektiven und ihren Einfluß als unabhängige Linke zur Geltung zu bringen.
Nach der Ermordung Benigno Aquinos 1985 gab es mehrere Versuche, unabhängige Organisationen aufzubauen. Ich glaube, wir erlangten die Kraft zur Gründung von Bisig 1985, nachdem zwei Versuche, eine Einheitsfront aufzubauen, scheiterten — zuerst die Bewegung „Gerechtigkeit für Aquino, Gerechtigkeit für alle" (JAJA) und dann die „Koalition der Organisationen zur Verwirklichung der Demokratie" (CORD). Als das Projekt Bayan von CORD ins Leben gerufen wurde, geschah dies auf der Basis der traditionellen Spaltung in Nationaldemokraten (ND), Sozialdemokraten (SD) und Liberaldemokraten (LD). Die unabhängigen Gruppen waren der Auffassung, daß dies eine Unterteilung sei, die die Vielfalt der bestehenden Gruppen nicht berücksichtigte. Jene, die sich weder ND, SD noch LD zuordneten, beschlossen nun, sich zusammenzuschließen und sich als erstes Ziel die Bildung eines Blocks im Rahmen von Bayan zu setzen.
Der Block wurde bekannt unter dem Namen „Unabhängige Demokraten" (ID), entsprechend der Terminologie Bayans. Später wurde er umbenannt in „Unabhängiger Caucus" (IC). Der IC war in Bayan aktiv. Aber er hat Bayan schließlich verlassen, nicht mit den Sozial- und Liberaldemokraten, die zum Zeitpunkt des Kongresses (gemeint ist der Gründungskongreß im Mai 1985, Anm. d. Red.) ausgetreten sind, sondern später, nachdem der Aufbau einer auch nur begrenzten Einheitsfront mit den Nationaldemokraten zu schwierig erschien. Nun beschlossen die Mitglieder des IC weiterzumachen. Über ein Jahr lang wurden wöchentlich Versammlungen organisiert, auf denen versucht wurde zu bestimmen, wer wir sind, was uns eint und welche politischen Perspektiven uns von anderen Gruppen unterscheiden. Das hat Arbeitsbeziehungen entlang eines praktischen Prozesses begründet, wie sie mit dem unmittelbaren Aufbau einer formalen Struktur nicht möglich gewesen wären.
Schließlich wurde ein Vorkongreß des IC beschlossen; Bisig war als neuer Name noch nicht gewählt. Auf dem Vorkongreß wurde die Bildung einer Union beschlossen. Wir waren alle Sozialisten, wir fühlten, daß der Sozialismus auf die Tagesordnung gesetzt werden mußte. Die anderen Gruppen sprachen von sozialer, nationaler oder liberaler Demokratie, aber wir glauben, daß dies Fragen des Übergangs sind. Für bestimmte andere Gruppen natürlich, wie die CPP, mußte die Tatsache, kommunistische Partei zu sein, zum Sozialismus führen. Aber unglücklicherweise haben sie die Frage des Sozialismus nicht offen gestellt. Demgegenüber glauben wir, daß der Augenblick gekommen ist, eine klare Perspektive vorzuschlagen, gerade damit sich die Arbeiter identifizieren können mit einem längerfristigen Kampf, der einen sozialistischen Inhalt hat. Inprekorr: Bisig ist also von einer Reihe kleiner Organisationen gegründet worden?
