David Cameron 1 986 hat Südkorea des öfteren Schlagzeilen gemacht. Das Regime von Präsident Chun Doo Hwan wurde von Massendemonstrationen herausgefordert, wie es sie seit 1980 nicht mehr gegeben hat. Damals kam Chun Doo Hwan durch einen Militärputsch an die Macht, der der instabilen Interrimsregierung nach der Ermordung von Park Chung-hee im Oktober 1979 ein Ende bereitete. Die Machtübernahme durch Chun Doo Hwan wurde begleitet von der militärischen Niederschlagung des Volksaufstands in der Stadt Kwangjuim Mai 1980 — dabeigab es über 200 Todesopfer. Dies war das Ende der Massenmobilisierung, die es von 1979-80 gegeben hat. Wie sein Vorgänger Park hatte Chun seine Amtsübernahme durch die Annahme einer Verfassung — sie wurde 1980 in einem Referendum mit 99,5% Ja-Stimmen gebilligt — und durch seinen Sieg in den Präsidentschaftswahlen legitimiert.
Die Verfassung von 1980 wurde zur Zielscheibe der wichtigsten Oppositionspartei, der New Korean Democratic Party (NKDP- Neue Demokratische Partei Koreas), die 1984 gegründet wurde und von Kim Dae Jung und Kim Yung Sam geführt wird. Die NKDP begann im Frühjahr 1986 mit einer Protestkampagne gegen die Verfassung; sie verlangte ihre Revision noch vor dem Ende der 10 INPREKORR 189 Amtsperiode von Chun Doo Hwan 1988. Die Direktwahl des Präsidenten soll das jetzige indirekte Wahlverfahren ersetzen. Auch das Wahlsystem zur Nationalversammlung wird angegriffen, weil es die Partei bevorzugt, die an der Regierung ist, in diesem Fall die „Demokratische Gerechtigkeitspartei (Democratic Justice Party- DJP) von Chun Doo Hwan.
Am 12. Februar 1986, genau ein Jahr nach den Parlamentswahlen, bei denen die NKDP ihren Stimmenanteil vergrö- Bern konnte, leitete sie in Seoul eine Petitionskampagne für eine Verfassungsänderung ein. In den folgenden Monaten kam es in verschiedenen Großstädten zu Massenkundgebungen, an denen sich Zehntausende beteiligten. Bemerkenswert dabei war das Auftauchen einer unabhängigen Studentenbewegung mit radikalen Parolen wie „Nieder mit der Diktatur" *, gegen die Anwesenheit der 40000 US-Truppen im Land und für eine „Verfassung des Volkes" Bei einer Demonstration am 3. Mai in Inchon haben sich 10000 Studenten und Arbeiter, die sich unter diesen Losungen versammelt hatten, sechs Stunden lang eine Auseinandersetzung mit der Polizei geliefert. Dadurch wurde sichtbar, daß es im Land eine viel radikalere Opposition gibt als die von den beiden Kims geführte, und daß sie sich nicht nur auf die Universitäten beschränkt. Regierung und Opposition hatten im Juli eine Schonfrist miteinander vereinbart, bis das Verfassungsproblem gelöst sei. Nach dem Scheitern der Verhandlungen hat die NKDP neue Massenkundgebungen angekündigt. Inzwischen ist auch die Frage der Teilung des Landes wieder akut geworden, durch die Durchführung der Asiatischen Spiele vom 30. September bis 5. Oktober in Seoul, durch das Attentat, bei dem am 14. September auf dem Flughafen in Seoul fünf Reisende getötet und 31 verletzt wurden, und durch die Diskussion über die gemeinsame Organisation der Olympischen Spiele von beiden Teilen Koreas. Die Studentenbewegung, die keinen „Waffenstillstand" mit der Regierung abgeschlossen hatte, organisierte während der Asiatischen Spiele mehrere Kundgebungen gegen die Regierung Südkoreas und gegen die USA, die einen gewalttätigen Ausgang hatten. Die Lage bleibt gespannt und die Zukunft der Regierung Chun Doo Hwan ist unsicher. Die gesellschaftlichen Kräfte, die auf eine Demokratisierung Südkoreas drängen, die Arbeiterklasse, die Mittelschichten und die Studenten, sind sehr stark. Doch ihre Gegner sind es
