Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Editiorial

Bekämpft die Contra im eigenen Land

Inprekorr Nr. 183/84, Juli/August 1986 · S. 3-4 · 503 Wörter

Mittelamerika

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Angriffe auf internationale Brigadisten in Nicaragua sind zu einem Baustein in der Kriegführung der Contra geworden. Der Ermordung von Joel Fiu (F), Bernd Koberstein (BRD) und Ivan Claude Levyraz (CH) war die Entführung von zwölf bundesdeutschen Brigadisten, die Ermordung des Schweizers Maurice Demierre und zweier belgischer Brigadisten vorangegangen. Die Fälle häufen und verschärfen sich. Mit der Entführung der zwölf Deutschen Mitte Mai hatte die Contra noch das Ziel verfolgt, ein eigenes Hoheitsgebiet" auf nicaraguanischem Territorium zugesprochen zu bekommen. Das hat sie verfehlt. Es sieht nun ganz danach aus, als verlege sie sich darauf, die weltweite Sympathie, die Nicaragua entgegengebracht wird, durch Mordanschläge zu erschüttern. Insofern stellt die Ermordung der drei Brigadisten eine Kriegserklärung an die Solidaritätsbewegung dar. Die Brigadisten, die heute dennoch nach Nicaragua gehen —wie die Bertolt Brecht- Brigade, die Anfang August gestartet ist - stellen sich nicht nur bewußt „in die Schußlinie der US-Politik", wie es in ihrer Erklärung heißt. Sie stellen sich in die Schußlinie der Contra-Gewehre. Die Solidaritätsbewegung ist selber Teil des Krieges geworden. Das ist eine neue Qualität. Der Krieg zwingt bekanntlich alle Teilnehmer, ihr Lager zu wählen. Das gilt auch für die Bundesregierung. Sie ist dabei, ihre Position der scheinbaren Neutralität zwischen der sandinistischen Regierung und der Contra aufzugeben. Sie macht die Sandinisten, nicht die Mörder und Aggressoren verantwortlich. Ihre heuchlerische Anteilnahme und Warnung, die „jungen Aufbauhelfer doch nicht in Kriegsgebiete" zu schicken, ist eine unverhohlene Aufforderung, dem angegriffenen Regime doch in den Rücken zu fallen. Sie beteiligt sich damit direkt an der Kampagne, die versucht, Nicaragua politisch, materiell und moralisch zu isolieren, damit es militärisch danach umso leichter geschlagen werden kann. Daran zeigt sich, daß die Solidaritätsbewegung zu einem wirklichen politischen Faktor geworden ist. Von dort bis zum Vorwurf, die Solidaritätsbewegung sei verantwortlich für den Mord an den Brigadisten, ist nur noch ein kleiner, absehbarer Schritt. Künftig wird massiver Druck ausgeübt werden, die Organisierung von Brigaden zu unterlassen. Darauf muß die Solidaritätsbewegung mit einer Gegenoffensive antworten, die vor allem die Komplizenschaft der Bundesregierung aufs Korn nimmt. Die Position des uneigennützigen Helfers beim Aufbau einer neuen Gesellschaft und der Hinweis auf die Verantwortlichkeit der USA reichen dazu nicht aus. Wir unterstützen Nicaragua, weil dieses Land denselben Kampf führt wie die Arbeiterbewegung und die Solidaritätsbewegung hier - während die indirekte Unterstützung der Contra durch die Bundesregierung Teil des imperialistischen Projekts ist, auch den zartesten Ansatz einer Hoffnung auf einen Ausweg aus der Krise der kapitalistischen Gesellschaft zu ersticken. Die Entsendung weiterer Brigaden ist die richtige und notwendige Antwort. Sie kann sich auf Dauer jedoch nur fortführen lassen, wenn „an der Heimatfront" wieder mehr getan wird, die Solidaritätsbewegung auch gegen die Contra in der BRD wieder in die Offensive kommt.

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SÜDAFRIKA