Randy: Zu Beginn setzte sich der „Unabhängige Caucus" (IC) aus Organisationen und einigen Individuen zusammen. Aber bei Bisig waren wir weniger ehrgeizig in unseren Zielen. Wir waren nicht der Meinung, weil die Führung bestimmter Organisationen schon im IC war, müßten sich alle Mitglieder an der Gründung von Bisig beteiligen. Ab dem Zeitpunkt, als wir eine eigene sozialistische Vorstellung hatten, haben wir beschlossen, zuerst eine provisorische Organisation aufzubauen, die nur für Einzelmitglieder offen ist. Wir hatten dadurch mehr Zeit, an jedes Mitglied der
in Frage kommenden Organisationen heranzukommen und mit ihm über die sozialistische Perspektive zu reden. Wir wollten nicht, daß die Mitgliedschaft in Bisig ein Resultat der Entscheidung der Führung sei, sondern daß die Mitglieder jeder dieser Organisationen sich damit auseinandersetzten.
Fast die Hälfte dieser Organisationen hat diesen Prozeß bereits durchlaufen und wird sich, auf der Basis der Auseinandersetzung mit den Grundlagentexten, kollektiv Bisig anschließen. Jetzt hoffen wir darauf, daß wir ein Jahr nach der Gründung Bisig eine einheitliche Struktur geben können, aber auf einem höheren Niveau als es die ungefähr 200 Leute darstellten, die diese Struktur im letzten Mai gegründet haben.
Dodong: Einer der Vorteile, auf kleiner Stufenleiter mit individuellen Beitritten zu beginnen, war, daß wir uns als eine geschlossene Organisation betrachten konnten und nicht als eine Koalition, die verschiedene Tendenzen zusammenfaßte. Selbst wenn viele früher in der Führung verschiedener Organisationen waren, konnten wir dadurch gewährleisten, daß man sich gegenseitig keine Etiketten mehr anhängte. Wenn Bisig später einmal mehrere Organisationen zusammenfassen wird, werden wir, selbst wenn diese ihre Autonomie beibehalten sollten, dennoch keine Koalition verschiedener Strömungen werden, sondern ein Bündnis mehrerer sektorieller Organisationen, die an einem und demselben Projekt arbeiten. Aus diesem Grundist Bisig wirklich eine Union und nicht einfach eine Allianz oder eine Bewegung. Es ist eher eine Fusion verschiedener Strömungen, als eine Koalition.
Inprekorr: Welches sind die Sektoren, in denen Bisig hauptsächlich verankert Dodong: Unsere Priorität ist die Arbeit innerhalb der Arbeiterbewegung und in den Stadtteilen. Die Arbeit in den Stadtteilen ist auch eine Möglichkeit, die Ar beiter zu organisieren. Unter philippinischen Verhältnissen ist es manchmal unmöglich, die Fabrikarbeiter über die Gewerkschaften zu organisieren. Es lohnt sich mehr, das in ihren Wohnorten zu tun. Deshalb ist die Arbeit in den Arbeitervierteln der großen Städte eine der Besonderheiten der Organisierung der philippinischen Arbeiterklasse. Einige Leute glauben, daß Bisig vor allem unter den Intellektuellen der Universität der Philippinen (UP) verankert ist. In Wirklichkeit ist Bisig vor allem unter den Armen in den Städten und den Organisationskadern in den Stadtteilen verankert. Danach kommen die Gewerkschaften, dann die Studenten und schließlich an fünfter Stelle die Universitätslehrer. Wir schämen uns nicht, daß wir mehr Einfluß im universitären Milieu, besonders an der UP haben als andere Strömungen. Aber sie repräsentieren nur eine kleine Minderheit in unserer Organisation.
Auf dem Land sind wir noch zu schwach. Eine der Gruppen in Bisig kommt aus Zentralluzon. Aber die Mehrheit derer, die sich uns angeschlossen haben, stammt nicht aus ländlichen Gebieten. Sie kommt aus den Städten Zentralluzons. Im Augenblick haben wir nicht viele Kader unter den Bauern. Wir betrachten das als eine wirkliche Schwäche.