auch. Die südkoreanische Bourgeoisie und ihr Staatsapparat sind wesentlich stärker als auf den Philippinen. Sie ist in der Lage, die Risıken und Vorteile einer kontrollierten Demokratie abzuwägen und dementsprechend zu handeln. Der folgende Artikel behandelt die Anfänge des südkoreanischen Staates und das 25jährige Wirtschaftswachstum, zwei Grundlagen, die notwendig sind, um die heutige Situation zu erklären! Die Teilung Koreas
Der südkoreanische Staat entstand 1945 aus der Teilung des Landes. Mit der Niederlage Japans, das seit 1910 eine äußerst brutale Kolonialherrschatt über Korea ausgeübt hatte, wurde das Land am Ende des Zweiten Weltkriegs unabhängig. Angesichts der geopolitischen Lage Koreas wurde die Form dieser Befreiung jedoch durch das Kräfteverhältnis zwischen den USA und der Sowjetunion bestimmt. Im Abkommen von Yalta 1945, im Abschnitt über die Bedingungen des Kampfes der Sowjetunion gegen Japan wurde vereinbart, daß Korea nördlich des 38. Breitengrads von sowjetischen Truppen besetzt werden sollte, südlich davon von US-amerikanischen Truppen.
Die sowjetische und die amerikanische Besatzung haben sich sowohl der Form als auch ihrem Inhalt nach unterschieden. Die sowjetischen Truppen, die im August 1945 • im Norden eintrafen, konnten sich auf eine Widerstandsbewegung in der Bevölkerung und auf ein Netz von anti-japanischen Volkskomitees stützen, die nach der Zerstörung des japanischen Kolonialstaats die Basis des neuen Staatsapparats bildeten. Die koreanischen Kommunisten waren nur ein Teil dieser Massenbewegung, doch sie hatten Einfluß, zum einen wegen der sowjetischen Unterstützung, zumanderen wegen der Rolle, die sie im Widerstand gegen den japanischen Kolonialismus gespielt hatten. Seit Anfang der dreißiger Jahre hatten die Kommunisten eine Guerillabewegung geführt, die erst in Korea, dann in der Mandschurei gegen Japan gekämpft hatte, ehe sie zum Rückzug nach Sibirien gezwungen wurde. Die Betreiung des Nordens war also eine Kombination des Einmarsches der Sowjetarmee mit einer wirklichen Massenmobilisierung gewesen. Der daraus entstandene Staat zeigte sich fähig, in kurzer Zeit nationale, demokratische und antikapitalistische Reformen durchzuführen.
Im Süden verlief die Entwicklung ganz anders. Erstens marschierten die Amerikaner erst am 8. September 1945 ein, sechs Tage nach der Kapitulation der japanischen Truppen und zwei Tage nach der Ausrufung einer koreanischen Volksrepublik durch die Nationalversammlung der antijapanischen Volkskomitees in Seoul.
Schon vor der Ankunft der Amerikaner hatte diese die Japaner entwaffnet, die politischen Gefangenen befreit und die Kollaborateure verhaftet. Die amerikanischen Besatzungsbehörden weigerten sich, diese Republik und die Volkskomitees anzuerkennen und richteten sofort eine Militärregierung ein. Erst im Februar 1946 setzten sie eine Zivilregierung ein, die jedoch unter militärischer Vormundschaft stand. Vorsitzender der Regierung war Syngman Rhee, ein Politiker der Rechten, der von den letzten 41 Jahren 39 in den USA verbracht hatte und mit der US-Armee ins Land gekommen war. Außer Rhee bestand die Regierung hauptsächlich aus ehemaligen Kollaborateuren mit den Japanern; die Beamten des alten Kolonialstaats wurden größtenteils in den neuen Staatsapparat übernommen, besonders in die Repressionskräfte.
Die Amerikaner hatten also nicht den geringsten Beitrag zur Befreiung des Landes geleistet, diese war schon vorher erreicht worden, durch die Mobilisierung der koreanischen Massen. Andererseits weigerten sich die Amerikaner, die aus dieser Mobilisierung hervorgegangene Macht anzuerkennen. Darüber hinaus lösten sie den kolonialen Repressionsapparat nicht auf, sondern benutzten ihn zur Errichtung ihrer eigenen Verwaltung. Sie sperrten sich gegen jede Wiedervereinigung des Landes, weil eine solche den halbkolonialen Staat, den sie gerade errichtet hatten, hinweggefegt hätte. Der aus der US-amerikanischen Besatzung heraus entstandene Staat hatte von Anfang an einen anti-nationalen und massenfeindlichen Charakter. Dies prägte ihn weitgehend Die entscheidende Periode in der Geschichte Koreas, die zwischen 1945 und 1950, ist noch nicht genügend erforscht, aber ihre Hauptzüge sind klar. Die Errichtung eines halbkolonialen Staates und sein gesellschaftlicher Inhalt führten im Süden zu Massenprotesten, die sich nicht auf die kommunistische Strömung beschränkten. Es gab 1946 und 1948 Proteste gegen Syngman Rhee in Form von Massenaufständen für die Unabhängigkeit, für die Wiedervereinigung, für die Agrarreform - eine zentrale Frage, da Korea damals hauptsächlich ein Agrarland war. Die Spannung wuchs, als der Norden 1946eine radikale Südkorea
Landreform durchführte. Die Regierung Syngman Rhee reagierte mit systematischer Repression. So gab die Koreakommission der UNO im August 1949 bekannt, in den acht Monaten vor dem 30. April 1949 seien 89710 Personen unter dem „Dekret zum Schutz der nationalen Freiheit" festgenommen worden. Rhees Innenminister Kim Huo Suk, der bei Kriegsausbruch zum Norden überlief, schätzte die Zahl der zwischen 1945 und 1950 Getöteten auf 250000 Personen, die Gefangenen auf 600000ª. Auch wenn die Zahl aus Propagandagründen übertrieben worden wäre und es wären in Wirklichkeit nur halb so viele gewesen, bliebe doch unter dem Strich eine beeindruckende Zahl für ein Volk von damals weniger als 30 Millionen Einwohnern. Als 1948 mit der Gründung der Republik Korea die Teilung des Landes institutionalisiert wurde, stieß dies bei der großen Mehrheit der politischen Kräfte quer durch alle Strömungen auf Ablehnung. Diese Tatsache verdient aus zwei Gründen hervorgehoben zu werden: erstens zeigt sie die Isolierung des Regimes von Syngman Rhee, das keine Unterstützung in der Bevölkerung hatte; zweitens erklärt sie die Beziehungen, die die Opposition im Süden damals mit der hefterung Pyöngyang im Norden unter- Der Koreakrieg
Heute darf das trübe Bild, das die Demokratische Volksrepublik Korea (Democratic People's Republik of Korea - DPRK) vermittelt, und der groteske Personenkult um Kim Il Sung nicht die Errungenschaften dieses Regimes und seine Rolle im Kampf um die Einheit 1945-1950 verdrängen. Im Gegensatz zum Regime in Seoul ist das in Pyöngyang aus der Zerstörung des kolonialen japanischen Staatsapparats hervorgegangen; es setzte sich zusammen aus Kämpfern gegen den japanischen Imperialismus. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Reformen im Norden 1946 und besonders die Landreformhatten eine erhebliche Anziehungskraft auf die Menschen im Süden. Das Regime in Pyöngyang war übrigens keineswegs gegen den Süden abgeschirmt. Viele Kämpfer liefen zum Norden über und die Grenze zwischen beiden Teilen des Landes war bis 1948 ziemlich durchlässig.