Randy: Von den Organisatoren arbeitet die Mehrheit in ländlichen Gebieten. Was die langfristige Arbeit betrifft, so gibt es Mitglieder von Bisig, die schon mit Organisationen der Bauern und Fischer zusammenarbeiten. Aber wir sind sehr vorsichtig und behaupten nicht, daß die Gruppen, mit denen wir zusammenarbeiten oder die wir gar führen, automatisch Mitglieder von Bisig sind. Denn solange sie nicht die Grundsätze von Bisig unterschrieben haben, können sie nicht als Mitglieder betrachtet werden. Da es zur Zeit nur individuelle Beitritte gibt, sind Bauern und Fischer noch nicht so zahlreich vertreten, wie wir es uns wünschten. Das gilt ebenso für gewerkschaftliche Aktivisten und jene, die Organisationen der Armenviertel in den großen Städten angehören.
Dodong: Es gibt noch einen anderen Grund, warum so wenig Bauern auf dem Kongreß von Bisig waren. Tatsächlich hat es Bauern aus Zentralluzon gegeben, die an den Versammlungen zum Vorkongreß teilgenommen haben, aber nicht genug Geld hatten, um nach Manila zu kommen. Wir versuchen jetzt, eine Sektion von Bisig in dieser Region aufzubauen. Gebt uns ein Jahr Zeit und die Bauern werden viel stärker unter unseren Mitgliedern vertreten sein. Geographisch sind wir auch mit Gruppen in Südluzon, Quezon, Mindanao und den Visayas verbunden. Inprekorr: Welches sind die Hauptaufgaben, die Bisig auf seinem Gründungskongreß für die kommende Periode beschlossen hat?
Randy: Über die Regierung nach der Februarrevolution ist viel gesagt worden. Aber ich glaube, alle haben verstanden, daß der wichtigste Aspekt bei dieser Regierung ist, daß sie eine demokra- Philippinen
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Wir wissen nicht, wie lange diese Periode dauern wird. Ich hoffe, wir haben genug Zeit. Gleichgültig, ob diese Periode nun von kurzer oder von verhältnismäßig langer Dauer ist, glauben wir, daß jetzt der Moment da ist, um wenigstens zwei Dinge zu unternehmen. Die erste Aufgabe ist die sozialistische Erziehung und die Organisierung der Sozialisten. Wie wir schon vorher sagten, haben die kommunistischen Parteien, die alte und die neue, obwohl sie schon seit ziemlich langer Zeit in diesem Land verankert sind, das Verständnis für eine sozialistische Umwandlung der Gesellschaft nur wenig verankert. Im großen und ganzen wurden sie unter der Fahne des Nationalismus oder der Demokratie aktiv, aber niemals unter der des Sozialismus. Wir glauben, selbst wenn es für Sozialisten in der jetzigen Situation vielleicht nicht möglich ist, an die Macht zu gelangen, entbindet sie dies nicht von der Aufgabe, ein sozialistisches Programm zu entwickeln und dessen Bedeutung zu erklären. Die sozialistische Erziehung ist folglich unsere erste Aufgabe.
Die zweite Aufgabe, die uns aufgrund unserer Erfahrungen notwendig zu sein
Philippinen scheint, wurde immer als wichtig betrachtet, hat aber selten zu Erfolg geführt. Es ist die Notwendigkeit, am Aufbau einer Einheitstront aller tortschrittlichen Kräfte zu arbeiten. Ihr wift, daf die Situation auf den Philippinen bestimmt war durch die Präsenz der CPP. Wir glauben, daß diese Partei gro- Be Schwierigkeiten haben wird, aus eigener Kraft an die Macht zu gelangen und eine sozialistische Gesellschaft zu gründen. Ich glaube, sie ist der gleichen Ansicht: eine Einheitsfront ist notwendig. Aber das beinhaltet die Existenz anderer Organisationen, die ähnlich organisiert sind. Wir glauben auch, daß andere Gruppen geschaffen werden müssen. Da wir ja eigene sozialistische Traditionen haben, ist Bisig in einer sehr guten Situation, um die Verbindung der verschiedenen fortschrittlichen Kräfte im Land zu ermöglichen. Das ist also das zweite Ziel Bisigs. Inprekorr: Die Erfahrung mit verschiedenen Koalitionen und Einheitsfronten, besonders in den Jahren 1983-1984, hat eine große Rolle bei der Bildung von Bisig gespielt. Könnt ihr auf die Lehren zurückkommen, die ihr daraus gezogen habt?