Es kann deshalb niemanden erstaunen, daß die von Pyöngyang vorgeschlagene Plattform zur Wiedervereinigung von der Mehrheit der politischen Kräfte im
Südkorea
Süden unterstützt wurde. Unter diesen Bedingungen beschlossen die USA, im Mai 1948 im Süden unter der Kontrolle der UNO Wahlen zu einer Verfassungsgebenden Versammlung durchzuführen. Dieser Entschluß wurde von den Regierungen Indiens, Australiens und Kanadas abgelehnt. Die nordkoreanische Regierung schlug ihrerseits die Wiedervereinigung vor und forderte freie Wahlen im gesamten Land nach Abzug aller fremden Truppen. Auf zwei Konferenzen im April und im Juni 1948 in Pyöngyang und in Haeju, bei der „die südkoreanische Delegation fast alle maßgeblichen Männer des Landes mit Ausnahme von Dr. Rhee") aufgeboten hatte, enthielt die Plattform der DPRK „die klare Unterstützung der Vertreter der großen Mehrheit der politischen Strömungen Koreas, des Nordens wie des Südens"* Dies sei an einem Beispiel verdeutlicht. Kim Ku, ein alter koreanischer Patriot, obschon der Rechten angehörend, war während des Krieges Vorsitzender der provisorischen Regierung gewesen, die sich unter den Schutz der Guomindang in China gestellt hatte. Er nahm an den Konferenzen von Pyöngyang und Haeju teil und rief zum Boykott der Wahlen vom Mai 1948 auf. Kim Ku wurde 1949 in Seoul auf offener Straße ermordet, sein Mörder, ein Leutnant aus Rhees Armee, wurde niemals verurteilt. Vielen Oppositionspolitikern erging es ebenso, z.B. You Un-kyong, dem Präsidenten der kurzlebigen Republik von 1945 - er wurde im Juli 1947 ermordet. Die DPRK wurde 1948 auf einer Versammlung proklamiert, deren Delegierte im Norden öffentlich, im Süden geheim gewählt worden waren'.
In diesem Klima von Widerstand und Kepression, der starken Legıtımität der Regierung in Pyongyang und des versteckten Kriegs entlang dem 38. Breitengrad brach im Juni 1950 der Koreakrieg aus, der erst ein Bürgerkrieg war, dann aber durch die Intervention der USA und später der chinesischen Truppen verschärft wurde. Der rasche Vorstoß der nordkoreanischen Truppen erklärt sich nur teilweise aus militärischen Gründen. Er war vielmehr die Konsequenz des Mangels an Massenunterstützung für das Regime Rhee. Die offizielle Geschichtsschreibung der US-amerikanischen Armee berichtet, die südkoreanische Armee habe sich „aufgelöst"" kam zu Massendemonstrationen. Im Süden wurden neue Volkskomitees gebildet, die die Reform des Nordens einleiteten. Nach der massiven Intervention der amerikanischen Armee und der Zerschlagung der neuen Machtstrukturen 12 INPREKORR 189 Wo Daewoo sein Geld macht in % des Gesamtvolumens #lektronik Autos $0.56 S0.4 Bau $1.31 Andere $2.1 Schiffsbau
S0.88 1985 Mrd. Dollar
Maschinenbuu im Süden bestand noch eine Zeitlang eine starke Guerillabewegung. Wir wollen hier nicht näher auf den Koreakrieg eingehen. Wirwollen nur unterstreichen, daß dieser Krieg enorm viel Menschenleben gekostet, riesige materielle Zerstörungen angerichtet und das soziale Gefüge des Landes zerrissen hat. Darüber hinaus führte die Repression gegen die Linke zu einem Bruch in der politischen Geschichte des Landes und zur Vernichtung der Opposition, die bis Ende der vierziger Jahre die Wiedervereinigung angestrebt hat. Ihre führenden Kader wurden physisch ausgerottet. Eine US-amerikanische Quelle gibt an, bei der Wiedereroberung des Südens durch die Amerikaner seien 100000 Oppositionelle hingerichtet worden, dabei sind die Massaker während der zeitweisen Besetzung des Nordens vor der Intervention der chinesischen Armee Ende 1950 nicht berücksichtigt*.