Dodong: Seit 1950 gab es auf den Philippinen eine ganze Reihe von Versuchen, eine Einheitsfront aufzubauen. Aber die Beteiligten gingen von der Idee einer Einheitsfront hinter einer einzigen Vorhut aus. Das hat nie funktioniert. Es gab Massenorganisationen der Partei, die eine scheinbare Einheitsfront bildeten mit einigen naiven Liberalen oder einigen opportunistischen Politikern, die die Unterstützung der Partei suchten. Aber das war eigentlich keine Einheitstront. Wir haben gehofft, daß Bayan eine Einheitsfront werden würde, wie es sie in El Salvador oder sogar in Nicaragua gibt, in der also unterschiedliche Strömungen zusammenarbeiten, ohne daß eine allein den ganzen Aufbauprozeß der Einheitsfront kontrolliert. Unsere Vorstellung von dem, was eine Einheitsfront sein müßte, wurde durch die spätere Entwicklung voll und ganz bestätigt. Mittlerweile machen wir wieder Anstrengungen, um Einheitsfronten auf der Grundlage präziser Themen aufzubauen. Ich glaube, daf wir bei diesem Prozeß insgesamt eine wichtige Rolle spielen werden, weil wir die vorangegangenen Erfahrungen beim Aufbau von Einheitsfronten stark verarbeitet haben.
Randy: Natürlich kann man nicht einfach die Verantwortung für diese Mißerfolge der stärksten Partei zuschustern. Sie war und bleibt die bedeutendste Kraft. Aber die größte Schwierigkeit, die immer auftaucht, wenn man unter- 30 INPREKORR 190 schiedliche Koalitionen aufzubauen und Einheitsfronten zu bilden versucht, ist die, daß es eine große kämpferische Kraft mit einer klar definierten ideologischen Perspektive neben den Massenorganisationen gab, von denen viele keine klaren ideologischen Vorstellungen hatten, so daß die ideologischen Unterschiede, die für eine Einheitsfront notwendig sind, wenn sie wirklich mit Leben erfüllt und nicht einfach eine Front der Partei dar- mit kamer stellen soll, nicht zum Ausdruck kamen. Das war bisher das Haupthindernis. Ein anderes liegt im gegenseitigen Mifstrauen und in den Erfahrungen der Vergangenheit, durch die die Gruppendauerndauf der Hut waren. All dies reicht zurück in die Zeit vor der Verhängung des Kriegsrechts (1972, als es den Konflikt zwischen den Sozialdemokraten und den Nationaldemokraten gab. Alle diese Gruppen zusammenzufassen, wäre schwierig, gerade wegen der Vergangenheit. Was uns betriftt, so glauben wir, daß wir eine wichtige Rolle spielen können beim Aufbau einer Einheitsfront. Jene unter uns, die vorher bei den Sozialdemokraten oder den Nationaldemokraten organisiert waren, haben oft gute Beziehungen mit ihren früheren Organisationen bewahrt. Jene, die von diesen zwei Gruppen unabhängig waren, sind offen für die verschiedenen Strömungen, die im Land existieren, und sind nicht vorbelastet durch den Arger und den Groll der Vergangenheit. Wir glauben, daß in Zukunft die Zusammenarbeit leichter sein wird. Wir werden sehen.
Eines der Probleme, das mit diesem gegenseitigen Mißtrauen zusammenhängt, ist die Tatsache, daß es Massenorganisationen gibt, die legal arbeiten, aber mehr oder weniger mit der NDF im Untergrund oder mit der CPP verbunden sind. Das nährt bei den anderen Gruppen automatisch die Furcht, daß es heimliche Projekte gibt. Es gab die Tendenz, Differenzen unter den Tisch zu kehren, statt sich über die Probleme auseinanderzusetzen und genau zu schauen, welches die konkrete Basis für die Einheit sein könnte.
Im Laufé der gemeinsamen Arbeit sind diese unterschiedlichen Standpunkte wieder an die Oberfläche getreten, was zum Bruch einer größeren Zahl dieser Koalitionen geführt hat, wie z.B. bei JAJA.
Inprekorr: Welches sind die vorrangigen politischen Herausforderungen in den kommenden sechs Monaten?
Randy: Ich glaube, daß gewisse Fragen im Zentrum des Geschehens stehen werden. Zuerst einmal werden wir in den nächsten sechs Monaten sehen, wie die Verhandlungen zwischen der philippinischen Regierung und der NDF ausgehen. Dann wird sich die Frage stellen, welche Rolle die Militärs in den Reihen der Regierung spielen werden. Wir verstehen gut, daß es einen starken Wunsch seitens der militärischen Hierarchie gibt, zumindest des Teils, der von Enrile geführt wird, einen größeren Handlungsspielraum zu erhalten, als er von der Regierung Aquino zugestanden wird. Die dritte Frage betrifft die Kommunalwahlen. Jeder fragt sich, ob Cory Aquino sich eine eigene Wahlpartei schaffen wird. Sei es in Formeiner Koflition oder in Gestalt einer neuen Partei. Die Leute fragen sich auch, in welchem Maß und wie sich die Linke an diesen Wahlen beteiligen wird.
Das vierte Problem hängt mit der Verfassungskommission zusammen. In den kommenden sechs Monaten wird die neue Verfassung dem Volk zur Bestätigung vorgelegt. Heute wissen wir nichts Genaues über den Charakter dieser Verfassung und über die Positionen der unterschiedlichen politischen Kräfte, ob sie eine Kampagne für ihre Annahme führen oder zum Boykott aufrufen werden. Während der Ausarbeitung der Vertassung wurden mehrere Fragen debattiert: die Frage der ökonomischen Souveränität: welche Rolle die Auslandsinvestitionen auf den Philippinen spielen; die Frage der US-amerikanischen Stützpunkte; welche Politik man zu den Atomwaffen machen muß; die Frage der Agrarreform.
Ich bin sicher, daß diese Fragen, die in den letzten Wochen bereits viele Debatten hervorgerufen haben, in den nächsten sechs Monaten wieder an die Oberfläche kommen, wenn der Zeitpunkt der Annahme oder Ablehnung der neuen Verfassung gekommen ist. Daneben gibt es natürlich immer noch das Problem der ehemaligen Anhänger des Marco-Regimes. Diese sind, davon bin ich überzeugt, vollkommen unfähig, die Macht an sich zu reißen. Aber sie können, in Verbindung mit dem Enrile-Flügel im Militärapparat, die Regierung Aquino in ernsthafte Schwierigkeiten bringen.
Anmerkungen:
' Saul Alinsky, ein christlicher Denker, ist Autor von Analysen über soziale Arbeit und die Organisation der Gemeinden, an denen sich Teile der christlichen Basisgemeinden orientiert haben.
" Diedrei Brüder Lava, Vincente, José und Jesus spielten in der PKP ab 1940 eine hervorragende Rolle. "Die Präsidentin Aquino hat angekündigt, daß die Wahlen zur gesetzgebenden Versammlung am 11. Mai 1987 stattfinden werden. Erst später werden Provinz- und Kommunalwahlen folgen. Die Durchführung dieser Wahlen hängt offensichtlich von der Annahme des Verfassungsentwurfs durch ein Referendum ab, das am 2. Februar 1987 abgehalten wird.
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