Grundlagen des Wirtschaftswachstums
Das Regime Syngman Rhee gründete sich 1953 auf eine völlig zerstörte wirtschaftliche Basis und auf eine gesellschaftspolitische „Normalisierung" *. Zu Kriegsende lag das Pro-Kopf-Einkommen Südkoreas nicht höher als das des Tschad. Abgesehen von dieser Tatsache war Südkorea jedoch weit weniger unterentwickelt als viele andere Länderder Dritten Welt. Hier liegt einer der Gründe für das spätere Wirtschaftswachstum. Während der japanischen Kolonialherrschaft hatte sich die koreanische Wirtschaft beachtlich entwickelt. In den drei Jahrzehnten direkter Kolonialherrschaft wuchs die Wirtschaft durchschnittlich um 10% pro Jahr und schon 1940 waren in der Industrie und im Bergbau 300000 Arbeiter beschäftigt. Der Hauptteil der industriellen Basis lag im Norden (Minen, Metallindustrie, Düngemittelproduktion); der Süden lebte vorwiegend von der Landwirtschaft — seine Industrie beschränkte sich auf Textilien und Nahrungsmittelproduktion. Doch die Landwirtschaft war modern. Korea war die Kornkammer Japans und stellte seine Düngemittel größtenteils selbst her; deren Verbrauch stieg zwischen 1916 und 1930 um das 6Ofache. Es gab auch recht qualifizierte Arbeitskräfte: schon 1945 verfügte Korea über 6000 Ingenieure.
Mit diesem Erbe hat Südkorea - das man damals als Halbkolonie der USA bezeichnen konnte - 1953 sein Wirtschaftswachstum begonnen. Wenn auch der wirkliche Aufschwung erst Anfang der sechziger Jahre kam, so wurdendoch die Grundlagen dafür bereits in den fünfziger Jahren gelegt. Das Wachstum wurde von eigenem koreanischen Kapital getragen, dafür gibt es zwei Erklärungen: erstens waren 91,2% der Investitionen vor 1945 — außer denen in der Landwirtschaft — in japanischem Besitz gewesen. Der südkoreanische Staat konnte also die japanischen Kapitalisten enteignen und deren Besitz an koreanische Kapitalisten verteilen. Darüber hinaus hat er auch eine Landreform durchgeführt, wobei er die japanischen Besitzer, die 40% des bebauten Bodens hielten, entschädigungslos enteignete, den enteigneten koreanischen Besitzern aber Entschädigung zahlte.
In den fünfziger Jahren richtete sich die wirtschaftliche Entwicklung hauptsächlich auf die Herstellung von Ersatzgütern für Importe für den Binnenmarkt, besonders im Nahrungsmittel- und Textilbereich. Diese beiden Sektoren stellten 1955 55% der Industrieproduktion her. Damals stand die Verarbeitung von Baumwolle, Zucker und Reismehl im Mittelpunkt der Produktion. Doch diese erste Wachstumsperiode stieß bald auf ihre Grenzen. Der Industriesektor produzierte 1955 nur 10% des Bruttosozialprodukts. Die jährliche Wachstumsrate der Industrieproduktion betrug 1955 25%, 1958 9%, 1961 3%. Die industrielle Entwicklung war auf die Nachfrage des Binnenmarktes und die Bedürfnisse im Inland beschränkt geblieben, und von kleinen und mittleren Betrieben getragen worden.
Erst nach dem Sturz Syngman Rhees 1960 und dem Machtantritt Park Chung Hees 1961 begann der südkoreanische Wirtschaftsbooms wirklich. Das neue Regime stellte zwar keinen radikalen Bruch mit dem Regime Rhee, aber doch
eine einschneidende Veränderung dar. Das Regime Park entfaltete nun eine ehrgeizige Wirtschaftspolitik, die auf neues Wachstum orientiert war.
Staatlich gelenkter Kapitalismus Ab 1961 wurde das Wirtschaftswachstum von der dirigistischen Hand eines starken Staates gelenkt. Der Eingriff des Staates in die Wirtschaft war entscheidend, er reichte bis ins kleinste Detail. Grundlegendes Ziel der Wirtschaftspolitik Parks war der Aufbau einer auf den Export orientierten industriellen Wirtschaftsmacht, die gleichzeitig auf dem Binnenmarkt einen Sektor nach dem anderen eroberte. Zur Verwirklichung dieses Projekts stellte der südkoreanische Staat eine Reihe von Fünf-Jahres-Plänen auf, worin er die strategischen Hauptachsen der Entwicklung festlegte, under gab sich die Mittel zu ihrer Durchführung. Erst wurde mit staatlichen Mitteln die Infrastruktur einer modernen Wirtschaft geschaffen (Transport, Nachrichtensystem, Energie). Dann wurde planmäßig die Entwicklung von Industriezweigen gefördert. Der erste Fünfjahresplan 1962-1966 gab der Entwicklung des Energie-, Düngemittel-, Textil-und Zementsektors den Vorrang. Der nachfolgende Plan favorisierte vor allem die Produktion von Kunstdünger, Petrochemie und Elektrogeräten. Der dritte Plan förderte die Stahlindustrie, die Verbesserung des Transports, die Entwicklung von Haushaltsgeräten und den Schiff bau, usw.
Die Exportorientierung der Wirtschaft wurde 1964 noch verstärkt durch die Abwertung der südkoreanischen Währung, dem Won, und die Einführung eines günstigen Exportkreditsystems, das den koreanischen Firmen gegen Vorlage von Ausfuhrverträgen Kredite zu 6% Zinsen gewährt, während der normale Zinssatz bei 24% lag. Es war also der Staat, der immer wieder die großen Wirtschaftsentscheidungen traf und diese dem individuellen Kapitalisten aufzwang. Dessen Eigeninteresse konnte sich sehr wohl im Widerspruch zum Ziel des „Aufbaus" einer wirklichen lokalen bürgerlichen Klasse befinden. Der Staat nahm Einfluß über die Kontrolle der Bankkredite — die Banken waren bis 1980 in staatlicher Hand - und durch andere Kontrollmechanismen. Als Beispiel sei der Fall der Textilindustrie genannt. Nach der Eroberung des Binnenmarktes konnte diese Industrie Anfang der sechziger Jahre auf dem Weltmarkt Fuß fassen, da sie über qualifizierte und billige Arbeitskräfte verfügte. Doch kurzfristig bot der Binnenmarkt bessere Profite. Die Regierung zwang trotzdem die Unternehmen dazu, in den Exporthandel einzusteigen, indem sie ihnen Zugang zu importierten Zwischenprodukten, die sıe benotigten, nur gewahrte, wenn sie einen Teil ihrer Fertigprodukte exportierten.
Während der letzten 25 Jahre Wirtschaftswachstum wurden auch die Chaebol aufgebaur, jene ungefähr 50 großen privaten Trusts, die eine breite Produktionspalette unter einem Dach vereinigen, von den Besitzern und ihren Famılen geleitet werden, und meistens aus deren Verbindungen zur politischer Macht hervorgegangen sind . Die meisten Chaebol bestehen seit 20 Jahren. Ein typisches Beispiel ist die Daewoo-Gruppe, die „allein 70000 Beschäftigte zählt, obwohl sie erst vor 17 Jahren aus einem kleinen Textilunternehmen heraus entstand. Mit Unterstützung von Park Chung Hee hat Kim Woochang (der Vorsitzende der Daewoo-Gruppe) ein Imperium aus Handel, Schiffbau, Wohnungsbau, Automobilproduktion, Textil, Banken, Fernmeldewesen, Elektronik und Bekleidung aufgebaut. In Pusan besitzt er die größte Textilfabrik der Welt und in Oskpo eine ultramoderne Schiffswerft. Im Mittleren Osten hat er große Werfen aufgebaut. Heute investiert er in die Halbleiterproduktion"1° Die rasante Entwicklung des südkoreanischen Kapitals in Form der Chaebol zeigt sich an einer 1980 in der US-amerikanischen Zeitschrift Fortune veröffentlichten Liste der 500 größten nicht-amerikanischen Firmen der Welt. Hier werden zehn südkoreanische Firmen neben nur 20 anderen Drittweltfirmen aufgeführt". Die Aktivitäten der Chaebol werden von der Regierung genau festgelegt. Oft legt die Regierung sogar den Marktanteil der Firmen für ein bestimmtes Produkt fest.
Diese voluntaristische Wirtschaftspolitik hat zu der beeindruckenden Industrialisierung Südkoreas in den letzten 25 Jahren geführt. Von 1960 bis 1980 lag die jährliche durchschnittliche Wachstumsrate des Bruttosozialprodukts Südkoreas bei 10%, in den entwickelten kapitalistischen Ländern bei nur 3,7%. Im selben Zeitraum hat sich der Export südkoreanischer Industrieprodukte auf das 150fache gesteigert. So traten die südkoreanischen Unternehmen auf mehreren Gebieten in Konkurrenz zu den imperialistischen Ländern. Südkorea nimmt, hinter Japan, heute den zweiten Rang im Schiffbau ein. Es stellt Autos und Maschinen her. Es hat seine eigene Stahlindustrie, deren Produktion seit 1978 die gesamte interne Nachfrage Südkorea
AIB-Sonderheft 4/1986 Wahlen '87 68 ASSE
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Bundesrepublik und Dritte Welt
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Der bundesdeutsche Anteil • an der wirtschaftlichen Ausbeutung • an der Schuldenkrise • am NATO- Interventionismus • Fallbeispiele: Nicaragua und Südafrika • Anliegen der Solidaritätsbewegung • Alternativen der Opposition • Dokumente, Rezensionen
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Südkorea
Das südkoreanische Wirtschaftswunder
Struktur der aktiven Bevölkerung Aufteilung des BSP
Landwirtschaft Städtische Landwirtschaft, Verarbeitende Dienst- Forst & Fischerei leistungen Bevölkerung Forst, Fischerei leistungen 1960 bis 1961 63 11 26 47 8 45 1965 bis 1966 59 10 31 34 45 11 44 1970 bis 1971 50 15 35 32 16 50 1975 bis 1976 46 19 35 51 26 27 47 1980 34 23 43 55 17 34 49 1981 34 21 45 20 34 46 Quellen: Ro land Bénabou, La Corée du Sud ou l'industrialisation planifiée, in: Economie internationale, Nr. 10, 1982. La Documentation française. Jean-Raphael Chaponnière, La République de Corée, un nouveau pays industriel, Mai 1982, Documentation française. betriedigen kann. Heute exportiert Sud- wirtschaftlich hatte sie erhebliche Kon- Welt. 83 nahm es den vierten Rang hinter korea schlüsseltertige Fabriken, beson- sequenzen. Brasilien, Mexiko u. Argentinien ein. tum wurde hauptsächlich vom nationa- ders im Textilbereich. Dieses Wachs- Erstens hat sie den Staatshaushalt er- Seine Pro-Kopf-Verschuldung überleichtert und damit Gelder für Investi- steigt jedoch die Brasiliens. 13,5% der Exlen Kapital getragen. tionen freigesetzt. Zweitens haben die porte müssen für den Schuldendienst hohen Militärausgaben dazu beigetra- aufgebracht werden, die Schuldenlast
Ist Südkorea nun dabei, aus der Unter- gen, daf für die Industrie wichtige Infra- beträgt 53% des BSP. Den höchsten An entwicklung oder wenigstens aus der struktur geschaffen wurde, wie Straßen, teil an Direktinvestitionen aus dem Aus- Abhängigkeit vom Imperialismus her- Häfen usw.; sie haben auch die Bauindu- land halten die USA und Japan. Zwiauszukommen? Taucht da ein „neues" strie gefördert. Die südkoreanischen schen 1962 und 1980 haben diese beiden Japan auf? Mitnichten. Die Bedingun- Firmen haben übrigens erst Verträge mit Länder allein 78,8% aller Auslandsinvegen, unter denen der südkoreanische der US-amerikanischen Armee in Korea stitionen in Südkorea getätigt. Während Wirtschaftsaufschwung stattgefunden abgeschlossen, bevor sie in die Märkte die US-Interventionen eher auf den süd. hat, sind sehr spezifische, und trotz des anderer Länder eingestiegen sind, wo es koreanischen Binnenmarkt ausgerichtet wirtschaftlichen Wachstums bleibt das oft auch US-Basen gab. In der Armee sind, dienen die japanischen dem Export Land größtenteils vom US-amerikani- haben viele Koreaner eine Ausbildung, nach Japan, Europa oder indie USA. Ein schen und japanischen Imperialismus sei es im Produktionsbereich, sei es in groler Teil des japanischen Kapitals abhängig. Die Existenz einer nationalen Verwaltungsberufen kommt von kleinen und mittleren Un. Kapitalbasis und die dirigistische Politik Wirtschaftshilfe tragen die USA 5,7 ternehmen. Als einziges entwickeltes des Staates waren notwendige, doch nicht Mrd. Dollar bei, die internationalen Or- kapitalistisches Land hat Japan in den hinreichende Bedingungen für den Auf- ganisationen - Weltbank, Asiatische sechziger und siebziger Jahren keine schwung. Dieser ist hauptsächlich zu- Entwicklungsbank, UNO, usw. - 1,9 Fremdarbeiter importiert, sondern eher rückzuführen einzigartige Mrd. Sund Japan 1 Mrd. Sals Kriegsent- dazu tendiert, wenig rentable Sektoren Kombination einer relativen Unabhän- schädigung. seiner Industrie nach Südkorea und Taigigkeit, die sich aus der wirtschaftlichen wan auszulagern, wo es billigere Arbeits und militärischen, damit auch politi- Ende der sechziger Jahre war die Wirt- kräfte gibt''. Die Freihandelszonen entschen Machtposition Südkoreas ergibt, schaftshilfe rückläufig — sie betrug in der standen in Südkorea erstmals 1970. und seiner extremen Abhängigkeit vom Periode 1953-62 8% des BSP, 1963-64 Doch ihre Rolle in der südkoreanischen Weltmarkt, demzufolge auch von den 6,5% und 1965-74 4,4% des BSP. Die Wirtschaft ist marginal geblieben. 1981 imperialistischen Mächten, die diesen staatliche Hilfe wurde von ausländi- waren hier weniger als 3% des Industriebeherrschen. Im folgenden seien daher schem Privatkapital abgelöst, und zwar proletariats beschäftigt. einige äußere Faktoren untersucht, die nicht hauptsächlich von Direktinvestifür das südkoreanische Wirtschafts- tionen, die 1970 nur 5% der Investitio- Direktinvestitionen ausländischen Kawachstum eine Rolle gespielt haben. nen in die Industrie darstellten, sondern pitals werden meist in Form von Joint von Bankkrediten. Auf diese Weise Ventures getätigt, d.h. koreanischdrang ausländisches Kapital in die kore- imperialistischen Gemeinschaftsunter- Imperialistische Hilfe anische Wirtschaft, vor allem japani- nehmen. Die Schaffung solcher Gemein- Südkorea ist hinter Israel und dem von sches Bankkapital, nachdem 1965 beide schaftsunternehmen wird streng konden USA besetzten Südvietnam das Länder einen Vertrag zur Normalisie- trolliert; zwischen 1966 und 1981 wur- Land, das die meiste Hilfe seit dem rung ihrer Beziehungen unterzeichnet den besondere Gesetze dafür geschaffen. Zweiten Weltkrieg erhalten hat. Das hatten. Die Kredite gingen hauptsäch- Unter den Verträgen, die zwischen 1962 Ausmaß der Hilfe erklärt sich natürlich lich an die Chaebol. Das südkoreanische und 1978 zwischen koreanischen und aus seiner geopolitischen Lage. Zwi Regime hat sich bewußt dafür entschie- imperialistischen Firmen abgeschlossen schen 1946 und 1976 hat Südkorea 15 den, sich lieber tief zu verschulden, als wurden, dominierte nur in 28,5% der Mrd. Dollar erhalten, davon 8,6 Mrd. einen Wildwuchs imperialistischer Inve- Falle Auslandskapital, und diese deck- Wirtschaftshilfe und 6,9 Mrd. Militär- stitionen in seiner Wirtschaft zuzulas- ten nur 42,9% der Gesamtinvestitionen. hilfe. Die Militärhilfe hat zur verschärf- sen. Infolgedessen wuchs die Auslands- Anfang der achtziger Jahre stellten diese ten Militarısierung der südkoreanischen schuld stark an. Südkorea gehört zu den Investitionen etwas mehr als 20% der Gesellschaft geführt. Doch auch rein am höchsten verschuldeten Ländern der Industrieexporte dar. Es gibt nur zwei 14 INPREKORR 189
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